Archive for the 'Halbzeitpausengespräch' Category

Briefe aus Westende – Von Fußball-Wanderarbeitern und erster Trikotwerbung

Geschichten über gescheiterte Karrieren von Jugendfußballern kommen mir inzwischen wie ein Subgenre der Fußballberichterstattung vor. Besonders geeignet dafür sind solche Jugendnationalspieler, die als Senioren etwa in der der Oberliga landen. So ein Werdegang hat die passende Fallhöhe für Geschichten, die einerseits berühren, aber auch nicht allzu sehr beunruhigen. Denn natürlich hören wir von all den Anstrengungen der Jugendleistungszentren, für die jungen Menschen auch den Lebensweg ohne die Bundesligakarriere zu ermöglichen.

So bekommen wir bestätigt, wie hart die Auslese in der Profiwelt ist, während der Spieler selbst mit seinem unerfüllt gebliebenen Traum berührt. Zugleich bleibt der soziale Zusammenhang unangetastet. So ist nun mal die Welt. Nicht jeder kann zu den Allerbesten gehörten. Im versöhnlichen Ende gewinnt der Fußball in der Spielerbiografie seine Kraft zurück, weil bei Ausbildung oder Studium mit der Unterstützung durchs verdiente Geld mit Oberliga-Fußball alles einfacher wird.

Senad Jarovic war zwar kein Nationalspieler, aber bis zur U17 bei Fortuna Düsseldorf. Jetzt ist er 24 und spielt wie nebenan ablesbar bei Sloboda Tuzla in Bosnien-Herzegowina, für ihn als Senior bereits sein neunter Verein. Kürzlich las ich in der ZEIT eine längere Geschichte über ihn von Henning Sußebach (hinter der Paywall).

Senad Jarovics Weg geht nicht in einer so leicht zu deutenden Geschichte auf. Sein Traum, Fußballprofi zu werden, mündete in den Beruf des Fußball-Wanderarbeiters. Zu Zweitliga-Zeiten unter Walter Hellmich gab es solche Spieler auch in Duisburg. Deren Namen erinnere ich nicht mal mehr ohne Hilfe aus dem unerschöpflichen Datenschatz des Netzes. So viele Zufälle spielten bei der Karriere eine Rolle, neben Trainerwechseln auch das Vetrauen in Spielerberater, die statt in Deutschland in Südosteuropa ihre Kontakte besitzen. Er verdient nicht viel Geld in Bosnien-Herzegowina. Dennoch übt er den Beruf aus, den er anstrebte. Das ist ein anderer Weg als einer in Deutschland. Er rückt die ökonomischen Hintergründe des Gegenwartsfußballs mehr in den Blick. Er führt zudem zu der Frage nach dem Sinn und was Zufriedenheit mit dem Leben bedeutet.

Davon ab habe ich kurz besonders aufgemerkt, als ein Datenanalyst in Deutschland nach der Spielstärke Senad Jarovics befragt wurde. Der meinte, er könnte zumindest ein Zweitligaspieler sein. Girth war schon verletzt, und es war absehbar, wie schwer es für den MSV in der Offensive wird. Jarovic ist wohl ein spielender Mittelstürmer, technisch sehr gut, aber weniger Kopfballstark, als es sein Größe erwarten lässt. Der braucht nur das passende Umfeld. Ein Portrait als Bewerbungsunterlage – vielleicht sollte ich Ralf Heskamp den Link zum Artikel schicken.

Und nun zu etwas anderem: einmal mehr gilt, jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Bislang dachte ich,  Trikotwerbung habe Günter Mast zuerst in Deutschlands Fußballwelt ausprobiert, als er das Jägermeister-Emblem bei Eintracht Braunschweig einführte. Doch dort blieb Trikotwerbung nur das erste Mal unangetastet. Schon 1967 hatte es einen Versuch bei Wormatia Worms gegeben, Trikots mit Werbung zu versehen. Deutschlandfunk Nova widmete diesem Geschehen Eine Stunde History – als Podcast bei den üblichen Anbietern oder hier abrufbar in der ARD-Mediathek. Allerdings geht es in der zweiten Hälfte kaum mehr um die Historie, sondern um die Gegenwart. Von Grundlagen des Sponsorings erzählt der unvermeidliche Experte aus der Branche. Viel Substanz kommt nicht dabei herum. Dass Verein und Unternehmen zusammen passen müssen, ist kein nur Experten vorbehaltenes Wissen.

Über Trikotsponsoren und über die Halbjahresengagements von längst vergessenen Profis beim MSV können wir übrigens auch persönlich sprechen. Entweder am kommenden Donnerstag nach der Lesung im Gleis 3 um 20 Uhr in Großenbaum oder eine Woche später, am 29., bei gleichem Anlass in Bissingheim, im „Zum Hocker“. Dort beginne ich um 19.02 Uhr mit meinem Programm zur Fußballfibel MSV Duisburg „Bundesliga, ich komm‘ aus dir“ – Geschichten aus einem Leben mit den Zebras.

Heimatlied Sektion Ruhrstadt – Folge 50: Flipstar mit Kein schöner Land

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich in dieser Reihe mit „Der Ruhrpott ist unendlich“ eine nostalgische Rückbesinnung von Pott-Hiphoppern im mittleren Alter auf ihre Anfangsjahre mit dem Sound in der Ruhrstadt veröffentlicht. Die Reaktion auf den Clip zeigte, eine Generation des Ruhrgebiets erkannte sich wieder. Zu diesen Oldschool Hiphoppern zählten auch Creutzfeld & Jacob.

Das heutige Stück gehört zu diesem Oldschool-Hiphop, und Flipstar damals zu Creutzfeld & Jacob. Solo unterwegs rappte er in „Kein schöner Land“ über eine Städtelandschaft, in der neben den üblichen Ruhrstadt-Stadtteilen auch Wuppertal genannt wurde. Als der Song entstand, war der Raum der Identität noch der graue schwache Wirtschaftsraum, den die Industrie kürzlich zurückgelassen hatte. Wuppertal gehörte ohne Frage zu diesem schwachen Wirtschaftsraum. Darin glich die Zeit den Anfängen der Industrialisierung, zu denen immer vom rheinisch-westfälischen Industriegebiet gesprochen wurde. Selbstverständlich waren das Bergische Land und die Rheinschiene bis Leverkusen mitgemeint.  

Eine Fassung zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 wurde aufwändiger produziert. Bläsersätze kamen hinzu. Der Sound wurde etwas gefälliger. Auch der Text wurde verändert. Mehr Stadtteile sind nun genannt, und Wuppertal gehörte nicht mehr dazu. Die Ruhrstadt fand Identität, begrenzte sich und war sich ihrer starken Stadtteilidentitäten bewusst.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Halbzeitpausengespräch – Handverlesen Spezial zum Hafenfest mit Marion Basteck, Thomas Frahm und Ralf Koss

Foto: Martin Wedau
Foto: Gernot Schwarz
Foto: Marion Basteck

Wenn in Ruhrort mit Open-Air-Konzerten, Kunstmarkt und anderen Attraktionen auch an die Bedeutung des Hafens für die Stadt erinnert wird, steht die Literatur am Vorabend des Hafenfestes nicht zurück.

In der Reihe „Handverlesen“ geht es in Prosa und Lyrik am Donnerstag, den 18. August, um den Hafen, um Ruhrort und um die Schifffahrt auf dem Rhein. Die Texte der Duisburger Autoren Marion Basteck, Thomas Frahm und Ralf Koss erzählen von den Menschen, die im Hafenstadtteil leben sowie von Vergangenheit und Gegenwart des größten Binnenhafen Europas. Sie zeichnen ein Bild von der inneren Verbindung zum Wasser, wenn man in der Nähe des Rheins aufwächst. Neben den gegenwärtigen Texten der Duisburger Autoren zeigt der Blick auf Romane der Vergangenheit, dass Ruhrort schon immer ein Thema für die Literatur war.

Handverlesen – Literatur am Neumarkt ist eine lose Folge von Veranstaltungen, in denen Literatur und deren Autor_Innen im Vordergrund stehen. Immer frisch, immer handverlesen, immer am Neumarkt.

Handverlesen | Hafenfest-Spezial
Das Plus am Neumarkt
Neumarkt 19
47119 Duisburg-Ruhrort
Donnerstag 18. August 2022, 19.00 Uhr
Eintritt frei(willig) – Hutveranstaltung

Zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 49: Muetze feat Kadda und RE mit Mein Ruhrgebiet 2

Der Rapper Muetze kommt aus Gelsenkirchen, hat hier eine Seite bei Facebook und sein Herz hängt am falschen Fußballverein. Sympathischerweise erinnert der Text von „Mein Ruhrgebiet 2“ Raum daran, dass diese Entscheidung für den Verein in der Mitte der Ruhrstadt sehr persönliche Gründe hat.

Muetze widmet sich in einigen seiner Songs der Wirklichkeit des Ruhrgebiets. Seinen Verein und den Fußball hat er betextet, das Schließen der Zechen berappt und nicht zuletzt mit „Mein Ruhrgebiet 2“ ein Liebeslied der Ruhrstadt gewidmet. Die „2“ lässt eine „1“ vermuten, die ich nicht gefunden habe. Eine „3“ wird bei Facebook angekündigt.

Muetzes gerappter Text zeigt seine tiefe Heimatliebe mit vielen bekannten Bildern. Da ist die Vergangenheit mit der Kohle, da sind die abwertenden Blicke von draußen als Ignoranz auf die Spitze getrieben. Da reizen ihn die vermeintlich attraktiven Gegenwelten von Berlin und München, von Frankfurt und Düsseldorf nicht, weil dort nicht das zu finden ist, was die Menschen im Ruhrgebiet ausmacht. Er spürt Stolz und die Liebe zum Ruhrpott, weil diese Städtelandschaft ihr „Herz am rechten Fleck hat“ – bildhaft für die Menschen, die hier leben.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Halbzeitpausengespräch – Besuch bei potentiellem Spielort im Niederrheinpokal

Gestern Abend war ich in ehrenamtlicher Mission für den MSV unterwegs. Kurzentschlossen machte ich eine Terrainbesichtigung bei einem potentiellen Gegner im Niederrheinpokal. Falls die Zebras in dieser Saison tatsächlich vorhaben, den Wettbewerb ein bisschen ernster anzugehen als in den letzten zwei Jahren. Dann könnte ja Rot-Weiß Oberhausen mal wieder einer der letzten Gegner in dem Wettbewerb sein. Das Umfeld und Arbeitsbedingungen konnte ich im Gespräch mit Hajo Sommers checken. Dass er der Präsident von RWO ist, muss ich euch nicht sagen. Die Spielbedingungen brauchen momentan allerdings eine besondere Vorbereitung der Zebras.

Der Spielertunnel verbreitet mit dem Rotlicht eine sonderbar entspannende Atmospäre, die wir aus anderen Zusammenhängen kennen. Zudem laufen die Spieler genau auf einen Bierstand zu. Das sind neue Versuche, den Gegner schon vor dem Spiel psychisch zu schwächen. Vielleicht brauchen einzelne Spieler in dem Fall eine besondere Ansprache.

Am Spielfeldrand wird auch der Linienrichter neue Bedingungen vorfinden. Der Sinn der Tribünenmaßnahme während der Saison erschließt sich für mich gerade nicht. Momentan wird die wohl zwischengenutzt. Gestern Abend stand dort Nito Torres samt Band. Womöglich gehören Bühne und Nito Torres ins Gesamtpacket „RWO zukunftsfähig machen“. Denn auch das von Torres zum Mitsingen einladende Liedgut war textlich angepasst. Wir hören ja immer wieder, wieviel länger zukünftig noch das menschliche Leben wird. So kann auch mancher Altersunterschied bei lustvollen Begegnungen beträchtlich zunehmen. Er war 16 und sie tatsächlich 130. Ich ruf im Falle eines Niederrheinpokalfalles auf jeden Fall mal in der Geschäftstelle des MSV an.

Heimatliedsammlung gedenkt Frank Baier – † 9. April 2022

Der Liedermacher Frank Baier ist am Samstag im Alter von 79 Jahren verstorben. In seinem Werk hat er sich intensiv mit der Arbeiterkultur und dem Ruhrgebiet beschäftigt. Lieder von ihm finden sich sowohl in meiner Sammlung Heimatlied Ruhrstadt als auch in der zum Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg.

„Über unsern Kohlenpott“ – Folge 14 der Ruhrstadt-Sammlung – entstand in den 1970er Jahren und ist eine Liebeserklärung an die Region, ohne dass er die Abhängigsverhältnisse der hier lebenden Arbeiter ausblendete.

In seinen beiden Liedern über Duisburg – Folge 10 der Duisburg-Sammlung – besingt er konkrete, politische Geschehnisse. Zum einen beschäftigte er sich mit der Roten Ruhrarmee und brachte historisches Liedgut zusammen mit den Grenzgängern auf die Bühne. Zum anderen unterstützte er den Widerstand gegen den Abriss der Siedlung Rheinpreußen mit einem Lied und brachte es in der ebenfalls vom Abriss bedrohten Oberhausener Siedlung Eisenheim zum Vortrag.

Solche Lieder machen Frank Baiers Wirken kenntlich. Sie zeigen seine Bedeutung für die Kultur des Ruhrgebiets. Trotz des berührenden Nachrufs in der NRZ vom Kulturchef Jens Dirksen selbst – hinter der Paywall – scheint mir Frank Baier in der etablierten Kultur des Ruhrgebiets bis heute zu wenig gewürdigt. Belehrt mich eines besseren.

Halbzeitpausengespräch – Live-Hörspiel zur Erinnerungskultur am 10. 4. in Ruhrort

Die Ruhrorter Rheinbrücke im März 1945

Ich habe da noch was als Gesprächsstoff für die Halbzeitpause gleich im Stadion: „Zwar ging davon die Welt nicht unter“ heißt das Lese- und Hörstück, das ich vor zwei Jahren geschrieben habe. Ich suchte nach Wegen, ein formelhaftes Gedenken an das Kriegsende zu verändern. Dieses Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs braucht erweiterte Ausdrucksformen.

Es gibt kaum mehr Zeitzeugen, und die lange Jahre einvernehmliche Deutung des Kriegsendes wird inzwischen öffentlich immer wieder bestritten. So habe ich dieses Ringen um Deutung in das Zentrum meines Stückes gestellt. Corona hat die Premiere bislang verhindert. Nun findet sie am 10. April um 16 Uhr in Ruhrort statt. Zwei Jahre nach dem Entstehen macht Wladimir Putins Befehl zum Überfall auf die Ukraine aus einem Hörstück zur Erinnerungskultur einen Protest gegen den Krieg.

Die Programmankündigung gibt einen Vorgeschmack.

Zwar ging die Welt davon nicht unter

Wladimir Putins Befehl zum Überfall auf die Ukraine macht aus einem Hörstück zur Erinnerungskultur einen Protest gegen den Krieg. Zwei Jahre lang hat Corona die Premiere verhindert. Nun erhält es durch die geteilten Erinnerungen an das Leid durch Kriege eine aktuelle Bedeutung.

Der Krieg in Europa ist wieder Gegenwart geworden. Auch wenn deshalb die Debatten um die deutsche Erinnerungskultur in den Hintergrund gerückt sind, im Zuspruch zu Wladiminir Putins Handeln machen sie sich in verkleideter Form bemerkbar. Schon länger fanden Politiker Unterstützung, die historische Wahrheiten über Bedingungen und Folgen der nationalsozialistischen Diktatur klein redeten. Deutsche sahen sich wieder vor die Entscheidung gestellt, ob der 8. Mai ein Tag der Befreiung oder ein Tag der Niederlage ist.

Mit einem vielstimmigen Hörstück sucht Ralf Koss nach Möglichkeiten des Gedenkens an das Kriegsende. Die heile Schlagerwelt der Nazizeit untermalt die Erinnerungen von Duisburgern an die letzten Kriegstage. Historikerstimmen der Gegenwart begegnen einem Versuch über Duisburg im Nationalsozialismus zu schreiben aus dem Jahr 1949. Sie münden in die Erinnerungssehnsüchte von AfD-Politikern wie Alexander Gauland sowie Björn Höcke und der gegenüber dem erstarkten Rechtsextremismus wieder nötigen Botschaft des Liedermachers Konstantin Wecker „Sag nein“.

Ort: Vor dem Hochbunker, Milchstraße, 47119 Duisburg-Ruhrort
Bei Regen in der Gaststätte Zum Hübi, Horst-Schimanski-Gasse, 47119 Duisburg-Ruhrort
Zeit: 16 Uhr
Eintritt frei. Hutveranstaltung zur Unterstützung der Hofkultur Ruhrort

Momentan sagt der Wetterbericht: Kein Regen, aber nicht allzu warm. Heißt: Decken mitbringen.

Halbzeitpausengespräch: Christoph Dieckmann im KS36 – Ein Abend zu ostdeutschen Befindlichkeiten und deutscher Identität

Christoph Dieckmann, Foto: Privat

Am Mittwoch, den 20. Oktober, findet um 19.30 Uhr im Duisburger KS36 die Auftaktveranstaltung der Lesereihe „Viele Stimmen! Ein Chor?“ statt. Ich freue mich, den Berliner Autor Christoph Dieckmann als Gast begrüßen zu dürfen. Er liest aus seinem letzten Buch „Woher sind wir geboren“, und wir sprechen über ostdeutsche Erfahrungen und die deutsche Identität.

Der in der DDR aufgewachsene Christoph Dieckmann hat als Journalist für die ZEIT lange Jahre über den Osten Deutschlands geschrieben. Die empfundene Benachteiligung, die Beschreibungen von außen, Identitätsfragen waren dabei oft ein Thema. Noch immer beschäftigt er sich mit den Besonderheiten ostdeutscher Biografien und den Wurzeln deutscher Identität.

So erzählt er vom langen Untergang seiner DDR und von der Münchner Räterepublik. Er reiste zum »Schrein der Christenheit« nach Aachen, zur »Judensau« in Luthers Wittenberg, zur Walhalla und in Deutschlands einstige Kolonialmetropole Hamburg. Er beschreibt, was die Deutschen unterscheidet, doch nicht trennen muss: Vergangenheit und Erinnerung. Christoph Dieckmann wurde 1992 mit dem Internationalen Publizistik-Preis von Klagenfurt ausgezeichnet, 1993 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis, 1994 den Egon-Erwin-Kisch-Preis, 1996 den Friedrich-Märker-Preis für Essayistik.

Die Veranstaltung verstehe ich als Beitrag zu den gegenwärtigen Debatten rund um Identitäten. Auch wenn die Beschäftigung mit der ostdeutschen Identität gerade etwas in den Hintergrund gerückt ist, stehen wir auch hier weiter vor der Frage, wie die unterschiedlichen Stimmen in Deutschland zu einer gemeinsamen Sprache finden. Die Veranstaltungsreihe „Viele Stimmen! Ein Chor?“ konnte auf den Weg gebracht werden, weil mit dem KS36, der Neudorfer Buchhandlung Tausendundein Buch und mir gleich drei Akteure der Duisburger Kultur zusammenarbeiten.

Karten zu 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, gibt es in der Buchhandlung Tausendundein Buch an der Oststraße, per Nachricht über das Kontaktformular an mich oder über den Eventbrite-Link mit Aufschlag von € 2,50 Vorverkaufsgebühr.

„Viele Stimmen“ Ein Chor?“ wird gefördert durch das Programm Neustart Kultur und unterstützt vom InterCity Hotel Duisburg.

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 46: Montan City Blues vom Orchester Werner Baumgart

Ruhrort bietet in normalen Zeiten ein vielfältiges Kulturangebot. Vornehmlich ist es die Musik, die über die Stadtgrenze hinaus Publikum anzieht. Doch am kommenden Samstag gehört das Plus am Neumarkt etwa zur Literatour 100. Gleich zwei bekannte und viel gerühmte Autoren sind dann zu erleben. Der Österreicher Tonio Schachinger ist mit seinem Roman „Nicht wie wir“ zu Gast. Mit ihm gibt er einen Einblick in die Gedankenwelt eines österreichischen Fußballnationalspielers bosnischer Herkunft. Und Sigi Domke, „Affentheater“-Gründungsmitglied und Texter für Herbert Knebel, kommt zum Ruhrstadtheimspiel. Mehr Info gibt es hier.

Diese heutige Selbstverständlichkeit als Stadtteil der Kultur musste sich erst wieder entwickeln, wobei gerade die Musiker sich auf eine Tradition in Ruhrort hätten berufen können. Der Komponist und Musikverleger Alfred Dahlbender lebte in dem Hafenstadtteil auf der Dr.-Hammacher-Straße.

Wahrscheinlich Ende der 1950er Jahre schuf er mit dem Montan City Blues oder Stadt Montan ein Instrumentalstück für seine Heimatstadt Duisburg. Im Arrangement für eine Big Band werden durch diesen sehr zeittypischen Sound jene Jahre lebendig. Wir kennen solch eine Musik aus vielen Filmen und von Konzerten der damals populären Big Bands.

In dem Fall hat das Orchester Werner Baumgart mit dem Solisten Kurt „Cocky“ Sauter das Stück eingespielt. Veröffentlicht wurde es auf dem Label des von Alfred Dahlbender gegründeten Attacca-Verlags. Als Single wohlgemerkt! Ich frage mich gerade, ob die Jüngeren schon nachlesen müssen, was das bedeutet.

Dank der Initiative vom Kreativquartier Ruhrort ist der Montan City Blues nun in digitalisierter Form hörbar. Bitte schön:

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Wie heißt denn Herne-West noch mal wirklich? – Ruhrgebiet. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten

Als meine Kollegin Tina Halberschmidt und ich „Ruhrgebiet. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ schrieben, haben wir uns allen Orten des Ruhrgebiets gleichermaßen verpflichtet gefühlt. Nun erreichte neulich den Klartext-Verlag ein Leserbrief, der uns darauf aufmerksam machte, dass das Layout der Ruhrgebietskarte von diesem Gedanken anscheinend nicht ganz so getragen war.

Fällt euch auf, welcher Städtename auf der Karte fehlt? Der Klartext-Verlag versichert, in der Neuauflage werde die Karte natürlich vervollständigt werden. Ich kann den Leserbriefschreiber verstehen. Niemand möchte als Einwohner eines Niemandsortes vergessen werden.

Aber der Kees Jaratz in mir schmunzelte und hielt es sofort für eine gute Idee, neben der korrigierten Zweitauflage weiterhin die Druckfassung der Erstauflage als Sonderedition für BVB-, MSV-, VfL-, RWE- und RWO-Fans verfügbar zu halten.

Wer sich unabhängig davon für das Buch interessiert, Besprechungen gibt es hier bei WAZ/NRZ – hinter der Paywall – und hier Rundschau Duisburg

Tina Halberschmidt/Martin Wedau: Ruhrgebiet. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten.
104 S., Klartext Verlag, Essen 2021.
€ 14,95
ISBN 978-3-8375-2383-6


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