Schwere wegsprechen im Lokal Harmonie

Am Samstag hatte mein Lese- und Hörstück „Wie jetzt?! Wirklich wirklich?“ um 16 Uhr Premiere im Lokal Harmonie in Ruhrort. Ich hatte mir darüber Gedanken gemacht, welche Bedeutung Utopien für uns haben. Ist dieser Widerspruch auflösbar? Ich formuliere etwas als ideale Vorstellung eines Lebens und weiß zugleich, was ich hier formuliere ist so weit weg von der Gegenwart, dass es eben utopisch ist. Eine Utopie, so verstanden, wird nie erreicht. Dieses Denken bezieht sich auf eine geistige Strömung von Utopie-Entwürfen. Wie gehe ich damit im Alltag um? Was ist mein konkretes Handeln?

Als ich zum Soundcheck fuhr, lag der MSV 1:0 zurück. Ich konnte wegen der Premiere nicht einmal zur ersten Halbzeit ins Stadion fahren. Ich habe also von dem Spiel nichts gesehen. Kurz vor Beginn des Stücks stand die 4:2-Niederlage gegen Ingolstadt fest und auch über den MSV legte sich sofort das Utopische. Wie soll jetzt noch der Klassenerhalt gelingen? Diese Niederlage brachte mir den Abstieg nahe. Etwas Schlimmes war geschehen. Dieses Gefühl machte sich in mir breit, und ich hatte Mühe, mir diese Schwere nicht anmerken zu lassen. Kurze Zeit später applaudierte das Publikum, als wir die Bühne betraten und ich war drin in meinem Drei-Personenstück. Die Schwere war verschwunden. Das Utopische stand im Raum.

Wenn ich über das Spiel lese, erkenne ich den MSV dieser Saison. Anfällig in der Defensive und abschlussschwach. Soll ich die Ausfälle von Bomheuer und Nauber beklagen, wenn Joseph Baffoe in der Innenverteidung spielentscheidende Fehler macht? Ich lese von vergebenen Großchancen von Moritz Stoppelkamp und John Verhoek. Über mangelnden Einsatz wird sich im MSVPortal so gut wie nicht beschwert. Die Elfmeterentscheidung wird von einigen heftig kritisiert. Es scheint einmal mehr dieses Zusammenspiel aller niederlagenträchtigen Faktoren gewesen zu sein. Immer wieder wurde das diese Saison wirksam. Es ist zum Verzweifeln.

Für mein Stück habe ich viele Duisburger befragt, wie die beste aller Welten für sie aussehe. Tatsächlich gab es Menschen, die von gerechten Gesellschaften der Zukunft sprachen, von einem großen Wir dieser Welt, und die sich weigerten, diese Bilder utopisch zu nennen. Solch eine Haltung brauchen wir jetzt im und rund um den MSV. Es gibt nichts anderes als weiterzumachen. Manchmal geschieht Wunderbares.

Am Samstagabend hat die 1. Herrenmannschaft vom Deutzer TV in der 1. Regionalliga am letzten Spieltag den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft. Die Mannschaft hatte in Salzkotten zur Halbzeit mit 26 Punkten zurückgelegen und das Spiel noch mit 96 zu 89 gewonnen. Das ist die andere Mannschaft meines Herzens, aus dem Verein, der meine sportliche Heimat ist. Dieser Klassenerhalt einer vollkommenen Amateurmannschaft in einer Liga, in der die Etats fast aller anderen Mannschaft mindestens vier- bis fünfmal so hoch sind, in einer Liga, in der Berufsspieler aus dem Ausland eingekauft werden, ist eine großartige Leistung. Vielleicht überträgt sich die Aura dieses Erfolgs auf den anderen Verein meines Herzens.

0 Responses to “Schwere wegsprechen im Lokal Harmonie”



  1. Kommentar verfassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.




JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: