Erst nicht mehr alles kontrollieren, führt zum Führen

Ein Mann, eine Mannschaft, ein Sieg. Der Mann: Stanislav Iljutcenko, die Mannschaft: der MSV Duisburg, der Sieg: ein 2:1 der Zebras gegen die SG Sonnenhof Großaspach nach einem 0:1-Rückstand. Wenn ich dieses Heimspiel des MSV mit einem Schlaglicht beleuchte, steht in diesem Licht Stanislav Iljutcenko, und die Mannschaft bildet einen Backgroundchor. Nicht seine zwei Tore rücken ihn in den Scheinwerfer. Mit seiner Spielweise in der zweiten Halbzeit lässt sich der Sieg versinnbildlichen. Zu erkennen ist dann ein unbändiger Wille dieses Spiel zu gewinnen und dafür Risiken einzugehen. Sein immenser Einsatz kommt hinzu. Vor allem aber gibt es die in jeder Spielsituation vorhandene Orientierung Richtung gegnerisches Tor.

Ob er sich im Zentrum in den Rückraum fallen ließ oder in die Halbräume auf Strafraumhöhe ging, er nahm sich keine Zeit zu überlegen, die Anschlussaktion folgte sofort und brachte Dynamik ins Spiel. Auch beim Rest der Mannschaft war klar erkennbar, die Spieler suchten nicht mehr nur den sicheren Pass. Stanislav Iljutcenko allerdings unterstützte durch seinen besonderen Kampf und seine Laufbereitschaft die entstehende Atmosphäre, die auf die Ränge überging. Dabei behielt er die Übersicht. Er bereitete Chancen vor, war Passgeber und eben im Sturmzentrum ein Strafraumstürmer, der zwei Tore erzielte.

Das alles geschah in der zweiten Halbzeit, nachdem wir 45 Minuten wieder ein sehr kontrolliertes Spiel des MSV gesehen hatten. Dieses kontrollierte Spiel führte allerdings und ebenfalls wieder zu keinen klaren Chancen. Ein Distanzschuss ging knapp am Tor vorbei. Für einen weiteren, gefärhlich wirkenden Schuss war der Torwart zuständig. Die Mannschaft des MSV machte, und ebenfalls wieder, nicht den Eindruck, sie könne auf diese Weise wahrscheinlich ein Tor erzielen. Sie spielte so, wie wir es kennen. Sie brachte den Gegner nicht wirklich in Verlegenheit, weil ihr aus der Kontrolle heraus, keine Tempovariation möglich ist. Zu diesem kontrollierten Spiel muss etwas hinzu kommen, damit ein Tor fällt.

Hinzu kamen ein Gegentor kurz nach der Halbzeitpause und für einen Moment lähmendes Entsetzen auf den Rängen. Das Tor fiel nach einer Kette von Fehlern, die so eklatant waren, dass ich an das Tor erst gar nicht habe glauben können. Ich musste mich bei meinen Freunden versichern, dass tatsächlich Mark Flekken aus einer wenig gefährlich aussehenden Schussposition den Ball hat passieren lassen. Den Fehler von Kevin Wolze hatte ich natürlich ebenso bewusst wahrgenommen wie den unnötigen Befreiungsschlag davor, der Wolze erst in die Verlegenheit brachte, einen Fehler zu begehen.

Das lähmende Entsetzen war der Angst vor dem Verspielen des Aufstiegsplatzes geschuldet. Für einen Moment schienen sogar die Spieler entsetzt gewesen zu sein. Doch schnell wandelte sich die Stimmung. Zunächst aber war es nicht entschieden, wohin sich die Stimmung im Stadion wandeln würde. Murren war aufgekommen. Ratlosigkeit schien auf dem Spielfeld vor dem Wiederanstoß vorhanden gewesen zu sein. Ratlosigkeit auch bei uns. Wie sollte diese Mannschaft ein Tor erzielen, den Rückstand aufholen? Diese Ratlosigkeit hing für Momente in der Stadionluft, als mit einem aufbäumenden Support sich der Stimmungsblock bemerkbar machte. Das Murren verschwand, geschweige denn dass Pfiffe zu hören gewesen wären.

Endgültig entschieden war die Stadionstimmung wenige Minuten später, als auch die Spieler ihre Ratlosigkeit abgestriffen hatten und schon die ersten Angriffszüge mit klarer Zielrichtung Strafraum Großaspach gespielt wurden. Von da an wurde der Kampf der Mannschaft auch auf den Rängen geschlossen unterstützt. Alle wussten, was auf dem Spiel stand. Das war nicht der verpasste Sieg in diesem einen Spiel. Das Scheitern am Saisonziel Aufstieg hatte ins Stadion hineingeschaut. Es schaute sich gerade etwas um, als Stanislav Iljutcenko und Zebras  es hochkantig wieder rausschmissen.

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