Archive for the 'Das Spiel – Die Entwicklung' Category

Koss und Jaratz im Radiogespräch

Am nächsten Samstag lese ich in Ruhrort in der Galerie RuhrKUNSTort um 20 Uhr. Fabrikstraße 23 ist die Adresse. Es wird eine Mischung aus kurzer Prosa, Komischer Lyrik, Ausschnitten aus Mehr als Fußball und aus den Sachbüchern über die Ruhrstadt geben. Diese Lesung war Anlass für ein Radiogespräch mit Klaus Brüggenwerth für „DunkelWeiss“, der Radiosendung im Bürgerfunk Duisburg über die freie Kunst- und Kulturszene Duisburgs. Nach mir sprach Klaus Brüggenwerth mit Klaus Großpietsch, der am Sonntag in Ruhrort liest.

Ich hätte das Gespräch gern hier eingebunden, aber es gilt: Nur mit einem Klick weiter zum Radiogespräch.

Und hier nochmals die Ankündigung der Lesung.
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Weggelesen: – Thomas Bentler: Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn

Ständig müssen wir heute unsere Besonderheit und Individualität beweisen. Doch dann kommt jemand daher und beginnt zu erzählen. Von seinen Erfahrungen beim Fußball in den Kreisligen erzählt er, und dann siehst du, so besonders sind wir alle gar nicht. Du erkennst dich wieder, deine Mitspieler, die Gegner gegen die du gespielt hast, und du erinnerst dich, du spielst Basketball statt Fußball. Menschen sind soziale Wesen, und Gruppen organisieren sich auf wieder erkennbare Weise, indem sich die Menschen mit bestimmten Anteilen ihrer Persönlichkeit in diesen Gruppen zeigen. Der Soziologe und Sozialpsychologe in mir hat laut „Hurra“ gerufen, als ich „Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn“ von Thomas Bentler zu lesen begann.

Es ist sein zweites Buch, nachdem schon sein Debut als Autor, „Wenn schon, dann richtig!“,  ein pragmatisches Handbuch für Trainer im Amateurfußball, ein Erfolg war. Schon dieses als Lebenshilfe konzipierte Buch zeigte Thomas Bentler als unterhaltsamen Autoren. In „Volle Pulle Kreisliga“ hat er diesem unterhaltendem Ziel seines Schreibens nun seine ganze Aufmerksamkeit gewidmet. Das gesamte soziale Feld des Kreisligafußballs und seiner Handlungsträger umreißt er. Er typisiert und karikiert.

Mit einem Blick voller Sympathie auf den Fußball der unteren Ligen betrachtet er das Personal von Sportlern über die Schiedsrichter bis hin zu Funktionären und den Zuschauern. Seine Beobachtungen liefern Wahrheiten über den Mannschaftssport schlechthin. Wenn er die Typen einer Fußballmannschaft aufzählt, die verschiedenen Persönlichkeiten auf den jeweiligen Spielpositionen erwähnt, wenn er die verschiedenen Motive von Trainern, Funktionären und „treuen Seeelen“ aufzeichnet, haben wir die betreffenden Personen in den eigenen Vereinen immer sofort vor Augen. Mir fiel kein Persönlichkeits-Typus ein, den er außer Acht gelassen hat. Diese Typenreihe liest man herunter und versteht die Menschen in diesen Mannschaftssportarten sogar noch ein wenig besser.

Etwas weniger unterhaltsam wird das Buch im letzten Drittel, wenn Thomas Bentler sich dem Szenario des Amateurfußballs zuwendet, den Fußballplätzen und Umkleidekabinen. Typisierten Orten und Räumen ist nicht so viel Komik abzugewinnen wie Menschen, das liegt auf der Hand. Für den Witz mangelt es an Reibungsfläche. Aus dem Lachen wird auf den letzten Seiten das Schmunzeln hin und wieder. Was am Gesamteindruck nichts ändert.

Thomas Bentlers Buch ist im kleinen Paderborner Lektora-Verlag erschienen. Natürlich könnt ihr das Buch über den Buchhandel beziehen, doch ihr könnt es genauso direkt beim Verlag bestellen. Das ist nicht teurer und fast genauso schnell wie etwa bei Amazon, aber mehr vom Verkaufspreis bleibt beim local publisher. Was ich inzwischen durch den Vertrieb von meinem eigenen Buch „Mehr als Fußball“ selbst weiß. Insofern spreche ich auch pro domo, wenn ich sage,  solch kleinen Verlagen wie dem Lektora Verlag sind die Mehreinnahmen durch den Direktvertrieb nur zu gönnen.

Volle Pulle Kreisliga - der ganz normale Wahnsinn: Amateurfußball, wie er leibt und lebt. Ein Erfahrungsbericht ... von [Bentler, Thomas] Thomas Bentler
Volle Pulle Kreisliga – der ganz normale Wahnsinn! Amateurfußball, wie er leibt und lebt
Lektora Verlag, Paderborn 2016
247 Seiten
€ 13,90
ISBN: 978-3954610839

Fundstück: Aus der Trainerpraxis über unbequeme Charaktere

Im Basketball heißt die 2. Liga Pro A. Dort spielen die RheinStars Köln. Vor dem Auftaktspiel der Saison gegen Trier hatte der Kölner Stadt-Anzeiger mit dem Trainer der RheinStars, Arne Woltmann, ein Interview geführt. Die Schlussfrage ist für die so beliebte  Debatte zu den in einem Mannschaftssport notwendigen Spielertypen ein schöner Beitrag aus der Praxis.

KStA: Wäre es für solche Krisensituationen sinnvoll, einen unbequemen Charakter im Team zu haben?
Arne Woltmann: Ich habe beides erlebt: Dass eine Mannschaft, die sehr gut harmoniert, eine Liga komplett dominiert. Und dass ein Team, das sich ein bisschen gerieben hat, erfolgreich war. Manchmal ist Reibung sicher hilfreich.

Manchmal aber eben auch nicht, ließe sich hinzufügen. Wie immer im Leben kommt es drauf an. Letztlich weiß aber niemand vorher, in welcher Zusammensetzung so ein komplexes Gruppengebilde wie ein Mannschaftskader erfolgreich ist und vor allem weiß niemand vorher, wie sich die Persönlichkeiten von Spielern entwickeln. Es ist schön, wenn ein Trainer indirekt auf Selbstverständlichkeiten auch mal hinweist.

Und da wir gerade beim Basketball sind, stelle ich einen kurzen Zusammenschnitt vom letzten Spiel der ersten Mannschaft meines Heimatvereins Deutzer TV online. Deutz spielt in weiß. Wer hier schon länger mitliest, weiß, ich weise gerne auf den guten Sport hin, der von dieser zweiterfolgreichsten Mannschaft des Kölner Basketballs in der 2. Regionalliga zu sehen ist. Wer also in Köln guten Basketball sehen will, Infos zum Spielplan mit einem Klick.

 

Fußballgefühle wie früher

Faszinosium Fußball – das Finale der Champions League zwischen Atletico und Real erinnerte mich tatsächlich an die Spiele vom MSV Duisburg. Was habe ich mich gestern gelangweilt. Wie erinnerte die Dynamik des Spiels an die meist ergebnislosen Bemühungen um Schnelligkeit beim MSV. Was habe ich dem Überangebot im Netz gedankt für ablenkende Zerstreuung. Über weite Strecken des Spiels musste ich fortwährend an den MSV Duisburg beim Auswärtsspiel gegen Paderborn in der letzten Saison denken.

So jung habe ich mich dabei gefühlt. Früher, in den 70ern und 80ern war das eigentlich immer so für mich. Viel mehr als Fußball mit deutscher Beteiligung bekam man im TV ohnehin nicht zu sehen, und weil Fußball meist über lange Strecken eines Spiels langweilig war, war für mich nur der Fußball des MSV Duisburg wirklich wichtig. In Abstufungen kamen die Länderspiele und Europapokalspiele deutscher Mannschaften hinzu. Faszinosium Fußball hieß früher Sieg oder Niederlage meines Vereins.

Eine Zeit lang wurde das anders, weil die technischen Fähigkeiten der Spieler besser wurden. Weil es tatsächlich interessant wurde, die Kunstfertigkeit in anderen Spielen sich anzusehen. Heute aber fühle ich mich allzu oft an meine Jugend erinnert. Heute geht es mir wieder immer mehr so, dass mich nur noch Sieg oder Niederlage meines Vereins interesssiert. Denn ich bin ungnädiger geworden, wenn ich Fußballspiele ohne meinen Verein sehe, die mir als besondere Fußballspiele dargeboten werden. Wir wissen das, diese sollen ein konkurrenzloses Unterhaltungsangebot sein. Ein Angebot der Unterhaltungsindustrie aber, das nicht unterhaltsam ist, ist ein schlechtes Angebot. Das Eis ist dünn geworden für den Fußball als Angebot der Unterhaltungsindustrie. Zumindest bei mir. Ob es da wieder rausgeht?

Fußball ist doch auch nur eine andere Form Tennis

Sportbegeistert wie ich durchs Leben gehe, habe ich ja schon die ein und andere sportliche Mode in Deutschland mitgemacht. Als nach dem ersten Wimbledon-Sieg von Boris Becker 1985 das Tennis neben dem Fußball zum bedeutendsten TV-Sport wurde, staunte ich immer wieder, wie fokussiert Tennisspieler – ich meine Frauen wie Männer – auf jeden einzelnen möglichen Punktgewinn sind.

Egal, wie hoch der Gegner in einem Satz führt, die Kunst der Besten bestand immer darin, diese hohe Führung im eigenen Kopf zum Verschwinden zu bringen. Ich sah zu und staunte, wie sie selbst bei hohem Rückstand im Satz sich auf diesen einen Aufschlag und den folgenden Ballwechsel konzentrierten. Als Zuschauer wusste ich, der nächste Fehler bringt sie der Niederlag so nahe, dass jeder neue Ballwechsel in meinen Augen auch gleich abgeschenkt hätte werden können. Nichts dergleichen geschah.

Oft genug sah ich dann zu, wie es Spielern gelang, diesen einen Ballwechsel noch zu gewinnen. Dann folgte ein weiterer Punktgewinn und schließlich war der eigene Aufschlag durchgebracht. Der Aufschlag wechselte, und weiter wurde Ballwechsel um Ballwechsel der Rückstand vermindert.

Diese Fähigkeit im Moment zu bleiben und sich von der Gesamtsituation zu lösen ist das, was die Spieler vom MSV Duisburg morgen brauchen. Im Grunde ist der Fußball morgen nur eine andere Form Tennis. In jeder Spielsituation geht es um deren erfolgreiches Bestehen als Einzelaktion. Bei jedem Angriff geht es nur darum ein Tor zu erzielen. Bei jeder Defensivaktion gilt es diesen einzelnen Ball zu erobern. Mehr nicht. Das müssen die Spieler im Kopf haben. Der Rest ergibt sich von alleine. Hoffentlich kennt Ilia Gruev   professionelle Tennisspieler, mit denen er sich schon mal ausgetauscht hat.

Wir Zuschauer im Stadion werden unseren Teil ebenfalls beitragen müssen. Wir dürfen den Trainer der Würzburger Kickers, Bernd Hollerbach, und seine Spieler auch nicht enttäsuchen. Bernd Hollerbach erwartet die „Hölle“ für seine Mannschaft. Wir müssen also die Zebras sehr laut unterstützen. Nicht nur die Nord, das ganz Stadion. Wie schon geschrieben, gegen Leipzig hat das schon einmal sehr gut geklappt. Das wiederholen wir einfach, nur sehr viel länger und von Anpfiff an.

Manchmal ist weniger Trainer-Anweisung mehr

Hört man den Trainingskiebitzen zu oder liest ihre Trainingsberichte, soll Karsten Baumann im Training bei Fehlern im Mannschaftsspiel kaum korrigierende Anweisungen gegeben haben,  Gino Lettieri dafür um so mehr. Wie beides zu bewerten ist, ergibt sich natürlich durch den Erfolg der Mannschaft, aber bei näherer Betrachtung auch mit dem Blick auf die konkrete Spielweise der Mannschaft während der Saison.

Das richtige Maß für die spielstrukturienden Anweisungen im Training zu finden, ist jedenfalls nicht einfach, wie mir neulich ein Artikel in der  Süddeutschen Zeitung zu verstehen gab. Sebastian Herrmann schrieb über die Psychologie der Wahrnehmung und dem Phänomen, dass wir Menschen offensichtliche Dinge einfach übersehen.

Ein kurzer Abschnitt erinnerte mich an die Mannschaft des MSV zu Beginn beider Spielzeiten unter Gino Lettieri. Mir kam es manchmal so vor, als überlegten die Spieler zu viel, als seien sie zu sehr damit beschäftigt Anweisungen im Kopf abzuarbeiten. Erst einmal ist das Ganze Spekulation zu einer intuitiven Wahrnehmen, ob es mehr ist? Findet Ilija Gruev für seine Anweisungen einen Mittelweg, der die Köpfe der Spieler grundsätzlich freier macht und ihnen dennoch ein gutes Gerüst für das Spiel selbst gibt? Momentan sieht es für mich so aus.

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Den gesamten lesenswerten Artikel „Der unsichtbare Gorilla“ zur Psychologie der Wahrnehmung gibt es bei der Süddeutschen Zeitung mit einem Klick.

Weggelesen: Der Lebenshilfe-Ratgeber für Fußballtrainer – Thomas Bentler: Wenn schon, dann richtig!

Zu Buchmessen fahre ich auch wegen der Zufallsfunde. In diesem Jahr blieb mein Blick auf einen Messestand beim Verlagsort Paderborn hängen. Vorurteilsbeladen wie ich immer mal wieder durchs Leben gehe, überraschte mich ein Verlag meiner angeheirateten Heimat, der im Umfeld der Indepent Verlage seinen Stand hatte und nicht bei den Verlagen mit dem Programmschwerpunkt Religion und Christentum.

Der Lektora Verlag ist in der Poetry-Slam-Szene verwurzelt, Verleger Karsten Strack steht seit Jahren selbst auf der Bühne, und die meisten Autoren dieses Verlags teilen diese Erfahrung. Nun kann man sagen, in gewisser Weise hängt der Erfolg von Fußballtrainern auch von ihrer Perfomance vor dem Publikum Mannschaft ab, und deshalb erregte das Manuskript eines solchen Trainers die Aufmerksamkeit des Verlegers. Doch schaut man sich das Verlagsprogramm genauer an, so gibt es bereits einige Bücher abseits der Slammer-Prosa, und seit diesem Herbst eben auch ein sehr eigenes Exemplar der Fußball-Ratgeberliteratur.

„Wenn schon, dann richtig!“, so heißt das von Thomas Bentler geschriebene Lebenshilfe-Handbuch für den Fußballtrainer an der Basis. Der 35-jährige Thomas Bentler war Trainer von Seniorenmannschaften der unteren Ligen rund um Paderborn und gehört zur Zeit dem Trainerteam der U17 vom SC Paderborn an. In seinem Buch entwirft er das Ideal vom Trainer einer Manschaftssportart und das seiner Arbeit.

Oft flapsig im Ton, stets mit substanziellem Gehalt schreibt er sich am  Ablauf einer Saison samt Sommer- und Winterpause entlang. Gründsätzlich wird er zu Beginn in seinen Anmerkungen zur Einstellung dem Fußball, den Spielern gegenüber, zu Umgangsformen und zur pädagogischen Haltung des Trainers. Alle wesentlichen Momente des sportlichen Alltags nimmt er sich vor. Ob Zusammenstellung des Kaders und des Betreuerteams, ob  Training selbst, die vielen Phasen eines Spiels von Kabinenansprache über Spielverlauf bis hin zum Feiern großer Siege oder dem Verdauen von Niederlagen, immer beschreibt er auf populäre Weise einen Trainer so, wie er idealerweise handelt und reagiert.

Der Haken an solchen Lebenshilfe-Büchern ist immer der Weg hin zum beschriebenen Ideal. Weil solche Wege von den persönlichen Voraussetzungen des Lesers abhängen, können Bemerkungen dazu, nur sehr allgemein bleiben. Um helfende Methoden und Wege zur Verbesserung der eigenen Arbeit muss sich der lesende Trainer also in fast allen Belangen selbst kümmern. Thomas Bentler ist sich dieser Beschränkung bewusst. Er wollte, wie er im Vorwort schreibt, keine starren Handlungsempfehlungen geben. Sein Buch ist quasi eine Merkliste, eine Art Maßstab, an dem Trainer sich selbst und ihre Arbeit überprüfen können. Das Buch hilft jedem Trainer im Breitensport dabei, sich im alltäglichen Trott und bei all den Kompromissen zwischen dem eigenen Berufsleben, der Familie und den Notwendigkeiten einer ordentlichen Mannschaftsbetreuung an Grundsätze der Arbeit eines Trainers zu erinnern.

Ein kleiner Hinweis noch: Ihr könnt das Buch auch direkt beim Verlag bestellen. Genauso günstig und fast genauso schnell wie etwa bei Amazon, aber mehr vom Verkaufspreis bleibt beim local publisher. Was solch kleinen Verlagen wie dem Lektora Verlag nur zu gönnen ist.

Wenn schon, dann richtig

 

 

 

Thomas Bentler
Wenn schon, dann richtig! – … denn Halbgas können andere machen!
Lektora Verlag, Paderborn 2015
220 Seiten
€ 13,90
ISBN: 978-3-95461-049-5


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