Archive for the 'Saison 2019/2020' Category

Dritte Liga 2020/21 – Welcome back, Zebras! Welcome back, Schanzer!

Mit der Relegation versucht die DFL nicht nur dem höherklassigen Verein mit einer letzten Chance die wirtschaftliche Kraft zu retten. Es ist auch der Versuch, dem Verlierer der Ausscheidungsspiele den maximal größten emotionalen Schaden zuzufügen. In dieser Saison ist beides auf vortreffliche Weise gelungen. Was für eine niederschmetternde Dramaturgie war in dieser Saison für den Drittplatzierten der Dritten Liga vorgesehen. Sehe ich nach Ingolstadt bin ich froh, letztes Wochenende schon mit der Saison abgeschlossen zu haben.

Manchmal ist der Fußball eben wie das richtige Leben. Menschen strengen sich an, geben ihr Bestes, um erfolgreich zu sein in den Maßstäben ihrer Gesellschaft. Sie kämpfen um ihre Existenz, arbeiten viel und erreichen trotzdem ihre Ziele nicht. Denn die Regeln in diesem Wettbewerb ergeben hier und dort Nachteile. Da kann man schwermütig oder wütend werden je nach Persönlichkeit, Alter und Geschlecht. Einige träumen gar vom Ausstieg aus dem System.

Dank des Ingolstädter Erfolgs am letzten Spieltag bekamen wir in Duisburg gar keine Gelegenheit zu entsprechenden Gefühlen. Meine Aufregung hielt sich deshalb zum Ende hin in Grenzen. Dieser Dreischritt der Punktverluste gegen Uerdingen, Köln und München war bitter, aber für mich auch immer abstrakter. Denn der Fußball in Bewegtbildern war meiner Gesundheit abträglich. Ich konnte mir das so gut wie nie ansehen.

So zuckten einerseits Ärger und Enttäuschung nach Niederlagen und den Unentschieden kurz in bekannter Weise, andererseits wurde dieser Fußball ohne Stadion immer mehr zu einem unwirklichen Geschehen für mich. Die Spiele gewannen ihre Bedeutung alleine aus meinem Wissen, der Aufstieg schafft beruhigendere wirtschaftliche Verhältnisse beim MSV. Was mir wiederum erst die Gelegenheit gibt, irgendwann mit Freunden wie gewohnt ins Stadion zu gehen. Kuriose widersprüchliche Erfahrungen brachte dieser Fußball in der Coronazeit für mich.

Zwischendurch ging mir in den letzten Tagen allerdings auch durch den Kopf, ob die Mannschaft mit einer anderen Ansprache hätte stabiler ihre guten Leistungen zeigen können. Ich weiß natürlich nicht, wie über Niederlagen und schlechte Spiele gesprochen wurde. Aber mir fiel auf, wie Torsten Lieberknecht auf den Pressekonferenzen Anspruch und Wirklichkeit sprachlich zu fassen suchte. Zum einen geriet ihm beim Versuch, die Mannschaft zu schützen, immer mal wieder aus dem Blick, dass das Saisonziel oben mitspielen hieß. Vor Beginn der Saison wurde nicht darüber nachgedacht, diese Mannschaft könne in der unteren Tabellenhälfte landen. Was hatte man der Mannschaft zugetraut?

Mir geht es nur um den sprachlichen Umgang mit den Rückschlägen, ohne das Ziel Aufstieg aus den Augen zu verlieren. Dieser Aufstieg war laut Torsten Lieberknecht fast immer ein „Traum“, für den die Mannschaft alles tat. Für mich klang das dann nicht nach einem realistisch erreichbaren Ziel, dem konkrete Schritten vorangehen. Für mich klang das immer eine Nummer zu groß, zu ehrfurchtsvoll, zu unwirklich angesichts der konkreten Erfahrung der Manschaft, angesichts von Siegen nach deren gutem Fußballspiel. Wirkt so etwas atmosphärisch im komplexen Fußballgeschehen? Natürlich steht bei der Fehleranalyse der Fußball selbst an erster Stelle. Hoffen wir, dass die gelingt. Denn selbstverständlich heißt es sofort nach Saisonende, wir greifen wieder an. Wie soll es aber auch anders heißen? Über den verringerten Etat denke ich dann später nach.

Kaum Worte, außer noch geht’s weiter

Zwei Punkte verloren durch einen geschenkten Ausgleich gegen Uerdingen.

Einen Punkt verloren durch ein geschenktes Tor zum Sieg von Viktoria Köln.

Zwei Punkte verloren durch ein Tor kurz vor dem Schlusspfiff in der Nachspielzeit gegen Bayern München II, nachdem der Sieg zweimal möglich schien.

Diese kurze Liste ist keine Beweisführung für mangelnde Qualität der Mannschaft sondern ein Ausdruck der Hoffnung.

Merke: Eine Mannschaft, die Tiefschläge wie diese wegsteckt, wird – so sie die Relegation erreicht –  psychisch stärker sein als der höherklassige Gegner 1. FC Nürnberg. Der große Nachteil der kürzeren Regenerationszeit kann damit ausgeglichen werden.

Mein Glaube braucht auch Fakten – Samt Tabellenrechner-Soll-Haben-Quatsch

Seit dem Spiel gegen die Viktoria bin ich wieder raus. Ihr wisst, mich regen diese Spiele des MSV am Fernseher einfach zu sehr auf, weniger wenn es schlecht läuft für den MSV, als wenn die Zebras schlecht spielen. Samstag war ich während des Spiels vom MSV gegen Halle kurz bei meiner Mutter. Im Nebenzimmer lief die Übertragung. Die beiden Gegentore hatte ich zum Glück nicht sehen müssen. Doch die Bewegtbilder zogen mich an. Hin und wieder wagte ich einen Blick.

Sofort war ich mit einem Fehlpass auf drei Metern konfrontiert. Beim nächsten Blick sah ich eine Balleroberung, der ein weiter Pass ins Nichts folgte. Ich sammelte noch einen Torschuss aus etwa zwanzig Metern, der vier, fünf Meter über das Tor ging; den Versuch unbedrängt zu einem völlig frei stehenden Mitspieler über 15 Meter abzuspielen, dieser Ball ging ins Aus; außerdem einen Eckball, der gefahrlos geklärt wurde.

Das war eine Zufallsauswahl, anscheinend zum falschen Zeitpunkt. Denn irgendwas haben die Zebras dann ja wohl doch richtig gemacht. Das Spiel endete schließlich mit 2:2. Wenn ich diese erfolgreicheren Versuche ein Tor zu erzielen im Wechsel mit diesen Fehlern der Mannschaft gesehen hätte, könnte ich heute wahrscheinlich kein Wort schreiben, zu sehr hätte ich mich aufgeregt.

Das muss ich glauben, wenn ich mir über so etwas Gedanken mache. So wie alle beim MSV laut Ivo Grlic an den Aufstieg glauben. Das sprang mir gerade im dahin ziehenden Timeline-Fluss ins Auge. Irgendwer hat es retweetet und natürlich weiß ich nicht, ob auch diese Sätze im Original aller Verleumdungsorgane, echt nur mit vier Buchstaben, erfunden sind. Ist in dem Fall aber auch egal. So oder ähnlich muss es natürlich ein Verantwortlicher des MSV vor den letzten zwei Spieltagen sagen.

Glauben ist ja etwas anderes als hoffen, das hat mehr Nachdruck. Ich selbst habe mit dem Glauben ein paar Schwierigkeiten. Ohne Nachweise für den Glauben tue ich mich schwer. Das muss was mit den Genen zu tun haben. Schon als Kind konnte mich deshalb der alte Ruhrorter Pastor, der den katholischen Religionsunterricht an der Grundschule verantwortete, nicht wirklich von seinem Verein überzeugen. Ich wollte Beweise.

Da dachte ich dann abends vor dem Einschlafen, du bist doch allmächtig, lieber Gott, also mach es mir ein bisschen einfacher, an dich zu glauben. Zeig mir, dass es dich gibt. Das sollte gar nichts Großes sein. Ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn mein Ball am nächsten Morgen in der anderen Ecke vom Zimmer gelegen hätte. Das klappte schon mal nie. Ein anderes Mal wollte ich es ihm wohl einfacher machen. Ich dachte, vielleicht ist er eher bereit etwas zu machen, was er im Vorbeigehen bei sich zu Hause zeigt, so ein Himmelszeichen.

Doch nichts geschah da oben, während ich in den schwarzen Nachthimmel hinaufstarrte. So ließ ich es schlechten Gewissens mit dem Glauben. Andererseits kann es natürlich auch an dem unsympathischen Vertreter des Glaubens gelegen haben und seiner schwarzen Pädagogik. Mein Gott, was hat der Mann im Unterricht herumgeschrien. Wir waren so klein und er so jähzornig. Wie soll man denn bei so einem Mann auf die Idee kommen, er habe irgendwas anzubieten, was für das Leben hätte von Wert sein können.

In dieser Hinsicht ist Ivo Grlic gegenüber diesem damaligen Vertreter der katholischen Kirche im Vorteil. Ich wäre sehr geneigt, seinem Glauben anzuhängen. Andererseits fehlen mir auch in dem Fall wenigstens kleine Beweise für den Glauben. Es fehlt die überzeugende Leistung der Zebras, die mir und vor allem den Glaubensanhängern im MSV selbst sagt, ihr werdet im nächsten Spiel eine Mannschaft schlagen, die in diesem Corona-Special noch nicht verloren hat. Aber wer weiß, vielleicht werde auch ich in meinem Leben noch bekehrt. Ich möchte es so gerne glauben.

Wer noch noch nachschauen will, wie meine Tabellenrechner-Prognose am 33. Spieltag von der Realität abweicht, bitte schön. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht und der sich daraus ergebende Tabellenplatz am Saisonende, sollten meine Prognosen nun alle eintreffen.

1. FC Bayern München II 64 (1. mit 70 P) +/- 0 = 1. mit 70 P

2. Würzburger Kickers 63 (2. mit 67 P) + 2 = 2. mit 69 P

3. Eintracht Braunschweig 61 (4. mit 66 P) + 1 = 3. mit 67 P

4. FC Ingolstadt 60 (7. mit 60 P) + 5 = 4. mit 65 P

5. MSV Duisburg 58 (3. mit 66 P) – 5 = 6. mit 61 P

6. Hansa Rostock 56 (5. mit 64 P) – 2 = 5. mit 62 P

7. Waldhof Mannheim 55 (6. mit 63 P) – 5 = 7. mit 58 P

8. SV Meppen 52 (12. mit 48) + 4 = 10. mit 52 P

9. TSV 1860 München 55 (8. mit 59) +/- 0 = 8. mit 59 P

10. SpVgg Unterhaching 50 (9. mit 56) – 3 = 9. mit 53 P

37. Spieltag

38. Spieltag

Ein letztes Mal? – Soll und Haben beim Tabellenrechner – 35. Spieltag

Wenn ein unglückliches Geschehen seinen Lauf genommen hat, gibt es nicht viel dazu zu sagen. Die Zahlen sprechen für sich. Wahrscheinlich werden die ersten vier Vereine ihren Tabellenplatz verteidigen. Sie hatten nichts zu verlieren. Sie hatten immer nur zu gewinnen. Ein psychischer Vorteil. Der MSV hatte alles zu verlieren. Es sieht so aus, als könne daran nichts mehr geändert werden.

Zweimal habe ich hier schon Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ als Mottolied für ein Spiel gepostet. So weit ich mich erinnere, folgte die Wirklichkeit nicht Ebsteins Botschaft. Heute wäre es mal wieder Zeit für dieses Lied. Ich lasse das, um die kühle Wahrheit der Zahlen in ihrer Wirkung nicht zu beeinträchtigen.

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose am 33. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht und der sich daraus ergebende Tabellenplatz am Saisonende, sollten meine Prognosen nun alle eintreffen.

 

1. FC Bayern München II 61 (1. mit 70 P) +/- 0 = 1. mit 70 P

2. Eintracht Braunschweig 61 (4. mit 66 P)  + 2 = 3. mit 68 P

3. Würzburger Kickers 60 (2. mit 67 P) + 2 = 2. mit 69 P

4. FC Ingolstadt 57 (7. mit 60 P) + 5 = 4. mit 65 P

5. MSV Duisburg  57 (3. mit 66 P) – 3 = 5. mit 63 P

6. Hansa Rostock  56  (5. mit 64 P) – 2 = 6. mit 62 P

7. Waldhof Mannheim 54 (6. mit 63 P) – 3 = 7. mit 60 P

8. SV Meppen 52  (12. mit 48) + 4 =  10. mit 52 P

9. TSV 1860 München 52 (8. mit 59) +/- 0 = 8. mit 59 P

10. SpVgg Unterhaching 50 (9. mit 56) – 3 = 9. mit 53 P

 

36. Spieltag

 

 

 

 

Elegie auf den Tabellenrechner

Elegie auf den Tabellenrechner

Menschen sagen, früher war es besser.
Heute weiß ich, Menschen haben recht.
Golden war die Zeit im Gestern,
als Zukunft noch erfülltes Sein verhieß.

Denn gottgleich war ich,
Herrscher über Ball und Punkte.
Ich hatte Variables fest im Griff.
Mensch ist längst schon nur Maschine,
lebt, was Algorithmen weisen.
Ich dagegen wurde frei
mit dem Tabellenrechner,
belebte alten Dualismus Geist und Körper,
wenn dieser Geist, mein Geist, bestimmte
Fußballspielerkörper in der Liga,
bestimmte, wer verlor und siegte.

Mein Geist war frei im Wissen um die Macht,
noch jedes Spielergebnis vorzugeben,
irrend allenfalls in dem Detail,
das große Ganze aber ungefährdet,
ersehnter Platz für den Verein
in der Tabelle, letzter Spieltag.
Für den Verein.
Für den Verein
mit dem Saisonziel.
Die Zauberworte für das große Ganze.

Welch beschämend irrer Glaube
trug mich all die Jahre.
Auch Tabellenrechner sind Maschinen,
die am Ende mich bestimmen.
Verloren der Verein.
Besiegt von Spielerkörpern,
die ganz anderem Maschineneinfluss folgten.

Verloren sind die unsichtbaren Mächte,
die mich gottgleich fühlen ließen.
Abschied nehmen.
Traum.
Tabellenrechnerschaum.
Es bleibt bewahren.
Es bleibt erleben
und das Sein im Schmerz erfahren.

 

Soll und Haben beim Tabellenrechner – 34. Spieltag

Weiter sieht es so aus, dass sich bislang nur die Zebas von den ersten Mannschaften nicht an meine Prognosen gehalten haben. Heute könnte die Mannschaft das noch einmal mal machen, um dann allerdings besser zu sein als von mir getippt. Sieg statt Unentschieden. Dann folgten alle wieder meinem Plan. Natürlich hätte ich auch nichts dagegen, wenn die anderen acht Mannschaften unerwartete Niederlagen einheimsten.

Den Notausgang Unentschieden habe ich aber auch im Auge. Da Ingolstadt, Mannheim und 1860 noch gegeneinander spielen und Rostock gegen Würzburg, kann es sein, dass 7 Punkte in den vier Spielen für den Relegationsplatz reichen.

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose am 33. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht. Ihr könnt also errechnen, wo die Vereine am Ende stehen werden, sollten meine weiteren Prognosen dann eintreffen.

 

1. FC Bayern München II 58 (1. mit 70 P) +/- 0

2. Eintracht Braunschweig 58 (4. mit 66 P)  +/- 0

3. MSV Duisburg  57 (3. mit 66 P) – 2

4. Würzburger Kickers 57 (2. mit 67 P) +/- 0

5 . Hansa Rostock  55  (5. mit 64 P) +/- 0

6. FC Ingolstadt 54 (7. mit 60 P) +/- 0

7. Waldhof Mannheim 54 (6. mit 63 P) +/- 0

8. TSV 1860 München 52 (8. mit 59) +/- 0

9. SV Meppen 49 (12. mit 48) + 2

10. SpVgg Unterhaching 49 (9. mit 56) – 1

 

35. Spieltag

 

 

 

 

Stärkt das Erfolgs-Unentschieden für die Pflichtsiege?

Das torlose Unentschieden des MSV gegen Rostock war ein Erfolg. Das ist keine Frage. Die vielen Ausfälle hatten die Mannschaft geschwächt. So ergab sich ein spannendes Spiel, und die Zebras waren besser, als es der Kommentar des WDR-Reporters vermuten lässt. Er hatte nur den Blick für die Offensivbemühungen der Rostocker und schloss aus denen auf einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen beiden Mannschaften. Damit verkennt er nicht nur die sehr gute Defensivleistung des MSV völlig, auch hat er die andere Spielanlage der Zebras für die Offensive komplett übersehen.

Natürlich sieht das Spiel einer Mannschaft ansehlicher aus, die wie die Rostocker öfter als der Gegner im Kurzpassspiel den Ball in die gegnerische Hälfte bringen. Die Bewertung muss doch aber auf das taktische Gesamtkonzept abzielen. Der MSV hat sehr variabel versucht, die gegnerische Deckung zu überwinden. Obwohl die Defensive so geschwächt war, hat sich die Mannschaft nicht komplett zurückgezogen und ging ein wohl kalkuliertes Risiko für die Offensive ein. Die Defensive der Rostocker war nun einmal sehr gut.

Die Zebras versuchten es mit halblangen Bällen, mit intensiven Dribblings und plötzlichem Kurzpassspiel. Das wirkt dann vielleicht bruchstückhafter, aber ist nicht minder taktisch anspruchsvoll wie das Spiel der Rostocker. Ich habe keine große Überlegenheit Hansas erkennen können. Dass diese Rostocker sich dann vielleicht zwei Chancen mehr erspielten, lässt ein grundsätzliches Urteil über den Qualitätsunterschied in meinen Augen nicht zu.

Mein Gemütszustand ist nämlich immer ein besonders feinfühliger Indikator für die Gefahr, in der der MSV in einem Spiel schwebt. Dieses Spiel war ohne Frage spannend, dennoch konnte ich es mir ansehen. Die Zebras gerieten nicht unter Druck, dem irgendwann unweigerlich ein Tor hätte folgen können. In so einem Spiel kann auf jeder Seite ein Tor fallen. Für einen Kommentator wie den des WDR wäre so ein Tor des MSV wahrscheinlich aus dem Nichts gefallen, während ein kluges Konzept der eigentliche Grund gewesen ist.

Es hilft aber alles nichts, ab dem Spiel gegen Köln beginnt die Zeit der notwendigen Siege. Sicher bin ich mir denen nicht. Was passiert, ist abhängig von Tagesform und genesenden Spielern. Drei Siege müssen her für den sicheren Aufstiegsplatz. Zwei Siege und ein Unentschieden könnten bei gutem Torverhältnis wahrscheinlich für den Relegationsplatz reichen. Wir werden sehen.

Soll und Haben beim Tabellenrechner – 33. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose am 33. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht. Ihr könnt also errechnen, wo die Vereine am Ende stehen werden, sollten meine weiteren Prognosen dann eintreffen.

Es sieht ziemlich dumm aus, dass sich ausgerechnet die Zebras als einzige Mannschaft sich nicht an meine Prognose des letzten Spieltags gehalten haben und statt zu siegen nur ein Unentschieden holten. Hoffen wir für den weiteren Verlauf, sie übertreffen alle meine Erwartungen und die anderen entschließen sich doch zu schlechteren Ergebnissen.

1. FC Bayern München II 57 (1. mit 70 P) +/- 0

2. MSV Duisburg  56 (3. mit 66 P) – 2

3. Eintracht Braunschweig 55 (4. mit 66 P)  +/- 0

4. Hansa Rostock  54  (5. mit 64 P) +/- 0

5. Würzburger Kickers 54 (2. mit 67 P) +/- 0

6. FC Ingolstadt 51 (7. mit 60 P) +/- 0

7. Waldhof Mannheim 51 (6. mit 63 P) +/- 0

8. SpVgg Unterhaching 49 (9. mit 56) +/- 0

9. TSV 1860 München 49 (8. mit 59) +/- 0

 

34. Spieltag

 

 

 

 

Kräfte bündeln mit dem Tabellenrechner 2020

Auch wenn im Zebrastreifenblog während der letzten Saison die Kraft des Tabellenrechners gelitten hat, denke ich an all die anderen triumphalen Jahre als Gott der Zweiten und Dritten Liga. Ich sagte Aufstiege voraus und verhinderte Abstiege. Ich glaubte immer an die Mannschaft der jeweiligen Saison. Vor meinen großen Zweifeln an der Mannschaft im letzten Jahr verschloss ich die Augen. Die Mannschaft in diesem Jahr hat mein Vertrauen. Sie kann den Aufstieg schaffen. Sie kann die Kraft des Tabellenrechners deshalb sehr viel besser aufnehmen als die Mannschaft des letzten Jahres.

Der Einfachheit halber habe ich wieder nur 1:0-Siege oder torlose Unentschieden prognostiziert. Ihr wisst selbst, die Prognose in dieser Saison ist aber noch unsicherer als unter üblichen Wettbewerbsbedingungen. Es sieht so aus, als seien ungewöhnliche Ergebnisse jederzeit möglich. Die Konstante in meiner Prognose aber bleibt dieselbe wie in den Vorjahren. Ich habe die Ergebnisse des MSV so schlecht wie möglich und so gut wie nötig gewählt, entsprechend umgekehrt habe ich es bei den Konkurrenten im Aufstieg genommen. Deshalb kommt es in meiner Prognose zu dem unbedingt nötigen Sieg in einem Endspiel gegen Unterhaching. Der MSV wird dann Dritter. Weil die Bayern nicht aufsteigen dürfen, würden die Zebras als Zweiter direkt aufsteigen. Natürlich hoffe ich auf die zwei besseren als von mir prognostizierten Ergebnisse in den Spielen gegen Rostock und Köln.

Der einzige Grund für das Anwenden meines Tabellenrechners ist ja, uns allen ein Gefühl der Sicherheit zu geben, falls es mal nicht so gut für die Zebras läuft. Uns allen heißt in dieser Saison sogar weniger uns Anhängern, weil keiner im Stadion für Unruhe sorgen könnte, falls jemand bei drohenden Niederlagen die Nerven verliert. Uns allen heißt in diesem Fall sogar eher Spieler und Verantwortliche im Verein, die mit Zahlen nun deutlich vor Augen haben, was jedem in Liga 3 klar ist, bis zum letzten Spieltag könnte alles offen sein.

Wie gewohnt gibt es nach jedem Spieltag zur besseren Orientierung den Abgleich mit den Ergebnissen,. So lange, bis irgendetwas entschieden ist.

 

 

 

Punktverlust mal zwei ist noch viel besser als der Punktgewinn

Moderatoren folgen als Handwerker oft den ungeschriebenen Gesetzen der Improvisation bei Baumaßnahmen. Ist der Zeitdruck zu groß verspachteln sie mit herumliegenden groben Holzstücken und Eimern Füllmasse tiefe Risse zwischen den präsentierten Themen. So überrascht es nicht, dass am Samstag der Moderator im WDR den abwegigen Kommentarklassiker der Fußballberichterstattung lächelnd in die Kamera sprach, die Fans würden sich jetzt sicher fragen, warum der MSV nicht von Anfang so gespielt habe wie zum Schluss.

Nun, für meinen Teil kann ich sagen, das frage ich mich nicht. Diese Frage wird sich niemandem stellen, der das Spiel mit klarem Verstand gesehen hat. Warum das so ist? Weil der MSV in der ersten Halbzeit versucht hat, so zu spielen wie in den letzten zwanzig Minuten und es zunächst auch nicht so aussah, als ob die Zebras sich nicht durchsetzen könnten. Doch zwei Gründe haben den Erfolg verhindert. Sie hängen unmittelbar zusammen. Der MSV und Würzburg rangen in dieser ersten Halbzeit um die Hoheit des Spiels. Es war nicht abzusehen, welche der beiden Mannschaften sich einen entscheidenden Vorteil erspielen könnte.

Für mich wird die bis jetzt zu hörende Geschichte der ersten Halbzeit zu sehr von deren zweiter Hälfte und dem Führungstor der Kickers bestimmt. Selbst Torsten Lieberknecht bewertete diese erste Halbzeit ja nur mit dem Blick auf die Zeit nach der Verletzung von Moritz Stoppelkamp. Das ist der eine Grund, warum sich in der ersten Halbzeit die Würzburger durchsetzten. Nachdem Moritz Stoppelkamp ausgewechselt werden musste, brauchte die Mannschaft Zeit, um sich zu orientieren.

Moritz Stoppelkampf trägt in dieser Mannschaft eine Verantwortung, die über die spielerische Qualität hinauswirkt. Wie früher Branimir Bajic wirkt er alleine durch seine Anwesenheit, weil er der Mannschaft Vertrauen gibt. In der Not ist er da. Selbst wenn also ein Spieler mit identischen spielerischen Möglichkeiten hineinkommt, schwächt die Stoppelkamp-Abwesenheit nach Auswechslung.

Der zweite Grund für die spürbar werdende Gefahr eines Misserfolgs ist die hohe Intensität, mit der die Kickers weiter im Spiel blieben. So erspielten sie sich die Überlegenheit in dieser ersten Halbzeit, die nicht nur mich immer mehr auf die Pause hoffen ließ. Die Zebras brauchten Ruhe zur Neuorientierung. Sofort nach der Stoppelkamp-Verletzung habe ich nur noch auf das Unentschieden gehofft.

Trotz der immer überlegener spielenden Kickers und ihrer Chancen war das Führungstor nicht zwingend zu erwarten gewesen. Dazu brauchte es kurz vor dem Halbzeitpfiff einen Freistoß nahe Strafraumgrenze und Torauslinie. Dazu brauchte es eine überflüssige Grätsche von Arnold Dubimbu. Im Ansatz war zu sehen, die Flanke war geschlagen und das Hineinrutschen holte den Würzburger Stürmer viel zu spät von den Beinen. Freistoß, Kopfball, Tor. Eine sehr gute Mannschaft kann das aus dieser Freistoßposition.

Zunächst war nach dem Wiederanpfiff in Halbzeit zwei nicht erkennbar, dass dem MSV der Ausgleich gelingen könnte. Noch knüpften die Kickers an die erste Halbzeit an, ohne dauerhafte Torgefahr zu entwickeln. Die wirklich klare Chance ergab sich aus dem fehlerhaften Rückpass von Matthias Rahn, den Leo Weinkauf gegen den Würzburger Spieler ablief. Beide Trainer bewerteten das Fallen des Würzburgers als mögliches Foul und den ausgebliebenen Schiedsrichterpfiff als Glück der Zebras. Für mich sah dieses Fallen nicht unbedingt nach einem Foul aus.

Doch je länger das Spiel dauerte und den Kickers kein zweites Tor gelang, desto größer schien die Angst zu werden, diesen Sieg noch zu verlieren. Das Spiel war ab Mitte der zweiten Halbzeit längst wieder im Gleichgewicht. Allmählich begann sich der MSV nun die Überlegenheit zu erspielen. Kombinationen gelangen. Läufe und Pässe wurden risikoreicher und damit gefährlicher. Schließlich hatten Vincent Vermeij und Leroy Mickels zwei klare Chancen zum Ausgleich. Nachdem Mickels seine Chance vergab, begann ich mich mit der Niederlage abzufinden.

Ruhig ansehen konnte ich es mir schon nicht mehr. Ich rannte aus dem Zimmer, kam zurück und sah dann den Angriff über den rechten Flügel. Die Flanke kam zu meiner Enttäuschung zu kurz. Doch hinzu kamen die Zufälle des Fußballs. Der Torwart musste zum Ball gehen und konnte ihn nicht sicher genug abwehren. Der Ball kam zum frei stehenden Sinan Karweina. Kurz befürchtete ich, er könne noch über das Tor schießen. Aber nein. Ausgleich. Das Bangen in den Schlussminuten habe ich dann ohne Bewegtbilder verbracht. Dieses Unentschieden ist genauso wichtig wie der Sieg in Kaiserslautern. Der gewonnene Punkt ist dabei sogar weniger wichtig, als dass Würzburg zwei Punkte verloren hat.

Wenn ich zudem die Leistung des MSV in den letzten Minuten sehe, wächst mein Vertrauen weiter angesichts der immer deutlicher werdenden Belastung dieser Restsaison für alle Mannschaften. Es gibt eine gute konditionelle Grundlage, diese Saison zu durchstehen. Es geht auch um das Einteilen der Kräfte. Wenn jetzt noch Moritz Stoppelkamp nur kurz ausfiele. Hoffen wir das Beste, und morgen schmeiße ich zur Beruhigung den Tabellenrechner an.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: