Archiv für Januar 2019

Nicht mal eine Chance durch den Tabellenrechner

Mehr als meine Worte von gestern über den Blick auf die Vergänglichkeit braucht diese Niederlage gegen den VfL Bochum eigentlich nicht. Das Vergängliche lässt sich nicht mehr verdrängen. Es wird ein Ende der Saison geben, und meine Hoffnung wird immer geringer, dass diese Saison für den MSV Duisburg ein gutes Ende nimmt.

Nicht das Ergebnis ist entscheidend. Gegen den VfL Bochum kann der MSV Duisburg 2:1 verlieren. Wie diese Niederlage zustande kam, zerbröselt jedes meiner fantasierten Bilder von erfolgreichen Spielern der Zebras. Auf ein Unentschieden hatte ich gehofft. Stattdessen hatte ich in der ersten Halbzeit schon Angst vor einer demütigenden Niederlage mit vier bis fünf Toren Unterschied. So schlimm ist es nicht geworden. Das ist aber auch schon zugleich die bittere Einsicht dieses Spiels.

Der MSV kann allenfalls sehr hohe Niederlagen verhindern. Mehr ist nicht drin. Tore gelingen der Mannschaft nur, wenn der Gegner krasse Fehler macht. Die Tore gegen den MSV fallen nach kleineren Fehlern in der Defensive. Ein Gegner wie der VfL kann auch kleine Fehler nutzen. Darin drückt sich auch das unterschiedliche Leistungsvermögen beider Mannschaften aus.

Seitdem ich den Zebrastreifenblog schreibe, habe ich in einem Abstiegskampf der jeweiligen Saison immer eine Mannschaft des MSV gesehen, die mir Hoffnung machte. Auch wenn sie wie im ersten Zweitligajahr nach dem Wiederaufstieg  in der Relegation den Abstieg dann doch nicht verhindern konnte. Ich habe bislang immer diese Hoffnung mit dem Tabellenrechner untermauern können, wenn ich in meiner Prognose die ungünstigsten Spielergebnisse für den MSV berücksichtigt habe.

In dieser Saison sehe ich keine Chance für Hoffnung durch den Tabellenrechner. Denn meine Prognosen waren ja nicht blind gegenüber der Realität. Für meine Prognosen braucht es aber den Glauben, dass den Spielern zwar Fehler unterlaufen, diese Fehler aber durch das Erzielen eigener Tore behoben werden können. Mit realistischem Blick auf diese Saison gibt es diese Tore so gut wie nie. Fehler allerdings geschehen immer. Daran ändert auch ein Tabellenrechner nichts. Natürlich beginnt am Freitag das Spiel gegen Darmstadt mit einem 0:0. Momentan sage ich, genau das ist das Problem: Kein Tor Vorsprung beim Anpfiff. Ich kann nur hoffen, die Spieler des MSV finden den Glauben an den Erfolg schneller wieder als ich.

Von Abläufen und einem unveröffentlichten Gedicht

Nach dem Ende der Winterpause bewegen wir uns den unausweichlichen Entscheidungen der Saison entgegen. Damit sind wir schnell beim wirklichen Leben. Denn das Unausweichliche erinnert an unsere Vergänglichkeit. Deshalb ist die Zeit bis zur Winterpause trotz aller Niederlagen immer auch eine Zeit der Hoffnung auf das ewige Leben. Diese erste Hälfte der Saison ist auch eine Zeit des Verdrängens der Vergänglichkeit. Irgendwie wird es gut ausgehen. Irgendwie werden wir dem Tod doch entkommen.

Bis zur Winterpause leben wir als Anhänger eines Vereins in der Abstiegszone im Möglichkeitsraum. Die Wahrheit einer jeden Niederlage wird durch die Hoffnung auf dauerhafte Heilung jeden Leids gelindert. Nun spielt der MSV heute Abend beim VfL Bochum, und das wirkliche Leben macht sich als Sorge bemerkbar. Wir hören von einem Gegner, der oben noch mitspielen will. Wir hören von Therapieversuchen während der Winterpause beim MSV. Wir hören davon, dass wir weiter gefährdet sind.

Zum Lieblingswort wurden mir die Abläufe auf der Pressekonferenz des MSV vor dem Spiel. Thorsten Lieberknecht wollte mit dem Einüben von Abläufen der Mannschaft zur Sicherheit verhelfen. Laut Dustin Bomheuer haben die Abläufe in den Testspielen gewirkt. Die Mannschaft fühlte sich sicher. Die Ergebnisse sind Zeugnis dieser Sicherheit. Abläufe – welch schönes handliches Wort für Laufwege, Passfolgen oder koordinierte Bewegungen in der Defensive, Ablauf, das klingt machbar. Meine Sorge lindert der Ablauf leider nicht. Zu deutlich sehe ich, wie komplex das Zusammenwirken von vielen Menschen wird, wenn der Zufall bei dem Zusammenwirken eine große Rolle spielt. Zu nah ist mir das wirkliche Leben gerückt.

Zu sehr hat sich ein Vierzeiler bislang bewahrheitet, der mir kurz nach der Entlassung von Ilia Gruev in den Sinn kam und den ich aus guten Gründen nicht veröffentlicht habe. Ich würde ihn gerne nach der Saison veröffentlichen, weil er eine Wahrheit über den Fußball erzählt. Wenn der MSV kein Beispiel für diese Wahrheit sein soll, wäre ein Punktgewinn in Bochum schon mal ein Anfang. Die Hoffnung auf mehr kommt mir allerdings gerade schon wieder wie die Hoffnung auf das ewige Leben vor.

Weggelesen – Fussballwappen von Hardy Grüne

Zugegeben, ich war etwas skeptisch, als ich im letzten Herbstkatalog vom Verlag Die Werkstatt ein Buch über Fußballwappen angekündigt sah. Ich hatte nur den Titel gesehen und das Cover. Coffe table books sind nicht so mein Fall. Doch beim zweiten Blick sah ich, Hardy Grüne war Autor des Buches – mit einem Klick zu seiner Seite im Netz. Das nun verringerte meine Skepsis schon sehr. Repräsentative Hochglanzbücher für den Wartebereich von Spieleragenturen würde der Mann sicher nicht machen.

Denn Hardy Grünes publizistisches Engagement für Fußballkultur hatte ich auch über die Fußballzeitschrift Zeitspiel wahrgenommen. Dort ist er einer von zwei Herausgebern. Zeitspiel widmet sich vierteljährlich einerseits historischen Themen, andererseits geht es um den Fußball „auf seinem Weg in die Gegenwart“ abseits von „Bundesliga und Champions League, WM und EM“. Hier geht es zur Seite der Zeitschrift. Hier geht es zur Beschreibung des Projekts auf der Seite von Hardy Grüne. 

Hardy Grüne löste meine Erwartungen ein. „Fussballwappen“ ist nicht nur ein Buch zum Blättern und Ansehen. „Fussballwappen“ ist gespickt mit der Historie des Fußballs auf Vereinsebene. Für jeden Verein gibt es neben der einen Seite Vereinswappen auf der anderen Seite einen Parforce-Ritt durch Vereinsgeschichte oder historische Besonderheiten, die Folgen für das jeweilige Wappen hatten. Manche der Veränderungen bei den Vereinswappen regen zum Nachdenken über Fußballkultur im Besonderen und Kultur im Allgemeinen an. Denn das Vereinswappen verweist auf die Tradition des Fußballs und je näher die Gegenwart rückt, desto mehr spielt bei der Gestaltung der Wappen der großen Vereine das Marketing eine Rolle.

Es macht Spaß, sich die Wappen genau anzusehen und die Entwicklung der Ausdrucksformen jeweils zu verfolgen. Knapp die Hälfte der Wappen stammen von deutschen Vereinen, die andere Hälfte von Vereinen aus der gesamten Welt mit Schwerpunkt Europa. Hier im Zebrastreifenblog hole ich natürlich schnell mal die Wappenseite des MSV hervor. Wer sie als Teil des Buchs sehen möchte, klickt weiter und blättert über etwa 15 Seiten im Buch herum.

Wer mit Fußballwappen derart anregend von Vereinsgeschichte und der Kultur des Sports erzählen kann wie Hardy Grüne, besitzt einen besonderen Blick auf den Fußball.

 

 

Hardy Grüne: Fußballwappen.
Verlag Die Werkstatt 2018.

214 Seiten, 21 x 21 cm, Hardcover
über 1000 Abbildungen, durchgehend farbig
ISBN: 978-3-7307-0416-5

€ 24,90

Wenn der Zufall mich auch noch zum volley führt

Es gibt nicht viele Möglichkeiten, einen Sturz mit dem Gesicht auf einem armdicken, kegelförmigen Betonpoller in Kniehöhe abzufangen, ohne sich schwer zu verletzen. Nennt mich Glückskind, ich habe das geschafft. Vorübergehend ist nun mein Gesicht deutlich asymetrischer, als es für uns Menschen sonst ohnehin der Fall ist. Andererseits gibt es auch nicht viele Möglichkeiten, den Betonpoller davor im Dunkeln so genau anzulaufen, dass er als Hebel wirkte und mich nicht als Stolperfalle irritierte. Der Poller hat mich gleichsam emporgehoben, ohne dass ich merkte, was geschah. Das nun lässt sich doch nicht Glück nennen.

Die Verbindung zum Fußball ist der Zufall. Was hatte alles zusammen kommen müssen, dass sowohl das eine als auch das andere geschah. Das Leben ist nicht kontrollierbar, so sehr wir es uns auch wünschen, ein Fußballspiel auch nicht. Ich weiß das eigentlich. Das eine und auch das andere. Daran erinnern muss ich mich dennoch ständig.

Zufällig habe ich mich dann gestern im Netz von einer Seite zur anderen Seite führen lassen. Seitdem weiß ich nun, was ich vermutete hatte. Der Begriff „volley“ wurde in der Sportsprache zum ersten Mal in England im Tennis benutzt. Das Online Etymology Dictionary verzeichnet für 1819 die erste Quelle eines Verbs und 1851 die eine, wo das Wort als Substantiv genutzt wurde. Über das Tennis ist es in die anderen Sportarten eingewandert. Den Tennissinn hat es beibehalten, den Ball im Flug treffen. Ins Englische gelangte das Wort in den 1570ern aus dem Mittelfranzösischen „volee“, der Flug. Es bezeichnete das Entladen von mehreren Kanonen zurselben Zeit. Der metaphorische Sinn im Sport ist sofort einsichtig. Ein volley genommener Ball besitzt besondere Angriffskraft. Mit irgendwas muss man sich ja die Zeit vertreiben, bis man sich wieder rasieren kann.

In eigener Sache: Das Junge Licht scheint heller als die Brennende Ruhr bei Tausendundein Buch

Am Freitag nächster Woche bin ich ab 19 Uhr in der Buchhandlung Tausendundein Buch in Duisburg-Neudorf, Oststraße 125, zu Gast. Dort werde ich dieses Mal nicht eigene Texte lesen, sondern an die Wirklichkeit von Arbeitern im Ruhrgebiet anhand von Erzählungen und Romanen aus dem Ruhrgebiet erinnern. Das Ganze ist ein unterhaltsamer Überblick. Dramatisch geht es dabei zu, komisch und immer wieder auch informativ, wenn ich zusätzlich Literatur- und Ruhrgebietsgeschichte hervorkrame. Als Programmankündigung sieht das so aus:

Das Junge Licht scheint heller als die brennende Ruhr

Die Arbeit in der Montanindustrie  – Das war nicht nur die Arbeit unter Tage und an den Hochöfen. Der Bergbau und die Industriearbeit prägten Mentalität sowie Alltag in Familien und im täglichen Miteinander auf der Straße. Gewohnheiten und Haltungen aus dem Pütt bestimmten, was richtig und was falsch war. In Arbeitersiedlungen traf Wohlverhalten bei Komplettversorgung durch die Zechen auf Mitbestimmungswillen von Arbeitern. Im Bandoneonorchester lernten Bergleute Instrumente spielen. In Vereinsheimen wurde eigene Kultur geschaffen. Der Autor Ralf Koss hat Texte zusammengestellt, in denen sich die Lebenswelt der Arbeiter wiederfindet. Ob in Karl Grünbergs „Brennende Ruhr“, in Max von der Grüns Romanen oder in den Krimis von Peter Kersken, ob in den 1920er Jahren oder in der Gegenwart, der Bergbau und die Industriearbeit wirkten sich auch auf die Literatur aus. Ralf Koss stellt Ruhrgebietsromane sowie ihre Autoren vor und wirft einen unterhaltsamen Blick auf Literatur- und Zeitgeschichte.

Ort: Tausendundein Buch, Oststraße 125, 47057 Duisburg. Kartenbestellung: Telefon 0203.35 66 75
Zeit: Freitag, den 22. Januar 2019, 19 Uhr
Eintritt: 5 Euro

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 42: Nelson Müller und Jim Rockford Band mit Ruhrpott Style

Ein Teil des weiter verbreiteten Wissens der Gegenwart geht an mir vorbei. Nelson Müller zum Beispiel habe ich neulich erst kennengelernt, als ich mal wieder in Sachen Ruhrstadtsektion des Heimatlieds bei youtube unterwegs war. Ausgezeichnete Köche sind ja im Fernsehen schon seit geraumer Zeit als authentische Kochdarsteller gefragt. Das ist wie im Krimi. Ein Genre weitet sich aus. Die jeweils neuen Kochdarsteller brauchen dann ein eigenes Profil. Da bei Kochdarstellern immer die authentische Persönlichkeit gefragt ist, engt sich der Kreis der potentiellen Kochdarsteller schnell ein. Nelson Müller bietet mit seiner Person eine besondere Geschichte neben dem immerselben Kochen. Keine Frage, dass da die Fernsehmacher glücklich waren. So funktioniert das System, nicht dass ihr denkt, ich sei gerade wertend unterwegs.

Wie ich bei Wikipedia lese, ist Nelson Müller ein Pott-Imi. „Imi“, so sagt man in Köln. Ein sympathisches Wort in meinen Ohren, da es einen Unterschied benennt und dennoch keine Distanzierung oder Wertung enthält. Vielleicht nicht mehr. Nelson Müller ist in Stuttgart aufgewachsen. Er darf sich Sterne-Koch nennen und führt ein Restaurant in Essen. Außerdem fühlt er den Soul. Zusammen mit der Jim Rockford Band hat er im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres ein schönes Soulstück über das Ruhrgebiet präsentiert. Der Ruhrpott hat seinen eigenen Style. Wenn er über Maloche und Arbeit singt klingt das lässiger als in den Stücken des Rock oder Hiphop, die ich gerade erinnere. Ich bin mir nicht sicher, ob das womöglich alleine am Flow der Musik liegt oder weil das Motiv des Ausgehens hier so oft auftaucht.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Fußballlyrik – Der neue Trainer

Der neue Trainer

Mit Wochen ohne Sieg
nun Letzter der Tabelle.
Nach Abstieg droht der Absturz.
Was hilft denn auf der Stelle?

Entlassungen von Trainern!
Statistik weiß Bescheid.
Erfolg kommt oder nicht.
Nur lindert Handeln Leid.

Statistik sagt egal,
ob Trainer bleiben, gehen.
Ein Team muss so und so
den Abstiegskampf bestehen.

Statistik sind die Fälle.
Wir aber sind der Fall.
Was wirklich wird, das zeigt
sich erst im Spiel mit Ball.

Halbzeitpausengespräch: Bergbau in Lyrik, Prosa und Reportagen

Das Erinnern gehört zum Abschied. Über den Steinkohlebergbau wurde so viel schon lange nicht mehr berichtet und gesprochen wie im letzten Jahr, als sein Ende in Deutschland nahte. Nun ist die Arbeit unter Tage Geschichte. Nun wird die Lebenswirklichkeit dieser Arbeit in Deutschland endgültig nur noch erinnert. Sie ist eine Sache der Worte geworden. Die Gegenwart findet jeweils neue Worte und wird in Zukunft auf alte Worte zurückgreifen müssen. Denn über die Wirklichkeit des Steinkohlebergbaus wurden über die Jahre immer wieder Texte geschrieben und veröffentlicht.

Es wurde in Reportagen berichtet. Prosa wurde über die Arbeit geschrieben, und es entstanden Gedichte. Arnold Maxwill hat in drei Bänden solche Texte über den Steinkohlebergbau gesammelt herausgegeben. „Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft“ heißt die Sammlung von Berichten und Reportagen. In „Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand“ ist Prosa gesammelt, also kurze Erzählungen und Ausschnitte aus Romanen. Im dritten Band „Grube, Grus, Gedinge“ sind Gedichte zu finden.

Es gibt eine Gemeinsamkeit aller gesammelten Texte über die unterschiedlichen Form hinweg. Diese Gemeinsamkeit ist die notwendige Haltung der Schreibenden zur körperlichen Arbeit unter Gefahr. Ohne diese Haltung entstand kein Text. Alle Autoren und die wenigen Autorinnen sahen sich vor die Aufgabe gestellt, sich auf diese körperliche Arbeit zu beziehen. Meist richtete sich die Aufmerksamkeit also auf die schweren Arbeitsbedingungen unter Tage, auf lebensbedrohliche Gefahren, auf die Belastung, denen Männerkörper ausgesetzt waren, auf die notwendigen Eigenschaften der Arbeiter. Die Wertung der jeweiligen Stimmen war dabei unterschiedlich. Heroische Schilderungen von Arbeiterkraft gab es ebenso wie den dokumentarischen Realismus, der den Blick auf Opfer richtete und aufrütteln sollte, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Gerade im Prosaband finden sich fast ausschließlich Texte, mit denen die Autoren versuchen die Arbeit selbst zu schildern. Dagegen führen einzelne Berichte und Reportagen führen über die Arbeitswelt hinaus. In diesem Band gibt es auch die Lebenswirklichkeit der Bergleute außerhalb der Zechen. Gedichte waren Klage, sollten trösten oder feierten Arbeiter als Helden für die Gesellschaft. Der Gedichtband gefällt mir am besten, weil hier am meisten zu entdecken ist. Wer sich schon immer für die Lebenswirklichkeit im Ruhrgebiet interessierte, wird viele der Prosatexte und Reportage kennen.

Die drei Bände sind liebevoll gestaltet, und Arnold Maxwill hat jeweils drei ausgezeichnete Nachworte geschrieben. Er ordnet die Texte literaturgeschichtlich und historisch ein. Er macht aufmerksam auf Haltungen hinter den Texten und auf den Bezug zur Lebenswirklichkeit, die es zur Entstehenszeit gab. Arnold Maxwill hat, als Nachwort versteckt, gleichsam Grundlagenartikel zur Arbeiterliteratur des Ruhrgebiets geschrieben. Inhaltlich so reich und zugleich konzentriert habe ich solche Texte bislang nicht gelesen.

Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft

 

Arnold Maxwill (Hrsg.): Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft
Berichte und Reportagen zum Ruhrgebiet
272 Seiten
14,95 Euro
ISBN: 978-3-8375-1956-3

 

 

Grube, Grus, Gedinge

 

Arnold Maxwill (Hrsg.): Grube, Grus, Gedinge
Gedichte zwischen Flöz und Förderturm
272 Seiten
14,95 Euro
ISBN: 978-3-8375-1954-9

 

 

Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand

 

Arnold Maxwill (Hrsg.): Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand
Prosa aus dem Kohlenrevier
272 Seiten
14,95 Euro
ISBN: 978-3-8375-1955-6

 

Mit den Links gelangt man auf die Seite vom Klartext-Verlag mit den Verlagsinformationen zu den Büchern.

Felix! Der vom Glück begünstigte und erfolgreiche

Irgendwie ist mir bei dem Leihgeschäft mit Felix Wiedwald nach alter Spruchweisheit à la „man muss die Feste feiern, wie sie fallen“. Das gilt es jedenfalls mal festzuhalten: Felix als Vorname mit Wurzeln im Lateinischen bedeutet ja „vom Glück begünstigt“, „glücklich“ oder „erfolgreich“. Andererseits wäre Felix Wiedwald nun nicht beim MSV, wenn dieser Name schon seine prägende Kraft für die Wiedwald-Karriere vollends gezeigt hätte.

So gibt es neben den Zusammenstellungen seiner besten Paraden wie im folgenden Clip auch jene Clips von enttäuschten Fans in England, die seine Patzer dort zusammenstellten. Uns interessiert natürlich nur das Beste vom Guten wie diese Aktion unten ab Min. 0.29.

 

Wie soll ich nun sagen? Auf die Verpflichtung eines weiteren Torhüters haben wohl die wenigsten von uns als erste Transferaktivität in der Winterpause gehofft. Sehr viel mehr als ungünstig platzierte Freistoßmauern und den einen Meter zu weit stehen vor der Torlinie haben uns ja in den letzten Spielen die vergebenen Torchancen beschäftigt.

Allerdings erinnert Felix Wiedwald an das Wiedererstarken des MSV unter Kosta Runjaic.  Er erinnert an vorsichtige Hoffnungen auf kontinuierliche Weiterentwicklung des Kaders. Er kommt mit einer Aura des Zebra-Erfolgs zum MSV. Zudem hat er dem MSV bei Youtube zu millionenfachen Klickzahlen verholfen. Der Schiedsrichter im Pokalspiel gegen den Karlsruher SC war seinerzeit so verunsichert, dass er Felix Wiedwald nach dem Führungstreffer des KSC kurz vor dem Schlusspfiff die rote Karte zeigte. Damals dachte ich, der gute Ruf von Felix Wiedwald sei gefährdet, weil die Print-Kollegen den Schiedsrichter tatsächlich ernst genommen hatten. Heute zeigt sich, die Fußballwelt war sich im Unverständnis mit den Spielern des MSV und uns auf den Rängen einig.

Willkommen zurück, Felix Wiedwald. Auf die Aura des Klassenerhalts, die du mitbringst!

Alles Gute für 2019 mit Big Data von 2018!

Zwar war Der Stig in diesem Jahr im Zebrastreifenblog als Autor nicht präsent, doch lässt er es sich nicht nehmen, in Duisburg wieder Silvester zu feiern. So können wir euch wieder zu dritt ein frohes neues Jahr zurufen. Ralf, Der Stig und ich als Belegschaft im Zebrastreifenblog wünschen euch alles Gute. Fußballer und Verantwortliche im Verein unserer Zuneigung bekommen von diesen Wünschen wieder einen großen Sack abgepackt. Auf dass die Familie der Neururer-Unken möglichst bald wieder das Gegenteil von dem unken kann, was gerade in der Pott-Welt von ihnen über den MSV zu lesen ist. Wir ersparen uns die Details.

Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres. Im Zebrastreifenblog gibt es seit dem letzten Jahr Beiträge außer Konkurrenz. Denn über mehrere Jahre belegten die Fußballtorten aus Dortmund Platz 1 und 2 der meist gelesenen Texte des Jahres. Wahrscheinlich gab es 2018 für BVB-Anhänger weniger Frustessen mit Süßkram. Denn nur noch Folge eins der zwei Beiträge ist dieses Mal vorne mit dabei. Statt Zucker brachte der sportliche Erfolg des BVB im letzten Jahr den Anhänger-Flow. Nur noch Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund bekommen eine namentliche Erwähnung.

Die Texte auf Platz 5 und Platz 4 zeigen, wie groß in der letzten Saison unsere Abstiegsangst war, wie wir versuchten sie in Schach zu halten und welch Feier der Klassenerhalt zwei Spieltage vor Saisonschluss gewesen ist. Platz 5 belegt der Spielbericht vom 4:1-Heimsieg gegen Jahn Regensburg am 32. Spieltag: Das Abschiedsspiel für den Tabellenrechner brachte den Klassenerhalt.

Auf Platz 4 landete Soll und Haben beim Tabellenrechner – 31. Spieltag. Der Tabellenrechner ist mein bewährtes Hausmittel gegen Abstiegsangst. Frühzeitig versuche ich mit ihm meine Nerven und die des MSV-Umfelds zu beruhigen, indem ich den Klassenerhalt bei möglichst schlechten Ergebnissen für den MSV errechne. Ich befürchte, auch in der laufenden Saison werden wir auf den Tabellenrechner nicht verzichten können.

Auf Platz 3 findet sich der Spielbericht zum sensationellen Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln: Wie? Ihr steigt auf und wir steigen ab.. Der MSV gewann als Tabellenletzter beim Tabellenführer mit 2:1.

Seit dem letzten Jahr schickt Google viele Leser zu mir, die wissen wollen, warum die Bielefelder Alm so heißt, wie sie heißt. Wenn das so weiter geht, wird auch dieser Text bald außer Konkurrenz im Zebrastreifenblog vertreten sein, auf Platz 2: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben, als mir die Anekdote zur Namensgebung auf der Arminia-Seite beliebig und langweilig vorkam. Mit Dokumenten belegt ist die Geschichte dort ebenso wenig wie meine Geschichte.

Auf Platz 1 befindet sich ein Text, in dem es um politische Haltung im Stadion ging. Beim Auswärtsspiel in Darmstadt wurde die Zaunfahne der Faninitiative „Zebras stehen auf“ vom Zaun herunter gerissen. Die Faninitiative Zebras stehen auf engagiert sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung. Wie so oft gibt es eine öffentliche Erzählung von dem, was geschehen ist, und eine, bei der in der Fanszene um Deutungshoheit gerungen wird, wer vor Ort welche Verantwortung für Handgreiflichkeit zu tragen hatte. Bezogen auf die öffentliche Erzählung entstand: Zebras stehen auf und bleiben standhaft.

Und nun der Blick nach vorn: Der Stig, Ralf und ich, wir werden auch 2019 einen Teil unserer Arbeitszeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Wahrscheinlich wird es aber nicht mehr zu jedem Spiel einen Spielbericht geben. Wer hier regelmäßig liest, weiß, ich habe das Gefühl, auf meine Weise habe ich das meiste über ein Spiel des MSV schon einmal geschrieben. Ich will mich aber nicht wiederholen und auch keine normale Sportberichterstattung betreiben. Der Mäzen für meine Spieltagslyrik hat sich zudem noch nicht gefunden. Also, ich muss mal sehen, mit welchen Themen ich mich bei weniger vorhandener Zeit hier beschäftige.

Nun auf ins neue Jahr! Wir sehen uns im Stadion, wir lesen uns und wissen hoffentlich schon bald den MSV auf einem sichereren Weg zum Klassenerhalt als in der Hinrunde der Saison.


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