Archive for the 'Saison 2016/2017' Category



Kalle Kiesant kommentiert den Heimsieg gegen Osnabrück

Samstag spielt der MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück. Der Tabellenführer spielt gegen den Tabellenzweiten, und Kalle Kiesant, das Trainer-Urgestein der Kreisliga B im Kreis Düren, findet jetzt schon die passenden Worte zu diesem Spiel. Wahrscheinlich gehört er längst zum Beraterstab des MSV und zieht im Hintergrund die taktischen Fäden.

 

 

Ein Loblied auf Sicherheit und Wohlergehen in Paderborn

Anhänger des MSV, die ohne Vollkaskoversicherung kein Auto fahren, die ihre Wohnungstür fünffach verriegeln und keine Folge der Lindenstraße seit dem Start im Jahr 1985 verpasst haben, können bedenkenlos zu einem Auswärtsspiel des Vereins unserer Herzen nach Paderborn fahren. Darauf muss ich einfach mal hinweisen in dieser Gegenwart, in der sich scheinbar alles so rasant verändert, in der ständig neue Schwierigkeiten zu bewältigen sind und viele Menschen auf die komplexen Probleme dieser Welt die ganz einfachen Antworten suchen. Ausnahmsweise gibt es nämlich mal eine einfache Antwort, die die vorhandenen Probleme nicht vergrößert.

Diese einfache Antwort lautet, fahrt nach Paderborn, wenn ihr glaubt, das Leben sei zu unsicher geworden. Gut, man muss für diese einfache Antwort ein Anhänger des MSV sein. Die Heimspielstätte des SC Paderborn ist für uns aus Duisburg aber ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit. Sie gibt uns Duisburgern jenes Regelmaß der Wiederkehr, das uns ermöglicht an die Zukunft zu glauben. Allenfalls mutet sie uns die kleine Enttäuschung eines Unentschiedens zu. Normalerweise gewinnen wir dort Lebensfreude und Zuversicht, wenn wir uns wie am Samstag in dieser Blechbox-Arena des SCP einen Auswärtssieg ansehen dürfen.

Deshalb habe ich es sehr bedauert, nicht nach Paderborn fahren zu können. Die TV-Bilder in der Konferenz waren nicht annähernd ein Ersatz, um die Freude über den 1:0-Sieg genießen zu können. Nicht annähernd war spürbar, wie auch der Tod von Michael Tönnies dort durch gemeinsame Trauer in der Zebraherde weiter bewältigt werden konnte. Nicht annähernd ist die Leistung des MSV für mich zu bewerten, weil die Schalten zwischen den drei Stadien der TV-Übertragung so unstrukturiert wirkten. Natürlich kann ich davon schwärmen, wie cool Ahmet Engin das Siegtor erzielte, wie seine gute Technik das Tor erst möglich machte.  Im Grunde steckt in diesem Tor die Zukunft des MSV. Ein Spieler, der sich im Verein entwickelt hat, wächst in die Profi-Mannschaft hinein und gewinnt Konstanz in seiner Leistung.

Zum Schluss des Spiele nur blieb die Regie in Paderborn, und es wurde erkennbar, dass  es für den MSV noch einmal schwierig wurde, die Führung zu behaupten. Das wegen Abseits nicht gegebene Tor der Paderborner erwies sich dann ja sogar als regelkonformes Tor. Glück war also auch nötig für den Sieg. Die vorherige Überlegenheit der Zebras war durch die TV-Bilder nicht nachzuvollziehen. Ich musste dem Kommentator glauben und lese davon heute.

Leider sind die Paderborner zu weit abgeschlagen, als dass sie noch einmal um Platz 2 oder 3 mitspielen könnten. Wir Duisburger sollten auf ein dazu notwendiges Wunder hoffen. Ein wenig Sicherheit und Regelmäßigkeit tut uns jetzt schon nach dem hoffentlich erreichten Aufstieg gut. Und was hilft da mehr als eine Auswärtsfahrt nach Paderborn.

Fundstück: Fußballpublikum bei Mainz 05

Heute Morgen habe ich in der Süddeutschen Zeitung in einem Artikel von Tobias Schächter zu Mainz 05 gedacht, da sollten die Verantwortlichen vom MSV mal hinschauen. Steht Mainz 05 doch vor der Frage, wie besonderes Interesse in alltägliche Verbundenheit umgewandelt werden kann. Mit realistischem Blick lässt sich nämlich vermuten, dass beim MSV in nicht allzu ferner Zeit ähnliche Fragen im Raum stehen. Die Perspektive 2. Liga. In den Träumen spielt das natürlich keine Rolle. Da dauert es noch ein paar Jahre, bis diese Frage beantwortet werden muss. Weil die Zeit bis dahin so aufregend in den oberen Tabellenregionen im jeweiligen neuen Ligenleben ist. So, jetzt habe ich es geschafft, den realistischen Blick im hoffenden Träumen unterzubringen. Auch nicht schlecht für einen Dienstagmorgen.

 

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Wie geht das Leben als Spieler und Anhänger eines Tabellenführers?

Doch, ich muss noch einmal davon schreiben. Ich muss noch einmal davon schreiben, wie ungeübt auch wir Anhänger des MSV Duisburg mit dem Leben als Anhänger eines dauerhaften Tabellenführers sind. Nicht nur manche Spieler haben damit ihre Schwierigkeiten, wenn es um die realistische Selbstwahrnehmung ihrer Leistung geht. Auch wir auf den Rängen haben keine uns selbstverständliche Haltungen dazu. Zu Beginn der Saison haben wir nur gestaunt, wie sicher die Mannschaft aufgetreten ist, wie überlegen sie auftrat. Überall hing sprachlose Freude und Überraschung in der Luft. Wir waren Anhänger eines Favoriten für jedes Spiel. Dann schien mit den schlechteren Leistungen der Mannschaft die altbekannte Wedau-Stimmung wieder Einkehr zu halten. Nichts ist sicher, jede Niederlage ist möglich. Das stimmte so nicht. Der MSV blieb Tabellenführer. Aber wir waren schon wieder dabei, die Gründe nicht bei der Leistung der Mannschaft zu suchen, sondern in der günstigen Konstellation der anderen Spielergebnisse.

Gestern nun bestätigte die Mannschaft ihre gute Leistung vom Spiel in Lotte. Sie gewann gegen Fortuna Köln mit 2:0. Dennoch ist die Stimmung nicht in jeder Fanecke, wie es eigentlich zu erwarten wäre, ruhig und zufrieden. Dennoch sieht es so aus, als zwackte bei einigen das Tabellenführer-Trikot. Irgendetwas war unangenehm. Was genau, war nicht richtig zu erkennen. So bot einmal mehr Zlatko Janjic das Ventil, um dieses unangenehme Gefühl aus der Welt zu schaffen. Sicher, er hatte sich ins Rampenlicht gestellt mit seiner eigenwilligen Betrachtung der eigenen Leistung und dem Unverständnis gegenüber dem Unmut von uns auf den Rängen. Dann verschoss er den Elfmeter in der 71. Minute beim Stand vom 1:0, und er brachte kurze Zeit später einen Ball nicht ins Tor, den ich schon als 2:0 bejubelt hatte. Ein Verteidiger bedrängte ihn bei diesem Schuss am hinteren Pfosten aufs leere Tor.

Schon früher in dieser zweiten Halbzeit war es auf den Rängen unruhig geworden, ehe der größere Teil der Anhänger spürte, die Mannschaft braucht Unterstützung, kurz brandete das EM-ES-VAU durch die Arena, die Unruhe der Ungewissheit über die Möglichkeiten der Zebras war wieder vorüber. Die Stimmung im Stadion war wieder stabil. Die Zebras spielten zu diesem Zeitpunkt wieder zu vorsichtig. Die Mannschaft versuchte sich in Spielkontrolle und wieder schien es so, dass dieser Versuch der Spielkontrolle mehr aus mangelndem Mut als aus bewusstem Entschluss heraus entstand. So schien die 1:0-Führung immer gefährdeter, weil die Fortuna immer wieder sehr gut nach vorne kombinierte. Immer wieder gelangen dem Gegner Angriffe vor allem über ihren linken Flügel. Auch in diesem Spiel war die rechte Defensivseite eine Schwachstelle im Spiel des MSV. Fabio Leutenecker bemüht sich sehr, aber die Flügelspieler der Fortuna waren schneller und technisch gewandt. Glücklicherweise erreichten die freien Flanken meist nicht die Mitspieler oder das Eindringen in den Strafraum endete mit einem unpräzisen Abschluss.

Mit dem verschossenen Elfmeter und der vergebenen Konterchance war dann die Unruhe der Ungewissheit auf die Ränge zurückgekehrt. Die Auswechslung von Zlatko Janjic bot nun erneut ein Ventil für diese Unruhe. Wo zuvor das Murren auf den Rängen spürbar gewesen war, kam es nun zu einigen Pfiffen. Wir haben keine selbstverständliche Haltung zu dieser ungewohnten Situation, gute Leistungen von unserer Mannschaft erwarten zu dürfen. Wir wissen nicht, wann genau diese Mannschaft Zuspruch braucht und wann sie unsere harsche Kritik verdient. Sich in diesem Moment der Auswechslung auf einen einzelnen Spieler zu konzentrieren, während die Mannschaft eigentlich unsere Unterstützung braucht, wirkt auf mich wie ein Zeichen dafür, dass auch wir nach einer passenden Haltung zu dieser andauernden Tabellenführung suchen. Die Maßstäbe müssen neu gelernt werden. Vielleicht müssen wir es uns hin und wieder bewusst machen, unter welch guten Voraussetzungen wir diese Maßstäbe seit ein paar Wochen lernen. Tabellenführer MSV Duisburg.

Lasst mich nun von Fabian Schnellhardt schwärmen. Von Spielbeginn an haben einzelne seiner Spielaktionen mich verzückt. Anders kann ich das nicht schreiben. Hier eine Körpertäuschung, die zwei Gegner ins Leere laufen lässt, dort ein Antritt aus dem Nichts mit einer anschließenden gegenläufigen Bewegung, die ihm den Raum öffnet, dann ein Pass aus dem Fußgelenk sofort nach der Ballannahme und zwar in eine andere als die zu erwartende Richtung, ich kam aus dem Schwärmen nicht heraus und wusste noch nicht, dass dieser Fabian Schnellhardt in der 21. Minute an der Mittellinie loslief und die heran eilenden Gegenspieler stehen liess, um in der Enge der Strafraumnähe einmal kurz etwas Glück zu haben, als ein Verteidiger zur Bande für sein Dribbling wurde. An der rechten Strafraumseite spielte er sich durch, Körpertäuschung, Verlangsamen und Wiederantritt, der Ball klebte an seinen Füßen. Unwiderstehlich drang er weiter Richtung Torauslinie. Was sollte nun geschehen? Das Zentrum vor dem Tor war dicht. Kein freier Spieler des MSV war dort zu sehen. Also, weiter bewegen, zum Tor ziehen, sich in Schussposition bringen und aufs lange Eck zielen. Alles war eine fließende Bewegung, von der Mittellinie an. Wann habe ich hier in diesen Räumen einmal von Eleganz geschrieben? Eleganz und der MSV Duisburg zusammen in einem Satz. Unfassbar. Es war Eleganz, was wir vor diesem Schuss von Fabian Schnellhardt zu sehen bekamen. Er schoss aufs lange Eck und der Ball war im Tor. Was für ein großartiges Tor. Welch ein staunender Jubel! Fabian Schnellhardt – Fußballgott.

Bleibt noch das 2:0 nachzutragen. Stanislav Iljutcenko erzielte es in der 87. Minute, nachdem dieser eine Konter endlich konsequent ausgespielt worden war. Wir hatten zwei, drei andere, sehr schlecht genutzte Konter gesehen in diesem Spiel. Dieser aber war an der Mittellinie durch einen Pass auf Andreas Wiegel eingeleitet worden. Nach seinem Sprint spielte er im Strafraum quer, Iljutcenko war zur Stelle, ein Konter fürs Lehrbuch.

Fortuna Köln war ein guter Gegner, der sich nicht hinten reingestellte. Die Mannschaft wollte mutig mitspielen. Der Sieg des MSV war verdient. So muss ein Tabellenführer siegen, wenn er am Ende der Saison aufsteigen will. Bis dahin bleibt noch einige Zeit, weiter zu lernen, wie das Leben so geht als Spieler und Anhänger eines Titelfavoriten.

Wer braucht schon Eurhytmieschuhe in Lotte?

Die Verkehrshinweislegende Lotte/Osnabrück ohne Stau. Ein Gästeparkplatz, der im sonstigen Leben Bauernhof ist. Ein Stadion, bei dem in jeder Ecke der Amateursport der unteren Ligen sympathisch hervorlugt. Ein Dorf behauptet seinen Platz im Unterhaltungsbetrieb Fußball. Ein 2:0-Auswärtssieg bei den Sportfreunden Lotte. Was für ein gelungene Auswärtsfahrt.

2016-12-04_lotte_vorherDie Sportfreunde müssten allerdings die Haupttribünenkarten mit einem Warnhinweis verkaufen. Der Blick auf das Spielfeld kann in den Wintermonaten während der Nachmittagsspiele zu dauerhafter Beeinträchtigung ihrer Sehleistung führen. Ohne geeignete Schutzbrillen gefährdet die tief stehende Sonne ihre Gesundheit. Manchmal war es anstrengend, sich das Spiel des MSV in Lotte anzusehen. Das lag aber nicht an der Spielweise des MSV.

Endlich wieder hat die Mannschaft zu ihrem Selbstbewusstsein zurück gefunden. Endlich waren Ballsicherheit und Entschlossenheit zurückgekehrt. Endlich wieder war die verhaltene, zögerliche Spielweise der letzten Spiele verschwunden. Vom Anpfiff an wollte der MSV dieses Spiel bestimmen. Zunächst versuchten die Lotter Spieler noch das Spiel im Gleichgewicht zu halten. Zunächst sah es außerdem so aus, als wollten beide Mannschaften den im Tribünenschatten der Gegengerade gelegenenen vereisten Rasenstreifen tunlich nicht bespielen. Die Lotter agierten zumeist auf ihrer linken Angriffshälfte, und Fabio Leutenecker hatte alle Mühe mit seinem schnelleren Gegenspieler, der ihn zwei-, dreimal überlaufen konnte, ohne dass das zu gefährlichen Anschlussaktionen führte.

2016-12-04_lotte_choreoDer MSV verteilte seine Angriffe mehr im Raum. Die Mannschaft versuchte sich über rechts und die Mitte. Schon früh ließ Kingsley Onuegbu mit einem Drehschuss auf eine dauerhaft gute Leistung hoffen. Denn lange haben wir ihn nicht mehr mit einem so schnellen Abschluss in enger, technisch schwieriger Strafraumposition gesehen. Schon in der 10. Minute fiel dann der Führungstreffer nach einem Freistoß, den der Lotter Torwart nur abklatschen konnte. Sowohl der King als auch Tim Albutat waren zum Nachschuss bereit.

2016-12-04_lotte_tribueneDieses Mal hätte ich Zlatko Janjic nicht widersprochen, wenn er erneut gesagt hätte, der MSV hätte das Spiel im Griff gehabt. Baris Özbek allerdings bereitete dem in der 26. Minute ein Ende. Rot wegen einer Tätlichkeit und danach ein Abgang, bei dem es kurzzeitig nach einer Rudelschlägerei aussah. Die Lotter Spieler hatten auch ihren Anteil daran, zu solcher Art Konflikt gehören immer zwei Parteien. Ob die Infotafel der Sportfreunde auf der Haupttribüne Özbek vor seinem Handeln bewahrt hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Wenn man sich die TV-Bilder ansieht, können wir erleben, wie ein überschaubarer Konflikt innerhalb von Sekunden eskalieren kann. Ein idealtypisches Fallbeispiel zur Konfliktforschung. Özbeks leichtes Schubsen des ersten Lotter Spielers folgt der blicklose Abwehrstoß gegenüber dem zweiten Lotter Spieler. Dummerweise war dessen Gesicht in Handhöhe und die Steilvorlage zum Schmerzensdrama hat der Lotter Spieler gern genommen. Natürlich war das eine Tätlichkeit, schaut man genau hin, spielt der Zufall eine große Rolle. Da gibt es nichts zu entschuldigen, sondern nur zu verstehen.

Nach der roten Karte brauchte der MSV die Halbzeitpause, damit die Mannschaft sich auf das eigene Spiel wieder besinnen konnte. Die Führung war in diesen 20 Minuten bis zum Halbzeitpfiff gefährdet. Doch die Zebras stemmten sich mit aller Macht gegen den Ausgleich. Mark Flekken bot den Rückhalt in dieser Zeit, einmal kam Glück hinzu. Ein Schuss der Sportfreunde ging an den Innenpfosten und sprang ins Feld zurück.

Einmal war der Sieg noch gefährdet. Ein Eckball direkt nach dem Wiederanpfiff führte zu einem Schussversuch im Getümmel. Ich hatte den Ball schon im Tor gesehen. Doch Mark Flekken hielt mit großartigem Reflex auf der Linie. Unfassbar, dass er diesen Schuss abwehren konnte. Diese Parade war das Vorspiel zur Siegsicherung. Das 2:0 fiel, nachdem Kingsley Onuegbu sich auf dem rechten Flügel durchsetzte und flanken konnte. Es war die Bestätigung seiner sehr guten Leistung in diesem Spiel. Er agierte variabler, war nicht nur der Wandspieler, der den Ball behaupten sollte.  In seine Flanke lief Zlatko Janjic und köpfte im Lauf unhaltbar ein. Solche Kopfballtore kann er machen.

Danach war nicht mehr zu erkennen, dass der MSV mit einem Mann weniger spielte. Unermüdlich wurden die Lotter Spieler schon in deren eigenen Hälfte angelaufen. Nie wurde ihnen die Ruhe zum Spielaufbau gelassen. Es war beeindruckend, wie ausdauernd und intensiv noch in den letzten Spielminuten Tim Albutat, Fabian Schnellhardt oder auch der King noch die Gegner attackierten. Dieser Sieg war hoch verdient, und meine Notfallvorsorge mit Funny van Dannens Eurhythmischuhen für die ausgeglichene Stimmung war nicht nötig gewesen. Vielleicht hätten Baris Özbek die Eurhytmieschuhe genutzt. Aber wie man damit zugleich Fußball spielen soll, weiß ich auch nicht.

Falls das in Lotte wieder…

Sonntag spielt der  MSV in Lotte. Der Drittliga-Experte sagt, ein Spitzenspiel. Allerdings befinden wir uns ja in einer Saisonphase, in der jedes zweite Spiel in Spitzenspiel ist. Der Drittliga-Experte sagt deshalb gerne auch, die 3. Liga ist in der Breite der Spitze so stark aufgestellt wie keine andere Liga. Die Breite der Spitze macht das Spitzengeschehen deshalb unfassbar eng.  Auch das ist die 3. Liga – gefaltete Räume. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die theoretische Physik sie zu erklären beginnt.

Die Physiker werden dann mit Drittliga-Experten diskutieren und vielleicht könnten sie im Vorbeigehen auch mal mit Zlatko Janjic reden, so von Theoretiker zu Praktiker. Um mal zu schauen, welche Vorstellung vom Spiel – um nicht von Theorie zu sprechen – seine erstaunliche Wahrnehmung leitet.

Auf nach Lotte, das war zu Beginn der Saison für mich keine Frage. You have to see before you die – die schönsten stauträchtigsten Autobahnkreuze der Verkehrshinweise. Lotte/Osnabrück, einen Haken dran. In den letzten Tagen aber war ich mir nicht mehr sicher, ob ich mir diesen Haken durch eine Auswärtsfahrt zu einem Spiel vom MSV holen wollte. Zu sehr hatte ich mich bei und nach dem Spiel gegen Aalen aufgeregt. Ich hatte es schon einmal angedeutet, eine ungesunde Aufregung.

Gestern Abend aber hat mich Funny van Dannen daran erinnert, dass ich bedenkenlos nach Lotte fahren kann, wenn ich nur das richtige Schuhwerk dabei habe. Ich muss mal sehen, wo ich die Eurythmieschuhe jetzt herkriege, falls in Lotte wieder… An etwas anderes denke ich seit Janjics mir uneinsichtiger Beurteilung des Spiels gegen Aalen vorsichtshalber gar nicht erst.

 

Erstaunliche Janjic-Wahrnehmung

Momentan fehlt mir manchmal der Zugang zum Netz. Was mein Schreiben hier aus dem Rhythmus bringt, angesichts der Leistung des MSV am letzten Samstag mir aber zurecht kommt. Gestern Abend bin ich gefragt worden, ob ich im Stadion war. Mir fiel gar nicht sofort ein, dass vom 2:2 gegen Aalen die Rede war. Das Spiel hatte ich schon komplett verdrängt. Ich wollte auch nicht erinnert werden. Zu sehr hatte mich die Spielweise der Mannschaft geärgert.

Nun war es aber geschehen, das Spiel war wieder da, und heute Morgen ging mir dazu noch eines durch den Kopf. Über das Spiel selbst brauchen wir nicht mehr zu reden. Ich möchte aber auf eine kurz aufgeblitzte Einschätzung zu dem Spiel hinweisen, die vielleicht Rückschlüsse zulässt auf die Mannschaftsleistung. Ich weiß nicht, ob darüber schon geschrieben, gesprochen wurde. Gesehen, gehört habe ich nichts.

Mich hat nämlich erstaunt, wie Zlatko Janjic das Spiel wahrgenommen hat, und ich frage mich, ob solche Wahrnehmung nicht Teil des Problems ist. Im Reviersport wird er folgendermaßen zitiert: „Bis zum Ausgleich hatten wir alles im Griff. Danach haben wir komplett die Orientierung verloren, das darf uns einfach nicht passieren. Daran sieht man, dass wir mental noch nicht aus dem Loch raus sind.“

Mir ging das anders. Ich habe keinen MSV gesehen, der das Spiel bis zum Ausgleich im Griff hatte. Die Führung des MSV war doch nicht durch eine gelungene Mannschaftsleistung kontinuierlich erspielt. Diese 1:0-Führung war nicht erwartbar gewesen. Die Mannschaft hatte die Aalener doch nicht im Griff. Diese Aalener kombinierten deutlich sicherer und präziser als die Zebras. Sie waren schneller im Kopf und hatten die klarere Spielanlage. Dass diese Aalener nicht führten, lag alleine an ihrem ebenfalls nicht sonderlich erfolgreichem Torabschluss.

Wenn Zlatko Janjic dennoch auf dem Spielfeld das Gefühl hatte, seine Mannschaft hätte den Gegner im Griff gehabt, liegt eine Vermutung nahe. Der Versuch, das eigene Spiel kontrolliert zu gestalten, steht so sehr im Fokus der einzelnen Spieler, dass für den  Eindruck erfolgreich zu sein, schon der Ballbesitz als solcher genügt oder die Anmutung eines planvollen Vorgehens. Das eigene Spiel wird nicht mehr in Beziehung zum Spiel des Gegners gesetzt. So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich Janjics Worte lese.

Vielleicht muss man ihm deshalb auch die Pfiffe des Publikums übersetzen, wenn ich von seinem Unverständnis für die Pfiffe, zitiert bei „Funkes“, lese.  Diese Pfiffe galten doch nicht zwei, drei misslungenen Aktionen. Diese Pfiffe galten einer vermeintlichen Kontrolle des Spiels, die nichts anderes war als ein häufig viel zu langsames Grundtempo, mit dem die Spieler sowohl mental als auch körperlich auf dem Platz standen. Sinnbild für dieses Grundtempo war das 2:1 der Aalener, als es so aussah, als hätte die eine Hälfte der Mannschaft  das Spielen komplett eingestellt, während die andere vorne darauf wartete, ob Mark Flekken nicht doch im eins gegen eins rettete, was zu retten ist.

Sicher, der MSV ist weiter Tabellenführer, und darüber freue ich mich. Ich würde mich noch mehr freuen, wenn die sportlich Verantwortlichen erkennen, dass bei der Selbstwahrnehmung der eigenen Spielweise schon etwas schief läuft, noch ehe überhaupt von Verunsicherung und mentalen Schwierigkeiten zu sprechen ist.


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