Nach Anschlusstor Bewegtbild aus

Schon in früheren Drittligajahren vor dem nötigen Aufstieg habe ich mir zwei wichtige Spiele des MSV nicht mehr an einem Bildschirm ansehen können. Ich hatte die Spannung nicht mehr ausgehalten. Mein Blutdruck und mein Puls blieben dauerhaft in gesundsheitsgefährdenden Regionen. Das Spiel des MSV gegen 1860 München gestern war eine Wiederholung dieser Erfahrung. Es hat mir meine Grenzen für diese Saison aufgezeigt. Ich werde mir kein Spiel des MSV mehr am Bildschirm ansehen können, sobald die Mannschaft in Gefahr gerät, die Kontrolle über das Spiel zu verlieren.

Ich kann den Fußball meines Vereins nur noch im Stadion sehen. Dort verteilt sich die Last einer drohenden Niederlage auf uns alle. Dort sinkt mein Blutdruck nach bedrohlichen Szenen, weil ich Spannung und entstehenden Ärger in Bewegung, gemeinsames Schimpfen und andauernden Support verwandeln kann. Dort kehrt die Illusion stets zurück, ich könne Einfluss nehmen auf das Spiel durch meine schiere Anwesenheit.

Am Bildschirm fehlt mir diese Illusion, und ich sehe ohnmächtig zu, wie nach einer sicheren 2:0-Führung des MSV der Anschlusstreffer fällt. Ich kann auch nichts Sinnvolles über das Spiel selbst schreiben, zu oft wende ich den Blick vom Bildschirm ab, renne durch den Raum und höre nur noch Fetzen des Reporterkommentars.

Nach dem Anschlusstor dauerte das Spiel lang genug für Ausgleich und Schlimmeres. Hätte ich ein Spiel einer üblichen Saison gesehen, hätte mich so ein Anschlusstreffer vielleicht sogar nur so weit irritiert, dass ich weiter nur hin und wieder ausgestiegen wäre. Doch der Gegner war 1860 München, gegen die die Zebras auswärts nie gut aussehen. Natürlich war es zudem der MSV, bei dem selbst in den letzten fünf Minuten eine 2:0-Führung uns nicht beruhigt. Und es war dieser Neustart der 3. Liga, vor dem ohnehin keiner gewusst hatte, welche Auswirkungen es durch die Pause auf die Leistungsstärke der Mannschaften gab.

Das Anschlusstor war gefallen, und ich klappte den Laptop zu. Danach zweimal der Blick auf den Ticker, beim zweiten Mal die Nachricht vom Ausgleich. Schließlich noch einmal der Ticker. Der 3:2-Rückstand. Folgte noch mein Aufbäumen gegen die Niederlage in etwa der 89. Minute, in der ich den Ticker im Sekundentakt aktualisierte. Dann Aufgeben und das Endergebnis abwarten. Nach der Niederlage das dumpfe Gefühl, die Vorboten eines nahenden großen Schreckens gesehen zu haben.

Solange der MSV  nicht wieder einen sicheren Vorsprung an der Tabellenspitze hat, wird die Saison nicht nur bedrohlich für die Zukunft des Vereins. Jedes einzelne Spiel, in dem die Erfolgslosigkeit der Zebras möglich ist, wird auch bedrohlich für mich. Ich hoffe, diese Saison führt nicht dazu, dass ich mir nur noch die Ergebnisse nach einem Spieltag ansehen werde. Was das dann auch bedeutet, muss ich euch nicht sagen.

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