Archive for the 'Halbzeitpausengespräch' Category

Halbzeitpausengespräch – Begeisternde zwei Herren von Real Madrid am Theater Oberhausen

Der grüne Bühnenboden verweist auf den Rasen der Fußballplätze. Zudem sitzt das Publikum wie auf einer Sitzplatztribüne an der lang gestreckten Spielfläche. Fünf Nischen als stilisierte Handlungsorte wirken wie Seitenaltäre in einer Kirche. Während das Publikum Platz nimmt, warten in drei der Nischen die Schauspielerinnen und Schauspieler statuengleich auf den Einsatz. Fußball als Religionsersatz – diese Assoziation liegt nahe. Am Ende wissen wir, das war leicht dahingetupft, denn das Stück selbst vertieft solche Deutungen des Fußballs nicht. Vielmehr deutet sich damit an, wie umfassend die Wirklichkeit des Fußballs am Theater Oberhausen auf allen gestalterischen Ebenen künstlerisch anverwandelt wird. Die Uraufführung des Theaterstücks von Leo Meier „Die zwei Herren von Real Madrid“ beginnt. Es wird ein unterhaltsamer Abend, voller Spielfreude und Komik, inszeniert und ausgestattet mit viel Liebe zum Detail.

Der Anfang: Zwei Männer begegnen sich in einem Wald. Der eine flitscht Steine. Eine absurd surreale Welt entfaltete sich. In dieser Welt stellen die Männer ohne weiteres Erstaunen fest, sie spielen als Fußballprofis in derselben Mannschaft. Sie gehören zu den Topspielern bei Real Madrid. Realismus zeigt sich anderes, ein atmosphärischer Ton ist gesetzt, der in der förmlichen Sprache ihrer Unterhaltung sich fortsetzt. Sie bleiben beim Sie, obgleich die gegenseitige Anziehung, das Begehren im Spiel der beiden Schauspieler sofort miterzählt wird.

Foto: Axel J. Scherer

Tim Weckenbrock und Khalil Fahed Aassy spielen die zwei Herren mit wunderbarem Gespür für die Komik von klischierten Fußballergesten, ohne die Figuren als Karrikaturen zu verraten. Diese zwei Herren sind mehr als komisch, sie berühren mit ihrer Sehnsucht nach Liebe, mit ihrer Scheu, sich zu öffnen, mit ihren Versuchen, sich trotz Schüchternheit stark zu geben.

Foto: Axel J. Scherer

Leo Meier greift für die Dialoge dieser zwei Herren den Sound des Fußballbetriebs auf und erschafft ein eigentümlich poetisches, oft zärtliches Sprechen. Währenddessen hängt Elias Baumann als Jesus am Kreuz und macht sich beim Szenenwechsel pantomimisch bemerkbar. Überhaupt gehören zur wunderbaren Inszenierung von Maike Bouschen tänzerische Elemente. Das Körperliche des Sports Fußball findet sich im schauspielerischen Ausdruck auch immer wieder.

Die Annäherung der beiden Herren führt bald ins Elternhaus des einen. Samia Dauenhauer und Franziska Roth als Eltern lassen nicht nur in der ersten von drei ihrer Nebenrollen der komödiantischen Lust am Spiel freien Lauf. Gleichzeitig macht sich in der absurd-surrealen Welt das Utopische zum ersten Mal leise bemerkbar. Ganz selbstverständlich ermuntert die Mutter augenzwinkernd ihren Sohn, sich zu der anbahnenden Liebe zu bekennen. Auch das Unglück kommt als absurde Note mit dem tödlichen Allergieschock der Mutter durch den mitgebrachten Kuchen vom Spielerkollegen des Sohns. Im Spiegel der Beerdigung wird das Leben mit der vereinten Liebe beider Fußballer gefeiert. So kann sich das Utopische mit Wucht zurückmelden, als Elias Baumann, nun als Real-Star Sergio Ramos, beim gemeinsamen Training das nun öffentlich bekannte Paar gelassen als gewöhnliche Neuigkeit betrachtet. Der Fußball ohne Homophobie, was für eine Zukunft. Die ironische Botschaft dabei lautet, selbst ein Mann alten Schlages, ein überaus hart spielender Innenverteidiger, achtet in dieser Welt alle Menschen gleich, egal, wen sie lieben.

In letzten Wendungen des Stücks macht sich bei aller Surrealität die wirkliche Fußballwelt deutlicher bemerkbar. Vereinswechsel sind auch für Stars die Regel und damit ergeben sich Trennungen auch für die besagten zwei Herren. Wie schwer das fällt, bleibt offen. Der Premierenapplaus wollte kein Ende nehmen. Zurecht. „Die zwei Männer von Real Madrid“ begeistert.

Foto: Axel J. Scherer

Im wirklichen Fußball hieße das Resümee, ein solcher Erfolg gelingt dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung und durch die hervorragende Arbeit sämtlicher Teile des Vereins. Wer so auftritt, darf den Blick auch auf die Plätze ganz oben in der Tabelle richten.

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Halbzeitpausengespräch – Duisburg-Trilogie von Fakir Baykurt endlich übersetzt

Eva Lacour und Hartwig Mau

2011 erschien „Halbes Brot“, der erste übersetzte Roman von dreien, in denen Fakir Baykurt (1929 – 1999) in den 1980er Jahren von der Lebenswelt Duisburgs erzählte. Am Dienstag nun wurden mit „Vater Rhein“ und „Hochöfen“, die zwei weiteren seiner in Duisburg spielenden Romane, in der Stadtbibliothek Duisburg im Rahmen einer Lesung durch die Übersetzerin Eva Lacour und den Übersetzer Hartwig Mau vorgestellt.

Der in der Provinz Burdur aufgewachsene Fakir Baykurt war schon in der Türkei als Schriftssteller erfolgreich gewesen, als er 1979 mit einem Stipendium nach Deutschland kam. Er schrieb realistische Romane über die bäuerliche Wirklichkeit seine Heimatlandes und erhielt Literaturpreise. Sein literarischer Stil wurde durch die mündlichen Erzähltradtionen der Landbevölkerung bestimmt. Sein realistischer Blick auf Menschen und Verhältnisse machte seine Literatur zur Sozialkritik.

Wahrscheinlich führte auch der Militärputsch in der Türkei 1980 dazu, dass der politisch engagierte Fakir Baykurt in Deutschland blieb. Statt mit dem bäuerlichen Leben beschäftigte er sich nun dauerhaft mit der Wirklichkeit der Migranten als Industriearbeiter. Doch Fakir Baykurt blickte über das Migranten-Milieu hinaus. Mit seinem Personal erzählte er allgemeine Geschichten über die Ruhrgebietswelt mit ihren Menschen aus verschiedenen Herkünften. Er nahm die Erzählhaltung jener deutschen Autorinnen und Autoren der Gegenwart vorweg, deren Großeltern oder Eltern aus der Türkei gekommen waren. Fakir Baykurt empfand sich als zugehörig zur deutschen Gesellschaft. Er beschrieb nicht von außen, sondern erzählte aus ihrem Inneren heraus. Institutionen und öffentliche Personen Duisburgs in den 80ern tauchen ebenso auf wie historische Erklärungen für Teilgeschehen der Romane. Für Fakir Baykurt war das migrantische Milieu Teil der Stadtgesellschaft. Es gehörte dazu. Seine Romane zeigen mit einem sozialkritischen Realismus ein Ruhrgebiet, das es in den 1980er Jahren im Literaturbetrieb schwer hatte. Diese Literatur, auch von deutschen Autoren geschrieben, wurde von der Kritik kaum wahrgenommen, geschweige denn öffentlich wertgeschätzt. Der bundesweite Erfolg Max von der Grüns in den Jahren davor war nur die Ausnahme von der Regel.

Wer heute die drei Romane von Fakir Baykurt liest, lernt Duisburger Wirklichkeit detailreich kennen. Diese Stadt steht aber stellvertretend für sämtliche Großstädte Deutschlands mit migrantischer Kultur. Fakir Baykurt erzählt von Rassismus ebenso wie von der Umweltverschmutzung durch die Industrie und den schlechten Arbeitsbedingungen dort. Er erzählt aber auch von gelingenden Begegnungen zwischen den Kulturen, von Irrtümern und Annäherungen. Fakir Baykurt muss bei aller Kritik an den Verhältnissen seiner Gegenwart ein optimistischer Mensch gewesen sein. In seinen Geschichten folgen Figuren oft einem kulturübergreifenden Humanismus. Gelingendes Zusammenleben in Verschiedenheit gibt es in seinen Romanen, ohne dass er ein träumerischer Idealist gewesen wäre. Er kennt hemmende Befindlichkeiten ebenso wie die um des lieben Friedens Willen verschwiegenen Vorurteile.

Die „Duisburg-Trilogie“ von Fakir Baykurt – das lässt sich leicht merken, um in Buchhandlungen danach zu fragen. Die Trilogie kostet nur 50 Euro. Dem Verlag Dialog-Edition sei viel Nachfrage gewünscht. Das große Publikum am Dienstag bei der Veranstaltung vom Verein für Literatur Duisburg bewies, wie tief Fakir Baykurt sowohl in die türkische Comunitiy als auch in die Mehrheitsgesellschaft Duisburgs hinein gewirkt hat. Seine Romane gehören in den Kanon einer Literatur des Ruhrgebiets.

Halbzeitpausengespräch: Jetzt erschienen – Duisburg auf den zweiten Blick

Zwischen März und Juni war der Martin Wedau in mir wieder gefragt. Ihn, den Kollegen Koss – und mich nur am Rande – beschäftigte der sprichwörtliche zweite Blick, in dem Fall auf Duisburg.

Unsere Autoren-Arbeitsgemeinshaft wollte übersehene Details im Bekannten entdecken und sich in den weniger besuchten Ecken der Stadt umschauen. Sie fragte Duisburger nach Orten, denen sie mehr Aufmerksamkeit wünschten. Wir spazierten mit einem anderen Bewusstsein durch die Stadt. All das führte zu interessanten Geschichten und manchem auch uns neuen historischen Wissen über Duisburg.

Nun ist das Buch erschienen. Die Fotos geben einen ersten Eindruck.

 

 

Martin Wedau
Duisburg auf den zweiten Blick. Der besondere Stadtführer zu den verborgenen Schätzen.
Taschenbuch, ‏ 160 Seiten
ISBN: ‎ ‎ 978-3837524680
€ 18,95

Briefe aus Westende – Von Fußball-Wanderarbeitern und erster Trikotwerbung

Geschichten über gescheiterte Karrieren von Jugendfußballern kommen mir inzwischen wie ein Subgenre der Fußballberichterstattung vor. Besonders geeignet dafür sind solche Jugendnationalspieler, die als Senioren etwa in der der Oberliga landen. So ein Werdegang hat die passende Fallhöhe für Geschichten, die einerseits berühren, aber auch nicht allzu sehr beunruhigen. Denn natürlich hören wir von all den Anstrengungen der Jugendleistungszentren, für die jungen Menschen auch den Lebensweg ohne die Bundesligakarriere zu ermöglichen.

So bekommen wir bestätigt, wie hart die Auslese in der Profiwelt ist, während der Spieler selbst mit seinem unerfüllt gebliebenen Traum berührt. Zugleich bleibt der soziale Zusammenhang unangetastet. So ist nun mal die Welt. Nicht jeder kann zu den Allerbesten gehörten. Im versöhnlichen Ende gewinnt der Fußball in der Spielerbiografie seine Kraft zurück, weil bei Ausbildung oder Studium mit der Unterstützung durchs verdiente Geld mit Oberliga-Fußball alles einfacher wird.

Senad Jarovic war zwar kein Nationalspieler, aber bis zur U17 bei Fortuna Düsseldorf. Jetzt ist er 24 und spielt wie nebenan ablesbar bei Sloboda Tuzla in Bosnien-Herzegowina, für ihn als Senior bereits sein neunter Verein. Kürzlich las ich in der ZEIT eine längere Geschichte über ihn von Henning Sußebach (hinter der Paywall).

Senad Jarovics Weg geht nicht in einer so leicht zu deutenden Geschichte auf. Sein Traum, Fußballprofi zu werden, mündete in den Beruf des Fußball-Wanderarbeiters. Zu Zweitliga-Zeiten unter Walter Hellmich gab es solche Spieler auch in Duisburg. Deren Namen erinnere ich nicht mal mehr ohne Hilfe aus dem unerschöpflichen Datenschatz des Netzes. So viele Zufälle spielten bei der Karriere eine Rolle, neben Trainerwechseln auch das Vetrauen in Spielerberater, die statt in Deutschland in Südosteuropa ihre Kontakte besitzen. Er verdient nicht viel Geld in Bosnien-Herzegowina. Dennoch übt er den Beruf aus, den er anstrebte. Das ist ein anderer Weg als einer in Deutschland. Er rückt die ökonomischen Hintergründe des Gegenwartsfußballs mehr in den Blick. Er führt zudem zu der Frage nach dem Sinn und was Zufriedenheit mit dem Leben bedeutet.

Davon ab habe ich kurz besonders aufgemerkt, als ein Datenanalyst in Deutschland nach der Spielstärke Senad Jarovics befragt wurde. Der meinte, er könnte zumindest ein Zweitligaspieler sein. Girth war schon verletzt, und es war absehbar, wie schwer es für den MSV in der Offensive wird. Jarovic ist wohl ein spielender Mittelstürmer, technisch sehr gut, aber weniger Kopfballstark, als es sein Größe erwarten lässt. Der braucht nur das passende Umfeld. Ein Portrait als Bewerbungsunterlage – vielleicht sollte ich Ralf Heskamp den Link zum Artikel schicken.

Und nun zu etwas anderem: einmal mehr gilt, jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Bislang dachte ich,  Trikotwerbung habe Günter Mast zuerst in Deutschlands Fußballwelt ausprobiert, als er das Jägermeister-Emblem bei Eintracht Braunschweig einführte. Doch dort blieb Trikotwerbung nur das erste Mal unangetastet. Schon 1967 hatte es einen Versuch bei Wormatia Worms gegeben, Trikots mit Werbung zu versehen. Deutschlandfunk Nova widmete diesem Geschehen Eine Stunde History – als Podcast bei den üblichen Anbietern oder hier abrufbar in der ARD-Mediathek. Allerdings geht es in der zweiten Hälfte kaum mehr um die Historie, sondern um die Gegenwart. Von Grundlagen des Sponsorings erzählt der unvermeidliche Experte aus der Branche. Viel Substanz kommt nicht dabei herum. Dass Verein und Unternehmen zusammen passen müssen, ist kein nur Experten vorbehaltenes Wissen.

Über Trikotsponsoren und über die Halbjahresengagements von längst vergessenen Profis beim MSV können wir übrigens auch persönlich sprechen. Entweder am kommenden Donnerstag nach der Lesung im Gleis 3 um 20 Uhr in Großenbaum oder eine Woche später, am 29., bei gleichem Anlass in Bissingheim, im „Zum Hocker“. Dort beginne ich um 19.02 Uhr mit meinem Programm zur Fußballfibel MSV Duisburg „Bundesliga, ich komm‘ aus dir“ – Geschichten aus einem Leben mit den Zebras.

Heimatlied Sektion Ruhrstadt – Folge 50: Flipstar mit Kein schöner Land

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich in dieser Reihe mit „Der Ruhrpott ist unendlich“ eine nostalgische Rückbesinnung von Pott-Hiphoppern im mittleren Alter auf ihre Anfangsjahre mit dem Sound in der Ruhrstadt veröffentlicht. Die Reaktion auf den Clip zeigte, eine Generation des Ruhrgebiets erkannte sich wieder. Zu diesen Oldschool Hiphoppern zählten auch Creutzfeld & Jacob.

Das heutige Stück gehört zu diesem Oldschool-Hiphop, und Flipstar damals zu Creutzfeld & Jacob. Solo unterwegs rappte er in „Kein schöner Land“ über eine Städtelandschaft, in der neben den üblichen Ruhrstadt-Stadtteilen auch Wuppertal genannt wurde. Als der Song entstand, war der Raum der Identität noch der graue schwache Wirtschaftsraum, den die Industrie kürzlich zurückgelassen hatte. Wuppertal gehörte ohne Frage zu diesem schwachen Wirtschaftsraum. Darin glich die Zeit den Anfängen der Industrialisierung, zu denen immer vom rheinisch-westfälischen Industriegebiet gesprochen wurde. Selbstverständlich waren das Bergische Land und die Rheinschiene bis Leverkusen mitgemeint.  

Eine Fassung zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 wurde aufwändiger produziert. Bläsersätze kamen hinzu. Der Sound wurde etwas gefälliger. Auch der Text wurde verändert. Mehr Stadtteile sind nun genannt, und Wuppertal gehörte nicht mehr dazu. Die Ruhrstadt fand Identität, begrenzte sich und war sich ihrer starken Stadtteilidentitäten bewusst.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Halbzeitpausengespräch – Handverlesen Spezial zum Hafenfest mit Marion Basteck, Thomas Frahm und Ralf Koss

Foto: Martin Wedau
Foto: Gernot Schwarz
Foto: Marion Basteck

Wenn in Ruhrort mit Open-Air-Konzerten, Kunstmarkt und anderen Attraktionen auch an die Bedeutung des Hafens für die Stadt erinnert wird, steht die Literatur am Vorabend des Hafenfestes nicht zurück.

In der Reihe „Handverlesen“ geht es in Prosa und Lyrik am Donnerstag, den 18. August, um den Hafen, um Ruhrort und um die Schifffahrt auf dem Rhein. Die Texte der Duisburger Autoren Marion Basteck, Thomas Frahm und Ralf Koss erzählen von den Menschen, die im Hafenstadtteil leben sowie von Vergangenheit und Gegenwart des größten Binnenhafen Europas. Sie zeichnen ein Bild von der inneren Verbindung zum Wasser, wenn man in der Nähe des Rheins aufwächst. Neben den gegenwärtigen Texten der Duisburger Autoren zeigt der Blick auf Romane der Vergangenheit, dass Ruhrort schon immer ein Thema für die Literatur war.

Handverlesen – Literatur am Neumarkt ist eine lose Folge von Veranstaltungen, in denen Literatur und deren Autor_Innen im Vordergrund stehen. Immer frisch, immer handverlesen, immer am Neumarkt.

Handverlesen | Hafenfest-Spezial
Das Plus am Neumarkt
Neumarkt 19
47119 Duisburg-Ruhrort
Donnerstag 18. August 2022, 19.00 Uhr
Eintritt frei(willig) – Hutveranstaltung

Zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 49: Muetze feat Kadda und RE mit Mein Ruhrgebiet 2

Der Rapper Muetze kommt aus Gelsenkirchen, hat hier eine Seite bei Facebook und sein Herz hängt am falschen Fußballverein. Sympathischerweise erinnert der Text von „Mein Ruhrgebiet 2“ Raum daran, dass diese Entscheidung für den Verein in der Mitte der Ruhrstadt sehr persönliche Gründe hat.

Muetze widmet sich in einigen seiner Songs der Wirklichkeit des Ruhrgebiets. Seinen Verein und den Fußball hat er betextet, das Schließen der Zechen berappt und nicht zuletzt mit „Mein Ruhrgebiet 2“ ein Liebeslied der Ruhrstadt gewidmet. Die „2“ lässt eine „1“ vermuten, die ich nicht gefunden habe. Eine „3“ wird bei Facebook angekündigt.

Muetzes gerappter Text zeigt seine tiefe Heimatliebe mit vielen bekannten Bildern. Da ist die Vergangenheit mit der Kohle, da sind die abwertenden Blicke von draußen als Ignoranz auf die Spitze getrieben. Da reizen ihn die vermeintlich attraktiven Gegenwelten von Berlin und München, von Frankfurt und Düsseldorf nicht, weil dort nicht das zu finden ist, was die Menschen im Ruhrgebiet ausmacht. Er spürt Stolz und die Liebe zum Ruhrpott, weil diese Städtelandschaft ihr „Herz am rechten Fleck hat“ – bildhaft für die Menschen, die hier leben.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Halbzeitpausengespräch – Besuch bei potentiellem Spielort im Niederrheinpokal

Gestern Abend war ich in ehrenamtlicher Mission für den MSV unterwegs. Kurzentschlossen machte ich eine Terrainbesichtigung bei einem potentiellen Gegner im Niederrheinpokal. Falls die Zebras in dieser Saison tatsächlich vorhaben, den Wettbewerb ein bisschen ernster anzugehen als in den letzten zwei Jahren. Dann könnte ja Rot-Weiß Oberhausen mal wieder einer der letzten Gegner in dem Wettbewerb sein. Das Umfeld und Arbeitsbedingungen konnte ich im Gespräch mit Hajo Sommers checken. Dass er der Präsident von RWO ist, muss ich euch nicht sagen. Die Spielbedingungen brauchen momentan allerdings eine besondere Vorbereitung der Zebras.

Der Spielertunnel verbreitet mit dem Rotlicht eine sonderbar entspannende Atmospäre, die wir aus anderen Zusammenhängen kennen. Zudem laufen die Spieler genau auf einen Bierstand zu. Das sind neue Versuche, den Gegner schon vor dem Spiel psychisch zu schwächen. Vielleicht brauchen einzelne Spieler in dem Fall eine besondere Ansprache.

Am Spielfeldrand wird auch der Linienrichter neue Bedingungen vorfinden. Der Sinn der Tribünenmaßnahme während der Saison erschließt sich für mich gerade nicht. Momentan wird die wohl zwischengenutzt. Gestern Abend stand dort Nito Torres samt Band. Womöglich gehören Bühne und Nito Torres ins Gesamtpacket „RWO zukunftsfähig machen“. Denn auch das von Torres zum Mitsingen einladende Liedgut war textlich angepasst. Wir hören ja immer wieder, wieviel länger zukünftig noch das menschliche Leben wird. So kann auch mancher Altersunterschied bei lustvollen Begegnungen beträchtlich zunehmen. Er war 16 und sie tatsächlich 130. Ich ruf im Falle eines Niederrheinpokalfalles auf jeden Fall mal in der Geschäftstelle des MSV an.

Heimatliedsammlung gedenkt Frank Baier – † 9. April 2022

Der Liedermacher Frank Baier ist am Samstag im Alter von 79 Jahren verstorben. In seinem Werk hat er sich intensiv mit der Arbeiterkultur und dem Ruhrgebiet beschäftigt. Lieder von ihm finden sich sowohl in meiner Sammlung Heimatlied Ruhrstadt als auch in der zum Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg.

„Über unsern Kohlenpott“ – Folge 14 der Ruhrstadt-Sammlung – entstand in den 1970er Jahren und ist eine Liebeserklärung an die Region, ohne dass er die Abhängigsverhältnisse der hier lebenden Arbeiter ausblendete.

In seinen beiden Liedern über Duisburg – Folge 10 der Duisburg-Sammlung – besingt er konkrete, politische Geschehnisse. Zum einen beschäftigte er sich mit der Roten Ruhrarmee und brachte historisches Liedgut zusammen mit den Grenzgängern auf die Bühne. Zum anderen unterstützte er den Widerstand gegen den Abriss der Siedlung Rheinpreußen mit einem Lied und brachte es in der ebenfalls vom Abriss bedrohten Oberhausener Siedlung Eisenheim zum Vortrag.

Solche Lieder machen Frank Baiers Wirken kenntlich. Sie zeigen seine Bedeutung für die Kultur des Ruhrgebiets. Trotz des berührenden Nachrufs in der NRZ vom Kulturchef Jens Dirksen selbst – hinter der Paywall – scheint mir Frank Baier in der etablierten Kultur des Ruhrgebiets bis heute zu wenig gewürdigt. Belehrt mich eines besseren.

Halbzeitpausengespräch – Live-Hörspiel zur Erinnerungskultur am 10. 4. in Ruhrort

Die Ruhrorter Rheinbrücke im März 1945

Ich habe da noch was als Gesprächsstoff für die Halbzeitpause gleich im Stadion: „Zwar ging davon die Welt nicht unter“ heißt das Lese- und Hörstück, das ich vor zwei Jahren geschrieben habe. Ich suchte nach Wegen, ein formelhaftes Gedenken an das Kriegsende zu verändern. Dieses Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs braucht erweiterte Ausdrucksformen.

Es gibt kaum mehr Zeitzeugen, und die lange Jahre einvernehmliche Deutung des Kriegsendes wird inzwischen öffentlich immer wieder bestritten. So habe ich dieses Ringen um Deutung in das Zentrum meines Stückes gestellt. Corona hat die Premiere bislang verhindert. Nun findet sie am 10. April um 16 Uhr in Ruhrort statt. Zwei Jahre nach dem Entstehen macht Wladimir Putins Befehl zum Überfall auf die Ukraine aus einem Hörstück zur Erinnerungskultur einen Protest gegen den Krieg.

Die Programmankündigung gibt einen Vorgeschmack.

Zwar ging die Welt davon nicht unter

Wladimir Putins Befehl zum Überfall auf die Ukraine macht aus einem Hörstück zur Erinnerungskultur einen Protest gegen den Krieg. Zwei Jahre lang hat Corona die Premiere verhindert. Nun erhält es durch die geteilten Erinnerungen an das Leid durch Kriege eine aktuelle Bedeutung.

Der Krieg in Europa ist wieder Gegenwart geworden. Auch wenn deshalb die Debatten um die deutsche Erinnerungskultur in den Hintergrund gerückt sind, im Zuspruch zu Wladiminir Putins Handeln machen sie sich in verkleideter Form bemerkbar. Schon länger fanden Politiker Unterstützung, die historische Wahrheiten über Bedingungen und Folgen der nationalsozialistischen Diktatur klein redeten. Deutsche sahen sich wieder vor die Entscheidung gestellt, ob der 8. Mai ein Tag der Befreiung oder ein Tag der Niederlage ist.

Mit einem vielstimmigen Hörstück sucht Ralf Koss nach Möglichkeiten des Gedenkens an das Kriegsende. Die heile Schlagerwelt der Nazizeit untermalt die Erinnerungen von Duisburgern an die letzten Kriegstage. Historikerstimmen der Gegenwart begegnen einem Versuch über Duisburg im Nationalsozialismus zu schreiben aus dem Jahr 1949. Sie münden in die Erinnerungssehnsüchte von AfD-Politikern wie Alexander Gauland sowie Björn Höcke und der gegenüber dem erstarkten Rechtsextremismus wieder nötigen Botschaft des Liedermachers Konstantin Wecker „Sag nein“.

Ort: Vor dem Hochbunker, Milchstraße, 47119 Duisburg-Ruhrort
Bei Regen in der Gaststätte Zum Hübi, Horst-Schimanski-Gasse, 47119 Duisburg-Ruhrort
Zeit: 16 Uhr
Eintritt frei. Hutveranstaltung zur Unterstützung der Hofkultur Ruhrort

Momentan sagt der Wetterbericht: Kein Regen, aber nicht allzu warm. Heißt: Decken mitbringen.


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