Die Chemnitz-Analyse durch das Schlüsselloch

Nur das Endergebnis des Spiels vom MSV gegen Chemnitz wollte ich mir anschauen. Das habe ich dann doch nicht geschafft. Es war in etwa so wie ganz früher als Kind am Heiligabend. Mit sicherem Abstand zum entscheidenenden Ereignis und beschleunigtem Puls lünkerte ich durchs Schlüsselloch. Zur Halbzeitpause sah ich zum ersten Mal den Tannenbaum geschmückt. Der MSV führt 1:0. Aber wo lagen die Geschenke? Ich musste schnell wieder von der Tür weg. Ich wartete und wartete.

Schließlich hielt ich es nicht mehr aus und lünkerte nochmal. Zu meiner Enttäuschung lag da was unverpackt unter dem Tannnenbaum, was offensichtlich für mich bestimmt war und das ich mir nie im Leben gewünscht hatte. Der Ausgleich ist gefallen. Also wartete ich freudlos auf die Bescherung. Dieser Heiligabend sollte endlich vorbei sein. Kein Blick mehr auf den Ticker, bevor das Spiel zu Ende ist. Allerdings komme ich an dem Schlüsselloch immer wieder auch vorbei. Vielleicht hatte ich mich ja geirrt, oder etwas war dazu gekommen? Dann geht meine Hand irgendwann doch wieder zum Smartphone. Noch immer Unentschieden. Glauben konnte ich es immer noch nicht. Ein letztes Mal nur einen Blick durchs Schlüsselloch, und da lag ein großer verpackter Karton. Der MSV führt 2:1. Noch drei-, viermal bange hinschauen. Der Karton blieb liegen. Die Führung hat Bestand. Die geöffnete Tür. Der Schlusspfiff. Jubel.

Jetzt frage ich mich, ob das Spiel gegen Kaiserslautern zumindest zu Beginn wieder was für meine Nerven ist. Durch die Leistung des MSV ist mein Vertrauen in die Mannschaft aber nur leicht gestärkt. Meine sehr reduzierte Form das Spiel wahrzunehmen, lässt überraschender Weise doch eine sehr klare und zu den bisherigen Ergebnisse stimmige Analyse zu. Der MSV versucht ein Spiel zu bestimmen und ist damit zunächst erfolgreich. Ein Führungstor fällt. Die Mannschaft schafft es aber nicht, stabil spielerisch überlegen zu bleiben. Darauf weisen der Zeitpunkt des Ausgleichs hin und das fehlende dritte Tor. Der Zeitpunkt des Führungstors zeigt aber auch, die Mannschaft glaubt an sich. Sie versuchte, die nötigen drei Punkte unbedingt zu erlangen.

Wenn wir den Blick auf die Heimbilanz aller Vereine der Corona-Zeit werfen, ist der 2:1-Sieg des MSV gegen Chemnitz sogar noch wertvoller. Der Heimvorteil scheint nicht mehr unbedingt vorhanden zu sein. Anscheinend erhält jedes einzelne Spiel zusätzliche eigene Besonderheiten, die auf den Verlauf Einfluss nehmen. Nach diesem Sieg habe ich sogar Spaß daran, den Blick zu den anderen Spielplätzen schweifen zu lassen. Die Kicher-Headline zum Spiel in Kaiserslautern hat mir dabei besonders gut gefallen. Kurz dachte ich: Wenig Zeit zwischen den Spielen aber Teambuilding. Eine rustikale Maßnahme bei den Temperaturen. Aber klar, Traditionsverein. Wir bringen Mittwoch noch das Bier dazu vorbei und nehmen dabei dann drei Punkte mit.

 

2 Antworten to “Die Chemnitz-Analyse durch das Schlüsselloch”


  1. 1 Siggi Kraft 9. Juni 2020 um 15:47

    Habe mir das MSV-Spiel im Stau angesehen. Der Ausgleich fiel im Funkloch. Der Führungstreffer, – der Stau war zu Ende
    . Staus können schön sein.

    Gefällt 1 Person


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