Ingolstadt, wir danken euch

Hat überhaupt schon jemand Ingolstadt gedankt? Wenigstens haben die uns durch frühe Führung und klarem 3:0-Sieg Entsetzen und Verzweiflung im Spiel gestern erspart. Stellt euch das mal vor: Ingolstadt liegt zurück, wir behalten die Chance auf die Chance, dann geraten wir in Rückstand, gleichen immer wieder aus und jedes Mal folgt spätestens im übernächsten Angriff des Gegners der erneute Rückstand. Es kann immer auch noch schlimmer kommen.

4:3 verliert der MSV gegen Heidenheim, und schon wieder bekommen wir in einem Spiel auf dem Silbertablett geliefert, was sich als Abbild der gesamten Saison eignet. Vorne erzielt Dustin Bomheuer per Kopf den Ausgleich. Wenige Minuten später vollendet er frei stehend und unbedrängt durch ein unfassbares Selbsttor einen Heidenheimer Angriff, bei dem seine Defensivkollegen samt Torwart das eigentlich schon fällige Tor in höchster Not verhindert hatten. Dieses Selbsttor bringt Dustin Bomheuer und dem MSV Click-Garantie bei youtube. Es war ein Tor, das ich gar nicht als Tor begriffen habe. Ich sah Dustin Bomheuer technisch vorbildhaft den Ball ins leere Tor einköpfen und dachte, das Spiel muss wohl unterbrochen gewesen sein, ohne dass ich es bemerkt hatte. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass ihm etwas misslungen sein muss. So ein Selbsttor habe ich mein Fußballleben lang mit dem MSV noch nicht gesehen.

Ein Spieler, zwei Spielsituationen, eine ganze Saison: Statt eines Offensiv- erzielt ein Defensivspieler notwendige Tore nach einer Standardsituation. Defensivspieler erleichtern dem Gegner das Tore erzielen bis hin zum Selbsttor.

Wir hatten genügend Zeit, um uns auf diesen Abstieg vorzubereiten. Die TV- und Fotokameras werden es schwer gehabt haben, Symbolbilder trauriger, weinender Fans zu erhalten. Ärgerliche Fans hat es gegeben. Für mich ist das die dunkle Seite des Fußballs. Es ist die dunkle Seite aller Gruppenidentäten, wenn das Ich durch das Massengefühl der Gruppe sich gesteigert und vergrößert fühlt. Wenn einzelne der Gruppe dann stellvertretend für die Masse sich an Prüfungen messen und keinen Erfolg haben, wirkt das auf den Selbstwert des Ichs zurück. Manchmal denke ich, gut, dass diese dunkle Seite von Massenbewegungen im Fußball auf eine von der Gesellschaft doch recht kontrollierte Weise zum Ausdruck gebracht werden kann.

Das aber nur nebenbei und angesichts meines Eindrucks, dass sich den Spielern der Wille zum und der Einsatz für Erfolg nicht abstreiten lässt. Die Spieler haben es einfach nicht gekonnt. Jeder einzelne hat die Saison über versucht, sein vereinzeltes Können und seine persönliche Energie in die Spiele hineinzugeben. Das haben die meisten von uns auf den Rängen schnell begriffen. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, den Klassiker der Distanzierung von Fans zur Mannschaft hat es in dieser Saison nur aufflackernd kurz gegeben. Das ist für mich ein Zeichen dafür, dass die meisten auf den Rängen gespürt haben, um diesen Kampfeswillen geht es nicht in dieser Saison. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres, was nicht durch zusätzliche Anstrengung zu beheben ist.

Wir haben aber auch gesehen, es gibt keinen deutlichen Widerstand gegen den drohenden Abstieg. Es fehlte der gemeinsame unbedingte Wille etwas zu schaffen. Dieser Geist entsteht nur aus einem Zusammenwirken der Anstrengungen jedes einzelnen. Wir haben gesehen, die Anstrengung des einzelnen gibt es. Der Geist des Widerstands als mannschaftliches Auftreten entstand dennoch nicht. Auch deshalb war so ein Appell an den Kampfeswillen sinnlos.

Der MSV ist abgestiegen. Derart chancenlos war eine Mannschaft des MSV schon lange Jahre nicht mehr in einem Ligawettbewerb. Es wird schwer, eine Mannschaft der kommenden Saison von der Last dieses Abstiegs zu befreien. Das gilt selbst dann, wenn neue Spieler kommen und viele Spieler den Verein verlassen. Das ist die schmerzhafteste Folge all der Niederlagen dieser Saison.

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