Archiv für Januar 2018

Wenigstens erinnern, wenn Kevin Wolze schon nicht noch ein Tor erzielte

Wie gestern schon gesagt, das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst hätte das Spiel des MSV gegen Heidenheim als eine Mischung aus zwei legendären Spielen des MSV erzählt werden können. Man hätte Kevin Wolze dann Ennatz Ahanfouf rufen können.

Im November 1977 stand beim 6:3-Sieg des MSV gegen Bayern München ein Spieler besonders im Blick. Ennatz Dietz legte mit den ersten vier Toren die Grundlage für den Sieg. Die Bayern spielten damals eine schlechte Saison und kamen als 13. ins Wedaustadion. Der MSV war 14. und in den 1970er Jahren das Siegen gegen die Bayern noch gewohnt.

Bewegtbilder habe ich leider nicht gefunden. Wenn ihr persönliche Erinnerungen an das Spiel habt, gerne ab in die Kommentare für das Fangedächtnis des MSV Duisburg. Hier die Torfolge:

20. Minute    1:0 Bernard Dietz
24. Minute    1:1 Reiner Künkel
44. Minute    1:2 Gerd Müller (Foulelfmeter)

49.Minute      2:2 Bernard Dietz
57.Minute      2:3 Gerd Müller
76. Minute     3:3 Bernard Dietz
78. Minute     4:3 Bernard Dietz
83. Minute     5:3 Ronald Worm
85. Minute     6:3 Norbert Stolzenburg

Vom Spielverlauf wäre eine andere Begegnung vorbildhaft gewesen: das 4:3 gegen Wacker Burghausen am 1. Mai 2005. Der MSV war vor dem Spiel Zweiter. Vier Punkte Vorsprung vor dem Drittplatzierten Eintracht Frankfurt und sechs Punkte vor dem Viertplatzierten, dem TSV 1860 München, ergaben eine gute Ausgangsposition, um in den restlichen Spielen den Bundesligaaufstieg zu verwirklichen. Damals gab es auch noch für den Drittplatzierten den direkten Aufstieg. Burghausen kam als Achter der Tabelle. Auch hier gilt: Persönliche Erinnerungen an das Spiel gerne ab in die Kommentare für das Fangedächtnis des MSV Duisburg.

Hier die Torfolge:

Und von dem Spiel gibt es auch Bewegtbilder im Netz:

 

13 unvergessliche Anmerkungen zum Spiel des MSV gegen Heidenheim

  1. Ein Ausgleichstor in der 90. Minute nach einem Zwei-Tore-Rückstand fühlt sich für die ausgleichende Mannschaft und ihre Anhänger nach einem Siegtor an. Sechs Tore in einem Spiel machen den Besuch eines Stadions zu einem unterhaltsamen Freizeitangebot. Wie war der Endstand des Fußballspiels zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Heidenheim?
  2. Lasst uns doch endlich einen Moment mehr Zeit, um mit dem Ball unser Spiel aufzuziehen. Dieser Satz hing in der ersten Halbzeit immer klarer als eine große Gedankenblase auf Zebra-Seite über dem Rasen.
  3. Die Heidenheimer kauften den Zebras von der ersten Minute einen großen Teil ihres Schneids ab. Sie griffen früh an, standen hinten sehr sicher und schienen auf dem gesamten Spielfeld in der Nähe des Balls immer ein Mann mehr zu sein. Es war schnell deutlich, dieses Spiel wird nicht einfach für den MSV.
  4. Die Mannschaft des MSV stemmte sich mit aller Kraft gegen die drohende Überlegenheit der Heidenheimer. Für die engen Räume war das Kurzpassspiel des MSV meist nicht präzise genug.  Zudem gehörten lange, hohe Bälle fast immer den Heidenheimern dank ihrer Kopfballstärke.
  5. Ballverluste des MSV führten zu gefährlichen Offensivaktionen der Heidenheimer. Die Führung der Gäste zeichnete sich von Beginn an als mögliche Entwicklung des Spiels ab.
  6. Nach dem Rückstand kämpfte der MSV darum, im Spiel zu bleiben. Das misslang trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs. Ahmet Engin wurde nach schönen Pass im Strafraum gefoult. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter souverän.
  7. Die Hoffnung auf ein stabileres Spiel des MSV wurde enttäuscht. Heidenheim verhinderte weiter effektiv das Offensivspiel des MSV und brachte die im Mittelfeld eroberten Bälle schnell in die eigene Offensive. Ein zweites Tor fiel und ein drittes als Eigentor von Dustin Bomheuer. Eigentore sind besonders frustrierend, nehmen der eigenen Zuversicht noch mehr Kraft. Mit dieser Bürde ging der MSV in die Halbzeitpause.
  8. Nach dem Wiederanpfiff rangen beide Mannschaften wieder darum, das Spiel zu bestimmen. Es dauerte noch ein paar Minuten, ehe der Vorteil auf Seiten des MSV lag. Dort blieb er dann bis zum Schlusspfiff.
  9. Das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst wäre der kitzelnde Wunsch Kevin Wolzes erhört worden. Treffe noch zum Ausgleich, raunte es verführerisch, nachdem Kevin Wolze ein zweites Mal erfolgreich gewesen war. Mit einem wunderbaren Volleyschuss traf er zum 2:3. Sein drittes Tor zum Ausgleich wollte aber nicht fallen, obwohl er es noch zweimal, dreimal (?) aus der Distanz per Brechstange versuchte. Die verführerische Stimme war in den Momenten etwas zu laut geworden. Er verkörperte aber den Willen, das Spiel zu drehen. Seine Willenskraft wirkte in die Mannschaft hinein, steckte das Publikum an, machte spürbar, in der zweiten Halbzeit ist noch alles drin.
  10. Die Kräfte der Heidenheimer schwanden. Unermüdlich rannte der MSV auf das Tor des Gegners zu. So kurz vor dem Abpfiff ging dem Ausgleich noch ein klar strukturierter Angriff voraus, bei dem Kingsley Onuegbu, am hinteren Pfosten stehend, wunderbar freigespielt wurde.
  11. In Duisburg kommen nur etwas mehr als 13.000 Zuschauer, wenn der MSV nach der Winterpause das erste Auswärtsspiel souverän gewinnt und als Aufsteiger auf dem 5. Tabellenplatz steht. Das ist enttäuschend. Aber es wäre zu kurz gedacht, wenn man dabei nur an den MSV und sein Publikum denkt. Diese Zuschauerzahl entspricht dem zwiespältigen Verhältnis, das viele Duisburger zu ihrer Stadt haben. Da Duisburger immer bereit sind, sich von der Wirklichkeit Duisburgs zu distanzieren, braucht diese Stadt besonders eindrückliche Beweise ihrer Erfolge.
  12. Ein Stehplatzsittengemälde: Selbst volltrunkene Vollidioten finden das Glück in der Liebe und schützenden Halt in der Ehe. Denn Ehefrauen von volltrunkenen Vollidioten trauen ihren Männern beim Griff zum vollen Bierbecher zu, dass sie wissen, was sie mit dem Becher tun werden. Mit hochrotem Kopf und keifender Stimme treten sie für ihren Ehemann ein, der sich nur noch undeutlich artikulieren kann. Sie wittern sogar Gefahr, wenn ich freundlich volltrunkene Vollidioten bitte, diesen Becher auszutrinken, statt ihn erneut in flacher Flugkurve auf die Menschen direkt vor ihm auszuschütten. Der Unmut der Zuschauer  entlang der flachen Schneise von etwa fünf Metern war groß gewesen. Ich hatte ihn schützen wollen vor weiterem Unbill. Er brauchte den Schutz nicht. Er hatte seine Frau. Welch hoffnungsfrohe Botschaft für den Wert einer Ehe gibt uns diese Begegnung mit einer fürsorglichen, an ihren Ehemann glaubenden Frau.
  13. Die Zuschauer, die nicht gekommen sind, fühlen sich übrigens durch das Unentschieden bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn siehe oben: Sie kommen nur, wenn der MSV für eine etwas längere Zeit besonders erfolgreich ist.

Bochum, wir war’n bei dir… und deinem VfL

Auf die eigene prophetische Gabe zu verweisen, kommt immer dann gut, wenn die Prophezeiung eingetroffen ist. Eigentlich braucht dieser 2:0-Sieg nichts anderes als den Verweis auf meine gestern online gestellte Fassung von Grönemeyers Bochum. Es fehlte nur das konkrete Ergebnis. Was für ein überzeugender Auswärtssieg. Was für ein selbstbewusster Auftritt von Mannschaft und Anhängern des MSV, und welch zerrüttetes Auftreten des VfL.

In Bochum ist gerade zu sehen, wie Funktionäre, Anhänger und Mannschaft in gemeinsamer Anstrengung versuchen,  aus einer Situation das Schlechteste zu machen, was möglich ist. Der MSV hat diese gemeinsame Anstrengung in Bochum von Anfang in jeglicher Hinsicht genutzt. Wir, in der Gästekurve, haben dieses Stadion zu einer Exklave Duisburgs gemacht, weil der Protest der Bochumer Anhänger gegen die Arbeit der Vereinsverwaltung den Heimsupport auf ein Minimum herunterschraubte.

Die Mannschaft des VfL tat ihren Teil, trat vorsichtig auf und schien immer ratloser zu werden. Das selbstbewusste, hohe Attackieren der Zebras machte einem anfänglich vorhandenen Versuch, das Spiel zu entwickeln, den Garaus. Die Bochumer bekamen so viel damit zu tun, das eigene Tor zu verteidigen, dass sie kaum mehr in die Nähe des Duisburger Strafraum kamen.

Ein einziges Mal ergab sich in der Mitte der ersten Halbzeit eine sehr torgefährliche Bochumer Chance. Kurz hatte ich die Sorge, es könne sich der Anfang der Saison wiederholen. Der MSV macht das Spiel und der Gegner die Tore. Doch zu fehlerhaft spielten die Bochumer inzwischen. Was war das für ein Festival an einfachen Ballverlusten, Pässen ins Aus und verstolperten Dribblings auf Bochumer Seite.

Die Zebras haben die Bochumer Spieler aber auch zu diesen Fehlern gezwungen. So viel Druck wurde auf jeden Bochumer nach der Ballannahme ausgeübt, und die zweiten Bälle blieben fast immer in den Reihen des MSV. Nach Balleroberungen ging es schnell Richtung Bochumer Tor, wenn auch zunächst die große Gefahr ausblieb. Doch einer dieser Konter führte schließlich zum Führungstreffer. Wieder war es Ahmet Engin, der Fahrt aufnahm, quer legte und Stanislav Iljucenko schoss dieses Mal von der Strafraumgrenze aus. Ein variables Konterspiel über mehrere Stationen mit dem Auge der Spieler für die Möglichkeiten. Das ist die Botschaft, die das Tor auch in sich trägt.

Neulich las ich, Enis Hajri träume von der WM. Gestern dachte ich, ja, richtig so. Dieser Traum macht dich immer besser. Das Bochumer Angriffsspiel lief in der ersten Halbzeit nur über seine Seite. Die Mannschaft stand hoch, entsprechend groß war die Möglichkeit mit einem weiten Pass überspielt zu werden. Das geschah zwei-, dreimal und war eben Folge der Taktik. Das machte mich erst nervös. Doch irgendwann hatte er sein Stellungsspiel perfekt im Griff. Sein Auftreten zeugt inzwischen von einem Selbstbewusstsein, das Staunen macht. Enis Hajri hat sich frei gespielt. Seine Dribblings werden immer geschmeidiger und lassen jeden staunen, der seine Ballführung aus Drittligazeiten noch vor Augen hat. Deshalb konnte er kurz vor dem Halbzeitpfiff über den Flügel gehen und in den Strafraum ziehen, wo er gefoult wurde. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter zur 2:0-Führung.

Diese Führung reichte dem MSV in der zweiten Halbzeit bis zum Schlusspfiff. Mir hat es nicht gefallen, dass die Mannschaft in den ersten 20 Minuten dieser zweiten Halbzeit passiver aufgetreten ist. Gegen einen anderen Gegner hätte das ins Auge gehen können. Erst im weiteren Verlauf wirkten die Spieler wieder so präsent, dass die Bochumer keine Ruhe mehr zur Ballverarbeitung besaßen. Diese Ruhe hatten die Zebras ihnen zunächst aber gegeben. Entsprechend druckvoller wurde der VfL. Das Risiko ein Gegentor zu erhalten, war für eine Zeit größer geworden. Und wie gesagt, dieses Risiko ist der MSV nach dem Wiederanpfiff eingegangen und hatte sich Bochum keineswegs erspielt.

Von etwa der 70. Minute an entspannte ich mich. Der MSV hatte das Spiel wieder vollkommen im Griff. Bochumer Angriffe wirkten wie das aufgeregte Anlaufen gegen eine Mauer. Die Spieler prallten ab oder schossen über und neben diese Mauer. Der MSV hatte Chancen, uns alle in der Gästekurve mit einem dritten Tor schon im Spiel vollkommen euphorisch zu machen. Diese Chancen wurden nicht genutzt. Womöglich hätte uns das auch überfordert mitten in der Woche. Solche ausufernde Feste vertagen wir auf die Wochenendspieltage.

Im Knödelgesang Grönemeyers nun alle zusammen: „Bochum, wir war’n bei dir. Bochum,  wir b’siegen dir. Tja, Glück auf. Duisburg.“

Bochum, wir komm’n zu dir

Singbar nach einer altbekannten Weise des Herrn Grönemeyer

Richtung Osten,
wo`s den Verein g’rad zerhaut,
geht’s durcheinander,
viel schlimmer
viel schlimmer als man glaubt.
Von uns aus im Osten.
Von uns aus im Osten.

Man träumte vom Aufstieg
und spielte nur mau.
Der VauEfEl muss siegen.
Gibt sich als ehrliche Haut.
Leider wurd´s total versaut,
und das macht ihn g’rad aus.

In den Gremien herrscht Ärger.
Man hört ihn laut in der Nacht.
Nicht jeder ist so bescheiden,
dass er sich nur für die Sache ganz stark macht.
Du Club im Revier.

VauEfEl, wir komm’n zu dir.
VauEfEl, so siegen wir.
Tja, Glück auf.
Duisburg.

Es gibt keine Ruhe.
Trainer wechseln zuhauf.
Enttäuscht sind auch Spieler,
denn wenn das Herz nicht zählt,
bleibt nur noch großes Geld.
Wer bleibt dann beim VauEfEl?

VauEfEl, wir komm’n zu dir.
VauEfEl, so siegen wir.
Tja, Glück auf
Duisburg.

Das Stadion wird nicht einmal voll sein.
Trotz Derby, trotz Not.
Eine Mannschaft ohne Glauben
schafft keinen Doppelpass,
ist mutlos und bleibt blass,
dieser VauEfEl.

VauEfEl, wir komm’n zu dir.
VauEfEl, so siegen wir.
Tja, Glück auf.
Duisburg.

Deutsche Regierung zeigt Herz für Zebrastreifenblog

Angela Merkel hat doch immer viel zu tun, nicht nur jetzt mit den Koalitionsverhandlungen, und dass sie selbst, also, das glaube ich nicht. Der Zebrastreifenblog gehört ja ins Ressort von Monika Grütters. Sie ist Staatsministerin für Kultur und Medien. Aber ob sie auch auf lokaler Ebene sich zuarbeiten lässt? Das scheint mir zweifelhaft. Vielleicht hat Ralf Jäger als MSV-Fan es dem Sigmar gesteckt? Im Auswärtigen Amt sind ja die Goethe-Institute zu Hause. Kulturvermittlung im Ausland. Bin ich demnächst mit dem Zebrastreifenblog für die deutsche Fußballkultur auf Lesetour in Asien? So was könnte doch sein. Seit gestern eine Mail bei mir reinrauschte, träume ich jedenfalls von einer paradiesischen Zukunft. Denn die deutsche Regierung will dem Zebrastreifenblog helfen:

Betreff: {zebrastreifenblog} deutsche Regierung will dir helfen!

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Jeden dieser Gründe für die Verteilung der Ressourcen kann ich für mich in Anspruch nehmen, besonders dieses „vieles mehr“. Etwas sorgenvoll schaue ich nur auf die Unsicherheit, die mit der Aufforderung zum Klicken einhergeht. Erst soll mir geholfen werden, dann wird später erst entschieden, ob ich mich qualifizieren kann. Und die Qualifikation ist offensichtlich mein Wissen, wo und wie ich fragen kann. Wahrscheinlich bin ich dann auf einmal mitten drin in diesen Koalitionsverhandlungen und keiner ist zuständig. Da weiß ich doch jetzt schon, was passiert. Jeder ist nur geschäftsführend da. Keiner will entscheiden, ob ich richtig den Richtigen gefragt habe. Und womöglich bin ich dann der Grund, warum die Verhandlungen platzen, weil sie sich nicht einig werden über meine Anfrage. Besser ich warte noch und versuche es später.

Das Wesen des Fußballs oder Gegen Gesundheit wehrt sich auch keiner

Was wäre es schön, wenn wir den Fußball tatsächlich in seinem Wesen des Spiels ernst nehmen könnten. Dann gäbe es keinen Nachrichtenwert für einen BILD-Mann, wenn Ennatz Dietz meint, gegen einen Aufstieg wehre sich niemand. Natürlich wehrte sich niemand gegen einen Aufstieg, denn gegen Gesundheit wehrt sich auch niemand. Oder gegen eine Belohnung für die eigene Leistung.

Lassen wir mal die Großvereine des Unterhaltungsbetriebs außen vor. Die Zweite Liga ist mit ihrer Ausgeglichenheit gerade ein Sinnbild für das Wesen des Fußballs. Denn ein Wesenskern des Fußballs ist die besondere Mischung von Zufall und Leistung als Voraussetzung für Erfolg. Das Wesen des Fußballs kritisiert unentwegt die Grundüberzeugungen unserer Leistungsgesellschaft. Leistung garantiert nicht viel im Leben. Auch wenn das immer wieder vergessen wird.

Wenn wir das Wesen des Fußballs ernst nähmen, wäre jeder begeistert über einen Aufstieg. Wir machten uns nicht einen Gedanken darüber, ob der Aufstieg zu früh käme oder nicht. Wir nähmen das Glück, wie es kommt. Wir würden Nachsicht haben beim Misserfolg, wenn jeder sein Bestes gegeben hat. Wir würden aufsteigen und gegebenfalls traurig aber vorwurfslos wieder absteigen. Wir betrachteten die Zukunft als unwägbar, selbst wenn man alle möglichen Gefahren bedacht hat und sich für anstehende Aufgaben so gut vorbereitete, wie es jeder für sich kann.

Wenn wir den Fußball in seinem Wesen ernst nehmen könnten, wäre Fußball in unserer Gesellschaft wahrscheinlich nicht mehr so populär. Davon ab, fühlt sich ein Aufstieg immer verdammt gut an.

 

Halbzeitpausengespräch: Wer erkennt sich heute in so einem Volksfeind wieder?

Die Wahrheit, es gibt sie manchmal noch, und außerdem als eine, die unterdrückt wird. Allerdings muss dazu die Welt so überschaubar sein wie in Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ aus dem Jahr 1882. In einem Kurbad als Handlungsort gibt es nämlich einfache Machtstrukturen und überschaubare Interessen. Am Theater Oberhausen hatte das Stück letzten Freitag in der Inszenierung des Intendanten Florian Fiedler seine Premiere und erhielt starken Beifall.

Florian Fiedlers Inszenierung bringt das Drama der Gegenwart nahe. Das Bühnenbild stimmt uns auf klassische Moderne ein, die später sich in Gegenwart wandelt. Ein einstöckiger Flachdachbungalow ragt rechts in die Bühne hinein. Kurgäste in Bademänteln flanieren daneben und nähern sich auch dem Publikum über einen Holzsteg, der von der Bühnenmitte bis in die letzte Reihe des Zuschauerraums führt. Ein Trio spielt unterdessen unplugged Easy-Listening-Pop der 60er Jahre und schafft eine entspannte Grundstimmung im Theaterraum. Immer wieder wirkt im Verlauf des Stücks Pop- oder Rockmusik als eine Art Kommentar der Handlung. Diese anfängliche Leichtigkeit ändert sich, als der im Bungalow wohnende Badearzt Dr. Thomas Stockmann das Ergebnis einer Wasserprobe erhält. Das Heilwasser des Kurortes ist verunreinigt durch den Gerbereibetrieb seiner Schwiegermutter. Der Arzt hat es geahnt. Die Menschen müssen gewarnt werden.

Schnell wird aber deutlich Stockmanns Bruder, der Bürgermeister, möchte nicht viel Aufhebens um die Wahrheit machen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für den Ort liegen auf der Hand. Die zwei Journalistinnen der lokalen Zeitung „Der Volksbote“, zum Teil karikierend gespielt von Banafshe Hourmazdi und Emilia Reichenbach, erweisen sich nur vordergründig einem aufklärerischen Gedanken verpflichtet. Auch die von Lise Wolle gespielte Druckereibesitzerin und Vorsitzende des Hausbesitzer- und Mäßigungsvereins ändert ihre Meinung unter dem Einfluss des Bürgermeisters. Das graue Kostüm als weiblicher Uniform unserer Gegenwartswirtschaft verweist auf Prinzipien ihres Handelns.

Jürgen Sarkiss spielt den Bürgermeister als alerten Politiker, freundlich im Ton, bestimmt in der Meinung. Macht zeigt er zunächst subtil, dann offen und die Bürger des Badeortes weiß er auf seine Seite zu bringen. Als es in einer Bürgerversammlung so weit ist, nimmt Florian Fiedler plakativ Bezug zur Gegenwart. Bei der pseudodemokratischen Veranstaltung wird das vom Badearzt erhoffte Verkünden der Wahrheit durch die aus TV-Polit-Shows bekannten Stimmungsbarometer aufgehalten. Die Bürger werden nicht entscheidend befragt sondern durch unwichtige Meinungsäußerung ermüdet. Auf eine Leinwand projezierte Fotos von umstrittenen Publizisten wie Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin oder Akif Pirincci illustrieren diese Bürgerversammlung.

In dem Zusammenhang halte ich eine Anmerkung für notwendig: Harald Martenstein hier einzureihen wirkt auf mich ebenso populistisch wie die Haltung der Publizisten, die mit der Reihung kritisiert werden soll. Im Unterschied zu den anderen Populisten, verweist er immer wieder auf die Bedeutung von öffentlicher Debatte. Ich finde auch, er ist vor einiger Zeit oft merkwürdig altväterlich in mancher seiner Meinungen geworden, aber er gibt nicht vor, Wahrheit zu sprechen sondern Meinung, und das bedeutet, dass man anderer Meinung sein kann. Eine Haltung, die man von den rechtspopulistischen Publizisten in dieser Reihe nicht behaupten kann.

Der Populismus erweist sich als Demagogie, wenn der Bürgermeister verhindert, dass sein Bruder in der Bürgerversammlung die Wahrheit aussprechen kann. Das Opium für das Volk ist in der Gegenwart dann nicht die Religion sondern die Unterhaltungsindustrie, Sparte Rockmusik. Die verbündeten Wahrheitsunterdrücker des Badeortes geben ein Rockkonzert, das mit dem „Let me entertain you“ nochmals plakativ endet.

Clemens Dönicke spielt den Badearzt als Idealisten, der nicht versteht, wie ihm geschieht, wenn er von seinem aufklärerischem Gedanken nicht ablässt. So wirkt die soziale Ächtung und der wirtschaftliche Ruin auch weniger als Preis, den er für seine Haltung zu zahlen bereit ist, denn als Naturgewalt, der er sich ausgesetzt fühlt. Am Ende fühlt er sich alleine am stärksten und kann gerade deshalb nichts bewirken.

Mit diesem Schluss des Dramas zeigen sich die Beschränkungen einer Wirklichkeit aus dem Jahr 1882. Die in „Ein Volksfeind“ inszenierte Gegenwart kennt kein Internet und keine sozialen Netzwerke. In dem Badeort existiert noch eine naive Vorstellung von Wahrheit. Wahrheit ist in dieser Welt eindeutig erkennbar. Sieht man in der Wirklichkeit des Badeortes ein Beispiel für Wirkmechanismen unserer Gegenwartsgesellschaft, gerät man schnell an aufklärerische Grenzen des Dramas. Ein Pegida-Anhänger kann in Oberhausen ins Theater gehen, über die Publizistenreihe im Stück vielleicht kurz irritiert sein und ansonsten sein Verständnis von Gesellschaft bestätigt sehen. Er kann sich mit dem Badearzt identifizieren und sieht die eigene Wahrheit von der Lügenpresse und den machthabenden Politikern unterdrückt.

Aufklärung heißt immer das Gebot. Aber wer bestimmt Wahrheit, wenn jeder Wahrheit verkünden kann? Der Badearzt Dr. Thomas Stockmann von heute würde nicht mehr resigniert auf einem Stuhl sitzen. Ein Mensch mit solch aufklärerischer Energie würde heute sofort einen Blog zu schreiben beginnen. Er würde seine Wahrheit erzählen. Mit welchen Folgen?

 

Bei den Ruhrbaronen zeigt sich Honke Rambow nicht sehr überzeugt von der Inszenierung. Dagegen gefällt Stefan Keim für WDR3 sehr, was er gesehen hat.

Weitere Aufführungen: 21. und 26. Januar, 10., 16. und 25. Februar, 5. Mai. Informationen zum Stück und Kartenbestellung beim Theater Oberhausen mit einem Klick.

In eigener Sache: Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in Ruhrort – 20. Januar, 15 Uhr

Unsere geprägten Leben

Bei den 39. Duisburger Akzenten möchte ich Kriegserfahrungen von Duisburgern bei einer szenischen Lesung zu einer Art Gespräch werden lassen. Das Ganze findet im Ruhrorter Lokal Harmonie statt. Gespräch nenne ich diese Lesung deshalb, weil Duisburger sehr unterschiedliche Kriege erlebt haben. Die älteren Duisburger kennen den Zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche. Duisburger flüchteten aber auch vor den Jugoslawienkriegen der 1990er, vor den Bürgerkriegen Afrikas oder in der Gegenwart vor dem Syrienkrieg. Über die eigenen zum Teil traumatischen Erfahrungen zu sprechen ist nicht leicht. Deshalb möchte ich zur Vorbereitung der Lesung im März am 20. Januar von 15 bis 18 Uhr zu einem Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in das Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6, einladen. Aufgerufen sind Duisburger aller Generationen und Herkünfte. In dieser Erinnerungswerkstatt wird das persönliche Erleben durch Aufzeichnung zur bleibenden Zeitzeugenschaft.

Wenn an diesem Termin jemand keine Zeit hat oder wenn jemand nur im persönlichen Gespräch von seinen Erfahrungen erzählen will, kann er mich gerne über das Kontaktformular anschreiben, um einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.

Die anderen Plätze – ein Dokumentarfilm über arbeitslose Fußballprofis

Die 41. Duisburger Filmwoche wurde im letzten November mit der Deutschlandpremiere eines Fußballfilms eröffnet. Die anderen Plätze zeigt die Lebenssituation von arbeitslosen Fußballprofis. Gedreht wurde der Film vor allem in der Stadt seiner Deutschlandpremiere, eben in Duisburg, denn in der Sportschule Wedau bietet die VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler, während der Sommerpause ein Trainingscamp für arbeitslose Fußballer an. Die Fußballer können sich fit halten, während sie auf späte Aktivitäten auf dem Transfermarkt hoffen.

Den beiden Filmemacher Simon Quack und Marco Kugel ging es um die Lebenssituation von  Fußballprofis der hinteren Reihen und den Arbeitsmarktbedingungen für sie. Das sind jene Fußballer, die nicht mehr, noch nicht oder noch nie als erste auf den Nachfragelisten der Sportdirektoren stehen und gestanden haben. Am VDV-Camp nehmen ganz junge Spieler teil und Spieler, die das Ende der aktiven Laufbahn schon in Erwägung ziehen. Es gibt Spieler, die zwar nicht auf allerhöchstem Niveau gespielt haben und dennoch mit einem Verein in der Bundesliga außergewöhnlich erfolgreiche Zeiten erlebt hatten. Es gibt Spieler, die von Verein zu Verein ziehen.

Zwar gibt es in Die anderen Plätze einzelne Spieler, die häufiger zu Wort kommen, doch der Lebenszusammenhang in diesen Sommermonaten erscheint als unüberschaubares Ensemble von Menschen, in dem die Spieler vereinzelt sind und bei dem dennoch ein Zusammenhalt als Glauben beschworen werden muss. Denn dieser Zusammenhalt ist zugleich Leistungsvoraussetzung in Fußballkadern heutiger Tage.

Marco Kugel und Simon Quast entfalten die Wirklichkeit der arbeitslosen Fußballprofis ohne starke Geschichten von einzelnen Hauptfiguren, sie wollen atmosphärisch sein und nicht zu analytisch. So verliert der Film im zweiten Teil Dynamik. Höhen und Tiefen nähern sich an und der Alltag der arbeitslosen Fußballprofis wird zum melancholisch dahintreibenden Bilderfluss.

Auf verschiedenen Filmfestivals wird der Dokumentarfilm zu sehen sein. Zudem besteht die Aussicht auf Ausstrahlung im Fernsehen. Die Veröffentlichung auf DVD ist ebenfalls geplant.

Für uns in Duisburg bietet der Film die Begegnung mit einigen bekannten Gesichtern. Dietmar Hirsch ist im Camp Trainer gewesen. Beim MSV war er Spieler von 1995 bis 2000 und noch einmal von 2003 bis 2005. Philipp Bönig kommt oft zu Wort, und auch wenn seine Karriere wahrscheinlich eher mit dem VfL Bochum verbunden wird, beim MSV hat er seine ersten beiden erfolgreichen Profijahre von 2001 bis 2003 verbracht. Ich war damals enttäuscht, als er nach Bochum ging. Mit Christopher Schorch läuft auch ein Spieler aus der jüngsten Vergangenheit durchs Bild, ohne dass er im Film sich weiter äußert.

Bei der Duisburger Filmwoche gehören protokollierte Diskussionen über die gezeigten Dokumentarfilme direkt nach den Filmvorführungen zum Festivalprogramm.  Zum Protokoll der Diskussion über die Die anderen Plätze geht es mit einem Klick.

Zwei Tage nach der Premiere in Duisburg habe ich Simon Quast und Marco Kugel getroffen, um mit ihnen über ihren Dokumentarfilm zu sprechen. Simon Quast erwies sich als Anhänger von Borussia Mönchengladbach, hingegen der Hamburger Marco Kugel  zwar fussballinteressiert ist, doch keinem Verein besonders anhängt.

Zebrastreifenblog: Zwischen den Spielzeiten bietet der VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler ein Traininigscamp für arbeitslose Fußballer in der Duisburg Sportschule an. Wie seid ihr auf dieses Thema eures Dokumentarfilms „Die anderen Plätze“ gestoßen?

Simon Quack: Wir wollten einen Film über Arbeitslosigkeit machen. Dazu gab es verschiedene Überlegungen und Recherchen. Dann hat uns während einer Filmwoche hier in Duisburg jemand von dem Fußballcamp für arbeitslose Fußballprofis erzählt. Weil wir uns für Fußball interessieren, aber davon noch nie gehört hatten, hat uns das neugierig gemacht. Schon im Jahr darauf, 2014, haben wir uns dann angesehen, wie dieses Fußballcamp läuft und wie das aufgebaut ist.

Zebrastreifenblog: Habt ihr in dem Jahr auch begonnen zu drehen?

Marco Kugel: Nein, wir haben vor allem im Sommer 2015 gedreht und noch einmal vier, fünf Tage im Jahr 2016. Dietmar Hirsch, der verantwortliche Trainer in dem Camp, bekam zum Ende des Camps einen neuen Job beim VfB Oldenburg, und so haben wir uns entschlossen, wir fahren nach Oldenburg und sehen, wie es ihm dort geht.

Zebrastreifenblog: Seid ihr mit eurem Vorhaben beim VDV auf offene Ohren gestoßen?

Marco Kugel: Doch, ja, es gab nur eine einzige Bedingung. Der VDV wollte prüfen, ob wir seriöse Filmemacher waren. Es gab wohl schlechte Erfahrungen, und sie hatten die Befürchtung, dass es den Film niemals geben wird. Wir sollten also zeigen, dass eine Produktionsfirma hinter uns steht, dass wir Geld für die Produktion hatten und wir den Film fertig machen konnten.

Zebrastreifenblog: Und wie begegneten euch die Fußballer selbst? Als Dokumentarfilmer braucht ihr ja Menschen, die sich euch so weit wie möglich öffnen. Fußballer heute lernen aber mit als erstes gegenüber dem Medienbetrieb vorsichtig zu sein.

Marco Kugel: Wir hatten mit den Spielern vereinbart, wer keine Lust zum Sprechen hat, der sagt es einmal und den lassen wir in Ruhe. Es kam aber fast nie dazu. Die Spieler waren sehr offen und sehr reflektiert. Der erste Schritt in die Öffentlichkeit für die Spieler war ja schon die Anmeldung zum Camp. Die Spieler, die das gemacht haben, haben sich damit zu ihrer Situation bekannt.

Simon Quack: Vielleicht gab es zu Beginn eine kleine Irritation bei den Spielern. Sie wussten beim Campauftakt noch nicht, dass wir dabei sind. Wir wurden aber nur wenige Male gebeten, die Kamera auszumachen und das waren Momente, in denen es vollkommen nachvollziehbar war.

Marco Kugel: Dabei ging es um Datenschutz, bei denen Einzelheiten aus Verträgen mit Vereinen zur Sprache kamen. Das hat uns auch nicht interessiert.

Zebrastreifenblog: Erinnert ihr euch noch daran, welche Vorstellungen ihr über den möglichen Film bei Drehbeginn hattet?

Marco Kugel: Es gab eine inhaltlich klare Vorstellung, aber im Fortlauf gehört dann ja noch viel mehr dazu, den Film zu machen. Wichtig war es für uns den Blick für den Fußball als Arbeit zu bewahren. Wir versuchten uns immer daran zu erinnern: was wir sehen ist deren Job. Das ist deren Beruf, was auf dem Platz und auch abseits des Platzes stattfindet. Das war viel wichtiger, als die große Vorstellung zu besitzen, wo es hingeht. Wir wollten eben keine Lobhudelei des Sports machen. Wir wollten den Leistungssport als Arbeit ernst nehmen. Wir wollten das Angestelltenverhältnis der Spieler ernst nehmen.

Zebrastreifenblog: Im fertigen Film rücken einzelne Spieler in den Vordergrund. Philipp Bönig oder Dietmar Hirsch etwa kommen öfter zu Wort, dazu noch Maximilian Riedmüller und Anel Hodzic. Gab es beim Dreh Enttäuschungen, weil ihr euch für bestimmte Fußballer mehr interessiert habt und ihr dann mit denen während eurer Drehzeit keine runde Geschichte erzählen konntet?

Marco Kugel: Nein, wir hatten einen anderen Ansatz. Wir wollten von vorherein am liebsten gar keine Protagonisten. Wir wollten wirklich 30 Leute zeigen, 50, 80, um auch der Realität näher zu kommen. Es gibt einen krassen Durchsatz in den Ligen und im Camp auch. Der eine wird aus dem Camp wegverpflichtet, dann kommen zwei neue. Du hast keinen Schimmer an dem einen Montag, wer am nächsten Montag noch da ist. Alles verändert sich immer noch ein bisschen schneller. In den Ligen eben auch. Nach vier Jahren siehst du kein bekanntes Gesicht mehr. Wir wollten mit allen sprechen, und wie es dazu kam, wer am Ende im Film zu sehen war, hing zum Teil von Zufällen ab.

Simon Quack: Wir haben uns beim Dreh in der Sommerpause noch nicht groß Gedanken darüber gemacht, wen wir nach der Camp-Zeit besuchen wollten. Es war uns zum Beispiel währenddessen nicht klar, dass Anel Hodzic jemand wird, den wir später noch besuchen, weil wir die Busfahrt mit ihm hatten und er dabei uns relativ lange, auch sehr intim von sich erzählt hat.

Marco Kugel: Wir wollten auch nicht unbedingt die Leute, die die beste Story hatten. Wir sind fast demütig daran gegangen. Wir haben uns aus bestimmten Gründen mit einem Spieler verabredet und ob der jetzt aus einer dramaturgischen Perspektive für den Film spannend ist, das war nicht so wichtig, weil jeder am Schluss ein Schicksal erzählen kann. Deswegen gab es auch keine Enttäuschung.

Zebrastreifenblog: Mit diesem Anspruch und dem Verzicht auf einzelne Protagonisten war es aber bestimmt schwierig, den Spannungsbogen für den Film zu entwickeln?

Marco Kugel: Wir haben tatsächlich als Kritik schon gehört, warum seid ihr nicht an dieser Person drangeblieben? Bei Maximilian Rietmüller etwa wurde gefragt, warum ist der nicht mehr im Film? Darauf antworten wir, weil das die Wirklichkeit abbildet. Es dreht sich auch sonst keiner nach den Jungs um, wenn sie nicht mehr spielen. Wir wollten nicht das größte Glück oder die tiefste Trauer zeigen. Es ging uns darum, Strukturelles offen zu legen.
Andererseits haben sich dann ja doch einige Spieler in den Vordergrund geschoben. Sie bilden im Grunde die verschiedenen Möglichkeiten ab, wie es nach dem Camp weitergeht. Dietmar Hirsch hatte einen neuen Trainerjob bekommen. Philipp Bönig ist gerade an der Schwelle zum Karriereende gewesen. Er sagte sich, ich bin 35 Jahre alt, ich komme nirgendwo mehr unter, dann fange ich einen neuen Job an. Da war Maximilian, der wegen seiner Verletzung aufhören muss, der mit einer Physiotherapie-Ausbildung anfängt und da gibt es den jungen Anel, der zwar aus dem Camp heraus einen Verein findet aber in der Winterpause dann schon wieder freigestellt wird.

Zebrastreifenblog: In dem Zusammenhang fallen mir dann sofort Worte von Dietmar Hirsch ein, die geradezu als Leitmotiv im Film immer wiederkommen. Wenn die innere Einstellung vorhanden sei, werde man belohnt, sagte er in seinen Ansprachen. Gleichzeitig zeigt der Film aber, so ist es eben nicht immer. Trotz der richtigen inneren Einstellung bleiben viele nun einmal ohne Belohnung.

Simon Quack: Das stimmt zwar, aber letztlich appeliert Dietmar vielleicht an die einzige Möglichkeit, um aus der Situation, in der sich die Spieler befinden, etwas Positives zu ziehen.

 

Trailer „Die Anderen Plätze“ von Marco Kugel und Simon Quack (2017) from Sein+Hain Film on Vimeo.

Das Dankeschön für Christian Gartners Verpflichtung – Die schönsten Fußballtorten der Welt: XXIX – Fortuna Düsseldorf

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ präsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Lese ich Fortunafan-Stimmen zu Christian Gartners Können kommt mir der Gedanke, die Fortuna braucht ein kleines Dankeschön. Im MSVPortal hat sich der User Yogi die Mühe gemacht, solche Stimmen zusammen zu stellen, und diese Stimmen lassen vermuten, der MSV konnte einen Spieler verpflichten mit großen technischen Fertigkeiten sowie gutem Auge für Räume und Mitspieler. Dieses spielerische Können ist in Düsseldorf durch vielschichtige Gründe irgendwann nur noch ein Versprechen gewesen. Christian Gartner ist ein Spieler mit großem Potential. Solche Spieler kommen immer mit dem Risiko, in Duisburg könne sich der Misserfolgsweg beim alten Verein wiederholen. Doch wenn das Risiko vorhanden ist, gibt es auch die Chance auf den Erfolg. Nur wegen des Risikos kann der MSV Spieler dieser möglichen Qualität verpflichten.

Die Chance ergibt sich, weil der Mensch ein soziales Wesen ist. Christian Gartner wurde in Düsseldorf von mehreren Trainern mit der Zeit vornehmlich auf eine bestimmte Weise gesehen. Ihr wisst das, Leistung lässt sich auch folgendermaßen erklären, je öfter Fehler gesehen werden, die jemand macht, desto eher wird er nicht nur diese Fehler noch einmal begehen. Für die Leistung noch gewichtiger ist das gefestigte Bild, das die Menschen von jemandem haben. Das Bild gibt eine Perspektive vor. Jede Handlung, die nicht zu diesem Bild passt, wird erst gar nicht wahrgenommen oder als Ausnahme angesehen. Deshalb verändert eine andere Umgebung den Menschen an sich. Es gibt in der anderen Umgebung noch kein gefestigtes Bild. Der betrachtende Blick ist freier. Dinge können gesehen werden, die zuvor gleichsam nicht vorhanden waren. Das ist Christian Gartners Chance beim MSV. Das ist unsere Hoffnung auf seine spielerische Qualität, die wirklich wird.

Der Fortuna gilt der Dank, weil sich dort ein Bild des Misserfolgs verfestigt hat. Darauf einen Fußballkuchen. Was mir zudem die Gelegenheit noch einmal auf mein super super Jahresübergangsangebot hinzuweisen. Die 111 Fußballorte im Ruhrgebiet für 5 Euro plus Versand. Gerne auch zusammen bestellt mit Mehr als Fußball als Paket für 20 Euro plus Versand. Klicken und bestellen.

 

 

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