Archiv für August 2018

Von flachliegenden Böcken und geplatzten Knoten

Wenn morgen der MSV Duisburg gegen Greuther Fürth spielt, wird sich auf dem Rasen neben den Spielern nicht nur der Schiedsrichter befinden. Ein Bock wird auch dabei sein, weniger ein männliches Tier einer Paarhuferart, denn ein Hindernis. Umstoßen kann man allerdings beide. Denn ohne Umstoßen des Bocks wird es den Sieg nicht geben. So lässt sich Ilia Gruev jedenfalls vernehmen. Ich befürchte so ein Bock wird erst mit dem Schlusspfiff endgültig liegen bleiben. Die Fürther werden wahrscheinlich sogar versuchen, diesen Bock zu ihrem zwölften bis dreizehnten Mann zu machen und immer wieder aufrichten.

Einen geplatzten Knoten wieder zu nutzen wäre nicht so einfach möglich. Dessen Fetzen würden überall rumliegen und das Spiel der Zebras nicht weiter behindern. Was wäre es schön, wenn Ilia Gruev in dieser Woche von einem solchen Knoten hätte sprechen können. Dann hätten wir schon eine Leistung der Mannschaft gesehen, der man grundsätzlich vertrauen könnte. Dann müssten wir nicht erwarten, dass eine zusätzliche Anstrengung hinzukommen muss, eine Steigerung der Leistung, die das Umstoßen des Bocks erst möglich macht.

Fehler werden abgestellt, versprechen Spieler und Trainer. Hart wurde gearbeitet. Alle wissen, was von ihnen erwartet wird. Und zusammen stehen werden wir auf den Rängen mit den Spielern auch. Also, hoffen wir darauf, dass die erste Hürde genommen wird, die Flaute mit dem Durchbruch der Mauer im Kopf endet und die bisherige Durststrecke nicht in den Tunnel führt, an dessen Ende erst ein Licht erscheint. So lange wollen wir doch nicht warten.

Hadaf General Service, hilf!

Muss ich tatsächlich ernst nehmen, was Freitag von mir noch als Scherz gedacht war? In Leipzig auf der Eisenbahnstraße befindet sich die General Service Agentur Hadaf. Hadaf ist ein Dienstleister der besonderen Art. Im ersten Moment sieht es an seiner Tür so aus, als gäbe es bei Hadaf für jede Nachfrage der Welt eine passende Hilfe. Vielleicht weiß man dort, wie nach einem Rückstand Versagensangst gar nicht erst entsteht. Vielleicht weiß man dort, wie Risikobereitschaft nicht zugleich zur Defensivschwäche führt. Vielleicht weiß man dort, wie durch kontrolliertes Spiel Druck aufgebaut wird.

Mir hilft es heute, keine Zeit zu haben. So muss ich die 3:0-Niederlage des MSV Duisburg in Darmstadt mir nicht noch einmal lebendig vor Augen führen. Ich bin ohnehin ratlos. Einer ersten Halbzeit mit ausgeglichenem Spiel und Chancen auf beiden Seiten folgt eine zweite Halbzeit, in der der Rückstand wie ein Betäubungsmittel auf den MSV wirkte. Ist die Mannschaft nicht sicher, was sie kann? Oder verspüren die Spieler einen Druck, den es in der letzten Saison für sie nicht gegeben hat. Den Druck erfolgreicher zu sein als in der letzten Saison? Aber den Druck, nicht abzusteigen, hat es doch auch gegeben. Wieso hat der Rückstand die Spieler derart irritiert? Oder ist diese Wahrnehmung falsch, weil die Zeit bis zum zweiten Tor so kurz war, und erst das zweite Tor die Mannschaft sich in das Schicksal der Niederlage hat fügen lassen? Wie gesagt, ich bin ratlos und habe wenig Zeit.

Ich habe wenig Zeit, weil ich um 18 Uhr in Ruhrort, Fabrikstraße 4, das Programm zur heutigen Hofkultur gestalte. Ganz in alter Arbeiterkultur-Tradition will ich unterhalten und zugleich bilden. An die Alltagswelt von Bergleuten und ihren Familien werde ich erinnern. Diese Alltagswelt findet sich in Romanen über das Ruhrgebiet. In Romanen von Erik Reger über Max von der Grün bis Wolfgang Welt. Stellen lesen ist das. Der eine oder andere von euch kennt das vielleicht aus anregender anderer Literatur. Akkordeonmusik dazu. Und fertig ist das Programm, wenn ich es denn fertig habe. Ich mache mal. Hilft von Niederlagen abzulenken.

Probleme? Kommen Sie zu General Services

Nicht, dass ich dem Spiel des MSV gegen Darmstadt 98 sorgenvoll entgegen sehe. Mit einem Unentschieden wäre ich tatsächlich zufrieden. Sicherheit auch in der Liga gewinnen, das ist für mich das Ziel. Die Sicherheit, dass es sich lohnt, so zu spielen, wie Ilia Gruev es plant. Ein Sieg würde natürlich mehr Freude machen. So wird es vielen von euch gehen. Aber sicher ist im Leben nichts, und vielleicht fehlt im Sturm immer noch die entscheidende Sicherheit in den wenigen Sekunden Freiraum für den Abschluss. Vielleicht kommt Pech hinzu, noch einmal ein Schiedsrichter, der Einfluss nimmt, und dann sollten wir Ruhe bewahren. Denn dann gibt es immer noch die General Services Hadaf in Leipzig. Dort scheinen die meisten Probleme des Lebens gelöst zu werden.

Der Neuhaus-Apfel ist doch keine Gruev-Birne

Was geschieht, wenn einer der Geschäftsführer in einem Unternehmen krankheitsbedingt mehrere Monate ausfällt, es jedoch sicher ist, dass dieser Geschäftsführer die Arbeit wieder aufnehmen wird? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Entscheidungen nicht getroffen werden.

Bei Dynamo Dresden ist letzte Saison anscheinend eine Entscheidung nicht getroffen worden. Denn Ralf Minge, sportlicher Leiter bei Dynamo Dresden, konnte in der Rückrunde der letzten Saison nicht mehr arbeiten. Zu Beginn dieser Saison ist er wieder an seinem Platz. Im ersten Spiel von Dynamo gegen den MSV wurde er von den Fans sogar mit einem Spruchband willkommen geheißen.

Die nicht getroffene Entscheidung ist gestern nachgeholt worden. Der Trainer von Dynamo Dresden, Uwe Neuhaus, wurde entlassen. Der Sieg gegen den MSV reichte nicht, um gegenüber den zwei anderen schlechten Spiele von Dynamo, Hoffnung für eine erfolgreiche Arbeit in der Saison zu machen. In Dresden war die Arbeit von Uwe Neuhaus schon in der letzten Saison immer kritischer betrachtet worden.

In Duisburg grummeln einige Fans des MSV ja momentan wieder über die Arbeit von Ilia Gruev. Deshalb wird überlegt, ob das Dresdener Handeln nicht auch für den MSV in Frage käme. Das kommt es nicht. Ilia Gruev arbeitet kontinuierlich in gefestigten Strukturen beim MSV. Ivo Grlic hat die Arbeit des Trainerteams in jedem Moment begleitet. Gruev entwickelt die Mannschaft weiter. Darmstadts Trainer Dirk Schuster bewertet die Niederlagen als unter Wert geschlagen. Natürlich gibt es Möglichkeiten, spielerische Elemente zu verbessern. Das aber kann Ilia Gruev selbst machen. Er kann das. Das hat er bei seiner Arbeit in Duisburg bislang bewiesen. Neuhaus-Apfel ist keine Gruev-Birne, und nun wieder zum Tagesgeschäft.

Die Wahrheit ist die Pflicht

Gerade habe ich mir mal eben meinen Eindruck vom 1:0-Sieg des MSV Duisburg gegen TuS Dassendorf zusammengesucht. Kurzbericht hier, Kommentare im Netz dort und das Portals-Stimmengewirr dazu. Ich selbst hatte vom Spiel nämlich nichts mitbekommen außer dem Ergebnis. Dieses Ergebnis alleine hatte mich am Samstag schon gefreut, zumal es sich ja einreihte in die meisten anderen Pokalspiele höherklassiger Vereine gegen niederklassige gerade an diesem Samstag. Nicht oft konnte man in dieser ersten Runde durch das Ergebnis auf den Klassenunterschied rückschließen. Was nun keine Kritik verhindern soll, sondern nichts mehr als die Wahrheit ist.

Wer sich äußert und das Spiel gesehen hat, sagt meist dasselbe. Bewertet wird das allerdings sehr unterschiedlich. Die einen regen sich über ein schlechtes Spiel des MSV auf, die anderen sahen einen MSV, der den Gegner nicht unterschätzt hat und mit wenigen Ausnahmen keine Chance des Gegners zugelassen hat. Einig ist man sich darin, dass die Chancenverwertung hätte besser sein müssen. Das sagt selbst Ilia Gruev in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Dennoch hat das Tor ein Stürmer erzielt. Darauf weist er auch hin.

Die einen nehmen das Spiel, um eine schwere Saison vorherzusagen, die anderen sehen keine Rückschlüsse für die nächste Ligabegegnung gegen Darmstadt. Rund um das Spiel gibt es also viel Spekulation und Deutung. Die einzige Wahrheit dieses Spiels ist das Ergebnis. Dieses Ergebnis war die Pflicht zu siegen. Womit ich wieder bei meinem Eindruck vom Samstag bin. Manchmal reicht das nackte Ergebnis für die leicht erzählte Wahrheit. Alles andere liegt nicht auf der Hand, sondern muss mühsam und langwierig begründet werden. Am besten mit Fakten.

Die einmalige Begegnung

Neulich beim Ehemaligen-Treffen meines Gymnasiums am Bierstand: Eine junge Frau sieht mich fortwährend an, während ich aufs Bier warte. Ich bemerke den Blick, schaue freundlich zurück und will mich wieder der Zapferin zuwenden. First things first.
Doch das Fragezeichen im Gesicht der jungen Frau neben mir fand zu Worten: „Kennen wir uns nicht?“
Überrascht sehe ich noch einmal genauer hin: „Eigentlich…ich weiß nicht. Woher denn? Hier von der Schule?“
Sie nickt verhalten und hebt die Schultern.
„Welcher Abi-Jahrgang denn?“. frage ich.
„2001“, sagt sie.
„Hm, ich habe 1981 Abitur gemacht.“
Während ich mein Bier bekomme, lächelt sie etwas gezwungen und wendet sich ab.

Hatte sich das Rätsel mit dieser Antwort denn wirklich gelöst? Ich weiß es nicht. Es blieb bei dieser einmaligen Begegnung und meiner noch besseren Laune an einem Bierstand, der in einem anderen Leben wohl mal Jungbrunnen gewesen ist. Die einmalige Begegnung  steht den Spielern vom MSV Duisburg morgen noch bevor. Die Spieler vom TuS Dassendorf werden die Zebras sicher nicht fragend ansehen. Sie werden wissen, woher sie die Zebras kennen und was sie vorhaben.

Natürlich hat der MSV im Hamburger Umland nicht viel zu gewinnen. Das Weiterkommen ist Pflicht, und der eigentliche Sieg wäre ein überlegen gestaltetes, souveränes Spiel. Wenn ich mich durch die Bildergalerie beim NDR als Vorbericht zum Pokalspiel klicke, klingen manche untertitelnden Worte über die Spieler eindrucksvoll. Es gibt Spielervergangenheiten in höherklassigen Ligen, den Versuch in Italiens Seria A Fuß zu fassen oder in Spanien beim UD Levante. Dann muss ich mich daran erinnern, dass wir in Drittligazeiten über Real Madrid gesprochen haben, in Zweitlagzeiten über Barcelona, und dann manchmal nicht so genau hingesehen wurde, um welche der Mannschaften es dort nun genau ging.

So souverän wie TuS Dassendorf in der letzten Saison Oberligameister geworden ist, hätte der Verein die Regionalliga ins Auge fassen können. Wie in den Jahren zuvor war auf den Aufstieg von vornherein verzichtet worden. Bei Elbkick.tv gibt es einen Vorbericht zum Spiel mitsamt den üblichen Statements von Trainer und Spielern. Wenn in den O-Tönen von „Highlight“ oder „alle freuen sich drauf“ gesprochen wird, hört man im journalistischem Begleittext von Hoffnung auf die „Sensation“. Eigentlich wissen wir aber, dass es nicht mehr so sensationell ist wie früher, wenn eine unterklassige Mannschaften den höherklassigen Gegner schlägt. Dazu geschieht das zu oft. Sowohl in Dassendorf als auch beim MSV finden sich Spieler, die diese Erfahrung schon gemacht haben. Hoffen wir auf den frühzeitig auch im Ergebnis erkennbar gewordenen Ligenunterschied. Hoffen wir, dass diese einmalige Begegnung uns morgen sehr gute Laune macht.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 40: Horst Rathmann/Norbert van Tiggelen mit Tief im Westen

Der Deutschrock der 1980er, namentlich Klaus Lage, lebt im Heimatlied – Sektion Ruhrstadt weiter. Wenn ich „Tief im Westen“ von Horst Rathmann, Musik, und Norbert van Tiggelen, Text, höre, befinde ich mich jedenfalls zugleich auch im Jahr 1985. „Zahn um Zahn“ , ein Schimanski, läuft im Kino. Klaus Lage röhrt „Faust auf Faust“ als Titellied, und Götz George trifft auf Renan Demirkan.  Der suspendierte Schimanski und die investigative Journalistin Ulli verfolgen denselben Fall. Ich weiß heute noch genau, warum sich Schimanski in jene Journalistin hat verlieben können.

Im Text werden identitätstiftende Schlagwörter zur Ruhrstadt abgearbeitet. Das „Bei uns“ ist besagtes „Tief im Westen“, wo man „dat und wat“ sagt, „gerade heraus“ ist und Pommes rot-weiß ißt. Der Fußball rollt durchs Revier und ist Elixier, allerdings stehen nur drei nicht weiter erwähnenswerte Vereine für alle, was den Song in Duisburg sofort disqualifiert. Ihr könnte euch denken, warum. Das hätte leicht geändert werden können, da dieser Strophenteil sich wiederholt und die drei genannten Vereine durch andere hätten ersetzt werden können. Ihr seht, trotz meiner eigentlich wertungsfrei gedachten Sammlung verweise ich bei entscheidenden Qualitätskriterien auf weniger gelungene Arbeit.

 

Die angestoßene Erinnerung an den Kino-Schimanski hat mich bei Youtube nochmals nachschlagen lassen. Ich hätte gerne eine Szene aus dem Film mit Götz George und Renan Demirkan online gestellt. Die habe ich nicht gefunden. Bleibt „Faust auf Faust“ als Begleitmusik von Standfotos aus sämtlichen Schimanski-Jahrgängen, ohne eins mit Renan Demirkan, zu deren Seite ihr mit dem Link oben kommt.

 

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Ohne Schiri habt ihr keine Chance

Es ist konstruktiv und zugleich nobel von den Spielern des MSV Duisburg, die Gründe für die 2:0-Niederlage der Zebras gegen den VfL Bochum nicht beim Schiedsrichter zu suchen. Die Wahrheit dieses Spiels bleibt dann jedoch unausgesprochen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich in diesen zehn Jahren Zebrastreifenblog für das Zustandekommen einer Niederlage schon einmal den Schiedsrichter allein verantwortlich gemacht habe. Einmal ist immer das erste Mal. Also, der VfL Bochum hat das Spiel deshalb gewonnen, weil der Schiedsrichter einen unberechtigten Freistoß an der Strafraumgrenze gepfiffen hat. Ich kann diese Meinung gut begründen.

Nach dem Gerangel beider Mannschaften um die Spielhoheit in den Anfangsminuten bestimmte der MSV das Geschehen. Die Bochumer hatten mehr und mehr Respekt vor den Angriffen des MSV bekommen. Klare Chancen ergaben sich für Stürmer des MSV allerdings nicht. Alleine Lukas Fröde hatte mit einer Direktabnahme im Strafraum jene freie Schussbahn, die ein Tor wahrscheinlich macht. Für den erfolgreichen Abschluss muss man aber auf das Tor zielen und nicht drüber. Es roch nach torlosem Unentschieden.

Denn eines wurde offensichtlich. Der Strafraum des MSV war gut geschützt. Von den Bochumern ging keine Torgefahr aus. Der MSV wollte den Abschluss meist innerhalb des Bochumer Strafraums, variabel vorbereitet durch Flanken oder durch Kombinationen aus dem Halbfeld heraus. Nun war der Strafraum des VfL Bochum zwar nicht so gut geschützt, doch immer mit sehr vielen Spielern besetzt. Den Stürmern blieb eben nicht eine Sekunde Zeit, um den Ball zu verarbeiten. So ergaben sich in der ersten Halbzeit und auch nach dem Rückstand nur Halbchancen. Entweder standen die Spieler nie so gut, dass sie direkt hätten den Ball aufs Tor bringen können oder der letzte Pass konnte nur unpräzise gespielt werden.

Zu Beginn dieser Saison wirkt die Defensivarbeit der Mannschaften noch einmal perfektionierter. In diesem Fall brauchte es zusätzliche Einflussgrößen, um Torgefahr hervorzurufen. Manchmal ist das der Zufall in Form der unkontrollierten Bewegung des Balles zwischen mehreren Spielern. Manchmal ist es der Schiedsrichter, der den Bochumern zu einem Freistoß an der Strafraumgrenze verhilft. Ohne diesen unberechtigten Freistoß hätte eine der Mannschaften vielleicht ein Tor aus genau diesem gerade genannten Zufall geschossen. Der Zufall für den MSV wäre aber viel wahrscheinlicher gewesen. Das zweite Tor sehe ich nur als Folge des offensiveren Denkens der Zebras und damit als Folge des Schiedsrichterpfiffs.

Ich kann das in dieser Deutlichkeit schreiben, weil die Spieler selbst wisssen, dass sie präziser im Abschluss werden müssen. Sie wissen, dass der Ausgleich deshalb nicht fiel, weil die wenigen Momente eines freien Schusses gar nicht erst hatten geschaffen werden können. Der MSV konnte eben auch keine Spielsituationen schaffen, in denen ein Tor sehr wahrscheinlich hätte werden können. Und nur etwas wahrscheinlicher nutzt nichts, wenn dem Gegner schon ein Tor geschenkt wurde. Ohne Schiri hatte der VfL keine Chance. Was Zuversicht für die weitere Saison gibt, für das eine Spiel aber auch nicht wirklich tröstet.

Unattraktiver Fußball und Erfolg

So zuversichtlich wir der neuen Saison und den Möglichkeiten des MSV entgegen sahen, so enttäuscht sind wir nach der Niederlage gegen Dresden. Es war mühsam, sich das Spiel anzuschauen. Deshalb fällt es schwer, Ilia Gruevs Lob für eine gute Grundlage durch das neue Spielsystem der Mannschaft zu teilen und zu glauben, dass nur die Fehler, von denen er auch spricht, Ursache dieses schlechten Spiels gewesen sind.

Ich möchte seinem Urteil vertrauen. Denn eines ist durch das schlechte Spiel vielleicht aus dem Blick geraten. Durch das 5-3-2 soll zwar die Defensive stabilisiert werden, aber nicht weil die Mannschaft grundsätzlich defensiv agieren soll. Dieses System soll der Mannschaft die Sicherheit geben, nicht reagieren zu müssen, sondern das Spiel bestimmen zu können. Die Mannschaft soll den Ball nicht dem Gegner überlassen. Sie soll dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen. Das ist gegen Dresden nicht gelungen. Die Gründe dafür sind komplex. Das zeigten auch die Diskussionen unter Fans nach dem Spiel. Zwar gab es keine geteilten Meinungen über die Qualität des Spiels, je genauer aber auf die Gründe geschaut wurden, desto mehr unterschieden sich die Erklärungen für die Leistung. Diese Erkärungen werden von zwei Fragen bestimmt: Reichen die Fähigkeiten der einzelnen Spieler, um die Offensivstärke im notwendigen Passspiel zu entwickeln? Denn ein Passspiel muss entstehen. Dresden zeigte: Wenn der Raum im vordersten Angriffsdrittel eng ist, gibt es kein präzises Passspiel mehr. Die zweite Frage ist also: Kann eine bessere Abstimmung Schwächen einzelner Spieler auffangen. Das sind grundsätzliche Fragen

Eines ist jedenfalls sicher. Diese Spielanlage der Mannschaft braucht den Erfolg mehr als jede andere Spielanlage, weil dem Spiel des MSV so schnell jegliche Dymanik verloren geht. Sehr schnell kann die Mannschaft bei diesem neuen System ideenlos wirken. Sehr schnell stellt sich ein Gefühl der Hilfslosigkeit ein. Sehr schnell macht es keinen Spaß mehr, sich diesen Fußball anzusehen. Die gute Nachricht dabei ist allerdings, wenn die Spielanlage funktioniert, ist Erfolg sehr viel wahrscheinlicher.

Wenn montags schon das Wochenende ruft

An manchen Montagen beginnst du mit deiner Arbeit, und es könnte sofort schon wieder Freitag sein. Du weißt, besser als am Morgen auf dem Weg zur Arbeit wird es in dieser Woche nicht mehr werden. Denn an einem solchen Montag merkst du schon beim ersten Zupacken, das läuft nicht rund. Ihr kennt diese langwierigen Aufgaben, bei denen sich nicht ein einziges Mal zwischendurch ein Erfolgserlebnis einstellt? Aufgaben, für die du neulich extra auf eine Fortbildung geschickt worden bist. Natürlich fällt dir gerade an diesem Montag auf, dass einiges von dem nicht gelingt, was du im Grunde gut verstanden hast. Du hast es bei der Fortbildung immer wieder problemlos bewältigt, was dir vom Seminarleiter aufgetragen wurde.  Und nun brauchst du drei Anläufe, ehe nur ein Teil von dem klappt, was deine ganze Aufgabe ist. Wäre doch endlich wieder Wochenende.

Glaubt nur nicht, dass ich von den Spielern des MSV schreibe. Ich schreibe von mir. Was war das Spiel vom MSV bei Dynamo Dresden eine zähe Angelegenheit. Es war eine anstrengende Aufgabe das Spiel anzusehen, und am meisten Spaß hatte ich in Leipzig einen Tag vor dem Spiel und auf dem Weg ins Stadion, weil das Gelb der Dresdener im Pulk bei der Abendsonne ein schönes Bild abgab.

Aber vielleicht ist es den Spielern auf dem Rasen ja ähnlich ergangen nach dem Anpfiff und zwar nicht nur den Spielern des MSV. Zwei Mannschaften standen auf dem Platz, die ihren Erfolg mit einem neuen Spielsystem versuchten. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie auf keinen Fall bei dieser Systemchoreografie patzen wollten. Wenn der MSV versuchte kein Risiko einzugehen, so versuchten die Dresdner, so gut wie kein Risiko einzugehen.

Beide Mannschaften ließen in der ersten Halbzeit aber Chancen des Gegners zu, die sich nicht aus dem Spielaufbau des Gegners entwickelten, sondern schlichtweg dadurch entstanden, dass die Mannschaften jeweils zu viel Vertrauen in die Spielkontrolle durch das eigene System besaßen. Die Außenbahnen waren für die Dresdner eine wunde Stelle in der ersten Halbzeit. Der MSV war etwas mehr in der Mitte anfällig. Chancen ergaben sich deshalb plötzlich aus vermeintlich ruhigen Spielsituationen heraus.

Es war nicht abzusehen, dass ein Tor durch kontinuierlichen Druckaufbau entstand, weder auf Dresdner noch auf Zebra-Seite. Allerdings gab es einen Unterschied zwischen beiden Mannschaften. Schnelligkeit im Spiel entstand beim MSV meist durch Einzelaktionen. Wenn sich die Gelegenheit zu schnellem Umschalten bot, wurden die Angriffe abgebrochen, fehlten überraschende Laufwege in Angriffsdrittel. Der spielerische Ansatz der Dresdner sah auch Schnelligkeit im Mannschaftsverband vor und das auch bei ruhenden Bällen.

Ein schnell ausgeführter Freistoß hatte zuvor schon für Gefahr gesorgt, der schnelle Einwurf führte dann in der ersten Halbzeit zum 1:0. In der zweiten Halbzeit hatte der MSV sogar die Chance zum Ausgleich. Einen Freistoß von Kevin Wolze wehrte der Dresdner Torwart glänzend ab, und ein Zufallsschuss von John Verhoek ging an die Latte. Das Spiel des MSV blieb allerdings Stückwerk. Um lange Bälle in die vorderste Reihe mühten sich zunächst Boris Tashchy, dann Stanislav Iljutcenko und John Verhoek meist vergeblich. Für kontrollierten Spielaufbau fehlte fast immer der Raum. Alles konzentrierte sich in der Mitte. Flügelspiel gab es so gut wie nicht mehr. Wenn dennoch geflankt wurde, geeschah das meist aus dem Halbfeld ins Nirgendwo.

Dennoch hatte der MSV bis zum Schlusspfiff die Chance auf den Ausgleich. Denn die Dresdner schlossen ihre Konter nicht genau genug ab und hielten die Zebras im Spiel. Schon einmal habe ich geschrieben, wie laut dieses Stadion auch bei ganz gewöhnlichen Punktespielen wird. Diese Lautstärke war zu Beginn des Spiels zu hören. Kurz vor Ende sollte der Schalldruck wohl den Ball den Dresdner in die Füße treiben. Das gelang, und die zähe Veranstaltung endete mit der Niederlage für die Zebras. Gut, dass das nächste Spiel an einem Samstag stattfindet. Zumindest die Wochenendlaune lässt mich auf ein besseres Ergebnis gegen Bochum hoffen.


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