Archive for the 'Saison 2017/2018' Category

Spieltagslyrik – No risc no fun

 

Nicht mehr Spektakelfußball sehen
und danach ohne Punkte gehen.
Nun gilt: die Null muss hinten stehen.

No risc no fun.
Doch Punkte dann und wann?

Das defensive trock’ne Brot
macht auf den Rängen Wangen rot,
da Unentschieden, torlos, droht.

No risc and only fun
wenn man den Heimsieg feiern kann.

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Auch 1989 gewann der aufgestiegene MSV gegen Eintracht Braunschweig

Unterhalb der Zweiten Liga gab es in den 1980er Jahren offiziell nur den Amateurfußball. Die Oberliga war die dritthöchste Spielklasse in Deutschland, und in dieser Oberliga spielte der MSV Duisburg für drei Jahre seit der Saison 1986/1987. So konnte der Aufstieg des MSV nach den Jahren in der Oberliga im Juni 1989  „Rückkehr in den bezahlten Fußball“ genannt werden. Das war eine Standardfloskel des Sportjournalismus, die schon damals nicht ganz der Amateuer-Wirklichkeit entsprach.

Mit Blick auf den kommenden Freitag findet sich bei YouTube aus der ersten Zweitligasaison nach den Oberligajahren ein Spielbericht von der Begegnung des MSV gegen Eintracht Braunschweig. Ein Klick, wer die Spieldaten vom 18. November bei Fussballdaten.de nachlesen will. Dieser Spielbericht stimmt passend auf den Freitag ein. Denn damals wie heute trifft der MSV als Aufsteiger auf Eintracht Braunschweig. Wenn ich am Freitagabend dasselbe Ergebnis sähe, wäre ich sehr zufrieden. Uwe Kober erzielte per Foulelfmeter in der 44. Minute das 1:0. Erst in der 86. Minute stellte Ference Schmidt mit dem zweiten Tor für den MSV den Sieg sicher.

Mir ist übrigens aufgefallen, wie sehr sich mein Blick auf den Fußball an die Athletik der Sportler von heute gewöhnt hat. Die Braunschweiger Spieler wirken sogar besonders schmächtig auf mich. Ob das am Schnitt der Trikots lag oder an der Vorliebe für bestimmte Spielertypen in Braunschweig, wo Uwe Reinders als Trainer wirkte. Auch das: Die Bewegtbilder wecken für Momente auch zwiespältige Erinnerungen. Uwe Reinders als Trainer in Duisburg in der Zweitliga-Saison 1992/1993 war kein schönes Kapitel der MSV-Geschichte. Trotz Einhalten des Wegs zum Wiederaufstieg entstand im und um den Verein eine sehr schlechte Stimmung. Die Entlassung von Reinders war die Folge. Halten wir uns lieber an die Saison des Spielberichts und hoffen auf Wiederholung am Freitag.

Mein MSV – Spektakelfußball mit offener rechter Defensivseite

Vor vielen Jahren trainierte ich beim Basketball regelmäßig intensiv die Man-to-Man Defense. Zwei Mann standen dann voreinander, als Verteidiger nahmst du Schrittstellung mit dem Rücken zum Korb ein, den Körperschwerpunkt möglichst weit nach unten verlagert. In dieser Schrittstellung bietest du dem Angreifer immer eine Seite an, auf der du ihn einfacher verteidigen kannst. Als Grundregel gilt dabei, dem Angreifer möglichst nur den Weg zur Seitenlinie zu öffnen. Aber wenn man wagemutig war, zwang man den Angreifer, mit seiner schwachen Hand zu dribbeln, auch wenn ihm dadurch der direkte Weg zum Korb geöffnet wurde.

Dieses individualtaktische Verhalten des Basketballs findet sich in dieser Saison als Teil der Mannschaftstaktik des MSV wieder. Eine Seite, die rechte wird dem Gegner geöffnet, so dass er dort den Durchbruch versucht. Gewollt ist das vermutlich nicht. Die Gegner nehmen diese Einladung zum Durchbruch aber gerne an, und wenn ich heute von einem rabenschwarzen Tag Tugrul Erats lese, kann ich nur sagen, diese Rabenschwärze hat System. Er tut mir leid, weil er in dieser Saison nicht das erste Mal so überfordert war wie gestern im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Und das hat nichts mit dem Offensivdrang des MSV zu tun. Sein Stellungsspiel ist für sein Grundtempo nicht gut genug. Oder er ist nicht schnell genug für sein Stellungsspiel. Das kann man halten, wie man will.

Mit dieser Lücke auf der rechten Defensivseite wird es auch in der Mitte schwer, schnell genug bei den Gegenspielern zu sein. Der Defensive bleibt einfach zu wenig Zeit, sich zu organisieren, wenn es auf der rechten Seite lichterloh brennt. Wenn der MSV in der 5. Minute 2:0 zurückliegt, könnte man meinen, es wird schwer, die Niederlage zu verhindern. Der MSV spielte aber nun zum wiederholten Mal so, dass wir uns nach dem Spiel sagen können, eigentlich war alles da für einen Erfolg. Und dieses „eigentlich“ muss in den nächsten Wochen sehr genau betrachtet werden. Wir können weiter sagen, die Mannschaft hatte die Chance, diese Niederlage zu verhindern. Das konnten wir aber nun schon mehrmals nach einer Niederlage sagen, und allmählich müssen wir uns damit beschäftigen, Zufall und Pech genauer zu identifizieren, damit von der Spielweise der Zebras übrig beibt, wie diese Mannschaft erfolgreich spielen kann.

Moritz Stoppelkamp hat schon früh mit einem vergebenen Elfmeter, die Chance auf den Anschlusstreffen nicht genutzt. Ja, es gab die Chancen, die Niederlage zu verhindern. Die Fortuna wirkte nicht souverän. Ein Spielaufbau war ihr fast unmöglich. Ballbesitz in der eigenen Hälfte führte oft zum blinden Wegschlagen in der Hoffnung, einer da vorne errennt sich diesen Ball. Die Fortuna brauchte das Konterspiel für die Torgefahr.

Dagegen kombinierte der MSV meist sicher und kam zu torgefährlichen Abschlüssen. Dennoch gab es Ballverluste bei so einer Spielweise. Nachdem Moritz Stoppelkamp der Ball in Strafraumnähe abgenommen wurde, rollte die Kontermaschine an, und schon stand es 3:0 zu Beginn der zweiten Halbzeit. Doch der MSV gab immer noch nicht auf. Die Mannschaft erarbeitete sich weiter Chancen. Knapp gingen Bälle am Tor vorbei. Den Lattentreffer hatte es schon vor dem dritten Tor gegeben. Die Krönung aber war ein viermaliges Pfostenbillard, bei dem ich den Beton unter mir mit meiner Fußramme fast zum Zerspringen gebracht hätte.

Der MSV bietet Fußballspektakel bislang in dieser Saison. Bei Twitter überschlugen sich die unparteiischen Zuschauer mit Beifall angesichts des Unterhaltungswertes dieses Spiels. Ach, wäre ich doch nur ein unparteiischer Zuschauer bei Spielen des MSV. Der bin ich nicht, und zum ersten Mal habe ich für einen kurzen Moment nach der Niederlage diese Bedrückung gespürt angesichts der Tabellensituation, jene Bedrückung, die sich einschleicht, wenn man wieder gut gespielt hat, man dennoch ohne Erfolg nach Hause fährt und man weiß, das könnte am Ende der Saison Folgen haben. Die alten individualtaktische Grundlagen aus dem Basketball gehören jedenfalls zur Mannschaftstaktik dieser Saison. Damit gilt es umzugehen. Entweder müssen Stürmer besser treffen oder die Defensive muss gestärkt werden. Eins von beiden muss sich verändern, sonst wird meine Bedrückung demnächst noch länger anhalten. Das will doch niemand, wenn er Anhänger vom MSV ist.

 

 

Zurück in die Zukunft mit 1991er-Bewegtbildern vom Spiel Fortuna – MSV

Neulich habe ich allerlei Bewegtbilder aus alten MSV-Zeiten bei YouTube für einen anderen Zweck als diese Räume hier zusammengesucht. Einer dieser Clips passt nun als Vorprogramm zum Spiel am Montag. Leider fehlt mir die Zeit, um ein paar Worte mehr über dieses 1:1-Unentschieden im September 1991 vom damaligen Bundesliga-Aufsteiger MSV gegen Fortuna Düsseldorf zu schreiben. Vielleicht habt ihr ja Erinnerungen an den Abend. Lasst uns teilhaben und ab damit in die Kommentare. Fürs Fangedächtnis des MSV wäre das natürlich dann sofort auch was.

So viel von mir nur: Der MSV führte damals mit 1:0 durch einen Distanzschuss von Toni Puszamszies. Dieser wunderbare Treffer war eines der wenigen Tore des vor vier Jahren verstorbenen Mittelfeldspielers. Ein wenig Nostalgie befällt mich angesichts des schnörkellosen Torjubels der Spieler. Auf beiden Seiten – denn Fortuna Düsseldorf gelang sieben Minuten vor Spielende der Ausgleich. Es war ein Freitag, aber eben auch ein Abend, und so ein Verlauf wie vor 26 Jahren könnte mir schon gefallen am Montag. Besser geht natürlich immer. Späte Ausgleichstore müssen sich die Zebras der Gegenwart ja nicht unbedingt zum Vorbild nehmen.

Ein 1:3 ist definitiv kein 1:6

So ein 1:3 kann einen schon mal ins Nachdenken bringen, wenn das Heimspiel davor mit 1:6 verloren ging. Ich erkläre gleich warum. Der schlechtesten ersten Halbzeit der Saison folgten nach der Pause drei, vier Minuten Anlaufzeit, um danach für etwa 20 Minuten die Kieler in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Wer darüber nachdenkt, dass das Spiel nach einem Ausgleich hätte anders laufen können, muss sofort auch darüber nachdenken, dass die Kieler vor dem Halbzeitpfiff auch gut 2:0 oder 3:0 hätten führen können. Derlei Nachdenken bringt also gar nichts. Holstein Kiel hat verdient gewonnen.

Nach diesen zwanzig Minuten Powerplay des MSV bahnte sich das zweite Tor der Kieler an. Zweimal hatte ich den Ball schon im Tor der Duisburger gesehen, ehe es dann tatsächlich passierte. Damit war das Spiel in der 73. Minute entschieden. Ich hoffte nicht mehr, sondern hielt aus bis zum Abpfiff. Alles, was nach dem zweiten Tor der Kieler kam, war ohne Bedeutung. Zu tief saß die Enttäuschung über die erste Halbzeit in mir. Verbunden mit dem Anrennen ohne Torerfolg, brauchten meine Nerven Schutz. Abfinden mit der Niederlage war das Rezept dazu.

Man muss es drastisch sagen, in der ersten Halbzeit schienen zwei Mannschaften aus unterschiedlichen Spielklassen auf dem Spielfeld zu stehen. Die Mannschaft des MSV bettelte von der ersten Minute des Spiels an um ein Gegentor. Die Kieler waren immer einen Schritt schneller als die Zebras. Hilflos wirkte die Defensive immer wieder, nicht eng genug an den Gegenspielern, egal, ob diese einen Ball führten oder Pässe erwarteten. Die wenigen Offensivaktionen entstanden fast alle zufällig aus der Verlegenheit, weite Bälle spielen zu müssen, weil das Mittelfeld den Kielern gehörte. Die frühe Verletzung von Boris Tashchy war nur noch ein zusätzlicher Wackerstein, der mitgeschleppt werden musste.

Die zweite Halbzeit tröstet mich nicht über diese katastrophale Leistung in den ersten 45 Minuten hinweg. Und damit komme ich zu meinem  Nachdenken. Interessant ist doch die Frage, ob das vom Ergebnis her schlechtere 1:6 nun wegen der spielerisch guten Leistung besser bewertet werden kann als die für das Torverhältnis bessere 1:3-Niederlage. Schon bin ich bei grundsätzlichen Fragen zum Wesen dieser Gesellschaft. Bei dieser Frage spielt die Überlegung eine Rolle, ob das Ergebnis, also Zahlen alleine von Bedeutung sind oder ob wir uns auch etwas anderes leisten können, Freude am Spiel etwa. Irgendwann heißt die Antwort ohne Zweifel, es geht nur um das in Zahlen ausgedrückte Ergebnis. Aber beginnt nicht Irgendwann eigentlich schon jetzt? Wenn das so ist, gibt es aber gar kein Irgendwann. Ich weiß diese Art Nachdenken ist nicht jedermanns Geschmack. Probieren könnt ihr es ja trotzdem mal. Paradoxien lassen einen so schön verwirrt zurück ohne jegliche Erinnerung an die Beweggründe für das Nachdenken.

Spieltagslyrik – Lernen am Modell

Lernen am Modell

Lernen am Modell gelingt nicht oft so schnell.
Den Alltag miteinander teilen,
Vorbild sein und Vorbild sehen,
so denkt man sonst beim Lernen am Modell.
Die Mannschaft aber braucht den Alltag nicht.
Es reichte ihr ein Tag mit einem Spiel,
um in sich aufzunehmen,
was der Gegner ihr als Beispiel zeigte.
So effizient wie dieser war,
wenn er zu einer Torchance kam,
das kann noch jede Mannschaft gut gebrauchen.
Wie selbstverständlich zeigten sie
beim nächsten Spiel, dem Auswärtsspiel,
dass Chancen Tore werden.
Und nicht mal viele Chancen brauchte es
für dieses Unentschieden,
weil der Gegner sich so irrte bei seinem Lernen am Modell.
Das Vorbild war wohl bei dem Spiel in Duisburg
sein Gegner in dem Spiel von heute,
die andere Mannschaft,
die noch lernen musste,
was Effizienz im Spiel bedeutet.

Notizen zum Spiel samt Spieltagslyrik

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text.

Eigentlich braucht die 1:6-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg sehr viele Worte. Müsste doch ein sehr seltener Eindruck erklärt werden, den der Nürberger Trainer mit einer Wertung auf den Punkt bringt, die jeden, der nicht im Stadion war und nur das Ergebnis sieht, überraschen wird. Er sprach auf der Pressekonferenz von einem engen Spiel. Tatsächlich geben sämtliche anderen statistischen Daten aus dem Spiel als das Endergebnis keinerlei Hinweis auf die Höhe der Niederlage. Ballbesitz, Torschussverhältnis, Zweikampfstärke, egal welche Kategorie, der MSV war besser oder ebenso gut. Knappe Niederlagen kennt man trotz solcher Werte. Solch hohe Niederlage dagegen macht zunächst sprachlos. Dann aber müssen umso mehr Worte gefunden werden, weil erster Eindruck und das so schlechte Ergebnis ins Verhältnis gesetzt werden müssen.

Der MSV Duisburg hat ein eindrucksvolles Offensivspektakel geboten, das ertraglos blieb. Die Schwächen in diesem Spiel sind derart offensichtlich, dass sie von einem Trainer öffentlich besser nicht genannt werden. Denn dieser Trainer muss mit den Spielern dieses Spiels weiter arbeiten. Die Schwächen sind so offensichtlich, dass sie überall schon zur Sprache kamen. Die Mannschaft hat ein Problem beim sicheren Abschluss im Strafraum, wenn ein Spieler frei gespielt wurde, aber eben nur den bekannten kurzen Moment Zeit hat für seinen Torschuss. Die Mannschaft hat ebenfalls ein Problem auf beiden Außenverteidigerpositionen. Auf der rechten Seite deutlich mehr als auf der linken. Wenn ein Gegner bei solchem ergebnislosen Angriffswirbel des MSV derart präzise zu kontern versteht wie die Nürnberger, liegt der MSV schnell mit zwei Toren zurück. Dazu kam ein Schiedsrichter der im Zweifel immer für den Gegner entschied. So fiel das dritte Tor nach einem Freistoß an der Strafraumgrenze, der nicht unbedingt hatte gepfiffen werden müssen. Ein Grund für die Niederlage war der Schiedsrichter allerdings nicht.

Die restlichen Tore fielen, weil der MSV weiter seine Chancen in der Offensive suchte. Mit fliegenden Fahnen untergehen – so etwas gefällt den meisten von uns auf den Rängen besser als der ängstliche Versuch den Schaden zu begrenzen. Wie oft uns so etwas gefallen kann, hängt vom Abstand zum Abstiegsplatz ab. Es wird eine anstrengende Saison.

 

Fußballbinse

Wenn Riesenchancen keine Tore werden
hilft nicht einmal der Fußballgott auf Erden.

Denn vorn kein Tor und hinten welche kriegen,
gewöhnlich langt das Gegnern, um zu siegen.

 


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