Bert Trautmann und ich nebst O-Tönen beim Gedächtnis der Nation

Letzte Woche war Kinostart für den Film Trautmann, hier zum kurzen Wikipedia-Eintrag des Films.  Gesehen haben ich den Film noch nicht. Die bei Wikipedia zitierte Spiegel online-Kritik ist mäßig.

Den Torwart Bert Trautmann – hier bei Wikipedia – kannte ich schon als Kind und auch mit ihm lernte ich die sonderbaren Verhältnisse kennen, in denen Menschen sich miteinander befinden können. Als Kind begreift man schnell, eine gute sportliche Leistung gehört zu den Dingen des Lebens, bei denen man sich ohne Ansehen vom Alter nicht nur gemeinsam begeistern kann. Die Meinung des Kindes wird sogar auf eine andere Weise gehört, als bei den meisten anderen Dingen, für die man sich selbst als Kind interessiert.

So kannte ich bald Namen von Fußballspielern. Die Erwachsenen fanden einzelne gut und sie waren auch deshalb gut, weil sie in der deutschen Nationalmannschaft erfolgreich spielten. Sie waren erfolgreich für uns. Ich lernte, dass Uwe Seeler und Gerd Müller unsere Tore machten. Ich lernte, dass Franz Beckenbauer elegante Pässe spielte, und ich lernte, dass Helmut Haller und Karl-Heinz Schnelliger auch für uns spielten, obwohl ich sie aus dem Bundesligaalltag nicht kannte. Beide spielten in Italien.  Als Fußballer der Geschichte tauchten auch immer wieder mal Fritz Walter, Helmut Rahn oder Toni Turek auf. Ich kannte sie nur aus Unterhaltungssendungen mit Peter Frankenfeld oder Heinz Schenk, die mich die meiste Zeit langweilten. Alle gehörten aber dennoch zu uns.

Und dann gab es noch diesen Bert Trautmann, bei dem ich nicht genau wusste, ob er wirklich zu diesem Uns gehörte oder nicht. Seine Geschichte kannte ich durch wiederholtes Erzählen, bei der die Anerkennung unüberhörbar war. Nach der Kriegsgefangenschaft in England blieb er dort leben. 504 Spiele machte er für Manchester City. Mit Genickbruch spielte er das Pokalfinale für Manchester City zu Ende. Er war in England ein Fußballheld. Was aber war er für uns? Einerseits schien das Erzählen von seiner Leistung ihn zu einem von uns zu machen, aber in meinem Fußballalltag tauchte er nicht auf und konnte deshalb nicht wirklich einer für uns sein. Die Verwirrung hielt nie lange an. Es gab genügend Fußballer, bei denen die Verhältnisse ganz klar waren. Am klarsten waren sie für mich natürlich bei den Zebras.

Gedächtnis der Nation ist ein Oral History Projekt, das kontinuierlich wächst. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Menschen wird zum eigenen Leben befragt. Nicht nur Prominente werden befragt, auch wenn ich heute auf die Interviews mit Bert Trautmann hinweise. Das wirkliche Leben in eigener Anschauung ist für mich immer wieder fasznierend anzuhören. Die Clips sind außerhalb von Youtube nicht freigeben. Ihr müsst also weiterklicken. Es lohnt sich.

Britische Kriegsgefangenschaft I

Britische Kriegsgefangenschaft II

Das Pokalfinale

Fußballkarriere in England

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