Archive for the 'Saison 2016/2017' Category



Lyrischer Niederrheinpokalfinalistenvergleich

RWE-MSV

Doch, gut, die Hafenstraße weist drauf hin,
was Becken am Kanal für Essen sind.
Doch, ja, das macht für Essen wirklich Sinn,
das sind so Häfen für ein kleines Kind.

Mit wenig Schiffsverkehr, kaum Fläche Wasser,
der Name nur verspricht die weite Welt.
Wenn man dorthin fährt, wird die Aussicht blasser.
Für Essener aber gilt, die Stimmung hält.

Demnächst soll es die Fußballstraße geben.
An die Pokalestraße wird gedacht.
Erst so kann Essen dann auch damit leben,
wie Duisburg Wirklichkeit aus Namen macht.

 

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Mit welcher Botschaft weht eine türkische Fahne im MSV-Stadion?

Ein Debattenkommentar von Jens-Christian Rabe in der Süddeutschen Zeitung gibt nun den Ausschlag. Zeiten wie diese, so meint er, bräuchten mehr Deutungsmut. Sie bräuchten mehr Interpreten und zwar solche, die nicht eitel auf ewige Wahrheiten schielen, sondern einfach „frohen Mutes den klügstmöglichen Vorschlag zum Weiterreden und Weiterdenken machen.“ Ich nehme ihn also mal beim Wort und versuche mich in einer solchen Deutung, weil mir seit dem Spiel am Samstag eine türkische Fahne nicht aus dem Kopf geht.

Ich vermute, Familie und Freunde von Tugrul Erat saßen auf der Tribüne. Jemand aus der Gruppe schwenkte während des Spiels schon sehr ausdauernd die türkische Fahne. Tugrul Erat hat einen türkischen Pass. Sie galt ihm als Unterstützung, und diese Fahne kann natürlich alleine seine Wurzeln in der türkischen Kultur ausdrücken. In etwa so wie ich in Köln meine Verbindung zum Ruhrgebiet weiter pflege und sie mit meinem Kölnersein munter mische. In so einem Sinne wäre es kein Problem, dass Tugrul Erat nach dem Schlusspfiff die Fahne gegeben wurde und er sie sich vor der Ehrung umhing.

Die Pfiffe im Stadion in dem Moment zeigten aber schon, es gibt sehr wohl ein Problem. Diese Fahne der Türkei trägt in den letzten Wochen mehr als die Botschaft türkischer Kultur in die Welt. In den letzten Wochen hat diese türkische Fahne im öffentlichen Raum  eine politische Botschaft transportiert. Die türkische Fahne war von den Anhängern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan okupiert worden.

Wer die türkische Fahne in der deutschen Öffentlichkeit zeigte, wollte damit auch seine Unterstützung der Politik Erdoğans zeigen. Der türkische Staatspräsident schafft die Demokratie in der Türkei ab. Der Terrorismusverdacht ist sein Mittel, um die Meinungsfreiheit im Land zu unterbinden. Eine freie Presse ist so gut wie verschwunden. Unzählige Journalisten sind in Haft. Rechtsanwälte geraten in Gefahr, wenn sie auf die Einhaltung von Gesetzen drängen. Willkürverhaftungen sind an der Tagesordnung. Enteignungen gibt es. All das ist bekannt und wird in der deutschen Presse immer wieder von sehr unterschiedlichen Stimmen berichtet. Deutsche Journalisten schreiben darüber. Deutsche Zeitungen geben unabhängigen türkischen Journalisten und Schriftstellern Platz, damit sie über ihre Erfahrungen schreiben können. Zum Teil sind diese Menschen aus der Türkei geflohen. Der deutsch-türkische Korrespondent der Welt Deniz Yücel sitzt seit Wochen in Haft.

All das steht momentan mit der türkischen Fahne als Botschaft in der Öffentlichkeit. Ich will kein Wasser in den Meisterschaftsfeierwein schütten. Dennoch möchte ich in Zeiten wie diesen so eine Botschaft nicht auf dem Rasen meines Vereins sehen. Später hat Tugrul Erat die Fahne zusammengefaltet. Vielleicht ist ihm dann erst der Gedanke gekommen, was diese Fahne zur Zeit alles auch bedeutet. Es mag sein, dass andere weniger empfindlich sind und nur die Freude des Moments sehen. Ich bin so empfindlich, weil ich sehe, dass in Europa überall demokratische Werte von immer mehr Menschen nicht mehr als notwendige Bedingungen für die eigenen Lebensmöglichkeiten angesehen werden. Deshalb müssen wir über diese türkische Fahne auf dem Rasen des Stadions reden.

Ohne Aufstiegszwang gewinnt sich’s leichter

Der MSV Duisburg wollte Meister der 3. Liga werden. Damit das auf jeden Fall gelingt, musste das Spiel gegen den FSV Zwickau gewonnen werden. Anscheinend war mit dem Druck während nur eines Spiels leichter umzugehen als mit dem grundsätzlichen Druck aufsteigen zu müssen. Beim 5:1-Sieg gegen den FSV Zwickau zeigte die Mannschaft eine glänzende Leistung. Mit diesem Sieg schloss sich der Kreis dieser Saison. Denn solch souveräne Spiele hatten wir zu Beginn der Spielzeit ebenfalls schon gesehen.

Das Selbstbewusstsein der Mannschaft war für jeden erkennbar. Es drückte sich im unbedingten Offensivspiel aus. Der FSV Zwickau war allerdings auch bereit, das Spiel mit zu gestalten. Diese Zwickauer agierten nicht defensiv, sondern suchten ebenfalls ihre Chance im Angriff. So wurde diese Begegnung auch deshalb ein attraktives Fußballspiel, weil die Zwickauer etwas riskierten. Vielleicht müssen wir uns für den Rückblick auf die Saison dieses Spiel vergegenwärtigen und das Zwickauer Offensivspiel. Vielleicht werden wir dann milder mit der Vorsicht dieses MSV während der Saison, eine Vorsicht, die so schnell den Eindruck einer behäbigen Spielweise hinterließ.

Vor dem Spiel herrschte allerorten eine entspannte Stimmung. Früher als bei den anderen Ligaspielen strömten wir alle zum Stadion. Am Bahnhof die Begegnung mit den schon am Freitag angereisten Zwickauern. Der Gästeblock war voll für die weite Anreise. Was die Bedeutung des Vereins in Zwickau zeigt. Eine Bedeutung, die auch wir in Duisburg für den MSV kennen und die uns um diesen Verein während der Saison hat Zittern lassen. Nun waren wir entspannt, weil das Überleben des Vereins in der Größe, die wir uns ersehnen, nur durch den Aufstieg mögich gewesen war. Das einzig wirklich wichtige Ziel dieser Saison war erreicht. Jetzt ging es darum, die gute Laune zu bestärken.

Die Mannschaft tat uns den Gefallen. Die Spieler wollten Meister werden. Der Rückstand in der 16. Minute irritierte nur bis zum Wiederanstoß. Sofort nahm der MSV das Heft wieder in die Hand und suchte seine Chance auf den Ausgleich. Die Räume für Kombinationsspiel waren da. Schnelles Spiel über die Flügel gelang, und so ein schnelles Flügelspiel führte nur drei Minuten später zu einem scharfen Pass in den Strafraum, wo Andreas Wiegel trotz enger Deckung direkt abschloss. So selbstbewusst kann er also auch spielen. Sein zweites Tor zur Führung kurz vor der Pause schien folgerichtig. Ein weiter Pass in die Spitze, den er sich erläuft, um den Torwart zu umkurven und einzuschieben.

Die Stimmung wurde noch entspannter. Munter ging es nach der Halbzeitpause hin und her. Schöne Aktionen einzelner Spieler waren zu sehen. Wenn Dustin Bomheuer auf Höhe des eigenen Strafraums den Ball nicht wegschlägt, sondern nach Dreieckspiel noch einen Haken schlägt, um den angreifenden Stürmer aussteigen zu lassen, wissen wir, wie sicher sich diese Spieler  alle waren. Von Fabian Schnellhardt erwarten wir solch Selbstbewusstsein und bewundern seine minimalen Bewegungen  bei der Ballannahme, mit denen er seine Gegenspieler ins Leere laufen lässt.

Enis Hajris Kopfballtor zum 3:1 war ein Sinnbild für seine letzten Spiele. Sein Wille war in diesen letzten Wochen vor dem Aufstieg zu einem Tragpfeiler der Mannschaftsleistung geworden. Die Wucht dieses Kopfballs hatten wir zuvor schon gesehen gegen Frankfurt, gegen Lotte – mit unterschiedlichem Erfolg. Nun machte er den Sieg sicherer. Und nur eine Minute später erhöhte Kingsley Onuegbu lehrbuchmäßig ebenfalls per Kopf nach einer Janjic-Flanke. Solche Spielaktionen sahen nun alle leicht aus. Diese Spieler auf dem Feld waren im Kopf frei geworden. Was wir sahen war nun die reine Freude am Spiel. Wir auf den Rängen feierten und freuten uns noch über das Tor vom eingewechselten Kevin Wolze kurz vor Schluss.

In dieser entspannten Freude wurde schließlich der Drittligameister MSV Duisburg gefeiert. Die Saison war für uns alle emotional anstrengend gewesen. So oft hatte uns das Spiel dieser Zebras enttäuscht. Für die Spieler war es aus anderen Gründen emotional anstrengend. Es gab kaum Spielraum für Fehler. Am letzten Spieltag haben wir alle gemeinsam unser Leben mit dem Fußball des MSV wieder zurecht gerückt. Dieser 5:1-Sieg war in gewisser Weise ein Vergessen der Überlebensnotwendigkeiten, ein Vergessen von all dem, was diese Saison so schwer hat werden lassen. Dieser Sieg war ein Seelenbalsam für uns alle. Auf diese Weise können wir der 2. Liga entgegensehen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, die Klasse zu halten. In guter Stimmung aber ist die Zuversicht einfach viell größer.

Kleine Anekdote am Rande: Im Moment des Abschieds vom MSV-Ausstatter bekomme ich zufällig mit, eines von vielen Uhlsport-Werbegesichtern gewesen zu sein. Kees Jaratz auf dem Werbefoto eines Sportartikelherstellers ist nun auch Geschichte. Ich überlege noch, warum das ein gutes Vorzeichen für die kommende Saison ist.

 

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun…

Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

Und natürlich ist es so schon immer gewesen…

 

Wenn Pläne wirklich werden, heißt es Feiern

So war vor Wochen der Plan. Schon zu Beginn des Jahres hatte nicht nur ich diesen Gedanken. Der Aufstieg wird in Köln gefeiert. Je näher das Saisonende rückte, desto klarer zeichnete sich ab, wenn der MSV so weiterspielte, könnte dieser Plan wirklich werden. Für mich stand deshalb in Aussicht, zum ersten Mal mit einem Fahrrad zu einer Aufstiegsparty anzureisen. Von der Schäl Sick nach Zollstock, im Grunde gerade für den Kölner in mir auch ein heimliches Stadtderby, ein Auswärtsspiel beim von Viktoria Köln erhofften Zukunfts-Drittliga-Erzrivalen Fortuna Köln. Das sollte ein zweifacher Sieg werden.

Nach der Überquerung des Rheins singt mir am Heumarkt ein Taxifahrer aus seinem offenen Seitenfenster ein freundliches „Zebrastreifen weiß und blau“ entgegen. Köln! Das mag ich an der Stadt so sehr, diese ständige Bereitschaft in flüchtigen Begegnungen ein heimeliges „Jeföhl“  zu schaffen.

Lange aufhalten konnte ich mich nicht. Spätestens um 12 Uhr wollte ich am Südstadion sein. Ab dem Höninger Weg, etwa 700 Meter vor dem Stadion dann nur noch das Weiß-Blau auf der Straße. Das Südstadion als Heimspielort der Zebras. Vor dem Stadion dann noch beim Warten auf den Freund aus Duisburg vielen sympathischen Menschen begegnen. Es musste klappen. Zwei Kurven in blau-weiß, dazu die Haupttribüne ebenfalls fast komplett. Das versprach Schalldruck, wenn es eng werden sollte.

Wie anders war dieses Spiel als das entscheinde Spiel gegen Kiel vor zwei Jahren für mich. Ich weiß nicht, ob es die größere Unsicherheit seinerzeit war? Meine Aufregung hielt sich jedenfalls in Grenzen. Ich erwartete etwas und das war nicht weniger als eine Mannschaft, die ein ganzes Spiel lang so druckvoll spielte, dass sie keinen Zweifel am Gelingen des Plans ließ.

Von den 15-20 Minuten nach dem Anpfiff kennen wir diesen Druck. Die Minuten danach waren entscheidend. Wie druckvoll blieben die Zebras, wenn sie das Tempo des Spiels drosselten, wenn sie versuchten die Kontrolle zu behalten, ohne ans Limit zu gehen? Und wirklich, gegen Fortuna Köln gelang es in der ersten Halbzeit dauerhaft torgefährlich zu bleiben. Dieses Mal klappte es, den Rhythmus zu variieren. Dieses Mal war das Offensivspiel variabel, wechselten sich halbhohe Bälle ins Sturmzentrum mit Flügelläufen ab. Dieses Mal gab es das flache steile Spiel in die Schnittstellen der Fortunen-Defensive.

Wie wertvoll Stanislav Iljutcenko in den letzten Wochen war, ließ sich auch gegen die Fortuna erkennen. Seine Laufarbeit öffnet nicht nur Räume für die flachen steilen Zuspiele. Er ist auch jener Mann in der Offensive, den der King zum Zusammenspiel braucht. Die Mannschaft erspielte sich in den ersten 45 Minuten über die gesamte Zeit immer wieder große Chancen. Zweimal hatten wir den Torschrei auf den Lippen, zweimal konnten wir nicht begreifen, wie der Ball noch am Tor hatte vorbeigehen können. Einmal war es Stanislav Iljutcenko und einmal der King, die knapp verfehlten.

Als dann das Führungstor in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten durch Andreas Wiegel fiel, war das nur ein weiteres Zeichen für diesen Verlauf der ersten Halbzeit. Die Mannschaft suchte bis zum Pausenpfiff ihre Chance. Es wurde nachgesetzt und wenig hinten rum gespielt. Bei Balleroberung ging es meist sofort Richtung Tor. So war nach einem Fehler eines Fortunen-Spielers im Halbfeld der eigenen Hälfte, der Raum frei für das Kurzpassspiel in den Strafraum hinein. Dreimal schnell weitergeleitet und Andreas Wiegel brauchte nur noch frei stehend einzuschieben. Der Aufstieg rückte näher.

Doch nach dem Wiederanpfiff wurde etwas vorsichtiger gespielt, blieb der Druck auf angreifende Fortunen-Spieler nicht immer hoch genug. Aber es blitzte nur auf, was wir aus den letzten Spielen kannte. Hätte es diese Spiele nicht gegeben, so wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen. Wahrnehmung funktioniert so. Es gibt immer einen Zusammenhang, in den etwas eingeordent wird. Beispielhaft war ein Fortuna-Angriff über den linken Flügel. Der Ball wurde abgewehrt und kam zum Außenspieler zurück. Zlatko Janjic stand etwa zehn Meter von ihm entfernt. Wie langsam er auf diesen Spieler mit Ball zutrabte, steht für einen solcher Momente, in denen die Mannschaft in der Defensive nicht präsent genug war. Doch konnte die Fortuna dieses Nachlassen nicht ausnutzen. Die Spieler waren nicht präzise genug. Der Freiraum nutzte ihnen nichts.

Stattdessen gelang das Kingsley Onuegbu das 2:0 – eines seiner typischen Tore. Bei enger Deckung einen hohen Ball mit der Brust annehmen, abtropfen lassen und vollstrecken. Nach diesem Tor erst spürte ich meine Anspannung, die sich von mir unbemerkt meiner ermächtigt hatte. Erst die Erleichterung machte mir deutlich, wie sehr ich gebangt hatte vor dem bekannten Schleifenlassen des Spiels, vor der Behäbigkeit, die sich auf dem Spielfeld hätte zeigen können. All das war hinfällig. Der MSV blieb endgültig da. Diese Fortuna würde den Sieg nicht mehr gefährden.

Allmählich stellte sich die Feierstimmung an. Das dritte Tor durch Simon Brandstätter war Zugabe und Sahnehäubchen. Der MSV ist wieder da. Das Versprechen zu Saisonbeginn „Wir kommen wieder“ ist eingelöst worden. Der Verein hat diesen Aufstieg zum finanziellen Überleben gebraucht. Wir kommen wieder und wollen dieses Mal bleiben. Die Arbeit dazu fängt jetzt schon an.

 

Für jedes Tor des MSV ein Exemplar von Mehr als Fußball in die Verlosung

Bei Fortuna Köln ist Kristoffer Andersen während der Saison ein Leistungsträger gewesen. Kristoffer Andersen, genau, der Andersen, bei dem ich und sicher noch ein paar andere auf immer an das Pokalspiel in Mönchengladbach denken und an sein Tor zum Sieg in der 90. Minute. Der Mann kennt sich also mit feiernden MSV-Fans aus. Deshalb kommt er morgen nicht ins Südstadion, wie ich im Kölner Stadt-Anzeiger gerade lesen konnte. Anfang Mai hat er nämlich einen Kreuzbandriss erlitten, und er geht auf Krücken. Ihm ist es wegen seiner eingeschränkten Beweglichkeit  im Stadion zu gefährlich, wenn die meisten der Zuschauer dort feiern werden. Dabei weiß er zugleich, die Fortuna könne befreit aufspielen. Ich nehme das deshalb als gutes Zeichen für die Aufstiegsaussichten des MSV in Köln.

Wer hier länger liest, weiß, mit magischen Denken nehme ich gerne Einfluss auf die Geschicke unseres Vereins. Dabei geht es mir immer um die kleinen Unterschiede, die ja bekanntermaßen in der 3. Liga so entscheidend sind. Ich habe mich entschlossen, das Umfeld und Spieler mit einer Art Verweis auf den letzten Drittliga-Aufstieg besonders zu motivieren.

Für jedes vom MSV erzielte Tor gebe ich ein Exemplar von „Mehr als Fußball“, meinem Buch über den Sommer 2013 bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später, in eine Verlosung. Und sage mir jetzt bloß keiner, angesichts der letzten Spiele käme da ja wohl nichts zusammen. Kommentiert hier, fügt bei Facebook einen Kommentar mit dem Namen von einem Freund hinzu, Retweet bei Twitter, wie auch immer. Auslosung nehme ich Montag vor.

Wir sehen uns morgen im Südstadion, wenn ich nach meiner Solo-Fahrrad-Sternfahrt von der Schäl Sick in Zollstock angekommen bin.

Das Duisburger Fauna-Wunder: Aus Schwan wird Eichhörnchen

Warum hätte das Spiel gegen die Sportfreunde Lotte anders werden sollen als die Spiele der letzen Wochen? Weil es jetzt aber wirklich um den Aufstieg ging? Es geht die ganze Zeit wirklich um den Aufstieg. Sehr wirklich, ganz ganz wirklich. Das wissen alle. Deshalb wählt Ilia Gruev seine Taktik. Deshalb spielt die Mannschaft, wie sie spielt. Die gesamte Saison gibt es diesen Druck aufsteigen zu müssen für die Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen. Es gab keinen realistischen Grund anzunehmen, wir könnten etwas anderes erleben als in den Wochen zuvor. Es gab nur die Hoffnung, dass jedes Fußballspiel seine eigene Geschichte haben kann. Es gab nur die Hoffnung, wir könnnten begeistert werden.

Aber um Begeisterung geht es nicht als erstes, es geht darum ein Spiel zu gewinnen. Es geht um das profane Ziel Aufstieg. Wir haben eine erste Halbzeit gesehen, in der der MSV das Spiel komplett unter Kontrolle hatte, eine Halbzeit, in der die Sportfreunde Lotte ihr eigenes Tor so dicht machten, wie es irgend geht. Der MSV hatte dennoch zu Beginn eine Chance durch Tim Albutat, dessen freier Schuss von der Strafraumgrenze aus den Lotter Torwart vor keine Probleme stellte. Nach etwa 20 Minuten verlor sich der Druck im Spiel des MSV. Blieb noch Zlatko Janjics Weitschuss über den weit vor seinem Tor stehenden Torwart, der ein Versuch wert war. Wirklich gefährlich war er dennoch nicht.

Das Offensivspiel war wie immer durch gleichmäßigen Rhythmus geprägt. Geduldiger Aufbau, Tempoaufnahme im Dribbling. Ahmet Engin unermüdlich am Flügel gegen zwei, drei Lotter Spieler. Ihm fehlte oft ein Mitspieler in der Nähe gegen diese Übermacht. Neben diesen Dribblings mit Zug zum Tor flog der Ball immer wieder auf verschiedene Weise in den Strafraum, wo Kingsley Onuegbu ebenfalls meist alleine auf sich gestellt war. Zwei, drei Lotter Defensivspieler standen bei ihm. Es wurde auf ihn von den Außenbahnen geflankt, oder es wurden hohe Bälle aus dem Halbfeld gespielt. Das Ergebnis: Keine Torgefahr.

Die Versuche der Lotter zu kontern endeten kläglich. Doch wer das Hinspiel gesehen hatte, erinnerte sich bei den Flügelläufen, wie gefährlich sie hätten sein können. Auf der Außenbahn geht es für die Lotter besonders über links sehr schnell. Um die Abschlüsse und Flanken musste sich niemand in der ersten Halbzeit sorgen.

In der Halbzeitpause war also offensichtlich, der Aufstieg sollte auch in diesem Spiel so kontrolliert geschehen, wie die gesamte Saison über dieses Ziel verfolgt wurde. Dennoch kann ein Gegentor ohne dauerhaften Druck auf das gegnerische Tor durch den eigenen Ballbesitz immer geschehen. Das war die Gefahr, und nachdem das Spiel wieder angepfiffen wurde, war zu merken, die Lotter kamen mit mehr Mut aus ihrer Kabine. Sie hatten auf einmal mehr Zugriff auf ihr eigene Spielweise. Die Konter wurden gefährlicher. Die Zebras mühten sich dagegen zu halten. Sie hatten nach einem Eckball sogar die große Chance mit dem gleichen Haijri-Kopfball wie gegen Frankfurt in Führung zu gehen. Der wuchtige Kopfball ging knapp am Tor vorbei.

Stattdessen fiel nach einem dieser immer besser vorgetragenen Konter das Lotter Führungstor. Dieses Tor ließ die Zebras für Minuten geradezu verzweifeln. In der Körpersprache fast aller drückte sich eine große Enttäuschung aus. Vielleicht kam Angst zu versagen hinzu. Die Mannschaft geriet ins Schwimmen und Mark Flecken war derjenige, der den MSV im Spiel hielt. Schon vor dem Führungstor hatte er zweimal großartig reagiert. Wenn es einen Sieger dieses Spiels gibt, ist es Mark Flekken.

Für zehn Minuten bestimmt drohte ein Totalversagen. Dann hatten sich alle gefangen. Ab der 80. Minute begann das Dauerspiel auf das Lotter Tor. Immer wieder wurden hohe Bälle aus dem Halbfeld geschlagen. Präzise war das immer noch nicht, aber es reichte, um die Lotter Defensive in Unordnung zu bringen.

Was für ein unsympathische Mannschaft im Übrigen. Jeder Spieler geht zu Boden, wenn er gefoult wird. Trashtalk ist anscheinend üblich, wenn ein Duisburger gefoult wurde. Zuminest lässt sich so die Körpersprache der Lotter oft deuten. Dazu Nickligkeiten im Zweikampf immer wieder. Für die stoische Ruhe vom „King“ in den letzten Minuten dürfen wir ruhig einmal besonderen Applaus geben. Wie er angegangen wurde, das war nicht feierlich. So war sein Ausgleichstor in der Nachspielzeit auch der Lohn für diese Kärnerarbeit im gesamten Spiel. Wer zwei Drittel des Spiels alleine auf sich gestellt im Sturmzentrum steht, kommt immer wieder in Situationen, in denen die eigene Leistung nicht gut aussieht. Dennoch immer weiter zu machen, das ist seine Qualität in diesem Spiel gewesen. Nur deshalb stand er an der richtigen Stelle. Nur deshalb konnte er die gar nicht einfach zu verarbeitende Flanke ins Tor bringen.

Die Enttäuschung der Spieler hielt nach dem Schlusspfiff an. Auf den Rängen herrschte eine gemischte Stimmung. Doch schnell war an allen Ecken von Köln zu hören. An diesen letzten Spieltagen geht es tatsächlich schnell wieder um das nach vorne Sehen. Das hässliche Entlein ist kein Schwan geworden sondern Eichhörnchen. In Duisburg schaffen wir solche besonderen Verwandlungen der Tierwelt. Punkt für Punkt sammeln wir uns dem Aufstieg entgegen. In Köln wird die Mannschaft dann hoffentlich das vollenden, was vom ersten Spieltag dieser Saison an von Bedeutung war – der Aufstieg.


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