Der Dotchev der Woche – Spezial – Heute zu Gast Serdar Dayat

Trotz ganz unterschiedlicher Lebensbedingungen ist der Blick der Menschen auf die Wirklichkeit oft ganz ähnlich. Wir neigen nun mal dazu, das Leben selbst als grundsätzliches Problem anzusehen. Da kann dem einen schon mal der 2:0-Vorsprung fast so vorkommen wie ein 0:2-Rückstand. Weil auf der Pressekonferenz nach dem Spiel des MSV gegen Türkgücü München erinnert wurde, dürfen wir mit dem Trainer von Türkgücü München Serdar Dayat einen Gast beim „Dotchev der Woche“ begrüßen.

Um die Lage für seine Mannschaft nach der ersten Halbzeit zu beschreiben, griff er auf eine weit bekannte Fußballweisheit zurück und passte sie an die Wirklichkeit des Tages an.

2:0 ist immer gefährlich, auch für die zweite Halbzeit.

Serdar Dayat, Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg des MSV gegen Türkgücü München, 20. März 2021

Pavel Dotchev offenbarte wenig später, dass er nach dem 2:0 gedacht habe, es werde „verdammt schwer“ für den MSV. So sahen die Trainer scheinbar gleiche Ausgangsbedingungen für die zweite Halbzeit des Spiels. Ob Gefahr oder große Bürde, beides macht das Leben nicht gerade einfach.

Doch wie im richtigen Leben offenbart der Blick des Benachteiligten die wahren Machtverhältnisse. Pavel Dotchev sprach aus, wie er die soziale Lage des Spiels sah:

Solche Bedingungen für die, ist ja sogar Riesenvorteil.

Pavel Dotchev, Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg des MSV gegen Türkgücü München, 20. März 2021

Es blieb Niko Schmitz, einem Journalisten des Münchner Merkur, vorbehalten, Serdar Dayat mit der Sozialkritik an diesem Spiel zu konfrontieren. Er versuchte die Wirklichkeit zu benennen hinter Serdars Nebelkerze der vermeintlich ähnlichen Ausgangslage beider Mannschaften ab Minute 45 und verband sie zudem mit der Machtfrage. Er wollte wissen, wie sich Serdar Dayat erklärte, „dass das Spiel wieder in der zweiten Halbzeit aus der Hand gegeben wurde?“ Serdar Dayats Antwort besitzt ebenfalls eine lange Tradition im richtigen Leben. Einst war Erfolg das Zeichen für Gottes Wille. Heute bemühen wir Magisches Denken und das Schicksal.

Erste Halbzeit wollte der Ball uns, war auf unserer Seite, zweite Halbzeit war er auf deren Seite. Deswegen haben wir 3:2 verloren.

Serdar Dayat, Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg des MSV gegen Türkgücü München, 20. März 2021

Bleiben wir also bei seiner Weltdeutung und freuen uns, dass die Zebras so attraktiv wurden für den Ball. Lassen wir ihm zudem den Glauben an die Treue des Balls in Halbzeit eins und verraten ihm nicht, dass der schon in der ersten Halbzeit immer mal wieder mit den Zebras geliebäugelt hat.

Lasst uns Spaß haben am Sieg und Spielereien mit Pressekonferenzen. Denn irgendwie muss ich mir immer wieder die Anflüge von Melancholie vertreiben, die mich beim Denken an das Siegestor in der 88. Minute anwehen. Ich bekomme einfach die Leere des Stadions nicht aus dem Kopf und die Erinnerung an diese explosiven Aufschreie von Tausenden, wenn der MSV so kurz vor Ende ein Spiel gedreht hatte. Mit dem Spaß füttere ich meine Hoffnung auf andere Zeiten.

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