Archive for the 'Fußball im Buch' Category

Lesen und Hören: Machtspieler von Ronny Blaschke im Podcast Nachspielzeit

Über die Jahre in der Kulturbranche hörte ich immer mal wieder von Buchkritiken, bei denen sich herausstellte, das höchste Lob oder das vernichtende Urteil geschah ohne wirkliche Lektüre des kritisierten Buchs. Konkreter wurde das nicht. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob das nicht ein moderner Mythos ist, der aus Begegnungen von Autorinnen und Autoren mit uninformierten TV-Moderatoren entstand.

Andererseits empfehle ich heute auch ein Buch nachdrücklich, ohne es gelesen zu haben. Ich werde es aber noch lesen. Nun liegt meiner Empfehlung keine hellseherische Gabe zugrunde, sondern ein über dreistündiges Gespräch im Podcast Nachspielzeit, der von den Machern des Blogs Brustring 1893 verantwortet wird. Vornehmlich geht es dort um den VfB Stuttgart, oft aber auch um allgemeine Themen des Fußballs.

Ron und Daniel sprachen im April letzten Jahres mit Ronny Blaschke, der sich seit Jahren mit ganz unterschiedlichen Fußballthemen beschäftigt. Immer geht es ihm dabei darum, den Fußball in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen genauer zu fassen. Schon vor langer Zeit habe ich mit „Angriff von Rechtsaußen“ hier ein Buch von ihm besprochen.

Im Gespräch unterhalten sich die drei über Ronny Blaschkes jüngstes Buch „Machtspieler“. In dem Buch beleuchtet er, wie in unterschiedlichen Regionen dieser Welt nationale und regionale Konflikte sich auch über den Fußball organisieren, zum Teil verstärken oder wie der Fußball Chancen bietet, sie aufzulösen. Beispielhaft wird das an Jugoslawien und den Nachfolgestaaten, Israel und Palästina sowie Ruanda erkennbar. Man erfährt in dem Gespräch überaus viel über die jeweiligen Länder und welche Rolle der Fußball bei den dortigen Konflikten spielte. Gleichermaßen erhält man einen Eindruck von Ronny Blaschkes Arbeitsweise in den jeweiligen Gebieten.

Das Gespräch ist überaus hörenswert, dank der Vorbereitung der Podcaster und des offenen Erzählens von Ronny Blaschke. Es wirkt informativ in alle möglichen Richtungen. Journalistisches Handwerk, Haltung und Ethos werden zum Thema, Kultur und Politik der jeweiligen Regionen und eben der Fußball in seiner gegenwärtigen Entwicklung sowie seiner Bedeutung in den jeweiligen Regionen.  Nutzt die Gelegenheit zum Weiterklicken.

Ich zögere keinen Moment, nach diesem Gespräch „Machtspieler“ auch zur Lektüre zu empfehlen, selbst wenn ich es erst demnächst lesen werde.  Auf der Webseite vom Verlag Die Werkstatt finden sich begeistert klingende Zitate aus Rezensionen quer durch die Print-Welt. Nach dem Podcast sind solche lobende Worte nicht überraschend für mich.

 

Ronny Blaschke
Machtspieler – Fußball in Propaganda, Krieg und Revolution

Verlag Die Werkstatt

Paperback € 19,90 oder als Ebook €14,90

ISBN: 9 783 73070495 0

Das Weihnachtsangebot – Ein Buchduo: MSV und Ruhrgebietsfußball

Wenn ihr zu Weihnachten an bessere Zeiten mit dem MSV denken wollt, habe ich einen Vorschlag: der Blick auf die MSV-Geschichte zwischen 2013 und 2015. Ich packe ich euch deshalb mein Sonderangebot zusammen: Für 19 Euro inkl. Versand bekommt ihr Mehr als Fußball – Die Geschichte des MSV vom Zwangsabstieg 2013 bis zum Wiederaufstieg 2015 – und 111 Fußballorte im Ruhrgebiet. Statt 30 Euro. Einzeln könnt ihr die Bücher auch kaufen. Mehr als Fußball kostet dann 12 Euro, das „111er“ Euro 7,00 incl. Versand. Wenn ihr sie zusammen kauft und in Duisburg oder Umgebung wohnt, bringe ich sie euch wahrscheinlich vorbei. Meine Tagesstrecken ließen sich sicher anpassen – natürlich nur mit Maske und Abstand.

Infos zum Inhalt von Mehr als Fußball findet ihr hier.

Leserstimmen zu den Fußballorten bei Amazon hier.

Falls ihr außerdem Interesse an Ruhrgebietsgeschichte habt: 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen könnt ihr auch hier bestellen.  Was euch das Buch bietet, erfahrt ihr hier.

Bestelllen könnt ihr über das folgende Kontaktformalur oder per E-mail an zebrastreifenblog[at]web.de:

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Der Storch Stefan Maierhofer ist keine Möwe

Im Sommer 2019 erschien mit Nicht wie ihr ein Roman von Tonio Schachinger mit einem Fußballprofi als Hauptfigur. Tonio Schachinger ist Österreicher. Die erzählte Fußballwelt hat ihre Wurzeln also in Österreich, auch wenn der Profi, ein österreichischer Nationalspieler, in England spielt und der Gesamtblick europäisch ist. Noch habe ich das Buch nicht ausgelesen, doch schon nach gut der Hälfte kann ich den Roman nur empfehlen. Die Begründung in einer Besprechung kommt später.

Den folgenden kurzen Ausschnitt vom Anfang des Romans möchte ich euch aber schon heute nicht vorenthalten, weil Tonio Schachinger uns nicht nur eine Erinnerung mit stimmiger Wertung an Stefan Maierhofer gibt, sondern auch weil er auf einer einzigen Seite die Fußballgegenwart Deutschlands auf für mich sehr amüsante Weise und natürlich in der Absolutheit ungerecht in den Boden stampft.

Da seit der Saison von Stefan Maierhofer als Stürmer im Zebratrikot schon einige Zeit vergangen ist, ein paar Worte für die ganz jungen Leser hier. Stefan Maierhofer spielte in der Saison 2010/2011 beim MSV, jener Saison des letzten Höhenflugs der Zebras, zu dem der österreichische Leihspieler viel beitrug. Für einen Spieler, der so kurz da war, hatte er großen Eindruck bei den Fans hinterlassen. Tonio Schachingers Wertung habe ich zwei Jahre nach Maierhofers Weggang vorweggenommen, als der MSV beim 1. FC Köln spielte. Dort war er für eine Halbsaison gelandet. Er kam bei vielen Vereinen unter, und der Ertrag für seine spielerischen Möglichkeiten war jeweils groß. Nun aber lest selbst

Wer bereits durch diesen Ausschnitt angefixt ist. Hier die Angaben zum Buch, das seit dem August auch als Taschenbuch erhältlich ist.

 

Tonio Schachinger
Nicht wie ihr ihr
304 Seiten

gebunden
Kremayr & Scheriau Verlag
€ 22,90
ISBN 
978-3218011532

Rowohlt Taschenbuch
€ 12,00
ISBN 978-3499004506

 

 

Ein Pixi-Buch als MSV-Überraschungs-Paket

Manchmal verbirgt sich eine große Überraschung hinter der Verpackung. Neulich habe ich ein Pixi-Buch als liebevoll gedachtes Mitbringsel geschenkt bekommen. Das kleine Pixi-Buch heißt Beste Fußballfreunde, und es erzählt eine Geschichte, die uns mit den Superfußballkräften einer der Vereinslegenden des MSV Duisburg bekannt macht. Was sage ich?! Nicht einer der Vereinslegenden, sondern der Vereinslegende.

Die Eltern unter euch wissen wahrscheinlich, ein Teil der Pixi-Bücher richtet sich an ein Zielpublikum, das nach medialer Unterstützung eigener Erziehungsziele sucht. Eltern kaufen sie in der heimlich Hoffnung, tolle Pixi-Buch-Figuren-Vorbilder schaffen unangestrengt das, woran sie selbst mühselig Tag für Tag mahnend erinnern müssen. So sind Zähneputzen, das Aufräumen von Zimmern oder das Verhalten auf der Straße beliebte Themen für Pixi-Bücher.

Auch „Beste Fußballfreunde“ bringt dieses pädagogische Gepäck in subtiler Form mit. Eine der  Botschaften dieses Buches bleibt unausgesprochen, was ein erfreulicher Hinweis auf gesellschaftlichen Fortschritt ist.  Denn Kinder unterschiedlicher kultureller Lebenswelten spielen hier selbstverständlich zusammen und sind die besten Freunde. Das vermittelt schon das Titelbild. Für Hamit und Niki ist das Fußballspiel zwischen den Wohnblocks das Größte.

Manchmal rollt der Ball allerdings vom Rasen auf die angrenzende Spielstraße. Was dann passiert, kann nur durch eine MSV-Legende gelöst werden. Der Ball rollt gegen ein Auto. Der Autofahrer hält an. Er schimpf und droht. Doch dann kommt Super-Ennatz im nachfolgenden Auto und bringt die Welt wieder in Ordnung. Denn der drohende Autofahrer ist MSV-Fan und verehrt natürlich die Legende des Vereins. Im weiteren aber erklärt Ennatz noch mit gütigen Worten, er habe das Fußballspiel auf der Straße gelernt.

Martin Klein, Beste Fußballfreunde. Mit Illustrationen von Markus Spang © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2019

Vielleicht sollte zum Ende der Geschichte nur eine Pointe her, doch unter der Hand verwandelt sich diese Pointe zum pädagogischen Hinweis. Und dieser Hinweis muss lesende Kinder in Verwirrung stürzen. Ennatz schickt sie zurück auf den Rasen, weil es Straßenfußball heute nicht mehr gibt. Dabei trifft der Ball das Auto ja unbeabsichtigt in einer Spielstraße, also dort, wo das Spielen erlaubt ist und sie im Recht waren.

Außerdem zeigt Ennatz sogar noch seine Fußballsuperkräfte, indem er von der Straße aus den Ball über 40 Meter im Winkel des nicht sichtbaren Tores auf dem Rasen versenkt. Solche Supertorschussqualitäten hat er doch auf der Straße erworben. Wenn ich als Kind so etwas lese, würde ich doch von da an diesen fantastischen Schuss von der Straße aus täglich üben wollen.

Wir sehen, von Zähneputzen ist deutlich einfacher zu erzählen als vom folgerichtigen Verhalten zwischen Wohnblocks und Spielstraßen, besonders dann wenn man dazu Ennatz mit Superfußballkräften wählt.

Martin Klein, Beste Fußballfreunde. Mit Illustrationen von Markus Spang, Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2019, Pixi-Serie 267, Nr. 2428, € 0,99

ISBN 978-3.551-04355-9

Welttag des Buches – Sparte MSV und Fußball

 

Statt zur Lesung gehen, selbst zu Hause lesen? Am Welttag des Buches packe ich für euch ein Sonderangebot zusammen: Für 15 Euro bekommt ihr Mehr als Fußball – Die Geschichte des MSV vom Zwangsabstieg 2013 bis zum Wiederaufstieg 2015 – und 111 Fuballorte im Ruhrgebiet. Statt 30 Euro. Einzeln könnt ihr die Bücher auch haben. Mehr als Fußball 10 Euro, das andere 5 Euro. Wenn ihr sie einzeln kauft, kommt 2,20 Euro Versand noch hinzu. Wenn ihr sie zusammen kauft und in Duisburg oder Umgebung wohnt, bringe ich sie euch wahrscheinlich vorbei. Meine Tagesstrecken mit ließen sich sicher anpassen. Und natürlich nur mit Maske und Abstand.

Infos zum Inhalt von Mehr als Fußball findet ihr hier.

Leserstimmen zu den Fußballorten bei Amazon hier.

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Das Profi-Traumziel Italien – Mein Bruder, der Torjäger

Einige von euch wissen vielleicht, das mir mit Abstand liebste Kinderbuch war 11 Freunde müsst ihr sein von Sammy Drechsel.  In diesen Räumen habe ich vor geraumer Zeit begründet, warum es auch heute noch ein besonders gutes Kinderbuch ist. Nun war es nicht mein einziges Kinderbuch, dessen Helden im Fußball zu Hausen waren.

Weniger wegen des literarischen Wertes möchte ich heute über Mein Bruder, der Torjäger schreiben. Als zeithistorisches Dokument erinnere ich an das Buch. Denn die Geschichte verweist auf eine Entwicklung des Fußballs in der Zeit seines Erscheinens. Als Schneider-Buch ist es 1971 erschienen, und Tony Schwaegerl hat es geschrieben.

Der Franz Schneider Verlag hatte seinerzeit auf dem Kinderbuchmarkt ein starkes Alleinstellungsmerkmal als Marke, weil junge Leser recht genau wussten, was sie als Leser erwartete. Meist waren die literarischen Helden Kinder der Gegenwart, wenn auch hin und wieder Science-Fiction in Büchern auftauchte. Der Autor Tony Schwaegerl ist nicht bei Kinderbüchern geblieben. Er wurde in der Medienbranche mit Unterhaltungs- und Informationsangeboten in unterschiedlichen Medien für Erwachsene weitaus erfolgreicher.

In Mein Bruder, der Torjäger erfahren wir durch die Augen des  vierzehnjährigen Edi vom Anfang der internationalen Fußballkarriere seines Bruders Jochen. Weil er beim FC Wacker Tor um Tor erzielt, wird Juventus Rom auf ihn aufmerksam. Der italienische Spitzenverein verpflichtet den Spieler. Edi begleitet ihn bei seinen ersten Tagen in Rom und erlebt natürlich ein besonderes Abenteuer, eine kriminelle Form des Konkurrenzkampfes in der Mannschaft, die durch Edis Zutun aufgeklärt wird.

Wie gesagt, literarisches Fastfood. Viele Zufälle spielen in dem Buch eine Rolle. Die Figuren bleiben blass. Zudem ist der erzählende Held Edi nicht identisch mit dem Fußballhelden des Plots Jochen, ein großes handwerkliches Problem, das sehr gute Literatur fast immer mit Beziehungsgeschichte löst. In dem Fall geht es aber nur um ein wenig Abenteuer und ein überschaubares Geheimnis, bei dessen Aufklärung der Zufall zu viel Regie führt. So berührte mich das Buch damals bei meiner Erstlektüre als Zehnjähriger kaum.

Sei es drum. Wir blicken nämlich zu Beginn des Buchs auf Lebensbedingungen jener Zeit. Einkommensverhältnisse und Wertvorstellungen spielen zunächst eine Rolle, als in der Familie Berger über das Vertragsangebot aus Rom gesprochen wird.

 

Schon damals sah Tony Schwaegerl aber auch schon Parallelen des Fußballs mit anderen Unterhaltungsangeboten der Populärkultur. Fußball als Teil der Unterhaltungsindustrie spielt da noch keine Rolle, auch wenn mit dem Zirkus als Vergleich schon andere Aspekte des Fußballerlebens als der Sport thematisiert werden.

 

 

Der Trainer von Juventus Rom ist ganz alte Schule. Zuckerbrot und Peitsche, heißt das Konzept.

Für die Stars jener Zeit galt es, im Leben nach dem Fußball an den eigentlichen, den bürgerlichen Beruf zu denken.

 

Inspiriert wurde das Buch sicher durch die Karrieren von Karl-Heinz Schnelliger und Helmut Haller. Schnelliger spielte Ende der 1960er Jahre beim AC Mailand als Defensivspieler, Haller als Mittelfeldspieler bei Juventus Turin. Beide waren in Italien sehr erfolgreich und boten damals schon, wenn auch selten, den Illustrierten meiner Großmutter Sonnengeschichten aus dem Sehnsuchtsland der Deutschen.

Radiogespräch mit Helmut Hahues beim Bürgerfunk Moers und Weihnachtsgeschenke

Neulich bekam ich eine E-Mail mit dem Betreff: „Zebrastreifenblog! Sie sind so verführerisch. Sie“. Man kann von Spam-Mails halten, was man will, aber manchmal machen sie mit einfachen Mitteln gute Laune. So eine gute Laune hatte ich auch nach meinem Gespräch mit Helmut Hahues vom Bürgerfunk Moers an jenem Samstag, als der MSV gegen Paderborn gespielt hat. Es war mein persönliches Vorprogramm zu dem Heimspiel, wie auf dem Foto unten leicht zu erkennen ist. Gutes Gespräch, gutes Spiel: Der Heimsieg folgte als Hauptprogramm.

Am 11. November wurde das Gespräch dann gesendet, bei dem uns wir zunächst über meine Fußballbuchprojekte unterhalten haben, über 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss und über Mehr als Fußball. Anschließend kamen wir auf die Geschichte des Ruhrgebiets zu sprechen. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit einen Text aus 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen zu lesen, den Text über die „Zeche Friedrich Heinrich“ in Kamp-Lintfort, ab Minute 12.35.

Und was die Bücher angeht, bleibt noch das Stichwort Weihnachtsgeschenke. Die Fußballorte im Ruhrgebiete gibt es zusammen mit Mehr als Fußball für 20 Euro statt früher knapp 30 Euro. Die Fußballorte alleine kosten 8,90 Euro statt früher 14,95 Euro. Mehr als Fußball alleine kostet 14,90 Euro. Einfach oben klicken und bestellen. Wenn ihr in Duisburg oder näherer Umgebung wohnt, bringe ich die Bücher auf meinen Wegen durch die Stadt vorbei, sonst kommt Versand noch hinzu.

Und wer die gesamte Sendung einschließlich Zebratwist und anderer Musik hören möchte, der kann das über NRWision machen.

Auf zu den Wochenendrebellen am 15.12. in der Sportschule Wedau

Als Mirco von Juterczenka und sein Sohn Jason das erste Mal an den gemeinsamen Besuch eines Fußballstadions dachten, war Jason sechs Jahre alt. Jason mochte Fußball, war aber kein Anhänger eines bestimmten Vereins. Für Jason war klar, wie sollte er seinen Lieblingsverein finden, wenn er nicht zuvor alle Fußballvereine spielen gesehen hatte? Eine bestimmte und sehr logische Haltung. Nun ist Mirco dreizehn Jahre alt. Unzählige Fußballstadien haben die beiden besucht und zusammen das Buch Wir Wochenendrebellen geschrieben.

In diesem Buch erzählen sie nicht nur von den den Fußballspielen, die sie gesehen haben, sondern auf berührende Weise auch über ihre besondere Sicht auf die Wirklichkeit. Denn Jasons Haltung und entsprechend die seines Vaters erklärt sich aus einer Besonderheit. Jason ist Autist. Auf Wochenendrebell, ihrer Seite im Netz, geben sie einen kurzen Einblick in das Buch:

2017 haben wir dann unser gemeinsames Buch „Wir Wochenendrebellen“ veröffentlicht. Die 18 Kapitel behandeln jeweils im Wechsel Geschichten, die wir auf unseren Reisen und in Fußballstadien erlebt haben und von Beschreibungen, wie wir als Familie mit der Behinderung unseres Sohnes umgehen, welche Lösungen wir für Probleme entwickeln und warum ich sehr stolz auf meine Frau, meine Tochter und meinen Sohn bin. Jason ist Autist und in Anbetracht der teils katastrophalen Berichterstattung über Autismus und den daraus resultierenden Konsequenzen entschieden wir uns für einen sehr offensiven Umgang innerhalb unseres Umfelds.

Dank Zebraherde e.V. und dem Fanprojekt Duisburg kommen die Wochenendrebellen zu einer Lesung am 15. Dezember nach Duisburg in den Panorama-Raum der Sportschule Wedau, Friedrich-Alfred-Straße 15. Begonnen wird natürlich um 19.02 Uhr. Wer keine Zeit hat, sollte sich unbedingt auf Wochenendrebell umsehen. Denn vor dem Buch gab es schon Blog und Podcast – mit Fortsetzung bis jetzt.

Vielleicht wird am 15. Dezember auch jener Satz Jasons zu hören sein, für den er fraglos begeisterten Zwischenapplaus bekäme. Die Wochenendrebellen waren nämlich auf Schalke, und irgendwann war „Steht auf, wenn ihr Schalker seid!“ zu hören. Jason saß  aber in dem Moment auf dem Boden und sagte: „Ich muss sitzen, ich bin kein Schalker.“ Dass er auch bei den Zebras sitzen bliebe, kann man an so einem Abend dann mal getrost außer Acht lassen.

Einen ersten Eindruck von beiden gibt der Clip unten, der für eine Lesung in ihrer Heimatstadt erstellt wurde.

 

Nach der Erbschaft traf ich noch Branimir Bajic

Zwei sehr schöne Erlebnisse hatte ich in den letzten Tagen. Zum einen habe ich eine Mail von Edward Amana, einem US-amerikanischen Rechtsanwalt, erhalten. Er klärte mich darüber auf, was mein Sohn in der Welt noch so treibt, während er zugleich studiert. Wenn ich den Rechtsanwalt richtig verstehe, versucht mein Sohn durch legal herbeigeführte Verkehrsunfälle mein Jahreseinkommen zu erhöhen.

Aber lest selbst: „Geben Sie bitte Ihr Interesse an, die Summe von Neun Millionen Fünfhunderttausend Dollar als Erbschaft zu erhalten. Das fragliche Geld gehört meinem verstorbenen Kunden, einem Bürger Ihres Landes, der bei einem Autounfall mit ihrem einzigen Kind gestorben ist.“ Wenn sonst das einzige Kind in einen Verkehrsunfall verwickelt ist, verursacht das mit dem üblich erzählten tödlichen Ausgang endlose Trauer bei den Eltern. Ganz anders bei meinem Sohn. Auf solch ein einziges Kind darf man wohl stolz sein.

Noch mehr als diese Nachricht hat mich nur der Abend beim Fanclub Innenhafen mit Branimir Bajić gefreut. Nicht nur, dass er sympathisch und geduldig auf viele Fragen zu seinem Leben nach der aktiven Zeit und seiner Karriere antwortete. Endlich hatte ich auch Gelegenheit, ihm mein Buch Mehr als Fußball zu überreichen. Schließlich hat er die Geschichte des MSV von der Zeit des Zwangsabstiegs bis zum Aufstieg 2015 mitgeprägt. Branimir Bajić ist einer der meist genannten Namen in dem Buch.

Das führt mich zurück zur Erbschaft. Bis ich die neuneinhalb Millionen Dollar aus den USA erhalte und mich vom beruflichen Schreiben zurückziehe, verschicke ich gerne auch noch meine Bücher. Mehr als Fußball gibt es einzeln oder im Zebrastreifenblog-Sonderangebotspaket mit den 111 Fußballorten im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss. Zum Bestellformular mit einem Klick.

 

 

Weggelesen – Klaus Hansen: soccer

Seit der ersten Bundesliga-Saison kommt der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen zu den Spielen des MSV. Er reiste aus der Eifel an und kommt inzwischen aus Pulheim. Schon mehrere Male war er in diesen Räumen  zu Gast. In seinen Beiträgen erinnerte er an „Spitzenereignisse vom MSV“, er machte sich Gedanken über das WM-Endspiel 1966 und den Fußball der Gegenwart oder die postsaisonale Melancholie hatte ihn überfallen.   

Einen Teil der verlinkten Essays gibt es nun wiederum als Teil des neuen Buches von Klaus Hansen in gedruckter Form. „Soccer“ heißt dieses Buch, in dem eben nicht nur Essayistisches zu finden ist. Denn Klaus Hansen schreibt auch Lyrik und Prosa. Mit seinen lyrischen Texten steht er in der Tradition von Dadaismus und Konkreter Poesie. Und mit seiner Kürzestprosa gewinnt er dem gewöhnlichen Ereignis im Fußball eine im ersten Moment sinnfreie Pointe ab. Dann wirken die Texte nach und das Rätselhafte, Skurrile bringt die Gedanken in Bewegung.

Ob in den „Soccer stories“, in den „soccer lyrics“ und in den „soccer essays“ findet sich als Grundhaltung von Klaus Hansen eine gewisse Skepsis gegenüber dem Fußball der Gegenwart wieder. Demgegenüber steht aber nicht eine Verklärung der Vergangenheit, wie es vielleicht erwartet werden könnte bei einem MSV-Fan, der schon bei den Vizemeistern um Siege gebangt hatte. Vielmehr kann Klaus Hansen nicht nur mit den Auswüchsen des Unterhaltungsbetriebs der Gegenwart wenig anfangen, er betrachtet auch die kulturelle Überhöhung des Fußballs mit ironischer Distanz. Anekdotisches Erzählen über die Heldentaten im Fußball wird bei ihm formal und inhaltlich immer wieder gebrochen.

Wie passend, dass Klaus Hansen als Anhänger des MSV Duisburg durch sein Leben geht. Ein Verein, bei dem der sportliche Erfolg recht überschaubar ist, bietet in seiner Geschichte wenig Projektionsfläche, um die Standarderzählungen des Fußballs zu bedienen. Die Skepsis des Klaus Hansen ist gleichsam die gelebte Geschichte seines Vereins.

Vielleicht noch ein Beispiel aus dem Buch für die Konkrete Poesie, weil sich darunter wahrscheinlich nicht viele der Leser hier etwas vorstellen können.

 

 

 

Klaus Hansen: soccer
Roland Reischl Verlag
148 Seiten
€ 15,00
ISBN 978-3-943580-25-9


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