Die Fußballfibel MSV Duisburg ist erschienen

Diese Exemplare für mich. Den Rest der Auflage ab heute für euch im Buchhandel. Die Fußballfibel MSV Duisburg ist nun erhältlich. Ich freue mich sehr über das Buch, in dem ich meine Geschichte als Fan seit der Kindheit erzähle.

Ich wollte mich aber nicht auf persönliche Erfahrungen beschränken, sondern mit meinem Erleben zugleich die Geschichte des MSV seit den 60ern sowie in Ausschnitten die des Ruhrgebiets bzw. Duisburgs miterzählen.


Das Buch ist als literarisch ambitionierte Erzählung angelegt, bei denen Erlebnisse aus meiner Fan-Biografie die Grundlage ausmachen. Meine Messlatte war dabei natürlich die Urgeschichte dieses Schreibens, Fever Pitch von Nick Hornby. So habe ich meine Erfahrungen mit und im Fußball immer wieder ins Allgemein-Menschliche gedeutet. Komik sollte nicht fehlen und natürlich auch all die Emotionen, die die Spiele in Anhängern eines Vereins hervorrufen.

Die folgende Leseprobe gibt euch einen Vorgeschmack:

Vor dem Spiel gegen den TSV Havelse gab es für Hatte und mich keine Zweifel. Wir fuhren mit dem Fahrrad. Wir wollten volle Stadionbusse nach dem Spiel vermeiden. Mit seinem Spitznamen folgte Hatte übrigens keineswegs den Spuren des MSV-Verteidigers der 1960er Jahre Hartmut Hatte Heidemann. Der Schweizer Kabarettist Emil mit eigener TV-Sendung sprach in einer seiner Nummern vom imaginären Hardy, ein Name, der von jungen Ruhrgebietsmündern pottgerecht ohne „r“ schnell zum Hatte verschliffen wurde. In unseren ersten gemeinsamen Jahren im Stadion war nicht immer so eindeutig vorherbestimmt, wie wir anreisten. Zumal wir uns mit unseren Klassenkameraden abstimmen mussten.
„Stadionbus oder Straßenbahn?“
„Lass uns früh fahren, und wir steigen in‘er Stadt aus. Von da zum Stadion laufen.“
„Dann Straßenbahn.“
„Elf?“
„Nicht früher?“
Schließlich passte elf Uhr. Ich wohnte 1974 weiter in Beeck, fuhr also als erster mit der Eins los. Umsteigen in den Bus in Laar. Dort kam Hatte dazu. Holger in Berg. Am Meidericher Bahnhof warteten Roland, Heili und Jockel. Manchmal kam André dazu. Wir gingen zusammen in eine Klasse am Max-Planck-Gymnasium und schon lange gemeinsam alle vierzehn Tage ins Stadion. Wir trugen Trikots und brachten die von den Müttern selbst genähten Fahnen mit. Im Winter nur wickelten wir die mindestens zwei Meter langen blauweißen Schals um den Hals, auch die von den Müttern oder deren Freundinnen selbst gestrickt.
Roland schleppte von uns allen die größte Fahne. Schon das Hochhalten beim Laufen strengte ihn so an, dass er sie nach kurzer Zeit wieder auf die Schulter legen musste. Beim Schwenken setzte er seinen ganzen Oberkörper ein. Sie besaß einen Stock, den man für den besseren Transport auseinanderschrauben konnte. Er muss um die drei bis vier Meter lang gewesen sein. Man muss bedenken, wir selbst waren in dem Alter vielleicht gerade mal um die 1,70 groß.
Natürlich fertigten solche Schraubkonstruktionen die Väter an ihrem Arbeitsplatz in einem der Werke an. Auch das gehörte zum Ruhrgebiet der 1970er Jahre. Metallarbeiten erledigte man selbst. Im Zweifel kannte man jemanden, der einem einen Gefallen tat. In den Schränken der Region sammelten sich die selbst gedrehten Vasen, manche sogar auf kurze Ständer geschweißt. Selbst Gebasteltes war im Ruhrgebiet jahrelang auch eine Sache der Männer.
An dem Tag spielte der MSV gegen die Bayern. Deshalb fuhren wir so früh. Es war ein besonderes Spiel. Die Bayern waren Meister gewesen. Wir wussten dennoch, bei uns in Duisburg wird es schwer für die. Wir stiegen am König-Heinrich-Platz aus, rollten unsere Fahnen aus und zogen durch die Innenstadt. Die U-Bahn gab es noch nicht. Die Königstraße war auch keine Fußgängerzone, so dass erst auf dem Sonnenwall, schon ohne Autoverkehr, unsere Gesänge nicht im Straßenlärm untergingen. Heja MSV, heja MSV, heja, heja, heja MSV, das wurde noch außerhalb des Stadions gesungen, ein bald verhallender Nachklang der Fußball-WM 1958.
Wir scheuten auch keine großen Ziele für uns und den Verein.
Wen wollt ihr fressen?
Rot-Weiss Essen!
Wen wollt ihr verschmausen?
Rot-Weiß Oberhausen!
Wenn wollt ihr lynchen?
Bayern München!
Und dann, und dann, und dann?
Kommt Ajax Amsterdam!
Dem Wechselruf folgte der Gesang. Ajax ist zum Putzen da, der Fernsehwerbung für das Putzmittel gleichen Namens eins zu eins entnommen. In den 1970er Jahren fiel es einem Anhänger des MSV leichter, solche Zeilen ironiefrei zu singen. Da hatten wir noch Träume. Und die Bäume wuchsen in den Himmel der Champions League jener Jahre, dem Europapokal der Landesmeister, selbst wenn die Tabellensituation das im WM-Jahr 1974 nicht hergab. Der MSV befand sich im Mittelfeld oder tiefer. Aber als Anhänger eines Vereins, der die Bayern zu Hause auch in deren Meisterschaftsspielzeiten regelmäßig besiegte, durften wir behaupten, Europas damalige Vorzeigemannschaft, Ajax Amsterdam, genauso aus dem Stadion zu jagen. Wir bekamen nur nicht die Chance, das auch zu beweisen.
Die meisten jungen Anhänger von Fußballvereinen neigen heute nicht mehr zu solchen Träumereien. Dazu sind die Erfolge und Niederlagen im Fußball zu erwartbar geworden. Viel zu klar sind die Möglichkeiten des eigenen Vereins auf mittlere Frist inzwischen umrissen. Gleich geblieben ist im Ruhrgebiet aber die tradierte Abneigung gegen den Verein in der Mitte der Stadtlandschaft. Wir sangen auf die Melodie von ‚Hier ist ein Mensch‘, einem 1970 zum Hit gewordenen Schlager von Deutschlands Lieblings-Österreicher Peter Alexander ‚Er ist kein Mensch, er ist kein Tier, er ist ein Fan von S04‘. Die Aussage wirkt zeitlos, wenn man sich bei Anhängern des MSV und bei denen von Rot-Weiss Essen, dem VfL Bochum, Rot- Weiß Oberhausen oder dem BVB umhört.

Am Freitag mache ich in Ruhrort im Plus am Neumarkt ab 19.02 Uhr die Premierenlesung. Hier die Angaben dazu.

Und die bibliogafischen Angaben gibt es inzwischen auch, allerdings hat es irgendwo einen Fehler gegeben und irgendjemand hat für die Onlineverzeichnisse aus dem Doppel-s ein Doppel-o gemacht, so dass das Buch bei Online-Händlern momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

10 Antworten to “Die Fußballfibel MSV Duisburg ist erschienen”


  1. 1 jovan 2. März 2022 um 15:19

    am freitag wird das buch nicht vor ort verkauft?

    Gefällt 1 Person

  2. 2 Kees Jaratz 2. März 2022 um 15:27

    Doch. Ich werde welche dabei haben. Seit vorgestern sind sie im Haus 🙂

    Gefällt mir

  3. 3 Frank Hildebrandt-Waslowski 3. März 2022 um 11:16

    Klasse das es erschienen ist. Hatte schon die Lesung eingeplant. Leider musste ich die Karten wieder zurückgeben, arbeitstechnische Veränderungen verhindern die Fahrt von Mainz nach Duisburg. Ich wünsche Dir aber viel Erfolg bei den Lesungen und dem Buchverkauf. Viele Grüsse Frank

    Gefällt 1 Person


  1. 1 Briefe aus Westende – Von Jubelsprints und einer Premiere als Feier | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 8. März 2022 um 10:21
  2. 2 Briefe aus Westende – Koos heißt es bestimmt nicht, aber auch nicht Amunike? | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 24. März 2022 um 10:11
  3. 3 Auswärtsfahrt 1977 Duisburg – Udenbreth – Frankfurt | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 28. März 2022 um 09:19
  4. 4 Wo der MSV mir weiter große Freude macht | Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus Trackback zu 29. April 2022 um 09:07

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