Archiv für November 2019

11 Aussagen über das Spiel des MSV gegen Viktoria Köln, die die Welt noch nicht gelesen hat

  1. Namenswitze gehen in einem Stadion immer. Denn Fußball ist auch eine Kasperlebühne der Unterhaltungsbranche.
  2. Wer Patzler heißt und Torwart wird, ist nach dem Karrierende gern gesehener Gast in Talk-Shows, um seine Fußballgeschichte zu erzählen. Das Portrait in 11Freunde ist gewiss.
  3. Eine Anekdote wird Sebastian Patzler dann immer erzählen. Er wird sich an das Auswärtsspiel der Viktoria in Duisburg erinnern, als er in der 85. Minute einen haltbar geschossenen Freistoß von Lukas Scepanik durch die Hände rutschen ließ. Dieser Fehler ging als „Patzlers Patzer“ in die Geschichte deutscher Sportberichterstattung ein. Kein Journalist ließ diese Steilvorlage zur schmunzelnden Nachbetrachtung unverwandelt.
  4. Danach erst wird er hinzufügen, bis dahin habe er mit zwei spektakulären Reaktionen das Unentschieden gerettet. Besonders ein Volleyschuss von Leroy-Jacques Mickels hätte schon das Führungstor der Zebras sein können.
  5. Erst die Leistung des MSV in der zweiten Halbzeit macht den 2:1-Sieg zu einem verdienten Erfolg.
  6. In der ersten Halbzeit waren die Zebras überfordert von der taktischen Variabilität beim intensiven Pressen der Viktoria. Nach und nach verloren die Zebras den Zugriff auf das Spiel. Das Passspiel wurde zusehends unpräziser angesichts von Unsicherheit bei zu vielen Spielern. Zudem standen sie in der Defensive oft zu weit vom Gegner bei deren schnellen Spielaktionen.
  7. Dabei wirkte Ahmet Engin auf der linken Seite in den ersten Spielminuten zunächst sehr druckvoll. Er konnte in den Strafraum ziehen, versuchte den Pass den Rückraum oder schloss ab.
  8. Die Führung der Viktoria war trotz der immer deutlicher werdenden Fahrigkeit der Zebras nicht eine zwangsläufige Folge. Beiden Mannschaften war es im Verlauf nicht – die Viktoria- oder nicht  mehr – die Zebras – gelungen das gegnerische Tor zu gefährden. Ein Zufall musste zu Hilfe kommen. Dieser Zufall war ein Befreiungsschlag, der im Mittelfeld genau bei einem frei stehenden Spieler der Viktoria landete. Nur deshalb konnte einer schneller Konter überhaupt entstehen.
  9. Der Ausgleich fiel dagegen, indem die Zebras trotz ihrer Unsicherheiten das Passspiel nicht aufgaben. Kurz vor der Halbzeitpause öffnete sich zentral die Lücke, der steile Pass auf Tim Albutat gelang. Er trieb den Ball weiter, so dass er den Defensivspieler der Kette auf sich zog. So war Vincent Vermeij frei. Albutat spielte ab. Vermeij nahm gut an und verwandelte sicher.
  10. In der zweiten Halbzeit wollte der MSV vom Anpfiff an das Spiel in der Hand haben. Die Zebras attackierten früher und spielten risikoreicher in die Spitze. Der Lohn war ein Dauerdruck, von dem es schien, die Viktoria werde dem nicht stand halten. Doch bis zur 85. Minute hatten die Gäste zum einen Glück. Zum anderen wurden zwei Konter des MSV nicht sauber genug, über alle möglichen Stationen ausgespielt. Die Spieler, die den Ball führten, verpassten den Passmoment und schlossen selbst ab.
  11. Und jetzt noch einmal alle: Der MSV siegte dank „Patzlers Patzer“ nach einem präzisen, aber nicht sehr scharfen Schuss von Lukas Scepanik.

Tabellenführung verteidigt

Das war ein guter Spieltag für den MSV bislang. Ohne selbst gespielt zu haben waren die Zebras erfolgreich. Es kann also auch wünschenswerte Folgen haben, ein Montagsspiel bestreiten zu müssen. Zugleich stehen wir heute Abend beim Spiel gegen Viktoria Köln vor derselben Sorge wie vor dem letzten Montagsspiel gegen Uerdingen. Es gibt eine Möglichkeit, die schon vorhandene gute Ausgangslage weiter zu verbessern. Und was macht der alte MSV gemeinhin mit solchen Gelegenheiten?

Vor dem letzten Montagsspiel hat es geholfen, die Tabelle einfach rumzudrehen, um das Spieltagsziel zu verwandeln. Aus der Möglichkeit Tabellenerster zu werden, wurde damit das Ziel, den Absturz des MSV auf den letzten Tabellenplatz zu verhindern. So konnten wir sorglos befürchten, was eigentlich gewollt war. Der MSV hat den Absturz natürlich nicht verhindert und ist durch einen Sieg gegen Uerdingen doch Letzter geworden. Wir haben uns dann  alle die Tabelle wieder richtig herum angesehen und gegrinst.

Ich überlege jetzt seit gestern Nachmittag nach dem für heute passenden Vorsatz für den MSV. So recht fällt mir nichts ein, was es uns erleichtern könnte, den Druck zu mindern heute Abend den Vorsprung auf Platz zwei zu vergrößern. Es muss ja irgendwie einem paradoxen Verpassen einer Chance entsprechen. Ich befürchte, wir müssen der Mannschaft heute komplett vertrauen. Nur gut, dass Yassin Dem Balla wieder spielbereit ist in dem Moment, da Max Jansen ausfällt.

Eine just-in-time-Heilung nehme ich als gutes Omen für heute auch. Mal ganz davon abgesehen, dass ich davon überzeugt bin, die mannschaftliche Geschlossenheit der Viktoria samt Underdog-Aufsteigerkampf und ewiger Mike- Wunderlich-Stärke reichen nicht, um im Spiel gegen die Zebras zu bestehen. Wenn kein Zufallstor des Gegners fällt, bin ich momentan für einen entspannten Heimsieg-Abend bereit. Selten lehne ich mich so weit aus dem Fenster bei meinen Wünschen für ein Spiel. Sollte also klappen heute Abend, wenn ich zu anderen Gelegenheiten mit nur vorsichtigem Optimismus zusammen mit dem MSV schon häufiger gescheitert bin.

In eigener Sache – Morgen in Dortmund Lesung von 111 Orte in Dortmund

Heute erscheint offiziell „111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss“. Für das Buch habe ich mich mit Dortmund abseits der üblichen touristischen Sichtweisen auf den Ruhrstadtstadtteil beschäftigt. Ich habe nach Orten gesucht, die mit ihrer Geschichte überraschen oder auf eine sehr eigene Weise sehenswert sind. Ich habe dabei Verstecktes gefunden und im Bekannten Besonderheiten. Ich habe Skurriles entdeckt und bin  immer wieder auf Orte gestoßen, die allein durch das Engagement von Dortmundern entstanden und lebendig bleiben. Das Buch ist mein persönlicher Blick auf Dortmund.

Morgen findet in Dortmund die Premierenlesung zu diesem Buch statt. Ab 19 Uhr lese ich im Taranta Babu, Humboldtstraße 44, und erzähle von den Erlebnissen während meiner Arbeit an dem Buch.

 

Dass ich hier im Zebrastreifenblog darüber schreibe, liegt nicht nur an meiner Arbeitsgemeinschaft für „Mehr als Fußball“ mit dem anderen Teil meines Ichs, Ralf Koss. In Dortmund bin ich bei meiner Fototour für das Buch nämlich auch einer Zebra-Spur in der schwarz-gelben Stadt begegnet. Es gibt also Inseln der Aufrechten im Osten der Ruhrstadt. Ihr seid herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei – nicht nur für Zebra-Fans in der Diaspora.

Am Samstag, den 30. gibt es eine weitere Gelegenheit zur Begegnung in der Buchhandlung Dreesen in Brackel. Ab 15.30 Uhr lese ich, allerdings kostet es dort Eintritt.

Die Ironie einer Geschichte über junge deutsche Fußballer

Gestern gab es in der Süddeutschen Zeitung eine kleine Geschichte über junge deutsche Fußballer zu lesen. Denn momentan spielen mehrere deutsche Junioren-Nationalspieler in niederländischen Vereinen. Sie erhalten dort Spielzeit, die ihnen deutsche Vereine verwehren. Letzeres bedauern DFB-Verantwortliche wie der Junioren-Cheftrainer des DFB, Meikel Schönwitz, oder  U21-Bundestrainer Stefan Kuntz. Das ist die eine einfach erzählte Geschichte, die in der Pointe mündet, selbst in den A-Jugend-Bundesliga würden die Vereine sich inzwischen zu wenig für deutsche Talente interessieren. Der Transfermarkt für ausländische Spieler blühe.

Dann aber soll ein Verein, den wir alle kennen, als letztes ausdrucksstarkes Beispiel herhalten, um diesen Trend in der A-Jugend zu untermauern. Selbst dieser Verein der 3. Liga habe einen Neuzugang vom FC Watford.

Welch Ironie dieser Geschichte, dass der MSV Duisburg als Beispiel für die These gelten soll, junge deutsche Spieler erhielten zu wenig Aufmerksamkeit bei den Vereinen. Wir brauchen nicht davon zu sprechen, dass Lukas Daschner, Vincent Gembalies und Migel-Max Schmeling in dieser Saison ihre Spiele für den MSV machen. Welchen sportlichen Weg sie bislang gegangen sind, müsste man dann wohl mal weitergeben. Es mag ja sein, dass es für junge deutsche Spieler andererorts schwer ist, Einsatzzeiten zu erhalten. Wenn man den MSV dieser Saison aber als Beispiel für einen vom DFB bedauerten Zustand beim Jugendfußball nimmt, offenbart sich einmal mehr, dass die Wirklichkeit hinter der einfachen Geschichte sehr viel komplexer ist.

Disziplinierte Publikumsleistung lässt KFC keine Chance

Schon die Choreo zum Anpfiff war ein Ausrufezeichen. In diesem Spiel gegen den KFC Uerdingen gingen die MSV-Anhänger von der ersten Minute an konzentriert zur Sache. Der Zebratwist schepperte, die Hymne wurde ausdrucksstark gesungen. Das verschaffte Respekt für die ersten Minuten des Spiels. Zwar wurde in der Gästekurve versucht, lautstark dagegen zu halten, doch das Stadion war in Duisburger Hand. Diese Publikumsleistung honorierten die Zebras auf dem Rasen durch intensives Spiel und unermüdlichen Offensivdrang, auch wenn die Uerdinger zunächst noch munter mitspielten und es nicht ausgemacht schien, wer sich einen Vorteil erspielen könnte.

Das Publikum zeigte sich davon unbeeindruckt. Eruptives Anfeuern und traditionelle Fangesänge standen in einem vielversprechenden Gleichgewicht. Begeistert kombinierte sich der MSV deshalb immer wieder Richtung Uerdinger Tor.  Schließlich setzte sich auf dem linken Flügel Moritz Stoppelkamp durch und flankte. Vincent Vermeij verlängerte per Kopf an den Strafraumrand, wo Lukas Daschner technisch höchst anspruchsvoll zum Führungstreffer einschoss.

Solider Torjubel brach sich auf den Rängen Bahn. Kein Überschwang folgte ihm. Diszipliniert hielt sich das Publikum an die Anfeuerungstaktik. Noch in den letzten Spielen wurde nach solch einer Führung die Spieltags-Defensive vernachlässigt und leichtfertig in Aufstiegstraum-Offensiven geschwelgt, was augenblicklich mit Enttäuschung bestraft wurde. Im Spiel gegen Uerdingen wurde nun  kontinuierlicher Fangesang kombiniert mit lautstarken variantenreichen Reaktionen, die vom Spiel auf dem Rasen beeinflusst waren. Das gefiel den Zebras auf dem Rasen. Nun hatten sie das Spiel in der Hand und wollten ein Tor nachlegen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit trat Leroy-Jacques Michels am linken Flügel an. Alles rechnete mit einer Flanke. Doch er zog in die Mitte und schoss traumhaft in den langen Winkel zum 2:0 ein. Dem begeisterten Jubel im Publikum war die Überraschung anzumerken. Der sofortige Halbzeitpfiff ließ offen, wie diese Führung den weiteren Verlauf des Anfeuerns beeinflussen würde.

Mit Anpfiff der zweiten Halbzeit war sofort deutlich, an diesem Tag bildete die Publikumsdisziplin die Grundlage für den möglichen Sieg. Der Gedanke an die Folgen eines Sieges der Zebras gegen Uerdingen blieb im Hintergrund. Immer noch stand konzentriertes Anfeuern und Fanggesang auf dem Plan. Die Fußballer auf dem Rasen zeigten sich zufrieden und vergaben große Chancen zur höheren Führung. Hin und wieder versuchten die Uerdinger auf dem Feld auch zu reagieren. Doch wirkliche Gelegenheiten zum Anschlusstreffer wurden nicht erspielt. Denn die Defensivleistung der Zebras beeindruckte. Max Jansen und Tim Albutat schienen überall zu sein. Die Defensivreihe dahinter ließ sich nicht überraschen. Etwa in der 80. Minute war ein leichtsinniges „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ von den Rängen zu vernehmen. Das war einerseits der Unerfahrenheit des zum Teil jungen Publikums geschuldet, andererseits brach sich bei den Älteren auch leichtsinnige Sehnsucht nach alten Erfolgen Bahn. Doch schnell waren diese Rufe wieder eingefangen. Bis zum Abpfiff wurde der Sieg durch keine Träumereien mehr gefährdet. Die Belohnung für diese Publikumsleistung erfolgte durch die Zebras nach dem Schlusspfiff, als sie in die Kurve kamen und klar war, jetzt durfte spielerisch und leicht der Momenteindruck, Spitzenreiter zu sein, gefeiert werden.

Tabelle verkehrt herum

Könnten wir uns heute den Tag über bitte alle mal gemeinsam anstrengen? Wir müssen unsere Gedanken konzentrieren und uns vorstellen, im Spiel der Zebras gegen Uerdingen heute Abend ginge es darum, den Absturz auf den letzten Tabellenplatz zu verhindern. Wir kennen doch die Gepflogenheiten in Duisburg. Wenn etwas in einem Spiel erreicht werden kann, geschieht das gerade nicht. Also, wenn der alte Kalauer mit der verkehrt herum aufgehängten Tabelle helfen kann, sollten wir es probieren.


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