Archive for the 'Halbzeitpausengespräch' Category

In eigener Sache: Ruhrgebiet. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten

Seitdem das Duisburg-Buch in der Klugscheißer-Reihe des Klartext-Verlags im Herbst letzten Jahres erschien, klopfen sich meine verschiedenen Autoren-Ichs für die gemeinsame Entscheidung zu diesem Buch gegenseitig auf die Schultern. Nicht nur dass die Zusammenarbeit mit Tina Halbeschmidt großen Spaß gemacht hat. Die Resonanz war auch groß. Wir erhielten viel Beifall für das Buch – in der Presse und von Leserinnen und Lesern hier bei Amazon.

Nun wissen wir, dass nicht nur Klugscheißer das Buch gekauft haben. Was von nun auch im Titel der gesamten Reihe deutlich wird. Weiterhin geht es aber um „populäre Irrtümer“ und „andere Wahrheiten“. Nach dem Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg haben Tina Halberschmidt und Martin Wedau in mir uns für das neue Buch mit der gesamten Ruhrstadt beschäftigt.

In gewisser Weise ist unser Buch von einem antizyklischen Gedanken getragen. Denn wir nehmen das Ruhrgebiet als kommunale Einheit ernst. Schon seit längerem gibt es ja Stimmen, die nach dem Ende von Kohle und Stahl das Auseinanderfallen der Stadtlandschaft vorhersagen. Im Gegensatz dazu steht ein Lebensgefühl der Menschen in der Region. Nun haben wir über die Region so geschrieben, wie wir über eine Stadt geschrieben hätten.

Ein Blick ins Vorwort.

Bei der Auswahl der Geschichten standen wir immer wieder vor der Frage, was hat in dieser Stadtlandschaft unabhängig von Kohle und Stahl eine Bedeutung für alle zwischen Kamp-Lintfort und Unna, zwischen Haltern und Hagen. Wir können nun viel über Identität erzählen. Wir haben viel darüber nachgedacht, was Zusammenhalt in der Gegenwart stiftet. Statt dass ich all das nun hier ausführe, kann man aber auch einfach das Buch lesen.

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis

Tina Halberschmidt/Martin Wedau: Ruhrgebiet. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten.
104 S., Klartext Verlag, Essen 2021.
€ 14,95
ISBN 978-3-8375-2383-6

Halbzeitpausengespräch – Jan Josef Liefers braucht Nachhilfe

Heutzutage muss man konzertiert auftreten, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Nun meinen einige Schauspielerinnen und Schauspieler also etwas zu Corona-Maßnahmen, zu bestimmtem Verhalten der Menschen dieser Gesellschaft oder auch zu den Medien. Die Aktion heißt „alles dichtmachen“. Gesehen habe ich nur den Clip von Jan Josef Liefers, und der hat mir schon gereicht. Der hat mich wütend gemacht, weil der Schauspieler populistisch und pauschal die (!) Medien angreift und damit ins Herz der Demokratie zielt. Ich kann nur hoffen, dass er das nicht will. Den Effekt nimmt er aber in Kauf.

Ich verstehe ihn nicht. Ich verstehe nicht, wie in dieser Gegenwart jemand ernsthaft sich nur einseitig informiert fühlen kann. Ich verstehe nicht, dass Jan Josef Liefers tatsächlich die „Medien“ mit gleichgeschalteter Berichterstattung am Werke sieht. Das mag in den Anfangswochen von Corona des letzten Jahres so gewesen sein. Diese Haltung des Zusammenstehens galt aber für fast alle in diesem Land. Wir schienen etwas großes Unbekanntes bewältigen zu müssen. Da mussten wir uns alle erst einmal orientieren, wie so was geht.

Nicht lange danach sind die ersten Stimmen von Wissenschaftlern und Ärzten gegen den „Mainstream“ publiziert worden und natürlich auch von seriösen Medien, sei es Print, TV oder Radio, eingeordnet worden. Das möchte ich auch. Ich möchte wissen, in welchem Verhältnis und mit welchem wissenschaftlichen Hintergrund eine Stimme zu Corona spricht. Das hat etwa die Süddeutsche Zeitung gemacht. Die habe ich old school im Print-Abonnenment. Das hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk gemacht. Die anderen großen seriösen Medien habe ich punktuell im Netz ebenfalls mit anderen Stimmen wahrgenommen. Dann gibt es das große weite Internet, wo jede Stimme gehört werden kann.

Und jetzt kommt Jan Josef Liefers um die Ecke mit seinem ironischen Statement zur Medienberichterstattung in dieser Coronazeit. Er fühlt sich nicht gut informiert, weil alle dasselbe schreiben und sagen. Er meint natürlich die etablierten Medien. Das ist schon klar. Ich fass es nicht. Als ob die Corona-Maßnahmen die ganze Zeit kritiklos bejubelt werden. Er missachtet doch vollkommen die Wirklichkeit von Berichterstattung und Kommentaren.

Wo lebt der Mann? Welche Verantwortung trägt er da gerade.

Schon faseln irgendwelche Leute vom Mut so etwas zu sagen.

Ich kann das einfach nicht glauben, dass Jan Josef Liefers den Journalismus der Gegenwart derart naiv betrachtet und das nun für eine gewichtige, mutige Meinung gehalten wird. Sein Clip hat auf dem Kanal „alles dichtmachen“ die meisten Aufrufe. Stellt sich Jan Josef Liefers nur dumm für seinen Kunstgriff Ironie oder glaubt er tatsächlich an seine Verschwörungsmeinung?

Ich habe nichts daran auszusetzen, wenn jemand die in Deutschland beschlossenen Corona-Maßnahmen kritisiert, sie für falsch und übertrieben hält. Darüber lässt sich diskutieren. Daneben gibt es den vorhandenen demokratischen Prozess eines Beschlusses. Wenn jemand aber meint, die „Medien“ würden daran arbeiten, irgendeine Stimmung hochzuhalten, damit Politiker reibungslos Beschlüsse durchwinken können, arbeitet ebenso und zwar daran, diese Demokratie zu zerstören. Demokratie braucht eine ständige Kritik aller maßgeblichen Institutionen. Diese Kritik ist aber nur konstruktiv für diese Demokratie, wenn sie auf konkrete Sachverhalte hin geäußert wird. Wer pauschal Institutionen wie die Medien diffamiert, arbeitet allen in die Hände, die diese Demokratie beseitigen wollen.

Ich fühle mich gut informiert. Auch durch etablierte Medien. Und daneben gibt es im Netz die ganze Welt der noch abseitigsten Meinungen und Informationen. Da kommt auf den WDR eine neue Kostenstelle für den Tatort zu. Der Mann braucht einen Medienpädagogen am Set. Keine Frage.

Mein Leben mit dem MSV im Jungs*talk-Podcast

Vom Duisburger Jungenbüro aus werden außerschulische (sozial)pädagogische Projekte für Jungen angeboten. Träger dieses Büros ist der Jungs e.V., ein Verein, über den ich anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens vor fast drei Jahren schon einmal hier geschrieben habe. Außerdem kümmert sich der Verein um das mit mehreren Preisen ausgezeichnete Projekt Heroesvon dem ebenfalls in diesen Räumen schon mehrmals die Rede war. Bei den Heroes machen sich per Schneeballprinzip Jugendliche und junge Männer aus sogenannten „Ehrkulturen“ mit aufklärerischem Denken vertraut. Die Religion ist dabei nur Teil all dessen, was im Alltag der Teilnehmer wirksam wird.

Viele dieser Projekte finden im Jugendzentrum Zitrone in Obermarxloh statt. In dem Fall spreche ich auch fürs eigene Haus. Dort habe auch ich schon viele Kulturprojekte mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Daraus ergab sich mein Engagement für den Förderverein des Jugendzentrums Lemonhaus e.V.  Solche Jugendzentren sind für viele, oft sozial benachteiligte Kinder oft der einzige Ort, wo ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Nicht jedem wird bewusst sein, dass die Stadt Duisburg mehr als andere Großstädte Deutschlands solche außerschulische pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für besonders notwendig erachtet. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten der Stadt wird versucht, möglichst viele Jugendzentren offen zu halten. Eine Haltung, auf die man in Duisburg stolz sein kann.

Genug der Vorrede. In der Zitrone habe ich auch den Leiter vom Duisburger Jungenbüro Sven Leimkühler kennengelernt. Er rief mich neulich an, erzählte von einem Podcast des Jungenbüros und fragte, ob ich für ein Gespräch über Fußball Zeit und Lust hätte. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen. In dem Podcast-Gespräch ging es vor allem darum, was mir der MSV und der Stadionbesuch bedeutet. Es ging weniger um den Fußball des MSV als solchen, sondern um die Rolle des Fußballs in meinem Leben. Natürlich sind wir dabei auch manchmal vom Hölzken aufs Stöcksken gekommen, wie ein Gespräch eben so ist.

Warum der bei mir im Entwurf sichtbare, eingebundene Podcast-Player nach der Veröffentlichung unsichtbar bleibt, ist mir ein Rätsel. Hier also der Link zum Podcast, falls der Player auch bei euch unsichtbar ist. Ansonsten auch bei Spotify abrufbar.

Heimatlied Sektion Ruhrstadt – Folge 48: Donato u.v.a. mit Der Ruhrpott ist unendlich

Den Hiphop als reiche Quelle des Ruhrstadtlieds habe ich hier schon oft gerühmt – mit der Ruhrpott AG, mit Snagga und Pillath,  mit Too Strong oder mit Jason Bartsch. Nun ist die erste Hiphop-Generation dieser Stadtlandschaft im gesetzten Erwachsenenalter angekommen, einige von ihnen berühren mit dem Ensemblestück „Der Ruhrpott ist unendlich“ das Lebensgefühl einer Generation, die um die Jahrtausendwende jung gewesen ist.

Innerhalb weniger Tage wird der Clip zum Stück bald 100.000 mal gesehen sein. „Der Ruhrpott ist unendlich“ weckt Erinnerungen und zeigt, wie eine einstige Jugendkultur altert und die damals junge künstlerische Ausdrucksform weiter genutzt werden kann. Gerappt wird von unterschiedlichen Lebenswegen. Der Blick geht zurück in die Anfänge des eigenen Hiphops. Manchmal wird Resumée gezogen und immer wieder geschaut, wie es weitergehen kann.

Das alles geschieht nicht in einer abstrakten Kulturwelt. Die Wirklichkeit im Ruhrgebiet ist immer auch Thema, weil sie Biographien aller Künstler bestimmte. Das wirkt als Lyrik des Realismus. Die Bilder des Clips machen die Städtelandschaft sichtbar. „Der Ruhrpott ist unendlich“ ist ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das das Leben in der Stadtlandschaft spürbar macht.

Leider fehlt mir die Zeit, um die einzelnen Künstler mit besonderen Worten vorzustellen und zu würdigen. Auf der Seite Ruhrpotthiphop.com lässt sich ein Überblick zur Hiphopszene der Ruhrstadt gewinnen. Das letzte lange Gespräch dort war mit Terence Chill, der auch am Stück beteiligt ist. 

 

Und als Zugabe der Blick in die Vergangenheit. Wenn ich das richtig verstehe, ist der Titel oben ein Zitat aus dem folgenden Stück von ABS feat. Creutzfeld & Jakob. Falls ich mich irre oder ihr weitere Anmerkungen habt, in die Kommentare und Feuer frei. 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

Spendengeld dem MSV statt der AfD

Wenn sich journalistische Aufklärung von Parteienfinanzierung der AfD und der MSV derart begegnen wie in der letzten Folge des Podcasts Wir und Heute, darf der Zebrastreifenblog auch mal zum Organ der politischen Information werden. Ihr solltet den gesamten Podcast hören, auch wenn fürs erste der Clip beim Alternativvorschlag vom „Steiger“ Martin Kaysh an den aus Duisburg stammenden Milliardär Henning Conle startet, dem MSV statt der AfD Geld zu spenden. Dass er der Partei mutmaßlich illegale Geldspenden zukommen ließ, ist schon länger bekannt. Die AfD hat wegen dieser Spenden gleich zwei Strafbescheide von der Bundestagsverwaltung erhalten.

Laut jüngsten Recherchen von CORRECTIV und Frontal21 bestätigte nun die ehemalige Sprecherin der AfD Frauke Petry mehrere Treffen von Henning Conle mit der Parteispitze der AfD, bei denen er anonyme Spenden angeboten haben soll. Im Podcast ist der Journalist Markus Bensmann von CORRECTIV zu Gast und erzählt von den Recherchen sowie möglichen strafrechtlichen Folgen für die AfD-Spitzenpolitiker. Das Hören des Podcasts lohnt also nicht nur wegen des begrüßenswerten Vorschlags von Martin Kaysh, sondern vor allem um zu verstehen, wie der AfD-Einfluss auf die öffentliche Meinung durch illegale Spendengelder und vermeintlich unabhängige Anzeigenkampagnen verstärkt wurde.

Heimatlied Sektion Ruhrstadt – Folge 47: Geierabend-Band mit Nachbarschaft

Wenn ich am Montag meinen Online-Vortrag zum Catenaccio in Italien sowie beim Meidericher SV halte und dabei mein Augenmerk auf die Kultur- und Sozialgeschichte lege, ist das eine Online-Premiere für mich. Andere sind da viel weiter. So gibt es von den Geierabend-Machern seit ein paar Wochen Online-Clips mit einzelnen Stücken aus einem unmöglich gewordenen Geierabend der Karnevalssession 2020/21.

Welche gedankliche Arbeit diesen Clips voranging, konnte man im letzten Jahr dem Podcast Wir und heute entnehmen. Hier bei Youtube, aber sonst auch bei allen Podcast-Plattformen und Facebook. Im Podcast unterhalten sich der Journalist und Buchautor David Schraven und der Steiger des Geierabends, Martin Kaysh, über Politik im Allgemeinen und das Ruhrgebiet im Besonderen. Martin Kaysh erzählte also auch, wie sich die Macher ständig den neuen Umständen anpassten, nach Möglichkeiten suchten, die Geierabende der Session je nach Corona-Entwicklung vielleicht doch durchführen zu können. Das ging allen Veranstaltern im Kulturbereich so, speziell war hier die saisonale Voraussetzung durch den Karneval. Das Ergebnis sind nun Online-Clips statt Bühnenautritt mit Sketch, Satire und Musik

Einen Geierabend-Clip binde ich  hier dann sofort ein. In Nachbarschaft wird das hohe Lied der Willkommenskultur in der Ruhrstadt gesungen. Ein schmissiger Song, inhaltlich an manchen Stellen dieser Ruhrstadt sicher mehr Zielvorgabe als Wirklichkeitsbeschreibung. So wünsche ich es mir. So soll es sein. Und wenn ich dann noch die gerufene Refrainzeile verstände, wäre alles gut. Heißt das etwa? Du bist stets unter Nachbarschaft? Je öfter ich höre, desto mehr klingt es danach.

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Halbzeitpausengespräch – Marseille.73 von Dominique Manotti

Mit großer Wucht trifft der zuletzt veröffentlichte Roman von Dominique Manotti über die Wirklichkeit von Marseille im Jahr 1973 auf die deutsche Gegenwart. Oft begnügen sich historische Kriminalromane mit Kulissenschieberei zum unterhaltenden Zeitvertreib. Dominique Manotti dagegen schreibt Texte der Aufklärung mit der Nebenwirkung Unterhaltung. Marseille.73 heißt ihr Roman, der auch ein Krimi ist, vor allem aber eine genaue Erzählung über die Arbeit im Polizeiapparat und die widerstreitenden, zum Teil politisch motivierten Kräfte bei der Aufklärung von rassistischen Verbrechen.

Elf Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens sind eingewanderte Algerier immer wieder Opfer von Gewalttaten. Südfranzösische Unternehmen nehmen die billigen Arbeitskräfte zwar gerne, doch durch ein Gesetzesvorhaben in Paris wird deren Aufenthaltsstatus prekär. Nationalisten und Rechtsextremisten fühlen sich dadurch in ihrem rassistischen Denken bestätigt. Sie handeln immer radikaler, was nichts anderes bedeutet als gewaltvoller. Algerische Migranten werden ermordet.  Ermittelt wird, wenn überhaupt, wenig. Für die Öffentlichkeit bleiben die Taten Auseinandersetzungen im Einwanderermilieu. Weil mit Kommissar Daquin ein Ortsfremder seine Arbeit in Marseille aufnimmt, wird die eingespielte Abwicklung gestört.

Das französische Original hat einen schön bebilderten Clip zur Werbung erhalten, in dem die Geschichte von Dominique Manotti kurz vorgestellt wird. Der Argument Verlag hat ihn mit Untertiteln versehen. Voilá!
Da die Einbindung nicht funktioniert, hier der Link.

Dominique Manotti nutzt eine Momentaufnahme aus der französischen Geschichte quasi-dokumentarisch, um mit ihr vor allem einen Blick auf das System Polizei zu werfen, das Rassismus begünstigt. Sie macht verständlich, warum Ermittlungen nicht vorurteilsfrei erfolgen, selbst wenn nur wenige Polizisten im rechtsextremen Milieu zu Hause sind. Da geht es dann auch um den Ruf der Polizei, um Korpsdenken, um Macht im Apparat und um Politik. Für deutsche Leser wirkt trotz aller Unterschiede zwischen politischen Hintergründen und dem Aufbau der Polizeiinstitutionen beider Länder dieser Blick angesichts der Erinnerung an die Ermittlungen bei den NSU-Morden erhellend und beklemmend. 

Um das rassistische Geschehen genau schildern zu können, verzweigt sich die Geschichte in viele Bereiche der Marseiller Gesellschaft. Dominique Manotti nutzt dazu ein großes Personal und verwebt viele, oft kurz bleibende Handlungsfäden. Dennoch schafft sie einen Sog der Spannung, wenn auch die Lektüre manchmal ein Nachblättern von Namen erforderte. Ihre karge, pointierte Sprache schafft das nötige besondere Tempo für einen solch komplex angelegten Roman. Ihre Figuren werden selbst in kurzen Skizzen lebendig.  In diesen Räumen konnte man Dominique Manotti schon mit ihrem Fußball-Roman Abpfiff kennenlernen. Wer das verpasste, sollte mit Marseille.73 nun den Anfang machen, um eine Quasi-Dokumentaristin und Sprachkünstlerin der französischen Romanliteratur zu entdecken. 

 

Dominique Manotti

Marseille.73

Aus dem Französischen von Iris Konopik.
Gebunden, 400 Seiten. Ariadne 1247.
ISBN 978-3-86754-247-0

€ 23,00

Frohe Weihnachten! – Mit einem Heimatlied der Sektion Ruhrstadt – Folge 46: Opa Theo mit Weiße Weihnacht im Pott

Schöne Feiertage möchte ich euch noch zurufen. Schließlich beschäftigten mich Fußball und MSV in diesem Jahr vor allem als Teil unserer Kultur und als historisches Geschehen. Da passt die Traditon von Weihnachtgrüßen besonders gut.

Ich wiederhole mich, ohne Stadionbesuch ist der Fußball als gegenwärtige sportliche Betätigung mir ferngerückt. Ich hoffe allein auf gute Ergebnisse der Zebras, damit ich überhaupt wieder mir einen ambitionierten MSV von meinem Stehplatz aus ansehen kann. Wie anders war das noch vor drei Jahren. Wir konnten mit gewisser Zuversicht auf den Klassenerhalt hoffen. Der MSV hatte gerade Dynamo Dresden 2:0 besiegt. Kurz zuvor war ich in Hamburg gewesen, beim Auswärtsspiel gegen St. Pauli.

Manches aber bleibt gleich. So stelle ich heute ein Weihnachtslied aus der Ruhrstadt vor, das schon vor drei Jahren hier in der Fassung von Ruhrschnellweg zu hören war, live gespielt in einer Art Pott-Musikantenstadl des WDR. Texter und Komponist des Liedes ist der Oberhausener Theo Behle, der eine Sammlung seiner Schlager hier online gestellt hat. Als Opa Theo singt er in der heutigen Fassung selbst und gibt den Ruhri sehr viel deutlicher als die Combomitglieder vom Ruhrschnellweg.

Allerdings muss ich bei der deutlicheren Pott-Version des Weihnachtsliedes auch sehr viel mehr an Kamelle und Bützjer denken als an Kerzenschein und Tannenbaum. Ich weiß nicht, wieviele Karnevalslieder solcher Art ich schon mit den heiligen kölschen Textelementen bützen, Kölsch und Dom gehört habe. Aber hier geht es um Weihnachten, und da soll nicht geküsst werden, sondern es soll friedlich sein. Und schneien soll es zudem. Auch die Ruhrstadt braucht den Schnee für das vollkommene Weihnachtsgefühl. Da es hier aber so gut wie nie weiße Weihnachten gibt, ist die Lösung für Theo Behle der Wunsch. Denn „Weiße Weihnacht hier bei uns im Pott, datt wär wie ein Geschenk direkt vom lieben Gott“. Um die anderen Geschenke für euch haben sich hoffentlich eure Lieben gekümmert. In dem Sinne: Frohe Weihnachten!

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 45: Der Butterwegge feat. Costa Cannabis und El Fisch mit Zuhause

In diesen Räumen war Butterwegge schon mehrmals zu Gast. Mit Deine Wellen hat er einen wunderbaren, rauen Song über Duisburg geschaffen. In Auf Asche zeigte sich Butterwegge als Fußballromantiker. Beide Songs werden von persönlichen Gefühlen getragen. Um sie zu beschreiben scheut Butterwegge in seinen Texten die großen Worte nicht. Dabei entgeht er souverän der Gefahr von inhaltsleerem Pathos, weil er diese  Gefühle an sehr alltägliches Erleben bindet. So macht er in solchen persönlichen Liedern zugleich ganz nebenbei die gegenwärtige Gesellschaft erkennbar. In der Kürze eines Songs lässt er tief in sein Herz blicken und erfasst, was Begegnungen zwischen Menschen oder auch mit Orten bedeuten – sowohl für den einzelnen Menschen als auch für das Zusammenleben.

„Zuhause“ erweist sich schon im Titel als eine moderne Form des Heimatlieds. Dieses Zuhause ist nicht an Orte gebunden, auch wenn neben vielen anderen Städten Deutschlands in einer Strophe die Ruhrstadt-Stadtteile als Region eines heimatlichen Lebensgefühl aufscheint. „Zuhause ist: wo du lebst, da wo dein Herz für jemand schlägt und die Kumpels, mit denen du durchs Leben gehst.“ Der balladenhaften Melodie ist wahrscheinlich die grammatikalische Freiheit des Refrains geschuldet. Und auch dieser Text mündet in eine Zeile, die auf die soziale und politische Gegenwart verweist: „Zuhause hat mit Stolz kein bisschen was zu tun.“

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In eigener Sache – Zu Gast im 111-Orte-Podcast

Vor einem Jahr war ich bei Hasan Sahin im Dortmunder Taranta Babu zu Gast mit der Premierenlesung meines Buchs 111 Orte in Dortmund, die man gesehen haben muss. Viele der im Buch erzählten Geschichten verweisen auf historische Ereignisse. Im Podcast zu der 111-Orte-Reihe hatte ich die Gelegenheit von einem dieser Ereignisse zu erzählen. Die Pfarrgemeinde von St. Suitbertus erhielt nämlich 1980 fünf ineinander gestellte Stahlreifen unterschiedlicher Größe geschenkt, die als Skulptur auf dem Parkplatz der Kirche platziert wurden. Diese Stahlreifen haben eine Vorgeschichte auf der Hannover-Messe, was uns viel über die Mentalität im Ruhrgebiet verrät. Vom Taranta Babu habe ich dann natürlich auch erzählt und vom Binarium, dem Museum für Digitales und Computerspiele, das sich in einem ehemaligen Gebäude der Zeche Hansa befindet. Bei all dem blieb das Verhältnis der Städte im Ruhrgebiet zueinander nicht außen vor. Dass ich diese drei Dortmunder Orte für das Gespräch mit Steffi Knebel und Matz Kastnig aussuchte, kam nicht von Ungefähr. Ich trat gegen die zwei an zum spaßigen Städtevergleich mit Köln in der Rubrik Fußballorte und Prag.

Der Podcastplayer lässt sich leider hier nicht einbinden. Mit einem Klick auf das Bild kommen Sie sofort zum Startbutton des Podcasts und einer langen Linkliste für die im Gespräch erwähnten Themen.

 

Mit einem Klick zu der im Podcast genannten Extra-Tour, die ich für Dortmund erstellt habe.

Mit einem Klick zu den 111 Orten bei Facebook oder Instagramm, wo der Emons Verlag zudem ein Gewinnspiel zu den Podcast-Folgen ausrichtet.

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