Archive for the 'Das Spiel – Die Entwicklung' Category

Verspäteter Interview-Dialog zu zwei MSV-Gegentoren letzter Saison

In der Süddeutschen Zeitung erschien am Samstag ein Interview mit dem französischen ehemaligen Spieler vom FC Bayern, Bixente Lizarazu, der heute in Frankreich den Fußball in verschiedenen Medien kommentierend begleitet. Gestern folgte ein Interview mit dem argentinischen ehemaligen Fußballer und Trainer Jorge Valdano, der klug über Fußball nachdenkt und heute auch als Kommentator arbeitet. In beiden Interviews ging es hauptsächlich um die Champions League.

Auch wenn ich eigentlich immer schnell nach vorne schaue, geben zwei Antworten in den Interviews einen derart passenden späten Dialog-Kommentar zur letzten Saison vom MSV, dass ich sie euch nicht vorenthalten will. Beide Beobachter des Fußballs kamen auch auf die bevorzugte Spielweise im Fußball der Gegenwart zu sprechen. Im Grunde reden dann beide über Leo Weinkauf und seine zwei Fehler in den Spielen gegen gegen Uerdingen und Köln, die dem MSV drei Punkte gekostet haben.

Der ehemalige Defensivspieler Bixente Lizarazu hält die bevorzugte Taktik der Gegenwart oft für zu risikoreich.

Jorge Valdano spielte als Mittelstürmer. Seine Antwort zeigt einerseits Verständnis, andererseit lese ich darin auch die Befürwortung der Entwicklung.

Wir in Duisburg könnten Bixente Lizarazu jedenfalls Anschauungsmaterial für seinen Kommentar, solche Fehler zahle man teuer, zur Verfügung stellen.

Und wieder auch das: Wenn ihr noch nicht an der Abstimmung teilgenommen habt, mit welchem Vereinslied der MSV beim Grand Prix de la Vereinslieder, organisiert und durchgeführt vom millernton.de, teilnehmen soll, bitte einmal weiterklicken und abstimmen.

 

Gerhard Heinze, Argentinien bei der WM 78 und Ángel Kappa

Welch schöner Zufall, wenn sich der MSV Duisburg, internationaler Fußball und kluge Gedanken über die Gegenwart in einem Text verbinden lassen. Der Journalist und Buchautor Javier Cáceres gibt dazu die Gelegenheit. Letzte Woche fragte er bei Twitter, was Ubaldo Fillol, den Torwart der argentinischen Fußballweltmeistermannschaft von 1978, und die Zebras verbindet.

Die Lösung brachte der retweete Thread. Ubaldo Fillol trug bei der Weltmeisterschaft Handschuhe einer Marke mit dem Namen des MSV-Torwarts von 1975-1983, Gerhard Heinze. Nur zu Beginn seiner Karriere beim VfB Stuttgart war seine für eine Torwart geringe Größe von 1,76m Kritikern ein Anlass, seinen möglichen Leistungen zu misstrauen. Beim MSV war davon keine Rede mehr.

Und nun zu den Bemerkungen der Gegenwart. Zwei Tage zuvor war in der Süddeutschen Zeitung ein großartiges Interview erschienen, das Javier Cáceres mit dem argentinischen Trainer Ángel Cappa geführt hat.

Der in Deutschland nicht sehr bekannte Trainer muss im Untertitel als Assistent von César Luis Menotti eingeführt. Obwohl er bezogen auf seine Karriere nur kurz mit ihm zusammen gearbeitet hat. Doch Menotti kennt man in Deutschland. Wahrscheinlich sollte das Interview schmackhaft gemacht werden. Gut so, denn kluge Gedanken sollten so viel Verbreitung wie möglich finden.

Im englischen Wikipedia findet sich ein kürzerer Text zu Ángel Cappa. Ausführlicheres gibt es im spanischen Wikipedia. Im Interview spricht er über die Entwicklung des Fußballs, bei der der Sport zur Ware wurde. Er spricht über die Bedeutung von Statistiken zur Qualitätsbeurteilung eines Spiels und weiß, dass er in dem Widerspruch lebt, Teil eines Systems zu sein, das er kritisiert.

Begnügt euch nicht mit den Zitaten unten, klickt weiter zum ganzen Interview.

Unbedingt lesen – Kiels Sportdirektor Fabian Wohlgemuth im 11Freunde-Interview

Hellauf begeistert bin ich über das Interview, das Tobias Ahrens für 11Freunde mit dem Sportdirektor von Holstein Kiel Fabian Wohlgemuth geführt hat. Was für ein tiefer und lebendiger Einblick in die Arbeitsbedingungen in der 2. Liga und damit auch in die des MSV Duisburg beim Pendeln zwischen eben jener und der Dritten Liga.  „Uns brechen die Argumente weg“ ist das Interview betitelt, und das bezieht sich auf die inzwischen unfassbar große Gehaltslücke, die zwischen Bundesliga und Zweiter Liga für Spieler klafft. Aber das ist nur ein kleiner Aspekt des Interviews. Tobias Ahrens und Frank Wohlgemuth beleuchten Grundlagen für Entscheidungen, Strategien und Konkurrenzsituation. Ganz starkes Interview. Auftritt Tobias Ahrens und Fabian Wohlgemuth, bitte schön:  „Uns brechen die Argumte weg“.

Zeitspiel sucht den gelingenden Fußball abseits vom Kommerz

Die Fußballzeitschrift Zeitspiel widmet sich vierteljährlich einerseits historischen Themen, andererseits geht es um den Fußball „auf seinem Weg in die Gegenwart“ abseits von „Bundesliga und Champions League, WM und EM“. Hier geht es zur Seite der Zeitschrift. Hier geht es zur Beschreibung des Projekts auf der Seite von Hardy Grüne, einem der Herausgeber.

Gestern nun erreichte mich von der Facebook-Seite der Zeitschrift unten stehender Aufruf, den ich teilen möchte. Denn diese Suche nach einem gelingenden Fußball abseits des Kommerz passt zu einem grundsätzlichen Thema, das die Gesellschaften der Gegenwart  immer mehr beschäftigen wird.  Das Nachdenken über die Zukunft bedeutet nämlich auch ein Nachdenken über die Form des Wirtschaftens in der Gegenwart, ein Nachdenken über Konsum und Nachhaltigkeit, ein Nachdenken darüber, wie Menschen sich gemeinschaftlich und sinnhaft fühlen können, ohne dass sie immer mehr Ressourcen verbrauchen. Für mich gehört der Fußball als Unterhaltungsbetrieb in die große Schublade Konsum.

Es ist interessant, welche Gegenmodelle zum Fußball als Unterhaltungsbetrieb entwickelt werden, da das ja innerhalb des Systems Fußball mit seinen Verbänden geschieht. Für mich ist die Frage, ob und wie das gelingen kann angesichts von Widersprüchen zwischen Hoffnung auf Erfolg und den daraus entstehenden Zwängen durch das System.

Hier also der Aufruf von Zeitspiel:

In der kommenden Ausgabe #15 wollen wir uns im Leitartikel „Überleben im Turbokapitalismus II“mit dem Zustand des Fußballs unterhalb der Kommerzebene beschäftigen. Dabei wollen wir nicht nur jammern und stöhnen über all das, was vermeintlich „schlecht“ läuft, sondern vor allem schauen, wo es schon anders (besser) läuft und wie der Fußball eine überlebensfähige Zukunft bekommen kann.
Und da kommt Ihr ins Spiel: Zum einen suchen wir Vereine vorzugsweise ab 3. Liga bis 6. Liga, aber auch bis hinunter bis auf Kreisebene, die bereits neue Wege beschreiten. Die sich herausgelöst haben aus einem sich selbst verschlingenden Geldsystem und den Fußball und das Vereinsleben unter zeitgemäßem Rahmenbedingungen in den Vordergrund gerückt haben. Die nicht mehr um jeden Preis aufsteigen wollen sondern stattdessen darauf achten, sich nicht selbst ständig in Insolvenzgefahr zu bringen. Die zeitgemäße Nachwuchsarbeit betreiben, denen es gelingt, ihre Mitglieder für sich zu begeistern.
Gilt das für Euern eigenen Verein? Oder kennt ihr Vereine, bei denen das so ist? Dann gebt uns gerne einen Hinweis.
Zum anderen wollen wir von Euern Visionen, Utopien und Hoffnungen hören. Wie kann der Fußball im Jahr 2030 aussehen? Schickt uns kurze Statements, die wir sammeln und im Heft präsentieren. Dabei darf es sowohl um den „großen“ Fußball gehen als auch auf den in der Kreisklasse oder im Nachwuchsbereich.
Reclaim the game!

Wir freuen uns auf Eure Beiträge unter redaktion (at) zeitspiel-magazin.de

Koss und Jaratz im Radiogespräch

Am nächsten Samstag lese ich in Ruhrort in der Galerie RuhrKUNSTort um 20 Uhr. Fabrikstraße 23 ist die Adresse. Es wird eine Mischung aus kurzer Prosa, Komischer Lyrik, Ausschnitten aus Mehr als Fußball und aus den Sachbüchern über die Ruhrstadt geben. Diese Lesung war Anlass für ein Radiogespräch mit Klaus Brüggenwerth für „DunkelWeiss“, der Radiosendung im Bürgerfunk Duisburg über die freie Kunst- und Kulturszene Duisburgs. Nach mir sprach Klaus Brüggenwerth mit Klaus Großpietsch, der am Sonntag in Ruhrort liest.

Ich hätte das Gespräch gern hier eingebunden, aber es gilt: Nur mit einem Klick weiter zum Radiogespräch.

Und hier nochmals die Ankündigung der Lesung.
Bild könnte enthalten: 1 Person, Text

 

Weggelesen: – Thomas Bentler: Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn

Ständig müssen wir heute unsere Besonderheit und Individualität beweisen. Doch dann kommt jemand daher und beginnt zu erzählen. Von seinen Erfahrungen beim Fußball in den Kreisligen erzählt er, und dann siehst du, so besonders sind wir alle gar nicht. Du erkennst dich wieder, deine Mitspieler, die Gegner gegen die du gespielt hast, und du erinnerst dich, du spielst Basketball statt Fußball. Menschen sind soziale Wesen, und Gruppen organisieren sich auf wieder erkennbare Weise, indem sich die Menschen mit bestimmten Anteilen ihrer Persönlichkeit in diesen Gruppen zeigen. Der Soziologe und Sozialpsychologe in mir hat laut „Hurra“ gerufen, als ich „Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn“ von Thomas Bentler zu lesen begann.

Es ist sein zweites Buch, nachdem schon sein Debut als Autor, „Wenn schon, dann richtig!“,  ein pragmatisches Handbuch für Trainer im Amateurfußball, ein Erfolg war. Schon dieses als Lebenshilfe konzipierte Buch zeigte Thomas Bentler als unterhaltsamen Autoren. In „Volle Pulle Kreisliga“ hat er diesem unterhaltendem Ziel seines Schreibens nun seine ganze Aufmerksamkeit gewidmet. Das gesamte soziale Feld des Kreisligafußballs und seiner Handlungsträger umreißt er. Er typisiert und karikiert.

Mit einem Blick voller Sympathie auf den Fußball der unteren Ligen betrachtet er das Personal von Sportlern über die Schiedsrichter bis hin zu Funktionären und den Zuschauern. Seine Beobachtungen liefern Wahrheiten über den Mannschaftssport schlechthin. Wenn er die Typen einer Fußballmannschaft aufzählt, die verschiedenen Persönlichkeiten auf den jeweiligen Spielpositionen erwähnt, wenn er die verschiedenen Motive von Trainern, Funktionären und „treuen Seeelen“ aufzeichnet, haben wir die betreffenden Personen in den eigenen Vereinen immer sofort vor Augen. Mir fiel kein Persönlichkeits-Typus ein, den er außer Acht gelassen hat. Diese Typenreihe liest man herunter und versteht die Menschen in diesen Mannschaftssportarten sogar noch ein wenig besser.

Etwas weniger unterhaltsam wird das Buch im letzten Drittel, wenn Thomas Bentler sich dem Szenario des Amateurfußballs zuwendet, den Fußballplätzen und Umkleidekabinen. Typisierten Orten und Räumen ist nicht so viel Komik abzugewinnen wie Menschen, das liegt auf der Hand. Für den Witz mangelt es an Reibungsfläche. Aus dem Lachen wird auf den letzten Seiten das Schmunzeln hin und wieder. Was am Gesamteindruck nichts ändert.

Thomas Bentlers Buch ist im kleinen Paderborner Lektora-Verlag erschienen. Natürlich könnt ihr das Buch über den Buchhandel beziehen, doch ihr könnt es genauso direkt beim Verlag bestellen. Das ist nicht teurer und fast genauso schnell wie etwa bei Amazon, aber mehr vom Verkaufspreis bleibt beim local publisher. Was ich inzwischen durch den Vertrieb von meinem eigenen Buch „Mehr als Fußball“ selbst weiß. Insofern spreche ich auch pro domo, wenn ich sage,  solch kleinen Verlagen wie dem Lektora Verlag sind die Mehreinnahmen durch den Direktvertrieb nur zu gönnen.

Volle Pulle Kreisliga - der ganz normale Wahnsinn: Amateurfußball, wie er leibt und lebt. Ein Erfahrungsbericht ... von [Bentler, Thomas] Thomas Bentler
Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn! Amateurfußball, wie er leibt und lebt
Lektora Verlag, Paderborn 2016
247 Seiten
€ 13,90
ISBN: 978-3954610839

Fundstück: Aus der Trainerpraxis über unbequeme Charaktere

Im Basketball heißt die 2. Liga Pro A. Dort spielen die RheinStars Köln. Vor dem Auftaktspiel der Saison gegen Trier hatte der Kölner Stadt-Anzeiger mit dem Trainer der RheinStars, Arne Woltmann, ein Interview geführt. Die Schlussfrage ist für die so beliebte  Debatte zu den in einem Mannschaftssport notwendigen Spielertypen ein schöner Beitrag aus der Praxis.

KStA: Wäre es für solche Krisensituationen sinnvoll, einen unbequemen Charakter im Team zu haben?
Arne Woltmann: Ich habe beides erlebt: Dass eine Mannschaft, die sehr gut harmoniert, eine Liga komplett dominiert. Und dass ein Team, das sich ein bisschen gerieben hat, erfolgreich war. Manchmal ist Reibung sicher hilfreich.

Manchmal aber eben auch nicht, ließe sich hinzufügen. Wie immer im Leben kommt es drauf an. Letztlich weiß aber niemand vorher, in welcher Zusammensetzung so ein komplexes Gruppengebilde wie ein Mannschaftskader erfolgreich ist und vor allem weiß niemand vorher, wie sich die Persönlichkeiten von Spielern entwickeln. Es ist schön, wenn ein Trainer indirekt auf Selbstverständlichkeiten auch mal hinweist.

Und da wir gerade beim Basketball sind, stelle ich einen kurzen Zusammenschnitt vom letzten Spiel der ersten Mannschaft meines Heimatvereins Deutzer TV online. Deutz spielt in weiß. Wer hier schon länger mitliest, weiß, ich weise gerne auf den guten Sport hin, der von dieser zweiterfolgreichsten Mannschaft des Kölner Basketballs in der 2. Regionalliga zu sehen ist. Wer also in Köln guten Basketball sehen will, Infos zum Spielplan mit einem Klick.

 

Fußballgefühle wie früher

Faszinosium Fußball – das Finale der Champions League zwischen Atletico und Real erinnerte mich tatsächlich an die Spiele vom MSV Duisburg. Was habe ich mich gestern gelangweilt. Wie erinnerte die Dynamik des Spiels an die meist ergebnislosen Bemühungen um Schnelligkeit beim MSV. Was habe ich dem Überangebot im Netz gedankt für ablenkende Zerstreuung. Über weite Strecken des Spiels musste ich fortwährend an den MSV Duisburg beim Auswärtsspiel gegen Paderborn in der letzten Saison denken.

So jung habe ich mich dabei gefühlt. Früher, in den 70ern und 80ern war das eigentlich immer so für mich. Viel mehr als Fußball mit deutscher Beteiligung bekam man im TV ohnehin nicht zu sehen, und weil Fußball meist über lange Strecken eines Spiels langweilig war, war für mich nur der Fußball des MSV Duisburg wirklich wichtig. In Abstufungen kamen die Länderspiele und Europapokalspiele deutscher Mannschaften hinzu. Faszinosium Fußball hieß früher Sieg oder Niederlage meines Vereins.

Eine Zeit lang wurde das anders, weil die technischen Fähigkeiten der Spieler besser wurden. Weil es tatsächlich interessant wurde, die Kunstfertigkeit in anderen Spielen sich anzusehen. Heute aber fühle ich mich allzu oft an meine Jugend erinnert. Heute geht es mir wieder immer mehr so, dass mich nur noch Sieg oder Niederlage meines Vereins interesssiert. Denn ich bin ungnädiger geworden, wenn ich Fußballspiele ohne meinen Verein sehe, die mir als besondere Fußballspiele dargeboten werden. Wir wissen das, diese sollen ein konkurrenzloses Unterhaltungsangebot sein. Ein Angebot der Unterhaltungsindustrie aber, das nicht unterhaltsam ist, ist ein schlechtes Angebot. Das Eis ist dünn geworden für den Fußball als Angebot der Unterhaltungsindustrie. Zumindest bei mir. Ob es da wieder rausgeht?

Fußball ist doch auch nur eine andere Form Tennis

Sportbegeistert wie ich durchs Leben gehe, habe ich ja schon die ein und andere sportliche Mode in Deutschland mitgemacht. Als nach dem ersten Wimbledon-Sieg von Boris Becker 1985 das Tennis neben dem Fußball zum bedeutendsten TV-Sport wurde, staunte ich immer wieder, wie fokussiert Tennisspieler – ich meine Frauen wie Männer – auf jeden einzelnen möglichen Punktgewinn sind.

Egal, wie hoch der Gegner in einem Satz führt, die Kunst der Besten bestand immer darin, diese hohe Führung im eigenen Kopf zum Verschwinden zu bringen. Ich sah zu und staunte, wie sie selbst bei hohem Rückstand im Satz sich auf diesen einen Aufschlag und den folgenden Ballwechsel konzentrierten. Als Zuschauer wusste ich, der nächste Fehler bringt sie der Niederlag so nahe, dass jeder neue Ballwechsel in meinen Augen auch gleich abgeschenkt hätte werden können. Nichts dergleichen geschah.

Oft genug sah ich dann zu, wie es Spielern gelang, diesen einen Ballwechsel noch zu gewinnen. Dann folgte ein weiterer Punktgewinn und schließlich war der eigene Aufschlag durchgebracht. Der Aufschlag wechselte, und weiter wurde Ballwechsel um Ballwechsel der Rückstand vermindert.

Diese Fähigkeit im Moment zu bleiben und sich von der Gesamtsituation zu lösen ist das, was die Spieler vom MSV Duisburg morgen brauchen. Im Grunde ist der Fußball morgen nur eine andere Form Tennis. In jeder Spielsituation geht es um deren erfolgreiches Bestehen als Einzelaktion. Bei jedem Angriff geht es nur darum ein Tor zu erzielen. Bei jeder Defensivaktion gilt es diesen einzelnen Ball zu erobern. Mehr nicht. Das müssen die Spieler im Kopf haben. Der Rest ergibt sich von alleine. Hoffentlich kennt Ilia Gruev   professionelle Tennisspieler, mit denen er sich schon mal ausgetauscht hat.

Wir Zuschauer im Stadion werden unseren Teil ebenfalls beitragen müssen. Wir dürfen den Trainer der Würzburger Kickers, Bernd Hollerbach, und seine Spieler auch nicht enttäsuchen. Bernd Hollerbach erwartet die „Hölle“ für seine Mannschaft. Wir müssen also die Zebras sehr laut unterstützen. Nicht nur die Nord, das ganz Stadion. Wie schon geschrieben, gegen Leipzig hat das schon einmal sehr gut geklappt. Das wiederholen wir einfach, nur sehr viel länger und von Anpfiff an.

Manchmal ist weniger Trainer-Anweisung mehr

Hört man den Trainingskiebitzen zu oder liest ihre Trainingsberichte, soll Karsten Baumann im Training bei Fehlern im Mannschaftsspiel kaum korrigierende Anweisungen gegeben haben,  Gino Lettieri dafür um so mehr. Wie beides zu bewerten ist, ergibt sich natürlich durch den Erfolg der Mannschaft, aber bei näherer Betrachtung auch mit dem Blick auf die konkrete Spielweise der Mannschaft während der Saison.

Das richtige Maß für die spielstrukturienden Anweisungen im Training zu finden, ist jedenfalls nicht einfach, wie mir neulich ein Artikel in der  Süddeutschen Zeitung zu verstehen gab. Sebastian Herrmann schrieb über die Psychologie der Wahrnehmung und dem Phänomen, dass wir Menschen offensichtliche Dinge einfach übersehen.

Ein kurzer Abschnitt erinnerte mich an die Mannschaft des MSV zu Beginn beider Spielzeiten unter Gino Lettieri. Mir kam es manchmal so vor, als überlegten die Spieler zu viel, als seien sie zu sehr damit beschäftigt Anweisungen im Kopf abzuarbeiten. Erst einmal ist das Ganze Spekulation zu einer intuitiven Wahrnehmen, ob es mehr ist? Findet Ilija Gruev für seine Anweisungen einen Mittelweg, der die Köpfe der Spieler grundsätzlich freier macht und ihnen dennoch ein gutes Gerüst für das Spiel selbst gibt? Momentan sieht es für mich so aus.

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Den gesamten lesenswerten Artikel „Der unsichtbare Gorilla“ zur Psychologie der Wahrnehmung gibt es bei der Süddeutschen Zeitung mit einem Klick.


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