Archiv für März 2018

Saisonpremiere gegen Kaiserslautern

Zum ersten Mal in dieser Saison werde ich am Samstag etwas angespannt ins Stadion gehen. Zum ersten Mal in dieser Saison wird mich alles andere als ein Sieg weiter beunruhigen. Das wird vielen von euch nicht anders gehen. Vier Punkte Abstand zum Tabellenende erwartet man normalerweise nicht bei einem einstelligen Tabellenplatz so spät in der Saison. Die drei Niederlagen nacheinander kratzen allerdings nur deshalb an meinem Vertrauen in die Mannschaft, weil sie von insgesamt sechs Halbzeiten  dreimal nicht wirklich auf dem Platz zu stehen schien.

Diese Auszeiten gab es bei den zwei Auswärtsspielen. Gegen Fortuna Düsseldorf beim Heimspiel war das anders. Nicht jeder teilt meine Meinung, das weiß ich. Doch für mich war der MSV in beiden Heimspielhalbzeiten präsent. Was meine Zuversicht wiederum stärkt. Der Blick auf die Zweitligaheimbilanz gegen den 1. FC Kaiserslautern sagt mir dann, diese Bilanz muss dringend geändert werden. Kein Sieg, vier Unentschieden und eine Niederlage sind zu verbuchen. Diese Bilanz ist allerdings schon sehr viel besser als die Bilanz sämtlicher Punktespiele meiner Erinnerung. Da purzeln die Niederlagen nur so durcheinander, und ich muss mich sehr auf den Viertelfinal-Sieg mit 2:0  der Pokalsaison 2010/2011 konzentrieren. So halte ich meine Zuversicht stabil.

Glückwunschausflug zu Ennatz und dessen Tore gegen die Bayern

Nun ist der 70. Geburtstag von Bernard Dietz schon wieder ein paar Tage her. Seit heute gibt es Bewegtbilder vom Besuch der MSV-Fans in Walstedde am letzten Donnerstag. Etwa zwei Wochen zuvor hatte auch mich die Frage erreicht, ob ich mitfahren könne und wolle. So war ich bei der durch Wetter, Arbeit und Gesundheit etwas geschrumpften Glückwunschabordnung mit dabei.

Beim McDonald’s-Zwischenstopp nach der Abfahrt von der Autobahn mussten wir zwar durch die uninformierte Landbevölkerung Nachfragen ertragen zu einem Verein, den wir nicht mögen, doch in Walstedde haben wir dann schnell klar gemacht, woher wir kamen.

Neben den Glückwünschen hatte ich Ennatz das von mir und Frank Baade geschriebene Buch 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss mitgebracht. In dem Buch hat seine Geschichte zwar keinen eigenen Ort, dennoch kommt das Buch ohne ihn nicht aus. Das Lehmbruck Museum ist nämlich einer jener 111 Fußballorte, und das hängt mit dem MSV-Stürmer der 1970er Jahre Klaus Thies zusammen, der für eine Werbekampagne des Museums in jener Zeit die Lehmbruck-Skulptur, Die Kniende, im Wedaustadion nachstellte. Als ich den Text hatte schreiben wollen, fiel mir zum Einstieg Bernard Dietz ein und der legendäre 6:3-Sieg gegen Bayern München:

Unter kunstinteressierten Fußballfreunden sei für Duisburg folgender Vergleich erlaubt: Im Werk des 1881 in Meiderich geborenen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ist die »Kniende« wie das Spiel der Spiele von Bernard Dietz, der 1977 fast im Alleingang für den 6:3-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München sorgte. Anstrengung, das Ringen um das Ergebnis und die Zweifel am Erfolg sieht man dem Endstand genauso wenig mehr an wie der lang gestreckten Skulptur in Überlebensgröße.

Bislang waren Tore von diesem Sieg online nicht zu finden. Doch im Geburtstags-Clip vom MSV verstecken sie sich nun und sind endlich wieder zu sehen. Ein Clip, der auch ohne Ennatz-Geburtstag wunderbare Erinnerungen weckt.

 

Im Halbzeitpausengespräch ein Gastbeitrag von Helmut Junge – Ein Jazzkonzert im Gdanska

Länderspiele sind ja keine wirkliche Alternative in einer spielfreien Zeit vom MSV. Besonders dann, wenn man sie nicht sieht. Ihr wisst das, Fußball, den ich mag, gehört zur Bühnenkunst der kleinen Hallen und Clubs. Gestern Abend war ich deshalb bei einem privaten Garagenkonzert. Mississippi-Blues und Singer-Songwriting aus Schweden. In der Garage bin ich mit dem Duisburger Künstler Helmut Junge ins Gespräch gekommen. Er hatte sich im Oberhausener Gdanska ein Konzert des Trios Accordion Affairs angesehen und etwas dazu geschrieben. Gdanska und Kultur an der Basis können jede Aufmerksamkeit brauchen. Deshalb habe ich ihn eingeladen, seine Worte über den Abend auch in diesen Räumen online zu stellen. Bitte schön, Helmut Junge über die Atmosphäre im Gdanska und ein Konzert der dort beheimateten Reihe „Jazz-Karussel“.

Ich gehe selten in ein Konzert seltener jedenfalls als alle mir näher bekannten Personen. Warum das so ist, weiß ich selbst nicht. Aber ich bin musikalisch gesehen schon als Kind das „Schwarze Schaf“ innerhalb einer durchaus musikalischen Familie gewesen. Andererseits halte ich mich nicht für unmusikalisch, weil ich ja auch ein paar musikalische Richtungen mag. Wenn ich dann mal eine Form von Musik oder bestimmte Interpreten in mein Herz geschlossen hab, kann es sein, daß ich mich regelrecht daran berausche. Um es gleich vorweg zu sagen, Jazz hat noch nie dazu gehört. Warum nicht? Kann ich nicht erklären.

Manche Leute behaupten, sie könnten sich genau beim Jazz besoffen hören. Davon war ich immer meilenweit entfernt, obwohl ich in den letzten Jahren den Eindruck hatte, dass musikalische Elemente als Jazz betrachtet werden, die früher der Weltmusik zugeordnet wurden. Mari Boine kannte ich schon, bevor sie in Moers aufgetreten war, und meine Lieblingsband The Tiger Lillies hatte ich beim stöbern in der Rubrik „Jazz“ überhaupt erst entdeckt. Ja, neugierig bin ich manchmal schon, und dann höre ich auch mal hinein.

Diesmal bin ich sogar ins Oberhausener Gdanska in ein Jazz-Konzert gegangen. Eingeladen hatte mich die Jazzsängerin und Kuratorin des „Jazz-Karussels“ Eva Kurowski.  Weil sie die Gruppe Accordion Affairs so schön vorgestellt hat „…Stilistisch offen reicht das Programm von Weltmusik verschiedenster Kulturen, über Eigenkompositionen bis hin…“ bin ich neugierig geworden und mit meiner Frau, die viel aufgeschlossener und unternehmensfreudiger ist als ich, dahin. Ich hab es nicht bereut.

Schon allein das Gdanska ist wert, sich dort zu treffen, ein Bier zu trinken, oder zu essen, sogar während eines Konzerts. Das ist durchaus angenehm. Ich hätte zwischen Köpi und einem polnischen Bier wählen können, hab die Experimente an dem Abend aber nicht überziehen wollen, und bin beim bewährten heimischen Brauereiprodukt geblieben. Meine Frau bevorzugte Wein. Und so waren wir gut versorgt. Die Atmosphäre im Saal war entspannt, obwohl der Saal gut gefüllt war.

Als die Musiker Jörg Siebenhaar (Akordeon & Piano), Konstantin Wienstroer (Bass) und  Jan Wienstroer (Drums) für den ausgefallenen Peter Baumgärtner auf die Bühne kamen, war ich gespannt. Eva hatte ja vorher schon geschrieben:„Ein besonders eigener Sound entsteht durch Siebenhaars synchrones Bedienen von Accordion und Piano, was die Möglichkeiten von Arrangement und Improvisation erheblich erweitert. Accordion und Piano werden eins!  Das Trio besticht durch die außerordentliche Dynamik von fast gehauchten bis hoch voluminösen Klängen, expressiv oder ultracool.“ So war es. Ich glaube, ab dem vierten oder fünften Stück war ich ganz dabei.

In der Pause ergab sich zudem ein interessantes Gespräch mit unserer Tischnachbarin, die eigentlich Bebop Fan ist, aber trotzdem ebenso begeistert war wie wir. Ihr Großvater war der Architekt vom Rathaus in Oberhausen  und hat der Stadt jenen Platz geschenkt, der jetzt der Marktplatz ist. Interessante Leute lernt man im Gdanska also auch noch kennen. Nach der Pause gefiel mir die Musik immer noch super. Mit dem Abstand von knapp einer Woche glaube ich, dass ich mich bezogen auf den Jazz, gar nicht mal viel selber bewegt habe. Aber Jazz hat sich weiter entwickelt, neue Elemente aufgesaugt und so hat er sich auf mich zubewegt. Der Gedanke gefällt mir. So wird es sein. Eva Kurowski macht jeden Donnerstag so einen Jazz-Abend im Gdanska. Ich werde wiederkommen.

Herzlichen Glückwunsch zum Siebzigsten, Ennatz!

Ohne Bernard Dietz, ohne Ennatz, wie er gerufen wurde, gäbe es den Namen Kees Jaratz nicht. Er war einer meiner drei Helden des MSV in den 1970er Jahren, aus deren Namen ich mein Alter Ego für den Zebrastreifenblog vor zehn Jahren zusammensetzte. Seine Bedeutung für die Zebras kann man gar nicht hoch genug ansehen. Als er zum Stammspieler der Nationalmannschaft wurde, hatte er diesen persönlichen sportlichen Erfolg auch für die Anhänger des MSV und für die Duisburger. Einer von uns hatte es gegen alle Widrigkeiten geschafft. Nach Duisburg blickten ein Trainer der Nationalmannschaft doch eigentlich nicht. Aber Ennatz spielte einfach zu gut. Es wäre fahrlässig gewesen, solch einen Verteidiger mit dieser Offensivstärke nicht für Deutschland spielen zu lassen. Das meinten erst Helmut Schön und dann Jupp Derwall.

Den Werdegang von Bernard Dietz, die Anekdoten über ihn, all das lässt sich bei den Kollegen nachlesen. Ich habe für den Zebrastreifenblog nach Bewegtbildern von Bernard Dietz geschaut. Es ist bezeichnend für seine Persönlichkeit, für seine Bescheidenheit, dass es davon nicht allzu viele gibt. Hinzu kommt wahrscheinlich noch der Status des MSV Duisburg in der Medienlandschaft jener Zeit. Sicher sind Interviews aus der jüngsten Vergangenheit zu finden, aber die klassischen Fußballerinterviews, die Erinnerung an bewegende Spiele, all das ist den Mitspielern seiner Generation vorbehalten. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren von Lesern mit Archivzugriffen außerhalb von youtube.

Die ältesten von mir gefundenen Bewegtbilder von Bernard Dietz zeigen ihn im Spiel des MSV gegen Borussia Mönchengladbach in der Saison 1972/73. Auch in diesem Spiel sehen wir ihn nicht bei einer Defensivaktion sondern zweimal in der Offensive. Auf dem Flügel setzt er sich jeweils durch einmal im eins gegen eins, ab Minute 0.29, und zum zweiten Mal als Vorbereiter des Ausgleichtores im Kurzpassspiel mit Michael Bella ab 1.49. Wenn Bernard Dietz in Strafraumnähe war, herrschte Torgefahr.

 

 

Wer übrigens bei Torgefahr und Ennatz nicht sofort in unseren Sehnsuchtschor einfällt, der macht fünf Linienpendel. Was für ein Spiel von Ennatz gegen die Bayern 1977 im November, als er sie beim 6:3 des MSV mit vier Toren fast im Alleingang besiegte. Und alle noch einmal: Was für ein Spiel von Ennatz…

Die einzigen Portrait-Bilder aus der aktiven Zeit von Ennatz stammen aus dem argentinischen Archivo DiFilm. Offensichtlich sollte mit diesem Clip Ennatz anlässlich der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien durch Szenen aus Spielen sowie bei der Arbeit in seinem Sportartikelgeschäft vorgestellt werden. Welchem Publikum wird nicht ersichtlich. Vielleicht war es das argentinische TV-Publikum? Sicher ist das jedoch nicht, weil DiFilm auch auf Quellen außerhalb Argentiniens zugreift. Das Archiv enstand – so weit ich das mit rudimentären Spanischkenntnissen verstehe – aus einer privaten Sammlung und wird weiterhin privat geführt. Die eigentliche Quelle des Clips ist auf der Archivseite nicht angeführt.

Zwei Jahre später war Ennatz bei der Europameisterschaft Kapitän der Nationalmannschaft, die im Finale Belgien besiegte und Europameister wurde. Ein schärferes Bild vom Überreichen des Europapokals als im verlinkten Clip habe ich leider nicht gefunden. Außerdem lässt sich der Clip nur bei Youtube ansehen. Ihr müsst also einmal klicken.

Der Jubel von damals soll Ennatz heute auch gelten. Herzlichen Glückwunsch, Ennatz! Vom Guten nur das Beste. Wir sehen uns beim MSV.

Von der Gefährdung guter Laune an einem Montagmorgen

Sinnvolle Worte zum Spiel des MSV in Braunschweig fallen mir heute schwer. Ihr wisst, im Zebrastreifenblog geht es nicht nur um den auf Fußball reduzierten Spielbericht. Fußball im Zebrastreifenblog ist kein Ergebnissport. Hier geht es um den Zuschauer als ganzen Menschen, und diese ganze Kees Jaratz ist heute ratlos. Fußballberichterstattung gibt es ja an allen Ecken und Enden, hier und da finden sich vielleicht ein wenig andere Wertungen, aber im Grunde lesen wir Wiederholung auf Wiederholung desselben. Diese Art Berichterstattung interessiert mich nicht.

Und seien wir ehrlich, die Unzahl von Berichten über ein Spiel, lesen wir doch nur bei den Siegen unserer Vereine. Dann können wir nicht aufhören, gute Gefühle mit jedem Lesen neu hervorzurufen. Für Niederlagen reicht eigentlich der einmalige Rückblick, so wir uns dem überhaupt aussetzen. Schnelles Vergessen ist auch keine so schlechte Alternative. Das der Lese-Abstinenz entsprechende Handeln im Leben eines Fußballbloggerst ist die Schreibverweigerung. Ich habe keine Lust, mich schon wieder an dieses vergebliche Hoffen auf den Ausgleich zu erinnern. Das hatten wir doch schon eine Woche zuvor beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Das muss doch nicht eine Woche später schon wieder so passieren.

Natürlich machte die erste Halbzeit den Unterschied zum Spiel gegen Düsseldorf. Aber an die erste Halbzeit will ich mich erst recht nicht erinnern. Nur fürs Protokoll: Das war jene Halbzeit, in der mich eine 4:0-Niederlage beim Schlusspfiff begeistert hätte. Schließlich hätten wir dann das Torverhältnis angesichts der Spielweise der Mannschaft einigermaßen stabil gehalten.

Was mache ich also mit diesem Spiel, in dem die Mannschaft in der zweiten Halbzeit die Braunschweiger in deren Hälfte einschnürt? Was mache ich damit, dass diese Mannschaft sich Chance auf Chance erspielt, aber einen 3:0-Rückstand als nicht unerhebliches Handicap aus der ersten Halbzeit mit sich schleppt? Ich weiß es nicht. Deshalb will ich heute nicht mehr in Details gehen. Ich habe keine Lust, den Blick auf die Leistung einzelner Spieler zu werfen. Ich kriege schlechte Laune beim Schreiben, und das ist nicht gut an einem Montagmorgen. Vergebene Chancen der zweiten Halbzeit sehe ich gerade wieder viel zu wirklich vor mir und Spieler des MSV, die beim Schlusspfiff enttäuscht zu Boden sinken. Nein, das ist nicht gut. Das Erinnern an eine 3:2-Niederlage muss einen Sinn haben, der über den Fußball hinaus geht. Darum geht es im Zebrastreifenblog immer auch.

Schöne Worte können den Sinn stiften, sicher. Die Elegie, das Klagegedicht ist eine Jahrhunderte alte lyrische Form. Aber selbst die Klage hilft mir heute nicht weiter. Einen Sinn sehe ich gerade nicht, und für das Bewahren der guten Laune ist es schon zu spät. Ich ärgere mich gerade wieder. Lasst uns aufhören. Länderspielpause. Das klingt gut. Die brauche ich jetzt, und gegen Kaiserslautern wird alles wieder anders sein.

In eigener Sache: Akzente 2018 – Unsere geprägten Leben im Ruhrorter Lokal Harmonie

Statt eines weiteren Beitrags im inoffiziellen Akzente-Programm des Zebrastreifenblogs gibt es heute  einen Hinweis in eigener Sache auf das offizielle Programm der Akzente morgen Abend.

In Duisburg leben Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkünfte, die den Krieg aus eigener Erfahrung kennen. Die älteren Duisburger haben als Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebt. Duisburger im mittleren Alter wissen vom Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre zu berichten. Noch jünger sind oft jene Menschen, die vor dem gegenwärtigen Syrienkrieg flohen. Im Ruhrorter „Lokal Harmonie“, Hamorniestraße 41, bringe ich morgen, am Freitag, den 16. März, um 19 Uhr im Rahmen der Duisburger Akzente fünf Duisburger bei einer Lesung aus persönlichen Erinnerungen an den Krieg in einen Dialog.

Eigentlich hatte ich vor, diesen Dialog als von mir geschriebenen Text mit einer szenischen Lesung auf die Bühne zu bringen. Doch während der Gespräche mit den Zeitzeugen veränderte sich das Konzept für den Abend. Denn diese Zeitzeugen haben das Bedürfnis ihre berührenden Erfahrungen im Krieg als eigene geschlossene Geschichte zu erzählen. So wird der Dialog über Haltungen zum und dem Erleben im Krieg live auf der Bühne entstehen – unter uns Auftretenden und mit dem Publikum.

Akzente 2018 inoffiziell – Von deutsch-französischer Freundschaft im Duisburg der 50er Jahre

Am vorletzten Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Für den heutigen Beitrag zur deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte greife ich noch einmal auf einen Text zurück, der in dem Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen erschienen ist. Auch in diesen Räumen hatte ich ihn schon einmal veröffentlicht. Das Akzente-Thema dieses Jahres bietet Gelegenheit für eine Wiederholung. Denn bei der Beschäftigung mit dem Krieg brauchen wir immer auch Hoffnung auf die Möglichkeit zu Versöhnung und Frieden. Im Ruhrorter Hafen arbeiteten kurz nach dem 2. Weltkrieg Männer aus Frankreich und Deutschland in derselben französischen Spedition. Aus Kollegen wurden Freunde. Die jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Nationen wurde nicht mehr vererbt. Aus Ferne war Nähe geworden. Im Ruhrorter Hafen wurde etwas gelebt, was als Hoffnung für beide Nationen erst später auf politischer Ebene zum Ausdruck gebracht wurde.

Der Basketballfreiplatz am Ruhrdeich
Von deutsch-französischer Nachkriegsfreundschaft

Als 1950 der französische Außenminister Robert Schuman dem Misstrauen zwischen Frankreich und Deutschland mit der Vision eines gemeinsamen Wirtschaftens begegnet, dachte er noch nicht an Freundschaft. In Ruhrort ist das damals schon anders. Jene Freundschaft, die dann 13 Jahre später Konrad Adenauer und Charles De Gaulle mit dem Élysée-Vertrag endgültig vertiefen wollen, ist in dem Hafenstadtteil schon bald nach dem Krieg gelebter Alltag für junge Franzosen und Deutsche.

Der Basketball vereint diese Männer. Bei den Franzosen ist der Sport beliebt, und die jungen Ruhrorter finden das in Deutschland noch exotisch wirkende Mannschaftsspiel interessant. Eine Art Betriebssportgruppe entsteht. Denn alle diese jungen Basketballer arbeiten bei der französischen Staatsspedition Compagnie Générale Du Rhin. Allerdings fehlt ihnen ein richtiges Basketballfeld. An eine Sporthalle ist gar nicht erst zu denken.

Da trifft es sich gut, dass der Platzwart der Tennisanlagen des VfvB Ruhrort/Laar in dem Schifffahrtsunternehmen nach Arbeit fragt. Neben diesen Tennisanlagen am Ruhrdeich gibt es eine Brachfläche. Der Franzose Jean Amiot wird zur treibenden Kraft bei der Anlage des Basketballplatzes. Mit Spaten und anderem Gartenbaugerät wird eine plane Fläche hergerichtet, Sträucher werden gerodet, grobe Steine beiseite geräumt. Die Bretter für die Basketballkörbe werden im Schifffahrtsunternehmen gezimmert. Als zwei Jahre später die jungen Männer Meisterschaftsspiele bestreiten wollen, erhält der VfvB Ruhrort/Laar, vormals nur für Fußball und Tennis eine Adresse, offiziell eine Basketballabteilung.

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Wenn die Nachspielzeit zum Gesundheitscheck wird

Wenn ich noch zwei Stunden nach einem Fußballspiel Kopfschmerzen wegen meines zeitweilig viel zu hohen Blutdrucks habe, können wir bedenkenlos von einem aufregenden Fußballspiel sprechen. Wahrscheinlich brauche ich demnächst eine ärztliche Unbedenklichsbescheinigung, ehe ich ins Stadion gehe.

Aufregend war die 1:2-Niederlage des MSV gegen Fortuna Düsseldorf allerdings erst in der zweiten Halbzeit. Denn in dieser zweiten Halbzeit schaffte es der MSV als Mannschaft die individuelle Überlegenheit einzelner Düsseldorfer Spieler wett zu machen. Nachweis dieser individuellen Überlegenheit waren sowohl die präziseren und härteren Schüsse auf das Tor als auch das härtere und etwas sicherere Kurzpassspiel der Düsseldorfer. Der Vorteil der Düsseldorfer war nicht groß, er war aber vorhanden. Wegen dieses Qualitätsunterschieds führt die Fortuna die Zweitligatabelle an, und der MSV spielt oben zwar mit, aber hat weiterhin die 40, besser 42 Punkte im Blick, während wir im Stillen von einem Relegationsplatz träumen.

Kontrolliertes Spiel hieß in der ersten Halbzeit die Devise nach dem Spektakelfußball des Hinspiels. Dieses kontrollierte Spiel brachte für die Fortuna Schüsse aus der zweiten Reihe, die auf das Tor kamen. Schüsse, die auf das Tor kommen, können dann auch mal reingehen. So entstand das Führungstor der Düsseldorfer wenige Minuten vor dem Pausenpfiff. Einen hohen Abschlag in die Hälfte des MSV ließ Gerrit Nauber einmal auftitschen. Solche auftitschenden Bälle machen mir immer Sorgen. Sie sind oft unberechenbar. So machte nicht nur ein Düsseldorfer Spieler im direkten Zweikampf mit Gerrit Nauber Druck, ein zweiter Düsseldorfer Spieler konnte den nur schlecht geklärten Ball sofort aufnehmen. Die noch nicht wieder geordnete Defensive ließ zu viel Freiraum. Der Schuss aus der zweiten Reihe traf. Wenn ich in einer Schlagzeile von einem Sonntagsschuss lese, schüttel ich allerdings veständnislos den Kopf. Das war kein Sonntagsschuss. Das war einer von mehreren gefährlichen Schüssen. Die Düsseldorfer brauchen kein Glück für solche Schüsse. Die können das.

Demgegenüber stand eine Chance durch Ahmet Engin für den MSV, oder sagen wir, sich eröffnende Chance. Engin war in den Strafraum gezogen und versuchte quer zu legen statt selbst zu schießen. Das hätte eine große Chance werden können. So wurde der Konter nach Balleroberung im Mittelfeld nur etwas Halbgares.

Kurz nach dem Wiederanpfiff veränderte ein schneller Abwurf von Mark Flekken das Spiel. Aus diesem schnellen Abwurf entstand ein erster Angriff des MSV, der Fortunas Defensive durcheinander wirbelte. Von da an schwankte das Spiel hin und her. Während die Fortuna weiter auf die Schüsse von der Strafraumgrenze setzte, versuchten die Zebras immer wieder näher ans Tor zu kommen – mit schnellem Flügelspiel oder mit hohen Bällen. Als Kevin Wolze sich über den linken Flügel wunderbar durchgespielt hatte, war der Weg Richtung Tor frei. Nah an der Torauslinie, wurde er von den Beinen geholt. Der Elfmeterpfiff blieb aus. Blutdruckspitze, die erste. Kevin Wolze war in dem Fall mein Blutdrucksenker, weil er seiner Wut freien Lauf lassen konnte. Die gelbe Karte hatte er schon, ich fürchtete das Gelb-Rot. Sofortige Beruhigung war deshalb meine Devise. Vielleicht wirkte es auf das Spielfeld runter.

Kingsley Onuegbu wurde eingewechselt und erarbeitete sich seine Chance zum Ausgleich. Sein kunstvoller Seitfallrückzieher ging knapp am Tor vorbei. Auf der Gegenseite gab es einen Schuss gegen die Latte. Als kurz vor dem Abpfiff das 2:0 fiel, schien meine Gesundheit nicht mehr gefährdet. Doch weit gefehlt. Nach dem Anschlusstreffer durch Boris Tashchy zwei Minuten später kam erst die wirkliche Prüfung des Tages. In den vier Minuten Nachspielzeit war der Ausgleich tatsächlich zweimal möglich. Die erste Chance vom King wurde zur Ecke abwehrt, und es war klar, diese Ecke würde die letzte Spielaktión. Heute weiß ich nicht einmal mehr, ob der King bei seiner zweiten Chance nach dem Eckball köpfte oder schoss. Neben der Erinnerung an meine Kopfschmerzen ist nur meine Fassungslosigkeit geblieben, dass dieser Ball vom Torwart noch geklärt werden konnte.

So komme ich zu dem etwas merkwürdigen Eindruck, dass der Sieg der Fortuna einerseits in Ordnung geht, andererseits aber das Unentschieden verdient gewesen wäre.

Akzente 2018 inoffiziell – Flucht vor der Verantwortung im Duisburger Stadtwald

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Südlich vom Worringer Reitweg, östlich der A 3 deutet im Duisburger Stadtwald nichts darauf hin, dass dort Mitte April 1945 Walter Model, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B der Wehrmacht den Kampf um das Ruhrgebiet aufgab. Für das von mir als Ralf Koss geschriebene Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen habe ich den folgenden kurzen Text zu diesem Ereignis geschrieben. Die Historie des Ruhrgebiets lässt mich weiterhin nicht los. „Orte, im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen“ heißt mein Blog zum Thema. Pressestimmen und Informationen zum Buch gibt es dort ebenfalls.

Flucht vor der Verantwortung

Die Munition ist aufgebraucht, Lebensmittel sind kaum vorhanden. Nach und nach nehmen die US-amerikanischen Truppen die Städte des Ruhrgebiets ein. Bald ist der Krieg zu Ende. Am 17. April 1945 gibt der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B den geordneten Verteidigungskampf auf. Den im Ruhrkessel eingeschlossenen etwa 300.000 Soldaten stellt er frei, in Gruppen kämpfend die feindliche Linie zu durchbrechen oder sich einzeln durchzuschlagen, zivil oder in Uniform. Vier Tage später greift Walter Model in einem Duisburger Waldstück nahe Lintorf zu seiner Waffe und erschießt sich.

Als fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus will er die Niederlage erklären: »Unter dem Druck der Kriegsereignisse zeigt sich, daß noch immer weite Kreise des deutschen Volkes und damit auch der Truppe vom jüdischen und demokratischen Gift der materialistischen Denkweise verseucht sind.« Ein Kapitulationsangebot hat er abgelehnt, und fast bis zuletzt ist er bereit, seine sinnlosen Befehle unter Androhung von standrechtlichen Erschießungen durchzusetzen.

Anfang März war die US-Army bei Remagen über den Rhein gesetzt. Nach der britischen Großoffensive nahe Wesel kann das Ruhrgebiet in einer Zangenbewegung umschlossen werden. Großen Widerstand gibt es nicht, während sich die alliierten Truppen im Hinterland des Ruhrgebiets aufeinander zubewegen. Am 1. April treffen sie bei Lippstadt aufeinander. Der Ruhrkessel ist geschlossen

Indem der Kessel enger gezogen wird, gelingt das erhoffte »mopping up«, das »Aufwischen« der deutschen Truppen, ohne große Verluste der Alliierten. Als ein letztes Mittel des Kampfes bleibt den Nationalsozialisten, die Wirklichkeit zu verdrehen: »Wir wissen mehr, als der Gegner weiß« heißt es auf einem Flugblatt vom Gauleiter Westfalen-Süd, Albert Hoffmann. Das Schließen des Ruhrkessels sei ein großer Erfolg der Wehrmacht und von der Führung geplant gewesen.

 

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Das Straßenbahnderby

Wenn ich Straßenbahnderby höre, muss ich immer an einen Stein denken, der in den 1970er Jahren nach einem Abendspiel des MSV in Düsseldorf an der Haltestelle gegen die Scheibe eben einer Straßenbahn geflogen kam. Sicher bin ich mir nicht, was mit der Scheibe geschah. Die gute Geschichte suggeriert mir, sie ging zu Bruch. Beschwören kann ich das nicht. Erinnerungen sind ja manchmal einfach nur das Ergebnis einer als gut erachteten Geschichte.

Damit die Zweitligasaison 2017/2018 als die kurioseste der Fußballgeschichte eingeht, weil der Punkteabstand zwischen Erstplatziertem und Absteiger nicht mehr als sieben Punkte beträgt, hoffe ich auf einen Heimsieg des MSV. Ganz zu schweigen von meinem ureigenen Interesse am Erfolg der Zebras.

Genesene Spieler und eine deshalb hoffentlich stabilere Defensive lassen die Voraussetzungen für das Spiel gegen die Fortuna auf jeden Fall besser erscheinen als letzte Woche. Spielerzitate schaue ich mir nach der Erfahrung der letzten Woche allerdings lieber nicht an. Nicht dass ich wieder irgendwas von einer besonderen Einstellung der Spieler lese und irgendeiner Hitze, die die Spieler spüren, einer Hitze, die vermeintlich Leistungsbereitschaft zeigt, aber wahrscheinlich nichts anderes ist als hochtouriger Leerlauf.

Was die einstige D-Bahn angeht, habe ich übrigens ein paar Bewegtbilder gefunden. Diese D-Bahn erhielt ja immer mal wieder besondere Aufmerksamkeit, weil sie als Straßenbahn einen Speisewagen besaß. Beim Fantransport zwischen beiden Städten war der allerdings geschlossen, wenn nicht ohnehin ganz normale Straßenbahnzüge eingesetzt wurden.

Als der Speisewagenbetrieb aufgenommen wurde in den 1950er Jahren, war das wohl auch für das Fernsehen von Interesse. Auch wenn der folgende Clip nicht die D-Bahn zeigt, sondern die K-Bahn nach Krefeld, so wird der Speisewagenbetrieb selbst sich nicht unterschieden haben. Während der 1950er Jahre wurde auch im Nahverkehr auf äußere Formen noch sehr viel Wert gelegt. Kellnerinnen mussten unverkennbar Kellnerinnen sein.

In den 1980er Jahren hieß die D-Bahn dann schon Linie 79. Den Speisewagen gab es noch, doch der Kleidungsstil der Kellnerinnen hatte gelitten. Die Kittelschürze wirkt deutlich weniger stilvoll als das schwarzes Kleid mit weißem Kragen und weißer Schürze.

Ab Minute 1.29 ist die D-Bahn als Auftaktstraßenbahn der Ruhrgebietstour hier auch noch einmal zu sehen.


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