Klasse halten, MSV, nur durch Glück oder vielleicht auch Glück und allenfalls noch durch viel mehr Glück

Der MSV schlittert auf einem Steilhang in den Höhenlagen eines 2000ers den Berg runter. Er trägt Sandalen, kurze Hose und leichtes T-Shirt. Der Himmel ist zugezogen. Die Temperaturen sind unter zehn Grad. Manchmal versucht er sich aufzurichten, doch Böen wehen ihn dann um. Wie er verdammt noch mal in diese Lage geraten ist, weiß er nicht. Im Tal hatten doch nur ein paar Wolken die Sonne hin und wieder verdeckt. Das Handy hat schon lange keinen Empfang mehr. Verzweifelt versucht er den Weg zurückkommen auf den Pfad in sichere Gefilde. Halb gebückt rutscht er dennoch auf dem Geröll aus. Es geht ein Schritt vor und vier zurück. Der Abgrund ist so deutlich sichtbar. Mit jedem Ausrutschen kommt er näher.

Ich hatte nichts mehr über ein Spiel schreiben wollen. Heute muss ich es mir mit Worten besser gehen lassen. Heute brauche ich Ablenkung von meinem Entsetzen über das Spiel des MSV gegen Magdeburg. Ich konnte mir das Spiel nicht wirklich ansehen. Immer wieder habe ich nur vereinzelt Blicke geworfen. Zu sehr hat mich das Spiel aufgeregt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals diesen so oft gehörten Fan-Gedanken gehabt habe, die sind so schlecht, da könnten wir noch aushelfen. Gestern war es so weit. Ich habe tatsächlich bei manchen Szenen gedacht, es würde keinen Unterschied machen, ob ich den Ball am Fuß habe oder einer der bezahlten Profis. Ich könnte genauso sinnlos zwanzig Meter nach vorne rennen in die dort stehenden Gegenspieler hinein. Ich könnt genauso hilflos stochernd versuchen den Ball zu behaupten, wenn gleich drei Magdeburger mich attackieren. Ich konnte mir das Spiel nach der Magdeburger Führung nicht weiter ansehen.

Der Vierzeiler zum Spiel gegen Meppen über die Aussichten der Mannschaft angesichts der miserablen Konterfähigkeiten hat sich bewahrheitet. Wenn die grundlegende Taktik durch mangelnde Fähigkeiten zum Torabschluss beim Konter scheitert, bleibt nur das Glück, um ein Spiel zu gewinnen. Gerät die Mannschaft gar in Rückstand, wird die komplette Hilflosigkeit der Spieler deutlich. Dann steht keine Mannschaft auf dem Rasen, dann stehen Einzelspieler auf dem Rasen, die verzweifelt versuchen Mannschaftsteile herzustellen. Ich wage gar nicht von einer Mannschaft mit elf Mann zu sprechen.

Was für ein Schrecken ist diese Saison. Der Abstieg wäre schon ein Desaster. Wie dieser Abstieg zustande käme, wäre eine Katastrophe. Gemeinsam hieß es zu Beginn der Saison. Im sportlichen Bereich ist davon nichts zu sehen. Nichts! Es gibt keinen gemeinsamen Geist. Gibt es Versuche, ihn zumindest herbei zu reden? Wenn ich im MSVPortal über Gino Lettieris Umgang mit der Mannschaft in den letzten Minuten lese, weiß ich, diese Gemeinsamkeit wird nur durch Erfolge entstehen. Er selbst trägt dazu nichts bei. Überraschend ist das für die meisten Anhänger dieses MSV nicht. Denn es war kein Geheimnis, Misserfolg verarbeitet die sportliche Leitung gerne durch Distanzierung. Wie sollen Spieler mit dieser zusätzlichen Last der Distanzierung ihre gesamte Kraft für das Spiel aufbringen können? Einen Teil werden sie für sich selber brauchen. Sicher, es gibt sie, die Spieler, die den Widerstand für Höchstleistung nutzen, Spieler, die es ihrem Trainer dann zeigen wollen, wenn sie gereizt sind. Beim MSV sehe ich solche Spieler nicht im Kader. Da sehe ich Spieler, die eher stur und resigniert werden oder solche, die in Vereinen mit erklärender Ausbildungskultur ihre Jugend verbrachten.

Wie dieser MSV den Abstieg verhindern will? Aus eigener Kraft wird das nicht klappen. Die Mannschaft braucht Glück. Im Spiel gegen Meppen hatte sie das, gegen Magdeburg nicht. Die Mannschaft braucht also mehr Glück und davon am besten sicherheitshalber noch mehr.

Sollte diese Mannschaft nicht absteigen, gebührt aller Dank dem Schicksal. Trainer und Sportdirektor haben damit eher wenig zu tun.

2 Responses to “Klasse halten, MSV, nur durch Glück oder vielleicht auch Glück und allenfalls noch durch viel mehr Glück”


  1. 1 Frank Hildebrandt-Waslowski 21. Januar 2021 um 12:46

    Das war wieder auf den Punkt gebracht, lieber Kees. Das Bild vom Bergwanderer in Sandalen, kurzen Hosen und T-Shirt bei Minustemperaturen am Steilhang ist sensationell. Das Schlimme daran ist, da ist ein Trottel in die Bredoullie gekommen der es einfach besser wußte, warum eine teure Bergausrüstung oder eine erfahrenen Bergführer, braucht er nicht. So ähnlich „rutschen“ die spielenden Protagonisten der Zebras dem Ligaabhang entgegen. Nur wir haben ja eigentlich eine „Ausrüstung“ und einen oder mehrere „Spiel- und Organisationsführer“ auf administrativer Ebene. Aber leider ist es jetzt, nimmt man die Rückrunde der Vorsaison dazu, seit einer Spielzeit kein Gemeinsam mehr, das die mangelnden Fähigkeit beim Bergwandern, die mangelhafte Ausrüstung und die limitierten Leitungsfunktionen ausgleichen kann. Das Endergebnis kann nur der Fall über die Klippe sein und so ein Sturz geht selten gut aus….
    Bleibt gesund!!

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  2. 2 Kees Jaratz 21. Januar 2021 um 15:33

    Und natürlich sind wir uns dennoch einig, dass wir nicht recht behalten wollen. Dass wir all das erhoffte Glück gehabt haben.

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