Von Abläufen und einem unveröffentlichten Gedicht

Nach dem Ende der Winterpause bewegen wir uns den unausweichlichen Entscheidungen der Saison entgegen. Damit sind wir schnell beim wirklichen Leben. Denn das Unausweichliche erinnert an unsere Vergänglichkeit. Deshalb ist die Zeit bis zur Winterpause trotz aller Niederlagen immer auch eine Zeit der Hoffnung auf das ewige Leben. Diese erste Hälfte der Saison ist auch eine Zeit des Verdrängens der Vergänglichkeit. Irgendwie wird es gut ausgehen. Irgendwie werden wir dem Tod doch entkommen.

Bis zur Winterpause leben wir als Anhänger eines Vereins in der Abstiegszone im Möglichkeitsraum. Die Wahrheit einer jeden Niederlage wird durch die Hoffnung auf dauerhafte Heilung jeden Leids gelindert. Nun spielt der MSV heute Abend beim VfL Bochum, und das wirkliche Leben macht sich als Sorge bemerkbar. Wir hören von einem Gegner, der oben noch mitspielen will. Wir hören von Therapieversuchen während der Winterpause beim MSV. Wir hören davon, dass wir weiter gefährdet sind.

Zum Lieblingswort wurden mir die Abläufe auf der Pressekonferenz des MSV vor dem Spiel. Thorsten Lieberknecht wollte mit dem Einüben von Abläufen der Mannschaft zur Sicherheit verhelfen. Laut Dustin Bomheuer haben die Abläufe in den Testspielen gewirkt. Die Mannschaft fühlte sich sicher. Die Ergebnisse sind Zeugnis dieser Sicherheit. Abläufe – welch schönes handliches Wort für Laufwege, Passfolgen oder koordinierte Bewegungen in der Defensive, Ablauf, das klingt machbar. Meine Sorge lindert der Ablauf leider nicht. Zu deutlich sehe ich, wie komplex das Zusammenwirken von vielen Menschen wird, wenn der Zufall bei dem Zusammenwirken eine große Rolle spielt. Zu nah ist mir das wirkliche Leben gerückt.

Zu sehr hat sich ein Vierzeiler bislang bewahrheitet, der mir kurz nach der Entlassung von Ilia Gruev in den Sinn kam und den ich aus guten Gründen nicht veröffentlicht habe. Ich würde ihn gerne nach der Saison veröffentlichen, weil er eine Wahrheit über den Fußball erzählt. Wenn der MSV kein Beispiel für diese Wahrheit sein soll, wäre ein Punktgewinn in Bochum schon mal ein Anfang. Die Hoffnung auf mehr kommt mir allerdings gerade schon wieder wie die Hoffnung auf das ewige Leben vor.

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