Archive for the 'Saison 2016/2017' Category



Stimmung aufhellen – oder doch nicht?

Beim MSV dieser Saison weiß ich inzwischen nicht mehr, ob ich auf eine frühe Führung für uns hoffen soll. Die Antwort wäre einfach durch die Statisitik zu erhalten. Ich müsste nur erheben, wann jeweils die Tore in den Begegnungen gefallen sind und welche Ergebnisse nach 90 Minuten zu verzeichnen waren. Zu dieser statistischen Erhebung habe ich jetzt keine Zeit. Vielleicht findet ja jemand anderer heraus, ob diese Stastitik Fakten bringt, die nicht nur meinen Eindruck entkräftigen, mit einem zählbaren Vorteil des MSV in der ersten Halbzeit wird die zweite Halbzeit eine Zitterpartie.

Vielleicht hilft mir jemand, den kühlen Verstand in Stellung zu bringen gegenüber der so schnell vorhandenen Sorge um das unbedingt notwendige Erreichen des Saisonziels, den Aufstieg. Vielleicht hilft die Rationalität mir morgen Abend, wenn es denn wieder vor dem Live-Stream unerträglich wird. Ruhig, könnte ich mir dann sagen, schau auf die Statistik. Alles im Lot. Helft mir! Sonst muss ich wieder durch die Räume joggen. Doch ich bin der Zeit voraus. Könnte ich doch überhaupt erst mal um einen Sieg bangen.

Erschwerend kommt hinzu, Hansa Rostock gehört für mich zu den Gegnern, die eine zusätzliche irrationale Angst vor der Niederlage auslösen. Da hilft keine Statistik. Die steht gegen die uns angeborene Möglichkeit der Welterfahrung durch Sinne. Mit der Statistik haben wir Menschen es schwer. Die verlangt nämlich nur zu oft, die persönliche  Erfahrung als vereinzelte, gegenüber dem großen Ganzen widersprüchliche anzuerkennen. Alles in uns strebt dagegen. Schwierig, so ein Mensch-Sein in dieser Welt der Gegenwart.

Da schau ich mir doch lieber noch einmal das Tor von Michael Gardawski gegen Hansa Rostock in der Saison 2013/2014 an, das zum 1:0-Auswärtssieg führte. Auch bei diesem Sieg, habe ich vor dem Live-Stream sehr gelitten. Und schon sind wir wieder beim Anfang. Denn auch dieses Tor fiel früh. Helft mir mit Zahlen. Und außerdem: Ist dieses Tor überhaupt noch ein gutes Zeichen, da Michael Gardawski nun bei Hansa Rostock spielt? Fragen, so viele Fragen.

Eine rote Karte für den Gegner wird zum Nachteil für Zebras

Am Samstagnachmittag hing im Stadion des MSV während des Spiels gegen den SSV Jahn Regensburg ein Satz in der Luft. Ein Euro nur für diesen Satz und ich hätte mir einen exklusiven Osterurlaub gönnen können. Wir sind doch ein Mann mehr, das dachten zumindest die meisten Anhänger des MSV. Einige sprachen das sogar aus, und wahrscheinlich hat sogar mancher Spieler unten auf dem Rasen diesen Satz  ganz kurz mal im Kopf gehabt. Wir sind doch ein Mann mehr. Solch ein Satz hängt in der Luft, wenn Erwartungen unerfüllt bleiben. Die Zebras haben eine miserable zweite Halbzeit gespielt. Die Spieler kamen nicht mehr in die Zweikämpfe. Sie ließen den Gegenspielern zu viel Raum. Sie waren ideenlos in der Offensive, und sie waren ein Mann mehr seit der 40. Minute.

Nun schreibe ich den Zebrastreifenblog schon so lange, dass mir ein mächtiger weißer Bart gewachsen ist und ein milder, weiser Altersblick auf dem verärgerten Stadion-Jaratz liegt. Du hast doch schon alles einmal geschrieben, beruhige ich mich heute. Nach der roten Karte gegen den Regensburger hatte ich sogar schon mit den Freunden über schlechte Spiele des MSV in Überzahl gesprochen. An gute in Unterzahl erinnerte ich mich. Vor allem erinnere ich mich heute aber mal wieder an den Dortmunder Physikprofessor Metin Tolan, der sich Gedanken über den durchschnittlichen Nachteil einer roten Karte gemacht hatte. Dieser Nachteil ist nicht sehr groß, denn die Spieler der Mannschaft in Unterzahl müssen alle nur geringfügig mehr laufen.

Das haben die Regensburger gemacht. Sie sind mehr gelaufen, und es gelang ihnen immer wieder die angreifenden Zebras früh unter Druck zu setzen und die Angriffsbemühungen zu stören. Das war schon in der ersten Halbzeit im Ansatz zu erkennen gewesen. Doch schaffte es der MSV in dieser ersten Halbzeit dennoch, die eigenen Angriffe so druckvoll zu halten, dass sich das Spiel im Gleichgewicht befand. Die ersten zehn bis fühnfzehn Minuten des Spiels drückten die Zebras die Regensburger sogar derart in deren eigene Hälfte, dass den Gästen zuweilen keine Ruhe blieb, um die eigene Defensive besonders zu organisieren. Es konnte ihnen nur darum gehen, kein Gegentor hinnehmen zu müssen. Einzelne Momente wirkten wie eine wilde Abwehrschlacht.

Als die Regensburger sich von diesem Druck befreit hatten und sehr gefällige Angriffe vortrugen, fiel das Führungstor des MSV. Stanislav Iljutcenko erzielte ein Stürmertor wie aus dem Bilderbuch. Ein steiler Pass in die Schnittstelle der Defensive, risikoreich in den Lauf gespielt. Iljutcenko spitzelt im Fallen den Ball am grätschenden Regensburger Verteidiger ins lange Eck und drin ist der Ball. Sturmflaute, was war das nochmal? So dachten wir bei uns und staunten.

Das Spiel wurde hitziger, auch weil der Schiedsrichter mit merkwürdigen Entscheidungen, inklusive einer gelben Karten gegen den MSV, das Erregungsniveau auf Platz und Rängen anhob. Angesichts dieser Erregung allerorten schien nach dem überharten Tackling des Regensburgers jede Kartenfarbe möglich. Der Maßstab war zuvor angelegt worden, und rot wurde wahrscheinlich. Die Folge war ein Spiel des MSV in Überzahl, bei dem die Mannschaft nicht mehr so recht wusste, wieviel Einsatz noch nötig war, um das Spiel zu gewinnen.

Mir kommt das so vor, als berührte die zweite Halbzeit das Grundproblem der Mannschaft bei Führungstreffern. Der Versuch das Spiel zu kontrollieren verwandelt sich in zu große Kontrolle des eigenen Offensivdrangs. Welches Risiko muss eingegangen werden, um selbst gefährlich zu sein? Diese Frage können die Zebras nicht dauerhaft zufriedenstellend beantworten. Spielkontrolle hieß dieses Mal, wir spielen in Überzahl und sollten eigentlich einen Vorteil haben. Das merkten die Spieler nicht und wurden immer vorsichtiger. Denn die Regensburger hielten sich nicht daran, unterlegen zu werden mit nur zehn Mann auf dem Feld. Sie spielten mutig nach vorne, kombinierten sicher und schienen die Fähigkeit zu haben, deshalb sogar das Führungstor erzielen zu können. Wirkliche Chancen gab es auf beiden Seiten nicht. Dennoch wirkten die Gäste druckvoller in der Offensive.

Sie hatten den Ausgleich durch einen Elfmeter erzielt, dem ein Slapstick-Foul von Tugrul Erat voranging. Der Mann rutschte im Strafraum aus und fiel in die Waden seines Abseits stehenden Gegenspielers. Vom Abseits hatten weder der Linienrichter noch ich etwas mitbekommen. Deshalb war der Elfmeter die folgerichtige Konsequenz. Der Ausgleich fiel und die schlechte zweite Halbzeit des MSV nahm ihren Lauf.

Vorgestern bin ich am Kölner Südstadion vorbeigekommen. Ich habe ein Foto gemacht und es mit den Hashtags #Kürprogramm #MSVkommtwieder #wennsweitersoläuft und #Mundvollnehmen gepostet. Noch reicht der Punktevorsprung für ein Kürprogramm am vorletzten Spieltag. Sicher bin ich mir aber angesichts der zweiten Halbzeit nicht, ob ich den Mund nicht doch zu voll genommen habe.

Von der Nervosität des Streamzuschauers war bei den Zebras nichts zu spüren

Eine Mannschaft, die so ein Spiel wie das beim Chemnitzer FC gewinnt, steigt auf.  Diesen ersten Satz wage ich kaum zu schreiben. Die vier sieglosen Spiele des MSV Duisburg hängen mir noch nach. Doch immer wieder schaffe ich es mit ein wenig Abstand vom Spieltag, einen kühlen Blick auf den Saisonverlauf zu werfen. Immer wieder sehe ich Spiele, die bei einer Mannschaft mit einer gewissen Tradition des Erfolgs zu keinem anderen als diesem ersten Satz zwingen. Der MSV Duisburg hat keine Tradition des Erfolgs, meldet sich gestern nach dem Spiel sofort eine andere Stimme in mir, und deshalb heißt das gar nichts. Genau, sagte ich, du hast ja so recht und jetzt halt bitte den Mund. Ich höre dir einfach nicht mehr. Ich zitter doch ohnehin genug, wenn ich diese Zweifellosigkeit eines solchen ersten Satzes öffentlich zur Schau stelle.

Diese andere zweifelnde Stimme in mir hatte beim Spiel des MSV Duisburg in Chemnitz allerdings jede andere Stimme der Zuversicht meist unhörbar gemacht. Der MSV Duisburg hat beim Chemnitzer FC zwar mit 3:2 gewonnen, aber entscheidende Momente des Spiels habe ich erst in der Zusammenfassung gesehen, obwohl der Livestream die ganze Zeit lief. Hinge der Aufstieg von meiner Leistung als Zuschauer ab, wäre gestern der erste große Vorrat Felle davon geschwommen. Ich habe Nerven gezeigt.  Das Führungstor von Andreas Wiegel hatte mir nur vermeintliche Sicherheit gegeben. Welch schöner Außenristpass von Fabian Schnellhardt in den freien Raum hat dieses Tor ermöglicht. Welch fussballerischer Genuss sind die Spielaktionen von Fabian Schnellhardt so oft.

Doch dann fiel der Ausgleich zum 1:1, und es gab kein Halten mehr für mich. Wahrscheinlich habe ich sogar den Rückstand verantwortet, weil ich mir den Freistoß der Chemnitzer nicht mehr konzentriert genug angesehen habe. Wahrscheinlich habe ich die Mannschaft mit meiner Nervosität auf unerklärliche Weise angesteckt, so unaufmerksam wirkten die Spieler bei diesem Freistoß der Chemnitzer. Alleine, weil die Mannschaft den Komplettausfall von mir als Zuschauer später aufgefangen hat, gab es noch eine Chance. Ich selbst habe am Spiel kaum mehr teilgenommen. Hätte ich auf dem Spielfeld gestanden, hätte ich in Ballnähe nur vorgegeben, einen Pass erhalten zu wollen. Wann immer es möglich gewesen wäre, hätte ich mich hinter meinen Gegenspielern versteckt. Ich wäre viel gelaufen, das schon, aber möglichst so, dass ich unanspielbar geblieben wäre.

Die Mannschaft vom MSV aber glaubte weiter an den möglichen Erfolg. Sie wusste um die Bedeutung des Spiels für den weiteren Saisonweg. An der Freude der Spieler war das zu erkennen, als Mark Flekken den letzten Eckball der Chemnitzer aus der Luft herunterholte und damit den Sieg gleichsam in der Hand hielt. Es war daran zu erkennen, wie Stanislav Iljutcenko bei dem Eckball davor seine Genugtuung über den zu einer erneuten Ecke abgewehrten Ball in die Luft schrie.

Vorher war diese Mannschaft aber in Rückstand geraten, und ich nahm mein Joggingprogramm in der Wohnung auf. Bewegung führt zu Spannungsabbau. Die Mannschaft aber wollte den Ausgleich, das sah ich in den Momenten, wenn ich mal einen Blick auf den Laptop warf. Sie wollte den Ausgleich so lange, bis Simon Brandstetter es Andreas Wiegel gleich machte. Beide sind in der bisherigen Saison nicht durch eine gute Chancenverwertung oder grundsätzlich gute Entscheidungen am Ende ihres Ballführens aufgefallen. Beide schienen ihrer fußballerischen Intuition nicht ganz zu vertrauen. In diesem Spiel war es anders. Beide behielten die Nerven, beiden kam das eigene Denken bei ihrem Spiel nicht in die Quere. Brandstetter gelang das Tor nach einem Pass in den freien Raum von Tugrul Eral. Ich habe den Ausgleich nicht mal in der Zeitlupe gesehen, weil ich gerade sehr weit vom Stream weggelaufen war.

Auch das Führungstor habe ich nicht gleich gesehen, sondern nur die aufgeregte Sprecherstimme gehört. Zurück kam ich zur Zeitlupe, um mein Joggingprogramm mit lang anhaltenden Sprungkraftübungen abzuwechseln. Erneut war es Tugrul Erat, der mit einem schönem Fallrückzieher den Ball parallel zur Torauslinie vor das Tor brachte, wo Kingsley Onuegbu am hinteren Pfosten stand und den Ball problemlos über die Linie bringen konnte. Von da an kämpfte auch ich wieder an meinem Platz als Stream-Zuschauer. Von da an hielt ich die Nervorsität wieder aus. Mit dem Schlusspfiff bahnte sich der erste Satz dieses Textes seinen Weg in meinem Kopf. Die andere Stimme in mir hörte sofort auf zu jubeln und begann irgendwas auf mich einzureden. Ich habe bis heute morgen nicht richtig hingehört.

Trotz krankheitsbedingtem Zuschauerausfall endlich wieder siegen

Die Zuschauer beim Spiel des MSV gegen Rot Weiß Erfurt mussten die Zebras mit einem Mann weniger unterstützen. Eine beginnende Erkältung raubte mir Kraft, und was übrig blieb brauchte ich für den Abend für die Lesung im RuhrKUNSTort. Schonung war also angesagt, damit die Veranstaltung so gelingen konnte, wie es dann geschah. Ich gab Prosa über Ruhrort in den 1960ern zum Besten, ich streute Komik und Witz mit Lyrik ein und natürlich las ich auch aus „Mehr als Fußball„. Bei Funkes WAZ/NRZ gibts einen Eindruck von der Lesung.

Im Stadion am Nachmittag konnte der Mann weniger durch gute Stimmarbeit kompensiert werden. In der TV-Übertragung war das deutlich zu hören. Erleichterung herrscht nun allerorten nach diesem 3:2-Sieg. Unsicherheit war zu Beginn des Spiels spürbar. Der frühe Rückstand nach dem Fehler von Dustin Bomheuer schien die Köpfe endgültig  frei zu machen. Der MSV wollte den Sieg und drückte die Erfurter in deren eigene Hälfte. Während ich noch letzte Änderungen an der Setlist meiner Texte für den Abend machte, fielen Ausgleich und 2:1 durch Stanislav Iljutcenko. In der Kopfballabfolge beim Führungstor war zunächst Branimir Bajic am Ball. Er spielte wieder, und dabei haben wir zunächst immer die Stabilität in der Defensive im Auge. Doch auch in der Offensive verbreitet er als Kopfballspieler oft Gefahr. Was aber für mich am meisten zählt und nicht wirklich als Leistung messbar ist, heißt Erfahrung, die ins Mannschaftsspiel eingeht. Die Ruhe, die er ausstrahlt, dient dem gesamten Team als Stützpfeiler.

Wie zu erwarten war, spielten die Erfurter nach der Halbzeitpause mutiger. Deshalb ist der Ärger des Gasts über den Elfmeterpfiff verständlich. An einen Pfiff nach einer solchen Aktion des Torwarts kann ich mich nicht erinnern. Wie dem auch sei, Branimir Bajic vewandelte zum 3:1. Wunderbar, wie dieser Mann sich über das Tor freute. Auch in dieser Freude ist sein Wert für die Mannschaft erkennbar. In dieser Freude zeigte sich der Wille dieses Spiel zu gewinnen.

Eigentlich hatte Fabian Schnellhardt dem Tackling von hinten nach seinem Platzverweis doch abgeschworen. Wahrscheinlich war es nur das platzverweis-würdige Foul. Nun sollte er auch das Strafraum-Tackling von hinten aus seinem Repertoire nehmen. Der fällige Elfmeter wurde verwandelt und machte das Spiel noch einmal spannend. Oder sagen wir es so, der Anschlusstreffer schenkte uns ein Heimatgefühl, das Bangen um den MSV in den Schlussminuten. Nun sind es wieder sieben Punkte Vorsprung auf den dritten Platz. Ja, auch ich bin sehr erleichtert.

Wenigstens war gestern noch ein zweites Spiel

An das Champions-League-Vorbild Barcelona habe ich in der 65. Minute nicht gedacht. Der MSV lag gegen Holstein Kiel 2:0 zurück. In einem Kölner Döner-Imbiss saß ich und sah den Livestream auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm. Ich steckte das Smartphone weg, zahlte und ging rüber auf die andere Straßenseite zur Turnhalle des Deutzer Gymnasiums Schauertestraße. Das vorletzte Heimspiel meiner Basketballmannschaft hatte schon begonnen. Ein Kreisligabasketballspiel von älteren Herren versprach bessere Laune als dieses Starren auf den Bildschirm in der vergeblichen Hoffnung auf ein Tor des MSV.

Das Bemühen können wir der Mannschaft nicht absprechen. Der Ball lief nach dem 1:0-Rückstand passabel in den eigenen Reihen, nur erarbeiteten sich die Zebras dadurch kaum Torchancen. So stand Ilia Gruev nach dem Spiel vor der Aufgabe, das ertraglose Bemühen seiner Mannschaft bewerten zu müssen, ohne die eine Wahrheit auszusprechen. Denn nun geht es auch um die Stimmung in der Mannschaft, um Selbstbewusstsein. Vier Spiele ohne Sieg und Tore, zwei Niederlagen nacheinander. Wenn Spieler darüber zu lange nachdenken, kann das Grundvertrauen in die eigenen Stärken schnell irritiert sein.

Die eine von Ilia Gruev unbeachtet gelassene Wahrheit des Spiels kennen wir die ganze Saison. Der MSV bekommt in einem Spiel nicht viele Chancen ein Tor zu erzielen. So kann Ilia Gruev nur mit Recht von einem guten Spiel seiner Mannschaft sprechen, wenn er die Torausbeute außen vor lässt. Das ist natürlich ein Problem, weil es in diesem Fußball um Tore geht. Ob die Stellschraube für die Torgefahr nun die Fähigkeiten der Stürmer sind oder etwas komplexer gedacht die Spielanlage, lasse ich erstmal dahin gestellt, irgendwie müssen diese fehlenden Tore aber erklärt werden. Gruev bemüht das fehlende Glück. So ein Schicksal hält die Stimmung aufrecht. Ich hoffe sehr auf die bewusst gesetzte öffentliche Wertung im klaren Blick auf das, was weiter zu verbessern ist und was weder Spieler noch Trainer dem Schicksal überlassen sollten.

Als Basketballer habe ich gestern übrigens auch verloren, aber wir wollen auch nicht aufsteigen. Wir spielen ein Spiel, bei dem wir immer gewinnen, spätestens beim Bier danach. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses andere Spiel als Ausgleich für meine Enttäuschung mit den Zebras in dieser Saison noch einmal brauche. Vielleicht führte genau diese meine vermeintliche Sicherheit zur Niederlage? Ich hätte nach dem Spiel gegen Wiesbaden den Mund nicht so voll nehmen sollen. Um den Angstgegner Wiesbaden brauchen wir uns keine Gedanken machen, schrieb ich gestern. Der MSV steige ohnehin auf. Ein wenig Demut, Herr Jaratz, hat Herr Koss noch gerufen. Da war es schon zu spät. Ich gelobe Besserung. Nichts ist sicher in dieser Welt. Nicht einmal der Aufstieg des MSV Duisburg.

Wenigstens ist morgen schon das nächste Spiel

„Wenn zwei Mannschaften, deren Ziel es ist, ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen aufeinandertreffen, entsteht ein spannendes Spiel. Wenn beide ausschließlich defensiv denken und die Tor-Verhinderung im Vordergrund steht, leidet der Zuschauer.“ Eigentlich stammt dieser Satz aus dem Spielbericht in der Süddeutschen Zeitung über das 1:1-Unentschieden vom SC Freiburg gegen TSG Hoffenheim, und er ist als Anfang eines Lobes gemeint, aber warum soll ich nicht mal einen vorbeifliegenden Satz nehmen, wenn er zugleich auf das Spiel vom MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden passt und von mir keinesfalls als Lob gemeint ist.

Der MSV führte vor diesem Wochenende mit Abstand die Tabelle der 3. Liga an. Zu Gast war mit dem SV Wehen Wiesbaden der 14. der Tabelle, der 16 Punkte weniger gesammelt hatte. Doch auf dem Spielfeld sah es von Anfang an so aus, als ginge es den Spielern des MSV vor allem darum ein Tor des SV Wehen Wiesbaden zu verhindern. Das war ein Problem, und so haben wir am Samstag gelitten beim Spiel des MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden. Da sind wir uns einig, Ilia Gruev als Trainer und wir Zuschauer. Wie die Spieler dieses Spiel ausgehalten haben, weiß ich nicht so genau.

Diese Spieler des MSV haben mich in der ersten Halbzeit jedenfalls derart eingeschläfert, dass ich in der Pause die frei werdenden Stehplatzräume nutzte, um den Wellenbrecher neben mir zu erobern und mich fortan anzulehnen. Soziale Ansteckung nennt man das. Die Spieler haben mich kraftlos gemacht und desorientiert. Das Stadion um mich herum, das Spielfeld vor mir waren zwar noch vorhanden, aber ich war nicht mehr im Spiel. Ich war hundemüde, kämpfte darum stehen zu bleiben und sehnte den Schlusspfiff herbei. Dabei war noch eine Halbzeit zu spielen. Was für eine immense Aufgabe. Wie sollte ich jemals in dieser zweiten Halbzeit ein Tor bejubeln können. Das war unvorstellbar für mich. Zu meiner großen Erleichterung brachte mich die Mannschaft des MSV nicht in die Verlegenheit, meine Leistung als Zuschauer abrufen zu müssen.

Ich konnte mich über das Gegentor zwar noch ein wenig ärgern, aber Unmut passt energetisch besser zur Kraftlosigkeit. Er stellt sich auch dann noch ein, wenn Freude unerreichbar scheint.  Ich werde heute nicht mehr ins Detail des Spiels gehen. Dank der englischen Woche könnte die Leistung der Mannschaft morgen Abend schon wieder alles vergessen machen. Im Grunde bestätigte das Spiel gegen Wehen Wiesbaden nur, was wir schon länger wissen. Der Versuch ein Spiel zu kontrollieren gerät dem MSV sehr schnell zur Spielverwaltung. Den Rhythmus eines Spiels zu gestalten ist für die Mannschaft schwierig, wenn die Räume in der Offensive sehr eng sind. In den engen Räumen mangelt es den Offensivspielern an Ballsicherheit, um Tempo aufzunehmen. Besteht die Möglichkeit zum schnellen Pass fehlt oft der Mut, weil das Denken der Spieler auf Sicherheit ausgerichtet ist. Dieser Mut entsteht manchmal im Spiel nach gelungenen Aktionen. Manchmal aber, wie im Spiel gegen Wehen Wiesbaden verflüchtigt er sich völlig, weil die Spieler zu oft im eins gegen eins oder im eins gegen zwei, drei scheitern. Wenn dann der Gegner sehr gut kontern kann, ist die Niederlage nah. Wir haben das im Hinspiel gesehen. Das Rückspiel bestätigte das. Da der MSV Duisburg dennoch aufsteigen wird, müssen wir vom Angstgegner Wehen Wiesbaden gar nicht erst sprechen. Andere Liga, andere Gegner.

Wirklich Schuld an der Niederlage sind ohnehin die Stadionregie und Stadionsprecher Stefan Leiwen. Als vor dem Spiel von dieser Serie des Erfolgs die Rede war, von diesen dreizehn Spielen ohne Niederlage, wussten wir bei uns in der Ecke schon, damit war das Fundament für eine Niederlage gelegt. Das Einblenden der Blitztabelle im Spielverlauf war dann gar nicht mehr nötig.

Charmemangel auf der Bezirkssportanlage in Bremen

img-20170305-wa0002Wenn an einem Sonntagmittag die Zebraherde im Wesermarschland zusammenkommt, genießen viele sonst vereinzelt im Norddeutschen lebende Zebras das Herdengefühl. Letztes Jahr in Braunschweig hatte ich das Hamburger Zebra kennengelernt. Ein gebürtiger Norddeutscher, seit jeher MSV-Fan, hatte seine vier Freunde, allesamt Anhänger anderer Vereine, für einen Spieltag zu Zebras gemacht. Das wurde gestern wiederholt. Herdenzuwachs für einen Tag, und da Hamburger in Bremen bekanntlich lebensfeindlichen Bedingungen begegnen, habe ich die fünf vorsichtshalber wieder schützend begleitet. Wir Zebras sind soziale Wesen.

20170305_131224_burst01_resizedDie Wanderbewegung aus dem Pott war zudem recht groß, alles in allem ein Versprechen auf ein schönes Auswärtsspiel. Allerdings machte die Begegnung gegen Werder Bremen II vor allem eines deutlich, der MSV muss aufsteigen. Der MSV spielte gegen  Werder auf Platz 11 des Werder-Geländes, ein Leichtathelikstadion. Platz 11 gleicht einer Bezirkssportanlage, die den Charme des bodenständigen Fußballs verliert, wenn zu viele Auswärtsfans kommen. Dann ist vom Spiel auf dem Rasen nicht mehr allzu viel zu sehen, weil zum Bezirkssportanlagen-Charakter die Sicherheitsarchitektur eines Zweitligastadions hinzu kommt. Zäune vor und neben dem Gästerang versperren die freie Sicht. Abtrennende Zeltplanen kommen hinzu. Alles nicht wirklich schön. Was lobe ich mir das Stadion in Lotte mit seinem Amateurfußballcharme, selbst wenn der Rasen dort einiges zu wünschen übrig lässt.

20170305_140426_resizedWir waren spät im Stadion, standen nicht sehr gut, entsprechend schlecht war meine Sicht aufs Spielfeld. So wurde das Spiel für mich zu einer Art Comic. Einzelne Spielszenen reihten sich aneinander, oft blieben Lücken. Ein Gesamteindruck entstand nur beschwerlich. In der ersten Halbzeit hatte der MSV das Spiel recht sicher im Griff, ohne kontinuierlich sehr großen Druck auf das Werder-Tor erzeugen zu können. An eine große Chance von Kingsley Onuegbu kann ich mich erinnern. Das war es auch schon. In der zweiten Halbzeit begann der MSV mit dem deutlich erkennbaren Vorhaben, das Spiel zu gewinnen. Der Druck auf das Tor von Werder wurde größer. Immer öfter wirkten die Angriffe gefährlich. Allerdings kann ich diesen Eindruck auch vielleicht nur deshalb bekomme haben, weil ich das Tor Werders nun besser sehen konnte.

20170305_144304_hdr_resizedDas Führungstor schien aber nicht nach einem kontrollierten Angriff nahe, sondern weil Stanislav Iljutcenko einem Ball auf den Torwart nachging. Er holte ihn sich zurück, das Tor schien für einen Moment leer, doch die Bremer Feldspieler machten die Hoffnung zunichte. Die Chance war dahin. Es gab weitere Chancen, doch einmal mehr erwies es sich, wie schwierig es für Stürmer in dieser 3. Liga ist aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Hinten sicher stehen ist die Hauptaufgabe in dieser 3. Liga, denn eine Möglichkeit für den Gegner kann sich jederzeit ergeben. So wie kurz vor Spielende, als auch Werder dann fast das Führungstor erzielt hätte. Verdient wäre das nicht gewesen. Insofern ist diese große Chance für Werder zugleich Mahnung zur Zufriedenheit mit diesem einen Punkt.

Die Konstanz beim Punkten macht den MSV so überlegen in dieser Saison20170305_155937_resized. Keine andere Mannschaft in der Liga besitzt diese Konstanz. Deshalb gibt es die zehn Punkte Vorsprung auf Platz 4 und acht auf Platz 3. Zwei Punkte wurden an diesem Spieltag auf Platz 3 verloren, aber wir können allmählich beruhigt ob dieser Momentaufnahme sein. Allmählich können wir daran glauben und es aussprechen, dass der Vorsprung auf Platz weiter wachsen wird. Wir wissen es nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich.


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