Dritte Liga 2020/21 – Welcome back, Zebras! Welcome back, Schanzer!

Mit der Relegation versucht die DFL nicht nur dem höherklassigen Verein mit einer letzten Chance die wirtschaftliche Kraft zu retten. Es ist auch der Versuch, dem Verlierer der Ausscheidungsspiele den maximal größten emotionalen Schaden zuzufügen. In dieser Saison ist beides auf vortreffliche Weise gelungen. Was für eine niederschmetternde Dramaturgie war in dieser Saison für den Drittplatzierten der Dritten Liga vorgesehen. Sehe ich nach Ingolstadt bin ich froh, letztes Wochenende schon mit der Saison abgeschlossen zu haben.

Manchmal ist der Fußball eben wie das richtige Leben. Menschen strengen sich an, geben ihr Bestes, um erfolgreich zu sein in den Maßstäben ihrer Gesellschaft. Sie kämpfen um ihre Existenz, arbeiten viel und erreichen trotzdem ihre Ziele nicht. Denn die Regeln in diesem Wettbewerb ergeben hier und dort Nachteile. Da kann man schwermütig oder wütend werden je nach Persönlichkeit, Alter und Geschlecht. Einige träumen gar vom Ausstieg aus dem System.

Dank des Ingolstädter Erfolgs am letzten Spieltag bekamen wir in Duisburg gar keine Gelegenheit zu entsprechenden Gefühlen. Meine Aufregung hielt sich deshalb zum Ende hin in Grenzen. Dieser Dreischritt der Punktverluste gegen Uerdingen, Köln und München war bitter, aber für mich auch immer abstrakter. Denn der Fußball in Bewegtbildern war meiner Gesundheit abträglich. Ich konnte mir das so gut wie nie ansehen.

So zuckten einerseits Ärger und Enttäuschung nach Niederlagen und den Unentschieden kurz in bekannter Weise, andererseits wurde dieser Fußball ohne Stadion immer mehr zu einem unwirklichen Geschehen für mich. Die Spiele gewannen ihre Bedeutung alleine aus meinem Wissen, der Aufstieg schafft beruhigendere wirtschaftliche Verhältnisse beim MSV. Was mir wiederum erst die Gelegenheit gibt, irgendwann mit Freunden wie gewohnt ins Stadion zu gehen. Kuriose widersprüchliche Erfahrungen brachte dieser Fußball in der Coronazeit für mich.

Zwischendurch ging mir in den letzten Tagen allerdings auch durch den Kopf, ob die Mannschaft mit einer anderen Ansprache hätte stabiler ihre guten Leistungen zeigen können. Ich weiß natürlich nicht, wie über Niederlagen und schlechte Spiele gesprochen wurde. Aber mir fiel auf, wie Torsten Lieberknecht auf den Pressekonferenzen Anspruch und Wirklichkeit sprachlich zu fassen suchte. Zum einen geriet ihm beim Versuch, die Mannschaft zu schützen, immer mal wieder aus dem Blick, dass das Saisonziel oben mitspielen hieß. Vor Beginn der Saison wurde nicht darüber nachgedacht, diese Mannschaft könne in der unteren Tabellenhälfte landen. Was hatte man der Mannschaft zugetraut?

Mir geht es nur um den sprachlichen Umgang mit den Rückschlägen, ohne das Ziel Aufstieg aus den Augen zu verlieren. Dieser Aufstieg war laut Torsten Lieberknecht fast immer ein „Traum“, für den die Mannschaft alles tat. Für mich klang das dann nicht nach einem realistisch erreichbaren Ziel, dem konkrete Schritten vorangehen. Für mich klang das immer eine Nummer zu groß, zu ehrfurchtsvoll, zu unwirklich angesichts der konkreten Erfahrung der Manschaft, angesichts von Siegen nach deren gutem Fußballspiel. Wirkt so etwas atmosphärisch im komplexen Fußballgeschehen? Natürlich steht bei der Fehleranalyse der Fußball selbst an erster Stelle. Hoffen wir, dass die gelingt. Denn selbstverständlich heißt es sofort nach Saisonende, wir greifen wieder an. Wie soll es aber auch anders heißen? Über den verringerten Etat denke ich dann später nach.

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