Archive for the 'Das Spiel – Außerhalb der Stadien' Category

Nach dem Spiel ist vor dem Engagement

Als am Dienstagabend in Hochfeld zum Ball der Solidarität geladen war, verstanden das viele in Duisburg als eine Netzwerk-Veranstaltung von Vereinen und Organisationen, die sich für soziale und kulturelle Belange in Duisburg einsetzen. Ich hatte mir einen anderen Blickwinkel, eine andere Wirkung erhofft. Sei es drum. Öffentliche Resonanz hat der Ball gefunden. Funkes WAZ/NRZ verstärken diese Resonanz mit einem Bericht. Vielleicht lässt sich beim nächsten Mal diese andere Wirkung, die Aufmerksamkeit der Stadtöffentlichkeit und damit der Einfluss auf städtische Identität, besser erreichen.

Beim Ball waren auch wir Anhänger des MSV vertreten. „Mehr als Fußball“ lag aus als Beispiel, wie gemeinschaftlich durch das Crowdfunding die Erinnerung an kulturelles und identitätsstiftendes Stadtgeschehen ermöglicht wurde. Denn erst dadurch dass aufgeschrieben wurde, was im Sommer 2013 geschah, wird das Wirken der Bürger Duisburgs Teil der Erinnerungskultur dieser Stadt. Im Grunde war das Crowdfunding für das Buch eine Verlängerung der Fanaktionen des Sommers 2013.

Anwesend war zudem die Fan-Initiative Zebras stehen auf, die sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung einsetzt. Auch für diese Fans ist der MSV eben mehr als Fußball. Diese Anhänger machen im direkten Gespräch Basisarbeit in Sachen politischer Bildung. Fahrten werden organisiert zu geschichtsträchtigen Orten der deutschen Vergangenheit. Im direkten Erleben lassen sich die Auswirkungen von politischem Handeln tiefergehend erfahren. In diesem Jahr wird sich in Amsterdam auf die Spuren jüdischen Lebens begeben.

Doch diese Fan-Initiative ist nicht die einzige Gruppierung, deren Interesse für den MSV Duisburg nicht auf den Fußball beschränkt ist. Für die Mitglieder der Zebraherde ist der MSV seit jeher auch Kultur. Denn in dieser Zebraherde wurde sich besonders für die Belange des Vereins  MSV Duisburg eingesetzt. So gab es dort ein starkes Gegengewicht zu den kommerziellen Notwendigkeiten des Unterhaltungsbetriebs Fußball. Verbunden damit war auch zugleich die Pflege des kulturellen Gedächtnisses vom MSV Duisburg. Seit einiger Zeit übernimmt diese Gruppe außerdem eine Patenschaft für ein soziales Projekt für Waisenkinder in Tansania.

Die Zebrakids ermöglichen durch ihre Arbeit Kindern aus sozial schwierigen Lebensverhältnissen den Stadionbesuch. Für die Rainbow Zebras habe ich nur bei Facebook eine Seite gefunden. Sie setzen sich gegen Homophobie ein und jede Form von Diskriminierung. Ihre Anliegen sind mit denen von Zebras stehen auf in Teilen sicher deckungsgleich. Eine Fan-Initiative, die erst jüngst zusammen gefunden hat, setzt sich für die Eröffnung eines MSV-Museums ein.

Andere Fangruppierungen verstehen sich zwar nicht als Zusammenschluss mit einem besonderen sozialen oder kulturellen Anliegen, doch ich weiß, wie oft sich das Augenmerk in so vielen dieser Gemeinschaften auf soziale Bedürftigkeit richtet. Die Erlöse von Fanaktionen fließen dann in soziale Projekte. Oft soll davon kein Aufheben gemacht werden. Manchmal aber ist es notwendig daran zu erinnern, welche Kraft des sozialen Zusammenhalts an vielen Orten rund um den MSV Duisburg wirkt.

Gerne poste ich hier, was öffentlich werden soll. Oder wenn bei den  erwähnten Initiativen etwas hinzugefügt werden soll, ab in die Kommentare. Hinweis per Kontakt genügt aber auch.

In eigener Sache: Lesung am 18.3. um 20 Uhr in Ruhrorter Galerie RuhrKUNSTort

Welche Texte genau ich am nächsten Samstag für die Lesung in Ruhrort auswählen werde, weiß ich noch nicht. Sicher werden Texte mit dabei sein, in denen es um Fußball geht. Wenn es sich ergibt, werde ich in meine Schreibwerkstatt blicken lassen. Wahrscheinlich wird es dabei dann auch um „Mehr als Fußball“ gehen , dem Buch über die Energie in Duisburg, als im Sommer 2013 die Existenz vom MSV Duisburg bedroht war. An Prosa über Ruhrort denke ich noch, an den Sound und die Komik von Lyrik und an Worte über die Ruhrstadt, also das Ruhrgebiet als identitätsstiftender Bezug für die Menschen der einzelnen Städte in der Region. Und eins ist ebenfalls sicher: Ich freu mich auf euch.

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Fundstück: Lyrikverleger Jo Frank über Fußballerbiografien

Jeden Freitag gibt es in der Süddeutschen Zeitung die Rubrik „Reden wir über Geld“. Nicht immer steht dann tatsächlich das Geld im Zentrum der Gespräche mit Menschen jedweder Lebenslage, aller möglichen Berufe und Herkünfte. Jo Frank gehört zum Verleger-Trio vom Verlagshaus Berlin, einem Independent-Verlag für Lyrik und Illustration. Über Geld zu reden, lohnt sich für ihn eigentlich nicht und gerade deshalb zeigt dieses Gespräch mit Jo Frank, zu welch paradoxen Gegebenheiten es führt, den Leitgedanken des Ökonomischen hintanzustellen.

Davon ab nutzt er für das Beschreiben seines Handels auch den Fußball als Referenz, damit das Gegenmodell für das eigene verlegerische Handeln besser verständlich wird. Eine erste Orientierung erhält man zudem, wie hoch Lizenzkosten für im Ausland geschriebene Biografien von Fußballern sind.
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Halbzeitpausengespräch: Auf dem Weg zum Hooligan in der DDR – Gedächtnis der Nation

Das Gedächtnis der Nation ist ein Oral-History-Projekt, bei dem zunächst prominente Zeitzeugen befragt wurden. Seit 2011 werden auch Erinnerungen von unbekannten Menschen festgehalten. Entstanden ist das Projekt als Teil eines journalistischen Zugangs zur Geschichte, wie er von Guido Knopp beim ZDF  verantwortet wurde. Über die engen Grenzen eines solch personalisierten Zugangs sollte man sich schon bewusst sein. Verbindliche Wertungen und Einordnungen in allgemeine historische Prozesse können solche einzelnen Stimmen nicht geben, selbst wenn sie es behaupten. Ganz davon abgesehen, dass wir anerkennen müssen, wie trügerisch Erinnerungen sein können.

Das soll hier alles nicht interessieren. Denn ich verliere mich gerne in diesen Erzählungen aus anderen Zeiten. Sie machen Vergangenheit lebendig. Neulich bin ich auf die Erinnerungen von Rolf Walter gestoßen, der zu DDR-Zeiten Fußballfan vom BFC Dynamo Berlin war. Dort hatte sich eine sehr gemischte Gruppe Fans zusammen gefunden von Punks bis hin zu Skinheads. Das waren junge Männer, die sich auf unpolitische Weise gegen ein normales Leben in der DDR wandten.

Die Clips laufen nur direkt bei youtube, auch wenn ich sie hier habe eingebunden.

 

 

 

Nach seiner Haftzeit begann Rolf Walter politischer zu handeln, und er wurde Teil der oppositionellen, kirchlich organisierten Friedensbewegung der DDR. Zu den Kurzinterviews zu dieser Zeit bei Youtube mit einem Klick.

 

Fundstück: Fußballpublikum bei Mainz 05

Heute Morgen habe ich in der Süddeutschen Zeitung in einem Artikel von Tobias Schächter zu Mainz 05 gedacht, da sollten die Verantwortlichen vom MSV mal hinschauen. Steht Mainz 05 doch vor der Frage, wie besonderes Interesse in alltägliche Verbundenheit umgewandelt werden kann. Mit realistischem Blick lässt sich nämlich vermuten, dass beim MSV in nicht allzu ferner Zeit ähnliche Fragen im Raum stehen. Die Perspektive 2. Liga. In den Träumen spielt das natürlich keine Rolle. Da dauert es noch ein paar Jahre, bis diese Frage beantwortet werden muss. Weil die Zeit bis dahin so aufregend in den oberen Tabellenregionen im jeweiligen neuen Ligenleben ist. So, jetzt habe ich es geschafft, den realistischen Blick im hoffenden Träumen unterzubringen. Auch nicht schlecht für einen Dienstagmorgen.

 

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Die Attraktivität von Fußball – Funny van Dannen kennt das Geheimnis

Es gab schon mal besser zusammengestellte Kader des MSV Duisburg. Dabei denke ich nicht an die spielerische Qualität, ich denke ganz allein an meine sehr persönlichen Interessen. Als Ein-Mann-Unternehmer des Zebrastreifenblogs schaue ich nämlich hin und wieder auch auf Clickzahlen und staune über all die Suchbegriffe, die die Menschen in diese Räume hier führt.

maierhoferIn den besseren Zeiten schrieb ich etwa einen Spielbericht, erwähnte Stefan Maierhofer und, schwupps, schon brauchte ich keine nackte Spielerfrau mehr in einem Text zu erwähnen, wenn ich mal wieder mehr Reichweite erzielen wollte. Natürlich weiß ich um Reichweiten-Qualitäten und wer sich für die sexuelle Orientierung von Stefan Maierhofer interessiert, ist für mein überaus seriöses Werbekunden-Portfolio vielleicht kein Vorzeigeleser. Aber wer weiß – kenn ich mich mit der Ethik des Kapitalismus aus? Guck ich einem Google-Clickgeschenk ins homophobische oder verliebte Köpfchen? Ich weiß das alles nicht.

Ich weiß nur, Homophobie ist weiter Thema in dieser Gesellschaft. So ist es schön, dass Funny van Dannen manches Geschehen im Fußball mal anders anschaut. Spiegel vorhalten nennt sich das. Ist nämlich überhaupt nicht schlimm, wenn Männer sich lieben.

 

 

Wer hier schon länger mitliest, weiß, wie sehr ich Funny van Dannen schätze. „Latente Homosexualität“ ist auf seiner letzten CD „Come on – Live im Lido“ zu finden. Nur eine von vielen deren Kauf sich lohnt – und natürlich geht das direkt beim Künstler.

Stadtteil-Bestseller und der Neumühler Neujahrsempfang

2016-12-28_bestseller_msv_buchSchon beim Jahresendspurt 2016 las ich in der Mayerschen das Wort Bestseller unter meinem Buch. Aus dem MSV-Shop  erhielt ich eine Nachbestellung und ich begann mir Gedanken, über den Nachdruck zu machen. Wenn die Erstauflage nach etwas mehr als drei Wochen so gut wie ausverkauft ist, freut das das nicht nur Autoren sondern auch all die anderen Gewerke in meinem Ein-Mann-Start-Up-Unternehmen des Literaturbetriebs.

2017-01-07_bestsellerlisteAm Wochenende nun war in WAZ und NRZ wieder die Bestsellerliste einer Duisburger Buchhandlung abgedruckt. Dieses Mal waren es die best verkauften Bücher in der Hamborner Buchhandlung Lesezeichen. Und auch hier findet sich „Mehr als Fußball“ auf der Liste. Vier Bücher mit lokalem Bezug führen diese Liste an. Auch auf Platz 6 und Platz 9 finden sich weitere, in dem Fall erzählerische Werke über die Welt des Ruhrgebiets. Bemerkenswert, wie sehr das Interesse der Käufer in einer Buchhandlung des Stadtteils vom Wunsch geprägt ist, einen Blick auf die eigene Wirklichkeit zu erhalten.

Gestern habe ich übrigens als Vorsitzender von Lemonhaus e.V., dem Förderverein vom Jugendzentrum Zitrone, am Neujahrsempfang der Neumühler Pilssucher teilgenommen. Dieser vom Karneval geprägte Neujahrsempfang ist zugleich ein Ausdruck lebendiger Stadtteilkultur. Eine „Neumühler Bürgerin und ein Neumühler Bürger des Jahres“ werden für ihr Engagement innerhalb des Stadtteils ausgezeichnet. Gisela Usche und Jörg Weißmann wurden es in diesem Jahr. Ausdrücklich und immer wieder auch beiläufig wird an Werte erinnert, die das Zusammenleben in einem Stadtteil erst möglich machen. Das geschieht nicht in wohlfeilen Politikerworten, sondern das sagen Menschen des Stadtteils, die sich für ihre Welt verantwortlich fühlen.

Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link war ebenfalls gekommen und sprach ein Grußwort. Am Rande der Veranstaltung begrüßten auch wir uns persönlich, und Sören Link ließ es sich nicht nehmen, mir zu „Mehr als Fußball“ zu gratulieren. Ein schönes Buch sei das geworden. Mich freut es natürlich, dass auch der Oberbürgermeister Duisburgs dieses Buch wahrnimmt und so allmählich gelingt, was ich beabsichtigt  habe – eine starke Geschichte Duisburgs immer wieder neu zu erzählen.

cover_kleinRalf Koss, Kees Jaratz: Mehr als Fußball, 363 Seiten, € 14,90
ISBN 978-3-00-054423-1

Falls ihr Interesse am Buch habt, das Kontaktformular ausgefüllt und abgeschickt.

Rechtliche Hinweise und Datenschutz.

Wenn ihr einen ersten Eindruck gewinnen wollt, klickt auf die Vorschaubilder. Vorwort und die ersten Seiten der Geschichte des Sommers habe ich online gestellt.


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