Archive for the 'Fundstücke' Category

Fundstück – MSV-Geschichte in drei Sätzen

Am Samstag leitete in der Süddeutschen Zeitung eine MSV-Geschichte im Holzschnitt den Artikel über die Merkwürdigkeiten beim DFB rund um das Wirken von Rainer Koch ein. Duisburg spielte nämlich unlängst neben dem MSV eine Rolle für den deutschen Fußball.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte eine Anzeige gegen Unbekannt zu bearbeiten. Dass die Anzeige lediglich ein weiteres Instrument im großen Ränkespiel beim DFB war, zeigte sich deshalb, weil die Ermittlungen keine Anzeichen für das behauptete Hacken ergaben. Mit dieser Behauptung hatten journalisitische Berichte ins schlechte Licht gerückt werden sollen. Die Geschichte ist sehr kompliziert in ihren Details. Dass Rainer Koch im Zentrum steht, überrascht mich aber nicht. Hatte ich ihn doch in den ersten Pandemie-Wochen als einen Funktionär erlebt, der mit harten Bandagegen für eigene, verdeckte Interessen kämpft und die Wahrheit eines Geschehens zum eigenen Vorteil in der Öffentlichkeit zurechtbiegt.

Das alles soll heute aber nur am Rande interessieren. Wichtiger ist der Blick auf das, was erzählt wird, wenn die MSV-Geschichte auf drei Sätze reduziert wird. Die legendären vier Dietz-Toren gegen Bayern sind für uns natürlich auch immer wieder erzählenswert, als dritter Teil einer Holzschnitt-Geschichte aber in meinen Augen unpassend. In einer Zeitung aus München allerdings dienen die vier Tore gegen die Bayern der abrundenen Pointe. Mit großem zeitlichen Abstand erinnert es sich an vergangenen Ärger eben mit leisem Schmunzeln und Respekt.

MSV-Fans lassen Sektkorken knallen nach sensationeller Verpflichtung

Der Einsatz in der Liga ist des Fußballjournalisten kürzester Weg zum Qualitätsnachweis. Was habe ich gejubelt, als ich diese Nachricht etwas verspätet in der Timeline las. 21-fach! Unfassbar. 2. Liga. Und das beim MSV. Da hat Ivo Grlic ja mal was völlig Überraschendes aus dem Hut gezaubert.


Und da der Fußballunterhaltungsbetrieb in immer tieferen Ligen den Lebensunterhalt als Fußballprofi möglich macht, werden wir wohl bald in den Lokalzeitungen dieser Republik Meldungen zu Spielerverpflichtungen sehen mit heute noch kurios anmutenden Überschriften: Wacker Meiderich verpflichtet 12-fachen Bezirksligaspieler. Sportdirektor Karl van Laak: Wir wollen noch einmal von vorne anfangen!

Spendengeld dem MSV statt der AfD

Wenn sich journalistische Aufklärung von Parteienfinanzierung der AfD und der MSV derart begegnen wie in der letzten Folge des Podcasts Wir und Heute, darf der Zebrastreifenblog auch mal zum Organ der politischen Information werden. Ihr solltet den gesamten Podcast hören, auch wenn fürs erste der Clip beim Alternativvorschlag vom „Steiger“ Martin Kaysh an den aus Duisburg stammenden Milliardär Henning Conle startet, dem MSV statt der AfD Geld zu spenden. Dass er der Partei mutmaßlich illegale Geldspenden zukommen ließ, ist schon länger bekannt. Die AfD hat wegen dieser Spenden gleich zwei Strafbescheide von der Bundestagsverwaltung erhalten.

Laut jüngsten Recherchen von CORRECTIV und Frontal21 bestätigte nun die ehemalige Sprecherin der AfD Frauke Petry mehrere Treffen von Henning Conle mit der Parteispitze der AfD, bei denen er anonyme Spenden angeboten haben soll. Im Podcast ist der Journalist Markus Bensmann von CORRECTIV zu Gast und erzählt von den Recherchen sowie möglichen strafrechtlichen Folgen für die AfD-Spitzenpolitiker. Das Hören des Podcasts lohnt also nicht nur wegen des begrüßenswerten Vorschlags von Martin Kaysh, sondern vor allem um zu verstehen, wie der AfD-Einfluss auf die öffentliche Meinung durch illegale Spendengelder und vermeintlich unabhängige Anzeigenkampagnen verstärkt wurde.

Lars Windhorst und die Naturgesetze

Gestern präsentierte die Süddeutsche Zeitung im Sportteil die Krisen der Gegenwart in einem einzigen Satz, indem Hertha-Investor Lars Windhorst in einem Interview über einen weit verbreiteten Glauben sprach. Wahrscheinlich hat er recht, schließlich reguliert auch die Schwerkraft auf der Erde das Leben zum größtmöglichen Wohle aller überaus wirksam. 

Fundstück – extra 3 Vorbild Fußballer – Scheißegal

Gestern Abend tauchte folgender Clip in meiner Netzblase auf. Ich gebe zu, der Text ist mehr was für die Säle des Karnevalhumors. Holzhammer und dicker Pinsel lassen aber auch schmunzeln im Zusammenspiel mit zusammengeschnittenen Werbeclipbildern von Fast-Food, Snack und Co. Kann man mit in den Tag starten, wenn ihr weiter zu Youtube klickt.

Fundstück – Legendeninflation

Beim Einloggen in den web.de-Account zog ein Teaser des Qualitätsmediums der Fußballberichterstattung an mir vorbei mit einem Wort, das mich schmunzeln ließ. Denn das Wort sollte mächtig Wind machen über einen der besten Windmacher in der Windmacherbranche, also eine wirkliche Windmacher-Legende. Mir war ganz unbekannt, dass die Handbücher für Contentmanagement und Clickbating unter Neururer, Peter neben „Experte, der“ auch „Legende, die“ verzeichnen.

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Fundstück: Matthias Reuter mit der Lederhosenschizophrenie in Gelsenkirchen

Manche der Beiträge hier haben ihren jahreszeitlich bedingten Grund. Neujahrsgrüße kommen im Sommer schlecht an. Besinnliche Adventsgedichte passen nicht zu knospender Natur. Deshalb liegt Matthias Reuter mit seinem gesungenen Kommentar zur grassierenden Oktoberfestlust im Ruhrgebiet schon knapp zwei Jahren bei mir auf Halde. Letztes Jahr ist mir „Oktoberfeste im Revier“ aus dem Blick geraten. Dieses Jahr nun habe ich dran gedacht.

Zu einem Fußballblog passt dieses Lied auch, weil der spöttelnde Text ab Minute 4.00 mit der letzten Strophe in eine Pointe mündet, mit der die Lust am Oktoberfest und gleichzeitiges Fußballfantum auf Schalke zum Ausdruck einer milden Schizophrenie wird.

Jérôme Boateng – In Interviews so deutlich wie wenige Fußballprofis

Am Mittwoch veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein ganzseitiges Interview mit Jérôme Boateng – für SZ-Leser mit Online-Abo per Klick. Es lohnt sich, Interviews mit ihm zu lesen. Denn Jérôme Boateng gehört zu den wenigen aktiven Spielern, die ihre Meinung bei Konflikten nicht verhehlen. Wenn er spricht, gibt es stets auch einen Einblick in die Welt des Fußballs, der über das individuelle Spielerleben hinaus führt. Mit seiner Meinung nimmt er uns mit auf die Hinterbühne des Fußballs. Nachvollziehbar und klar vertritt er seine Interessen in dem Spannungsgefüge von Verein, Mannschaft und individueller Karriere.

Außerdem sind uns in Duisburg von Jérôme Boateng die neulich schon von mir festgestellten strukturellen Gemeinsamkeiten von Nationalmannschaft und dem MSV der ersten vier Spiele bestätigt worden.

 

 

Timothy Garton Ash über Deutschland als Zidane Europas

Gerade erst in der Süddeutschen Zeitung vom 1. Mai gelesen: Wenn der britische Historiker und Publizist Timothy Garton Ash über die Rolle Deutschlands im gegenwärtigen Europa nachdenkt, nimmt er den Fußball und Zinédine Zidane zum Vergleich. Timothy Garton Ash denkt immer anregend über Europa und seine Schwierigkeiten nach. Wahrscheinlich unbeabsichtigt aber unterstreicht der Zidane-Vergleich die aktuellen Schwierigkeiten Europas. Zidanes große Zeit ist schon einige Jahre her, die Probleme Europas sind gegenwärtig.

 

Pelé im Düsseldorfer Weindorf der 60er – Fußball- und Lokalhistoriker sind gefragt

Ein Fundstück im Fotoalbum eröffnet eine Welt und regt zu Geschichten an. Pelé ist mir am Wochenende etwas näher gerückt, weil eine Tante ab Ende der 1950er Jahre bis in die 60er hinein im Düsseldorfer Weindorf gekellnert hat. Das Weindorf muss seinerzeit ein renommiertes Lokal gewesen sein. Den Ruf hatte es auch erworben durch Prominenz der Gäste.

Auf dem im Weindorf aufgenommen Foto erkenne ich einen Prominenten und das ist Pelé. Das Foto ist mehr als ein Erinnerungsschnappschuss, denn es erzählt offensichtlich eine Geschichte. Die wahren Fußballfreaks unter euch wissen vielleicht, wer der Mann ist, auf dessen Schulter die Hand der kellnernden Tante liegt. Vermutlich ist das ebenfalls ein Fußballer. Der stehende Mann rechts, Pelé, der trinkende Mann und die Kellnerin bilden die eine Gruppe des Bildes. Die drei älteren Männer am Tisch bilden die andere Gruppe, die vom Drama hinter ihnen nichts mitbekommen. Auf dem Tisch befindet sich ein Wimpel der ehemaligen brasilianischen Fluggesellschaft Panair do Brasil.

Der missbilligende Blick des stehenden Mannes und Pelés Blick richten sich auf den trinkenden anderen jungen Mann. Trank er zu viel? Suchte er zu sehr die Nähe der Kellnerin? Sieht ein Betreuer, der Trainer gar auf einen Fußballer, der über die Strenge schlägt? Am 5. Mai 1963 fand im Hamburger Volksparkstadion das erste Länderspiel gegen Brasilien statt. War Düsseldorf davor oder danach eine Zwischenstation für die Brasilianer? Und wenn ja, warum? Vielleicht weiß einer von euch, wer die anderen Männer auf dem Bild sind. Fußball- und Düsseldorfer Lokalhistoriker rührt euch.

 

 


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