Archive for the 'Saison 2017/2018' Category

Pflaumenkuchen backen mit dem MSV

Seit Äonen vor meiner Geburt backe ich am 19. August Pflaumenkuchen. Daran ist nicht zu rütteln. Gegessen wird er danach auch. Sahne gibt es dazu, natürlich, und es wird weit geschnittene Kleidung getragen, damit der Bauch hinein wachsen kann. Die Bleche müssen leer werden. Dieser Tag im August verlangt also einige Umsicht von mir. Die notwendigen Zutaten vorzuhalten ist nicht das Problem. Aber nicht jeder Ort verfügt über Backöfen. Der Stehplatz in Heidenheim etwa wurde leider ohne Backofen-Zugang errichtet. Die Stadionordnung untersagt zwar nicht ausdrücklich die Selbstversorgung per portabler Backstube, aber ich war skeptisch, ob ich meinen kleinen Ofen unter der Jacke ins Stadion hätte hineinschmuggeln können.

Deshalb blieben Bewegtbilder vom Spiel auf dem Laptopbildschirm. Während der Hefeteig ging, gelang es dem MSV in der ersten Halbzeit die guten Leistungen der bisherigen Spiele zu bestätigen. Das Mittelfeld gehörte den Zebras. Ich sah das Spiel vornehmlich in der Hälfte der Heidenheimer, denen es nicht oft gelang, das frühe Pressing des MSV erfolgreich zu überspielen. Schafften sie es einmal den Ball in die Nähe des MSV-Tores zu bringen, waren lange Pässe viel zu unpräsise, als dass daraus Gefahr für das Tor hätte entstehen können. Mark Flekken oder die Defensivreihe liefen die meisten Bälle ab, Verlegenheitsschüsse gingen am Tor vorbei. In der Offensive arbeitete der MSV wieder viel. Die Mannschaft setzte auf den bekannten kontrollierten Spielaufbau. Wirkliche Torgefahr schaffte der MSV aber auch nicht. Dennoch wirkte das Spiel der Zebras gefälliger.

Beim Ausrollen des Teiges in der Halbzeitpause beschlich mich leise Furcht, dass die bis dahin gute Leistung erneut unbelohnt bliebe. Ohne Torgefahr kein Tor, aber die Erinnerung an die Pokalniederlage war noch frisch. Bewahre uns vor der Standardsitutation des Gegners. Schütze uns vor Zufall und Glück bei dessen Abschlüssen. Ich verpasste die ersten Minuten der zweiten Halbzeit, weil das Belegen des Teigs mit Plaumen länger dauerte, als ich dachte. So hörte ich den Torjubel nur, und er hörte sich nach Stadion an, nicht nach Gästekurve. Ich war erschüttert. Nicht schon wieder diesen Spielvorlauf, der irgendwann in die Geschichte münden würde, der MSV musste Lehrgeld bezahlen. Ich legte die letzten Pflaumen auf den Teig, schob die Bleche in den Ofen und konzentrierte mich aufs Spiel.

Vor dem Laptop blieb ich stehen, denn der Ball stürzte gerade in den Heidenheimer Strafraum hinunter und schien gleich in klassischer Rücken-zum-Tor-Stürmer-Weise per Drehschuss aufs Tor zu fliegen, so wunderbar wurde er von Boris Tashchy angenommen. Doch von der Seite kam Moritz Stoppelkamp herbei und hatte es sehr viel einfacher aufs Tor zu schießen. Tashchy überließ ihm, Stoppelkamp zirkelte ins rechte Eck und der Ausgleich fiel. Der MSV wollte danach das Führungstor. Das war so deutlich zu sehen. Boris Tashchy selbst erzielte es nur wenig später, wie gegen Bochum mit einem Schuss von der Strafraumgrenze nach sehr guter Vorarbeit von Cauly Souza.

Auch nach der Führung minderte der MSV sein Offensivspiel nicht. Das war beruhigend anzusehen, dass die Heidenheimer zunächst keinen großen zusätzlichen Offensivdruck entfalten konnten. Sicher gab es eine Chance durch einen Schuss aus etwa 16 Metern, doch der MSV hat mit Mark Flekken einen Torwart, der Chancen auch zunichte macht. Erst in den Schlussminuten geriet die Defensive des MSV tatsächlich unter Druck. Wo die Nachspielzeit von Minuten herkam, weiß ich nicht. Vier Minuten, die nicht nur meinen Pflaumenkuchen fast gefährdet hätten. Vier Minuten, in denen die größte Chance zum Ausgleich durch einen Schuss aus etwas zehn Metern auf oder kurz vor der Linie von Dustin Bomheuer abgewehrt wurde. Standen alle Spieler des MSV im Fünfmeterraum? Wahrscheinlich nicht, aber die Hälfte der Mannschaft war dort bestimmt versammelt. Mit aller Macht sollte der Ausgleich verhindert werden.

Endlich pfiff der Schiedsrichter ab. Dieser verdiente Sieg war wichtig und mein Pflaumenkuchen gerettet. Er war etwas zu lange im Ofen geblieben, die ersten Pflaumen waren schon sehr dunkel geworden. Ein verbrannter Pflaumenkuchen hätte mir wie eine erneute Niederlage die Laune verdorben. Je öfter nach erneut gutem Spiel nicht gewonnen wird, desto schwieriger wird es, an das eigene Können zu glauben. Dieser Sieg ist die Folge der guten Arbeit schon in der letzten Saison, als die Grundlage für diese Möglichkeiten des Spielaufbaus gelegt wurde. Was haben wir geschimpft auf die Spielweise des MSV. Doch seht euch an, wo Würzburg und Karlsruhe nach 5 Spieltagen in der 3. Liga stehen. Der KSC muss wie der MSV in der letzten Saison notwendig aufsteigen. Vor der Saison gab es keine Zweifel an der Verwirklichung dieses Plans. Vier Punkte aus fünf Spielen ist das Ergebnis bislang. So kann es auch gehen.

Ab in die TOP 5 der ernüchternden Niederlagen

Nicht dass ich die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hier verschweigen will. Gestern habe ich allerdings deshalb nichts geschrieben, weil zur mangelnden Zeit mein Unwillen hinzu kam, mich an das Spiel noch einmal zu erinnern. Stattdessen machte ich mir eine Arbeitsnotiz. Stelle die Top 5 der ernüchterndsten Niederlagen zusammen. Dieses Spiel gehört für mich dazu. Ich werde auch heute nicht mehr viel dazu schreiben. Wir blicken nach vorne. Ernüchternd ist es nämlich, wenn die Zebras das Spiel gestalten und dennoch zur Halbzeitpause 2:0 zurückliegen.

Der 1. FC Nürnberg musste für diese Führung viel weniger ins eigene Spiel investieren als der MSV. Sie brauchten nur abwartend zu spielen und wahrscheinlich hieß die Offensivtaktik gar nicht, suche den gefährlichen Abschluss aufs Tor. Ich bin sicher, die Stürmer versuchten die Zebras dazu zu zwingen, den Ball ins Toraus zu schießen. Diese Eckbälle waren die eigentliche Torchance. Sobald der Eckball in den Strafraum schoss (!), brannte es lichterloh im Strafraum. Die Geschwindigkeit der hereinfliegenden Bälle war ebenso beeindruckend wie die Präzision, mit der sie genau an die Stelle kamen, bei der der Torwart nicht genau weiß, ob er dort hin gehen soll oder nicht. Die Mannschaft wusste anscheinend um die Gefahr durch diese Ecken. So anderes als sonst versuchte sie mit einer geschlossenen Defensivreihe im Fünfmeterraum diese Ecken zu verteidigen. Vergeblich.

Was für ein Chance hatte Simon Brandstetter zur Führung. Er arbeitet, holt sich die Bälle, läuft in die freien Räume, ist schnell, anspielbar. Er stört als erster Defensivspieler seiner Mannschaft den Spielaufbau in der Hälfte des Gegners. Beim schnellen Abschluss im Strafraum kann er nicht variabel genug sein. Anstatt ein Tor von Simon Brandstetter zu bejubeln, fürchte ich jeden Eckball. Der MSV arbeitet daran, dass jede andere Mannschaft Europas demnächst entspannt Eckbälle des Gegners erwarten kann, damit die Statistik weiter stimmt, nur 1,27 Prozent aller Eckbälle seien erfolgreich.

Fünf bis zehn Minuten zu spät setzte der MSV in der zweiten Halbzeit auf die bedingungslose Offensive. Erst als Stanislav Iljutcenko in der 80. Minute eingewechselt wurde, geriet die Defensive der Nürnberger ins Schwimmen. Schon zuvor hatte der MSV nach dem Wiederanpfiff unermüdlich den Weg zum Tor gesucht, ohne gefährlich zu werden. Meine Ernüchterung wich erst, als in diesen Schlussminuten alles möglich schien, so sehr wurden die Nürnberger in der eigenen Hälfte eingeschnürrt. Ein Trudelball gegen die Latte, eine scharfe Flanke, an der Onuegbu und Iljutcenko um Zentimenter vorbei rutschten. Das Tor schien fast sicher gewesen zu sein. Schließlich in der Nachspielzeit, der zweifellose Elfmeter nach tölpelhaftem Einsteigen des Nürberger Defensivspielers. Kevin Wolze verwandelte sicher. Zu spät.

Wir nehmen auch aus diesem dritten Spiel der Saison mit, die Mannschaft kann ein Spiel gestalten. Sie kann sich Torchancen erspielen. Hätte Simon Brandstetter die Kaltblütigkeit von Kingsley Onuegbu, erzielten wir in jedem Spiel mindestens ein Tor. Was nicht heißt, dass er alleine nur für die Torchancen zuständig ist. Seine sind zwangsläufig nur die größten Chancen. Die Mannschaft besitzt eine grundsätzlich stabile Defensivreihe mit einer verwundbaren rechten Seite. Das sind die Voraussetzungen für die Spiele der nächsten Wochen. Jetzt möchte ich nur noch den ersten Sieg der Saison. Das sollte machbar sein bei diesen Voraussetzungen.

Einstimmen auf die erste Pokalrunde

Alles, was ihr könnt, das könn‘ wir viel besser. Ja, wir könn‘ alles viel besser als ihr. Das können wir zur Einstimmung auf das Pokalspiel heute Abend alle gemeinsam laut singen. Heidi Brühl hat die Ich-zentrierte Fassung des Lieds zusammen mit Robert Trehy in der deutschen Version von „Annie get your gun“ hierzulande vor langen Jahren mal populär gemacht.

Natürlich poste ich hier nur das englischsprachige Original, weil ich die Entwicklung im Fußballgeschäft nicht verschlafen will. Der asiatische Markt birgt auch für uns in der 2. Liga und für den zebrastripesblog als special-interest-online-magazin Chancen. Waren Zebras in China nicht schon immer Glückstiere? Aber das nur am Rande.

Besser als der VfL Osnabrück müssen wir heute aber nicht sein. Nur genau so gut. Dort in Osnabrück wurde der HSV schon 2009 einmal aus dem Pokal geworfen. Zur Einstimmung hatte sich die Mannschaft ein Video von diesem Sieg angesehen. Und schon hat der VfL Osnabrück den HSV erneut aus dem Pokal geworfen.

Bevor wir also den Nürnbergern unser Mottolied des Tages singen, variieren wir das für die Osnabrücker und schauen uns ebenfalls Bewegtbilder vom letzten Pokalsieg gegen Nürnberg an. Also: Alles was ihr könnt, das könn‘ wir genauso. Übrigens wurde der letzte Pokalsieg gegen Nürnberg am selben Wochenende noch vom Weiterkommen im Niederrheinpokal begleitet. Damals dachte ich beim Schreiben über dieses Wochende vom MSV, „zwei auf einen Streich“ klingt gut. Sehr viel besser ist es aber, sich auf das Weiterkommen im DFB-Pokal beschränken zu können.

 

11 bemerkenwerte Dinge über das Spiel des MSV gegen den VfL Bochum

Im Zebrastreifenblog wird es diese Saison etwas anders zugehen. Experimenteller. Ich hatte es schon öfter angedeutet, mir geht es in den Räumen hier nicht nur um Sportberichterstattung. Mein Blick auf den Fußball führt immer auch aus dem Stadion hinaus. Das schlägt sich nicht in allen Texten nieder, aber ohne diesen Blick ins normale Leben, ist mir das Schreiben über Fußball zu langweilig. Nun haben wir in den letzten acht Jahren mit dem MSV das meiste erlebt, was im Fußball möglich ist. Entsprechend habe ich Querverweise ins normale Leben gesehen. Nun möchte ich mich nicht wiederholen. Es muss also etwas anders werden. Stig könnte mit seiner polternden und ruppigen Art vielleicht öfter schreiben. Ich selbst versuche mich dagegen mal mit mehr Netz-Style – mir fehlen fürs erste nur ausreichend Fotos, Gifs und Miniclips. Mal sehen, ob auf Dauer auch Worte reichen. Also, der Zebrastreifenblog entdeckt das Listenformat. Was nicht heißt, dass erzählende Texte für immer perdu sind.

    1. Der MSV Duisburg kann sich berechtigt Hoffnungen auf den Klassenerhalt in der Zweiten Liga machen. Die Mannschaft bestätigt die gute Leistung des Saisonauftaktspiels in Dresden.
    2. Das Offensivspiel des MSV sorgt für Torgefahr. Nach dem Führungstor durch Boris Tachshy in der siebten Minute hatte der MSV Chancen die Führung auszubauen.
    3. Für die Offensivstärke von Moritz Stoppelkamp müssen wir aushalten, dass er manchmal seine Mitspieler übersieht. Ob das dauerhafte Eigenart ist oder sich mit noch mehr Eingespieltsein verliert, können wir bislang gelassen diskutieren.
    4. Zweite Bälle waren in der ersten Halbzeit meist Beute des MSV Duisburg.
    5. Enis Hajri wird sich demnächst hoffentlich in einer meiner Schreibwerkstätten einfinden, um sein Bedürfnis nach Schiedsrichter-Reaktion in kreative Bahnen zu lenken. Ich hätte da ein paar vorbildhafte Zeilen Lyrik. Vielleicht kommt Lukas Fröde ja auch mit.
       
      Schiri, bitte, gib mir eine gelbe Karte.
      Bitte, bitte, bitte! Ich brauche sie so sehr.
      Nicht, dass ich schon seit dem Anpfiff darauf warte,
      Aber ohne weiterspielen wird so schwer.
       
      Schiri, bitte, gib mir einen Nachweis für mein Spiel.
      Nur mit gelber Karte weiß ich um den Sinn.
      Defensiv wach und die Härte ist, was meist gefiel.
      Wenn mein Foul nicht reicht, geh‘ ich zum Torwart hin.
    6. Der Ausgleich sofort nach der Halbzeitpause war zugleich eine deutliche Ansage des VfL, das Spiel gewinnen zu wollen, so chancenlos war die Defensive bei diesem Tor.
    7. Der Wechsel von Tugrul Erat gegen Nico Klotz war ein Versuch, die Defensive zu stabilisieren. Ein Versuch! Ob ein desorientierter und oft verunsichert wirkender Erat oder ein Klotz ohne Luft auf der rechten Defensivseite mehr Gefahr durch die Bochumer bedeuteten, sorgt noch ein paar Tage bei allen hier im Zebrastreifenblog für unterhaltsame Gespräche.
    8. In dem etwa 25 Minuten andauernden Angriffswirbel des Vfl Bochum erwies sich Gerrit Nauber als zentrale Kraft. An ihm konnten sich seine Mitspieler ausrichten. Selbst unter größtem Druck versuchte er die hereinkommenden Bälle zu kontrollieren und in den eigenen Reihen zu behalten. Er ordnete die Defensivreihe souverän. Großartige Verpflichtung.
    9. Zum Ende des Spiels konnte sich der MSV wieder etwas mehr befreien. Der eingewechselte Kingsley Onuegbu sorgte offensiv für ein wenig Entlastung, weil mit ihm der Ball etwas länger in den Reihen des MSV gehalten werden konnte. In der Defensive verstärkte er die Duisburger Kopfballhoheit im Strafraum.
    10. Gefährliche Chancen erspielten sich sowohl der MSV als auch der VfL nicht mehr.
    11. Erleichterung beim Abpfiff über den ersten Punkt der Saison.

 

 

 

Zeitreisen mit Christian Hochstätter

Der MSV empfängt morgen den VfL Bochum zum ersten Heimspiel der Saison. Die Bochumer wollen in dieser Saison oben mitspielen. So salopp spricht das Sportdirektor Christian Hochstädter auf der Pressekonferenz vom VfL Bochum aus, als es zum wiederholten Male für die Journalisten um den Anspruch des VfL beim Spiel in Duisburg geht. Wer oben mitspielen will, möchte natürlich gewinnen bei einem Verein, der sich nichts anderes als den Klassenerhalt wünscht.

Gewinnen will auch VfL-Trainer Ismail Atalan, obwohl er weiß, wenn seine Mannschaft nur ein Prozent weniger als die von ihm erwartete Leistung zeige, werde sie verlieren. Werde der MSV doch durch die Euphorie getragen und vom Publikum nach vorne gepeitscht. Die Mannschaft habe Qualität und brauche kenne viele Abläufe, ohne sie überhaupt noch sehr trainieren zu müssen. Der Trainer hat Respekt vor den Zebras. Das klingt gut in meinen Zuschauerohren, und ich werde gewiss, morgen alles dazu beitragen, dass jenes Eregebnis eintritt, das Christian Hochstätter anscheinend schon gesehen hat.

Er wird gefragt, wie wichtig der Sieg im Derby sei gegen den MSV mit einem so anderen Anspruch als die Bochumer. Darauf antwortet er ab Minute 18.50, sie seien mit einem Anspruch in die Saison gegangen. Der erste Anlauf habe nicht geklappt. Dann folgt zwei Sätze später, gegen Duisburg (!) habe er viele Dinge gesehen, die er gut fand. Es seien auch Dinge dabei gewesen, die er nicht so gut fand. Eine Sensation, die untergeht. Christian Hochstätter kennt das Ergebnis vom Spiel morgen. Christian Hochstätter kann offensichtlich Zeitreisen. Er macht keine große Sache draus. Für uns aber zählt: So klingt kein Sportdirektor nach einem Sieg. Wie das Spiel ausgeht, verschweigt er. Dennoch verrät uns Christian Hochstätter eins, die Bochumer werden auch nach dem Spiel gegen den MSV enttäuscht sein. Auch beim zweiten Mal wird es mit dem Anspruch nicht geklappt haben.

 

Bei hundert Ecken trifft es einen Verein

Wir Menschen sind für Statistik nicht gemacht. Wir erleben Momente und keine Zahlenverhältnisse. Wirklich ist nun einmal, was wirklich wird, so unwahrscheinlich es auch ist. Nur 1.27 Prozent aller Ecken führen zum Torerfolg. Das las ich letzte Woche noch auf der 11FREUNDE-Seite. Nun hat der MSV gestern im Spiel gegen Dynamo Dresden erst einmal dafür gesorgt, dass die anderen Zweitligavereine ein wenig gelassener bei Eckbällen sein können. Wir ja natürlich auch. Bis wieder ein Tor nach einer Ecke fällt, müssen wieder ein paar getreten werden. Oder wie ist das Verhältnis von Statistik und Wirklichkeit?

Nach einem Eckball in der 88. Minute fiel das 1:0 für Dynamo Dresden in einem Spiel, das auch der MSV Duisburg hätte gewinnen können. Ein Zeitpunkt, der die Enttäuschung größer macht. Ein Unentschieden wäre zumindest sehr verdient gewesen. Die Chancen auf ein Tor waren sogar zuvor für den MSV klarer gewesen als für Dresden. Bei Schüssen von Moritz Stoppelkamp und Simon Brandstetter war ich jeweils schon aufgesprungen. Ich hatte meinen Mund aufgerissen zum Torschrei. Tonlos musste ich mich wieder setzen.

Der MSV Duisburg hat in diesem ersten Punktespiel der Saison 2017/2018 gezeigt, diese Saison in der Zweiten Liga wird eine andere als die vor zwei Jahren. Nicht einen Moment ließ die Mannschaft einen Zweifel daran, dass sie in dieser Liga mithalten kann. Wie schwer der Klassenerhalt wird, ist natürlich immer noch eine offene Frage. Das Spiel war spannend und  abwechslungsreich. Mit dem kombinationsstarken Offensivspiel schaffte es die Mannschaft schon in der ersten Halbzeit, Spieler in aussichtsreiche Schusspositionen zu bringen. Bei dieser guten Offensive stand die Defensive meist sicher, und wenn nicht, gab es Mark Flekken. Bei zwei sehr guten Chancen der Dresdner in der ersten Halbzeit zeigte sich Mark Flekken mit großartigen Reflexen zuständig. Zudem strahlte er große Sicherheit aus, wenn es im Strafraum einmal voller wurde.

Im gesamten Spiel waren beide Mannschaften gewillt, für einen Sieg etwas zu riskieren. Dabei wurde die Defensive nicht vernachlässigt. Das machte das Spiel unterhaltsam. Darüber hinaus wurde sehr deutlich, wie wettbewerbsfähig der MSV in dieser Saison ist. Die Spieler hatten keine Schwierigkeiten mit dem höheren Tempo der Zweiten Liga selbst bei der Hitze. Sie hatten offensiv keine Schwierigkeiten mit den engen Räumen und defensiv nur wenige nach schnellem Umschalten der Dresdner. Das alles stimmt mich zuversichtlich. Das war vor zwei Jahren bis in den Winter nicht gegeben. Nun ist es am ersten Spieltag vorhanden. Nun gilt es die Leistung gegen den VfL Bochum zu bestätigten, damit die leisen Stimmen des Misstrauens in mir endgültig vestummen.

Mit dem Sieg durch das Tor nach dem Eckball ist Dynamo Dresden übrigens wahrscheinlich in Abstiegsgefahr geraten.  Wenn ich Fan von Dynamo Dresden wäre, begänne ich mir jedenfalls Sorgen zu machen. Auf jeden Fall würde ich auf kein weitere Tor nach einem Eckball hoffen. Denn die oben erwähnte Statistik verrät noch eins: Je mehr Tore eine Mannschaft nach Eckbällen erzielt, desto wahrscheinlicher wird diese Mannschaft am Ende der Saison auf einem Abstiegsplatz landen.

Die 11FREUNDE-Redaktion fragt – Kees Jaratz antwortet

Zurück in der 2. Liga – das heißt auch mehr Berichterstattung über den MSV durch die versammelten Fußballmedien und mehr Arbeit für mich. Wie gewohnt in den letzten Zweitliga-Jahren der Zebras landete nämlich die E-Mail  mit ein paar launigen Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion im Posteingang. Im Bundesliga-Sonderheft erscheinen dann die Antworten, die von den Erst- und Zweitligabloggern zurückgesendet werden. Ein paar Seiten kostenloser Content für 11FREUNDE. Damit kennen wir uns aus. Für euch nun exklusiv die Sonderedition Jaratz zum MSV des 2017er 11FREUNDE-Jahrgangs.

Die nächste Saison wird eventuell legendär, weil…

nicht nur der Klassenerhalt früh feststeht und die Teilnahme am Pokalfinale den Anfang einer langjährigen Erfolgsära bedeutet, sondern auch der 50-Millionen-China-Deal im Winter – siehe unten – den Verein endgültig saniert

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…

…haben alle im und um den MSV mit anfänglich sehr überlegener Spielweise und der Tabellenführung seit Spieltag neun samt Drittliga-Meisterschaft eine völlig neue Erfahrung des Dauer-Favoriten-Daseins gemacht. Dennoch wurde die Tradition nicht verraten, uns auf den Rängen bis zum Abpfiff am Erfolg zweifeln zu lassen. Tradition! Wichtig!

Auf diesen Videobeweis-Fauxpas freue ich mich besonders:

Foul ist Foul, auch wenn die foulenden Abwehrspieler klein und viele sind während der gefoulte Spieler alleine sowie athletisch und groß ist wie Kingsley Onuegbu. Würde ich gerne im Videobeweis mal sehen.

Für 50 Millionen in Richtung China verlässt uns im Winter…

…Physio, Greenkeeper und zwei Ticketing-Mitarbeiter. An Fußballer aus Deutschland traut sich nach Modeste-Deal-Fast-Scheitern gerade niemand ran.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil…

Beim Pyro-Abo sind wir wie alle dabei. Dazu plädiere ich für Sonderstrafen bei Mickie-Krause-Auftritten vor einem Spiel.

Die neue Vereinshymne sollte komponiert werden von…

Von niemandem. Reden wir nicht drüber, weil Hymnenkram schon immer gegenüber dem Besten vom Besten enttäuscht. Muss ich mehr sagen als Zebratwist?

Aus unserem Team unverzichtbar für Jogi Löw ist in Russland…

Wie Confed-Cup und U21-Euro zeigen, deutsche Fußballspieler hat Jogi Löw ja mehr als genug. Einen Spieler wie Branimir Bajic aber hat er nicht. Mit seinen fast 38 Jahren gibt er inzwischen durch die Aura seines Auftretens auch von der Bank aus Sicherheit bis in alle Ecken des Spielfelds. Wenn es nötig ist, auch auf dem Spielfeld präsent. Großartiger Mann. Deshalb Nationalitäten-Sondersstatus für den Bosnier Bajic.

Fußball schön und gut, aber Weltmeister würde unsere Truppe in…

Textsicherheit beim deutschen Party-Schlager der Gegenwart, der aufklärenden Arbeit des nigerianischen Schlagersammlers und -forschers Kingsley Onuegbu sei Dank.

Auswärts schmeckt gut: Die beste Bratwurst gibt es in…

Überall dort, wo Auswärtssiege den Blick aufs Wesentliche lenken und Geschmackssinne vernebeln.

Jetzt reicht’s: Das müsste passieren, damit ich nicht mehr ins Stadion gehe…

Ich interessiere mich schon jetzt kaum mehr für die Bundesliga oder Champions League. Aber als wandelnder Zuschauer-Widerspruch wird sich das natürlich sofort ändern, wenn mein Verein in die Nähe des nächst möglichen Erfolgs kommt. Sprich: ich weiß nicht, was passieren müsste.

Dieser Filmtitel beschreibt meinen Klub perfekt…

Zurück in die Zukunft

Dieser Twitter-Account ist für Fußballfans unverzichtbar…

Zu viele, um einen zu nennen. Schaut selbst.

Zweite Liga ist eh viel schöner als Bundesliga, weil…

…mich Bundesliga kaum mehr  interessiert. Siehe oben. Und Union Berlin und St. Pauli immer eine Reise wert ist, dabei Bochum und Düsseldorf um die Ecke liegen und die Chance zum Bundesligaaufstieg greifbar nahe ist. Denn siehe oben.

Das ist die zweitklassigste Zweite Liga seit…

…der MSV vor zwei Jahren schon einmal nach dem Zwangsabstieg wieder aufstieg und die Klasse nicht halten konnte. Deshalb beste Aussichten in dieser Saison. Siehe oben.

In der Relegation scheitert diesmal…

…nicht der MSV. Denn die Grammatik der Ruhrgebietssprache verbietet es, das Verb scheitern zusammen mit dem Kürzel MSV zu gebrauchen.

Und wenn ihr nun ganz andere Antworten gewusst hättet, ich bin gespannt. Nachspielzeit in den Kommentaren.


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