Archive for the 'Saison 2012/2013' Category



Was ist nun die Neuigkeit in Sachen Finanzen?

Gestern nun war die Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg. Bei dem, was im Live-Ticker des Reviersport und im MSVportal zu lesen ist, wurde die neue Satzung Paragraf für Paragraf verabschiedet.  Sehr umstritten war alleine § 19 der Satzung, der den Einfluss des Vereinsvorstands bei Tochtergesellschaften regelt. In diesem Paragrafen geht es darum, wie weit wird möglichen Investoren ein Mitspracherecht im operativen Geschäft des Wirtschaftsbetriebs MSV Duisburg eingeräumt. Der ursprüngliche Vorschlag des Vorstands erreichte nicht die nötige Zweidrittel-Mehrheit. So weit ich das verstehe, schien der Einflussverlust des Vereins für einige der anwesenden Mitglieder zu groß zu sein. Ohne die Änderung diesese Paragrafs wäre aber nach Ansicht des jetzigen Vorstands der MSV Duisburg auf Dauer nicht überlebensfähig. Denn der Wirtschaftsbetrieb MSV Duisburg braucht neue Investoren. Es wurde ein Kompromiss formuliert, dessen genauen Wortlaut ich noch nicht kenne und der mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit angenommen wurde. Ob nun also die Rahmenbedingungen so sind, dass neue Investoren demnächst beim MSV Duisburg Schlange stehen? Da stecke ich nicht tief genug im Thema, um das zu bewerten.

Aber sobald es um die Finanzen geht, werde ich auch bei nur halbwegs regelmäßigem Blick auf die Berichterstattung rund um den MSV Duisburg misstrauisch. Fast immer habe ich bei den Aussagen von Verantwortlichen des MSV Duisburg dann das Gefühl, es steckt mehr dahinter, als das was gesagt wird. „Kentsch warnt vor der Insolvenz des MSV Duisburg“, titelt WAZ/NRZ. Bis Donnerstag müsse eine Finanzierungslücke von 2,5 Millionen bis 3 Millionen Euro geschlossen werden. Liest man den Artikel, geht es um nichts Neues. Die Geschichte wandelt sich aber beim Weitererzählen in der Medienlandschaft. Es wirkt mit einem Mal so, als ob nach der Insolvenzgefahr Ende letzten Jahres nun eine weitere neue Schwierigkeit aufgetreten ist. Schon damals aber hieß es, ohne die Senkung der Stadionmiete ist der MSV Duisburg nicht überlebensfähig. An wen richtete sich also die implizite Botschaft in Roland Kentschs Warnung? Sollten die Mitglieder des MSV Duisburg zum Durchwinken der Satzungsänderung überzeugt werden? Oder richtete sie sich an die Stadionbetreibergesellschaft? Druck über die Öffentlichkeit ausüben, um zur Mietsenkung zu gelangen? Fragen über Fragen. Früher ging es mal nur um Sport.

Ich hab noch ein paar Fotos aus Berlin

Ganz einfach ist es heute nicht mehr, eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv in ein Stadion mitzunehmen. Selbst, wenn die Güte des Objektivs mittelmäßig ist und die Kamera für digitale Zeiten uralt. Wahrscheinlich gibt es inzwischen Kompaktkameras, die Fotos von erheblich besserer Qualität liefern. Aber DFL-Vorschrift ist Vorschrift, und nicht alle Vereinsvertreter der Liga machen sich die Mühe der Unterscheidung. Sogar wenn im Fall des Zebrastreifenblogs gleichzeitig der journalistische Identitätsnachweis die Mitnahme befördern könnte. Um so auffälliger war auch in diesem Fall der 1. FC Union Berlin, wo mir durch die Presseabteilung schnell und unkompliziert das Mitnehmen der Kamera ermöglicht wurde. So gibt es noch ein paar Fotos aus Berlin, auch wenn so ein Blick durch den Sucher für mich höchstens vor und nach dem Spiel machbar ist.

Klassenerhalt als Vorprogramm zum Open Air in Köpenick

2013-05-12_union-msv 007Wir alle freuen uns über den endgültigen Klassenerhalt des MSV Duisburg. Das ist keine Frage. Schöner aber fühlt sich so ein Klassenerhalt an, wenn er durch einen eigenen Punktgewinn zustande kommt. Das ging uns auf den Rängen nach der 2:1-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den FC Union Berlin genauso wie Kosta Runjaic und den Spielern. Richtig ausgelassen schien mir also niemand gewesen zu sein. Die Stimmung war gelöst. Richtiger Ärger kam über die Niederlage nicht auf. Doch das leichte Bedauern machte sich trotz des Lächelns in den Gesichtern immer wieder bemerkbar.

Zu verstehen war es kurz nach Spielende nämlich nicht, warum der MSV  Duisburg dieses Spiel verloren hat. Mit etwas Abstand sind die Fehler zu erkennen. Doch gestern fühlte sich schon der Ausgleich von Union wie der dramaturgische Fehler in einem Gute-Laune-Familienfilm an. Diese Führung passte einfach nicht zu der zuvor noch gesehenen spielerischen Leistung der Berliner, 2013-05-12_union-msv 035die bis zum Ausgleich aus eigener Kraft heraus zu keiner Chance kamen. Zwei-, dreimal wurde es gefährlich, weil in der Defensive des MSV Verlegenheitsschüsse von Union zu kurz in die Mitte geklärt wurden, an einen Fehlpass kann ich mich auch erinnern und das war es dann. Die Offensive des MSV war in der ersten Halbzeit nicht besser. Wir konnten die Hoffnung aber auf Standards setzen. Denn Eckstöße sind inzwischen variantenreich und an guten Tagen torgefährlich. Gestern war ein guter Tag. Erst ein freier Schuss über das Tor und dann der abgeblockte Seitfallzieher von Sören Brandy als spektakuläre Torchance. Das dürfen Sören Brandy und Jurgen Gjasula gerne wiederholen. Nicht immer steht ein Abwehrspieler im Weg.

2013-05-12_union-msv 047Nach der Pause gelangen zudem die Kombinationen immer öfter auch bis in den Strafraum hinein, zumal die schnelle Führung durch Kevin Wolze diesem Angriffsspiel weitere Sicherheit gab. Das Tor belebte jedenfalls das Spiel. Schnell war zu merken, Union wollte vor dieser fantastischen Heimspielkulisse nicht verlieren. Besser wurde das Berliner Zusammenspiel allerdings zunächst nicht, nur ungestümer und energischer. Das reichte aber, um das Spielgeschehen Richtung Duisburger Tor zu drängen. Die unangenehme Konsequenz war der Ausgleich. Noch immer aber hatte ich nicht das Gefühl, dieses Spiel könne verloren gehen. Jurgen Gjasula erhielt die Chance zur erneuten Führung. Alleine vor dem Torwart stehend zielte er genau in dessen Arme. Wir hatten den Eindruck, weil er schon alleine an der Strafraumgrenze stand, glaubte er für einen Moment, er habe im Abseits gestanden. Zu viel gedacht.

Wer kurz danach aber im Strafraum so ungeschickt foult wie Goran Sukalo,  wird bestraft. Vom Gästeblock haben wir2013-05-12_union-msv 064 dieses Foul nicht sehen können. Für uns kam der Pfiff in einer Spielsituation, die nicht sonderlich gefährlich wirkte. Leider konnte Felix Wiedwald seine Rettungstat aus dem Spiel der letzten Saison nicht wiederholen. Damit war das Spiel knapp zehn Minuten vor Schluss entschieden, auch wenn es auf dem Platz noch hoch her ging. Die Spieler schenkten sich nichts. Es ging für beide Mannschaften bis zum Abpfiff um alles. Nicht nur deshalb war dieses Spiel einen Besuch in Berlin wert. Die Atmosphäre in der Alten Försterei ist jedes Mal großartig.

Für die Fans von Union begann nach dem Spiel schon die Vorbereitung auf die kommende Saison. Die neuen Dauerkarten konnten schon gekauft werden, während die Spieler Autogramme gaben und beim Mini-Open Air lokale Bands ihr Bestes. Wir waren in der Zeit schon auf dem Weg zum S-Bahnhof Köpenick, weil die Rückfahrt Richtung Mitte ebenso lang zu werden drohte wie die Hinfahrt. Pendelverkehr wegen Gleisarbeiten mit Zugwechsel nach jedem zweiten Bahnhof. Wir begnügten uns also mit dem Vorprogramm Fußballspiel und hörten nur von Ferne wie eine Band namens Kietz Keime mit ihrem „irisch inspirierten Folk-Punk“ begann. Dank der Band bei youtube könnt ihr euch nun fühlen, als wäret ihr mittenmang dabeigewesen.

Fehlt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Sören Brandy – mit knapper treffender Spielanalyse im zweiten O-Ton -, Dustin Bomheuer und Jurgen Gjasula. Sehr schön übrigens, wie bei Uwe Neuhaus dessen Pott-Heimat in der Sprachfärbung kräftig durchschlägt, als er zu reden beginnt. Das wirkt so, als sammele der private Uwe Neuhaus auf dem Weg zum zum öffentlichen Trainer Neuhaus eben noch ein paar Gedanken ein.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Die zweite Ehe Ronnie Worms und M-U-T für Maurice Exslager

Grinsen ist erlaubt. Denn der Fußball ruft manchmal komische Gefühle hervor. Junge Menschen werden dieses spezielle Gefühl kaum mehr kennen lernen, weil sich die Berufsbiografien von Fußballern gegenüber denen meiner Jugend so verändert haben. Aber wer weiß, vielleicht gibt es Dortmunder Fans, denen es  in dreißig Jahren ebenso geht, wenn Mario Götze als Bayern-Legende die Lage seines Vereins kommentiert. In mir kitzelte jedenfalls so eine Mischung aus Eifersucht, Empörung und Groll, als mir vom NDR ein Internet-Artikel zum Aufstieg von Eintracht Braunschweig mit folgender Überschrift eingespielt wurde: „Eintracht-Idol Worm schlägt Alarm“.

Natürlich weiß ich, wie sehr Ronnie Worm mit seinem zweiten Verein Eintracht Braunschweig und der Region heute verbunden ist. Aber diese Ausschließlichkeit! Wir hatten doch auch einmal eine gemeinsame so glückliche Zeit. Wir beim MSV und Ronnie. Darüber darf man doch nicht einfach so hinweggehen. Ich bin sicher, er denkt auch so. Und ist es nicht ein Zeichen, dass wir in Duisburg wissen, niemals war Ronald Worm ein „Ronny“, so wie es die unwissenden norddeutschen Deuter seines Lebens heute in einem Text wie dem oben verlinkten behaupten. Da ich all das schreibe, verliert sich schon mein Groll, weil ich weiß,  er trägt beide Vereine in seinem Herzen.

In dieser beruhigteren Stimmung können Genesungswünsche an Maurice Exslager nun auch ohne Schwierigkeiten geschrieben werden. Die Meldung seiner Verletztung gestern kam doch überraschend. Wann hat er sich im Spiel gegen den FC St. Pauli das Knie verdreht? Gegen Union Berlin wäre er wahrscheinlich wirkungsvoller gewesen als im Spiel am Sonntag. Die Offensivkraft der Mannschaft nimmt also weiter ab. Anscheinend ist mit einer Rückkehr von Ranisav Jovanović auch noch nicht zu rechnen. Angesichts der Lage kommt der folgende Clip passend, sowohl für Maurice Exslager als auch für die Mannschaft vom MSV Duisburg. Er zeigt eine kurze Fassung jenes Videoprojekts von Anke Johannsen und anderen Duisburgern, das ich neulich vorgestellt habe. Das swingt! Mut!

Erledigen, was getan werden muss

Wir hoffen natürlich immer auf das Beste im Spiel des MSV Duisburg und müssen dann im Moment feststellen, besser als „in Ordnung“ geht es  nicht. Allerdings lässt sich das das torlose Unentschieden gegen den FC St. Pauli auch mit viel freundlicheren Worten bewerten. Die Mannschaft vom MSV Duisburg geht unter Kosta Runjaic zum ersten Mal durch ein Leistungstief und verliert dennoch nicht. Zudem zeigte sie  gegenüber den letzten beiden Spielen eine verbesserte Leistung, obwohl neben Sören Brandy auch noch Ranisav Jovanović ausfiel. Dem Journalistentrio von WAZ/NRZ ist zuzustimmen, wenn sie in ihrem Spielbericht Jovanovics Anteil an der erfolgreichen Rückrunde des MSV Duisburg hervorheben. Ohne ihn fehlte in der Offensive der durchsetzungsstarke Spieler zum Anspiel. Srdjan Baljak und Maurice Exslager mühten sich und blieben dennoch wirkungslos.

Auf Seiten vom FC St. Pauli war es allerdings nicht besser, wenn der Ball kontrolliert im Kurzpassspiel oder mit halblangen Blällen nach vorne gebracht werden sollte. Der letzte, dann steiler gespielte Pass ging bei beiden Mannschaften immer wieder in die Leere oder landete jeweils beim Gegner. Angesichts der Fehlpassmenge dürfen wir aber eben nicht vergessen, die Zebras gaben nicht auf, sich im kontrollierten Spiel zu versuchen. So kam es in einer – insgesamt zwar weniger aufregenden –  zweiten Halbzeit dennoch zu zwei Chancen aus dem Spiel heraus. Keine Stockfehler in der Pauli-Defensive waren dafür verantwortlich, sondern alleine diese vereinzelt gelungenen Spielzüge. Es überraschte nicht, an einem dieser Spielzüge Kevin Wolze beteiligt war. Gestern bestätigte er mit einer sehr guten Leistung die Vertragsverlängerung mit ihm. Diese ausdauernden Versuche die Grundstruktur des Zusammenspiels zu bewahren sind der Grund, warum ich trotz der vielen Fehlpässe ohne ein Gefühl der Enttäuschung aus dem Stadion gegangen bin.

Beim Thema Vertrag, fällt mir zudem auch noch Dustin Bomheuer ein, der sich bei einem hohen Ball der Paulianer völlig verschätzte und anschließend Branimir Bajic danken konnte für dessen Rettungsgrätsche gegen den alleine aufs Tor zulaufenden Paulianer. Der Sprint von Bajic zurück vor der Grätsche beeindruckte nicht minder. Dustin Bomheuer wirkte nicht nur in dieser Situation leicht verunsichert und so klar vorgezeichnet wie bei André Hoffmann scheint mir sein Weg in die Bundesliga noch nicht zu sein.

Vor allem in der ersten Halbzeit schienen Tore für beide Mannschaften jederzeit möglich zu sein. Nicht durch den kontrollierten Aufbau, sondern durch freie Bälle im Mittelfeld, die hin und her titschten, aufsprangen und wenig geplant bei einem Spieler landeten, der dann freien Raum vor sich sah. Oder Fehler passierten eben. So ergaben sich einige Chancen auf beiden Seiten. Dann ging es knapp neben das Tor bei den Versuchen der Zebras und auf der Gegenseite wehrte Felix Wiedwald jeden Ball auf sein Tor ab.

Damit der MSV Duisburg noch den einstelligen Tabellenplatz erreicht, muss sich die Mannschaft gegen Union Berlin noch mehr verbessern. Nehmen wir es als Zeichen für unsere Zuversicht, dass der SC Paderborn zwei Spieltage vor Saisonende noch den Trainer entlässt. Wahrscheinlich aus Sorge vor den im letzten Spiel dann endgültig wieder auftrumpfenden Zebras. Die Saison könnte also noch vor heimischen Publikum mit einer sehr guten Leistung zu Ende gehen.

Kleine Randbemerkung noch zu  dem in Mode gekommenen Versuch, sich bei Eckbällen die Hockey-Eckenregelung zum Vorbild zu nehmen. Anscheinend gibt es eine Spieler-Bewegung, die auf die Verlegung von Eckbällen hin zur Strafraumgrenze  drängt. Wir in Duisburg sind auf Seiten der Traditionalisten und haben schon mehrmals protestiert gegen diese Versuche die Ecken-Regel aufzuweichen. Gestern endlich fanden wir im Schiedsrichter Robert Kempter einen offiziellen Unterstützer unseres Protestes. Vor Ausführung der ersten Ecke von St. Pauli hatte  sich der ausführende Spieler um keine Kreidemarkierung gekümmert. Weit außerhalb des vorgesehenen Viertelkreises lag auf provozierende Weise der Ball. Aber Robert Kempter nahm die Hinweise aus dem Publikum nach nur kurzer Irritation auf und unterband den Pauli-Versuch, die Ecken-Regel zu ignorieren. Ob so ein vorbildhaftes Zusammenwirken nicht auch andere strittige Situationen  klären könnte? Wie oft haben wir hinter dem Tor doch einen besseren Blick auf das Foulspiel etwa innerhalb des Strafraums.

Die Vierzig

Die Zweite Liga ist verdammt langweilig geworden. Zum dritten Mal nacheinander verspielt der 1. FC Köln seine nun auch wirklich allerletzte Chance, den dritten Tabellenplatz zu erreichen. Nächste Woche wird das mit großer Wahrscheinlichkeit sogar zum vierten Mal passieren. Da will ich mal hoffen, dass sich die Mannschaft unserer Zuneigung diesem Trend nicht anschließt. Mehr als ein viertes Unentschieden nacheinander sollte im Spiel gegen den FC St. Pauli gleich drin sein. Wenn dieses Mehr auch noch durch ein besseres Spiel zustande käme, als wir es bei den letzten beiden Malen gesehen haben, könnte ich auch den symbolhaften Gehalt der Vierzig, wie er im Wikipedia-Artikel zur Vierzig zusammengefasst wird, in Teilen bestätigen.

Dort heißt es, die Vierzig stände in Mythologie und Religion für „Prüfung“ und „Bewährung“. Was wir im Fußball ja tatsächlich kennen, wenn die Trainer von den notwendigen Zielen der Saison reden. Doch beides erhält in besagter Mythologie anscheinend auch eine deutende Richtung, die ganz im Gegensatz zur Symbolgestalt der Vierzig im Fußball steht. „Initiation“ und „Tod“ sollen ebenfalls mit ihr verbunden sein. Manchmal musste in so ein Symbol schon einiges reingepackt werden, damit es für das vielfältige Leben auch ordentlich angewendet werden konnte. Der Fußball fehlt im Wikipedia-Artikel übrigens völlig. In der Rubrik „Kultur, Literatur, Musik und Geistesleben“ hätten dazu weitere Sätze ausreichenden Platz.

Denn schließlich gilt die Vierzig im Fußball als Zahl  der Dauerhaftigkeit, des Ligaerhalts und der gemeinschaftlichen Erlösung. In der Vierzig verbindet sich die Hoffnung auf die Zukunft mit dem Blick auf die Mühsal des alltäglichen Frondienstes im sportlichen Wettstreit. Die Vierzig steht für Bescheidenheit und übersteigerten Optimismus zugleich.  Mich interessiert die Vierzig allerdings nur als Schwellenzahl, als eine Zahl des Übergangs und der Vergänglichkeit. Die Zweiundvierzig ist ihrem Wesen nach die sehr viel schönere Zahl. Die Zweiundvierzig steht für Vollkommenheit im Spiel, Sicherheit beim Torabschluss und gemeinschaftliches Feiern an Sonntagen vor Christi Himmelfahrt.

Spieler, hör die Signale, auf zum nächsten Vertrag

Passend zum Ersten Mai waren in Duisburg ein paar Signale zu vernehmen. Die waren allerdings nicht ein diffuses gesellschaftliches Lärmen, auf das die anonyme Arbeiterschaft hingewiesen werden muss. Die Signale kamen vom MSV Duisburg, und der Verein als Sender kannte den Adressaten beim Namen. Jürgen Gjasula hat sie sofort aufmerksam gehört, auch ohne das Liedgut einer sich organisierierenden Spielerschaft.

Mir gefallen sowohl die Signale selbst als auch das im WAZ/NRZ-Artikel berichtete Klima, in dem sie in Form von Gesprächen über die Zukunft Jürgen Gjasulas beim MSV Duisburg stattfinden. Ich gebe zu, allmählich kitzelten mich erste Zweifel, wie er und Kostas Runjaics Vorstellungen über das Spiel seiner Mannschaften zusammen passen könnten. Unumstritten ist für mich, dass er als einziger Spieler des MSV Duisburg über die Fähigkeiten verfügt, das Offensivspiel mit kreativen Impulsen zu versehen. Andererseits wirkt es auf mich so, als seien diese Fähigkeiten etwas stimmungsabhängiger als bei anderen Spielern. Es wirkt auf mich so, als habe das Vertrauen des Trainers auf seine Leistung einen recht großen Einfluss. Hinzu kommt die Frage, wie sehr er den Ansprüchen von Kosta Runjaic an das Defensivverhalten seiner Spieler genügt. Natürlich hängt das mit köperlicher Fitness zusammen, aber auch mit mentaler Stärke und Einsatzbereitschaft.

All das ging mir immer mal wieder durch den Kopf, seitdem er wieder gesund war und er bei seinen Einsätzen zwar blitzlichtartig seine Klasse zeigen, aber noch nicht vollends überzeugen konnte. Es war nicht klar abzusehen, wie seine Zukunft beim MSV Duisburg aussah. Andererseits war es auch klar, wenn der Verein ohne ihn in die nächste Saison gehen wollte, war dieses Vorhaben ohne Neuverpflichtung eines Spielers seiner Qualität auch ein Zeichen für die anvisierten Ziele in der neuen Saison. Da hätten wir uns schon gleich wieder mit unteren Tabellenrplätzen anfreunden können. Nun aber hören auch wir die Signale. Ivo Grlic und Kosta Runjaic sind der Überzeugung, es wird Mannschaften des MSV Duisburg in der nächsten Saison auf dem Spielfeld geben, die durch Jürgen Gjasulas spielerische Qualitäten besser werden. Diese Aussicht gefällt mir.

Mit Dauerglück in eine große Zukunft?

Schön am Schreiben über ein Fußballspiel ist: dieses Schreiben muss niemals 90 Minuen dauern. Deshalb verrät die Kürze eines Textes schon viel über die Qualität eines Fußballspiels. Das torlose Unentschieden im Auswärtsspiel des MSV gegen den FC Erzgebirge Aue braucht nicht viele Sätze. Auch in diesem Spiel kam dem Glück eine bestimmende Rolle zu. Dieses Glück wirkte anders als im Spiel gegen den 1. FC Köln sogar präventiv. Es wurde in Gänze  beim Torverhindern aufgebraucht. Dieses Glück bei einem einzigen Torschussversuch irgendwann im letzten Viertel des Spiels nur als unterstützendes Mittel in Anspruch genommen zu haben, wäre des Guten wirklich zu viel gewesen. Man soll das Schicksal nicht herausfordern. Irgendwann muss sich die Mannschaft auch wieder auf die eigenen fußballerischen Fähigkeiten besinnen.

Diese Fähigkeiten waren gestern allenfalls in der Rückwärtsbewegung etwas vorhanden. Zumal sich die Zebras darauf verlassen konnten, dass die Auer die letzte Aktion, egal ob Schuss oder Pass in den Strafraum, so gut wie nie so präzise spielten, dass es dauerhaft gefährlich wurde. Und wenn in einer Einzelaktion  passabel abgeschlossen wurde, konnten sich die Zebras auf das besagte Glück verlassen. So täuscht der Blick auf die  Statistik, wenn es um die Torschüsse der Auer geht. Diese vielen Torschüsse der Auer weisen nur auf die Spielüberlegenheit hin und nicht auf die tatsächliche Torgefahr.

In Ballbesitz versuchten die Zebras zwar immer wieder ein kontrolliertes Spiel, doch wenn es überhaupt gelang, dann ohne Raumgewinn um die Mittellinie herum, bis das Pressing der Auer die Pässe immer unpräziser werden ließ. Das Spiel ruckelte und stotterte, vor allem in der zweiten Halbzeit, von der einen Seite zur anderen. Weil die Pässe auf beiden Seiten eben oft so unpräzise waren und ebenso beide Mannschaften mit viel Einsatz den Ball jeweils wieder zurück erobern wollten, war die zwangsläufige Folge der regelmäßiges Foulpfiff. Regelbedingt mussten beide Mannschaften mit dieser Leistung 90 Minuten lang auf dem Platz bleiben. Das war nicht schön anzusehen. Andererseits wenn sich der MSV Duisburg trotz solch schlechter spielerischer Leistungen seine Unentschieden von nun an immer glücklich erkämpft, steht der Mannschaft eine große Zukunft bevor.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Dustin Bomheuer und Sören Brandy.

Die schönsten Fußballtorten der Welt X – FC Bayern München

Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben musspräsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

Gerade weil wir uns in dieser Rubrik mit den schönsten Fußballtorten der Welt beschäftigen, dürfen wir den Blick vor den Folgen der Kommerzialisierung der einst so selbstlosen Tortenbackwelt nicht verschließen. Es überrascht nicht, dass gerade der FC Bayern München von diesem Phänomen betroffen ist. Bei diesem Verein versuchen die Goldgräber des Fanartikelgeschäfts auch in der Sparte Fußballtorte sich als Dienstleister für Originalität anzubiedern. Vermeintliche Originalität. Wer bei solchen Anbietern zugreift, folgt einer alten Geschäftsstrategie des FC Bayern München, die heute nur noch in Ausnahmefällen wie der Causa Götze zur Anwendung kommt. Vereinsinsignien werden irgendwo zusammengekauft und als Verzierung auf eine gesichtslose Sahnetorte gesetzt.

Der FC Bayern München entwickelt seine Mannschaft inzwischen in Teilen auch aus der eigenen Jugend heraus. Diesem Konzept sollte die dem FC Bayern gewidmete Fußballtorte ebenbürtig sein. Nicht zuletzt, weil nur wahres Kunsthandwerk des Tortenbackens den Erfolgen dieser Saison gerecht wird. Gerade nach einem berauschenden 4:0-Sieg gegen den FC Barcelona hat der FC Bayern etwas besonderes verdient. Mia backt Fußballtorten auch professionell, und ihre Torte wirkt doch eigenständiger und als geschlossenes Backkunstwerk. Ihr Backkunst durften wir übrigens schon für die SG Dynamo Dresden und den VfB Stuttgart vorstellen.

Ob folgende Torte aus ihrem Haus stammt oder nur inspiriert wurde, ließ sich leider nicht feststellen. Ebenso muss die Frage offen bleiben, ob die ins rosa gewechselte Vereinsfarbe der künstlerischen Freiheit oder technischer Probleme bei der Filmaufnahme geschuldet ist.

Die Frühjahrskollektion der Tore in letzter Sekunde

Wenn Spielenden mit Toren in letzter Sekunde gerade in Mode sind, möchte ein Verein wie der MSV Duisburg bei der entsprechenden Frühjahrsmesse für Tore in letzter Sekunde nicht fehlen. Die Vorstellung seiner Kollektion entspricht natürlich den momentanen Möglichkeiten des Vereins. Beim MSV Duisburg sind keine Star-Designer am Werk, sondern ehrbare Handwerker, deren Kreativität sehr von der Tagesform abhängt. Gestern Abend im Spiel gegen den 1. FC Köln war wenig originelles Arbeiten für die Kollektion zu sehen und dafür viel aus Stoffresten Zurechtgeschneidertes und einiges von der Stange. Das wirkte solide, war aber zunächst zu wenig, um den Erfolg der  Konkurrenten aus Köln zu gefährden. Diese hatten in der laufenden Saison schon eine beachtliche Auswahl der Last-Minute-Fashion vorgelegt. Das letzte Mal sogar noch im Spiel zuvor gegen den VfR Aalen.

Hinzu kam eine ungewohnte Nervosität der Duisburger Handwerker in den ersten fünfzehn Minuten. Viele Lücken waren in der Defensive zu sehen. In der Zweiten Liga gibt es allerdings mit Hertha BSC nur eine Mannschaft, die solche Lücken auf jeden Fall bestraft. Viele Zuspiele misslangen auch noch in der weiteren ersten Halbzeit. Die Ballannahme funktionierte nicht oft und die Kölner Konkurrenten standen enger am Mann als die Zebras umgekehrt. Als sich die Nervosität endlich legte, blieben noch etwa fünf Minuten, in denen sich das Spiel im Gleichgewicht befand. Dann fiel das Führungstor des 1. FC Köln. Daniel Brosinski misslang es, eine Abwehraktion spielerisch zu lösen. Sein Gegenspieler Thomas Bröker nahm ihm den Ball ab und wurde von Daniel Brosinski bei seinem Schlenzer nicht entschieden genug gestört.

Nach dieser Führung entstand ein nur selten aufregendes Spiel. Der MSV Duisburg mühte sich ohne wirkliche Ideen und Möglichkeiten zu haben, die gut aufgestellte Defensive der Kölner zu überspielen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit stellten sich der FC sogar noch tiefer auf.  Es blieb kaum Raum, um in die Nähe des Tores zu kommen, während der Raum auf der anderen Seite sich verführerisch leer für Konter anbot. Der MSV kam an seine Grenzen. Druck entstand nicht, und man musste auf jede einzelne Spielsituation hoffen, die durch eine Aneinanderreihung von Zufällen vielleicht doch noch Torgefahr gebracht hätte. Zudem machte es sich der MSV in der Vorwärtsbewegung manchmal unnötig schwer, weil die Mannschaft keinen vernünftigen Rhythmus fand zwischen Einzelaktionen und Zusammenspiel. Das war Ranisav Jovanović, der seine Mitspieler auf dem Flügel nicht mehr sah und selbst dorthin bei seinen Sprints vor der engen Mitte des Spielfelds auswich. So standen sie sich dann zu zweit im Weg. Das war aber auch Jürgen Gjasula, der nahc seiner Einwechslung keinen guten Tag erwischte und wie niedergedrückt wirkte. Seine Pässe kamen nicht an, seine Dribblings blieben erfolglos. Tanju Öztürk hatte sich zwar ins Spiel gekämpft, deutlich war aber auch, dass er noch einiges Entwicklungspotenzial ausschöpfen muss, um irgendwelche Gerüchte-Geschichten über Vereinswechsel auch nur annähernd zu rechtfertigen.

So plätscherte das Spiel in der zweiten Halbzeit dahin, unterbrochen nur von der Aufregung durch einige Konter des FC, die der MSV Duisburg durch eine Kombination von guten Reaktionen Felix Wiedwalds, der Abschlussschwäche des FC und etwas Glück ohne Gegentor überstand.  Gefährlich für den FC wurde es nur einmal in dieser Halbzeit durch einen Distanzschuss von Timo Perthel. Bis dann die letzte Spielminute der Nachspielzeit anbrach und ein Freistoß für den MSV Duisburg im Halbfeld gepfiffen wurde. Felix Wiedwald verließ sein Tor und kam an den Fünfmeterraum des FC. Gab es an dieser Linie überhaupt noch freie Bodenfläche. Was war das für ein Gedränge. Der Ball flog hoch hinein, Spieler sprangen und als Dustin Bomheuer köpfen konnte war der erfolgreiche Verlauf der Flugbahn sofort zu erkennen. So nah war er am Tor. So präzise nahm der Ball seine Richtung. Schon zuvor war nicht nur sein Kopfballspiel in der Defensive gegen Stefan Maierhofer sehr gut gewesen. Selbst früh pressende Kölner konnten ihn beim Ballvortrag nicht irritieren. Es ist sehr zu hoffen, dass er zumindest in der nahen Zukunft noch beim MSV spielen wird.

Wenn eine Mannschaft wie der FC dem Sieg so nah war und sie diesen Sieg für das Fortbestehen von Hoffnungen so braucht, bringt ein Ausgleich in fast der letzten Sekunde das intensivste Erleben von Enttäuschung. Auf den Rängen war das Spiel schon als gewonnen gefeiert worden. Auf der Bank des FC hatte sich mit Sicherheit ebenfalls schon die Vorfreude auf den Punkteeinstand mit dem FC Kaiserslautern breit gemacht. Alles verloren und vergeben. Nicht nur weil der Ausgleich für den MSV Duisburg wie ein Sieg war, fühlte er sich für den FC wie eine Niederlage an. Schon im Hinspiel haben wir das torlose Unentschieden wie einen Sieg gefeiert. Mit einem Tor aus der Last-Minute-Kollektion fühlt sich so ein Unentschieden aber nochmal so gut an.


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