Archive for the 'Der Stig spricht' Category

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – IV – Rahn und Rekordmeister

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Fußballgeschichte wurde oft in Duisburg oft geschrieben. Hier ist es der allererste Platzverweis in der Bundesliga-Historie, an den wir erinnern möchten.
Wedau-Stadion, 14. September 1963. In der 77. Minute des Spiels MSV gegen Hertha BSC erlebt man in Deutschland eine Premiere: den ersten Platzverweis in der neuen Liga. Der Hertha-Linksaußen Beyer hatte den MSV-Rechtsaußen Rahn gefoult. Als Beyer scheinheilig Rahn die Hand zur Versöhnung anbot, schlug Rahn die Judas-Pfote aus und traf Beyer mit einer unwirschen Kopfbewegung im Gesicht. Das war’s. Eine Rote Karte gab es damals noch nicht, also musste die unerbittliche Geste des Schiedsrichters reichen.
Es war nicht irgendwer, der da als erster des Feldes verwiesen wurde. Es war einer der Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland, der in Duisburg vorzeitig unter die Dusche musste. FAZ-Herausgeber Joachim Fest rechnete neben Konrad Adenauer, zuständig für die Politik, und Ludwig Erhard, zuständig für die Wirtschaft, Helmut Rahn zum dritten Gründungsvater der jungen Bundesrepublik. Denn Rahn habe mit seinem Siegtor beim 54er WM-Triumph in Bern für ein neues Selbstbewusstsein der Deutschen gesorgt. Er ist der Gründungsvater einer neuen deutschen „Wir-sind-wieder-wer“-Mentalität. Helmut Rahn, der „Boss“, also war es, der damals das Zebra-Trikot trug und 9 Jahre nach Bern erneut Geschichte schrieb. Nicht zu vergessen: Auch Toni Turek, Torhüter beim „Wunder von Bern“, ist gebürtiger Duisburger und erlernte hier das Fußballspielen.

Der MSV ist der „deutsche Rekordmeister“ der 1970er Jahre.
So schrieb man in der Fachpresse zu Beginn der 80er Jahre. Die A-Jugend, heute: U 19, des MSV war 1972, 1977 und 1978 Deutscher Meister geworden, so häufig wie kein anderer Verein bis dahin.

 

Zu den anderen Folgen des Gastbeitrags von Klaus Hansen mit einem Klick.

 

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Dänen lügen nicht – Der MSV ist kein Wenn-Dann-Verein

„Stig“, sagt Kees gestern  zu mir „kannst du Samstag schon wieder was schreiben? Und Sonntag auch nach Erfurt fahren?“ Ich guck ihn an und denk, dir muss es aber noch schlecht gehen, wenn ich so schnell nochmal randarf. Aber meinetwegen. Doch was für eine blöde Frage zu Erfurt. Als ob er nicht wüsste, das geht nur, wenn wir auch beide fahren. Kees war von den Tabletten anscheinend noch ein bisschen matschig im Kopf. Seit Mittwochabend arbeitet seine medizinische Abteilung daran, den Einsatz am Sonntag auf den Rängen zu ermöglichen. Als gestern die fiebrige Erkältung im Abklingen war, machte die Rückenmuskulatur zu. Wie ernst das Ganze ist, weiß ich nicht. Kees‘ medizinische Abteilung gibt keine Prognosen. Mit mir redet sie schon gar nicht. Eigentlich ist Müller-Wohlfahrt neulich kein schlechtes Vorbild für Kees‘ Frau. Darf ich nur nicht laut sagen.

Mehrmals schon habe ich Kees vorsichtig darauf hingewiesen, an der Stelle müssen wir professioneller werden. Mit genauen Verletzungsangaben und Krankheitsgeschichten schickt Google dir nicht nur die Arztserien-Freaks als Leser. Die Splatter-Fans nimmst du mit etwas Glück noch nebenbei mit. Entfernung der Schleimbeutelfalte, fingerbreit über dem Schambeinansatz, Querfraktur der Kniescheibe. Jeder Fußballreporter befragt doch längst eine Anatomie-App für seine Texte. Aber Kees guckt nicht mal ins Lexikon.

Wie soll das in der nächsten Saison werden? Wenn Fußballdeutschland wieder regelmäßig nach Duisburg blickt. Besonders am Anfang der Saison. Zweitligareif ohne Anatomievokabular? Wie soll das gehen? Die Mannschaft ist jedenfalls zweitligareif. Ich bin nicht zu voreilig. Ich sage nur die Wahrheit. Nichts macht stärker als das Wissen um die eigene Stärke. Der MSV ist in dieser Saison kein Wenn-Dann-Verein! Was für ein geiles Gefühl, nicht abhängig von den Ergebnissen der anderen zu sein. Ich weiß nicht mehr, in wievielen Zweitligajahren ich, damals noch in Arhus aus der Ferne, bei anderen Vereinen mitgefiebert habe, damit die Zebras am übernächsten Spieltag noch einmal an den vorderen Plätzen kratzen könnten. Aber nur wenn erneut alle anderen Vereine für uns spielten. Wieviele Wenn-Dann-Prognosen habe ich jeweils angepasst, um bessere Laune zu bekommen. Und wie oft trat nicht mal das erste entscheidende Wenn ein, der notwendige Sieg des MSV. Damals habe ich immer den Mund gehalten, wenn es um die Zukunft des MSV ging. Denn immer spielte Glück in meinen Überlegungen eine Rolle. In dieser Saison sorgt die Manschaft schon selbst für das Glück. Diese Mannschaft strahlt völlig zurecht großes Selbstbewusstsein aus. Sie hat in den letzten Wochen einen Willen entwickelt, der bis hoch in die Ränge spürbar ist. Noch auf dem entferntesten Platz vom Spielfeld ist zu sehen, wie die Spieler der eigenen Stärke vertrauen, wie sie den Rhythmus des Spiels bestimmen wollen. Der Gegner soll sich gefälligst nach uns richten.

Preußen Münster war letzte Woche einen Spieltag lang noch einmal ein Wenn-Dann-Verein. Der MSV hat dem sofort ein Ende bereitet. Nun outen sich die Stuttgarter Kickers als ein Wenn-Dann-Verein. Sie hoffen heute auf ein gutes Ergebnis von Fortuna Köln und nächste Woche auf den Sieg des MSV Duisburg. Holstein Kiel hingegen würde erst das Ergebnis des heutigen Heimspiels zu einem Wenn-Dann-Verein machen. Lese ich im Kölner Stadt-Anzeiger den Vorbericht zu dem Spiel – online steht er anscheinend noch nicht -, so fehlt mir etwas Aufmerksamkeit der Kölner für die Aufgabe des Tages. Anscheinend wird schon sehr an die nächste Saison gedacht. Was in Kiel geschieht, kann deshalb nur überraschendes Zubrot sein. Für die Fortuna und in Folge auch für den MSV. Aber das ist ja das Schöne, wenn man nicht als Wenn-Dann-Verein in die Endphase einer Saison geht. Das interessiert einfach nicht. Wir nehmen es, wie es kommt und behalten bei allem unsere gute Laune. Wahrscheinlich würde sie noch ein kleines bisschen besser, wenn die Fortuna heute zufrieden nach Hause fährt. Rein regional gesehen. Rheinland vor, noch ein Tor!  Doch wenn ich an Holstein Kiel oder Fortuna Köln denke, sehe ich sofort nur die Spieler der Zebras. Ich sehe eine Mannschaft, die in Erfurt vom Anpfiff an zeigt, dieses Spiel will sie gewinnen. Allmählich tauchen sogar auch Kees und ich in diesem Bild vom morgigen Tag auf dem Weg zum Stadion auf. Der medizinischen Abteilung sei Dank. Lassen wir das also lieber mit der Wiederaufnahme des Guardiola-Müller-Wohlfahrt-Stücks als Duisburger Inszenierung.

Dänen lügen nicht – Kritikerlob für 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen

Wenn Kees es nicht selbst hier online stellt, mache ich es eben. Wie neulich schon gesagt, ich kann auch anders. Ich will doch gar nicht immer nur meckern. Ich rede zum Beispiel gerne darüber, wenn jemand darüber redet, dass Kees was Gutes getan hat, eigentlich ja nicht Kees, aber Kees, wenn er als Ralf Koss unterwegs ist, ihr wisst schon, irgendwie ist der eben schon auch Kees.

111_Ruhr_Historisch_Cover_kleinUnd wenn ich das nicht weiter erzähle, kriegt ihr das doch niemals mit. Oder lest ihr Zeitschriften über die Geschichte des Potts? Eine heißt Geschichtskultur Ruhr,  und in der hat Christoph Wilmer 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen besprochen. Er meint, das Buch lade „zum Spazieren durch die Region und ihre Geschichte“ ein. Das Wichtigste vom Rest habe ich euch einfach kopiert. Geschichtskultur Ruhr, 01/2015 –  da steht das drin.

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2015_geschichtskultur_3

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Online ist der Artikel nicht zu lesen. Ein Eindruck von der Zeitschrift vermittelt das Inhaltsverzeichnis, zu dem es weiter mit einem Klick geht. 

Zunächst wollte Kees auf der Seite Orte im Ruhrgebiet, die Geschichte erzählen die Arbeit am Buch kommentieren. Inzwischen nutzt er sie für alles, was ihm über Geschichte des Potts begegnet.

Dänen lügen nicht – Vom Doublebind oder Wer B sagt, war bei den letzten Spielen des MSV

„Stig“, sagt Kees gestern zu mir, „du schreibst jetzt aber nicht auch noch was zum Spiel gegen Oberhausen und zu Lettieri. Wir gucken nach vorne. Wir müssen gegen Cottbus gewinnen. Die Stimmung muss dafür überall wieder besser werden.“ Red du mal, hab ich gedacht und „Nein, tut mir leid, Kees“, gesagt, „die Stimmung wird so und so besser. Ich schreibe mit Sicherheit was nach diesem Vorbericht vom MSV zum Spiel gegen Energie Cottbus“. Was raus will, muss raus. Gibt sonst nur irgendwelche Krankheiten, die keiner kennt.

Für alle, die den Vorbericht noch nicht gesehen haben.

Seitdem ich hier beim Kees mitmache, bin ich wohl zum Mann für grobe Worte geworden. Ich kann auch anders, ich komme nur nicht dazu. Natürlich weiß auch ich, dass das Ziel Aufstieg nur gemeinsam erreicht wird. Aber deshalb zu Gefahren schweigen? Wenn wir alle Samstag im Stadion stehen, wird es ohnehin diesen Zusammenhalt geben. Da bin ich sicher. Das ist Fußball. Es geht immer weiter. Es wird eine andere Mannschaft sein, die antritt und Oberhausen wird vergessen werden.

Nicht vergessen werde ich aber, dass Gino Lettieri und Ivo Grlic große Schwierigkeiten haben sich einzugestehen, dass sie vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen einen Fehler gemacht haben. Das ist Schnee von gestern, sagen bestimmt schon genügend Leute, sagt Kees ja zähneknirschend auch. Leute, klar, das stimmt. Aber habt ihr euch den Vorbericht jetzt angesehen?

Ich will warnen, vor allem will ich Gino Lettieri und Ivo Grlic helfen. Was die beiden in diesem Vorbericht machen, hat einen Namen in allen Beziehungsratgebern. Das ist der Worst Case aller Krisen. Wer mit zwei widersprüchlichen Botschaften an jemanden appeliert, um ihn emotional zu binden, macht ihn verrückt. Machse etwa wieder „Doublebind“?, sagen wir MSV-Fans zu Lettieri demnächst alle. Wir kennen unsere Beziehungsratgeber und sind alle Fachleute für Kommunikation. Wer sich bei Wikipedia zum „Doublebind“ einlesen will, bitte schön, nur ein Klick.

Man kann nicht den Zusammenhalt beschwören, nachdem man sich als allererstes erneut von den Spielern distanziert hat. Das ist genau das Gegenteil von Zusammenhalt. Wer also mit dem Distanzieren anfängt, gibt den Fans ein Beispiel. Welcher Botschaft sollen wir folgen? Der impliziten? Ich darf sehr wohl sehr sauer über einzelne in unserer MSV-Welt sein und diesen Unmut auch äußern, jeder eben nach seiner Art. Oder der durch Worte transportierten? Wir schaffen den Weg gemeinsam? Dass in Oberhausen genügend Idioten auf den Zebrarängen unterwegs waren, lass ich mal außen vor.

Nun gibts ja ne Menge unter euch, die sagen, Lettieri hat doch recht. Die Spieler spielten schlecht. Wir haben doch ein Recht sauer zu sein. Interessiert an der Stelle aber gar nicht! An der Stelle geht ja es um den Zusammenhalt. Und wer den aufs Schild hebt, muss anders handeln. Und jetzt führe ich euch einen kleinen Zaubertrick vor. Man kann Zusammenhalt beschwören und jemanden in der Gruppe, um die es geht kritisieren, wenn man zuvor den ehrlichen Blick auf sich selbst geworfen hat.

So, und zu diesem ehrlichen Blick gehört eine ganz offensichtliche Aussage, die ich weder von Gino Lettieri noch von Ivo Grlic bislang gehört habe. Beide tragen die Entscheidung für die Aufstellung der Mannschaft des MSV im Spiel gegen Oberhausen. Beide müssten sagen, wir haben nicht erwartet, dass RWO so stark spielt. Das ist unser Fehler gewesen. Erst danach können wir den Zusammenhalt beschwören. Wer die Aufstellung nur damit rechtfertigt, fast alle Spieler der Mannschaft in Oberhausen beanspruchten in der 3. Liga samstags in der ersten Elf zu sein, übertüncht mit dicken Farben die Tatsache, dass diesem Anspruch während der letzten Wochen von den sportlich Verantwortlichen nicht stattgegeben wurde.

Wer Kevin Scheidhauer im Spiel gegen Rostock gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft einen überlegen aufspielenden Stürmer erwarten. Wer Michael Gardawski und Dennis Grote in den Punktespielen der letzten Wochen gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass sie sich problemlos gegen sehr motivierte Oberhausener Spieler durchsetzen werden. Dabei hatte ich für die Offensive noch weniger Bedenken als bei der Defensive. RWO hatte in den letzten Wochen einen Lauf. Diese Mannschaft spielte sehr gut zusammen, und das sollte eine Defensive bewältigen, die erstmals in einem Wettbewerb unter Druck geriet? Träumerei!

Wer je über einen längeren Zeitraum Mannschaftssport betrieben hat, wird es kennen, dass selbst bei harter Konkurrenz in der eigenen Mannschaft das Trainingsspiel den einzelnen Spieler weniger beansprucht als das Spiel im Wettbewerb. Das ist normal, denn man spielt mit der eigenen Gruppe. All das sage ich nur noch einmal, weil es mir um den Zusammenhalt geht. Die Leute reden und schreiben sich über die Mannschaftsaufstellung in Rage. Die Meinungsverschiedenheiten haben doch einen Grund, und der ist eine Leerstelle bei den Erklärungen für die Niederlage. Der Zusammenhalt wäre einfacher zu haben, wenn diese Leerstelle durch Selbstkritik von Gino Lettieri und Ivo Grlic gefüllt worden wäre.

Übrigens spielte Cottbus beim Regionalligisten Babelsberg und gewann 2:0. Der Trainer, Stefan Krämer, hat es nach so einem Sieg natürlich einfacher auf der Pressekonferenz. Bei einigen seiner Sätze könnten in Duisburg aber sogar die Ohren klingeln. Er ist sehr froh über den Sieg und ab Minute 2.05 berichtet er, dass sie sich vor dem Länderpokalspiel genauso vorbereitet hätten wie vor einem Drittligaspiel, und dann sagt Stefan Krämer etwas, was in Duisburg jedem, der nur die Spieler kritisiert, aus dem Blick geraten ist: „Es ist nicht selbstverständlich bei einem Regionalligisten 2:0 zu gewinnen.“

Zu Beginn, ab 0.45, spricht Stefan Krämer außerdem zu dem Fußball, der ihm am besten gefällt und gibt einen interessanten Einblick in Mannschaftstaktik.

Dänen lügen nicht – DFB vertreibt Kölner Südtribünen-Fan nach Holland

„Stig“, sagt Kees gestern zu mir, „hast du das gelesen?“ Natürlich hatte ich es gelesen. Meine Meinung dazu: Muss der der DFB in Zukunft auch mal mit Kriminalwissenschaftlern sprechen. Die kennen sich mit so was aus. Kees verstand erstmal gar nichts. Manchmal will er nach meinem Geschmack zu viele Fakten für das Offensichtliche. Also habe ich es ihm erklärt.

Bekannterweise muss der 1. FC Köln wegen des idiotischen Verhaltens von einigen wenigen seiner Fans während der nächsten drei Heimspiele zwei Blöcke der Südtribüne sperren. 2800 Plätze werden unbesetzt bleiben. 2800 Fans wissen nicht wohin. Und unter den 2800 Kölnern hast du nun mal den ein oder anderen Durchgedrehten. Kriminalwissenschaftler aber kennen das Risiko in so einem Fall genau. Guckt die Polizei zum Beispiel mal ein bisschen öfter auf so  ’ne Drogenszenen in der Innenstadt, stören die Junkies vielleicht beim Shopping nicht mehr, dafür stehen sie eben in den ärmeren Teilen der Stadt auf irgend’nem Platz herum.

Wenn du also auf der niederländischen Online-Platform The Post online diese Nachricht aus Zeeland liest: „Duitser (48) mishandelt jochie (11) na potje campingvoetbal„, dann muss du nur eins und eins zusammenzählen. Niederländisch ist ja wie Dänisch für Anfänger. Ihr habt das doch verstanden? Ein Fußballspiel. Und so was wie ne Prügelei. Zwischen erwachsenem Deutschen und niederländischem Jungen. Der Ort: ein Campingplatz in Zeeland. Das sind die Fakten. So! Und wo kommen nochmal am Wochenende einige dieser Durchgedrehten nicht ins Stadion? Seid ihr so begriffsstutzig wie Kees? Muss ich es wirklich aussprechen? Das war nicht irgendein erwachsener Mann, der in Zeeland ausgerastet ist. Ich sage nur:  „Uit Keulen!“.  Irgendwohin geht so ein Kölner ja hin, wenn er nicht ins Stadion kommt. Keine Medizin ohne Nebenwirkungen. Auch Strafen vom DFB nicht.

Der Sting spricht: Freche Angebote

Jetzt habe ich die Schnauze voll. Das war vorhin die dritte Anfrage in kurzer Zeit. Leute, merkt ihr noch was? But I also must say it in english! Ein paar von denen verstehen kein deutsch. Dear Mr. Jaratz, so schreiben sie dem Kees. Sehr geehrter Herr Jaratz! Wir sind ein internationaler Vermarkter. Ihr, marketing agencies, I mean you und eure Kunden – die Unternehmen mit was weiß ich für Angeboten, die so gut zum Zebrastreifenblog passen. Denken ist nicht so euer Fall, oder? Mehr so das Süßholzraspeln und Heimlichtun. Und Billigheimern natürlich, ist ja nur  ein schnöder Blogger, für dessen Ruf ihr mal 60 Euro rüberschieben wollt, manchmal auch was mehr als das Doppelte. Aber auf keinen Fall will euer Kunde, dass der Post in irgendeiner Weise gekauft wirkt. Professioneller Auftritt. Wir suchen Kooperationspartner. Pah!

Versteht ihr Typen, was ihr da macht? Ihr sägt den Ast ab, den ihr  braucht. Oder seid ihr eher von der alten Wegwerfschule? Nutzen und ab in den Eimer. Wachsen ja genügend Blogger nach auf der prächtig sprießenden Onlinewiese. Nehmen wir beim nächsten Mal halt den nächsten. Ihr wisst wahrscheinlich genau, was ihr tut! So hohl ist eure Birne gar nicht. Aber Kees und ich sind es selbst, die für jedes Wort hier einstehen. Da gibt es keinen Verlag, den ein Presserat mal anpissen kann, wenn ein bisschen Schleichwerbung mitgenommen wird und der das dann locker wegsteckt. Versendet sich ohnehin, nach dem Motto. Wir haben nichts anderes als unseren Stil, die Haltung und unsere Glaubwürdigkeit. Unsere Leser vertrauen uns. Und der Missbrauch dieses Vertrauens ist euch nur bis zu 140 Euro wert? Ihr spinnt doch.

Am meisten kotzt mich an, irgendwo da draußen sitzt gerade irgendjemand, der dieses Geld braucht. Und dem macht ihr dasselbe Angebot. Ganz dringend braucht er es, weil er seine Miete bezahlen will und was essen muss. Ihr macht kein Marketing, ihr nutzt Menschen aus. Und ich weiß nicht mal, ob Kees und ich nicht in einem Jahr auch dringend Geld brauchen. Vielleicht werden wir dann  ja sagen und uns mal eine Weile nicht mehr ins Gesicht gucken können. Weil euch grundlegende Regeln in der Demokratie  scheißegal sind. Vierte Gewalt, was für ein Quatsch. Mit Schreiben lässt sich doch eh nur selten Geld im Netz verdienen. Also, ab dafür. Zerstört Glaubwürdigkeit, wo ihr nur könnt. Ihr seid in guter Gesellschaft.  Wenn schon Zeitungsverlage beim Geschäftsmodell dabei sind, wie lächerlich wirkt dann die Integrität einzelner Blogger.


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