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Ein Fußballerleben ohne Erwähnung nach dem Tod – „Burger“ Hetzel

Gibt es in der Genforschung eigentlich kein besonderes Interesse an einem Sammler-Gen? Ich erinnere mich an kein einziges öffentliches „Ich-habs-Gejubel“.  Sollte da noch Forschungsbedarf sein, die männliche Linie meiner Familie zeigt über Generationen phänotypisch einen ausgeprägten Sammeltrieb. Was das Ausräumen von Wohnungen zu einer aufwendigen aber immer interessanten und oft überraschenden Angelegenheit macht. Neulich konnte ich ja schon ein Fundstück aus dem – soll ich sagen? – Archiv meines Vaters präsentieren. Er hatte MSV-Deko-Kissen aus meiner Jugend aufbewahrt.

Gestern habe ich mir zwei Kisten Papiere vorgenommen, unzählige Zeitungsseiten und Illustrierten katapultierten mich in die 1960er und 1970er Jahre mit dem Ergebnis, das ich auf der Seite mit den Todesanzeigen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 22. April 1972 hängen blieb. Ob mein Großvater oder mein Vater diese Seite herausgerissen haben, weiß ich nicht. Mir bekannte Familiennamen gab es nicht auf der Seite außer einem, dem von Karl „Burger“ Hetzel. Nun frage ich mich, ob diese Todesanzeige der Grund dafür war, dass die Zeitungsseite aufbewahrt wurde.

Todesanzeige Karl "Burger" Hetzel

Die Anzeige der Familie verrät nichts von der großen Bedeutung, die der Fußball im Leben von Karl-Bubi Hetzel hatte, der Stürmer, der später „Burger“ gerufen wurde und Anfang der 1950er Jahre für die Zuschauer beim Meidericher SV einer der bedeutendsten Spieler war. Wer damals ins Stadion an der Westender Straße ging und sich heute an die Zebras dieser Generation erinnert, dem fällt der Name „Burger“ Hetzel als erstes ein. 

Die Anzeige verrät uns deshalb auch etwas über den Stellenwert von Fußball in der Generation von „Burger“ Hetzel. Dieser Fußball war keine Rede wert, weil er Teil des Alltags vor Ort war. Wenn davon zu sprechen gewesen ist, war das die Aufgabe des Vereins. Es kann sehr wohl sein, dass auch der MSV Duisburg eine Todesanzeige aufgegeben hatte, schließlich war „Burger“ Hetzel Wirt des Vereinslokals gewesen. Vielleicht weiß jemand, der mitliest, mehr.

Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass auf der Rückseite der Todesanzeigen sich ein Bericht findet, in dem über Veränderungen an der Westender Straße die Rede ist. Der MSV Duisburg kaufte damals das Clubhaus des Meidericher TTC 47, um seine Geschäftsstelle dort einzurichten. Der Tischtennisclub, damals in der Tischtennisbundesliga spielend, zog um in Räume des Max-Planck-Gymnasiums. Es hieß, das Geld könne der Tischtennisverein angesichts der hohen Reisekosten gut gebrauchen. Der MSV Duisburg konnte den Kauf nur dank öffentlicher Mittel und Zuschüsse ermöglichen. Die Stadt war bei der Abwicklung des Geschäfts mit im Boot. Der eine Werbeträger der Stadt musste am Leben erhalten werden, der andere hatte bessere Möglichkeiten für die organisatorische Arbeit in der Fußball-Bundesliga gebraucht.

Der Duisburger Gerd Hennig – Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 13

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, die Erinnerungen von FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig zu sichten. “Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter” hat Gerd Hennig diese Erinnerungen genannt, die ich nach und nach bearbeite und hier in loser Folge veröffentliche.

Heute geht es um Prominentenspiele unter der Leitung von Gerd Hennig.


Vom Straßenfußballer zum FIFA-Schiedsrichter – Folge 13
Von Gerd Hennig
Herausgegeben und bearbeitet von Kees Jaratz

Nach der Leitung des Endspiels bei der Studenten-WM 1982 in Mexiko beendete ich meine offizielle Schiedsrichterlaufbahn. Von da an konnte ich meiner zweiten Leidenschaft, dem Laufsport, fast meine ganze Freizeit widmen. Mehrmals in der Woche machte ich meine Dauerläufe. Ich begann direkt an der Haustür, lief über den Kaiserberg durch den Mülheimer Wald bis in den Kurpark Raffelberg in Mülheim und zurück. Das war in etwa zwei bis zweieinhalb Stunden zu bewältigen.

Auch wenn ich nicht mehr offizieller DFB-Schiedsrichter war, erreichten mich zwischendurch immer wieder Anrufe mit der Bitte, Prominentenspielen zu pfeifen. Letztlich konnte ich das nicht immer ablehnen, vielleicht wurde ich aber einfach nur schwach bei der Vorstellung, wieder einmal eine Spielleitung zu übernehmen. Zum Beispiel leitete ich das Spiel der Uwe-Seeler-Truppe, in der unter anderem auch Franz Beckenbauer spielte gegen eine Revier-Auswahl mit bekannten Spielern aus verschiedenen westdeutschen Vereinen im ländlichen Hünxe bei Dinslaken. Der STV Hünxe hatte dieses Spiel ganz groß ausgerichtet. Es folgte eine Einladung des Meidericher Tennisclubs 03, der zu seinem 80. Jubiläum die Les Humphries Singers als Gegner im Fußball zur Westender Straße in Meiderich verpflichtet.

Kurz danach hatte die Traditionsmannschaft des  Meidericher SV eine Auswahl des Westdeutschen Rundfunks eingeladen. Gespielt wurde ebenfalls an der Westerender Straße. Bei dem Spiel kam in der Halbzeitpause der damals bekannte WDR-Sportreporter Ernst Huberty zu mir. Er war bei seiner Mannschaft im Sturm eingesetzt und sagte: „Wenn Sie nach dem Wechsel gegen meinen Gegenspieler Danzberg nicht energisch einschreiten, werde ich ohne Abmeldung den Platz verlassen. Denn meine Gesundheit ist mir wichtiger!“ Vor dem Wiederanpfiff nahm Dieter Danzberg zur Seite. „Pitter“ wurde er allgemein gerufen. Ich bat ihn höflich, seine oft etwas zu rustikale Spielweise zu „drosseln“. Er hielt sich an meine Bitte und die an sich faire Partie endete 3 zu 3. Bei der gemütlichen dritten Halbzeit im MSV-Clubhaus saßen wir dann zu dritt bei „Burger“ Hetzel an der Theke. Beim gemütlichen Bierchen ließen wir lachend das Geschehen noch einmal Revue passieren ließen. So schön kann eben Fußball sein!

Unvergessen sind auch die regelmäßig ausgetragenen Duelle der Alten Herren vom MTV Union Hamborn 02 und der SG Wattenscheid 09, bei denen sich die beiden ehrgeizigen Kontrahenten Helmut Bigalke bei Hamborn und Klaus Steilmann, der Vereinspräsident und Mäzen von Wattenscheid gegenüberstanden. Das Spiel der Wattenscheider endete stets damit, dass die Mitspieler, dass die Mitspieler ihrem „Boss“ den Ball präzise für den Torschuss servierten. Der Torjubel war dann nur Formsache. Wattenscheids Siege wurde dafür aber anscließend im UNION-Eigenheim von allen Anwesenden gebührend und lautstark auf Kosten des glücklichen Torschützen gefeiert.

Abschließend wurde mir auf Wunsch von Bernard Dietz die Leitung seines Abschiedspiels zwischen den Nationalmannschaften von 1980 u. 1988 übertragen. Dieses Spiel fand am 10. Mai 1988 im ausverkauften Wedau-Stadion statt und war vom DFB und dem MSV Duisburg organisiert worden war. Ein unvergessliches Erlebnis und eine stets bleibende Erinnerung !

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Neues für das Fan-Gedächtnis vom MSV Duisburg: Meine Frau war immer dabei – Teil 2 – Karl P. (*1933)

In der Rückrunde der letzten Saison habe ich den ersten Teil der Erinnerung des 1933 geborenen Karl P. veröffentlicht. Es folgt ein zweiter Teil mit der Erinnerung an Burger Hetzel beim MSV der 50er Jahre und an das notwendige Selbstbewusstsein als freier Mitarbeiter einer Tageszeitung auch ohne Vorkenntnisse über Tennis schreiben zu können.

Meine Frau war immer dabei – Teil 2

Ich habe damals immer 20 Mark bekommen für einen Bericht über den MSV. Und dann riefen die mich an. Ich war bei der Firma Haniel angestellt. Da hatte ich meine Lehre gemacht, so 1951. Und da fragte mich der Redakteur vom Generalanzeiger: „Kennen Sie auch was vom Tennis?“ Ich habe sofort ja gesagt. Ich wusste gar nichts. Da hieß es dann, gehen Sie mal morgen zum internationalen Tennisturnier nach Raffelberg. Da spielte Gottfried von Cramm, der berühmte deutsche Tennisspieler. Erstmal habe ich von meinem Chef ein Lehrbuch bekommen, das habe ich dann durchgearbeitet. Ich wusste wohl, wie man zählt, 15, 30 usw. Aber ob die Spieler gut waren, wonach man das beurteilte, das wusste ich nicht.

Jetzt war da ein bekannter Reporter, Heinz Maegerlein. Das war der, der später mal in einer Reportage beim Wintersport sagte, sie standen an den Hängen und Pisten. Das hat den berühmt gemacht. Der Heinz Maegerlein war bei meinem Lauf bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Landau dabei. Ich war ja Leichtathlet. Das war ein paar Monate vorher gewesen, und der hatte eine Reportage über den Lauf gemacht. Jetzt sah ich den mit meiner Frau, und abends im Klubhaus habe ich mich mit dem bekannt gemacht. Der konnte sich an die Reportage noch erinnern.

Ich bin in dem Lauf von einem geschubst worden und gefallen. Ich bin wieder aufgestanden, bin aber nur zweiter geworden. Sonst wäre ich Deutscher Meister geworden. Ich war westdeutscher Jugendmeister, damals. Eine bekannte Olympiakämpferin hatte das Sagen in Landau. Die sorgte dafür, dass der Mitläufer disqualifiziert wurde. Aber da hatte ich nur nichts von. Dr. Otto Pelzer hat mich trainiert. Der war der einzige, der den Nurmi geschlagen hatte, also nach dem Krieg, nach dem Ersten Weltkrieg, 1923. Der war aber schwul. Damals war das noch verpönt. Der hatte auch ein Moped. Wenn der kam, hatte der sonst nichts mit, der hatte seinen Schlafanzug mit und fuhr mit seinem Moped.

Jetzt kannte mich der Maegerlein also. Das wollte ich ja nur, dass der mich kannte. Am nächsten Tag bin ich wieder zu dem Turnier hin und habe den Maegerlein immer beobachtet, wo der sitzt. Damit der mich nicht sieht. Dann bin ich am Schluss zu ihm und habe gesagt: „Herr Maegerlein, ich musste heute zum Fußballspiel, können Sie mir mal sagen, was hier heute los war?“ Der hat mir dann erzählt, das ist der, und der hat so und so gespielt. Dann habe ich meinen Artikel geschrieben, und von da ab war ich der Tennisreporter beim Generalanzeiger. Die haben mich zum Daviscup geschickt, nach Düsseldorf, alles.

Aber zurück zum MSV. Die Derbys. Mit Oberhausen und Meiderich, das war schon etwas. Da sind wir am Kanal entlang nach Oberhausen zu den Spielen, und es hieß immer aufpassen, da wirst du mit Bratpfannen empfangen. Also, wir haben das so nicht erlebt. Aber das wurde so erzählt. Ich meine, da wäre mal was gewesen, aber selbst erlebt habe ich das nicht. Nach dem Krieg fing das ja wieder an. Erst Stadtmeisterschaft, und dann gab es die Bezirksmeisterschaft, linker und rechter Niederrhein. Rheingold Emmerich, VfB Lohberg, Meidericher Spielverein und Rot Weiß Oberhausen, die spielten um die Bezirksmeisterschaft, das weiß ich noch genau, ich wunder mich selbst, dass mir so Namen einfallen. „Burger“ Hetzel, der Mittelstürmer damals.

Der Turek hat gesagt, der Nationaltorhüter von der WM 54, der hat gesagt, zwei Spieler werde ich nie vergessen. Der eine hieß Gaínza aus Spanien und der „Burger“ Hetzel. Der hat dem mal zwei reingemacht, zwei in einem Spiel. Der Turek war ja eigentlich aus Duisburg, und dann war der mit Fortuna Düsseldorf in Meiderich zum Meisterschaftsspiel gegen den MSV. Der Turek konnte nichts machen an den Toren. Wenn ich das heute sehe, wie die Tore schießen, Burger Hetzel konnte das schon damals. Vor der Strafraumgrenze nahm der den Ball, wenn der so hoch kam und dann zog der ab. Aber der ist nie in die Nationalmannschaft gekommen, weil der ein unsolides Leben führte, Kneipe und so was. Der Herberger mochte den nicht. Aber der war besser als der Ottmar Walter. Das war der Mittelstürmer in Deutschland, der Hetzel, wirklich.

Der war dann sogar mal im Gefängnis. Da haben sie den immer zum Spiel mit Polizeischutz rausgeholt. In Hamborn hatte der drei Monate oder so gekriegt, wegen Schmuggel oder so. Eine harmlose Sache war das eigentlich. Also der war eingelocht, und dann wollte der immer spielen. Und der Verein wollte den auch. Das war aber Hamborn 07. Da haben sie dann den Knast aufgemacht und nach dem Spiel haben sie ihn dann wieder hingebracht. Das war an und für sich ein netter Kerl.

Und ab ins „Fan-Gedächtnis“.

Damit verbinde ich zugleich einmal mehr den Aufruf, schickt für dieses Fan-Gedächtnis eine Erinnerung an eure Zeit mit dem MSV, von der ihr wollt, dass sie nicht vergessen wird. Ihr könnt das über das Kontaktformular machen. Oder schreibt mir. Ich komme mit dem Aufnahmegerät vorbei, mache ein Interview und transkribiere das Erzählte. Ich veröffentliche die Erinnerungen erst einmal drüben im großen Fan-Gedächtnis-Archiv. Ich träume aber immer noch davon, eine Sammlung solcher Geschichten im Verlag Die Werkstatt herauszugeben. Der Erlös käme einem sozialen Projekt zugute. Wir hätten zudem eine Art Geschichtsbuch von unten. Alltagsgeschichte aus Duisburg mit dem Schwerpunkt Fußball.

Zum Glück war Wacker nicht der Spielverein – Teil 2

Hans F.  (* 1939)

Einmal sind wir nach Schalke gefahren, und dann kommen wir da an … wir hatten ja keine Karten, du musstest ja immer da die Karten kaufen. Ja, und dann hieß es, ihr kommt nicht rein, das Stadion ist voll. Da standen wir dann da an so einem Nebentor. Das hatten die zugemacht, und die Fans, die haben geglaubt, die wollten uns nur nicht reinlassen. Da standen zwei Ordner, die haben gesagt: „Das geht nicht“, …. es hatte vorher geregnet … „dahinter ist ´ne Riesenpfütze“. Und die Fans haben das nicht geglaubt. Ich schätze mal, das waren so hundert, hundertfünfzig Leute. Die haben sich dann alle gesagt: „Wir gehen hier rein“. Dann haben die mit Gewalt das Tor aufgedrückt. Da war dann wirklich eine Pfütze … bestimmt dreißig Meter im Durchmesser …Wahnsinn … und da kannst du dir vorstellen, die ersten …da lagen bestimmt zwanzig, dreißig Mann in der Matsche da. Das sah aus. Aber das hat die nicht gestört. Da sind die durch und rein. Hauptsache, die waren im Stadion.

Ja, und dann hier noch Oberhausen … nach Rot-Weiß Oberhausen … da sind wir ja immer zu Fuß gelaufen … am Kanal entlang. Aber Oberhausen war nicht gut. Da musste man immer aufpassen  Das war immer mit Schlägerei verbunden. Das war damals auch schon so mit der Rivalität. In Oberhausen war es schlimm. In Aachen bin ich nicht gewesen. Das war mir zu weit. Aber in Aachen war es auch immer sehr schlimm mit den Schlägereien. Das waren ja immer die Kartoffelkäfer … mit den gelben Trikots. Auch hier nach Bottrop sind wir gefahren und nach Essen …selbstverständlich auch ins Duisburger Stadion …der DSV war ja damals auch in der Oberliga. Das war ja nicht nur der MSV. Da war ja auch noch Hamborn 07, Duisburger Spielverein … das waren ja schon alleine drei Vereine hier in Duisburg.

Die Atmosphäre damals im Stadion an der Westender Straße … das war schön. Das war kleiner als heute. Gut, da waren ja auch fünfzehn-, zwanzigtausend Zuschauer. Aber … ich weiß nicht … das war alles … wie wollen wir mal sagen … wie so eine Familie. Das war so richtig angenehm. Da freute man sich so richtig drauf. Nachher als das mit der Bundesliga losging … die Spiele gegen Frankfurt und Hamburg und die ich da noch gesehen habe … das war ja zu voll alles. Das Stadion war zu voll. Obwohl … wenn hier auch Dortmund kam, damals noch in der Oberliga zur Westender Straße oder auch Rot-Weiß Essen, das Stadion war auch voll.

Schon die Straßen in Meiderich zum Stadion, die waren dann proppevoll. Da fuhr ja bloß so eine kleine Bimmelbahn zum Stadion. Da gingen ja vielleicht dreißig, vierzig Mann rein. Das waren Massen, die dahinströmten. Da war gegenüber von dem MSV-Platz noch alles frei. Da parkten die ganzen Autos. Hinten, Richtung Ratingsee war auch noch ein Platz für die Autos. Es war schon sehr beengt. Da ging nichts mehr, wenn die Zuschauer da so im Trupp kamen. Die Straßen waren ja nicht so breit wie heute. Das war alles eng. Das war ja was … 15.000 zum Meidericher Spielverein.

Wenn ich mich jetzt an was besonderes erinnern soll, da denke ich an Helmut Rahn. Da war der noch bei Rot-Weiß Essen. Und die haben dann in Meiderich gespielt und Helmut Rahn hat einen Strafstoß geschossen. Das war ein Wahnsinn. Jetzt weiß ich nicht mehr, ob das der Faust war oder der Pajonk Der hatte die Hand zwischen Latte und Ball und hat sich vor Schmerzen die Hand fest gehalten. Der Rahn hatte ja einen Gewaltschuss.

Bei den Meiderichern fällt mir Burger Hetzel ein. Den habe ich zwar nicht mehr viel gesehen, aber das war ein guter Spieler. Da haben wir uns gewundert, dass der nicht in die Nationalmannschaft kam. Aber der Herberger mochte den nicht. Warum weiß ich nicht, ich nehme mal an, der Hetzel hat sich nichts gefallen lassen. Dann haben die so ein Auswahlspiel gemacht … Nationalmannschaft gegen den MSV. Da hat der Burger Hetzel der Auswahlmannschaft drei Tore reingemacht. Und seitdem war´s ganz aus. Nee, der Herberger mochte den nicht. Der hielt sich immer an Ottmar und Fritz Walter fest. Da hatte der Hetzel keine Chance. Gut, der Fritz und der Ottmar, die waren einiges jünger. Da konnte man sagen, dass die Zeit von Hetzel schon vorbei war. Die haben ja damals zu der Zeit, als ich noch auf den Platz ging, mit vier-, fünfunddreißig nicht mehr gespielt. Wenn die mal bis achtundzwanzig, dreißig gespielt haben, war das lang.

Aufgezeichnet von Kees Jaratz

Und ab ins „Fan-Gedächtnis“

Fundstück – Postkarte SV Hamborn 07

Bei der Arbeit am „Irrtümer und Wahrheiten“-Buch über den MSV für den Klartext-Verlag fiel mir neulich beim Blick ins Handarchiv eine Postkarte der Mannschaft vom SV Hamborn 07 in die Hände. Es ist einer der beiden Vereine, aus denen 1954 die Sportfreunde Hamborn 07 hervorgegangen sind. Ich habe leider keine Zeit nachzuprüfen, in welcher Saison genau die Mannschaft angetreten ist.

Da in den ersten Oberligajahren des Vereins „Burger“ Hetzel dabei sein müsste, könnte es die Saison 1946/47 gewesen sein. In jener Zeit spielte er das erste Mal beim MSV. Geschichten über einzelne Spieler wären sicher auch interessant. Ich stelle schon mal eine Datei in den Entwürfe-Ordner. Wenn ihr aber schon was zu erzählen habt, ab in die Kommentare.

Der vergessene Torjäger Heinz Bohnes – Teil 1

Manchmal gleicht städtisches Leben der Gegenwart doch immer wieder mal noch dem dörflichen der Vergangenheit. Lebenswege dieses Dorfes sind auseinander gegangen, doch die nächste Generation führt sie wieder zusammen. So war es, als Bernd Bohnes Ende letzten Jahres mir eine E-Mail schrieb, nachdem ich kurz zuvor an den MSV-Stürmer „Burger“ Hetzel erinnert hatte. Das Privatarchiv seines Vaters bot ebenfalls unzählige Erinnerungen an vergangene Zeiten des MSV Duisburg. Sein Vater war der Fußballer Heinz Bohnes, erfolgreicher Stürmer der Zebras Ende der 1950er Jahre, später beim Duisburger SV aktiv, dann Trainer bei verschiedenen Vereinen, vornehmlich am Niederrhein.

Wer schon wie meine Mutter zu Zeiten der Oberliga West ins Stadion an der Westender Straße ging, musste Heinz Bohnes also kennen. Für meine Mutter stieß der Name zudem weitere Erinnerungen an. Heinz Bohnes und sein Zwillingsbruder Paul hatten als Kinder in Meiderich-Berg auf derselben Straße wie meine Mutter gewohnt. Die Bergstraße rund um St. Matthias,  der längst profanierten katholischen Kirche von Berg, war damals Spielplatz für alle. Man lief sich über den Weg. Man kannte sich.

bohnes_PortraitIch hingegen kannte Heinz Bohnes nicht. Von ihm hatte ich noch keine romantische Oberliga-West-Anekdote gehört, und nun schickte mir sein Sohn Bernd Fotos über Fotos. Das Dorf fand wieder zusammen. Ich sah Heinz Bohnes im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, und dachte, über den Mann lässt sich eine größere Geschichte erzählen. Wieso weiß ich nichts über einen Nationalspieler Heinz Bohnes? Darüber hinaus machten diese Fotos die 1950er Jahre auf wunderbare Weise lebendig. Wie konnte ich diesen Archivschatz zumindest mit den notwendigsten Hinweisen versehen?

Wenn ich das machen wollte, wie ich es mir vorstellte, würde darüber ein Jahr vergehen. Ich hatte für den Moment einfach keine Zeit für die Recherche, die noch nötig war, obwohl mir Bernd Bohnes schon einige Informationen über seinen Vater schickte. Deshalb entschloss ich mich zu einem anderen Weg. Dieser Beitrag heute und der morgige werden zu einer Art Mini-Wiki. Ich veröffentliche die Fotos und bitte euch, die ihr die Spieler der MSV-Geschichte in- und auswendig kennt, mir Hinweise zu den betreffenden Personen auf den Fotos zu geben. Dann ließen sich nach und nach Leerstellen füllen.

Außerdem fehlen mir Hinweise auf die Fotografen. Natürlich hätte ich diese Fotografen gerne angeschrieben, um die Erlaubnis zur Veröffentlichung einzuholen. Wenn es also von den jeweiligen Urhebern der Fotos Einwände gegen die Veröffentlichung gibt, so bitte ich darum, mit mir Kontakt aufzunehmen. Mit Hilfe der Erinnerungen von Margret Bohnes, der Ehefrau des Fußballers, kann ich zumindest ein paar kurze biografische Anmerkungen zu Heinz Bohnes Fußballerleben machen. Großer Dank deshalb nochmals an sie und Bernd Bohnes.

Heinz Bohnes wurde am 6. Juni 1935 in Duisburg-Meiderich geboren. Die Jungen seiner Generation spielten Fußball zunächst lange nur auf der Straße. Mit zwölf Jahren schließlich schloss er sich Wacker Meiderich an, dem Fußballverein, der an der Bergstraße seine Fußballspiele bestritt. Mit 14 Jahren gewann er mit seiner Schülermannschaft die Stadtmeisterschaft. Von Wacker Meiderich aus wechselte er 1953 mit seinem Zwillingsbruder Paul Bohnes zu Meiderich 06. Für Paul blieb der Verein bis ins hohe Alter die sportliche Heimat.

bohnes_sturmszene9Heinz Bohnes hingegen wurde 1955 vom Meidericher SV für die Regionalliga abgeworben, der damals zweithöchsten Spielklasse, in der der MSV Duisburg für diese Saison ein einjähriges Intermezzo gab. Unter Hermann Lindemann gelang der direkte Wiederaufstieg in die Oberliga West, in der Heinz Bohnes von nun an spielen sollte. „Heini“ wurde Heinz Bohnes gerufen, der auf dem Spielfeld durch seinen Laufstil mit weit ausholenden, rudernden Armbewegungen unverkennbar war. In der Saison 1957/58 gehörte er mit 17 erzielten Treffern zu den erfolgreichsten Torschützen der Liga. Was ihm nicht nur 1958 das Vertragsangebot  des damaligen türkischen Meisters Fenerbahce Istanbul bescherte, sondern auch Einladungen zur Nationalmannschaft. Bei einem A-Länderspiel eingesetzt wurde er allerdings nicht. In jener Zeit spielte er mit dem MSV  mehrmals im Ausland. So gab es Freundschaftsspiele in Spanien gegen  FC Real Saragossa, Valencia und in Barcelona. In Algerien wurde in Algier gespielt. Für den MSV bestritt er 100 Spiele in der Oberliga West und erzielte dabei 37 Tore.

In der Saison 1959/1960 wechselte er zu Eintracht Braunschweig in die Oberliga Nord. Die Normalität für einen Fußballer heute bedeutete damals einen tiefen Einschnitt in das Leben der Familie. Die gesamte Familie zog nach Niedersachsen um, ohne dort wirklich heimisch zu werden. Margret Bohnes wollte zurück nach Duisburg, und so wurde der Aufenthalt in Braunschweig zum einjährigen Gastspiel. Heinz Bohnes wechselte zurück in die Heimatstadt und spielte ab der Saison 1961/62 beim Duisburger SV, der später mit TuS Duisburg 48/99 zu Eintracht Duisburg fusionierte. Der Stürmer wurde nun als Defensivspieler eingesetzt. Er machte noch 59 Spiele für den DSV und erzielte zwei Tore. Nach der Saison 1965/66 ließ Heinz Bohnes seine Karriere als Spielertrainer bei unterschiedlichen Vereinen am Niederrhein ausklingen. Er erwarb die Trainer A-Lizenz und trainierte unter anderem den SC Kleve und den TV Voerde.


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