Bochum, wir war’n bei dir… und deinem VfL

Auf die eigene prophetische Gabe zu verweisen, kommt immer dann gut, wenn die Prophezeiung eingetroffen ist. Eigentlich braucht dieser 2:0-Sieg nichts anderes als den Verweis auf meine gestern online gestellte Fassung von Grönemeyers Bochum. Es fehlte nur das konkrete Ergebnis. Was für ein überzeugender Auswärtssieg. Was für ein selbstbewusster Auftritt von Mannschaft und Anhängern des MSV, und welch zerrüttetes Auftreten des VfL.

In Bochum ist gerade zu sehen, wie Funktionäre, Anhänger und Mannschaft in gemeinsamer Anstrengung versuchen,  aus einer Situation das Schlechteste zu machen, was möglich ist. Der MSV hat diese gemeinsame Anstrengung in Bochum von Anfang in jeglicher Hinsicht genutzt. Wir, in der Gästekurve, haben dieses Stadion zu einer Exklave Duisburgs gemacht, weil der Protest der Bochumer Anhänger gegen die Arbeit der Vereinsverwaltung den Heimsupport auf ein Minimum herunterschraubte.

Die Mannschaft des VfL tat ihren Teil, trat vorsichtig auf und schien immer ratloser zu werden. Das selbstbewusste, hohe Attackieren der Zebras machte einem anfänglich vorhandenen Versuch, das Spiel zu entwickeln, den Garaus. Die Bochumer bekamen so viel damit zu tun, das eigene Tor zu verteidigen, dass sie kaum mehr in die Nähe des Duisburger Strafraum kamen.

Ein einziges Mal ergab sich in der Mitte der ersten Halbzeit eine sehr torgefährliche Bochumer Chance. Kurz hatte ich die Sorge, es könne sich der Anfang der Saison wiederholen. Der MSV macht das Spiel und der Gegner die Tore. Doch zu fehlerhaft spielten die Bochumer inzwischen. Was war das für ein Festival an einfachen Ballverlusten, Pässen ins Aus und verstolperten Dribblings auf Bochumer Seite.

Die Zebras haben die Bochumer Spieler aber auch zu diesen Fehlern gezwungen. So viel Druck wurde auf jeden Bochumer nach der Ballannahme ausgeübt, und die zweiten Bälle blieben fast immer in den Reihen des MSV. Nach Balleroberungen ging es schnell Richtung Bochumer Tor, wenn auch zunächst die große Gefahr ausblieb. Doch einer dieser Konter führte schließlich zum Führungstreffer. Wieder war es Ahmet Engin, der Fahrt aufnahm, quer legte und Stanislav Iljucenko schoss dieses Mal von der Strafraumgrenze aus. Ein variables Konterspiel über mehrere Stationen mit dem Auge der Spieler für die Möglichkeiten. Das ist die Botschaft, die das Tor auch in sich trägt.

Neulich las ich, Enis Hajri träume von der WM. Gestern dachte ich, ja, richtig so. Dieser Traum macht dich immer besser. Das Bochumer Angriffsspiel lief in der ersten Halbzeit nur über seine Seite. Die Mannschaft stand hoch, entsprechend groß war die Möglichkeit mit einem weiten Pass überspielt zu werden. Das geschah zwei-, dreimal und war eben Folge der Taktik. Das machte mich erst nervös. Doch irgendwann hatte er sein Stellungsspiel perfekt im Griff. Sein Auftreten zeugt inzwischen von einem Selbstbewusstsein, das Staunen macht. Enis Hajri hat sich frei gespielt. Seine Dribblings werden immer geschmeidiger und lassen jeden staunen, der seine Ballführung aus Drittligazeiten noch vor Augen hat. Deshalb konnte er kurz vor dem Halbzeitpfiff über den Flügel gehen und in den Strafraum ziehen, wo er gefoult wurde. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter zur 2:0-Führung.

Diese Führung reichte dem MSV in der zweiten Halbzeit bis zum Schlusspfiff. Mir hat es nicht gefallen, dass die Mannschaft in den ersten 20 Minuten dieser zweiten Halbzeit passiver aufgetreten ist. Gegen einen anderen Gegner hätte das ins Auge gehen können. Erst im weiteren Verlauf wirkten die Spieler wieder so präsent, dass die Bochumer keine Ruhe mehr zur Ballverarbeitung besaßen. Diese Ruhe hatten die Zebras ihnen zunächst aber gegeben. Entsprechend druckvoller wurde der VfL. Das Risiko ein Gegentor zu erhalten, war für eine Zeit größer geworden. Und wie gesagt, dieses Risiko ist der MSV nach dem Wiederanpfiff eingegangen und hatte sich Bochum keineswegs erspielt.

Von etwa der 70. Minute an entspannte ich mich. Der MSV hatte das Spiel wieder vollkommen im Griff. Bochumer Angriffe wirkten wie das aufgeregte Anlaufen gegen eine Mauer. Die Spieler prallten ab oder schossen über und neben diese Mauer. Der MSV hatte Chancen, uns alle in der Gästekurve mit einem dritten Tor schon im Spiel vollkommen euphorisch zu machen. Diese Chancen wurden nicht genutzt. Womöglich hätte uns das auch überfordert mitten in der Woche. Solche ausufernde Feste vertagen wir auf die Wochenendspieltage.

Im Knödelgesang Grönemeyers nun alle zusammen: „Bochum, wir war’n bei dir. Bochum,  wir b’siegen dir. Tja, Glück auf. Duisburg.“

Advertisements

0 Responses to “Bochum, wir war’n bei dir… und deinem VfL”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 9,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Bloglisten

Advertisements

%d Bloggern gefällt das: