Archive for the 'Saison 2017/2018' Category

Mein Eishockey-Spiel beim FC St. Pauli

Manchmal gehe auch ich ins Stadion, und der Fußball auf dem Rasen ist weniger wichtig als ich selbst. Denn ohne mich hätte dieser Fußball nicht stattgefunden. Gut, an die 30.000 Zuschauer dieses Spiels und bestimmt auch die Spieler selbst sind sicher anderer Meinung, aber dieses Spiel des MSV beim FC St. Pauli erinnerte mich an eine zutiefst existentielle Frage. Was die Menschheit seit Jahrtausenden als Problem des Erkennens zunächst philosophisch und dann auch naturwissenschaftlich hin und her bewegt, bearbeitete ich am Sonntagnachmittag bei St. Pauli im Stadion. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ich habe das gesamte Spiel gesehen, ohne alles gesehen zu haben – das Ausgleichstor zum 2:2 etwa, aber auch die vermeintlichen Fouls vor den Elfmetern auf der Gegenseite. Dieses Spiel vom MSV gegen St. Pauli hätte es für mich nicht gegeben, wenn ich nicht gesehen hätte, was ich nicht gesehen habe.

Es war wie beim Eishockey. Wer zum ersten Mal ein Eishockey-Spiel sieht, sieht auch nichts vom Spiel, weil der Blick des Betrachters der vom Puck gesteuerten Bewegung des Spiels zunächst fast immer hinterher hängt. Man muss das Spiel sehen lernen. Was beim langsameren Fußball genauso ist, aber nicht auffällt, weil wir meinen, es sei einfach, dem Ball zu folgen. Aber auch den Fußball muss man sehen lernen. Womit ich vor Jahrzehnten begonnen habe. Deshalb sah ich gestern, was meine Augen nicht haben wahrnehmen können. Das meiste hat mein Kopf erledigt und die fehlenden Momente des Spiels immer wieder ergänzt.

Als Spezie eines Herdentieres habe ich bei dieser Wahrnehmung die Hilfe der Herdenstimmung nutzen können. Hinzu kamen Eindrücke der Hamburger Voll- und Teilzeit-MSV-Anhänger, mit denen ich nun schon zum wiederholten Male im norddeutschen Raum einen Auswärtsspieltag des MSV verbracht habe. Alles in allem ergibt sich nun eine ansehnliche erste Halbzeit, in der der MSV das Spiel sicher in der Hand hatte. Souverän wurde dem Druck der Paulianer in den ersten zehn Minuten stand gehalten. Danach war deutlich, gegen diese MSV-Defensive fand St. Pauli kein Mittel. Die Souveränität von Gerrit Nauber wirkte in die Mannschaft hinein. Wir durften auf eine gelungene Offensivaktion mit Torerfolg warten oder uns auf ein Unentschieden einrichten.

So war die Führung durch das Elfmetertor von Kevin Wolze keine überraschende Folge dieses Spiels vom MSV, auch wenn wir den Elfmeterpfiff selbst mehr als willkommene Gabe sahen. Der Schrecken war dann groß, als Gerrit Nauber durch einen Schuss ausgeknockt wurde. Stabile Seitenlage auf dem Spielfeld kommt nicht häufig vor und ließ Schlimmes ahnen. Als er dennoch weiterspielte, war die Hoffnung auf sein Durchhalten groß.

Er kam nach dem Halbzeitpfiff nicht mehr aus der Kabine, und damit war klar, nun würde es sehr schwierig. Denn St. Pauli bestätigte die Vermutung, nach dem Wiederanpfiff mit sehr viel Druck aufzutreten. Die Defensive des MSV begann zu schwimmen, und unsere Hoffnung, dass die Mannschaft die normalerweise 10 bis 15 Minuten vermehrte Offensivkraft des Gegners in einer solchen Begegnung schadlos überstehen würde, schwanden schnell. Nicht nur der Ausgleich fiel, St. Pauli ging in Führung. Für den MSV bestand sofort die Möglichkeit, die Niederlage noch zu verhindern, weil sich St. Pauli nach dem Führungstor ebenfalls sofort wieder zurück zog. Die MSV-Defensive war entlastet, und die Mannschaft konnte auf den Ausgleich hin spielen. Vielleicht brachte die rote Karte gegen St. Paulis Spieler einen Vorteil. Sicher bin ich mir  nicht. Ich glaube, ein Ausgleich  wäre auch beim elf gegen elf möglich gewesen, so unermüdlich wie die Zebras sich Richtung Tor St. Paulis bewegten. Das Tor von Stanislav Iljutcenko habe ich mir dann wieder sehr lebendig vorgestellt.

Wie der MSV dieses Unentschieden erspielt hat, macht Freude. Diese Mannschaft reagiert variabel auf Spielstände und Spielsituationen. Diese Mannschaft strahlt eine Selbstsicherheit aus, die beeindruckt. Die Hektik des Spiels in der zweiten Halbzeit ging von den verunsicherten Paulianern aus. Die Zebras ließen sich davon nicht anstecken, sondern nutzten die dadurch entstehende Unruhe beim Gegner. Hoffen wir nur noch, dass Gerrit Nauber möglichst nächsten Spieltag wieder da ist. So weit möchte ich dann doch nicht selbst die Wirklichkeit in meinem Kopf herstellen müssen und ihn im Spiel gegen Dresden mir vorstellen, obwohl er nicht auf dem Spielfeld steht. Sonst wird meine Wirklichkeit dann mittelfristig so anders als die von euch, dass es schwierig werden könnte.

 

 

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Trainerentlassungen sind komplett überwertet

Als der FC St. Pauli letzte Woche ein zweites Mal so hoch verlor, überlegten wir im Stadion kurz, welche Folgen diese hohen Niederlagen für den MSV beim Auswärtsspiel morgen haben könnten. Zum einen gab es bei uns die optimistische Fraktion mit dem Credo, der Gegner sei noch mehr verunsichert, die andere Fraktion dachte, jetzt hat es der MSV schwerer, weil sich St. Pauli nach zwei solchen Niederlagen vor eigenem Publikum erst recht beweisen will.

Solche Überlegungen sind nun durch die Einflussgröße Trainerentlassung hinfällig geworden. Der neue Trainer Markus Kauczinki verändert die Ausgangslage komplett. Die Spieler des Gegners müssen sich neu zeigen. Sie strengen sich deshalb vielleicht gerade jetzt im ersten Spiel unter dem neuen Trainer besonders an. Es gibt vielleicht vom neuen Trainer andere Spielideen, auf die Ilia Gruev noch nicht vorbereitet ist. Andererseits lässt sich aus der Arbeit Kauczinkis in Ingolstadt oder Karlsruhe etwas ablesen. Dass das beim MSV versucht wurde, davon dürfen wir bei Ilia Gruevs Arbeitsweise ausgehen.

Trainerwechsel haben statistisch betrachtet keinen Erfolg. Das ist inzwischen oftmals schon geschrieben worden, was nichts an den so oft hilflosen Versuchen das Schicksal zu beeinflussen ändert, wie gerade der 1. FC Köln sehr schön beweist. Ebenfalls sagt das nichts über den Einzelfall aus, geschweige denn etwas über das spezielle erste Spiel nach einem Trainerwechsel. Aber in diesem Fall gibt es den Transfermarkt mit der sehr schönen Statistikseite „Trainereffekt“, die ich bislang noch nicht kannte. Mit einem Blick lässt sich dort überprüfen, welche Auswirkung ein Trainerwechsel kurz- oder langfristig hatte. Die Daten beziehen sich nur auf die Bundesliga, aber das reicht erst einmal für ein beruhigendes Gefühl.

In der laufenden Saison hat es in der Bundesliga  vier Trainerentlassungen gegeben. Die Bilanz der vier neuen Trainer lautet: ein Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden. Für den Sieg war Jupp Heynckes verantwortlich, und der fällt mit seinen bayernspezifischen messianischen Fähigkeiten ohnehin aus der Wertung.

Ich fasse die Trainerwechsel während der laufenden Saison für die letzten 6 Spielzeiten mal tabellarisch zusammen:

2016/2017: 10 Trainerwechsel – 2 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen
2015/2016: 7 Trainerwechsel – 1 Sieg, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen
2014/2015: 9 Trainerwechsel – 5 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen
2013/2014: 11 Trainerwechsel – 4 Siege, 5 Unentschieden, 2 Niederlagen
2012/2013: 10 Trainerwechsel – 4 Siege, 4 Unentschieden, 2 Niederlagen
2011/2012: 11 Trainerwechsel – 5 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen

Die Stichprobe ergibt bei 58 Trainerwechsel für das erste Spiel unter dem neuen Trainer 21 Siege, 20 Unentschieden, 16 Niederlagen. Wenn wir mit einem Unentschieden in Hamburg zufrieden sind, reist der MSV also mit einem kleinen Vorteil nach Hamburg. Und wenn wir der Statistik eine zeitliche Dimension geben, lässt sich gar ein Trend ablesen. Der Sieg im ersten Spiel nach einem Trainerwechsel wird seit zwei Spielzeiten immer unwahrscheinlicher. Tut uns leid, FC St. Pauli, Zahlen lügen nicht, allzu viel braucht ihr morgen nicht zu erwarten.

Spieltagslyrik – Der Tag des lang gestreckten Beins

Der Tag des lang gestreckten Beins

Ein freier Schuss,
gezirkelt von der Strafraumgrenze.
knapp an der Torwarthand vorbei.
Der Ball fliegt mit Effet,
der Weg ins Tor ist offen,
und aus dem Rückraum springt ein Stürmer
sehr stürmerhaft herbei.
Zur rechten Zeit am rechten Ort,
das macht den guten Stürmer aus.
Und sei der Ort die Defensive.
Das Stürmerbein so lang gestreckt, wie es nur geht.
So kann er Tore vorn erzielen
und hinten seine Mannschaft vor dem Rückstand retten.

So lang gestreckt das Bein von Stanislav,
dem Stani, Iljutcenko,
so lang gestreckt, wie es nur geht.

Als Stani um den freien Ball kämpft,
knapp neben dem Fünfmeterraum,
bedrängt vom gegnerischen Torwart,
der diesen Ball mit einem Sprung erreichen will,
streckt er sein Bein schon wieder lang und noch viel länger,
Der Torwart greift ins Leere,
und Stani kann den Ball fein spitzeln
zu Moritz Stoppelkamp,
der frei steht und so sicher flankt,
präzise auf den Kopf von Cauly Souza.
Das Führungstor dank Stanis lang gestrecktem Bein.

So lang gestreckt das Bein von Stanislav,
dem Stani, Iljutcenko,
so lang gestreckt, wie es nur geht.

Nur wenig später schneller Antritt
von Stanislav – dem Stani – Ijutcenko.
Er zieht am rechten Strafraumrand zum Toraus,
und sprintet Meter gegen seinen Gegenspieler,
der grätschend jetzt zur Ecke klären will.
Doch Stani hat etwas dagegen.
Er weiß, er kann sein Bein an diesem Tag lang strecken,
so lang und noch ein wenig länger.
So hebt er gegen Grätsche rutschend
den Ball zur Strafraummitte weiter.
In diesen Pass läuft Boris Tashchy,
das zweite Tor macht er
mit technisch anspruchsvollen Schuss.
Kein lang gestrecktes Bein ist noch mehr nötig.
Das 2:0 reicht bis zum Schluss.

Ein Tag vor dem Spiel gegen Fürth beginnt die Weihnachtskalenderzeit

Morgen spielt der MSV gegen die SpVgg Greuther Fürth. An diesem Verein habe ich dann mal wieder gemerkt, wie wenig mich der Fußball in der Bundesliga und drüber inzwischen überhaupt noch interessiert. Ohne den MSV hat das ganze Geschehen dort für mich so eine Art Bunte-Seiten-Nachrichtenwert bekommen. Kuriositäten und Sensationen als kurze Meldung nehme ich dann wahr. Mehr nicht. Dunkel erinnerte ich mich nämlich an eine Bundesligasaison der Fürther. Wenn mir einer mit Nachdruck gesagt hätte, das war noch letztes Jahr, ich hätte das geglaubt. Nun verrate ich euch nicht, wann die Fürther tatsächlich in der Bundesliga gespielt haben. Das könnt ihr MSV-Monokultur-Spezialisten schön mal selbst rauskriegen.

Die Vorberichte zum Spiel morgen konzentrieren sich in Duisburg auf Mark Flekken, der zu Beginn der Saison vom Gegner zum MSV wechselte. Von Mark Flekken und Ilia Gruev ist zu hören, die Niederlage gegen Regensburg sei abgehakt. Fürth sei besser, als es der Tabellenplatz vermuten ließ. Das ist ein Standardsatz aus dem Trainerhandbuch für Pressekonferenzen vor einem Spiel. Allerdings passt dieser Satz nicht richtig. In dieser Liga ist jeder Verein ab Platz 7, besser als es der Tabellenplatz vermuten lässt, manchmal aber auch sehr viel schlechter. Insofern steht der passende Satz auf einer anderen Seite des Trainerhandbuchs, verschlagwortet unter Liga, enge und Schlagen können, jeder. In Fürth weiß der Trainer Damir Buric nach dem 4:0 Sieg gegen St. Pauli, die Mannschaft könne selbstbewusster auftreten, aber der Gegner werde noch konzentrierter zu Werke gehen. Ich sehe Ilia Gruev dazu nicken und hoffe auf den Ertrag der Konzentrationsmaximierung.

Mit dem heutigen 1. Dezember werden überall in Deutschland Türen von Adventskalendern geöffnet. Es gibt sie an der Wand hängend, als Lebendige Adventskalender in Ruhrort etwa oder in Neumühl, und es gibt sie als Fußball-Weihnachtskalender von 120 Minuten, an dem ich mich beteilige. Dort, wo es ohnehin auch das Jahr über längere Erzählstücke zu lesen gibt, wird mit dem Fußball-Adventskalender von besonderen Begebenheiten rund um den Fußball zu lesen sein. Veröffentlicht werden die Texte auf den Seiten der Teilnehmer des Kalenders. In meinen Räumen hier werden vom 5. bis 8. die Kalendertüren geöffnet.

Das erste Türchen öffnet sich heute bei 120 Minuten.

Streichresultat im Ergebnissport

Die 4:0-Auswärtsniederlage des MSV gegen Jahn Regensburg schaue ich mir auch heute nicht mehr näher an. Ich habe nichts gesehen, gehört, gelesen. Ich war krank. Bei diesem Spiel wird der Fußball für mich im wahrsten Sinn des Wortes Ergebnissport. Diese Fußballfloskel verwirrt mich gerade etwas. Wie heißt das Gegenteil von Ergebnissport? Gibt es irgendeinen Sport, in dem das Ergebnis unwichtig ist? Gibt es noch irgendwo den Sport der englischen Gentlemen-Anfänge, bei dem Fair Play ja genau deshalb seinen  Ursprung hat, weil nicht das Ergebnis für den Selbstwert und das Ansehen zählte sondern die Haltung der Spieler. Aber so ein Gentleman konnte sich das auch leisten, der brauchte das Geld für den Sieg nicht so dringend wie jemand aus den arbeitenden Klassen, der den Sport zu seinem Beruf machte. Für mich ist die Niederlage jedenfalls das Streichresultat dieser Saison. Schade, dass das keinen Einfluss auf die Tabelle nach dem 34. Spieltag hat. Aber wenn wir streichen dürften, dann dürften ja alle. Angesichts der gleichmäßig verteilten Niederlagen in einer ausgeglichenen Liga hat ein Streichresulat gar keinen Sinn. Drei Punkte von Platz 17 zu Platz 8, vier bis zu Platz 7. Sicherer ist es, das nächste Spiel gegen Fürth einfach wieder zu gewinnen.

Erst dachte ich, es sind 10 unvergessliche Anmerkungen zum MSV und zu Aue. Doch dann geschah das

1. Hei..eimsieg…Hei..eimsieg….Hei…eimsieg….Oh, wie ist das schön…oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen…so schön, so schön.

2. So einen Sieg wie gegen den FC Erzgebirge Aue haben wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. 3:0 hat der MSV gewonnen. Der Sieg in dieser Höhe ist verdient. Souverän hat der MSV diesen ersten Heimsieg der Saison erspielt.

3. Vom Anpfiff an sah es so aus, als spielten zwei Mannschaften von deutlich unterscheidbarem Spielvermögen gegeneinander. Wenn Aue etwas anderes als ein torloses Unentschieden hat erreichen wollen, verheimlichte das die Mannschaft perfekt. In Zeitungsberichten lese ich von einer Chance Aues. Das war ein geschlenzter Ball, der über die Latte strich. Wenn ich mich nicht aufrege und ich kein Gegentor fürchte, gibt es keine Chance. Das wollen wir mal ein für allemal festhalten. Sollte ich jemals Beruhigungmittel brauchen, werde ich mir Spiele vom FC Erzgebirge Aue gegen den MSV in Dauerschleife ansehen. Ich bin in diesem Spiel völlig entspannt gewesen. Ich fürchtete nicht einmal ein Glückstor des Gegners.

4. Erst sah es so aus, als wollte der FC Erzgebirge Aue dem MSV Duisburg den Sieg schenken. Fehlpass um Fehlpass in der Nähe des eigenen Strafraum luden die Zebras weniger zum Konter ein als zum direkten Abschluss auf das kaum mehr verteidigte Tor. Aber die Zebras wollten weder das Mitleid der Gäste, noch wollten sie unhöflich sein. Also taten sie so, als ob sie die Gastgeschenke annahmen und vermieden es auf diese geschenkte Weise ein Tor zu erzielen. Ich wäre weniger stolz gewesen und hätte schon in der ersten Halbzeit gerne eine dieser großen Chancen verwandelt gesehen.

5. Solch große Chancen gegen den tief stehenden Gegner Aue aus dem eigenen Aufbauspiel heraus zu entwickeln ist mühsam und verlangt Geduld. Wir hatten die Geduld, weil wir den Anfang der Saison noch lebhaft in Erinnerung hatten. Spannend ist die Frage, wie so ein geduldiges Aufbauspiel ohne Ertrag auf die Stimmung im Stadion wirkt. Anscheinend beruhigte dieses Spiel nicht nur mich. Ist mein Eindruck falsch, dass wir alle freundlich dem Spiel zusahen, aber die Anspannung den Spielern überließen?

6. Nach der Halbzeitpause wollte Aue gerne so weiterspielen wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV wollte druckvoller sein. Die Mannschaft stand etwas höher in der Defensive als in der ersten Halbzeit.

7. Der MSV war erfolgreicher bei seinem Vorhaben.

8. Zunächst verlor Stanislav Iljutcenko die Orientierung bei einem Kopfball komplett. Völlig frei stehend köpfte er gut acht Meter am Tor vorbei. Kurz waren wir ratlos bei uns in der Ecke. Wie sollte nur ein Tor fallen, wenn solch große Chancen in diesem Spiel mit dieser so dichten Defensive vergeben wurden? Doch kurz danach hatte Stanislav Iljutcenko beim Kurzpassspiel die Orientierung wieder gefunden. Schnell ging es über halblinks Richtung Strafraum, Iljutcenko wurde angespielt, leitete den Ball per Hacke zur Mitte in den Lauf von Cauly Souza weiter. Ein Abwehrspieler meinte, den Pass noch etwas korrigieren zu müssen. Der Ball kam nun noch genauer in den Lauf, so dass der Abschluss keine Schwierigkeit mehr bereitete. Große Freude über das verdiente 1:0.

9. Aue erinnerte sich, dass ein Ball auch schnell nach vorne gespielt werden kann. Die MSV-Defensive weiß das schon sehr lange und war vorbereitet auf mögliche Gefahren.

10. Cauly Souza wird halbrechts angespielt. Er führt den Ball kurz, stoppt ab und zwei Auer Spieler aus der Defensivkette laufen auf den rechten Flügel raus. Vielleicht wunderte sich Souza genauso wie ich. Ich hatte jedenfalls keine Pass- oder Dribblefinte von Souza in dem Moment gesehen. Lucky-Luke-Cauly, der Mann täuscht schneller als sein Schatten. Souza zieht nicht nach rechts, sondern in die Mitte und sucht den direkten Abschluss. Zwischen Pfosten und Torwarthand passte wahrscheinlich nichts mehr als der Ball. Eine frühe 2:0-Führung machte Hoffnung. Wir gebrannten Späte-Ausgleichs-Kinder wünschten uns ein drittes Tor herbei.

11. Zwei Chancen hatte Aue, bei denen meine Entspannung leicht irritiert wurde.

12. Der MSV hatte weiter deutlich bessere Chancen als Aue. Stanislav Illjutcenko lief in einen abenteuerlichen Querpass an der Strafraumgrenze und hatte nur den Torwart vor sich. Allerdings blieb ihm keine Zeit zum Abschluss, und er vergab den Schuss im Fallen. Moritz Stoppelkamp versuchte einen geschlenzten Ball nach einem Konter statt weiter in die Mitte zu ziehen und hart abzuschließen. Cauly Souza schoss einen zweiten Ball zu flach und traf seinen Mannschaftskollegen Iljutcenko, der Mitleid mit der überforderten Auer Defensive hatte und sie kurz als liegende Mauer verstärkte.

13. Der MSV hielt den Druck auf das Auer Tor hoch. Der Mannschaft gelang die perfekte Balance zwischen Defensive und Offensive.

14. Meine Entspannung war trotz vereinzelter Auer Angriffsbemühungen wieder vollkommen.

15. Das dritte Tor gelang bei einem Angriff im zweiten Anlauf. Moritz Stoppelkamp setzte sich im Strafraum auf engstem Raum wunderbar durch, flankte und Boris Tashchy köpfte perfekt ein.

16. Abstiegszone, die – das Wort muss ich mir aufschreiben, damit ich es nicht vergesse.

Was ein MSV Museum auch bewirkt

Heute im Spiel gegen Erzgebirge Aue steht Manfred Manglitz neben Stadionsprecher Stefan Leiwen auf dem Rasen. Stefan Leiwen fragt dann ja ritualhaft nach Spieleindruck und nach möglichem Endergebnis. Ich hoffe doch, Manfred Manglitz kann dann schon von einer verdienten Führung sprechen. Nicht nachlassen, so was in etwa wird dann sicher auch als Aufforderung für die zweite Halbzeit fallen. Vielleicht auch noch, ein weiteres Tor schnell nachlegen und den Sack zu machen, was eben so zu sagen ist, wenn dem MSV der Sieg gewünscht wird. Der Heimsieg wäre schön, damit endlich einmal wieder möglichst viele Anhänger vom MSV, eben mehr als bei einer Auswärtstour, ihre Freude mit der Mannschaft teilen können.

Manfred Manglitz – hier bei Wikipedia – war von 1963 bis 1969 Torwart beim MSV. Er kam als Verstärkung für die erste Bundesliga-Saison zusammen mit Heinz Höher von Bayer Leverkusen und gehörte zur Vizemeister-Mannschaft. In dieser ersten Saison bekam er bei der Anzahl seiner Spiele die wenigsten Tore aller Bundesligatorwarte, was Jahre später das Online-Medium Stadioncheck.de dazu bewog, die Manfred-Manglitz-Medaille auszuloben.

Manfred Manglitz lebt in Spanien und ist für dieses Spiel auf Initiative vom MSV Museum angereist. Gestern gab er zusammen mit Horst „Pille“ Gecks und Heinz van Haaren Autogramme im Fanshop. So vielfältig vestehen die Macher das MSV Museum ihre Arbeit. Die Grundlagen für eine Ausstellung zu schaffen ist das eine, diese Ausstellung zu einer lebendigen Erinnerung zu machen das andere. Ein Stadionbesuch und eine Autogrammstunde sind nur ein Anfang, die Begegnung mit ehemaligen Spielern des MSV zu ermöglichen. Wer sich jetzt schon derart engagiert, lässt für die Zukunft eines etablierten MSV Museums sehr viel tiefer gehende und aufschlussreichere Begegnungen erhoffen, als sie in der Halbzeitpause eines Fußballspiels möglich sind. Zumal mit der Aussicht auf den Heimsieg die Gegenwart die Vergangenheit mächtig überlagert.


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