Archive for the 'Fußball und Kultur' Category



Fundstück – Marco Bode zu einer Verantwortung des Profifußballs

Am letzten Samstag erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Marco Bode. Thomas Hürner und Ralf Wiegand hatten mit ihm gesprochen. Schon die einleitenden Worte stimmen auf das große Thema dieses Interviews ein: „Seit 2014 ist Bode, 51, Aufsichtsratsvorsitzender des Klubs – und auf der Suche nach Koalitionen, um den deutschen Fußball wieder gerechter zu machen.“ Dass er selbst Profifußballer bei Werder war, füge ich für die jüngeren Leser hier hinzu.

Dieses Thema Gerechtigkeit steht für Marco Bode und andere Verantwortliche bei Werder Bremen offensichtlich in einem größeren Zusammenhang. Wenn es zunächst um die wirtschaftlichen Bedingungen für sportlichen Erfolg geht, rückt der Fußball als Teil der Unterhaltungsindustrie in den Vordergrund. Doch im Laufe des Gesprächs wird deutlich, Marco Bode geht es um sehr viel mehr als um die Spannung des Wettbewerbs, um den Fußball als attraktive Unterhaltungsmöglichkeit zu bewahren.

Marco Bode geht es um den Fußball als Kultur. Seine Worte unten sind vorbildhaft.

Das gesamte Interview gibt es online nur mit Abo. Zusammenfassend mit einem Klick.

Als Gedenken – Manu Chao

Ein Leben, gepackt in einen Songtext. Das ist Kunst. Einen Fußballkünstler angemessen gewürdigt.

Der Storch Stefan Maierhofer ist keine Möwe

Im Sommer 2019 erschien mit Nicht wie ihr ein Roman von Tonio Schachinger mit einem Fußballprofi als Hauptfigur. Tonio Schachinger ist Österreicher. Die erzählte Fußballwelt hat ihre Wurzeln also in Österreich, auch wenn der Profi, ein österreichischer Nationalspieler, in England spielt und der Gesamtblick europäisch ist. Noch habe ich das Buch nicht ausgelesen, doch schon nach gut der Hälfte kann ich den Roman nur empfehlen. Die Begründung in einer Besprechung kommt später.

Den folgenden kurzen Ausschnitt vom Anfang des Romans möchte ich euch aber schon heute nicht vorenthalten, weil Tonio Schachinger uns nicht nur eine Erinnerung mit stimmiger Wertung an Stefan Maierhofer gibt, sondern auch weil er auf einer einzigen Seite die Fußballgegenwart Deutschlands auf für mich sehr amüsante Weise und natürlich in der Absolutheit ungerecht in den Boden stampft.

Da seit der Saison von Stefan Maierhofer als Stürmer im Zebratrikot schon einige Zeit vergangen ist, ein paar Worte für die ganz jungen Leser hier. Stefan Maierhofer spielte in der Saison 2010/2011 beim MSV, jener Saison des letzten Höhenflugs der Zebras, zu dem der österreichische Leihspieler viel beitrug. Für einen Spieler, der so kurz da war, hatte er großen Eindruck bei den Fans hinterlassen. Tonio Schachingers Wertung habe ich zwei Jahre nach Maierhofers Weggang vorweggenommen, als der MSV beim 1. FC Köln spielte. Dort war er für eine Halbsaison gelandet. Er kam bei vielen Vereinen unter, und der Ertrag für seine spielerischen Möglichkeiten war jeweils groß. Nun aber lest selbst

Wer bereits durch diesen Ausschnitt angefixt ist. Hier die Angaben zum Buch, das seit dem August auch als Taschenbuch erhältlich ist.

 

Tonio Schachinger
Nicht wie ihr ihr
304 Seiten

gebunden
Kremayr & Scheriau Verlag
€ 22,90
ISBN 
978-3218011532

Rowohlt Taschenbuch
€ 12,00
ISBN 978-3499004506

 

 

Interessiert der Zebratwist beim Grand Prix, wenn Oppa MSV die Intensivstation droht?

Heute komme ich mir vor wie der Onkel auf der Familienfeier, der sich immer daneben benimmt. Laut polternd kommt so einer zum Nachmittagskaffee, macht seine Witze zur Begrüßung und merkt nicht, dass alle ganz sorgenvoll aussehen. Endlich sagt einer, Oppa iss im Krankenhaus. Wir wissen noch nicht, was wird.

Unser Oppa ist gerade der MSV. Die Intensivstation droht. Die behandelnden Ärzte hatten gemeint, nur eine schwere Operation könne helfen. Nun überlegen sie angesichts des drohenden Siechtums sogar dem Patienten Gino Lettieri zu geben, mehrmals täglich. Das Schiele-Medikament können sich anscheinend nur Privatpatienten leisten. All das macht Angst. Wir wissen zwar, die Lettieri-Behandlung hat vor ein paar Jahren für einige Zeit geholfen. Aber wir in der Familie hatten gedacht, dem Oppa würden mittelfristige Therapieformen viel besser helfen. Irgendwas, was nach und nach dauerhafter Kraft bringt. Nicht immer diese Brachialtherapien zur kurzfristigen Wiederbelebung. Wie soll man da den Ärzten trauen?

Und nun sollen wir angesichts der kritischen Lage des Patienten uns um sein Lieblingslied, den Zebratrwist, kümmern? Im August war der Grand Prix de la Vereinslieder noch eine schöne Spielerei, um die Sommerpause zu überbrücken. Gestern nun haben die Initiatoren vom Millerton.de das Finale eingeläutet. Hier werden die Vereinslieder mit launigen Worten vorgestellt. Bis zum 22. November, 23.59 Uhr, könnt ihr abstimmen. In das Endergebnis wird ein Jury-Urteil einfließen, das vom Millerton.de zum Ende des Monats als Podcast-Sendung veröffentlicht wird. Das Ergebnis gibt es als Adventskalender auf der Seite. Ab dem 1. Dezember werden die Plätze 24 bis eins veröffentlicht. Aber so richtig in Stimmung bringt mich das nicht.

Abstimmen werde ich natürlich trotzdem. Wenn auch ihr abstimmen wollt, kommt ihr mit dem Link direkt zum Voting. Ihr habt fünf Stimmen. Absteigend in der entsprechenden Reihenfolge vergebt Ihr zwölf, zehn, acht, sieben und sechs Punkte.

Wer im August die Regionalentscheidung hier nicht mitbekommen hat kann noch einmal mit den Links unten nachvollziehen, was passiert ist. In einer Vorrunde hatte ich 18 Kandidaten vorgestellt.
Die ersten drei Kandidaten hört ihr nach dem Klick
Startnummer 1: Die treuen Bergvagabunden – Oh, mein MSV
Startnummer 2: Rüpels Royal – Zebrastreifen
Startnummer 3: MSVD1902only – Wir sind die Fans vom MSV

Die Kandidaten 4 – 7 hört ihr nach dem Klick
Startnummer 4: Los Placebos – Nur für dich, Meiderich
Startnummer 5: Der Zebra-Twist
Startnummer 6: Pilz Herb – Heimspiel
Startnummer 7: TOBZ – Meidericher Spielverein

Die Kandidaten 8 – 11 hört ihr nach dem Klick
Startnummer 8: Die Melodicons – Im Stammlokal
Startnummer 9: Duisburg-Lied
Startnummer 10: Eat the Unicorn – Auf’er Köpi
Startnummer 11: Dagmar Albert Horn – Wenn ich samstags ins Stadion gehe

Die Kandidaten 12 – 18 hört ihr nach dem Klick
Startnummer 12: Besser deutsch – MSV
Startnummer 13: MSV-Hymne
Startnummer 14: Chantal – Wir sind die Zebras
Startnummer 15: 1. Liga – Duisburg ist dabei
Startnummer 16: The Gummibärenzebras – Spielverein
Startnummer 17: MSVD1902only – Niederrheinpokalsieger
Startnummer 18: Tears for BeerZ – 1902

Das Ergebnis des Regionalentscheids findet ihr hier.

Von Nazihools, Identität und Real Madrid in drei Podcasts

Ohne Stadionbesuch beschäftigt mich immer intensiver die Fußballkulturwelt. Weniger der aktuelle Sport bewegt mich als das Schreiben und Sprechen über die Bedeutung des Fußballs in der Gesellschaft. Ich lese darüber, wie Mannschaftstaktiken und nationale Selbstbilder sich gegenseitig beeinflussen. Ich höre Podcasts, wenn über Fußball als soziales oder politisches Phänomen gesprochen wird. So haben sich drei Folgen vom Hörfehler angesammelt, auf die ich jeweils sofort nach dem Hören hatte hinweisen wollen. Daraus wurde nun ein Sammelhinweis, auf dass ihr euch das Hören verteilen könnt.

Der Sozialwissenschaftler und Buchautor Robert Claus ist in Folge 91 zu Gast. Im Verlag Die Werkstatt ist sein Buch Ihr Kampf – Wie Europas extreme Rechte für den Umsturz trainiert erschienen. In ihm beschreibt er das Wirken von Rechtsextremisten im Kampfsport und deren Vernetzung in Europa, nicht ohne Querverbindungen zum Fuball nachzugehen. Da er mit Hooligans zudem ein Buch über die gegenwärtige Holligan-Kultur geschrieben hat, kennt er sich auch gut in den Fankurven deutscher Stadien aus. Dieser Podcast bietet sowohl einen tiefen Einblick in die Strukturen gewaltbereiter Rechtsextremisten als auch in den unterschiedlichen Umgang von Vereinen und Fans mit dem Versuch von Rechtsextremisten Einfluss auf Fankurven zu gewinnen. Ganz grundsätzliche Fragen zu sozialen Entwicklungen werden angesprochen und indirekt wird einmal mehr deutlich, das Benennen von Strategien und Methoden des Rechtsextremismus ist die Voraussetzung, um vorgeblich unpolitisches Handeln als demokratiefeindlich zu erkennen.

In Folge 88 spricht Nick mit dem Historiker Julian Rieck über Real Madrid im Franquismus. Wer sich für europäische Geschichte interessiert, wird dieser Folge gebannt zuhören. Wieder führt das Gespräch über den Gesprächsanlass hinaus. Der genau Blick des Historikers Julian Rieck macht das komplexe und oft widersprüchliche Geschehen erkennbar, das wir sonst so gerne auf eine eindeutige Historienerzählung reduzieren. Wer so von der Historie erzählt, macht das allgemein Menschliche in dem Geschehen einer anderen Nation und Kultur deutlich.

In der zuletzt erschienenen Folge widmet sich der Hörfehler dem Thema Fußball und Identität. Nick spricht mit Hardy Grüne, dem Herausgeber vom Fußballmagazin Zeitspiel, und Bernd Sautter, der ebenfalls für das Magazin schreibt. Beide hatten sich für die letzte Ausgabe des Magazins mit dem Thema intensiv auseinander gesetzt. Interessant ist dieses Gespräch durch die besondere Mischung von Erzählen über die eigene Fußballzuschauerbiografie, bei der immer auch der lokalhistorische Kontext angerissen wird und der Betrachtung, wie sich durch die veränderte Gesellschaft die Verbindung zu einem Lieblingsverein in den letzten 60 Jahren gewandelt hat.

Von unsinninger Droll-Frage hin zum Podcast-Fest für Fußballromantiker mit Hans-Günter Bruns

Was für eine unsinnige Droll-Frage war das wieder auf der Pressekonferenz vor dem Nachholspiel heute gegen Saarbrücken. Irgendwas mit Sieg und Anschluss ans Mittelfeld der Tabelle. Als ob wir in normalen Zeiten lebten und der Tabellenstand die Mannschaft sorgen müsste. Torsten Lieberknecht machte das einzig richtige. Er sprach der Tabelle nicht nur für den Moment sondern sofort für den weiteren Saisonverlauf die Bedeutung ab angesichts von erwartbaren coronabedingten Spielausfällen. Das ist wichtig, um Folgen von solchen Tabellenbilder zu begrenzen. Ohne Spiele sind zu wenig Punkte die selbstverständliche Folge. Da braucht es etwas anderes als den üblichen Blick von Sportjounalisten auf Tabellenstände.

Lasst mich zu den schönen Dingen des Tages kommen, die wir mehr in der Hand haben als den erhofften Erfolg gegen Saarbrücken. Ich feiere gerade Hans Günter Bruns mit seinem Auftritt im Sechszehner-Podcast. Momentan ist der ehemalige Spieler von Borussia Mönchengladbach Hans-Günter Bruns Sportlicher Leiter bei Hamborn 07. Als Trainer oder Sportlicher Leiter arbeitete er im westlichen Ruhrgebiet seit 2003 vor allem im Amateurbereich. Bei Rot-Weiß Oberhausen war es für fünf Jahre von 2006 bis 2011 auch das Profi-Geschäft.

Mir war nicht klar, wie gut er und all diese Vereine im Ruhrgebietswesten zusammen passen. Nach dem Podcast-Gespräch von Hans-Günter „Bruno“ Bruns mit seinem ehemaligen Mannschaftskameraden Ewald Lienen und dem Sportjournalisten Michael Born weiß ich es besser. Diese knappe Stunde vom Podcast Der Sechszehner ist ein Fest für Fußballromantiker und eine Feier der Ruhrpottmentalität dazu.

Anekdote auf Anekdote erzählt „Bruno“. Ob das nun ein nächtlicher Ausflug mit Lothar Matthäus während einer Länderspielvorbereitung war oder sein Verhältnis zu Jupp Heynkes als Trainer. Er brauchte kurz, um etwas aufzutauen, aber dann redete er wie unter Freunden. Vor allem Ewald Lienen regte ihn durchs eigene Erinnern an gemeinsame Zeit zum Erzählen an. Auch wenn „Bruno“ den größten Teil seiner Karriere als Spieler in Mönchengladbach verbrachte, kann er den Pott in seinem Wesen nicht verleugnen. So klingt das Ruhrgebiet an der Basis heute immer noch, wenn über Fußball gesprochen wird.

Den Sechszehner gibt es auf sämtlichen Podcast-Plattformen. Hier kommt ihr mit einem Klick zu Soundcloud, wo man ihn auch ohne Podcastplayer hören kann.

Großstadtfußball im Podcast – Duisburg, Köln, München

Neulich habe ich schon einmal auf interessante Podcasts hingewiesen, die sich der Fußballhistorie widmen. Nick Kaßner mit seinem Podcast Hörfehler gehörte dazu. Nun sprach er in der letzten Folge seines Podcasts, der Nummer 90, mit seinen drei Gästen aus Duisburg, Köln und München allerdings nur kurz über die Fußballhistorie. Vor allem ging es um die Situation des Amateurfußballs in den drei unterschiedlichen Städten.

Den Duisburger Christian Lenke kenne ich durch sympathische Begegnungen im Stadion. Als gebürtiger Thüringer, der nun auch schon lange in Duisburg lebt, geht er regelmäßig zu den Zebras. Auch wenn er in frühen Jahren sein Herz an den jüngst stark gebeutelten Rot-Weiß Erfurt hängte. Er ist Jugendtrainer beim SV Duissern 1923 und arbeitet zudem auf Verwaltungsebene seines Vereins mit. Er beschreibt den Duisburger Amateurfußball.

Der Autor und Journalist Holger Hoeck gibt die Einblicke in die Kölner Amateurfußballszene. Tim Frohwein lebt in München und arbeitet am Projekt Mikrokosmos Amateurfußball mit, das die gesellschaftliche Perspektive des Amateurfußballs beleuchtet. Unschwer war auch im Gespräch seine soziologische Perspektive beim Blick auf den Amateurfuball Münchens erkennbar.

Alle drei arbeiten an dem von Hardy Grüne ins Leben gerufene Fußballmagazin Zeitspiel mit, der journalistische Ort für einen Fußball abseits der Unterhaltungsindustrie.

In der Folge entwickelte sich schnell ein interessantes Gespräch, das zu einer Bestandsaufnahme des Breitensports Fußball in der Großstadt wurde. Grundlegende Erfahrungen auf dem Bolzplatz wurden beleuchtet. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Fußballs in den so unterschiedlichen Städten wurden deutlich. Schwierigkeiten und Entwicklungen des Amateurfußballs kamen zu Sprache. Der Stadt-Land-Gegensatz war immer wieder Thema. Die Folge macht Lust, sich intensiver mit dem Thema Großstadt-Fußball zu beschäftigen.

Meidericher Kanon des literarischen Fußballs – Manuel Vázquez Montalbán

Wer heute als junger Leser in einer Buchhandlung vor den Kriminalromanen als Hardcover im Stapeltitel steht, wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, wenn er von den alten Zeiten dieser Genreliteratur hört. Lange Jahre war das Schreiben eines Kriminalromans schon die erste wichtige literarische Aussage eines Autors.

Schon indem sich ein Romanautor der Genreliteratur zuwendete und sie als Belletristik, also „Schöne Literatur“, ernst nahm, wendete er sich gegen den Common Sense des etablierten Literaturbetriebs und damit auch gegen das Bürgertum. Das war dann ästhetische und gesellschaftskritische Aussage zugleich. Alleine durch die Stigmatisierung als minderwertige Konfektionsware der Unterhaltungsliteratur besaß der Kriminalroman subversive Kraft, die Schriftsteller für sich nutzen wollten. Wer heute auf die subversive Kraft des Kriminalromans blickt, wird also schnell zum Literaturhistoriker. 

In Spanien nutzte der 1939 geborene und 2003 gestorbene Manuel Vázquez Montalbán  das erste Mal während der letzten Jahre der Franco-Diktatur diese subversive Kraft. Er war einer der erfolgreichsten und vielseitigsten Schriftsteller Spaniens. Mit seinen von 1972 an erscheinenden Kriminalromanen um Pepe Carvalho tastete er sich bald schon an die Grenzen des Genres heran, um sie in seinen letzten Romanen zu überschreiten. In dem 2001 ins Deutsche übersetzt erschienen Roman „Quintett in Buenos Aires“ etwa erinnern nur noch einzelne Handlungssequenzen und natürlich Pepe Carvalho mit seiner literarischen Biografie als Privatdetektiv an die Wirklichkeit eines Kriminalromans.

Schuß aus dem Hinterhalt

Das war in dem 1988 erschienenen Roman El delantero centro fue asesinado al atardecer noch anders. In dem zwei Jahre später in Deutschland unter dem Titel Schuss aus dem Hinterhalt erschienenen Roman handelt der Privatdetektiv Pepe Carvalho als klassischer Ermittler. Allerdings beschränkt sich das Geschehen nicht auf die Aufdeckung eines Verbrechens im Milieu des Fußballs. Montalban geht es um den Blick auf die spanische Gesellschaft seiner Zeit, auf die Folgen für seine Heimatstadt Barcelona durch das Streben nach Reichtum und die Versuche von Funktionären mit dem Fußball Interessen außerhalb des Sports zu verfolgen. 

Carvalho wird vom größten Fußballverein Barcelonas engagiert, weil dessen englischer Stürmer John Mortimer Erpresserbriefe erhält. Auch das ist ein klassisches Motiv im Kriminalroman: Carvalho merkt bald, großes Interesse an seinen Ermittlungen besteht gar nicht. Er wurde als symbolhafte Beruhigung engagiert.

Verwoben ist dieser Handlungsfaden mit einer Fußballgeschichte voller vermeintlicher Romantik. Ein alternder, ehemals guter Stürmer wird von seinem jetzt viertklassigen Heimatverein als letzter Hoffnungsbote zum Ende seiner Karriere hin noch einmal verpflichtet, um den endgültigen sportlichen und wirtschaftlichen Niedergang des Vereins abzuwenden. Doch auch beim niederklassigen Centellas FC  ist natürlich nicht alles so, wie es zunächst scheint.

Montalban entfaltet zum einen eine Geschichte rund um die Bodenspekulationen, die sich in Barcelona vor den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 ereignet hatten. Zum anderen wirft er einen Blick auf die Heldenverehrung von Fußballern und die Bedeutung des Sports als Sinnersatz in der säkularisierten Gegenwart. Das ist zeitlose Romankunst – sowohl durch die sprachliche Kraft des Erzählten als auch durch die in Teilen immer gültigen Wertungen und Gedanken über den Fußball. 

Carvalho und der tote Mittelstürmer: Ein Kriminalroman aus Barcelona (Ein Pepe-Carvalho-Krimi)Manuel Vázquez Montalbán: Schuss aus dem Hinterhalt.  Aus dem Spanischen von Bernhard Straub.  Rowohlt Verlag, Reinbeck 1990, 236 Seiten.
Wieder veröffentlicht: Piper Verlag, München 2007.
Mit neuem Titel wieder veröffentlicht: Carvalho und der tote Mittelstürmer. Aus dem Spanischen übersetzt und neu bearbeitet von Bernhard Straub. Wagenbach, Berlin 2014.

Tabellensprung und ein Arzt im Lienen-Podcast

Der MSV hat an diesem Spieltag nicht gespielt und sich in der Tabelle um einen Platz verbessert. Der Abstieg ist kein Thema mehr. Sicher bin ich mir nicht, ob diese Form des Erfolgs mir dauerhaft gefallen würde. Andererseits wären viele Probleme für den MSV einfacher zu lösen, wenn die Mannschaft ohne zu spielen langfristig den Aufstieg schaffen könnte. Bis dahin wäre ich schon auch geduldig, wenn ich danach dann wieder zu Spielen eines wirtschaftlich gefestigten Vereins ins Stadion könnte.

Wie in der letzten Saison bin ich schon wieder weniger mit dem Sport als mit der wirtschaftlichen Not des MSV Duisburg beschäftigt. Der Fußball selbst hat sich für mich zu einem Mittel für den wirtschaftlichen Zweck verwandelt. Natürlich ist das auch sonst immer der Fall, aber momentan kriege ich die immer notwendige Verdrängung der Widersprüchlichkeiten dieses Fußballsystems nicht mehr hin. Spaß macht das nicht.

Die Voraussetzungen für Erfolg sind nun mal die finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Diese Bedingungen am laufenden Spieltag immer wieder auszublenden gehört zu den Widersprüchen eines Zuschauerlebens. Wie gesagt, dieses Ausblenden gelingt mir gerade nicht gut. Zumal ich mal wieder gelesen habe, wieviele hoch spezialisierte unterschiedliche Funktionsstellen beim FC Bayern München in den letzten zehn Jahren geschaffen wurden, um sportlichen Erfolg zu festigen. So ein Trainerteam ist ja nur das eine. Dahinter steht ein fest angestellter Stab von mehreren Video- und Datenanalysten. Dieser riesige Verwaltungsapparat. Dann arbeiten natürlich unzählige Physiotherapeuten zu bis hin zur Ärzteschaft.

Ein Arzt aber half mir schließlich bei der Ablenkung. Ewald Lienen und Michael Born machen schon seit längerem zusammen den Podcast Der Sechszehnerhier bei Facebook. Meist sprechen sie zunächst zu zweit über das aktuelle Geschehen. Dann kommt nach etwa einer halben Stunde ein Gast dazu. In der letzten Folge war das der Sportmediziner Prof. Dr. Hauke Mommsen. Momentan ist er Mannschaftsarzt der U21. Zuvor war er im Handball beim THW Kiel und in Flensburg Mannschaftsartz. Mit Ewald Lienen hat er beim FC St. Pauli zusammengearbeitet.

Das Gespräch mit ihm beginnt ab Minute 33’29. In dem Gespräch erfährt man, welche komplexen Ursachen Sportverletzungen haben. Wieso Fußballer heute sehr viel individueller trainieren müssten, um Sportverletzungen vorzubeugen und wie das mit Interessen eines Trainers kollidieren kann. Oder wie die Verletzung eines Spielers die Verletzung eines anderen derselben Mannschaft wahrscheinlicher macht. Ein sehr interessantes Gespräch.

Halbfinale Zweite Liga im Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest

Auch wenn wir in Duisburg uns in Ruhe auf das Finale vorbereiten, steht nun das Halbfinale im Grand Prix de la Vereinslieder Song Contest für die Vereine der Zweiten Liga an. Natürlich beobachte ich den Wettbewerb weiter und bin gleichsam der Berichterstatter für uns in Duisburg.

Die Kollegen vom Millerton.de stellen die Vereinslieder heute vor. Die Abstimmung ist bis zum 13. September 23.59 Uhr möglich. Wer also schon mal ein wenig Scouting und Gegneranalyse für das Finale betreiben will, klickt einmal weiter.

Wie es sich für einen richtigen Grand Prix gehört, erinner ich mit Einspielern an die schönen, jüngst vergangenen Momente der Grand Prix-Geschichte in Duisburg. Die Qualifaktion der Vereinslieder in Liga 3 für das Grand-Prix-Finale im Dezember lässt mit dem bunten Strauß der folgenden Duisburger Schritte nachvollziehen – von Kandidatenkür bis hin zur Qualifikation vom Zebra-Twist für das Deutschland-Finale.  Zunächst gab es die Vorstellung von 18 Vereinsliedern des MSV in vier Folgen,  Teil  1, Teil 2, Teil 3, Teil 4. Aus den 18 Kandidaten wurden in der Zwischenrunde acht Lieder für das Duisburger Regionalfinale ausgewählt. Das Ergebnis des Regionalentscheids Duisburg gibt es hier. Wie der Zebra-Twist beim Halbfinale abgeschnitten hat, findet ihr hier.


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