Archive for the 'Saison 2011/2012' Category

Herrn Messi kann man sich ja auch mal angucken

Wenn zwischen den Jahren wenig blauweißgestreifter Fußball zu sehen ist, können wir uns diesen Zusammenschnitt der 91 Tore von Lionel Messi im Jahr 2012  ja auch mal ansehen. Selbst wenn Tor auf Tor für uns Zebraspannungskostgänger  auf Dauer vielleicht etwas langweilig  wird.

Ein Ben-Hatira bleibt ein Ben-Hatira

Wenn Zeitungen Fußballer zitieren, bin ich meist vorsichtig und glaube nicht unbedingt, was da als O-Ton geschrieben wird. In dem Fall aber bin ich geneigt,  kein Wort von dem anzuzweifeln, was Änis Ben-Hatira der Berliner Morgenpost gesagt haben soll. In dem Vorbericht zum Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC heute Abend wird natürlich kurz auf die beiden Spieler der Berliner ein besonderer Blick geworfen, die vor einiger Zeit beim MSV Duisburg gespielt haben.

Als ich Änis Ben-Hatira im O-Ton las, war ich doch dankbar, dass da einer meine Bilder  der Vergangenheit korrigierte und mich an diese wunderbare Zeit mit ihm in Duisburg erinnerte. So ein versöhnlicher Blick auf die Vergangenheit fühlt sich auch einfach besser an. Mir fiel ja als erstes die Unzufriedenheit mit seinem oft blasierten Auftreten zu Beginn seines Auflaufens für die Zebras ein. Und bei seinem zweiten Engagement erinnere ich mich auch an längere Schattenphasen nach seinen lichten Momenten auf dem Spielfeld. Aber anscheinend war alles doch ganz anders, und ich war gerade immer ein Bier holen, wenn alle vor Begeisterung über ihn von Sinnen waren und unsere jungen weiblichen Zebrafans kreischend in Ohnmacht fielen, sobald er sich an der Eckfahne festdribbelte. Gut, dass er meine Erinnerung korrigiert: „Ich habe mich da mit den Fans richtig gut verstanden und wurde auch schnell Publikumsliebling“, so erzählt Änis Ben-Hatira. Und wenn er es mir noch dreimal erzählt, vergesse ich vielleicht all den anderen Kram endgültig ganz.

Sandro Wagner erinnert sich übrigens auf dieselbe Weise an seine Zeit beim MSV wie ich. Das wäre doch verdammt anstrengend  gewesen, auch das noch über den Haufen zu werfen. Doch „Zeit mit Höhen und Tiefen“ umschreibt meine Erinnerungen an ihn, wenn auch die recht allgemeine Form mir sehr viel Gestaltungsspielraum lässt.

Während meiner Spielvorbereitung habe ich mir zudem am Wochenende ein Bild von meinem Sommer-Zweitverein des letzten Jahres gemacht. In Brighton fliegen die Seemöwen im Moment sehr viel kunstvoller als unsere Zebras traben. Brighton and Hove Albion FC, in England auch „The Seagulls“ genannt, stehen nach acht Spieltagen ganz oben in Liga 2. Dennoch haben sie gerade das Spiel dieses achten Spieltages gegen Birmingham City mit 0:1 verloren,. Was ich nur deshalb erwähne, weil die Mannschaft mit ihren blau-weiß längstgestreiften Trikots mir eine Ahnung davon gegeben hat, wie Hertha BSC heute Abend vom Platz schleichen könnte. Es war schon die richtige Anmutung. Nun müssen Taten folgen. Über die Linie „geprügelte“ Bälle sähe ich dann auch gern und was anderes mag ich mir gar nicht erst vorstellen.

Dann könnten wir im Stadion unserem alten Publikumsliebling Ben-Hatira vielleicht zeigen, dass er damals vielleicht doch was missverstanden hat, als jemand ihm über den Zaun zugerufen hat, er solle dem verlorenen Ball hintergehen. Aber wie ich ihn so kenne, wird er selbst solch möglichen Jubel irgendwie auf sich beziehen. Publikumsliebling halt, dem die Massen zu Füßen liegen, so wie damals als er am Fernseher saß und sogar in Glasgow alle nur für ihn gesungen haben. Unglaublich! Mancher wird´s schon kennen, aber diesen eigentlichen Anlass des anhaltend Celtic-Rock-Gesangs nicht gewusst haben.

Celtic was rocking. Ich hoffe, dass wir es den Celtic-Fans heute Abend wenigsten ein ganz klein wenig gleich tun können. Quergestreift sind sie ja schon mal, da bei Celtic.

Hier diese legendären Minuten in einem TV-Ausschnitt

Das Ganze aus Zuschauerperspektive

Und wer zum Zeitvertreib bis heute Abend den Spielericht sehen möchte, bitte schön!

Der wahre Grund für Heimspielschwäche von Bayer 04 Leverkusen

Der Alltag mit seinen Problemen geht trotz aller nationalen Bewegtheit um die Fußball-EM weiter. Schon bald nach dem 1. Juli wird dieser Fußball zurückkehren in die Stadien Deutschlands, und dann hat Bayer 04 Leverkusen immer noch Ärger mit Anwohnern der BayArena. Hätte ich ein wenig nachgedacht, wäre ich von selbst drauf gekommen. Gerade bei Abendspielen kommen Anlieger nicht zur Ruhe, wenn Bayer 04 Leverkusen im nahen Stadion Zauberfußball zeigt und das als heißblütig bekannte Publikum unter Leitung der „AG Stimmung“ nicht mehr zu halten ist. Der  Kölner Stadt-Anzeiger titelt „Leverkusen in der Wut-Falle“ und berichtet von Akut-Maßnahmen des Vereins zum Lärmschutz.  So wurde „Stadionsprecher Klaus Schenkmann befohlen, bei Treffern der eigenen Mannschaft nur einmal ‚Tor‘ zu rufen und nicht ‚Tor, Tor, Tor'“. Anscheinend kam es wegen dieser irrtümlich an alle Mitarbeiter von Bayer 04 Leverkusen ausgegeben Dienstanweisung in der letzten Saison innerhalb der Mannschaft zu Missverständnissen. Einige Spieler glaubten lange, nicht mehr als ein Tor in Heimspielen erzielen zu dürfen, und wer es besonders gut machen wollte, schoss gar kein Tor. Ich bin sicher, Bayer arbeitet weiter auf allen Ebenen  an der Lösung des Problems.

Die Manfred-Manglitz-Medaille und Riegel-Rudi

Die letzte Bundesliga-Saison ist zwar schon einige Zeit beendet, doch gute Ideen gehören verbreitet, zumal mit dieser Idee auch die Historie vom MSV Duisburg verbunden wird. Stadioncheck.de hat sich von der Ehrung des besten Torhüters der Saison in der spanischen Primera Division inspieren lassen und vermisst in Deutschland eine entsprechende Wertschätzung der Torwart-Leistung. Selbst ist das Sportmedium, und so verlieh Stadioncheck.de zum ersten Mal die  Manfred-Manglitz-Medaille für die beste Torhüter-Leistung in der Saison 2011/2012. Diese noch virtuelle Medaille geht an Manuel Neuer – basierend auf dem besten „Gegentore-Schnitt aller Torhüter, die mindestens ein Drittel aller Saisonspiele absolviert haben“.

Manfred Manglitz ist der Namensgeber der Auszeichnung, weil er in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 beim MSV Duisburg eben jenen besagten besten Gegentore-Schnitt erreichte. Die Grundlage der Auszeichnung soll nicht in Frage gestellt werden, dennoch ist gerade Manfred Manglitz ein hervorragendes Beispiel dafür, wie dieser Quotient auch abhängig ist von der Arbeit der Torwart-Vorderleute, der Verteidigung. Denn gerade die Mannschaft des MSV Duisburg dieser ersten Bundesliga-Saison war über Jahrzehnte die erfolgreichste Arbeitsprobe des Rudi Gutendorf, der fortan kaum mehr ohne zweiten Vornamen genannt wurde. „Riegel-Rudi“ hatte für die Zebras eine Taktik entwickelt, die durch diesen Spitznamen jahrelang als großes Missverständnis weiter erzählt wurde.

Wer „Riegel-Rudi“ hörte, dachte schnell an starke Abwehrwälle und eine defensiv ausgerichtete Mannschaft, die ihr Heil im Mauern suchte. Wer aber die heutige Spielweise mit geschlossenen Bewegungen ganzer Mannschaftsteile vor Augen hat, kommt der Taktik von damals schon näher. Günter Preuß erwähnt in seiner Biografie „Der Kapitän der Zebras“, wie modern das  Spielsystem des MSV Duisburg unter Rudi Gutendorf  war. Raumdeckung erhielt Vorrang vor Manndeckung. Die Abwehrreihe bewegte sich als geschlossene Einheit. Entstehende Lücken in der Defensive mussten durch viel Laufarbeit geschlossen werden. Außenverteidiger stießen als zusätzliche Offensivkräfte in die Sturmreihe, während die Stürmer sich in die Mitte bewegten. 60 Tore erzielte der MSV Duisburg mit dieser Spielweise und war damit die sechsterfolgreichste Mannschaft der Saison 1963/64. In dieser Spielweise muss viel Dynamik gewesen sein und wenig Hinten-drin-Stehen. Wie gesagt, der Spitzname „Riegel-Rudi“ legt ein Missverständnis nahe. Und ein guter Torwart war Manfred Manglitz obendrein.

Diese Düsseldorfer!

Gestern Abend habe ich noch kurz einmal durch die Zeitungen vom Wochenende geblättert. Im Vermischten der Süddeutschen Zeitung fand sich folgende Notiz über das sehr eigenwillige Freizeitverhalten eines Kletterers.

Doch es blieb dem Kölner Stadt-Anzeiger  vorbehalten die wahren Hintergründe dieses Vorfalls aufzudecken. Natürlich fällt das Kölner Journalisten leichter. Sie pflegen als Kölner bekanntermaßen ein besonderes Verhältnis zur Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen und besitzen jenen feinen Sinn für die entscheidenden Eigenschaften, die in dieser Welt ein merkwürdiges Verhalten hervorrufen. Zu viel Alkohol spielt dabei nur eine nachrangige Rolle.

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß haben mitverloren

Vier Tage war ich aus der Welt gefallen. Zur einzigen Verbindung mit dem, was diese Welt interessiert, wurde auch bei mir am Samstagabend das Finale der Champions League. Nun bin ich wieder in der Welt, vernetzt und muss mal eben im Gefühl des sicheren Abstands ein paar Worte zu den Reaktionen auf die Niederlage des FC Bayern München gegen den Chelsea FC los werden.

Natürlich ist so eine Niederlage bitter, wenn eine Mannschaft überlegen gespielt hat. Natürlich wird sie bitterer, wenn ein Sieg ein gewisser Ausgleich für zuvor erlittene Niederlagen in Bundesliga und DFB-Pokal gewesen wäre.  Und natürlich ist es bitter, diese Niederlage bei einem Finalspiel im eigenen Stadion hinnehmen zu müssen. Aber wenn ich von Karl-Heinz Rummenigges Worten bei der Bankettrede lese, diese Niederlage sei bitterer als die im Finale des Jahres 1999 gegen Manchester United, bin ich erstaunt.  Mich hätte diese Niederlage von 1999 in einem Doppelschlag nach der regulären Spielzeit fassungsloser gemacht als jene in diesem Jahr, bei der schon recht schnell deutlich wurde, es kann für den FC Bayern München ganz schlecht laufen. Das Finale erinnerte doch schon nach wenigen Minuten an das Halbfinale von Chelsea gegen den FC Barcelona.

Gefühle sind Gefühle. Karl-Heinz Rummenigge kann niemand sein Empfinden wegreden. Für mich ist dieses Empfinden aber ein Zeichen, wie Karl-Heinz Rummenigge und die Führung dieses Vereins diese Niederlage mittragen. Ich glaube, sie fühlen sich weniger verantwortlich, als sie sich fühlen müssten. Sie tun ja alles aus ihrer Sicht. Sie kaufen gute Fußballer, entlassen und verpflichten Trainer zur rechten Zeit. Mehr können sie ja gar nicht tun. Glauben sie wahrscheinlich. Und liegen falsch.

Wer die Niederlage des FC Bayern München gegen Chelsea tatsächlich als bitterer empfindet, muss blind gewesen sein für die Möglichkeit dieser Niederlage. Unerwartete Niederlagen können im Fußball immer geschehen. Auf mich macht es den Eindruck, als gebe es beim FC Bayern München durch die Haltung der sportlichen Verwaltung vorgegeben keinen produktiven Umgang mit negativen Gefühlen bei Niederlagen. Diese Niederlage hat deshalb auch etwas mit den zweiten Plätzen in Bundesliga und  DFB-Pokal zu tun.

Wieso sollte der FC Bayern nicht eine ungerechten Niederlage im Finale erleiden? Wieso klingt die Trauer in München nun nach Aufbäumen gegen die Wirklichkeit und nach Nicht-Wahr-Haben-Wollen? Das ist für mich der Knackpunkt dieses in München so empfundenen Komplettversagens in dieser Saison. Dieser Verein hätte gemeinsam mit den Fans am nächsten Tag auf dem Marienplatz trauern müssen. Doch dieser Verein war längst zu sehr mit dem Gewinn dieser Champions Leaque beschäftigt, als dass an so ein gemeinsames Trauern  – und damit bewältigen – anscheinend überhaupt gedacht wurde.

Dieser auf Bewältigungsstrategien und damit auf die Psyche des Vereins bezogene Gedanke lässt sich aber noch in einer anderen Perspektive wiederfinden. Fußball ist ja ein schillerndes Phänomen der Gegenwart, Teil der Unterhaltungsindustrie und Kulturgut zugleich. Und in dieser Richtung weiter nachgedacht, erweist sich der Fußball des FC Bayern München trotz aller emotionalen Bedürfnisse nach Erfolg von Uli Hoeness als reines Unterhaltungsangebot. Und so ein Unterhaltungsgebot kennt kein Scheitern. Wer scheitert, versagt am Markt. Das ist die wahre Botschaft hinter dieser Niederlage.

Ich bedauer all die Anhänger dieses Vereins, die dort tatsächlich auch das Kulturgut Fußball suchen. Wir wissen alle, man kann sich die Anhängerschaft nicht unbedingt aussuchen. Aber nach der Niederlage wäre es am Sonntag ein würdiges gemeinsames Trauern auf dem Marienplatz geworden. Da bin ich mir sicher. Es hätten nicht einmal alle Spieler dabei sein müssen. Der Verein hätte nur da sein müssen. Diese Trauer um die Niederlage hätte einfach nur einen Ausdruck gebraucht. Sie hat sie nicht gefunden. Ich glaube, diese Haltung gegenüber Niederlagen im Verein hat bei dieser letzten Möglichkeit des allein gültigen Erfolgs zur Niederlage beitragen. In so einem Fall versagen schon mal die Nerven. Wenn einfach alles, aber auch alles von einem einzigen Torschuss abhängen soll.

Maierhofer gegen Rapid Wien – Hätti, wari, täti

Normalerweise lautet die Rollenverteilung ja meist: böser Verteidiger mit Knochen aus Stahl gegen guten Stürmer mit zerbrechlichem Körper. Es sei denn, der Stürmer heißt Stefan Maierhofer. Wer da als Gegenspieler versucht, den Ball zu erreichen, sollte zumindest einmal beim  FC Erzgebirge Aue mit seinen Kraftsportlern als Verteidiger gespielt haben. In Wien scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Und wenn man den 11 Freunde-Bericht liest zum Spiel von RB Salzburg bei Rapid Wien mit Stefan Maierhofer als einem der Hauptdarsteller dieser Begegnung, werden Erinnerungen an unglaubliche Sprintstrecken wach, die Stefan Maierhofer in Duisburg zurück gelegt hat. Dann denke ich aber auch an einige letzte schwere Schritte, als wir den Absprung zur Grätsche sahen, ich den Freund neben mir am Arm packte und hoffte, dass kein Spieler der anderen Mannschaft mehr an dem Ort sein würde, an dem Stefan Maierhofer anzukommen drohte. Ich denke an Kopfballsprünge, nach denen Verteidiger auf dem Boden lagen und weiß wieder, warum ich damals auch dachte, es gibt neben technischen Qualitäten gute andere Gründe, nicht gegen sondern mit Stefan Maierhofer in einer Mannschaft zu spielen.

Ich kann dann angstvolle Gegner verstehen, die zu Taktiken psychologischer Kriegsführung per SMS greifen, und genauso verstehe ich, warum die beiden beteiligten Fußballer nicht allzu viel darüber sagen wollen. Dafür sagt Stefan Maierhofer nach dem Spiel: »Fußball ist Männersport.«

Die Wiener Zuschauer fanden das gar nicht gut.

Der Grund ist weniger die Rempelei gegen den gegnerischen Torwart bei Minute bei 2`30 als die Bewegung des Maierhofer-Ellbogens bei Minute 3’50. Hätte der Schiedsrichter was gesehen, hätte es das klassische Maierhofer-Kopfball-Tor bei 5′ 50 nicht gegeben. Aber wie sagte Maierhofer ebenfalls nach dem Spiel in diesem für Duisburger nur schwer verständlichen Idiom: „Hätti, wari, täti“. Klingt nach finnisch, oder?

Meine Freude über die Julian-Koch-Rückkehr gibt es übrigens immer noch, mir fehlt nur die Muße, für sie Worte zu finden.

In der Schauinsland-Reisen-Arena – Eine Home-Story von Trainer Baade

Kurz der Hinweis auf die von Trainer Baade geworfenen Blicke hinter die Kulissen beim Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue. Er gibt uns eine sehr detaillierte Beschreibung über die Kabine kurz vor dem Spiel, sammelt Eindrücke am Rand des Geschehens und zur Business-Lounge, Fotos inklusive.

Wer nun zum Trainer Baade klickt, passe aber auf, nicht in einer Endlosschleife des Weiterklickens zwischen hier und dort und hier zu verschwinden. Zwei Links führen nämlich zurück, wovon einer zu jenem hier einst vollzogenen Indizienbeweis führt, wie es zu einer MSV-Hymne gekommen ist, die von Kölner Karnevalshühnern auf Expansionskurs eingespielt wurde. Ich stellte unbescheiden fest, auch nach drei Jahren noch ganz lesenswert.

Ein verdammt gelungener Cliffhanger

Aus dramaturgischer Sicht bedeutet das Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf das perfekte Ende der Spielzeit 2011/12. Die Mannschaft bot eine überzeugende Vorstellung, in der das Herzblut aller Beteiligten spürbar war. Spielerisch und kämpferisch stellte diese Mannschaft noch einmal uns als ihr Stammpublikum völlig zufrieden. Die Mannschaft wollte dieses Spiel gewinnen. Die Spieler gaben uns als Zuschauern jederzeit das Gefühl, ihnen war die Bedeutung dieses Spiels bewusst und sie wollten dieser Bedeutung gerecht werden.  Gleichzeitig verweisen viele Handlungsfäden dieses Spiels auf zukünftige Begegnungen. Da sind Rechnungen offen geblieben, und da der Aufstieg der Fortuna unwahrscheinlich ist, wird es Gelegenheit geben, auf diese offenen Rechnungen zurück zu kommen.

Allem voran wurde einem unserer Helden übel mitgespielt. Nichts wirkt sympathischer in dieser Welt als die verfolgte Unschuld, auf niemanden fällt ein gerechterer Zorn als auf die arrogante Macht im Fehlurteil. Die Macht Knut Kircher bekam bei erregter Rudelbildung in der 23. Minute nicht allzu viel mit, meinte aber dennoch souverän entscheiden zu müssen und zog eine gelbe Karte auf Verdacht, um Unschuld Maurice Exslager innerhalb von „fünf  Sekunden“ ein zweites Mal zu verwarnen. Gelb-rot, also, und der MSV Duisburg sollte fortan mit nur noch zehn Spielern spielen. Knut Kircher scheint die Rolle des bad guy zu gefallen, schließlich wiesen sogar die Düsseldorfer Spieler ihn darauf hin, nicht Maurice Exslager habe da etwas gesagt sondern Jürgen Gjasula. Aber ein bad guy kann nicht aus seiner Haut. Vielleicht wirkt aber auch eine Unschuld, die als Holligan angefeuert wird, auf bad guys besonders provozierend. Dabei ist ja alles nur ein großes Missverständnis. Nach Selbstauskunft der betreffenden Anhänger wurde Maurice Exslager ja gar nicht „Hooligan“ gerufen, sondern die ihm besonders zugewandten Anhänger riefen „HooliganS„. Ein im Massenruf kaum hörbarer Buchstabe, und schon kann das Leben eines Menschen ungeahnte Wendungen nehmen. Neulich ging durch die Presse, dass alleine das Anziehen  eines Arztkittels medizinischen Laien zu größerer ärztlicher Kompetenz verhelfe. Ich vermute, mit Namen hat es eine ähnliche Bewandnis, und Maurice Exslager muss aufpassen, sonst wird solcher Begleitschutz, wie hier auf dem Foto bei DerWesten zu sehen, noch zur lieben Gewohnheit.

Wie es sich für die endlose Geschichte um den MSV Duisburg gehört, wurde eine der Hauptfrage der Folge zur Zufriedenheit des Publikums geklärt. Der zehnte Platz wurde mit dem 2:2-Unentschieden aus eigener Kraft gesichert. Trotz des so langen Spiels mit einem Mann weniger gab es keine Niederlage. Ein glorreicher Sieg als endgültiger Schlussstrich unter die Saison blieb der Mannschaft aber auch verwehrt, weil das Böse zugeschlagen hatte. So bleibt uns der Glaube an diese Mannschaft. Uns bleibt die Hoffnung auf die Zukunft, in der verdiente Siege des MSV Duisburg jede Ungerechtigkeit der Vergangenheit vergessen machen.  Einen besseren Cliffhanger hätte es nicht geben können. Ich muss gestehen, auf den ersten Spieltag der kommenden Saison zu warten, fällt mir nach diesem Spiel verdammt schwer.

Ich wohne wieder in einer Stadt mit zwei Zweitligisten

Schneller als im Schauinsland-Wedau-Stadion bin ich im Rheinenergie-Müngersdorfer-Stadion auch nicht. Ich spreche sowohl vom  ÖPNV als auch vom Auto. Den vermeintlichen Vorteil einer schnellen Anreise zu einem der Auswärtsspiele bringt der Abstieg vom 1. FC Köln also nicht mit sich. Nun gibt es in meiner imaginären Stadt mit den beiden benachbarten Stadtteilen Köln und Duisburg zwei Zweitligisten. Und nur der eine von beiden wird in der nächsten Saison erst einmal am Anfang etwas vom Aufstieg erzählen. Diesen Aufstieg aber wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht geben. Da gibt es im Moment niemanden beim FC, der die Planungen für die kommende Saison in die Hand nehmen wird. Da gibt es auch kein Geld. Da gibt es nur große Schulden. Beim Verein unserer Zuneigung sind wir da einiges weiter, wenn ich die noch fehlenden 2 Millionen Euro mal ganz kurz vergesse. Ich meine ja nur. Mit großer Sicherheit gibt es deshalb für lang verdiente Zweitligisten einen Aufstiegsplatz in der nächsten Saison zu vergeben. Ausdrücklich sei hier gesagt, ich denke nicht an den anderen Zweitligisten in meiner Stadt – und bin natürlich wie immer für alle Entwicklungen offen.


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