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Gastbeitrag: Klaus Hansen zu Helmut Kohl und dem deutschen Fußball

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen.

Gedenkblatt für den Mittelläufer von Phönix Ludwigshafen

Von Klaus Hansen

Altbundeskanzler Helmut „Birne“ Kohl, ehemaliger Jugendfußballer bei Phönix Ludwigshafen, ist im Juni 2017, 87jährig, gestorben. Der Tod des „Kanzlers der Einheit“ (Profiteur des todesmutigen Gorbatschow, des altersmilden Mitterand und des desinteressierten Bush senior) bot vielerlei Anlässe, um an die deutsche Wiedervereinigung von 1989/90 zu erinnern. Vom Fußball war dabei wenig bis gar nicht die Rede. Sehr zu unrecht, wie folgende Fakten belegen:

Bereits wenige Wochen nach dem 3. Oktober 1990, dem „Tag der Einheit“, wurde der Dresdner Fußballer Matthias Sammer als erster DDR-Auswahlspieler auch Nationalspieler des DFB. Sammer spielte in der Folgezeit derart herausragend, dass man ihn 1996 zu „Europas Fußballer des Jahres“ kürte, eine Ehrung, die in den 40 Jahren ihres Bestehens nur drei Bundesliga Fußballern zuteil geworden war. Matthias Sammer ist bis heute der letzte deutsche Fußballspieler, der den Titel „Europas bester Fußballer“ führen darf. Ein DDR-Junge! Der Spieler Ulf Kirsten aus Riesa, ein DDR-Junge!, wurde dreimal Bundesliga-Torschützenkönig; damit nimmt er in der „ewigen Rangliste“ Platz zwei hinter Gerd Müller ein. Bernd Schneider aus Jena, ein DDR-Junge!, hieß bald nur noch „der Brasilianer“, weil er am Ball etwas konnte, was man ansonsten nur den Genies vom Zuckerhut zutraute. Im WM-Endspiel von 2002 galt er als einer der besten Spieler auf dem Platz und somit als einer der weltbesten. Damit ist er legitimer Vorläufer von Toni Kroos aus Greifswald, ein DDR-Junge!, der heute als einziger deutscher Feldspieler das Prädikat „Weltklasse“ trägt. Nicht zu vergessen Michael Ballack aus Görlitz. 2004 übernahm er als alleinherrschender „Capitano“ die deutsche Fußballnationalmannschaft und führte sie in 55 Länderspielen auf den Platz. Ein DDR-Junge!

Fußballspieler bereiteten also vor, was nun in der Politik folgen sollte: Eine Frau aus Templin in der Uckermark wurde 2005 Bundeskanzlerin und ein Mann aus Rostock an der Ostsee übernahm 2012 das höchste Amt Staate. – Die deutsche Wiedervereinigung von 1989/90, die im verfassungsrechtlichen Jargon „Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes“ heißt, endete in Wahrheit mit einem subversiven Triumph der DDR über die alte Bundesrepublik. Der Preis dafür war nur ein symbolischer: Die DDR nannte sich nun auch BRD. – Danke, Birne, für die nun endlich blühenden Landschaften, auch im Westen!

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Gastbeitrag: Klaus Hansen überfällt die „Postsaisonale Melancholie“

In gewisser Weise geht es heute schon wieder um eine Debatte – nämlich die, wie sich der Fußball als Unterhaltungsbranche entwickelt und was dabei verloren geht. Nachdem sich Klaus Hansen über den Aufstieg des MSV gefreut hatte, wurde er wehmütig und hat die Gründe dafür im Fußball der Gegenwart gefunden. Dabei hatte er zunächst nur über die Spielweise des MSV nachgedacht. Allerdings muss ich hinzufügen, Klaus Hansen hatte das letzte versöhnliche Spiel gegen Zwickau noch nicht gesehen, als er den Text geschrieben hatte. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen.

Postsaisonale Melancholie

Paul Auster sagt, dass es im Sport „Gewinner und Verlierer gibt“; aber das ist banal. Nicht banal und geradezu tiefgründig ist seine Feststellung: Im Sport gibt es „viel mehr Verlierer als Sieger“. Eine Erkenntnis, die selbst auf höchster Erfolgsstufe gilt: Bayern München hat 27mal die die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen – 83mal aber nicht. Real Madrid hat 11mal das europäische Championat gewonnen – 51mal aber nicht. Brasilien ist 5mal Weltmeister geworden – 15mal aber nicht.

Was Paul Auster nicht wissen kann, weil er Amerikaner ist und die großen amerikanischen Sportarten kein Unentschieden kennen, ist die Tatsache, dass nicht verloren haben muss, wer nicht gewonnen hat. Der genossenschaftlichen Punkteteilung sei Dank! (Leider durch die 3-Punkte-Regelung verwässert.) Das Remis erlaubt es sogar, dem Nichtverlieren Priorität vor dem Gewinnen einzuräumen.  Dazu passt natürlich die Zielsetzung für die kommende Saison in der 2. Liga: nicht absteigen!

Ans Gewinnen denkt in Meiderich schon lange keiner mehr. – Wie kann ein Verein ohne Titel, dem der Glauben abhanden gekommen ist, je auch nur einen Titel von Belang erringen zu können, vor seinen Fans, zumal den nachkommenden, bestehen? Indem er ohne Unterlassung für Spannung sorgt. Schon seit Jahren ist der Abstiegskampf in der Bundesliga spannender als der Meisterschaftskampf, und darum interessanter.

Sorgt für Spannung, Zebras, und überwindet den „Beamtenfußball“ dieser Saison, geht Risiko ein, macht Dinge, für die euch der liebe Gott nicht vorgesehen hat! Und wenn es nach unten geht, aber spannend, bleiben auch die Fans bei der Stange. Denn mit eben dieser Spannung kann es auch wieder nach oben gehen. – Dies schreibt ein Herzensfan, der alle ökonomischen Belange des modernen Fußballs hier einmal außen vor lässt.

Aber wir alten Fans, die wir zwischen 60 und 70 sind, kommen alle aus dem Amateurfußball, der uns geprägt hat. Vielleicht ist es gut, dass wir aussterben. Denn der Berufsfußball kann mit uns und wir mit ihm wenig anfangen. Die neuen Fußballfans sind von ESC-Fans nicht mehr zu unterscheiden. Die neuen Stadion-Sprecher – siehe RB Leipzig – sind von glamourösen Show-Moderatoren des Unterhaltungsfernsehens auch nicht mehr zu unterschieden. Das geht alles in eine Richtung, die nicht mehr meine Richtung ist. Das Schlimme ist die Ausweglosigkeit. Ich gehe zu einem Spiel letzten Kreisklasse Rhein-Erft, wo man nicht mehr absteigen kann, weil es darunter nichts mehr gibt. Aber auch da tragen die Spieler Trikots mit Sponsoren-Namen auf der Brust; selbst da bedankt man sich vor dem Anpfiff über Megaphon beim edlen Spender, „der für das heutige Spiel den Ball zur Verfügung gestellt hat.“ Der Fußball als Werberahmenprogramm ist nicht mehr mein Fußball.

Gastbeitrag: Klaus Hansen über das Wembley-Tor, den Fußball damals und den der Gegenwart

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen. Mit drei Tagen Verspätung kann ich heute von ihm ein Zeitzeichen online stellen. Er erinnert an das Wembley-Tor vor 50 Jahren und nimmt das zum Anlass, sich an das Wesen des Fußballs jener Zeit zu erinnern. Den Fußball der Gegenwart stellt er ihm kritisch gegenüber. Bitte schön!

30. Juli 2016 – ein Zeitzeichen zum Tage

Von Klaus Hansen

Heute wird an den 30. Juli 1966 erinnert. 50 Jahre ist es her. In London findet das Endspiel der 8. Fußball-Weltmeisterschaft statt, England gegen Deutschland. Dank eines 2:2-Unentschiedens nach 90 Minuten geht das Spiel in die Verlängerung. In der 11. Minute der Zusatzzeit fällt das 3:2 für England, das “Wembley-Tor”. Bis heute ist es umstritten; bis heute weiß man nicht mit Sicherheit, ob der Ball im Tor war oder nicht; bis heute wird darüber debattiert – und erst recht am heutigen Jubiläumstag. Die englischen Spieler sahen den Ball damals “drin”, die deutschen nicht. So tun sie es noch heute. Auch der Schweizer Schiedsrichter wusste damals nicht, was Sache war und befragte darum seinen sowjetischen Linienrichter. Der habe mit dem Kopf genickt und “Goal” gesagt, woraufhin der Schiri den Treffer gab. Viele Jahre später und kurz vor seinem Tod soll der sowjetische Linienrichter auf die Frage, warum er auf Tor entschieden habe, nur mit einem Wort geantwortet haben: “Stalingrad”.

Die Schlacht um Stalingrad war 1942/43, das Wembley-Tor fiel 1966, der, der es verifizierte, ein sowjetisierter Aserbaidschaner vom Jahrgang 1925, starb 1993. Und heute, 2016, wird uns das ganze Geschehen zu einem Symbol für das “Jahrhundert der Extreme”, wie Eric Hobsbawm das 20. Jahrhundert genannt hat: Dem Widerspiel von Stalinismus und Hitlerismus ist auch noch 20 Jahre nach dessen Ende das “dritte Tor” zu verdanken, wie wir heute, 50 Jahre später, erkennen müssen. – Das ist doch die spannende Frage aller “Fußballkritik”: Wie wirkt die Zeitgeschichte auf den Fußball ein, wie spiegeln sich die Zeitläufte im Fußballspiel wider?  Worin entsprechen sich die “Adenauer-Zeit” in der Nachkriegspolitik mit der “Herberger-Zeit” im Nachkriegsfußball? Hat der “Libero” der 70er-Jahre mit dem libertinären 68er-Geist zu tun, so wie heute das von der “Ballbesitz-Ideologie” abgeleitete “Gegenpressing” mit dem modernen Börsenkapitalismus, der “Gewinnwarnungen” ausgibt, wenn er auf Verluste spekuliert?

Aus subjektiver Perspektive ergibt sich ein wiederum anderes Bild.

Zum Zeitpunkt des Endspiels 1966 war ich gerade 18 geworden. Ich befand mich zusammen mit meinen Pfadfinderkameraden auf dem Weg zum großen Sommerlager im Fichtelgebirge, ein Zeltlager mit Selbstversorgung für drei Wochen. Erstmals durften auch Pfadfinderinnen mitfahren. Für sie war eine in der Nähe unserer Lagers gelegene Jugendherberge vorgesehen. Auch Marion war dabei, auf die ich ein Auge geworfen hatte. Wir saßen alle zusammen, 48 Jungen und Mädchen, in einem Reisebus vom Ruhrgebiet ins Frankenland. Im Autoradio lief in miserabler Akustik und mit vielen Unterbrechungen die Reportage vom Endspiel in London, aber das kümmerte uns nicht besonders. Obwohl wir alle sportlich interessiert und aktiv waren. Viele Fußballer waren unter uns, zwei gute Leichtathleten und ein Ausnahme-Schwimmer, der später Deutscher Meister im Wasserball werden sollte. Ich selbst war gerade mit der A-Jugend meines Vereins Niederrhein-Meister im Handball gworden. Der Fußball hatte für uns eine gewisse Bedeutung, aber keinen alle anderen Sportarten deklassierenden Stellenwert. Die Bundesliga war noch jung, die Profis waren noch halbe Amateure und der WM-Erfolg der Nationalelf von 1954 hatte es noch nicht zum allseits verklärten “Wunder von Bern” in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

Wir nahmen das Geschehen in London also gelassen hin. Auch in den Tagen danach, während unserer Zeltlagers, war das “dritte Tor”, das noch nicht “Wembley-Tor” hieß, kein Thema. Heute aber ist es ein Thema, immer noch! Vielleicht auch deshalb, weil wir ahnen, dass uns so etwas heute fehlt? Weil unsere Unterdrückungswut auf den “subjektiven Faktor” solche Themen heute gar nicht mehr aufkommen lässt? Aus dem “Spiel mit Fehlern”, das der Fußball nun einmal ist, möchte man auf Teufel komm raus alle Fehler eliminieren – und den Zufall obendrein. Wir fürchten, dass der Fußball an einem Mangel an Mängeln und einem Übermaß an Vorhersehbarkeit zugrunde gehen könnte.

Heute wäre das Geheimnis um das “Wembley-Tor” schon nach Sekunden keines mehr. Wenn der vollsynthetische Fußball des Jahres 2016, der fälschlicherweise noch “Leder” heißt, von der Querstange aus Aluminium, die fälschlicherweise noch “Latte” heißt, auf den Boden prallt, der noch – aber nicht mehr lange – “Rasen” heißt, dann schickt die Software des mit sieben Torkameras munitionierten “Hawk-Eye”-Systems das Signal direkt auf die Armbanduhr des Schiedsrichter-Technokraten: Ob Tor oder Nicht-Tor, hinter der Linie oder nicht, ist dann binnen Sekunden definitiv. Weder die Ratlosigkeit Schweizer Schiedsrichter noch das Ressentiment weltkriegsgeschädigter Linienrichter hätten heute noch eine Chance.

Warum überhaupt noch organische Mängelwesen bei der Regelüberwachung einsetzen, wenn selbst der Fußball inzwischen von gewissenlosen Robotern mit humanoidem Antlitz gespielt wird? – Bitte antworten Sie selbst, nostalgischer Freund der fußerzeugten Kunst!

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – V – „Eia“ Krämer und Ennatz

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Das waren nun die letzten Erinnerungssplitter, die ich aus seinem Text herausgegriffen habe. Noch einmal wunderbares Nostalgie-Futter. Noch einmal: Bitte schön! Noch einmal: Danke schön, Klaus Hansen.

 

Werner Krämer, das Ausnahme-Talent, genoss die unglaublichsten Sonderrechte im deutschen Fußball.
Im 61. Jahr seines Bestehens brachte der MSV mit Werner „Eia“ Krämer seinen ersten A-Nationalspieler hervor. Krämer, Vizeweltmeister 1966, wird wegen seiner eleganten Spielweise heute mit Arjen Robben verglichen. Eia Krämer genoss ein Privileg, das keinem anderen Fußballer je zuteil wurde. Auf Krämers Platz in der Umkleidekabine lag immer ein Päckchen Zigaretten („Ernte 23“) und eine Flasche Bier („König Pilsener“). Eia durfte als einziger Spieler vor dem Spiel und in der Halbzeitpause rauchen und Alkohol trinken. Trainer Eppenhoff rechtfertigte das so: „Nimmsu dem Eia die Fluppen un nimmsu dem Eia datt Pilsken, dann nimmsu dem Eia datt Können!“ – Kein anderer Club zwischen Oberhausen und Dortmund hat je so viel Nachsicht bewiesen.

Als Verteidiger in einem Meisterschaftsspiel 4 Tore zu schießen, das gelang in der langen Geschichte der Bundesliga nur einem einzigen Fußballer, natürlich einem MSV-Spieler.
Es war Linksverteidiger Bernard Dietz. Beim 6:3 über Maier, Beckenbauer, Müller und Co. (Bayern München) am 5. November 1977 gelangen ihm 4 Tore. Bald darauf wurde der MSV Duisburg von der Boulevardpresse in MSV Dietzburg umgetauft. – Auch da können die Nachbarstädte nicht mithalten.

MSV-Spieler wird als Kapitän der Nationalmannschaft Europameister.
1980 war’s, in Italien. Bernard Dietz empfängt in Rom den Coupe Henri Delaunay nach dem 2:1-Finalsieg der Deutschen gegen Belgien.

Lothar Matthäus’ Karriere ist ohne den MSV nicht zu denken.
Der Name Lothar Matthäus taucht 1980 zum erstenmal auf der ganz großen internationalen Bühne auf. Bei der Europameisterschaft in Italien gehört der 19jährige zum Kader der DFB-Auswahl und brennt auf seinen ersten Einsatz im Nationaltrikot. Als die deutsche Mannschaft dann im Spiel gegen Holland mit 3:0 führt, täuscht Kapitän Bernard Dietz eine Leistenzerrung vor, um dem Youngster zu seiner Premiere zu verhelfen und lässt sich gegen Matthäus austauschen. Bernard Dietz: „Ich kann stolz behaupten, für Lothars erstes Länderspiel gesorgt zu haben.“

„Niederlagen machen uns stark“ – Eine weitere außergewöhnliche Tabellenführung durch den MSV
Ein MSV-Spieler führt die Tabelle der Bundesliga-Spieler mit den meisten Niederlagen an. Bernard Dietz steht an erster Stelle mit 221 Niederlagen, gefolgt von Karl-Heinz Körbel (Eintracht Frankfurt) mit 220. Auch im Verlieren ist der MSV absolute Spitze! Auch Niederlagen wollen „errungen“ sein, wie Helmut Kohl (FSV Oggersheim) treffend festgestellt hat.

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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – IV – Rahn und Rekordmeister

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Fußballgeschichte wurde oft in Duisburg oft geschrieben. Hier ist es der allererste Platzverweis in der Bundesliga-Historie, an den wir erinnern möchten.
Wedau-Stadion, 14. September 1963. In der 77. Minute des Spiels MSV gegen Hertha BSC erlebt man in Deutschland eine Premiere: den ersten Platzverweis in der neuen Liga. Der Hertha-Linksaußen Beyer hatte den MSV-Rechtsaußen Rahn gefoult. Als Beyer scheinheilig Rahn die Hand zur Versöhnung anbot, schlug Rahn die Judas-Pfote aus und traf Beyer mit einer unwirschen Kopfbewegung im Gesicht. Das war’s. Eine Rote Karte gab es damals noch nicht, also musste die unerbittliche Geste des Schiedsrichters reichen.
Es war nicht irgendwer, der da als erster des Feldes verwiesen wurde. Es war einer der Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland, der in Duisburg vorzeitig unter die Dusche musste. FAZ-Herausgeber Joachim Fest rechnete neben Konrad Adenauer, zuständig für die Politik, und Ludwig Erhard, zuständig für die Wirtschaft, Helmut Rahn zum dritten Gründungsvater der jungen Bundesrepublik. Denn Rahn habe mit seinem Siegtor beim 54er WM-Triumph in Bern für ein neues Selbstbewusstsein der Deutschen gesorgt. Er ist der Gründungsvater einer neuen deutschen „Wir-sind-wieder-wer“-Mentalität. Helmut Rahn, der „Boss“, also war es, der damals das Zebra-Trikot trug und 9 Jahre nach Bern erneut Geschichte schrieb. Nicht zu vergessen: Auch Toni Turek, Torhüter beim „Wunder von Bern“, ist gebürtiger Duisburger und erlernte hier das Fußballspielen.

Der MSV ist der „deutsche Rekordmeister“ der 1970er Jahre.
So schrieb man in der Fachpresse zu Beginn der 80er Jahre. Die A-Jugend, heute: U 19, des MSV war 1972, 1977 und 1978 Deutscher Meister geworden, so häufig wie kein anderer Verein bis dahin.

 

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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – III – Gutendorf, Krämer und Auswärtssiegrekord

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Der Welttrainer Nummer eins, der Fußballlehrer mit den meisten Trainerstationen weltweit, begann einst beim MSV Duisburg seine Karriere im Profifußball.
Es war, wie man in der Welt des Sports natürlich weiß, Rudi Gutendorf, Trainer im ersten Bundesligajahr und Deutscher Vizemeister mit dem Meidericher Spielverein, wo er zum „Riegel-Rudi“ wurde. Gutendorf brachte es auf 54 Trainerstationen in aller Welt. Das Zebra-Trikot seiner MSV-Mannschaft interpretierte er folgendermaßen: „Das Zebra ist das Symbol für den Abbau rassistisch geprägter Überheblichkeit, denn unter der schwarzen und weißen Haut dieses Tieres schlägt nur ein Herz.“ – Damit gab er dem Verein seine Vereinsphilosophie, die noch heute gilt.

Wo ging Beckenbauers Stern auf? Natürlich in Duisburg!
Anlässlich der Einweihung der neuen Tribüne im Wedau-Stadion, nicht irgendeiner Tribüne, sondern der „größten frei austragenden Tribüne Europas“, spielte am 13. Februar 1965 eine Auswahlmannschaft des DFB gegen Chelsea London. Dabei trug zum erstenmal ein gewisser Franz Beckenbauer vom Regionalligisten Bayern München, 19 Jahre alt, das Trikot der A-Nationalmannschaft. Sein erstes „offizielles“ Länderspiel bestritt er am 26. 9. 1965 in der WM-Qualifikation gegen Schweden. In diesem Spiel erzielte MSV-Star Werner Krämer beim 2:1-Sieg das wichtigste seiner insgesamt drei Länderspieltore. Das heißt auch: Eia Krämer schoss uns zur WM nach England. Also: Ohne Eia Krämer kein Wembley-Tor! Ohne Eia Krämer keine bis heute andauernde Debatte: drin oder nicht drin?

Der höchste Auswärtssieg in der nunmehr bald 50jährigen Geschichte der Bundesliga wurde vom MSV errungen.
Von wem denn sonst, möchte man nach all den bereits berichteten Heldentaten fragen. Am 26. März 1966 war’s, bei Tasmania Berlin: 9:0. – Von Borussia Dortmund weiß man wohl, dass man am 29. April 1978 bei Borussia Mönchengladbach mit 0:12 unter die Räder gekommen ist. Solches ist dem MSV nie unterlaufen!

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Gastbeitag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV

I   Erster Tabellenführer der Bundesliga

II  Wohlfahrt, Worm und Tagliari

III Gutendorf, Krämer und Auswärtssiegrekord

IV  Rahn und Rekordmeister

V   „Eia“ Krämer und Ennatz

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – II – Wohlfahrt, Worm und Tagliari

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Der allererste brasilianische Bundesliga-Torschütze kommt aus Duisburg. Duisburg ist die Wiege der Brasilianer in der Bundesliga.
Der Brasilianer Raoul Tagliari schoss für den MSV am 21. 11. 1964 in der 34. Minute das zweite Tor beim 2:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Dies war die Geburtsstunde der brasilianischen Torjäger in der Liga. – Wenn man wissen will, wo alles angefangen hat, muss man, wie so oft, auch in diesem Fall nach Duisburg schauen!

MSV-Spieler wird als Kapitän der Nationalmannschaft Weltmeister.
Bei der Fußball-Militärweltmeisterschaft 1975 holte MSV-Stürmer Ronald Worm als Kapitän der Mannschaft den Titel. Statt einer Medaille gab es noch auf dem Platz die Beförderung zum Hauptgefreiten der Luftwaffe. – Weiß man ähnliche Heldentaten zwischen Oberhausen und Dortmund zu berichten?

Deutscher Rekord-Nationalspieler kommt vom MSV.
Von 1951 bis 1986 gab es neben der A-Nationalmannschaft auch eine B-Nationalmannschaft. Was die Einsätze in der B-Elf angeht, ist MSV-Stürmer Ronald Worm mit 12 Berufungen der deutsche Rekord-Nationalspieler.

MSV-Spieler wird Weltmeister in Australien.
MSV-Stürmer Roland Wohlfarth, wegen seiner Neigung zum Übergewicht gelegentlich „Prima Tonna“ genannt, wird 1981 mit der U-20-Nationalelf Weltmeister in Australien. Im Endspiel gegen Katar schoss er beim 4:0 der Deutschen ein Tor. Insgesamt war er mit 4 Toren der erfolgreichste deutsche Schütze.

Bundesliga-Torschützenkönige aus den Reihen des MSV.
1984 wurde Roland Wohlfarth mit 30 Toren, 1991 Michael Tönnies mit 29 Toren Torschützenkönig der Zweiten Bundesliga. – Da nehmen sich die 24 Treffer, mit denen Lothar Kobluhn (RWO) 1971 Schützenkönig der ersten Liga wurde, doch recht bescheiden aus.

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse rund um den MSV – Folge 1

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinen Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

„Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg“, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und danke schön, Klaus Hansen.

 

Der MSV war der erste Tabellenführer in der Geschichte der Bundesliga – wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre!
Nach dem allerersten Spieltag der Fußballbundesliga, 24. August 1963, sah die Tabelle so aus:

1. 1. FC Köln 2:0 Tore 2:0 Punkte
2. FC Schalke 04 2:0 Tore 2:0 Punkte
3. Meidericher SV 4:1 Tore 2:0 Punkte

Damals entschied nicht die Tordifferenz, sondern der Torquotient über die Platzierung. Nach heutiger Rechenweise, wo die Tordifferenz maßgeblich ist, wäre der MSV der historisch erste Spitzenreiter der Bundesliga gewesen. – Aber der MSV zeigte sich sportlich fair und überließ einer Stadt wie Köln, die ja sonst nichts Vorzeigbares hat, gerne den Vortritt.

Gastbeitrag: Die Stimme des Wedau-Stadions – Günter Stork im Gespräch mit Klaus Hansen

Neulich konnte ich über eine Lesung von Klaus Hansen und dessen neuestes Werk “11erpack” ein “fußball leporello” berichten. Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV.

Nach der Lesung schickte er mir einen gedruckten Schatz. Zumindest für all die Jahrgänge, die das Wedaustadion nicht nur aus Erzählungen kennen und in diesem zugigen Rund einen Teil ihres Lebens verbracht haben. Es war die Kopie eines Interviews mit dem Stadionsprecher dieser Wedaustadion-Zeiten, Günter Stork. Klaus Hansen hat das Interview geführt, das  1996 in der Zeitschrift Verlängerung erschienen ist. Er ist so freundlich, mich sein Interview in diesen Räumen noch einmal veröffentlichen zu lassen. Schwelgen wir also in alten Zeiten und hören dabei den unvergessenen Klang der Stork-Stimme, wenn er seine Werbesprüche sagte. „Müssen Sie einen Leihwagen haben, ganz einfach Feykes fragen.“

Anklicken vergrößert den jeweiligen Scan. Bitte schön!

Und Danke, Klaus Hansen!

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