Akzente 2017 inoffiziell – An der Knieenden kam auch Klaus Thies nicht vorbei

Momentan finden die  38. Duisburger Akzente statt. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Als Die Knieende, die Skulptur von Wilhelm Lehmbruck, Ende der 1920er Jahre in Duisburgs innerstädtischem Tonhallenpark aufgestellt wurde, fand das wenig Zustimmung in der Duisburger Öffentlichkeit. 50 Jahre später hatte sich das geändert. Die Knieende wurde zum Grundmotiv eines Werbeplakats für das Lehmbruck Museum. Nur dass nicht die Skulptur selbst zu sehen war, sondern Duisburger aller Gesellschaftsschichten. Für die „111 Fußballorte, die man gesehen haben muss“ habe ich daran, erinnert, dass auch der damalige Spieler des MSV, Klaus Thies, auf dem Plakat zu sehen gewesen ist. Mit einem Klick geht es zum Portrait der Ballerina Greetje Groenendyk für das Plakat auf der letzten Seite der Katalogvorschau.

Unter kunstinteressierten Fußballfreunden sei für Duisburg folgender Vergleich erlaubt: Im Werk des 1881 in Meiderich geborenen
Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ist die »Kniende« wie das Spiel der Spiele von Bernard Dietz, der 1977 fast im Alleingang für den 6:3-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München sorgte. Anstrengung, das Ringen um das Ergebnis und die Zweifel am Erfolg sieht man dem Endstand genauso wenig mehr an wie der lang gestreckten Skulptur in Überlebensgröße. 1911 entstand ein erster Bronzeguss, und ein weiterer präsentiert sich rechts vom Weg zum Museumseingang, während die Steinskulptur in dessen Räumen betrachtet werden kann.
Ein Werk von solcher Bedeutung für Künstler und Kunstgeschichte wird dann genutzt, wenn wie 1976 das Museum eine Werbekampagne startet. Beauftragt war der Fotograf Gerd Jansen, dem ein doppeldeutiger Slogan einfiel, Zustandsbeschreibung und selbstbewusstes Statement zugleich: »An der Knienden kommt keiner vorbei«. Für die Fotos zum Slogan ließ Gerd Jansen Duisburger aller Gesellschaftsbereiche sich niederknien. Eine Ballerina etwa gab sich anmutsvoll, ein Müllmann massig, und der damals 25-jährige Klaus Thies vom MSV Duisburg zeigte sich an der Seitenlinie im Wedaustadion fußballerisch.
Vielleicht waren es seine glatten, etwas längeren Haare und sein eher hagerer Körperbau, die ihn als Lookalike der »Knienden« geeignet machten. Die Zeit hat die Erinnerung verwischt. Deutlicher konturiert sie sich für MSV-Fans der älteren Jahrgänge beim Namen Thies, obwohl er in der Historie des MSV Duisburg kein bedeutender Spieler wurde. Ihnen fällt sofort das Pokalfinale 1974 gegen Eintracht Frankfurt samt der einen großen Chance zum Führungstreffer ein, die Klaus Thies vergab. Vergessen ist dabei, dass sich der Spieler mit einem Sololauf über das halbe Spielfeld die Chance selbst erarbeitet hatte. Erinnerungen sind manchmal ungerecht.

Entnommen ist der Text dem Buch „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“. Im Buchhandel ist es nicht mehr erhältlich. Bei mir lässt es sich noch für € 9,90 inklusive Versand statt € 14,95 bestellen.

Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms 2017 im Zebrastreifenblog.

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