Archive for the 'Saison 2008/2009' Category

Kosta auf den Zaun

So hat sich Branimir Bajic seinen Anteil am 3:2-Sieg des MSV Duisburg gegen den SC Paderborn mit Sicherheit nicht vorgestellt. Er hätte wahrscheinlich gerne den wie üblich souverän geschossenen Elfmeter erwähnt wissen wollen. Eine rote Karte aber als selbstloses Opfer für eine bessere Mannschaftsleistung? Das stand bestimmt nicht auf dem Plan. Als er vom Spielfeld ging, überwog noch der Ärger über die Schiedsrichterentscheidung. Da war noch nicht abzusehen, wie sehr sich die Mannschaft vom MSV Duisburg die weitere Spielzeit von knapp 20 Minuten steigerte. Es wurde noch einmal intensiv um jeden offenen Ball gekämpft. Meter um Meter wurden gelaufen. Kombinationen gelangen. Es war all das zu sehen, was zu Beginn der zweiten Halbzeit sich mehr und mehr andeutete und in der ersten Halbzeit kaum vorhanden war.

Es war ein unterhaltsames letztes Spiel der Saison, in dem der SC Paderborn sich zunächst als die kombinationssicherere Mannschaft erwies und sehr früh den Spielaufbau des MSV Duisburg zu stören begann. Wenn fast die gesamte Mannschaft des SC Paderborn in die gegnerische Spielhälfte rückt,  gibt es schon auf Höhe des Strafraums nur wenig  Raum und Ruhe, den Ball sicher dem Mitspieler zuzupassen. Halblange und lange Bälle boten Lösungen für das Problem, obgleich auch die Versuche geordnet nach vorne zu kommen nie eingestellt wurden. So kamen die Chancen des MSV Duisburg nach nur wenigen Ballkontakten zustande, während der SC Paderborn sich kontinuierlich, Mann für Mann durch die Duisburger Defensive spielte. Mit dem Führungstreffer konnte Timo Perthel noch einmal seine Qualität als Distanzschütze beweisen. Das hatte im Hinspiel schon geklappt. Sicherheit gab diese Führung aber nicht, und der Ausgleich schien nur eine Frage der Zeit zu sein.

Auf der linken Abwehrseite scheint es Abstimmungsschwierigkeiten gegeben zu haben. Immer mal wieder hatte Andreas Ibertsberger zwei Paderborner Spieler gegen sich. Dementsprechend konnte er nicht alles richtig machen. Das war aber meiner Meinung nach weniger seinem Stellungsspiel geschuldet als mangelnder Zuordnung auf der gesamten linken Seite beim schnellen Paderborner Kombinationsspiel. Seine Auswechlung war deshalb wohl mehr durch die Platzwunde am Kopf verursacht als durch seine Leistung.

Die zweite Halbzeit begann der MSV Duisburg energischer. Der Druck auf das Paderborner Tor wurde größer, und das Kombinationsspiel der Paderborner konnte sich nicht mehr so eindrucksvoll entfalten. Dennoch erhielt der MSV Duisburg seine Chancen eher durch die steilen Bälle in die Spitze. Einen dieser Bälle erlief sich Daniel Brosinski, der beim Abschluss im Strafraum gefoult wurde. Branimir Bajic als Standardschütze trat zum Elfmeter an und traf. Der erneute Ausgleich fiel durch einen sehr gut geschossenen Freistoß von Mario Vrancic. Beide Mannschaften wollten dieses Spiel weiterhin gewinnen. So wurden die Räume beim Hin und Her offener. Während die Paderborner ihre Kombinationssicherheit etwas einbüßten, gewannen die Zebras sie hinzu.

Sören Brandy war für mich der Spieler dieses Spiels, nicht nur weil ihm das Siegtor dann aus spitzem Winkel beeindruckend cool gelang. In diesem Spiel zeigte er noch einmal alle seine Qualitäten, die ihn für den MSV Duisburg so wichtig machen. Er läuft ungemein viel, schafft Lücken und stößt selbst in freie Räume. Er hat ein Auge für die Entwicklung von Spielsituationen. Das macht seinen Kampf um den Ball so effektiv. Dabei verfügt er über eine gute Technik, und in der Rückrunde ist seine Spielweise zudem offener geworden. Er sucht öfter das Abspiel, was natürlich auch dank das besseren Eingespieltsein der Mannschaft gelingt.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel bedankt sich Kosta Runjaic bei allen, die mitgezittert haben in dieser Saison. Wieviel Zeit er sich für die Dankesworte nimmt, weist für mich auf die Zukunft dieses Vereins. Kosta Runjaic denkt in größeren Zusammenhängen. Er sieht nicht nur die sportliche Leistung seiner Mannschaft, sondern er weiß, wie diese sportliche Leistung auch von äußeren Einflüssen wie dem Umfeld des Vereins abhängig ist. In seinen Worten lässt sich erkennen, dass er ebenso weiß, jemand muss sich für die gute Stimmung rund um den Verein einsetzen. Dieser Trainer ist ein Glücksgriff für den MSV Duisburg gewesen. Ich hoffe sehr, dass er noch einige Zeit in Duisburg bleibt und beim MSV weitere Beweise für die Qualität seiner Arbeit abliefert.

Neben der Pressekonferenz sind zudem die Stimmen von Sören Brandy, Goran Sukalo, Timo Perthel, Daniel Brosinski, Julian Koch und Srdjan Baljak zu hören. Über Srdjan Baljak hätte ich natürlich gerne die wunderbare Geschichte von seinem letzten Tor der Saison geschrieben. Einmal blitzte diese Möglichkeit auf, als Daniel Brosinski auf das Tor zog und vielleicht hätte abspielen können. Aber es war ja Daniel Brosinski. Und Ruhmestaten herbeischreiben, das braucht Srdjan Baljak nicht. Auch wenn er souverän kurz vor Ende des Spiels noch einen Eckball für den MSV Duisburg herausgeholt hat. So etwas als besondere Leistung zu erwähnen, wirkt doch übertrieben. Dafür hat der MSV Duisburg diesem Spieler viel zu viel zu verdanken. Der Abschied von ihm schmerzt. Alles Gute, Srdjan Baljak!

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Vier

Ein komisches Gefühl beschlich mich, als ich vorhin in den Dreiuhr-Nachrichten im Radio von vier manipulierten Zweitligaspielen der letzten Saison gehört habe. Der Gedanke, der MSV Duisburg könne betroffen sein, bedroht ja nicht nur meine Haltung zum Spiel sondern auch mein Schreiben. Während es vorhin im Radio hieß, aus ermittlungstaktischen Gründen nenne man noch keine Vereine, berichtet SPIEGEL ONLINE mit Bezug auf die Neue Osnabrücker Zeitung bereits von zwei manipulierten Auswärtsspielen des Vfl Osnabrück. Es bleiben  noch zwei weitere Spiele.

Ein Qualitätsbeweis? SC Freiburg sucht gerne Verstärkung beim MSV

Ob Cedrick Makiadi noch mit Armin Veh gesprochen hat, wie es seine Absicht nach dem letzten Spiel für den MSV Duisburg war? Ich kann es mir nicht vorstellen, so schnell wie jetzt der Vertragsabschluss von ihm mit dem SC Freiburg verkündet wurde. Nachdem die Freiburger mit Mohamadou Idrissou schon einmal mit der Verpflichtung eines Stürmers vom MSV Duisburg zufrieden sein konnten, sind sie laut Sportdirektor Dirk Dufner jetzt auch von den „spielerischen Fähigkeiten“ des nächsten MSV-Stürmers überzeugt. Zumal Makiadi als erfolgreicher Stammspieler nach Freiburg wechselt und Idrissou bei seinem Wechsel in der Winterpause 2008 zwar in der Hinrunde dieser letzten Bundesliga-Saison des MSV 2007/2008 auch regelmäßig zum Einsatz kam, er in der damaligen Zeit aber eine Formkrise durchlebte. Unvergessen sein Platzverweis beim Auswärtsspiel gegen Bayern München kurz vor Ende des Spiels, als man nicht wusste, ob sein Nachtreten gegen Oli Kahn dem ganzen Frust über die eigene Leistung geschuldet war oder ob das nur den nicht bewusst angestrebten Höhepunkt jenes damaligen Unvermögens darstellte. Das letzte Spiel der Hinrunde wurde damit zum letzten Spiel Idrissous für den MSV Duisburg. Die Enttäuschung über diesen Auftritt Idrissous in München hat Rudi Bommer, wir erinnern uns, damals noch Trainer, anscheinend in die Winterpause mitgenommen und nicht mehr überwunden.

Makiadi kommt da mit einem anderen Selbstbewusstsein nach Freiburg und braucht für seine zukünftigen Bundesligaeinsätze nicht erst aufgebaut zu werden. Trotz seiner Tore beim MSV halte ich Makiadis Erfolg in Freiburg aber für keinen Selbstläufer. Dazu spielte er mir nicht konstant genug auf hohem Niveau als Teil des Mannschaftsgefüges. Solch eine Leistung hängt natürlich wiederum von den Nebenleuten ab, und deshalb ist die Prognose über die zukünftige Leistung immer mit einem Unsicherheitsfaktor verbunden. Fußball ist nun mal ein Mannschaftssport und die Zusammenstellung einer Mannschaft bestimmt, wie sich das Potential eines Spielers entfaltet. Besäße man jetzt die Sicherheit zu sagen, Makiadi spielt in der 1. Liga für Freiburg konstant auf hohem Niveau, hätte er in dieser vergangenen Saison für den MSV nicht gespielt. Dann wäre er so gut, dass er auch ohne die entsprechende Leistung seiner Nebenleute in jedem Spiel sein ganz persönliches Können gezeigt hätte und damit so gut, dass er für den Verein aller Vereine gar nicht erst erschwinglich gewesen wäre. Man sieht, Fußball ist ein kompliziertes Geschäft.

Mitten in Meiderich – Abspann

So ganz habe ich mich von „Mitten in Meiderich“ noch nicht verabschiedet.  Das Serielle solcher Formate berührt doch das zutiefst menschliche Bedüfnis nach der Rhythmisierung des Lebens. Wenn ich mir vorstelle, am nächsten Dienstag keinen neuen Clip über den MSV Duisburg mehr zu sehen, fühle ich diesen leichten Stich eines Verlustes. Ich fühle ihn, obwohl ich zum Ende der Saison eher unzufrieden als zufrieden war und sogar meine Lust über die jeweilige Folge zu schreiben keineswegs stabil vorhanden war. Dennoch, das weiß ich jetzt schon,  mir wird in Zukunft das Sehen der Videoclips und genau dieses Schreiben fehlen. Gefühle des Abschieds können schillernd sein.

„Mitten in Meiderich“ gewährte mir nicht nur die kurze, unterhaltsame Pause vom Alltag. Unterhaltsam deshalb, weil auch als gerecht empfundenes  mildes Ärgern unterhält. Das ist meine Perspektive als Fan und es ist offensichtlich, dass meine Ansprüche als Fan durch das Serielle der Form vollauf bedient waren. Einmal in der Woche ein paar bewegte Bilder vom Verein meines Interesses. Das ist gut, egal ob sie jedes Mal mir etwas wirklich Interessantes zeigen. Sie bieten auf jeden Fall Anlass, mich mit etwas zu beschäftigen, was sehr fest mit meinem Leben verbunden ist.

Darüber hinaus habe ich durch „Mitten in Meiderich“ aber auch die Gelegenheit erhalten, meine eigenen Vorstellungen von gelungenen Dokumentationen auf vielfältige Weise zu durchdenken und damit zu schärfen. Sowohl für den MSV-Fan in mir als auch für mich als Nutznießer einer Art Self-Made-Weiterbildung musste aber erst einmal jemand etwas schaffen, das mein Fühlen berührte und mein Denken anstieß. Im Selbstverständnis von Kultur- oder Medienkritik wird das als gegeben vorausgesetzt und gilt als nicht weiter erwähnenswert.  Hier aber sei den  Machern von „Mitten in Meiderich“ auch noch einmal ausdrücklich gedankt. Denn selbst wenn die einzelnen Folgen sich in ihrer Qualität sehr unterschieden, eines war jederzeit spürbar: den Machern lagen die Inhalte am Herzen und ihnen ging es nicht nur um das Erfüllen eines Jobs.

Mitten in Meiderich – Folge 18

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist. Nach kurzzeitiger Orientierungslosigkeit machte man die einzelnen Folgen der beabsichtigten Doku dann zur Kurzreportage der üblichen Sportberichterstattung …

Mit der 18. und letzten Folge von „Mitten in Meiderich“ sollten auch meine medienkritischen Betrachtungen eigentlich ein Ende finden. Die neu eingerichtete DSF-Seite aber lässt mich überlegen, ob ich nicht demnächst noch so was wie Webseiten-Kritik betreibe, den Auftakt könnte dann die Bewertung der DSF-Seitengestaltung sein. Fehlen mir auf der ersten Seite für die TV-Tipps am Rand doch die deutlichen Grenzen der jeweiligen Themen, für die die Bilder als Anreißer funktionieren sollen. „Mitten in Meiderich“ verliert auf diese Weise, weil es zu wenig als eigenständiges Format wahrgenommen wird.  Die als Mini-Doku angekündigte Serie dann auch noch mit dem Portrait von Peter Neururer zu bebildern, halte ich bei aller Mediengewandtheit des Trainers für unpassend, schließlich soll es ja um mehr als um diesen Trainer gehen. Das weist im Übrigen einmal mehr auf Entscheidungsprozesse hin, die die Intensität des Nachdenkens über das Format offenbaren. Bei der Navigation ist „Mitten in Meiderich“ auch eine Hierarchieebene nach unten gerutscht, und ich frage mich, ob die Technik noch nicht ganz sicher funktioniert, weil ich keinen Link zur einzelnen Folge erhalte, sondern nur zum Gesamtmenü von „Mitten in Meiderich“. Ihr müsst euch also gegebenenfalls von hier aus selbst auf der Seite durchklicken.

Genug der Anmerkungen zur DSF-Seite und nun zur Folge 18, die fast ausschließlich aus Interview-Schnipseln zusammengeschnitten ist. Peter Neururer hadert noch einmal mit den Schiedsrichterentscheidungen in den Spielen gegen Mainz und St. Pauli, sieht Verstärkungsbedarf auf allen Positionen mit Ausnahme des Torwarts und telefoniert. Der „Boss“, namentlich Walter Hellmich, zieht das Fazit „Saisonziel nicht erreicht“, glaubt an Verpflichtungserfolge Bruno Hübners, sieht den MSV in der kommenden Saison im Anwärterkreis für den Aufstieg und telefoniert. Bruno Hübner erläutert die Stärke der 2. Liga in der nächsten Saison, sieht den MSV im Favoritenkreis, falls die Leistung der Rückrunde wiederholt werden kann und telefoniert.

Wir erfahren also, die Führungsebene ist immer für den Verein im Gespräch mit der Welt. Sie arbeiten noch an der erhofften Zukunft, während die Spieler schon das Trainingsgelände verlassen, um in den Urlaub zu fahren. Inhaltlich erfahren wir nichts Neues aus der Führungsebene und der kleine Bewertungsunterschied über die Aussichten des MSV in der nächsten Saison zwischen Walter Hellmich und Bruno Hübner verschwindet bei näherem Hinsehen. Bruno Hübner schränkt seine Bewertung „Favorit“ ein, indem er die Leistung der Rückrunde als Voraussetzung ansieht. Das entspricht ungefähr dem „Anwärterkreis“ von Walter Hellmich, der sich anscheinend nach den großen Worten vor der letzten Saison nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen will. Wenn er seiner Wertung Anwärterkreis ein „mehr nicht“ beifügt, so spricht hier das gebrannte Kind. Der Anspruch oben mitzuspielen bleibt aber bestehen.

Dazu bedarf es noch Neuverpflichtungen und Vertragsklarheit, so bei Markus Brzenska, der auch noch einmal in die Kamera sagen darf, er fühle sich beim MSV wohl und wolle bleiben. So steht am Ende von „Mitten in Meiderich“ nicht der Blick hinter die Kulisse sondern auf die Köpfe von Entscheidungsträgern und -spielern mit ihren gewohnten Worten der Verlautbarung, wie sie in der üblichen Sportberichterstattung als Hintergrundbericht gern gesendet werden. Wenn es einem nur um das Erscheinen des  MSV in einem öffentlich wahrgenommenen Medium geht, reicht das. Für den Anspruch eine Dokumentation sein zu wollen, ist es zu wenig. Anstatt mich nun weiter zu wiederholen, schließe ich mich lieber den Worten des Kommentators  an, hoffe auf die von Walter Hellmich prophezeite erfolgreiche Arbeit Bruno Hübners und freue mich ebenfalls schon ein wenig auf die nächste Saison.

Von passgenauer Gegenwehr beim Saisonabschluss

An diesem Fazit komme auch ich nicht vorbei, es war ein versöhnlicher Saisonabschluss. Da brauche ich gar nicht origineller sein wollen als Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann bei der NRZ oder Tina in ihrem Blog. Es hatte sich schon in Kaiserslautern angedeutet und setzte sich vor allem in der ersten Halbzeit gegen den Vfl Osnabrück fort. Wenn es nur um das Tagesergebnis geht, lässt es sich wohl angenehm spielen.

Der Zusammenhang von Leistungsvermögen und Angst, einen Fehler zu begehen und damit etwas Großes zu verspielen, scheint mir beim MSV Duisburg für die Niederlagen oder mühseligen Unentschieden in den letzten Wochen offensichtlich zu sein. Ähnlich muss es dem Vfl Osnabrück gestern gegangen sein. Merkte man dieser Mannschaft doch nicht an, dass sie die kleine Hoffnung auf die direkte Rettung am Leben erhalten wollte. Alleine ein kurzes Aufbäumen nach dem Anschlusstreffer war zu erkennen, doch auch da verpuffte nach fünf Minuten jegliche Energie. Die Körpersprache vieler Osnabrücker Spieler ließ schon in der ersten Halbzeit erkennen, dass sie ihre inneren Widerstände ans körperliche Limit zu gehen nicht überwinden konnten. Denn das hätte geschehen müssen, weil der MSV in der ersten Halbzeit voller Spielfreude kombinierte. Man sah Spielzüge über mehrere Stationen und konnte sich an ansehlichem Fußball freuen. Maicon machte das Spiel des MSV sicherer und unberechenbarer im Vergleich zu vielen Auftritten der Mannschaft in der Rückrunde. Natürlich muss man auch bedenken, es gab Freiräume, die die Spitzenmannschaften nicht gelassen hatten. Makiadi machte nicht nur wegen seines Tores deutlich, warum er zu den besseren Spielern der 2. Liga gehört, wenn er im Dribbling nacheinander gegen vier, fünf ihn körperlich hart angehende Gegenspieler den Ball behauptete. Und auch wenn Tinas Fragen zu Sandro Wagner gerade für die zweite Halbzeit ihre Berechtigung haben, dennoch zeigt er sich zum Ende der Saison hin verbessert. Den größten Fortschritt hat er wohl beim Timing seines Kopfballspiels gemacht. Die Abwehr stand letztlich gegen diesen Osnabrücker Sturm sicher, dennoch gab es immer mal wieder leichte Unsicherheiten, die von stärkeren Mannschaften ausgenutzt worden wären.

Und damit komme ich zu einer vielleicht überraschenden Wende. Denn trotz dieses sicheren Sieges in überzeugender Spielweise war auch in diesem Spiel zu erkennen, warum diese Mannschaft den Aufstieg nicht geschafft hat. Den Gedanken hatte ich in der zweiten Halbzeit, als die Chancen des MSV reihenweise vergeben wurden. Man erkannte dankenswerter Weise, die Spieler wollten dem Publikum etwas gönnen. Die Angriffe sollten mit schönen Toren abgeschlossen werden. Dazu luden die Osnabrücker fast schon ein und genau das schien die Stürmer zu überfordern. Sie hatten zu viel Platz, um den gewohnten Zweikampf aufzunehmen und gleichzeitig zu wenig Platz, um den gewünschten spielerischen Zauber zu entfalten. So kam es zu Verstolpern, verspätetem Abspiel und ungenauem Schuss. Ich stelle das nur fest und mecker darüber nicht. Für mich ist es ein Hinweis darauf, dass die spielerische Klasse der einzelnen Spieler nicht ausreicht, um in jedem Spiel die richtige Entscheidung zu treffen. Zur Klasse einer Mannschaftsleisung  trägt aber die Summe der richtigen Entscheidungen nicht unwesentlich bei. Ich meine gar nicht, die alte Trainermaßgabe, wir müssen dem Gegner unsere Spielweise aufzwingen. Mir geht es darum, dass die Spieler des MSV ihre spielerischen Möglichkeiten nur dann zur Entfaltung bringen können, wenn die Spielstärke des Gegners passgenau auf die aktuelle Befindlichkeit der Mannschaft trifft. Einige Spieler scheinen sich ihrer Möglichkeiten nicht so sicher zu sein, so dass ihre Angst vor Fehlern sie gegen starke Mannschaft hemmt. Dagegen lassen schwächere Mannschaften ihnen häufig zu viele Optionen für ihr Spiel.

So, das war es also, wir können nach vorne gucken, uns mit unübersichtlichen Anstoßzeiten beschäftigen und Fernreisen zu Auswärtsspielen planen. Osnabrück kann ich leider nicht allzu viel Glück wünschen in der Relegation, weil mir Paderborn als kommender Zweitliga-Gegner sehr viel besser in persönliche Reisepläne passt. Paderborn als Ort von Familientreffen und Auswärtsspielbesuch an einem einzigen Wochenende, der Gedanke gefällt mir jedenfalls immer wieder sehr gut.

UEFA-Cup, 28.112 Zuschauer und Duisburg im Wohlgefühl

Wenn ein Endspiel in Hin- und Rückspiel zerfällt und es schon im ersten Spiel einen deutlichen Sieger gegeben hat, steckt das zweite Spiel voller Unwägbarkeiten. Da gibt es den Ehrgeiz des Verlierers, sich nicht noch einmal zu blamieren. Da gibt es den Erwartungsdruck des Siegers auch vor heimischen Publikum zu glänzen. Da wirkt die Vorfreude auf den schon ausgestellten Pokal. Da gibt es eine Zuschauerkulisse, die zwar bereit ist, sich aufs Spiel zu konzentrieren, die aber dennoch für kleine Ablenkungen wie La-Ola-Wellen empfänglich ist. Kurzum, das Spiel selbst war gestern Abend keine große Offenbarung.

Zwar setzte der FCR 2001 Duisburg die gegnerische Mannschaft aus Perm zunächst immer wieder unter Druck, doch kleine Abstimmungsschwierigkeiten im Angriffsspiel ließen keine zwingenden Chancen entstehen. Das Zusammenspiel wirkte etwas gehemmt. Perm verteidigte mit Einsatz und die wenigen Angriffsbemühungen der Mannschaft bereiteten der Duisburger Verteidigung zunächst kaum Mühe. So fiel der Führungstreffer für Perm etwas überraschend. Danach wirkten die Duisburgerinnen wie übereifrige Gastgeber auf einer Party, die um das Wohl der Gäste besorgt sind und in ihrem Übereifer mal hier ein Glas umstoßen und mal dort jemanden auf den Fuß treten. Nach diesem ersten Treffer hat trotz des Ausgleichs kurz vor dem Halbzeitpfiff im Angriffsspiel nicht mehr viel zusammengepasst. Immer wieder wurde das Spiel in den freien Raum versucht und die Mitspielerin dabei nicht gefunden. Die Spielerinnen wollten nicht nur die Feier zum Erfolg, sie wollten auch den Sieg dazu. Doch mangelte es an diesem Tag an der Abstimmung des FCR 2001 Duisburg in Strafraumnähe. Obwohl der Ball in der zweiten Halbzeit von den Duisburgerinnen immer wieder druckvoll in die gegnerische Hälfte gebracht wurde, langte es nicht zum Führungstreffer. Perm wollte mit gut vorgetragenen Kontern sogar den Spaß erheblich verderben. Das Unentschieden war ein gerechtes Ergebnis. Schließlich hatten beide Mannschaften ihre Chancen in der zweiten Hälfte.

Am Ende war es gestern weniger ein Fußballabend als ein Abend zum Feiern. 28.112 Zuschauer waren ins Stadion gekommen und sorgten für einen neuen Zuschauerrekord bei Vereinspielen im europäischen Frauenfußball. Zu diesen Zuschauern zählten natürlich Menschen, die mit dem Verein verbunden sind. Um bei einem Frauenfußballspiel solch hohe Zuschauerzahlen zu erreichen, müssen aber auch Menschen kommen, die sich sonst selten Frauenfußball live ansehen.Viele Kinder und Jugendliche waren gekommen, viele ältere Menschen und viele Paare. Vor allem die älteren Zuschauer, so glaube ich, kamen als Duisburger ins Stadion und haben den Pokalerfolg des FCR 2001 Duisburg als besonderes Ereignis in ihrer Stadt wahrgenommen. Sie wollten dabei sein, wenn Duisburg stolz auf sich ist.

Durch diese andere Zusammensetzung des Publikums entstand eine völlig andere Atmophäre in der MSV-Arena und auf dem Weg dorthin als bei den Spielen des MSV Duisburg. Der hohe Hinspielsieg des FCR 2001 Duisburg trug selbstverständlich ebenfalls zur beschwingten und leichten Atmosphäre im Stadion bei. Vielleicht mag der ein oder andere bei vielen Zuschauern wieder das Gute-Laune-Publikum erkennen, mir dagegen fällt das Bedürfnis von Menschen nach identitätsstiftenden Ereignissen auf und die Tatsache, wie sehr sich ein Publikum des Männerfußballs auf den Verein ausrichtet und nicht auf die Stadt, in der der Verein beheimatet ist.

Habe ich schon geschrieben, dass auch ich es genossen habe, dabei gewesen zu sein und diese Feierstimmung erlebt zu haben? Was für eine Entwicklung zwischen jenem Tag Ende der 70er als ich auf einer Bezirkssportanlage in Kasslerfeld mein erstes Frauenfußballspiel gesehen habe. Das Wagnis mit dem Endspiel in die MSV-Arena zu gehen, hat sich gelohnt. Das war ein gelungener Abend für den FCR 2001 Duisburg, aber auch für die Stadt selbst.

Gewählt zum Spieler der Saison: Tom Starke

Gestern, kurz vor dem Aufbruch nach Duisburg zum UEFA-Cup-Endspiel der Frauen kommt die Nachricht vom MSV Duisburg herein. Mit einem knappen Vorsprung vor Cedrick Makiadi und Markus Brzenska wurde Tom Starke von den Fans zum „Spieler der Saison“ gewählt. Ist er vielleicht eher der „Spieler der Rückrunde“? Auf der Linie war er ja schon immer sehr gut, doch erst in der Rückrunde hat er auch den Fünfmeterraum als Ort des Torwartsspiels für sich entdeckt. Zu diesen verbesserten Leistungen kommt hinzu, dass er nach den Niederlagen keine Ausflüchte suchte, sondern die Mannschaft in die Verantwortung nahm. Bei seinen öffentlichen Statements schwang immer auch die Perspektive der Zuschauer mit. Es wirkte sehr glaubhaft, dass ihn diese schlechten Leistungen sehr ärgerten und dass er seine Mannschaftskollegen mit seinen Aussagen in die Pflicht nehmen wollte.

Die Hinrunde kannn jedenfalls keinen maßgeblichen Einfluss auf die Stimmabgaben für ihn genommen haben. Da war er sowohl wegen seiner Leistung umstritten als auch später wegen seiner Reaktion auf den Verlust des Stammplatzes unter Rudi Bommer. Seine öffentlichen Äußerungen wirkten wenig sympathisch und schon gar nicht professionell. Was ihn zunächst für die Fans sogar zum Buhmann machte, als Peter Neururer ihm wieder den Vorzug gegenüber Marcel Herzog gab. Doch anscheinend haben Eindrücke zur Leistung der letzten Wochen letztlich die Grundlage gegeben. Wenn es nur um diese Leistung ginge, hätte ich Marcus Brzenska an erster Stelle gesehen. Wahrscheinlich langte es für den Sieg nicht, weil er in der Öffentlichkeit sonst wenig wahrgenommen wurde. Über die gesamte Saison hin war er meiner Meinung nach aber jener Spieler, der am konstantesten sein Können zeigte.

Mitten in Meiderich – Folge 17

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist. Doch Anfang April hat die Niederlage des MSV Duisburg gegen Mainz 05 Spuren in der Doku hinterlassen. Flüchtige Blicke auf das Tagesgeschäft sind offensichtlich nur möglich, wenn Zuversicht im Verein und bei den Machern vorhanden ist …

Das große Ziel ist nicht mehr zu erreichen, aber zum Ende der Saison hin wird noch einmal alles gegeben, so könnte ein Fazit für Folge 17 von „Mitten in Meiderich“ lauten. Bei Fußballern heißt das dann, sie spielen befreit auf. Dieses Mal besitzt der als Doku vorgegebene Reportage-Beitrag auch mehr erzählerische Substanz, weil die Hälfte des Clips Olcay Sahan als Hauptfigur zeigt und in dem was Sahan sagt und wie die Kamera sein Gesicht einfängt, man einen für diese kurzen Minuten tiefen Einblick in die Persönlichkeit Sahans erhält.

Zunächst gibt es aber einen kurzen Rückblick auf das turbulente Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Tom Starke schildert seine Eindrücke, Peter Neururer findet wieder einmal launige Worte und Christian Tiffert zeigt sich zum dritten Mal hintereinander als ein Spieler, der etwas zu sagen hat und sich hinter keiner der vorgefertigten Sprachhülsen der Branche versteckt. Abgerundet wird das Ganze durch einen kurzen Blick in die Kabine, wo gerade herumgefrotzelt wird. Entspannung allerorten.

Für die Bilder mit Sahan geht es erst ins Auto, dann in den Landschaftspark Nord, wo Spieler und Journalist den Hochofen besteigen. Da soll die repräsentative Industriekulisse des Ruhrgebiets als belebendes Bildmoment wirken für das Gespräch mit dem „Düsseldorfer Jung“. Man erkennt in Sahans tastenden Sätzen über seinen Platz in der Welt auch die Konzentration seines Denkens auf den Fußball. Er spricht über seinen Traum Nationalmannschaft aus, was er wirklich denkt und ich hoffe sehr, dass ihm diese Sätze niemals von irgendwelchen kleingeistigen Idioten zum Vorwurf gemacht werden. Es berührt sehr, wieviel Kraft ihm offensichtlich seine Familie gibt und wie durch die Weise seines Erzählens die tiefe Dankbarkeit für die Unterstützung seines Vaters deutlich wird.

Diese als Reportage angelegte Folge ist deshalb gut, weil ich ich die meisten Bilder und O-Töne nicht vorhersehen konnte. Sie hat mir etwas gezeigt, was ich noch nicht wusste. Das ist meine Erwartung an eine Reportage. Dass eine Dokumentation dann noch ganz anders funktioniert, wiederhole ich nur der Vollständigkeit halber.  Ich hoffe auf eine ähnliche Spielfreude der Macher zum Saisonabschluss.

Befreit und zwischenzeitlich altbekannt

So kann das also immer wieder sein, wenn die eine Mannschaft ihre letzte Chance nutzen will und es für die andere Mannschaft um etwas geht, was nicht von vornherein ganz eindeutig ist. Mit dem Blick auf die  Leistung in den letzten Spielen des MSV war jedenfalls wenig über das Auftreten der Mannschaft in Kaiserslautern vorherzusagen. Aber anscheinend ging es für die Spieler doch auch um so etwas wie Stolz. Die pure Lust am Gewinnen konnte  wieder entdeckt werden.

Uns als MSV-Fans kommt das natürlich ganz bekannt vor, dieser völlige Leistungsinbruch vom 1. FC Kaiserslautern, wie ich es gestern von Marco Röhling erzählt bekam und heute etwa bei „Der Westen“ zu lesen ist. Da bin ich angesichts des Sieges und des Spielverlaufs hin- und hergerissen zwischen meinen Gefühlen. Nichts bleibt als stabiler Zustand. Da stellt sich keine grundsätzliche Zufriedenheit ein, weil sich gleichzeitig immer noch dieses „zu spät“ bemerkbar macht.  Andererseits ist die Hoffnung auf die nächste Saison endlich gestärkt worden und ich fühle mich bestätigt, die MSV-Spielstärke mit Hilfe der Psychologie zu erklären.  Das Können der Spieler ist also vorhanden. Sandro Wagner kann auch als MSV-Stürmer das Kopfballspiel. Die erfolgreiche Ecke gehört in den DVD-Zusammenschnitt mit erfolgreichen Spielszenen für die zukünftige Saison. Ich kann mich an eine gefährliche Ecke dieser Mannschaft überhaupt nicht mehr erinnern. Dieses Kopfballtor von Sandro Wagner nach einer Ecke ist eine Sensation.

Allerdings spüre ich auch leisen Missmut, so etwas letzte Woche gegen Rot-Weiß Oberhausen nicht gesehen zu haben.  Außerdem ist da das Wiedererkennen altbekannter Zumutungen, wenn ich an die drei Gegentore innerhalb von elf Minuten denke. Da wirkt ab der 66. Minute eine 4:0-Führung für einen Sieg des MSV nicht hoch genug. Dieses Gefühl gleicht übrigens eher einem selbstgerechten  Nörgeln. Was ich mir aber durchgehen lasse, da mir die meisten der vergangenen Ängste und Sorgen um notwendige Punkte noch immer sehr lebendig sind.

So bahnt sich jetzt ein einigermaßen versöhnlicher Saisonabschluss an mit einer hoffnungsfrohen Sommerpause. Für mich wird jedenfalls eins deutlich, diese Mannschaft braucht Sicherheiten in der Spielanlage, wenn sie einmal nicht sofort erfolgreich ist. Das wird die Hauptarbeit für Peter Neururer bei der Vorbereitung auf die nächste Saison.


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