Die Kaffeefahrt nach Würzburg

So Kaffeefahrten beginnen ja oft in aller Herrgottsfrühe. Für wenig Geld weit weg fahren, da muss man früh starten. Die Bahn hatte mir vor etwa vier Wochen ein Lockvogelangebot gemacht. Nach Würzburg  hin und zurück für 35 Euro, super, der Supersparpreis. Für diesen Tag kooperierte die Bahn sogar mit dem MSV Duisburg. Die Zebras hatten in Würzburg einen Gastauftritt. Ich kam also nicht umhin, mir ein Fußballspiel anzusehen, und ich wusste um des Risikos, dass man bei Kaffeefahrten oft irgendwo am Rand der Stadt abgesetzt wird, wo man nicht wegkommt und einem dann irgendwas angeboten wird, was man eigentlich nicht sehen will.

Zu meiner großen Überraschung war das aber zunächst gar nicht der Fall. Der MSV machte in den ersten Minuten des Spiels gegen die Würzburger Kickers eine gute Figur, zumal die befürchteten Ausfälle sich auf die Langzeitverletzten und Joshua Bitter beschränkten. Die Wackelkandidaten Tim Albutat und Leroy-Jacques Mickels waren dabei. Diesen ersten Eindruck erinnere ich noch genau. Deshalb war ich zunächst überrascht, dass der Würzburger Spieler Robert Hermann im Interview nach dem Spiel von einer Möglichkeit zum Führungstreffer erzählte. Sollte denn der Auftakt zum großen Kaffeefahrts-Tore-Sonderangebot des MSV schon vor dem Torbeispiel von Moritz Stoppelkamp gewesen sein? Vincent Gembalies habe ich mit einem riesigen Fehler vor Augen. Dieser führte nur  zur Ecke und zum sofortigen zweiten riesigen Fehler von Gembalies, der von den Würzburgern nicht genutzt wurde. War das etwa vor dem Führungstreffer schon? Ich weiß es nicht mehr.

Meiner Erinnerung nach war die Anfangsphase ausgeglichen mit Einviertel- bis Halbchancen auf beiden Seiten. Dann kam es zu dem wunderbaren Konter des MSV nach Balleroberung an der Mittellinie. Leroy-Jacques Mickels setzte sich am linken Flügel durch, flankte und Moritz Stoppelkamp schob zum Führungstreffer ein. Im Nachhinein entpuppte sich dieser Treffer aber nur als besagtes Beispielangebot des MSV für die Würzburger Kickers.

Aus alt mach neu. Nicht in der Ecke.

Ich hatte ganz vergessen, dass ich ja auf einer Kaffeefahrt war, und anscheinend gehörten die Würzburger auch zum erhofften Kundenkreis der Zebras, die an diesem Tag Tore im Angebot hatten. Ich sah die Spieler der Mannschaft mit Mikro auf der Strafraumbühne. Offensichtlich wollten sie die Würzburger dazu animieren, bei ihren unschlagbar günstigen Angeboten zuzugreifen. Sie redeten auf die Würzburger geradezu ein: Seht doch, das ist ganz einfach, ihr braucht hier im Strafraum jetzt sofort nur rechts unten in das Tor zu schießen. Nimm den Ball und probier mal. Ist ganz einfach. Tatsächlich ließ sich ein Würzburger darauf ein. Doch der Schuss ging daneben.

Wir in der Gästekurve sahen das mit Erleichterung, weil wir nicht wussten, dass am Samstag zumindest in der ersten Halbzeit die Mannschaft ein anderes Ziel hatte, als Tore des Gegners zu verhindern. Weil der eine Schuss daneben ging, nahmen die Zebras weitere Bälle und kickten sie den Würzburgern zu. Wahrscheinlich haben sie noch weitere Kaffeefahrt-Verkäufersprüche dazu gesagt à la so eine Gelegenheit bekommst du nie wieder. Nutz die. Wenn du morgen zu Hause daran zurück denkst, wirst du dich ärgern, dass du nicht zugeschlagen hast.

Doch die Würzburger wollten nicht. Ich kann es mir nur so erklären. Bei den Würzburgern spielten einfach zu wenig Rentner in der Mannschaft. So ein Rentner wäre irgendwann weich geklopft gewesen, und er hätte, egal, was es auch kostet, das Angebot angenommen. Stattdessen ging jeder freie Schuss neben das Tor. Und was waren das für freie Schüsse. Nicht einmal ein zweites Beispieltor durch Lukas Daschner kurz vor dem Halbzeitpfiff konnte die Würzburger in ihrer ablehnenden Haltung umstimmen.

Anscheinend war den Zebras dann in der Halbzeitpause die Lust an der Kaffeefahrt vergangen. Irgendwie mussten sie sie aber zum Abschluss bringen. und so hielten sie das Spiel aufrecht. Auf besondere Probe-Angebote verzichteten sie in der zweiten Halbzeit. Die Würzburger dagegen wollten wahrscheinlich plötzlich doch noch ein Tor haben. Warum sonst bewegten sie sich immer wieder Richtung Duisburger Strafraum? Da es keine wirklich günstigen Angebote mehr gab, versuchten sie sich bei anderen Gelegenheiten. Doch verpasst, war verpasst. Unter Bedrängnis ist es natürlich schwerer zum Abschluss zu kommen.

Wir in der Kurve fühlten uns derweil wieder mit unserer Mannschaft einig im Ziel. Hinten Tore verhindern und vorne welche schießen. So kennen wir ein Fußballspiel. Kontinuierlich ging es dem Abpfiff entgegen. Wirklich bedroht habe ich den Sieg in der zweiten Halbzeit nicht erlebt. Trotz noch vorhandener Würzburger Chancen. Durch die Kaffefahrt-Atmosphäre der ersten Halbzeit wird der 2:0-Sieg in Würzburg entweder als glücklich oder effizient oder erarbeitet angesehen. Glücklich empfinde ich etwas unpassend. Dazu waren die Würzburger nicht überlegen genug. Das „glücklich“ behalte ich mir für das Pokalspiel morgen vor. Neben der Toreverkaufsveranstaltung habe ich übrigens auch in Würzburg noch einiges gesehen. Das Dienstleistungsangebot in der Stadt ist breit gefächert und hat an manchen Orten eine lange Geschichte. Tradition verpflichtet, wie ihr seht.

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