Archiv für Oktober 2018

Ein Haiku langt für dieses Unentschieden

Ein Haiku ist ein verdammt kurzes japanisches Gedicht. So kurz, dass mein Wutschrei gestern beim Spiel vom MSV beim FC Ingolstadt wahrscheinlich nicht mal hinein passt. Laut Wikipedia gilt das oder der Haiku sogar als kürzeste Gedichtform der Welt. Der MSV dagegen gilt gerade als der gegentorgefährdetste Fußballverein der Welt bei größtmöglicher Erfolgshoffnung seiner Anhänger.

Drei Minuten Nachspielzeit gab es. Der MSV führte 1:0. Mindestens zweimal hatte die Mannschaft den Ball ohne größeren Umstand wieder hergegeben. Natürlich wächst der Druck in diesen Momenten unermesslich. Aber dieses Ausgleichstor wirkte wieder so unnötig. Wie behält man die Ordnung, wenn der Gegner ein wildes Spiel eröffnet hat? Wie schafft eine Mannschaft es, das wilde Anrennen des Gegners in vergebliche Kopflosigkeit zu verwandeln? Natürlich muss die eigene Ordnung gehalten werden, aber muss nicht spätestens im Strafraum jeder Spieler des Gegners, der den Ball führt, attackiert werden?

Als Dustin Bomheuer im Strafraum dem gegnerischen Spieler mit einem Schritt zurück Raum ließ, anstatt ihm Raum zu nehmen, sah ich schon das Ausgleichstor. Ich hoffte noch auf Glück. Die unbehinderte Flanke ermöglichte den Kopfball. Über den ausgebliebenen Foulpfiff im Mittelfeld, kurz bevor der Ausgleich fiel, rege ich mich übrigens nicht auf. Dazu war das eigene Verschulden in diesen drei Minuten Nachspielzeit zu groß.

Doch nicht der Ausgleich wäre Inhalt meines Haikus zum Spiel. Für mich müsste das Haiku dem Führungstor gelten. Dieses Haiku würde mit einem Schlaglicht den überzeitlichen wichtigsten Moment des Spiels erhellen. Kein Spieler der Zebras hatte das Führungstor erzielt. Das Haiku würde den schönen Kopfball eines namenlos bleibenden gegnerischen Abwehrspielers feiern. Denn zeitlos müsste das Haiku sein. Zeitlos beginnt beim Fußball-Haiku in Sachen MSV schon mit dem Bedeutungsraum von einer Spielzeit. Zehn Tore stehen für den MSV in dieser Saison erst in der Bilanz. Davon hat die Mannschaft nicht einmal alle selbst erzielt. Diese Tatsache müsste ein Haiku mit der Reinheit eines einzigen Bildes erfassen.

Das 1:1 des MSV in Ingolstadt fühlt sich nach einer Niederlage an, und doch bin ich froh, dass es nicht tatsächlich eine Niederlage geworden ist. So widersprüchlich lässt sich auf das Spiel schauen. Zwei Mannschaften hatten Schwierigkeiten, Torgefahr zu entwickeln. Sowohl die Zebras als auch die Ingolstädter machten weniger den Eindruck, gewinnen zu wollen als nur nicht verlieren zu wollen. Zu sehen war ein Kämpfen um jeden Ball. Zu sehen waren auch eine kontinuierliche Folge von Abspielfehlern, scheiternden Dribblings und unpräzisen Torschüssen auf beiden Seiten. Anerkennenswert ist dieser Wille gewesen.

Wie die Zebras demnächst ihre Tore erzielen sollen, ist mir ein Rätsel. Aber wenn Ingolstadts Trainer Alexander Nouri es tatsächlich ernst meint, seine Mannschaft habe sich gute Chancen erspielt, dann brauchen wir uns um einen Abstiegsplatz  keine weiteren Gedanken mehr machen. Der ist gebucht dank Trainerträumereien. Um den Rest aber müssen wir uns weiter selbst kümmern. Irgendwann muss es doch einfach mal gelingen.

Dieses Spiel des MSV gegen den FC Ingolstadt hat mich aber auch zum Schmunzeln gebracht. Ein Empörungsaufschrei war ja bei einigen Anhängern zu lesen. Die spielen beim Tabellenletzten so ein Mist zusammen, hieß es: Oder: Mann, Ingolstadt! Die sind Letzter! Ja, das stimmt. Die Zebras sind einen Platz besser. Doch diesen Klassenunterschied hat man einfach nicht gesehen.

Feuchte Fußballbloggerträume – Ein Lied

Feuchte Fußballbloggerträume

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lassen, wenn die Männer siegen.

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Halbzeitpausengespräch: Niederländische Erfolgsmusik im Kreativquartier Eisenheim

Die meisten Holländer fahren am Ende der A516 noch einige hundert Meter weiter Richtung Centro, wenn sie nach Oberhausen kommen. Die sechs Musiker von Spinvis aber bogen vorher Richtung Eisenheim ab. In der Alten Schreinerei des Kreativquartiers Eisenheim gab die Band um Erik de Jong ihr erstes Konzert in Deutschland überhaupt. Bei intimer Clubatmosphäre begeisterten Spinvis mit Spielfreude, poetischer Kraft und origineller Instrumentierung der in ihrer Grundstruktur minimalistisch wirkenden Musik.

Erik de Jong steht in Holland seit Jahren mit wechselnden Musikern auf den Bühnen der großen Säle. Oft wird er als Singer-Songwriter vorgestellt, während die Musik der Band auch Alternative Pop genannt werden könnte. Die frühen Tocotronic mit einem Teil Erdmöbel ergeben eine ungefähre Vorstellung von der Musik. Cello, Singende Säge, Trompete oder Tuba versetzten den Klangfolgen die überraschenden Akzente.

Mit seinen Texten sucht Erik de Jong im alltäglichen Geschehen und Miteinander den poetischen Moment. Er ist sowohl Erzähler als auch Dichter, wenn er singt. Manchmal hören wir ganze Geschichten, sie gleichen Reportagen mit schönen Worten. Manchmal begleiten wir ihn bei Sinnsuchen und dem Ausprobieren von erfüllenden Lebensweisen.

Erik de Jong sang in Eisenheim einige seiner Lieder zum ersten Mal auch auf Deutsch. Irgendwann bemerkte er nach einem Zwischentext, er müsse üben, üben, üben. Das gilt vielleicht für seine Deutschkenntnisse, für das Schreiben seiner Lieder gilt das sicher nicht. Selbst ohne vollständiges Verstehen der niederländisch gesungenen Texte war die Kraft der poetischen Verwandlung im Raum zu spüren, wenn Erik de Jong von seinen Musikern begleitet sang. Manchmal geschehen musikalische Sensationen abseits einer großen Öffentlichkeit. In Oberhausen war das beim Konzert von Spinvis im Kreativquartier Eisenheim der Fall.

Halbzeitpausengespräch: Eine Geschichte des Ruhrgebiets nach 1945 von Gerhard Spörl

In den Jahren 2016 und 2017 verbrachte der ehemalige Spiegel-Redakteur Gerhard Spörl einige Zeit im Ruhrgebiet. Er wollte diese Städteregion näher kennenlernen. Er wollte die spezielle Entwicklung der Industrieregion begreifen und die jüngste Geschichte des Ruhrgebiets nachvollziehen. Er sprach mit Politikern und Unternehmern, mit Wissenschaftlern, Künstlern und Journalisten. Er sprach mit den Menschen vor Ort, die das Ruhrgebiet beobachten, über dessen Eigenheiten nachdenken und die Wirklichkeit dort gestalten.

Der fremde Blick macht frei für Erkenntnis. So schrieb er mit „Groß denken, groß handeln“ nach seiner Recherche ein Buch, in dem die Geschichte des Ruhrgebiets nach 1945 als ein interessegeleiteter Prozess deutlich wird. Von Schwierigkeiten und Hemmnissen des steten Strukturwandels im Ruhrgebiet war schon oft zu lesen. Seinen besonderen Zugang findet nun Gerhard Spörl, indem er sein Augenmerk auf Entscheider mit ihren Vorstellungen und Interessen innerhalb des geschichtlichen Verlaufs legt. Unternehmerisches und politisches Handeln nimmt er beim Strukturwandel etwa als wechselseitig sich bedingende Einflussgrößen detailliert in den Blick.

Den Strukturwandel macht er dadurch zu einer spannenden Wirtschaftsgeschichte. Nachdem er das Entstehen des Ruhrgebiets grob skizziert hat, gleicht das Buch einer langen Reportage. Ob es um die Mentalität im Ruhrgebiet geht in Adolf Winkelsmanns Filmen oder Frank Goosens Literatur, ob Politikerangst vor Arbeiteraufständen beschrieben wird oder die von Paul Mikat angestoßene Entwicklung der Hochschullandschaft im Ruhrgebiet, immer ist der Ausgangspunkt seine Erzählens der Mensch des Ruhrgebiets im Miniporträt.

So wird aus der Ruhrgebietsgeschichte mit dem Blick auf den Ausstieg aus der Kohleförderung fast schon eine Managerbiografie von Werner Müller, der unlängst wegen seiner schweren Erkrankung als Chef der RAG-Stiftung hat zurücktreten müssen. Gerhard Spörl zeigt, wie er als Einzelgänger in der Energiebranche sich mit seinen Ideen zu einem sozial verträglichen Strukturwandel hat durchsetzen können. Spannend enfaltet Spörl den vielstufigen Weg der Veränderung in den Energie-Unternehmen, von denen die wirtschaftliche Lage im Ruhrgebiet abhängig war. Je nach Situation wurden Netzwerke geknüpft als Koalitionen der Macht. Die Beteiligten taktierten, Müller verlor scheinbar, um schließlich unerwartet zum richtigen Zeitpunkt dennoch wieder Rückwind zu bekommen.

Werner Spörl ist dem Ruhrgebiet sehr nahe gekommen. Mit seinem Blick von außen hält er trotz aller gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein wiedererstarktes Ruhrgebiet für möglich. Mit dem Abstand werden Stärken und neues Denken sichtbarer als in den Städten des Ruhrgebiets selbst.

Groß denken, groß handeln

Gerhard Spörl
Groß denken, groß handeln
Piper Verlag
Hardcover, 320 Seiten
€ 22,00

EAN 978-3-492-05849-0

Als ich doch noch auf einen glücklichen Sieg zu hoffen begann

So fühlte sich das gestern an: Der DJ hatte die Menge auf der Tanzfläche zum kochen gebracht. Alles wogte, alles bewegte sich, leicht, euphorisch. Doch beim nächsten Set dimmt er einfach runter, kein treibender Rhythmus mehr, sondern Musik, bei der nicht klar ist, wohin sie führt. Viel langsamer als zuvor. Wir stehen da, zum Schwitzen bereit und warten auf das Treibende. Wir versuchen hinein zu kommen in diesen anderen Sound. Legt er jetzt nicht gerade auf, was uns begeistert? Doch. Das klingt, das vibriert. Jetzt geht`s wieder ab, und in diesen Soundwellen, auf denen wir vorsichtig wieder zu wogen beginnen, erfolgt der Absturz. Wir hören Magic Detlef aus Castrop-Rauxel am heimischen Keyboard mit seinem selbst gedrechselten Schlager, „Kerr, watt bisse schön“, 128 Klicks bei Youtube, einmal „gefällt mir“. Das war Kalle, sein Kumpel.

Der MSV Duisburg verliert gegen den FC St. Pauli mit 1:0 durch ein Tor nach einer Ecke in der 84. Minute. Natürlich wieder nach einer Ecke. Gibt es eine Mannschaft, die mehr Tore nach Ecken bekommt als der MSV? Wer es weiß, bitte in die Kommentare.

Wir sahen einen Klassenunterschied in der ersten Halbzeit. Der FC St. Pauli hat hervorragend gespielt. Die Zebras liefen ständig den angreifenden Paulianer hinterher. Auf der einen Seite schnelle, harte, präzise Pässe Richtung Duisburger Tor, auf der anderen Seite langsame, weiche, ungenaue Pässe, die nur manchmal in Richtung Hamburger Tor gespielt wurden. Ich werfe damit nur ein Schlaglicht auf einen  entscheidenden Unterschied. Dennoch ergaben sich für die Hamburger aus dieser spielerischen Überlegenheit kaum wirkliche Chancen. Das war erstaunlich. Ich war nicht nur bereit, mich mit einem Unentschieden zufrieden zu geben. Ich machte mir sogar berechtigte Hoffnungen.

Doch nach der Halbzeitpause gab es einen Bruch im Hamburger Spiel. Die Geschwindigkeit war verschwunden. Oder der MSV hatte sie den Hamburgern genommen? Endlich hatte der MSV Zugriff auf das Spiel gewonnen. Endlich schien die Mannschaft nicht mehr komplett unterlegen zu sein. Sie entwickelte Zug Richtung Hamburger Tor. Ab Mitte der zweiten Halbzeit war ich mit einem Unentschieden nicht mehr zufrieden. Ich wollte, dass der MSV gewinnt. Ich wollte eine kontinuierliche Steigerung der Leistung in dieser zweiten Halbzeit, und auch das war eine berechtigte Hoffnung.

Irgendwann hing für einen Moment ein Tor in der Luft. Der Ball war frei im Fünfmeterraum. Ahmet Engin versuchte zu köpfen. Ein Paulianer wollte klären und traf ihn am Kopf. Der Aktion folgte der wahrscheinlichen Schmerz von Ahmet Engins und kein Schiedsrichterpfiff. Nicht, dass für mich diese Aktion ein klares Foulspiel gewesen ist. Aber sie erinnerte mich an die erste Zweitligasaison nach dem Zwangsabstieg, als in Fürth Kingsley Onuegbu im Strafraum auf Höhe des Elfmeterpunkts ähnlich klärte, und der Schiedsrichter Elfmeter gegen den MSV pfiff. Solche Gedanken zeigen nur, wie gefährdet meine Hoffnung auf den Sieg war, wie sehr ich nach dem Glücksmoment suchte, den der MSV trotz der verbesserten Leistung in der zweiten Halbzeit brauchte.

Der FC St. Pauli kam ebenfalls zu keinen wirklichen Chancen. Aber es gibt ja Eckbälle, und solche Eckbälle reichen oft in einem Spiel gegen den MSV. Was für eine Enttäuschung brachte diese Niederlage. Und wer die Leistung als eine aus der Gruev-Zeit beschreibt, verweist nur auf die grundlegende Fähigkeiten der einzelnen Spieler, mit denen auch Thorsten Lieberknecht arbeiten muss.

In Siegen nach der Spieltagspressekonferenz nur ans Siegen denken

Auf der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel gegen den FC St. Pauli unterstrich Gerrit Nauber, dass in den Spielen der 2. Liga Kleinigkeiten ein Spiel entscheiden. Da diese Kleinigkeiten nicht alle kontrollierbar sind, habe ich einmal mehr die eigene Psyche gestärkt. Ich habe gestern einen Ausflug nach Siegen gemacht, um gar keine negativen Gedanken aufkommen zu lassen, die womöglich wirken könnten. Schon mehrmals habe ich hier über die Hürden auf dem Weg zum Erfolg geschrieben. Das sind nicht nur äußere Einflüsse. Es sind auch bildhafte Vorstellung von einem möglichen Misserfolg, die einen auf dem Weg zum Erfolg hemmen.

In Siegen ist es schwer, an etwas anderes zu denken als an Siegen. Für mich gehört in diese Stadt eigentlich ein  Trainingszentrum des deutschen Sports, das dieser Stadt zudem großen wirtschaftlichen Aufschwung bringen könnte. Aber auf mich hört ja keiner.

Sehr zufrieden bin ich übrigens damit, dass die Spieltags-Pressekonferenzen des MSV wieder komplett online gestellt werden. So erhalten alle am MSV Interessierten die Möglichkeit, selbst zu sehen, wie tief Thorsten Lieberknecht über Spiele und Mannschaft nachdenkt. Auf dem Weg in die Printmedien wird solches Denken zu oft doch sehr verkürzt. Es ist interessant, was er zu sagen hat und wie er es sagt. Ihr kennt mein Bedauern über die Entlassung von Ilia Gruev.  Und ja, das Leben geht weiter. Thorsten Lieberknecht passt nicht nur durch seine Persönlichkeit zum MSV. Was ich von ihm höre, macht mir Hoffnung, dass die Kontinuität der Arbeit tatsächlich als Struktur im Verein wirksam wird. Sie darf nicht an einzelnen Personen hängen, auch wenn das schwer zu verwirklichken ist. Das ist dann gelebte Kultur.

Interessant ist auch, dass die Fragen aus der Journalistenrunde an Gerrit Nauber im Grunde die Antworten vorwegnehmen. Was zwischen Spielern und Journalisten meist geschieht ist ein Ritual. Bei Fragen an Spieler geht es mehr als beim Trainer um Gefühle der Spieler. Darauf kurz, aber mit Substanz zu antworten ist kaum möglich. In dem Teil unterscheidet sich die längere Pressekonferenz nicht von den kurzen Spieltagsclips der letzten Jahre.

Eins hätte ich mir allerdings als klare Aussage auch noch von Gerrit Nauber gewünscht. Ein Journalist leitete nämlich seine Frage mit der Feststellung ein, ein neuer Trainer komme und dann sei alles ganz anders. Der Journalist sprach noch länger weiter, so dass dieses Statement wahrscheinlich aus dem Blick geriet. Meinen Wunsch gab es, weil der Satz als so umfassendes Urteil nicht stimmt. Kevin Wolze hat in einem langen Interview auf die Arbeit Ilia Gruevs als Grundlage für die Arbeit von Thorsten Lieberknecht hingewiesen. Thorsten Lieberknecht selbst betont auch in dieser Pressekonferenz, auf welchem guten Stand die Mannschaft sich befindet. Er meint damit nicht nur Zusammenhalt und Mentalität. Auch die von vielen Anhängern bezweifelte Ausdauerleistung etwa sieht er als sehr gut an. Teile der Arbeit sind anders geworden, andere Teile blieben gleich.

 

 

Nach der Erbschaft traf ich noch Branimir Bajic

Zwei sehr schöne Erlebnisse hatte ich in den letzten Tagen. Zum einen habe ich eine Mail von Edward Amana, einem US-amerikanischen Rechtsanwalt, erhalten. Er klärte mich darüber auf, was mein Sohn in der Welt noch so treibt, während er zugleich studiert. Wenn ich den Rechtsanwalt richtig verstehe, versucht mein Sohn durch legal herbeigeführte Verkehrsunfälle mein Jahreseinkommen zu erhöhen.

Aber lest selbst: „Geben Sie bitte Ihr Interesse an, die Summe von Neun Millionen Fünfhunderttausend Dollar als Erbschaft zu erhalten. Das fragliche Geld gehört meinem verstorbenen Kunden, einem Bürger Ihres Landes, der bei einem Autounfall mit ihrem einzigen Kind gestorben ist.“ Wenn sonst das einzige Kind in einen Verkehrsunfall verwickelt ist, verursacht das mit dem üblich erzählten tödlichen Ausgang endlose Trauer bei den Eltern. Ganz anders bei meinem Sohn. Auf solch ein einziges Kind darf man wohl stolz sein.

Noch mehr als diese Nachricht hat mich nur der Abend beim Fanclub Innenhafen mit Branimir Bajić gefreut. Nicht nur, dass er sympathisch und geduldig auf viele Fragen zu seinem Leben nach der aktiven Zeit und seiner Karriere antwortete. Endlich hatte ich auch Gelegenheit, ihm mein Buch Mehr als Fußball zu überreichen. Schließlich hat er die Geschichte des MSV von der Zeit des Zwangsabstiegs bis zum Aufstieg 2015 mitgeprägt. Branimir Bajić ist einer der meist genannten Namen in dem Buch.

Das führt mich zurück zur Erbschaft. Bis ich die neuneinhalb Millionen Dollar aus den USA erhalte und mich vom beruflichen Schreiben zurückziehe, verschicke ich gerne auch noch meine Bücher. Mehr als Fußball gibt es einzeln oder im Zebrastreifenblog-Sonderangebotspaket mit den 111 Fußballorten im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss. Zum Bestellformular mit einem Klick.

 

 

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 39: Pilz Herb – Heimspiel MSV Edition

Noch nicht lange her ist meine Frage, ob der Song „Ruhrpott“ von Pilz Herb immer noch einfach „Rock“ heißt. Aufgenommen habe ich den Song in die Heimatliedsammlung auch ohne eindeutige Antwort.

Pilz Herb findet man bei Facebook, wo die Seite aktueller wirkt als deren Webseite.

Dass ich nun so schnell einen zweiten Song von Pilz Herb in die Sammlung aufnehme, versteht sich angesichts des Songinhalts im Zebrastreifenblog von selbst. „Heimspiel“ gehört definitiv zum Rock, auch ohne nähere Spezifierung. Der Song ist neu gestaltet, und Pilz Herb widmen ihn dem MSV Duisburg.

Die Botschaft des Songs stimmt perspektivisch hoffentlich nach dem Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln sowohl für uns Anhänger als auch für die Mannschaft. „Wir sind wieder da“. „Mit neuer Energie“. „Gemeinsam durch die Hölle“, dann ist man siegreich. Schließlich jener Vers, der auf den Zwangsabstieg gemünzt scheint, und doch zugleich auch für die Gegenwart gilt: „Wir waren schon am Abgrund, aber jetzt geht’s nur bergauf“. Und, ja, man kann in einem dem MSV gewidmeten Song eine Strophe nur mit der Aufzählung von Namen bestreiten.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Wie? Ihr steigt auf und wir steigen ab?

Vorgenommen hatte ich mir, ohne Erwartungen auf einen Erfolg das Spiel des MSV gegen den 1. FC Köln anzusehen. Doch es war wie immer, je näher der Anpfiff rückte, desto mehr schielte ich auf einen möglichen Punktgewinn, desto lauter machte sich die Stimme bemerkbar, die den unberechenbaren Fußball mir vor Augen hielt. Eine Stimme, die mir sagte, meine Bilanz der letzten Jahre im Müngersdorfer Stadion, vulgo Rheinenergie Stadion, sei hervorragend. Ich solle mal ruhig sogar an mögliche drei Punkte denken. Beim Anpfiff hätten wir schließlich schon einen Punkt im Sack.

Ein Kölner Basketballkollege hatte mich eingeladen in eine Loge mitzugehen. So begann der Abend früh. Denn der frühe Vogel gibt die Siegeswünsche am effektivsten auf das Spielfeld. Nichts stört seine zwingenden Gedanken. Nicht einmal die strengen Blicke namenloser FC-Spieler an der Logenwand. Man muss die Namen nicht kennen. Es sind Verlierernamen. Gewinner schreiben die Geschichte.

Mit dem Anpfiff übernahmen die Zebras die Spielkontrolle. In den ersten Minuten wusste die Spieler des FC nicht, wie ihnen geschah. Ballverlust um Ballverlust führte zu Angriff um Angriff. Cauly Souza hatte schon in der zweiten Minute das Führungstor auf dem Fuß. Leider hatte er den Ball etwas zu weit nach rechts im schnellen Lauf getrieben, so dass der Schusswinkel ungünstig wurde. Das 1:0 erzielte er dennoch mit einer Direktabnahme nach einer zu kurz geklärten Ecke. Es war ein Lehrbuchschuss. Großartig, und wir wussten, diese Führung kam zu früh. Wir schreibe ich deshalb, weil ich dort in den Logen nicht der einzige Mensch in blau-weiß war. Vereinzelt waren sie überall zu sehen. Zebragäste von überall her im rot-weißen, das Bild bestimmende Einheitston.

Noch blieb der MSV spielbestimmend. Der FC kam nur zum Ausgleich, weil für zwei, drei Minuten der Versuch in der Defensive den Ball kontrolliert zu spielen, zu ambitioniert war. Der FC presste zu stark. Anstatt sich einmal kurz Luft zu verschaffen durch einen Befreiungsschlag, dribbelten die Spieler selbst im eigenen Strafraum. Dustin Bomheuer gelang das nicht gut genug. Das führte zu einem Eckball und meiner Furcht vor den Torchancen des Gegners bei ruhenden Bällen. Die Furcht war berechtigt. Der Ausgleich folgte und meine zur Angst gewordene Furcht, dass nun alle Schleusen geöffnet waren. Was nicht stimmte. Meine Angst linderte das nicht. Ich hatte die drei Punkte gesehen und hatte noch einen weiteren Punkt zu verlieren.

Das führte in der zweiten Halbzeit zu einem, sagen wir, dreizehnten Mann vor der Loge auf der West, der zwölfte Mann stand ja lautstark in der Gästekurve. Ich habe dort oben schon lange vor der tatsächlichen Führung mindestens zwei Tore erzielt, dreimal zur Ecke geklärt, diverse Konter unterbunden und bei nicht zu zählendem Stochern in unklaren Situationen den Ball für uns gewonnen.

Ganz anders ging es auf der Nordkurve zu. Gedanklich war der Kölner dort unterwegs. Irgendwann hatte diese Nordkurve im Kölner Stadion nach dem Ausgleich ein Lied auf den Lippen, das man so früh in der Saison nicht oft singt. Ich meine, es war in der zweiten Halbzeit, als wir kurz hörten: „Wir steigen auf und ihr steigt ab!“ Sehr laut und begeistert wurde gesungen. Dazu muss man wissen, dass auf der Nordkurve die old school des FC-Supports sitzt. Sie meldet sich nicht mehr oft führend zu Gehör. Vielleicht liegt es also am Alter, dass man an diesem Abend dort beim Spiel des MSV gegen den 1. FC Köln jenes Selbstbewusstsein spürte, dass dem Kölner qua Geburt verordnet wird. Üblicherweise fühlt sich ein Kölner als Kölner ganz toll und vergisst dabei im Laufe seines Lebens gerne den Abgleich mit der Realität. Im Alter ist man dann darin geübt.

Dann wird die erste Halbzeit eines Fußballsspiels komplett ausgeblendet und in der zweiten Halbzeit werden missglückte Dribblings, Abspielfehler, nicht ausgespielte Konter und verunglückte Flanken wahrscheinlich nur als vorübergehende Erscheinungen einer grundsätzlich druckvollen Kölner Leistung gesehen. Dann kann man wohl vorauseilend glauben, das Spiel sicher zu gewinnen. Dann kann man einmal mehr mit seinem Hochmut kräftig vor die Wand laufen. Mich daran zu erinnern, macht Spaß. Ich stelle mir all diese Gesichter vor, wie sie den MSV kontern sehen. Ich stelle mir vor, wie Ahmet Engin über den rechten Flügel zieht und tatsächlich endlich wieder einmal scharf und flach hereingibt auf den mitgelaufenen Cauly Souza. Sein Gegenspieler und er grätschten gemeinsam, und dann war der Ball im Tor. Im Nachhinein stellte es sich als Eigentor heraus, doch Souza gehört der Treffer mit.

Was für ein Jubel bei uns Zebras, was für eine Enttäuschung unter den FC-Fans. Dieses Tor kam spät genug, um den Sieg für möglich zu halten. In der zweiten Halbzeit waren beide Mannschaften fehleranfällig bei ihrem Offensivspiel, so dass es hin und her ging. Zuweilen glich das Spiel einem unterhaltsamen Spektaktel bis zur Strafraumgrenze. Wirklich gefährlich wurde es für den MSV nur zweimal, einmal klärte Daniel Mesenhöler einen Terodde-Schuss innerhalb des Strafraums mit einem großartigen Reflex auf der Linie, das andere Mal schwamm die Defensive nach einer Ecke und Mesenhöler traf statt Ball das Gesicht eines Kölners. Über strafwürdige Folgen denke ich keine Minute nach.

Die Kölner wirkten zunehmend hilflos. So sehr sehnte ich dennoch ein drittes Tor durch einen Konter herbei. Das gelang nicht, die Konter brachten nur Entlastung. Der Schlusspfiff war Erlösung und unbändiger Jubel für uns. Die Kölner Fans schwelgten in Unmut. So ganz befolgt der Kölner, als Spezie FC-Fan, eben doch nicht das kölsche Grundgesetz. Nichts da mit „et kütt, wie et kütt“. Wenn der FC verliert, dann kütt die Wut und dann wird herrlich, herrlich gepfiffen. Schöne Pfiffe in meinen Ohren. Wir sind in Duisburg gerne behilflich, wenn der FC-Fan abhebt. Bodenständigkeit ist unser zweiter Name. Und wer nicht hören will, muss Niederlagen fühlen. Ein jeder weiß genau, das war der MSV.

Die FC-Fanpressekonferenz Zwei Kölsch fragt, Kees Jaratz grüßt

Letzte Woche erreichte mich eine Bitte aus Köln. Der FC sorgte sich vor einer Niederlage am Montag und fragte vorsichtig über informelle Kanäle an, ob ich nicht vielleicht ein paar Informationen über Veränderungen durch den neuen Trainer hätte. Es sollte meine Schaden nicht sein, wenn ich… Doch ich…nein, Quatsch, stimmt gar nicht.

Die Macher der FC-Fanpressekonferenz Zwei Kölsch waren es, die fragten und zwar nach Grüßen für ihre Fanpressekonferenz. Das habe ich gerne gemacht und mich gegen Wind und Sonne beim Außendreh bemüht. An der Westenender Straße war ich zunächst nicht erfolgreich, weil ein Auto nach dem anderen auf den Parkplatz fuhr. Dann bin ich nach Ruhrort zur Mühlenweide und hoffe nun auf Wirkungstreffer meiner Wünsche Richtung Spielfeld.

Was ich als Kompaktversion Richtung Köln geschickt habe, wurde von den Machern der Fanpressekonferenz mit mehreren anderen Stimmen zu einem Zebraherden-Fanchor montiert. Begeisterungsfähig wie die Kölner so sind, haben sie für das Auswärsspiel des MSV ein wunderbares Fanpanorama geschaffen, mit dem die besondere Bindung von uns an den MSV erfahrbar wird und unsere Unterschiedlichkeit bei dem, was uns vereint, deutlich. Sogar ein paar grundsätzliche Fakten über den MSV und Duisburg werden weitergegeben. Großer Dank für solches fanfreundschaftliche Engagement.

Nur mit dem Deal, den Zwei Kölsch anbieten, sind wir nicht einverstanden. Ich spreche für alle MSV-Fans. Statt Streifen für uns und Punkte für euch, bieten wir Beifall für Zwei Kölsch und Punkte für uns. Streifen sind keine Verhandlungsmasse. Die gehören artgemäß zu Zebras.

 


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