Massimo Furlan war Jürgen Sparwasser und wird Sepp Maier sein

In den Räumen des Zebrastreifenblogs hat der französische Kurzfilm Refait einen festen Platz. Mit Refait hatte das Künstlerkollektiv Pied la Biche ein Re-Enactement von Halbfinalszenen zwischen Frankreich und Deutschland der WM 1982 geschaffen, jenem Halbfinale, das Deutschland im Elfmeterschießen gewann und in dem Harald Schumacher meine Loyalität zur deutschen Nationalmannschaft gefährdete. Er sprang ja in Straßenschläger-Manier außerhalb des Strafraums Patrick Battiston an und traf ihn mit Ellbogen und Hüfte im Gesicht. Der Schiedsrichter pfiff kein Foul, und Schumacher zeigte sich von den schweren Verletzungen Battistons ungerührt. Battiston war bewusstlos liegen geblieben, hatte zwei Zähne verloren und ein Halswirbel erwies sich im Krankenhaus als gebrochen.

Den Kurzfilm habe ich mir gerne angesehen. Wie ist es aber, wenn sich ein Künstler mit seinen Re-Enactment-Projekten auf einen oder demnächst zusammen mit einem schauspielenden Partner auf zwei der Fußballer eines Spiels konzentriert und das Spiel in gesamter Länge zur Aufführung bringt? Der Schweizer Künstler Massimo Furlan – hier der Link zu seiner Seite –  wird am 30. April die Public Art Munich mit dem Re-Enactement des Vorrundenspiels der WM 1974 zwischen der BRD und der DDR am Originalschauplatz jenes Spiels, dem Olympiastadion, eröffnen. Zwei Stunden dauert diese Performance.

Schon in Halle und Hamburg hatte Massimo Furlan sich diesem Spiel gewidmet. Seinerzeit war er selbst in die Rolle von Jürgen Sparwasser geschlüpft, der den 1:0-Siegtreffer für die DDR erzielte. Die Fußballspiele, mit denen er sich beschäftigt, müssen eine besondere Bedeutung für das Land haben, in dem er mit seinem Kunstprojekt auftritt. Genauer erläutert Massimo Furlan auf seiner Seite die  Arbeitsweise bei seinen Re-Enactement-Projekten. Zweifellos erfüllt dieses WM-Spiel als ein Wettkampf im damaligen Systemvergleich diese von ihm vorausgesetzte Bedeutung für das kollektive Gedächtnis eines Landes.

Hamburg

Halle

 

 

Vielleicht hat der 1965 geborene Massimo Furlan  – der nur im französischen Wikipedia einen Eintrag hat – nicht mehr die Konditiion früherer Zeiten, so dass er nun das statischere Spiel von Sepp Maier darstellt. Jürgen Sparwasser wird vom Schauspieler Franz Beil dargestellt. Eingespielt werden dazu die Original-Radiokommentare.

Wenn München die Public Art Munich auf der eigenen Seite bewirbt, klingt das so: „Kunstaktionen internationaler Künstler an unterschiedlichen Locations. Unter dem Motto „Game Changers“ thematisieren zahlreiche Performances die Bedeutung historischer und aktueller München-Ereignisse oder Technikentwicklungen für die Menschen.“ Insgesamt „20 sogenannte ‚performative Interventionen‘ werden in einem Zeitraum von drei Monaten“ präsentiert. Welche genau, ist auf der Seite der Public Art Munic zu finden.

Das nun sind die Worte der Kunstwelt, halten wir uns an den Fußball und schauen noch kurz auf Bewegtbilder aus anderen Projekten von Massimo Furlan. Zu den Spielen selbst etwas zu schreiben, führt hier zu weit. Dazu fehlt mir zudem die Zeit. Wer weiter ausholen möchte, gerne im Kommentar.

Als Zbigniew„Zibi“ Boniek war er schon Held des polnischen Fußballs.

 

Er war Enzo Scifo im Spiel zwischen Belgien und der UDSSR bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 während einer Perfomance im Stadion von Lüttich.

Das Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland bei der WM 1982 war auch für Massimo Furlan Thema. Er stellte Michelle Platini in dem Spiel dar.

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