Leider langen Kampf und Leidenschaft nicht immer

Neu trifft auf neu. Denn der MSV probiert gerade ein neues Format aus, einen neu verpflichteten Spieler seinen Anhängern vorzustellen. Da begleiten zwei MSV-Fans den ersten Termin zur Öffentlichkeitsarbeit, da erhält der Clip eine beschwingte Hintergrundmelodie und das obligatorische Interview wird mit allerlei Szenen aus diesem Tag gegengeschnitten. Journalistisches Format und PR nähern sich schon seit langem an.

Wenn man weiß, wo eine Botschaft herkommt, ist das kein Problem. Zumal MSV-Pressemann Martin Haltermann interessante Fragen stellt, die jeden Anhänger eines Vereins beschäftigen und die über die üblichen harmlosen Anstöße zu Willkommensgrüßen hinausgehen. Dass die Antworten in diesem Format dann doch bekannte Standardformeln des Fußballgeschäfts sind, gehört eben zu solchem. So bleibt die Ausstrahlung von Marvin Bakalorz als erster zusätzlicher Eindruck. Ich nehme ihm also erst einmal ab, dass er das „alles geben“ auf dem Rasen mit entsprechendem Spielverhalten ausfüllt.

Ich weiß, so Momente des Anfangs sind eigentlich immer Idyllen. Jede neue Liebe wird getragen vom Gefühl des ewigen Glücks. Man kommt doch nicht vom Nebentisch daher und schmeißt dem turtelnden Pärchen den Ausblick auf die möglichen Katastrophen vor die Füße. Wartet mal ab, ihr werdet euch noch wundern. Wir reden nochmal, wenn ihr erstmal klar gekommen seid, dass einer von euch immer früher als der andere den Dreck auf dem Boden sieht.

Aber Nickis und „Ruhris“ Versprechen, in Duisburg sei man im Niederlagenfall nachsichtig, wenn Kampf und Leidenschaft erkennbar waren, das berührt doch meine Erinnerungen an viele Spiele, in denen mich dieser ewige Hilferuf des Publikums „wir wollen euch kämpfen sehen“ genauso erschöpfte wie die verlierende Mannschaft auf dem Rasen. Den beiden nehme ich natürlich ab, dass sie Kampf und Leidenschaft auch bei Niederlagen honorieren. Außerdem gibt es ja solche Niederlagen, nach denen die Mannschaft Applaus vom ganzen Publikum erhält.

Ich habe aber genauso viele Spiele in diesem Stadion des MSV gesehen, bei denen verzweifelt kämpfende Einzelspieler zusammen nur eine blutleer wirkende Mannschaft ergaben. Der Gegner war in solchen Spielen in allen Belangen überlegen. Da reichten Kampf und Leidenschaft nicht, um die Zuschauer zufrieden zu stellen. Da wurde laut gepfiffen.

Mit dem Kampf und mit der Leidenschaft ist es wie mit der Liebe. Beides braucht eine Struktur, die von den Beteiligten gelebt wird und in gewisser Weise gelernt wird. Im Fußball ist das letztlich alles. Über alles zu sprechen ist am Anfang wahrscheinlich etwas viel verlangt. Romantisch ist das auch nicht. Vielleicht habe ich gerade nur ein Problem mit diesem romantischen Blick auf den Fußball. Vielleicht wirkt die Saison noch nach. Vielleicht vergeht das, wenn ich den Clip noch einmal schau.

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