Plädoyer für die Mannschaft – Ein Gastbeitrag von Trainer Baade

Nach dem letzten Spiel des MSV gegen FSV Frankfurt, wurde allerorten über den Ärger der Zuschauer diskutiert. Damit rückte  auch die Leistung der Mannschaft in den Blick. Viele Stimmen habe ich nicht gelesen oder gehört, die Verständnis für die Mannschaft äußerten, sei es punkto Leistung, sei es für die Reaktion nach dem Spiel. Auch mein Kopf sagt mir die ganze Zeit, besser kann es nicht laufen. Doch mein Bauch meckert dazwischen. Auch ich ärgere mich immer wieder über das zuweilen kraftlos wirkende Spiel der Mannschaft. Ein Text mit befeuernder Energie für die restlichen Spiele gelang mir so nicht.

Zum Glück tauschte ich mich mit Trainer Baade in den letzten Tagen über den MSV aus. In seinem Blog kennt man ihn als nicht selten scharfzüngigen Beobachter des Fußballgeschehens in Deutschland. Dass er MSV-Fan ist, wissen sehr viele seiner Leser, und er gehört zu den Zuschauern des MSV, die nicht nur als rationale Entscheidung mit der Situation zufrieden sind. Der Zuschauerärger im Spiel gegen Frankfurt führte in unserem Austausch zu einem leidenschhaftlichen Plädoyer von ihm für die Mannschaft. Auch diesen Zuspruch hat der MSV im Moment. Er soll im Ärger nicht untergehen. Deshalb freue ich mich heute über Trainer Baade mit seinem Gastbeitrag in diesen Räumen hier.

Und nun, Trainer Baade, bitte schön:

Die schlechte Stimmung zurzeit hat der MSV nicht verdient. Ich sehe es überhaupt nicht so, dass die erste Halbzeit des Spiels gegen Frankfurt so schlecht war. Natürlich sind zwei  Gegentore eine Katastrophe. Aber danach haben wir doch nur noch auf ein Tor gespielt. Acht bis zehn Strafraumszenen hat es gegeben – nur leider ohne Abschluss. Aber selbst in dieser ersten Halbzeit  hätte man das 0:2 schon umdrehen können.

Ich kann auch die Mannschaft nach dem Schlusspfiff verstehen. Um mich herum sagt fast jeder, das sind Profis, die müssen doch mal ein paar Pfiffe abkönnen. Aber es waren doch nicht nur ein paar Pfiffe. Inzwischen wird doch bei jedem ersten Fehlpass in einem Heimspiel gepfiffen, dazu der hämische Gesang, und das, obwohl der MSV gerade Tabellenführer ist. Natürlich darf sich keiner beschweren, dass nur 12.800 Zuschauer zu diesem wichtigen Spiel kommen und dann zugleich sagen, dass die Nörgelköppe zu Hause bleiben sollen. Sie haben Eintritt bezahlt. Sie haben das Recht, da zu stehen und zu pfeifen und „Gruev raus“ zu rufen. Nur habe ich genauso das Recht, denen zu sagen, dass ich anderer Meinung bin. Die müssen dann natürlich nicht ihren Mund halten.

Es geht mir nur darum, dass die Ansprüche an die Mannschaft völlig falsch sind. Kann man nicht mal gegen Wiesbaden verlieren? Mal in Rostock, mal in Kiel? Wenn man ansonsten fast nie verliert, nicht in Osnabrück, nicht in Münster, nicht in Halle, nicht in Erfurt etc. pp. Dann müssen die Zuschauer auch die Konsequenzen tragen, wenn sie pfeifen. Sie können nicht den MSV auspfeifen und dann erwarten, dass die Mannschaft zum Feiern kommt.

Ich kann mit diesem Team mitgehen. Seit ich MSV-Fan bin, habe ich noch nie so wenige Niederlagen in einer Saison gesehen. Dass wir im Stadion spielerisch selten das Gelbe vom Ei sehen, ist mir auch klar. Wenn man was anderes erwartet, darf man aber nicht zum MSV gehen. Soll man lieber in Schönheit sterben, aber keine Punkte holen? Ich erwarte nicht, dass man sich in einen Rausch spielt wie Dänemark 1986 und jeden zweiten Gegner mit 5:0 überrollt. Ich will einfach nur die Spiele gewinnen und dazu gehört es nun einmal auch, nach einem Tor zum 1:0 zurückzuschalten. Denn die Mannschaft des MSV hat nicht das Potenzial, den Gegner dann zu überrollen.

Was wir in dieser Saison mit unseren finanziellen Mitteln, mit unserem bescheidenen Kader geboten bekommen, finde ich schon ziemlich großartig. Fast keine Mannschaft gewinnt gegen uns. Was will man denn noch? Vielleicht gucken die Leute zu viel Fensehen und sehen in der Champions League etwas, von dem sie hoffen, es auch in Duisburg zu sehen. Das ist aber nicht möglich. Wer beim MSV wirklich gut ist, der ist in Nullkommanix weg. Ob Julian Koch, Andreas Hoffmann oder sogar Rolf Feltscher, der jetzt 2. spanische Liga spielt.

Ich verstehe, dass der Ärger der Zuschauer auch Ausdruck einer Enttäuschung ist. Man will mehr sehen. Man will gewinnen. Man will gerade natürlich gegen einen Vorletzten der Tabelle das Spiel dominieren, mal wieder einen 4:0-Sieg sehen wie gegen Mainz. Aber das ist mit dieser Mannschaft nicht drin. Und dass man mit diesen bescheidenen, auch spielerischen, Mitteln trotzdem Erster ist, das habe ich so nicht erwartet und bin darüber glücklich.

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2 Responses to “Plädoyer für die Mannschaft – Ein Gastbeitrag von Trainer Baade”


  1. 1 Dr. Löttgen 27. April 2017 um 14:47

    Natürlich gilt auch diese Meinung. Aber ich teile sie nicht. In einem Spiel zwei total unterschiedliche Leistungen abrufen, wie soft beim MSV, geht einfach nicht. Hierfür reichen schon 10% weniger Einsatz! Dann spielt man nicht schlecht, aber erfolgslos. Gibt dem Gegner zu viel Raum und fängt sich die Tore und ein.

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  2. 2 Ben 27. April 2017 um 15:43

    Sehr gut. Spiegelt meine Meinung fast exakt wider. Wir sind nicht der FC Bayern der 3. Liga. Die Fanreaktionen in der ersten Halbzeit waren unter aller Sau, und da rede ich nicht von den Pfiffen. Die letzten Spiele vor Frankfurt haben mich auch nicht begeistert. Aber niemals würde ich den Spielern absprechen, nicht alles zu versuchen, um aus dieser Liga rauszukommen. Jetzt erst mal alles dem gemeinsamen Ziel unterordnen und Gas geben Richtung Aufstieg. In der Sommerpause haben wir noch genug Zeit die Saison aufzuarbeiten. Verrückt genug, dass das überhaupt notwendig scheint.

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