Eine Lanze brechen für den King

Heute begrüße ich alle Freunde  der Mittelalterszene, die bei dieser Überschrift leuchtende Augen bekommen.  Google, sei Dank. Allerdings geht es auch heute um Fußball, und Clickbaiting ist nicht mein Metier. Kingsley Onuegbu ist nun einemal der King, und seine Leistung in den letzten beiden Spielen braucht  Einordnung. Denn zweimal nun hat sein Auftritt bei vielen Anhängern der Zebras harsche Kritik hervorgerufen. Ich hingegen finde, er verdient besondere Anerkennung. Schließlich stellt er sich mit seinen spielerischen Möglichkeiten auf eine Weise in den Dienst der Mannschaft, die ihn schlechter aussehen lässt, als er ist. Für Ilia Gruevs Versuch die Defensive zu stabilisieren und gleichzeitig Offensivkraft zu schaffen, gibt es im Moment keine Alternative neben ihm. Warum?

Die Defensive hat Ilia Gruev gestärkt, indem er die Mannschaft nicht mehr so hoch spielen lässt wie in der ersten Phase der Saison. Der Aufbau des Gegners wird entsprechend später gestört, die Defensivspieler des Gegners werden nicht mehr früh angelaufen. Das bedeutet zugleich, die Schnelligkeit beim Gegenpressing hat nicht mehr die Bedeutung wie zuvor. Für das System der ersten Saisonphase hatten sowohl Stanislav Iljutcenko als auch Simon Brandstetter wegen ihrer Grundschnelligkeit klare Vorteile gegenüber Kingsley Onuegbu.

Die Verstärkung der Defensive hat nun selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Spielweise in der Offensive. Sehr viel häufiger als in der ersten Saisonphase muss die Mannschaft aus einer statischen Spielsituation den Ball in Tornähe bekommen. In einer statischen Spielsituation aber sind fast immer hohe Bälle, ob lang oder halblang geschlagen, das Mittel der Wahl. Bei diesen Bällen ist der „King“, selbst wenn er keine Topleistung früherer Tage zeigt, deutlich die erste Wahl gegenüber den beiden anderen Offensivspielern. Selbst wenn ihm die sofortige Ballkontrolle nicht gelingt, beschäftigt er immer die Defensive des Gegners. Der Gegner braucht meist zwei Spieler um ihn vom Ball zu trennen. Sicher, momentan sieht der King oft ungelenk aus, springen ihm die Bälle öfter fort als in seinen besten Zeiten beim MSV. Dennoch sehe ich keine Alternative zu seinem Spiel, so lange das Kurzpassspiel und Flügelspiel nicht so erfolgreich ist, dass halblange und lange Bälle die Ausnahme bleiben können.

Ilia Gruev musste bei seinem Versuch, die Defensive zu stabilisieren, einen Kompromiss eingehen. Er verzichtete auf Dynamik in der Offensive, um Präsenz beim statischen Spiel zu gewinnen. Kingsley Onuegbu arbeitet und arbeitet. Wenn er springt, sieht das oft nicht gut aus und dennoch besetzt er den Raum an genau dieser Stelle so, dass sich die Defensive im Zentrum an ihm orientiert. Dann geht es um die zweiten Bälle. Die müssen Beute der anderen Spieler sein. Selbst dem langen Ball zum Konter rennt der King hinterher im Wissen, ihn so gut wie nie erreichen zu können. So bleibt die gegnerische Defensive nie ohne Beschäftigung. Darum geht es, und Kingsley Onuegbu nimmt es in Kauf, schlecht auszusehen. Noch einmal: er spielt so gut, wie er kann. Was wir sehen, ist ein Kompromiss, den die erste Saisonphase verlangt. Kingsley Onuegbu verdient denselben Beifall wie der Rest der Mannschaft. Denn er füllt eine Lücke, die kein anderer Spieler des Kaders bei genau dieser Spielweise ausfüllen könnte.

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4 Responses to “Eine Lanze brechen für den King”


  1. 1 RolfdasZebra 24. Oktober 2017 um 10:09

    Ja,ja, „er spielt so gut wie er kann“. Das ist ja das Problem, er kann nicht besser! Die bessere Alternative ist Stani, weil er vorne immer da ist, wo was los ist. Er trifft zur Zeit nicht das Tor, aber das war am Beginn der letzten Saison auch so. Später hat er aber dann einige entscheidende Tore geschossen. Lasst ihn spielen, gebt ihm Selbstbewusstsein, dann wird er auch wieder treffen.

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    • 2 Kees Jaratz 28. Oktober 2017 um 12:01

      Danke, Rolf, für deine Meinung. Tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte, zu viel in der Woche, um beim Blog zu sein.
      Du kannst dir denken, ich halte Stani nicht für robust genug, dass er die hohen und halbhohen Bälle mit dem Rücken zum Tor so oft wie der King zumindest halbwegs unter Kontrolle bringen kann. Beweisen lässt sich das nicht. Das ist das Problem. Und deshalb diskutieren wir alle. Was ja auch schön ist, solange der MSV die Liga hält 😉

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      • 3 Heber 1. November 2017 um 20:10

        Nicht mit dem Rücken zum Tor! Wenn der King in die Flanken reingehen könnte, würde er auch Tore schießen. Ist dafür robust genug. Aber Stani schießt mehr Tore – ich wette eine gute Flasche Rotwein!!!

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  1. 1 20 Anmerkungen zum MSV-Spiel gegen Union, die die Welt noch nie gesehen hat | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 30. Oktober 2017 um 11:51

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