Die gefühlte Liga weckt den Neid

Wir haben es zur Zeit schon schwer genug mit dem MSV. Und dann noch so was wie der DFB-Pokal letzte Woche. Ich versuchte die Nachrichten zu ignorieren, aber am Donnerstagnachmittag zog mir eine Welle Neid doch noch den Boden unter meinen MSV-Füßen weg. Ich dachte tatsächlich an das DFB-Pokalviertelfinale 2011 gegen den 1. FC Kaiserslautern, wie fantastisch jene Pokalsaison war und wie groß in diesem Jahr die Chance für einen Zweitligisten ist, das Finale zu erreichen. Wenn das mal nicht ein Grund für Neid ist, wo ich tief in meinem Herzen Anhänger mindestens eines Zweitligisten bin. Wenn ich noch tiefer schaue, fühle ich mich sogar so, als ginge ich zum Bundesligisten ins Wedaustadion. Das ist mal ein Altes-Weißes-Männer-Problem, über das dringend auch gesprochen werden muss.

Akzeptiere die Wirklichkeit! Wir sind im dritten Jahr ein Drittligist, der sich nicht einmal für den DFB-Pokal qualifiziert hatte und im zweiten Jahr gegen den Abstieg kämpft. Immer wieder hinke ich für kurze Momente dieser Wirklichkeit hinterher. Mit dem MSV geht es mir wie vielen von uns mit dem Alter. Die meisten Menschen fühlen sich ja ab den mittleren Jahren oft jünger als sie sind. Ich fühle mich mit dem MSV oft höherklassiger, als der Verein ist.

Meine gefühlte Wirklichkeit des Alters dagegen hat sich übrigens ins Gegenteil verkehrt. Ich fühle mich zehn Jahre älter. Die Folgen meiner Covid-Erkrankung vom November halten an. Ich stimme in den Chor aller ein, die sagen, ich will nicht wissen, was das Virus ohne Impfung mit mir gemacht hätte. Lasst euch impfen. Ihr wisst nicht, wie wohl sich das Virus in eurem sehr individuellen Körper fühlen wird.

So schnell müde wie jetzt wurde ich nicht einmal im Stadion in jenen Jahren. in denen die Spielkontrolle mit Abstand das erste Ziel eines Spiels gewesen ist. Der Sieg war die gedachte Folge. Erst beim xundnöffzigsten Pass um den Strafraum drohte mir der Sekundenschlaf, weil ohnehin vorsichtshalber in die Defensive zurückgespielt wurde. Was waren das für schöne Zeiten, als ich diese Müdigkeit dem höheren Ziel des Aufstiegs wegen aushielt. Wir mussten aufsteigen, egal wie, so dachte ich. Wegen des Geldes in der 2. Liga, das wir so sehr brauchten.

Was mich daran erinnert, nicht jeder im Stadion war damals so vertrauensvoll in Ilia Gruevs Plan wie ich und legte sich kurz schlafen. Stattdessen hörte ich beim Wegdösen Zuschauer murren. Einmal wurde die Mannschaft sogar ausgepfiffen zur Halbzeitpause. Sie befand sich auf einem Aufstiegsplatz. Das Leben mit dem MSV ist in den letzten Jahren selbst in Zeiten des Erfolgs ganz schön anstrengend gewesen. Gleich kommt der Tabellenführer und will geschlagen werden. Irgendwie muss diese 3. Liga ja gehalten werden. Eine zu bedächtige Spielweise wird dabei nicht so das Problem sein.


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