Unattraktiver Fußball und Erfolg

So zuversichtlich wir der neuen Saison und den Möglichkeiten des MSV entgegen sahen, so enttäuscht sind wir nach der Niederlage gegen Dresden. Es war mühsam, sich das Spiel anzuschauen. Deshalb fällt es schwer, Ilia Gruevs Lob für eine gute Grundlage durch das neue Spielsystem der Mannschaft zu teilen und zu glauben, dass nur die Fehler, von denen er auch spricht, Ursache dieses schlechten Spiels gewesen sind.

Ich möchte seinem Urteil vertrauen. Denn eines ist durch das schlechte Spiel vielleicht aus dem Blick geraten. Durch das 5-3-2 soll zwar die Defensive stabilisiert werden, aber nicht weil die Mannschaft grundsätzlich defensiv agieren soll. Dieses System soll der Mannschaft die Sicherheit geben, nicht reagieren zu müssen, sondern das Spiel bestimmen zu können. Die Mannschaft soll den Ball nicht dem Gegner überlassen. Sie soll dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen. Das ist gegen Dresden nicht gelungen. Die Gründe dafür sind komplex. Das zeigten auch die Diskussionen unter Fans nach dem Spiel. Zwar gab es keine geteilten Meinungen über die Qualität des Spiels, je genauer aber auf die Gründe geschaut wurden, desto mehr unterschieden sich die Erklärungen für die Leistung. Diese Erkärungen werden von zwei Fragen bestimmt: Reichen die Fähigkeiten der einzelnen Spieler, um die Offensivstärke im notwendigen Passspiel zu entwickeln? Denn ein Passspiel muss entstehen. Dresden zeigte: Wenn der Raum im vordersten Angriffsdrittel eng ist, gibt es kein präzises Passspiel mehr. Die zweite Frage ist also: Kann eine bessere Abstimmung Schwächen einzelner Spieler auffangen. Das sind grundsätzliche Fragen

Eines ist jedenfalls sicher. Diese Spielanlage der Mannschaft braucht den Erfolg mehr als jede andere Spielanlage, weil dem Spiel des MSV so schnell jegliche Dymanik verloren geht. Sehr schnell kann die Mannschaft bei diesem neuen System ideenlos wirken. Sehr schnell stellt sich ein Gefühl der Hilfslosigkeit ein. Sehr schnell macht es keinen Spaß mehr, sich diesen Fußball anzusehen. Die gute Nachricht dabei ist allerdings, wenn die Spielanlage funktioniert, ist Erfolg sehr viel wahrscheinlicher.

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4 Responses to “Unattraktiver Fußball und Erfolg”


  1. 1 DeePee 9. August 2018 um 13:50

    Gerade hätte ich hier dann doch ganz gerne mal einen anderen Ansatz, eine andere Sicht gelesen. Weil ich es beim Zebrastreifenblog und von Kees Jaratz so gewohnt bin und deshalb hier auch gerne mal reinlese. Doch stattdessen auch hier nur der gleiche populistische Tenor, den ich auch in der Bild-Zeitung lesen kann, wenn ich das überhaupt möchte.
    Ob „wir“ zuversichtlich der neuen Saison und den Möglichkeiten des MSV entgegen sahen, möchte ich mal deutlich anzweifeln. Denn so weit ich mich erinnere, bleibt von offizieller Seite das primäre Ziel der Klassenerhalt. Und die beiden an Möglichkeiten starken Absteiger und die beiden spielstarken Aufsteiger führen möglicherweise noch zu einer größeren Leistungsverdichtung als in der Vorsaison. Also, wo soll denn da die Zuversicht herkommen?
    Schon die Bild-Zeitung schrieb vor der Partie von einer 5-3-2 Aufstellung und leitete daraus die alte Binsenweisheit-Leier des „Monster-Beton anmischen“ ab. Dann schau ich mir doch lieber die Analyse zweier Fußball-Online-Medien an. Bei http://www.whoscored.com finde ich bei der Zebra-Aufstellung ein 3-4-1-2, in der Spielanalyse von http://www.transfermarkt.de finde ich ebenfalls ein 3-4-1-2, mit höher stehenden Außenspielern.
    Nun, wie war es denn nun?
    „Sehr schnell kann die Mannschaft bei diesem neuen System ideenlos wirken.“ Es ist doch nicht wirklich so, dass ein attraktives und unendlich erfolgreiches System aus dem Vorjahr abgelegt wurde. Denn auch in der letzten Saison stellte sich in manchen Spielen „ein Gefühl der Hilfslosigkeit“ ein, hinzu kam in manchen Begegnungen noch ein hohes Maß an spielerischer und individueller Naivität, welches in dieser Kombination zu äußerst deutlichen Niederlagen führten. Trainer Ilja Gruev arbeitete kontinuierlich mit der Mannschaft und an den unterschiedlichen sogenannten Stellschrauben. Und wird dies auch in dieser Saison erneut tun (müssen) – wie viele viele andere Trainer auch.
    Und so gesehen gibt es doch eigentlich nach dem ersten Spieltag nichts Neues zu sagen.

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    • 2 Kees Jaratz 10. August 2018 um 07:29

      Das überrascht mich, dass du meine Worte inderselben Weise verstanden hast wie Bild und andere kritische Deuter des Systems. Ich habe doch gerade darauf hingewiesen, dass es nicht um eine besonders defensive Ausrichtung geht, wie es eben irrtümlich oft gemeint wurde.
      Im Detail wollte ich das gar nicht analysieren. Mir ging es um die Folgen für die Wahrnehmung des Spiels. Und ich bin weiter der Meinung, bei dieser Spielweise verliert das Duisburger Publikum sehr viel schneller die Geduld als bei anderen. Da bin ich sicher. Bei dieser Spielweise braucht Gruev schneller Erfolg als in der letzten Saison. Auf etwas anderes wollte ich nicht hinweisen. Und natürlich gab es in der letzten Saison Hilflosigkeit. Diese wird aber bei viel Gerenne ohne Erfolg eher akzeptiert.
      Und das Wir bei den Erwartungen milder ich ab in die meisten von uns. Ich habe jedenfalls mit niemanden gesprochen, der den Kader nicht besser aufgestellt sah als in der letzten Saison. Das Ziel Klassenerhalt ist dabei schon mit eingerechnet.

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  2. 3 Frank Hildebrandt-Waslowski 9. August 2018 um 15:35

    Alles richtig dargelegt und hinterfragt! Mir geht auch schon die Düse wenn ich meinen Optimismus im Hinblick auf eine vorzeitig gute Platzierung schwinden sehe. Denke ich dann an das gute Angriffsspiel der Bochumer gegen Geißböcke die mit viel Dusel gesegnet waren, wird mir auch anders.
    Und dann? „Ruhig Zebra“. Erst ein Spiel, das Derby kommt noch. Kann so ein 5er System in Spiel 1 der Wettkampfpraxis schon funktionieren? Ja, vielleicht ein bißchen besser. Zur Passgenauigkeit gehört zudem mehr Geschwindigkeit, okay, etwas viel mehr Geschwindigkeit und Verschieben der Mannschaftsteile. Erinnert sich noch jemand an die tolle Kombination in HZ 1 bei der Boris fast das 0-1 markiert hätte?
    Wir müssen aus der letzten Saison lernen: Ilja hat den PLAN!! für die Saison und wird es mit der ihm eigenen Ruhe und Gelassenheit hinbiegen.
    Bin überzeugt: die Zebras rocken am Samstag die Wedai und…so ein System kann bei akuter Not auch während des Spiel „korrigiert“ werden, dann sind wir „taktisch flexibel“.
    In diesem Sinne: Arschbacken zusammen auf dem Feld und auf den Rängen, Derbysieg einfahren.

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    • 4 Kees Jaratz 10. August 2018 um 07:48

      Genau, auf Ilua Gruev vertrauen. Ich hoffe, du weißt, dass dieses Vertrauen die Grundlage für mich ist. Wenn es anders ausgesehen hat im Text, habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Denn eigentlich ging es um meine Sorge, dass ihm angesichts von Publikumsunmut zu wenig Zeit bleibt, um Fehler zu vehenen. Aber hoffen wir das Beste fur Samstag. Da bin ich sofort dabei.

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