Archiv für März 2018



Akzente 2018 inoffiziell – Best of Netz: AKUF – Die Wissenschaft zu Kriegen seit 1945

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

In dieser Gegenwart werden Fakten immer häufiger nicht mehr grunsätzlich als Ergebnis eines rationalen Erkenntnisprozesses wahrgenommen. Fakten werden als Meinung behandelt und Meinung als Fakten. Ich nehme eine immer stärkere Bewegung hin zur Meinung ohne argumentative Grundlage durch verbürgte Fakten wahr. Um so notwendiger ist das Beharren auf Fakten und Stärken all jener Institutitonen in dieser Gesellschaft, die Fakten sammeln und sie in einem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in Frage stellen lassen. Im besten Fall werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit auf leichte Weise zugänglich gemacht.

An der Universität Hamburg gibt es am Sozialwissenschaftlichen Institut mit der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung, kurz AKUF, eine Institution, die Fakten über die Kriege in der Welt nach 1945 sammelt und sie online stellt. Auf diese Seite lassen sich Strukturen und Verläufe von Kriegen nachlesen. Die theoretische Grundlage der Analysen wird in einem kürzeren Text zu Kriegsdefinition und -typologie offen gelegt. Wer über Krieg nachdenkt, ob künstlerisch, ob politisch, findet bei AKUF die grundlegenden Fakten für sein Nachdenken.

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Akzente 2018 inoffiziell – Frank Baier und Die Grenzgänger mit Bei Duisburg sind viele gefallen

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Der Duisburger Liedermacher Frank Baier widmete politischen Liedern früh seine Aufmerksamkeit. Nicht nur dass er sie in seine Konzertprogramme aufnahm, er gab schon in den vorvernetzten Zeiten Sammlungen dieser Lieder als Liederbücher heraus. So haben ihn auch jene Lieder interessiert, die begleitend zum Ruhrkampf entstanden sind.

Bei Duisburg sind viele gefallen besingt den Tod von Arbeitern im Ruhrkampf, der als bewaffneter Arbeiterwiderstand gegen den Kapp-Putsch in der Weimarer Republik im März 1920 begann. Dieser Widerstand führte zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen der Arbeiterarmee und den die Demokratie bedrohenden Freikorps. Die Arbeiterarmee konnte trotz unterlegener Bewaffnung die Freikorps besiegen. Als in den Ruhrgebiets-Städten später Teile der Arbeiterschaft zudem die politische Macht ergreifen wollten, gerieten sie in Konflikt mit der Regierung in Berlin. Die Reichswehr wurde in Marsch gesetzt. Deren Oberbefehlshaber zog zur Unterstützung Teile jener Freikorps heran, die sich wenige Wochen zuvor als Feinde der Weimarer Republik erwiesen hatten.

Mit der Folkband Die Grenzgänger hat Frank Baier für sein Programm mit Liedern aus dem Ruhrkampf zusammengearbeitet.

 

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Akzente 2018 inoffiziell – Tränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius

Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

Eröffnen möchte ich das inoffizielle Akzente-Programm mit Tränen des Vaterlandes, einer zeitlosen Klage über den Krieg, die der Barockdichter Andreas Gryphius 1637 geschrieben hat. Das im Dreißigjährigen Krieg erfahrene Leid hat Gryphius als traumatische Erfahrung beschrieben und damit gleichsam in einen modernen psychologischen Zusammenhang gebracht. Gryphius wusste, der kriegerischen Verwüstung der Welt entspricht die der menschlichen Seele. Dieses Sonett von Andreas Gryphius ist als Kriegsklage für die deutsche Literatur so bedeutsam, dass es auch bei einer Veranstaltung des offiziellen Programms vorgetragen werden könnte. Von einer weiß ich sicher, jener an der ich mitwirke, am 16. März im Ruhrorter Lokal Harmonie.

Tränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius – 1637

Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret!
Der frechen Völcker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blutt fette Schwerdt, die donnernde Carthaun
Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret.

Die Türme stehn in Glutt, die Kirch ist umgekehret.
Das Rathhauß ligt im Grauß, die Starcken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Hertz und Geist durchfähret.

Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt.
Dreymal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flutt,
Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen,

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth,
Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

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Chancenlos hieß das Ziel…

Jetzt bin ich nach meiner Grippe endlich bereit, den Spieltagbetrieb im Zebrastreifenblog wieder aufzunehmen, und dann könnte ein einziges Wort reichen, um die 5:0-Niederlage gegen Holstein Kiel für jede Chronik aufzuarbeiten: Chancenlos.

Derart unterlegen haben wir den MSV in dieser Saison noch nicht gesehen. In keiner Sekunde des Spiels waren die Zebras konkurrenzfähig. Die Kieler hatten sich nicht besonders mühen müssen, um die Defensive des MSV zu überspielen. Die Kieler konnten sich ihrem Angriffsspiel aber auch vollauf widmen. Offensivaktionen des MSV hat es nämlich in der ersten Halbzeit nicht gegeben. Die Zebras wirkten so, als waren sie gerade noch mit etwas anderem beschäftigt gewesen. Keine Ahnung, was man in Kiel am späten Vormittag so machen kann. Schiffe versenken oder Förde saufen? Auf jeden Fall das Gefühl für die Zeit verlieren, um ab 13 Uhr nicht richtig auf dem Platz zu stehen.

Der 2:0-Rückstand zur Halbzeitpause war schmeichelhaft. Aber wir hatten die Kieler in den letzten Wochen schon ähnlich überlegen geführte Spiele nicht gewinnen sehen. Doch als in der zweiten Halbzeit ein Hoffnungsschimmerchen energieschwach für mich aufglomm, geriet ein Kieler durch eine leichte Berührung im Duisburger Strafraum ins Straucheln. Der verwandelte Elfmeter ließ mich mein Tagesziel überdenken.

Mit weniger als einem Unentschieden wollte ich mich zufrieden geben. Die Ehrentreffer-Phrase wirkte allerdings nicht mehr. Mit ihr hörte ich nur einen Sound aus längst vergangenen Ernst-Huberty-Sportschauzeiten. Ich brauchte anderen tröstenden Stoff. Geeignete Kommentar-Vorlagen für das Spiel suchte ich, und obwohl ich weder blonde Perücke noch ein passendes Kleid habe, begann ich den Atemlos-Refrain umzuschreiben.

Chancenlos hieß das Ziel
für das Punktespiel in Kiel.
Chancenlos – ohne Kraft
haben Zebras das geschafft.
Chancenlos hieß das Ziel,
dazu brauchte es nicht viel.
Chancenlos, leistungsschwach,
schon war’s unter Dach und Fach

Als das vierte Tor der Kieler nach einer Ecke fiel, konnte ich mir in einem Clip zur Parodie die Spieler als Backgroundtänzer auf der Hinterbühne gut vorstellen. Zum Clip passte schließlich auch das fünfte Tor als Eigentor. Wenn ein Spieler des MSV einen besonderen Erfolg verbuchte, dann war das eben die Parodie eines Tores für die eigene Mannschaft.

Einen weiteren Kommentar zum Spiel haben übrigens La Brass Banda im Programm. So Niederlagen will ich doch auch sinnvoll nutzen. Gute Musik, ja.

 


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