Archiv für Februar 2018

Leichtes Auftaktschreiben für Kees Jaratz

Langsam kehre ich wieder ins normale Leben zurück. Langsam. Über 14 Tage habe ich mit einer Grippe im Bett gelegen und bin selbst jetzt noch erschöpft, wenn ich den Vormittag über am Schreibtisch gesessen habe. Mir ist deshalb vollkommen klar, dass Dustin Bomheuer in Kiel kaum wird spielen können, und auch gegen Düsseldorf wird es mit Sicherheit noch eng. Wahrscheinlich hat sein Infekt doch ähnliche körperliche Folgen wie bei allen derzeit an Grippe Erkrankten. Zu hören ist überall, wie lang anhaltend die Leistungsfähigkeit stark vermindert ist, selbst wenn alle sonstigen Grippesymptome verschwunden sind.

Die Mannschaft aber fängt Ausfälle auf beeindruckende Weise auf. Um den Auftritt in Kiel ist mir nicht bange. Die letzten drei Spiele haben auf jeweils unterschiedliche Weise gezeigt, dass diese Mannschaft grundsätzlich jedes Spiel bestimmen will. Wenn überhaupt, ist diese Mannschaft nur für einen kurzen Moment zu erschüttern. In den Spielberichten zum Spiel gegen Ingolstadt wird die Atmosphäre des Spiels in der ersten Halbzeit ja gar nicht deutlich. Wer nicht im Stadion war, weiß nicht, wie zerstört das Fußballspiel in der ersten Halbzeit nach dem Ausgleich gewesen ist. Das Spiel war kaputt. Beide Mannschaften versuchten geradezu verzweifelt in den Fluss des Spiels zurück zu kommen. Doch die Grundatmosphäre blieb das Stückwerk. Das war für den MSV in der zweiten Halbzeit dann vorbei.

Ich freue mich auf den weiteren Verlauf der Saison und bin immer noch entspannt beim Blick auf die Tabelle. Mir kommt es nicht so vor, als sei für den MSV ein Ziel gefährdet. Ich hoffe, ich kann diese Haltung stabil halten.  Im Stadion selbst beginnt die drohende Enttäuschung nämlich schon sehr intensiv zu kitzeln, sobald ein Sieg nicht mehr sicher scheint.

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Krankheitsbedingtes Karnevalsbilderintermezzo

Seit Rosenmontag liege ich flach. Wahrscheinlich Grippe. Ich habe mal die richtige probiert. Seit heute kann ich wenigstens wieder vier, fünf Gedanken fassen, Texte schreiben aber noch nicht. Ich hatte wenige Fotos beim Spiel gegen Bielefeld gemacht. Die stelle ich mal  rein als Pausenbild.

Das erste Foto zeigt mich als barmherziger Stadionwegbegleiter mit einer Gruppe Bielefelder. Im Bahnhof  bin ich der Reisegruppe  begegnet, die nur sehr zweifelnd ihres Weges ging. Welch große Erleichterung in den Gesichtern, als ich fragte, ob ich behilflich sein kann. Erstaunlicherweise reichte einigen nicht mein erklärender Hinweis. Einige suchten den Schutz eines vertrauensvollen wirkenden Duisburgers. Ich habe sie dann tatsächlich zum Stadonbus begleitet und nicht wie sonst oft die Gästefans vor die Stadtmauern geführt, auf dass man niemals mehr von ihnen hörte.

Zebras stehen auf und bleiben standhaft

Foto: Zebras stehen auf

Gestern war ich schon auf dem Weg in den Straßenkarneval, als mir noch die Reviersport-Meldung über den Angriff von Rechtsradikalen auf die MSV-Fans rund um Zebras stehen auf in die Facebook-Timeline gespielt wurde. Anlass für die gewaltsame Auseinandersetzung war ein Banner von Zebras stehen aufDie Faninitiative hat zu dem Vorfall eine Stellungnahme veröffentlicht. Der MSV Duisburg hat bereits reagiert und klare Kante gezeigt.  Sechs Hausverbote für das Stadion sind bereits ausgesprochen. Außerdem sagt Geschäftsführer Peter Monhaupt im Namen der Gremien, der Mannschaft und der Fans: „Der MSV Duisburg steht für Vielfalt und für Integration. Wir sind offen für alle Menschen, Kulturen und Religionen.“

Die Faninitiative Zebras stehen auf engagiert sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung. Mit dem Vorfall in Darmstadt sehen wir: Es gibt weiterhin Menschen, die zum MSV gehen und andere Anhänger wegen ihres Engagements für eine lebenswerte Gesellschaft mit Gewalt einschüchtern wollen. Auch wenn in Berichterstattung und Reaktion des MSV klar die Aggressoren benannt werden, möchte ich in diesen Räumen auch noch etwas zu dem Geschehen schreiben.

Denn so ein Vorfall braucht eine breite Öffentlichkeit. Einmal mehr wird deutlich, dass das Stadion entgegen allen Wünschens kein politikfreier Raum ist. Vor längerer Zeit habe ich das schon einmal ausführlich begründet. Damals kam es zu Übergriffen auf die Kohorte, und in der danach entstandenen Diskussion zwischen Fans vermischten sich die Argumente. Aus unterschiedlichen Gründen wurde der Kohorte oftmals eine Mitverantwortung für den Überfall auf sie gegeben.

Beim Vorfall vom letzten Sonntag ist diese als Entlastung wirkende Schuldzuweisung nicht möglich. Zebras stehen auf sind als Gruppe in ihrem Handeln nicht umstritten. Das Banner von Zebras stehen auf  hat eine klare Botschaft, die auch für den unpolitischsten Stadiongänger gilt. Denn was wir als erstes wahrnehmen, bestimmt mit, ob wir uns in der Öffentlichkeit sicher fühlen können. Ein Stadion mit einem solchen Banner ist ein sicherer Ort. Denn in einem Stadion ohne rassistische und diskriminierende Meinungen braucht sich niemand bedroht fühlen. So ein Stadion ist ein tolerantes Stadion.

Doch keine Toleranz den Feinden der Toleranz. Wer dieses Banner vom Zaun reißt, möchte das Stadion zu seinem Hoheitsgebiet machen. Das sind keine Spielereien unter Fans. In dem Fall geht es um Herrschaft über das, was öffentlich sichtbar sein kann. Es geht um Einflussnahme in der Kurve. Das ist Politik. Im Stadion kann es nur dann alleine um den Sport gehen, wenn wir bei so einem Vorfall politisch reden. Das Handeln können wir dem MSV Duisburg überlassen. Aber geredet wird in der Sprache der Politik: Rechtsextremismus muss als solcher benannt werden. Was in Darmstadt geschehen ist, war Gewalt von Rechtsextremisten.

Der Realist Zlatko Janjic

Gerade bekomme ich die Pressemitteilung vom MSV herein: Zlatko Janjic wechselt nach Polen zu Korona Kielce. Kielce was? Das kennen wir doch. Genau. Das ist jener Verein, bei dem der Ex-Bundesliga-Torwart Dieter Burdenski Mehrheitseigner ist und Gino Lettieri  im letzten Jahr Trainer wurde. Ich seufze gerade mal kurz, weil ich meine erklären zu müssen, wer Dieter Burdenski ist.

Zum einen zeigt uns dieser Wechsel, wie sehr auch im Fußball Vertrauen eine notwendige Bedingung für erfolgreiche Arbeit ist. Dass Trainer ihre ehemaligen Spieler gerne erneut verpflichten, so es die Transfersituation gerade ergibt, kommt ja nicht selten vor. Die einmal bewährte Zusammenarbeit erleichtert es, bei einem neuen Arbeitgeber erfolgreich zu sein.

Zum anderen erweist sich Zlatko Janjic als ehrgeiziger Realist. Er möchte Fußball spielen und nicht nur bestenfalls auf der Bank sitzen. Seine technischen Fähigkeiten hatten die Zebras in den Drittligajahren immer wieder gebraucht. Auch unter Druck den Ball kontrollieren, das kann er. Von Anfang an war aber auch klar, um wirklich stark offensiv zu spielen, braucht er etwas mehr Raum, ein Raum, der ihm in der zweiten Liga nur selten gelassen wird. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gibt es in dieser Saison mehrere Spieler im Kader mit seinen technischen Fähigkeiten, die aber schneller im Kopf und schneller auf den Beinen sind. Der Realist Zlatko Janjic hat das gesehen.

Schließlich verrät uns dieser Wechsel auch, wie sicher sich Ivo Grlic und Ilia Gruev ihres Weges sind, wie weit im voraus gedacht wird, wie Kaderplanung jetzt schon für die nächste Saison auf Höchsttouren geschieht. Zlatko Janjic hätte nicht gehen können, wenn nicht  die Weiterentwicklung des Kaders für die Saioson 2018/2019 längst schon umgesetzt wird.

Also, viel Erfolg bei Korona Kielce, Zlatko Janjic! Und grüß den Gino von uns.

Spieltagslyrik – So schnell geworden ist der Fußball heute

 

So schnell geworden ist der Fußball heute.
Ein Schnee kriegt niemals mehr noch Zeit zum liegen.
Da schneit es. Schon umringen ihn knapp fünfzig Leute,
um ihn ins Aus zu schieben für das Siegen.

Im Aus ist Einfluss auf das Spiel erstickt.
Die Spieler kämpfen standfest um den Ball.
Und wenn dann Engin freien Raum erblickt,
zieht er hinein und rutscht auf keinen Fall.

Vom Strafraumrand schießt er ins Tor.
Der Schnee sieht hilflos zu und möchte fluchen,
weil er den Zugriff auf das Spiel verlor.
Die Lilien aber finden ihn mit Suchen.

Der Ausgleich fällt bald. Alles wieder offen.
Man sieht in zweiter Halbzeit zunächst nicht,
dass eine Mannschaft stärker ist. Sie hoffen
beide auf die Spielaktionen mit Gewicht.

Ein kleiner Vorteil durch das Chancenplus
für Zebras, auch wenn’s Tor auf beiden Seiten
fast schon fällt. Doch erst nach Freistoß kurz vor Schluss
kommt es zu Stürmertorgefährlichkeiten.

Dem Lilien-Spieler-Schubs zur Schiri-Brust
folgt Wolzes Freistoß in den Strafraum.
Gewühl, dann schneelos rutschend, ganz bewusst
drückt Iljutcenko ein. Zum Sieg. Kein Traum.

 

 

Rolf Schafstall – Geboren 22. Februar 1937, gestorben 30. Januar 2018

In diesen Räumen schreibt Kees Jaratz. Diesen Namen gibt es, weil die 1970er Jahre für den MSV und mich von besonderer Bedeutung waren. In diesem Namen konzentrieren sich Geist und Erfolg dieser Zeit, der viele anderen Namen ungenannt lässt. Doch ohne Rolf Schafstall etwa hätte ich diesen Namen nicht erfinden können. Denn Rolf Schafstall trainierte den MSV in jener Saison 1978/79, als es die Zebras im UEFA-Pokal bis ins Halbfinale schafften. Nun ist Rolf Schafstall im Alter von 80 Jahren gestorben.

Er wuchs in Neumühl auf, und die Daten seiner Fußballer- und Trainerkarriere werden jetzt überall genannt. Seine fußballerische Heimat war Hamborn 07, und natürlich kommt in Duisburg der Mai 1963 zur Sprache, und damit jenes im Oberligaspiel von Hamborn 07 gegen den MSV gepfiffene Foul, von dem Rolf Schafstall sein Leben lang sagte, es sei kein Foul gewesen. Den Freistoß nach diesem Schafstall-Foul oder -Nichtfoul verwandelte Peter Danzberg zum 2:1, mit dem das Spiel endete. Im Grunde war es ein Foul mit Weitsicht. Denn ohne Foul kein Tor. Ohne Tor keine Qualifikation zur Bundesliga. Ohne Bundesliga keine UEFA-Cup-Teilnahme. Ohne UEFA-Cup kein Trainer mit einer international erfolgreichen Mannschaft.

Rolf Schafstalls knorriger Art begegnet man im Ruhrgebiet häufiger. Vielleicht wird er deshalb auch von der Region so vereinnahmt, obwohl er als Trainer sehr viel öfter auch außerhalb der Region gearbeitet hat. In Bochum aber erlebte er seine längste Zeit in einem Stück als Trainer. Auch wenn in den Bewegtbildern unten keiner von Schafstalls Pottvereinen seinen Auftritt hat, nehme ich das Spiel von Bayer Uerdingen gegen den VfB Stuttgart, um an Rolf Schafstall zu erinnern. Denn Rolf Schafstall wird durch diese wenigen Minuten in seiner Persönlichkeit sehr greifbar. Nichts anderes soll Gedenken sein: Sich an einen Mensch in seinem Wesen erinnern.


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