Archiv für Oktober 2017

Halbzeitpausengespräch in eigener Sache: Lesung – Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau

Am Donnerstag, den 9. November, bin ich ab 19 Uhr in der Neudorfer Buchhandlung Tausendundein Buch zu Gast. Weil an dem Abend vor allem der Kollege Koss in mir spricht, wird es zwar auch um Fußball gehen, allerdings nur als ein Kapitel der Ruhrgebietsgeschichte. Nach meiner Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen gab es noch viel zu erzählen, was im Buch nicht hatte aufgenommen werden können. „Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau“ heißt nun bei freiem Eintritt das Programm zum Buch. Kein Hutkonzert, sondern Hutlesung. Wir sehen uns, bei Tausendundein Buch, Oststraße 125, Duisburg.

 

Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau

Wasch dir bloß auch den Hals! Ohne diese Mahnung wuchs lange Jahre im Ruhrgebiet niemand auf. Nicht nur daran erinnert Ralf Koss, wenn er erzählt, wie aus Dörfern, Kleinstädten und zwei Hansestädten durch Zechen und Stahlwerke das Ruhrgebiet geworden ist. Der Himmel über der Ruhr ist heute wieder blau geworden. Der Dreck auf den Straßen ist verschwunden, aber auch ein Großteil der Industrie. Das Ruhrgebiet sucht nach seiner Identität. Deshalb wirft Ralf Koss den Blick auch auf die vernachlässigte Geschichte der Region. Denn Stadtluft machte in den Hansestädten Dortmund und Duisburg frei. Der Ruhrgebiets-Fußball feierte Meisterschaften und stellte DFB-Präsidenten. Sinfonien wurden uraufgeführt und Orchestermusikern Zuflucht gewährt. Ralf Koss nimmt Sie mit auf eine Zeitreise durch die Ruhrgebietsgeschichte, die er im Alltag der Ruhrstädter auf berührende und manchmal komische Weise immer auch wiederfindet.

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20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat

  1. Ein knapper Sieg war mein Wunschergebnis vor dem Spiel. Mit einem Unentschieden wäre ich zufrieden gewesen. Nach dem Spiel waren beide Ergebnisse zugleich eingetreten. Das 1:1-Unentschieden fühlte sich nach einem Sieg an.
  2. Nur in den ersten 10 bis 15 Minuten ließ sich erkennen, warum Union Berlin mehr Punkte in der Saison hat gewinnen können als der MSV. In diesen Minuten: Mark Flekken, Fußballgott.
  3. Nach der Anfangsphase wurden die Berliner vorsichtiger. Ihnen war es nicht gelungen, das Offensivspiel konstant mit Ballbesitz zu entwickeln. Immer öfter mussten sie lange Bälle schlagen, die von der Zebra-Defensive souverän abgelaufen wurden.
  4. Die Berliner wurden vorsichtiger, weil die Zebras sich trotz des sehr guten frühen Pressings von Union immer wieder spielerisch befreien konnten. Gerade Cauly Souza und Fabian Schnellhardt hielten dem Druck auf engstem Raum stand. Sie behaupteten die Bälle in der eigenen Hälfte gegen drei, vier Gegenspieler nacheinander, um planvolles Spiel zu ermöglichen. So waren die Berliner gezwungen, sich auch um die eigene Defensive zu kümmern.
  5. Gute Chancen ergaben sich nicht für den MSV.
  6. Am Ende der Saison wird der MSV sich als Aufbau- und Weiterbildungsschule für Rechtsverteidiger im internationalen Fußballgeschäft einen Namen gemacht haben. Das neue Vereinsmotto: Rechts hinten fehlt euch noch ein Mann?/Wir zeigen jedem, dass er`s kann. Andreas Wiegel spielte sehr gut auf der für ihn ungewohnten Position.
  7. Trotz der wenigen Chancen war das Spiel nicht ereignisarm. Beide Mannschaften suchten den Weg nach vorne.
  8. In der Halbzeitpause stellte ich erstaunt fest, wie entspannt ich der weiteren Saison entgegen sah.
  9. Der entspannte Blick wurde durch überraschende Nervosität der Zebras nach dem Wiederanpfiff gestört. Von der Vorhalbzeitpausensicherheit war in den ersten Spielszenen nichts zu merken. Erst ein Eckball für Union brachte einen Moment der Ruhe und leider auch das Führungstor für die Gäste.
  10. Da statistisch betrachtet nur etwa jeder hundertste Eckball zu einem Tor führt, arbeitet der MSV in dieser Saison daran, dass die restlichen Vereine dieser Profifußballwelt sich auf andere Defensivaufgaben konzentrieren können als auf Eckbälle.
  11. Entspannung, ade. Starke Zweifel über den weiteren Verlauf des Spiels waren angesichts Torchancenmangel sofort vorhanden.
  12. Den MSV beeindruckte das Gegentor nicht. Zufrieden sahen wir, wie der Druck auf das Tor von Union zunahm. Viele Chancen ergaben sich weiterhin nicht.
  13. Die Enttäuschung war mangels Torchancen um so größer, als der King nach einer perfekten Flanke im Fünfmeterraum an der richtigen Stelle mit dem falschen Körperteil war. Mit dem Oberschenkel hat er den Ball am langen Pfosten nur neben das Tor setzen können.
  14. Kingsley Onuegbu oder Stanislav Iljutcenko in der Startelf? Zuschauerlärmen beim Wechsel lässt bei Anhängern Tendenz für Iljutcenko vermuten. Zebrastreifenblog-Kees weicht nicht von seiner unlängst geäußerten Meinung zu dieser Frage ab und freut sich auf die nicht enden werdenden Diskussionen zum Thema.
  15. Moritz Stoppelkamp schien entweder unzufrieden gewesen zu mit seiner Leistung oder mit dem Ertrag. Einen Elfmeter brauchte er zwar nicht zu schießen, beim Freistoß an der Strafraumgrenze übernahm er aber die Verantwortung und schoss deutlich über das Tor. Da der Freistoß nach Foul an Iljutcenko aber hätte ein Elfmeter sein müssen, ist dieser Fehlschuss nicht verwunderlich.
  16. Warum zog der eingewechselte Ahmet Engin immer schon früh in die zugestellte Mitte, obwohl er den freien Raum am Flügel vor sich hatte?
  17. Der Ausgleich fiel durch einen Kopfball von Stanislav Iljutcenko nach einer Flanke von Kevin Wolze, die recht lange in der Luft war. Nach Torgefahr hatte diese Flanke nicht ausgesehen. So fiel das Tor etwas überraschend und umso begeisterter war unser Jubel.
  18. In den letzten Minuten des Spiels sah nichts mehr nach Niederlage aus. Stattdessen gab es sogar eine sehr leise Hoffnung auf einen Sieg. Große Chancen sahen wir zwar nicht mehr, aber der MSV blieb am Ball. Die Psyche macht’s.
  19. Zwei Seiten einer Medaille: Unser Gefühl eines Sieges entspricht dem Gefühl der Spieler bei Union, verloren zu haben.
  20. Ein guter Sonntag für einen Anhänger des MSV.

Fundstück: Vorurteile machen einsam

Immer wieder begegnen wir bedauernswerten Schicksalen auf den Bekanntschaftsanzeigenseiten der Süddeutschen Zeitung.

Eine Lanze brechen für den King

Heute begrüße ich alle Freunde  der Mittelalterszene, die bei dieser Überschrift leuchtende Augen bekommen.  Google, sei Dank. Allerdings geht es auch heute um Fußball, und Clickbaiting ist nicht mein Metier. Kingsley Onuegbu ist nun einemal der King, und seine Leistung in den letzten beiden Spielen braucht  Einordnung. Denn zweimal nun hat sein Auftritt bei vielen Anhängern der Zebras harsche Kritik hervorgerufen. Ich hingegen finde, er verdient besondere Anerkennung. Schließlich stellt er sich mit seinen spielerischen Möglichkeiten auf eine Weise in den Dienst der Mannschaft, die ihn schlechter aussehen lässt, als er ist. Für Ilia Gruevs Versuch die Defensive zu stabilisieren und gleichzeitig Offensivkraft zu schaffen, gibt es im Moment keine Alternative neben ihm. Warum?

Die Defensive hat Ilia Gruev gestärkt, indem er die Mannschaft nicht mehr so hoch spielen lässt wie in der ersten Phase der Saison. Der Aufbau des Gegners wird entsprechend später gestört, die Defensivspieler des Gegners werden nicht mehr früh angelaufen. Das bedeutet zugleich, die Schnelligkeit beim Gegenpressing hat nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Für das System der ersten Saisonphase hatten sowohl Stanislav Iljutcenko als auch Simon Brandstetter wegen ihrer Grundschnelligkeit klare Vorteile gegenüber Kingsley Onuegbu.

Die Verstärkung der Defensive hat nun selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Spielweise in der Offensive. Sehr viel häufiger als in der ersten Saisonphase muss die Mannschaft aus einer statischen Spielsituation den Ball in Tornähe bekommen. In einer statischen Spielsituation aber sind fast immer hohe Bälle, ob lang oder halblang geschlagen, das Mittel der Wahl. Bei diesen Bällen ist der „King“, selbst wenn er keine Topleistung früherer Tage zeigt, deutlich die erste Wahl gegenüber den beiden anderen Offensivspielern. Selbst wenn ihm die sofortige Ballkontrolle nicht gelingt, beschäftigt er immer die Defensive des Gegners. Der Gegner braucht meist zwei Spieler um ihn vom Ball zu trennen. Sicher, momentan sieht der King oft ungelenk aus, springen ihm die Bälle öfter fort als in seinen besten Zeiten beim MSV. Dennoch sehe ich keine Alternative zu seinem Spiel, so lange das Kurzpassspiel und Flügelspiel nicht so erfolgreich ist, dass halblange und lange Bälle die Ausnahme bleiben können.

Ilia Gruev musste bei seinem Versuch, die Defensive zu stabilisieren, einen Kompromiss eingehen. Er verzichtete auf Dynamik in der Offensive, um Präsenz beim statischen Spiel zu gewinnen. Kingsley Onuegbu arbeitet und arbeitet. Wenn er springt, sieht das oft nicht gut aus und dennoch besetzt er den Raum an genau dieser Stelle so, dass sich die Defensive im Zentrum an ihm orientiert. Dann geht es um die zweiten Bälle. Die müssen Beute der anderen Spieler sein. Selbst dem langen Ball zum Konter rennt der King hinterher im Wissen, ihn so gut wie nie erreichen zu können. So bleibt die gegnerische Defensive nie ohne Beschäftigung. Darum geht es, und Kingsley Onuegbu nimmt es in Kauf, schlecht auszusehen. Noch einmal: er spielt so gut, wie er kann. Was wir sehen, ist ein Kompromiss, den die erste Saisonphase verlangt. Kingsley Onuegbu verdient denselben Beifall wie der Rest der Mannschaft. Denn er füllt eine Lücke, die kein anderer Spieler des Kaders bei genau dieser Spielweise ausfüllen könnte.

Ihr seid nur ein Fastnachtsverein, Faschingsverein, Karnevalsverein

Eigentlich bin ich weder der Mann für Maskottchenbashing noch einer für Schmähgesänge. In den Räumen hier beschäftigt sich Der Stig gerne damit, doch nach dem 1:0-Sieg des MSV gehen mir diese Karnevalsteufelchen aus dem Vorprogramm beim FC Kaiserslautern nicht aus dem Kopf. Das mag an meiner kölschen Fasteloovend-Vertrautheit liegen, aber was machen diese Teufelchen aus der Fußtruppe eines Karnevalsumzugs nur auf dem Rasen beim 1. FC Kaiserslautern? Wie soll ein Verein der sein Vorprogramm dauerhaft mit dem Personal von Fastnacht, Fasching oder Karneval bestreitet nur die Klasse halten? Das wird sehr, sehr schwer, liebe Anhänger, Spieler und Verantwortliche aus Kaiserslautern. Diese Wahrheit muss ich euch leider ins Gästebuch schreiben. Von der Leistung eurer Mannschaft muss ich dabei gar nicht erst sprechen.

Denn erst einmal spreche ich über den MSV Duisburg. Wenn dieser Auftritt des MSV in Kaiserslautern die Balance ist, von der nach dem Braunschweig-Spiel Moritz Stoppelkamp gesprochen hat, müssen wir uns um nichts mehr Sorgen machen. In Zeitungsberichten wurde vor dem Spiel die erneute defensive Ausrichtung beider Mannschaften vermutet. Doch nichts da. Vom Anpfiff an war der 1. FC Kaiserslautern alleine auf dem Platz mit seiner defensiven Ausrichtung. Die Zebras zeigten sofort, in diesem Spiel auf dem Betzenberg wird das Aufbausspiel des Gegners wieder früh gestört, nicht schon in Strafraumnähe wie in den ersten Spielen, aber auf jeden Fall in dessen Defensivhälfte. Zudem wird auch schnell nach vorne gespielt, Sicherheitspässe werden nicht bei jeder Balleroberung gebraucht. Manchmal werden sie noch benötigt, nur um aus der Sicherheit heraus, das Spiel wieder zu beschleunigen. Diese Zebras wollten den Sieg. Das war von der ersten Minute an zu sehen. Zugute kam dem MSV die Verunsicherung bei den Spielern des 1. FC Kaiserslautern. Anhaltendes Selbstbewusstsein hat der Erfolg in den letzten beiden Spielen jedenfalls nicht gegeben.

Klare Chancen ergaben sich aus der Überlegenheit des MSV zunächst keine. Ein Schuss von Moritz Stoppelkamp, nachdem Boris Tashchy und Kingsley Onuegbu in gemeinsamer Arbeit einen hohen Ball in den Strafraum in den eigenen Reihen halten konnten. Geduld war gefragt. Ein Konter der Kaiserslautern machte in der Mitte der ersten Halbzeit einmal Angst. Da hieß es kurz durchatmen, mehr kam aber nicht. Die Defensive stand sicher. Jedem hohen Ball in Richtung Strafraum der Zebras wurde die Gefahr genommen. Andere Mittel fanden die Kaiserslauterner nicht. Das Spiel über deren Außen wurde durch Kevin Wolze und Enis Hajri nahezu komplett unterbunden.

Stattdessen bohrten die Zebras das Defensivbollwerk des Gegners unermüdlich an. Wenn es irgend ging, wurde das Kurzpassspiel versucht, oft waren die halblangen Bälle auf Kingsley Onuegbu oder Boris Tashchy das Mittel der Wahl, hin und wieder wurde das Flügelspiel über Moritz Stoppelkamp oder Cauly Souza gesucht. Die Mannschaft versuchte schnell zu spielen, ohne die Defensive zu entblößen. Ich rufe demnächst immer, da ist sie, die Balance, die Balance, wenn ich das beglückt sehe.

Zwischendurch: Heute geht es hier um das gesamte Spiel. Morgen bekommt der King einen eigenen Text. Das wird ein Plädoyer für Nachsicht. So viel sei schon mal verraten. Und dieses Plädoyer schreibe ich nicht aus Mitmenschlichkeit, sondern weil mein realistischer Blick auf die Möglichkeiten dieser Mannschaft das verlangt. Ich sehe zu viel Ärger über den King.

Ein Pass auf den durchstartenden Cauly Souza, der wird vom Torwart berührt und fliegt in hohem Bogen durch die Luft. Der Schiedsrichterpfiff und kurze Unsicherheit über die Entscheidung. Elfmeter, ja. Nun wissen wir, die Mannschaft braucht einen weiteren Elfmeterschützen. So weit wie Moritz Stoppelkamp über das Tor schoss, so groß war die Enttäuschung. Dabei dachte ich zunächst Enis Hajri würde schießen. Er hatte den Ball zurecht gelegt. Die Führung wäre verdient gewesen. Es blieb zur Pause beim torlosen Unentschieden.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wollten die Kaiserslauterner mutiger sein. Sie versuchten nun den MSV schon am eigenen Strafraum zu stören. Pressing konnte man das nicht nennen. Das war eher ein lästiges Herumwuseln, was die Zebras grundsätzlich gut beiseite wischten, auch wenn wir gebrannten Anhänger-Kinder immer das größtmögliche Unglück eines Gegentores vermuten. Gefährlicher wurde es für den MSV also zunächst nicht.

Erst nach dem Führungstor durch Dustin Bomheuer entstand so etwas wie Druck auf das Tor des MSV, auch weniger weil die Kaiserslauterner besser wurden als durch die Möglichkeit auf Seiten des MSV etwas zu verlieren. Wenn die Angst vor dem Ballverlust nur minimal größer wird, schon gibt es Situationen, in denen im Strafraum Hektik entsteht und der kurzfristige Verlust von Spielkontrolle. Alles kann dann möglich sein. Zwei-, dreimal sahen wir ein wildes Gebolze, um den Ball aus dem Strafraum zu bekommen. Dennoch hielten die Zebras weitest gehend die Spielkontrolle, wurde versucht Ruhe zu bewahren. Tim Albutat wurde nach seiner langen Verletzungspause zum ersten Mal wieder eingewechselt. Was eigentlich als Beruhigung gedacht war, machte mich schnell nervös. Er wirkte etwas desorientiert in dieser hektischen Schlussphase und ermöglichte zweimal Durchbrüche der Kaiserslauterner auf Strafraumhöhe. Er braucht momentan auf jeden Fall eine ruhige Spielphase, um wieder auf den Platz zu kommen. Vielleicht braucht die jeder Spieler nach so einer Verletzung.

Die Zeit verstrich zudem mit ein paar Aufgeregtheiten, die genutzt wurden, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Natürlich holte sich Enis Hajri eine gelbe Karte ab, die fünfte. Was mich Böses für das Union-Spiel ahnen lässt. Der Schlusspfiff kam nicht als Befreiung vom Dauerdruck, aber doch als Rettung vor einem ungnädigen Schicksal, das wahllos Fanseelen ins Unglück stürzen kann.

 

 

 

 

 

 

In Köln erfahren wir noch einmal etwas über das Braunschweig-Spiel

Meine Worte von gestern über die gefassten Fans beim 1. FC Köln sind schon wieder Makulatur. Unmut auf den Rängen bleibt also nicht nur den MSV-Fans vorbehalten. Die FC-Fans waren zwar etwas langmütiger, aber nach der Niederlage des FC gestern Abend in der Euro League standen die Anhänger des FC auf den Zäunen und machten ihrem Ärger Luft. Vom Dom nach Weißrussland ist es nun auch weit, und wenn dann die eigene Mannschaft nach langer Anfahrt in einem anscheinend nicht sehr ansehnlichem Spiel verliert, kann man schon laut werden.

Nun lässt sich von den FC-Fans also nichts mehr lernen, dennoch zeigt uns gerade diese Niederlage des FC, warum das Unentschieden des MSV gegen Eintracht Braunschweig ein Erfolg war. Es zeigt uns, warum wir auf zukünftige Erfolge des MSV berechtigt hoffen können und warum es absolut notwendig gewesen ist, gegen Eintracht Braunschweig auf Kosten der Offensivstärke mit aller Macht einen Torerfolg des Gegners zu verhindern.

Der FC-Trainer Peter Stöger hatte nämlich ein Spiel gesehen, in dem jeder Ausgang möglich gewesen wäre. Seine Mannschaft habe einen Fehler zu viel gemacht in jener Spielphase, in der er das Gefühl hatte, der FC hätte in Führung gehen können. Die mitreisenden Sportjournalisten des Kölner Stadt-Anzeigers hatten eine „ereignislose Anfangsphase“ wahrgenommen und ein paar Halbchancen danach. Das Resumée zur Halbzeit: „Nichts war passiert“. Dann aber habe der FC in Halbzeit zwei nach einem Fehler in der Defensive auf einmal zurückgelegen in einem Spiel, „in dem auf beiden Seiten kaum etwas geschehen war“.

Der FC war mit dem Ziel angereist, Selbstbewusstsein zu tanken für das wichtigere Bundesligaspiel gegen Bremen. Das ist misslungen. Ihr ahnt, warum mir dieses FC-Spiel einen Beleg dafür gibt, dass das torlose und so unansehnliche Spiel des MSV gegen Eintracht Braunschweig ein Erfolg war? Anscheinend gleicht der Eindruck beider Spiele doch wieder sehr. Mit einem einzigen und sehr wichtigen Unterschied: Der MSV hat kein Tor zugelassen. Die Mannschaft hat gesehen, dass sie anders als in den Spielen zuvor sehr wohl stabil in der Defensive spielen kann. Es ging um Selbstbewusstsein in diesem Spiel. Es ging darum, den aufkommenden Druck auf die Mannschaft abzulenken, zu vermindern. Es war das allerwichtigste in diesem Spiel kein Tor zu bekommen. Dieses Ziel wurde erreicht. Deshalb ist das Spiel gegen Braunschweig ein Erfolg gewesen. Auch so einen kleinen Erfolg zu erlangen, ist nicht einfach, wie die Mannschaft des FC gestern Abend erfahren musste. Der MSV wird in Kaiserslautern deutlich sicherer ins Spiel gehen als der FC gegen Bremen. Das ist auch nötig gegen eine Mannschaft mit Zwischenhoch. Die Betonung liegt auf Zwischen.

Wenn FC und MSV ruhig weiterarbeiten können

Manchmal begegne ich in den zwei Vierteln meiner imaginären Heimatstadt zwei Vereinen mit fast demselben Schicksal. Fast schreibe ich, weil die Tabellensituation für den FC in Köln deutlich schlechter aussieht als für den MSV in Duisburg. Schlechter als der FC ist bislang noch kein Verein in die Bundesligasaison gestartet. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis der Rekord von Tasmania Berlin zertrümmert werden konnte. Der FC hat das in diesem Jahr geschafft. Von so einem schlechten Start ist der MSV meilenweit entfernt.

Dennoch las ich in den letzten Wochen in den Spielberichten über den FC von chancenreichem Angriffsspiel ohne Torerfolg, von zunächst überzeugendem Auftritt und von Gegentoren, die in Drangperioden hinein fielen. Ich las von Gegentoren in letzter Minute, die zu Niederlagen führten. Ich las von Spielern, die der Trainer nicht kritisieren konnte, weil sie bis auf wenige Fehler umgesetzt hatten, was vorgegeben worden war. Auf mich wirken die meisten Anhänger des FC recht gefasst. Die sportlich Verantwortlichen behalten auch die Ruhe. Allein die Presse zieht ein wenig an einer Trainerdiskussion, indem sie bei Jörg Schmadtke in Sachen Stöger-Loyaliät nachbohrt.

Nun sieht die Lage für den MSV trotz ähnlicher Spielverläufe in den letzten Wochen deutlich besser aus. Punkte wurden schon gesammelt. Die Presse sieht keinen Bedarf, die klassischen Geschichten zu erzählen. Alleine unter den Anhängern des MSV wurde teilweise auf den Rängen beim Braunschweig-Spiel und im Netz nach dem Spiel gemurrt. Auch ich hatte keinen Spaß an diesem Unentschieden. Ich war aber zufrieden, dass ein aufflankerndes Feuer eingedämmt werden konnte. Gelöscht wurde es noch nicht. Das ist schon klar. Aber die sportlich Verantwortlichen haben die Kontrolle über den Gefahrenherd erst einmal übernommen. Das ist in Köln noch nicht gelungen. In Ruhe weitergearbeitet wird dort trotzdem. Das sollte beim besser gestarteten MSV ebenfalls möglich sein.


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