Das zweifache Wachstum

Mit Sprache lässt sich die Wirklichkeit nur unzulänglich einfangen. Das fällt im Fußball manchmal deutlicher auf als in unserem Alltag, allerdings nur, wenn die Beteiligten des Spiels sich nicht hinter Floskeln verstecken, dann wenn sie genau sein wollen und Fragen ernst nehmen. Das ist nicht einfach in einem Unterhaltungsbetrieb, der immerfort neue Inhalte produzieren will. Das ist nicht einfach in einer Welt, in der das immerselbe auf immer neue Weise gesprochen werden soll. Dann kommt es zu überraschenden Sprechweisen, wenn die Wahrheit eines Geschehens öffentlich gesprochen wird.

Torsten Lieberknecht war auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FSV Zwickau mit der Frage konfrontiert, ob die Leistung der neu zusammen gestellten Mannschaft auch für ihn überraschend sei. Für uns Betrachter von außen heißt die Antwort uneingeschränkt ja. Die Frage hat nun eine Nebenwirkung. Sie führt direkt und tief ins Zentrum einer Leistungsbeurteilung und zwar jener der sportlichen Leitung. Gleichzeitig berührt sie das Erleben der Gegenwart und das eigene, sehr persönliche Verhältnis, wie ein Mensch zur Zukunft steht.

Die scheinbar einfache Frage erweist sich als schwierige Aufgabe für Torsten Lieberknecht, weil er sich mit der Antwort ja auch indirekt zur Qualität der eigenen und Ivo Grlics Arbeit äußert. Deshalb holt er weiter aus und fasst  zusammen – ab Minute 12.25 -, wie er die Vorbereitung erlebt hat. Er erläutert gute Anzeichen bei den Spielern für den Erfolg. Dennoch gab es angesichts des als nicht einfach bewerteten Auftaktprogramms „Fragezeichen“. Für diese Unsicherheit bei gleichzeitiger Zuversicht findet Torsten Lieberknecht die schöne Formulierung, man hätte ein Gefühl dafür gehabt, „dass da was wächst, was eben immer noch im Wachstum ist“. Sprache stößt hier an ihre Grenzen. Es geht um zwei verschiedene Perspektiven des Wachsens. Es geht um Zustand und um den Prozess mit ein- und demselben Wort, das ja eigentlich nur das Prozesshafte beschreibt. Torsten Lieberknecht sieht mittel- und langfristige Ziele, zugleich will er den Leistungsstand der Gegenwart ausdrücken.

Welch komfortabler Saisonanfang, der uns nicht nur Vorfreude auf das Spiel gegen Zwickau bringt sondern auch noch anhand der Sprache von Torsten Lieberkneckt zeigt, die Mannschaft wird sich weiter entwickeln. Die Spiele des MSV kann ich nun wieder sehr viel entspannter erleben. Gestern habe ich das letzte Foto gemacht für mein neues Buch  „111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss“. Ich habe dabei auf dem Weg zu den jeweiligen Orten viel fotografiert. Ein Foto dieser Sammlung möchte ich euch nicht vorenthalten. Wer über Dortmund schreibt, kommt an Orten zum BVB nicht vorbei. Das werden im Buch nicht die bekannten Stadien sein. Ich wollte es schon origineller machen.

Dennoch war ich auch an der Strobelallee, und eins war mir zuvor noch nie aufgefallen, es gibt am Stadion des BVB einen Container, bei dem man Gästefans abgeben kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sie in dem kleinen Dingen auch ein Bällebad haben oder welche Attraktionen sie sonst für aufbewahrte Gästefans anbieten. Die Mitarbeiter werden es jedenfalls nicht einfach haben. Ich hoffe, sie sind sozialpädagogisch geschult. Wir können doch davon ausgehen, so ein Gästefan will normalerweise das Spiel seiner Mannschaft sehen. Mit dem Menschlichen vertraut, weiß ich aber auch, irgendwas kann immer passieren, dass man Kumpel, Ehemann oder Freundin mal für ’ne Zeit loswerden will. Der BVB – einmal mehr Vorreiter in Sachen Zuschauerservice.

 

 

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