Archive for the 'Historie' Category

Wo der MSV mir weiter große Freude macht

Vielleicht sollte ich den wirklichen MSV allmählich gegen den MSV in meinen Büchern und in diesem Blog hier eintauschen. Dieser MSV aus Worten macht mir doch seit geraumer Zeit anhaltender Freude als der des wirklichen Fußballs. Nicht nur dass die MSV Duisburg Fußballfibel morgen dem Wochen-Anzeiger in Duisburg die Titelgeschichte wert ist.

Weil sie heute schon online zu lesen ist, kam ich überhaupt auf die Idee. Denn es gibt eine kleine Fotogalerie dort, und Reiner Terhorst, der Journalist des Wochen-Anzeigers, hat mich mit der Unterzeile des Fotos nebenan zum Träumen gebracht. Das Foto habe ich in der letzten Aufstiegssaison des MSV aufgenommen beim Auswärtsspiel gegen die zweite Mannschaft von Werder. Und bei dem Wort Weserstadion in der Unterzeile entstand in mir eine ganz andere Geschichte der Vergangenheit. Die Fantansie kennt keine Grenzen.

Damit es einfacher für euch ist, zitiere ich den den entscheidenden Satz:

Hier blickt Ralf Koss am Bremer Hauptbahnhof in die Linse, bevor es ins Weserstadion geht.

Ich weiß es noch wie heute. Ich traf mich mit den Hamburger MSV-Auswärtsfreunden am Bahnhof. Wir gingen zu Fuß, erst durch die Stadt, dann an der Weser entlang, bis wir das große Stadion vor uns sahen und es uns wie selbstverständlich schien, dorthin abzubiegen. Die volle Gästekurve im Weserstadion erinnerte uns an das legendäre 5:1, als Ewald Lienens Aufsteiger-Mannschaft die Liga aufmischte. Und nun war der MSV wieder da. Klingt gut, müsst ihr zugeben. Wahrscheinlich versteht ihr jetzt, warum ich bei einem MSV mit Worten gerade deutlich besser klar komme als mit einem MSV der Wirklichkeit.

Falls ihr auch probieren wollt, die Fußballgegenwart des MSV mit einem erfreulicheren Erlebnis zu überbrücken, habe ich da einen Vorschlag. Der Beifall der bisherigen Leserinnen und Leser sagt mir, dass dieser Vorschlag kein leeres Versprechen ist. Leseproben gibt es einmal hier und einmal da.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Briefe aus Westende – Koos heißt es bestimmt nicht, aber auch nicht Amunike?

Wenn einem Anhänger des MSV auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung in der unteren Blatthälfte der Name Emmanuel Amunike ins Auge springt, wird er nicht nur neugierig, sondern auch in widersprüchliche Gefühle verstrickt. Ich weiß es wie heute, welch große Zukunft ich für den MSV sah, als ich nach der Fußball-WM 1994 von der Verpflichtung des nigerianischen Nationalspielers durch meinen Verein las. Das war eine Sensation für mich. Wir sprechen von der Zeit, als die Zebras sich im zweiten Anlauf wieder in der Bundesliga etablieren wollten nach dem Niedergang während der 80er Jahre.

Der erste Anlauf in der Saison 91/92 brachte den direkten Wiederabstieg. Im zweiten Anlauf 93/94 wurde die Klasse gehalten. Nun hieß es, das schwierige zweite Jahr zu bewältigen. Die nigerianische Nationalmannschaft hatte 1992 den Afrika-Cup gewonnen und zwei Jahre später bei der WM in den USA dank der individuellen Klasse seiner Spieler das Achtelfinale erreicht. Dort schieden sie gegen Italien mit einer 1:2-Niederlage nach Verlängerung aus. Und nun sollte einer der Leistungsträger jener Mannschaft nach Duisburg kommen. Wir hatten offensichtlich Großes vor. Die Pointe dieser Geschichte kennen die meisten Anhänger des MSV. Amunike ward nie in Duisburg gesehen. Verträge für zwei Vereine gleichzeitig unterschreiben geht einfacher, als sich zu teilen, um zur selben Zeit an sehr unterschiedlichen Orten Fußball zu spielen. Amunike spielte lieber bei Sporting Lissabon als im Ruhrgebiet. Was ich angesichts des hohen Ausflugswert der Ruhrorter Mühlenweide überhaupt nicht verstand. Wenigstens hat der MSV eine Ablösesumme erhalten.

Auf der Titelseite der Süddeutschen spielte diese Episode in Amunikes Karriere keine Rolle. Erwähnung fand er, weil die heutige nigerianische Regierung ein Versprechen von 1992 einlöste. Der damalige nigerianische Diktator Sani Abacha hatte den Spielern bei Gewinn des Afrika-Cups ein Haus als Belohnung in Aussicht gestellt. Nun haben sie es mit etwas Verspätung erhalten.

Eigentlich wollte ich nur diese anekdotische Erinnerung erzählen, doch nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung, als ich zu eurer weiteren Information Emmanuel Amunike mit dessen Wikipedia-Artikel verlinkte. Dort heißt er nun nämlich Amuneke. Lakonisch steht in dem Text: „Fälschlicherweise wird sein Nachname oft als Amunike wiedergegeben.“ Fast hätte ich Wikipedia vertraut. Dummerweise steht direkt im nächsten Satz: „Im Jahre 2002 gründete er die Emmanuel Amunike Soccer Academy in Ikorodu, Lagos State“. Hat er jetzt also die falsche Schreibweise als seinen richtigen Namen angenommen? Ich war verwirrt, und befürchte jetzt Schlimmes für mich selbst.

Einige von euch haben es bestimmt schon hier gelesen. Im Verlag gab es einen Fehler mit meinem Autorennamen bei der Aufnahme meines neuen Buchs ins Verzeichnis lieferbarer Bücher. Es hieß erst Koos statt Koss für die MSV Duisburg Fußballfibel – mit Klick zu Leseprobe und Info

Der Fehler im VLB ist längst korrigiert. Doch bei Amazon heiße ich weiter Koos. Die glauben mir und dem Verlag nicht, dass ich so heiße, wie ich heiße. Die Korrektur scheint für Menschen und KI dort nicht vorgesehen.

Eine meiner Beweisführungen für Amazon

Welche Anläufe ich inzwischen genommen habe, um mich unter meinem richtigen Namen dort gelistet zu finden, ist eine lange eigene Geschichte wert, und dabei fehlen dann die Versuche des Verlags. Auf Comedybühnen garantiert sie Lachen. Mein Resumée momentan dazu: Herr Kafka kannte mit seinem Prozess auch unsere digitalen Instrumente, die Wirklichkeit in den Griff zu bekommen.

Premierenlesung – MSV Fußballfibel am 4. März, 19.02 Uhr

Bundesliga,
ich komm‘ aus dir

Geschichten aus einem Leben als Fan

Im Berliner Verlag Culturcon medien erscheint seit 2015 die Bibliothek des Deutschen Fußballs. Damit der MSV in der Reihe vertreten ist, habe ich ein Buch geschrieben. In den nächsten Tagen erscheint es. Ich habe das Buch zu meiner Biografie als Fan gemacht im Spiegel der Geschichte des MSV und des Ruhrgebiets bzw. Duisburgs. Durch meine Erlebnisse mit dem MSV seit der Kinderheit wollte ich zugleich die Wirklichkeit des Ruhrgebiets zeigen. Emotional und inhaltsreich würde ich als Verkaufsclaims aufs Cover packen.

Sicher, man kann sich entscheiden, ob man jetzt jeden [Verwandten, K.J.] unbedingt regelmäßig sehen muss. Mancher bricht ja sogar den Kontakt zu den Eltern ab. Aber sie bleiben deine Eltern. Der du bist, bist du auch durch sie. Neben vielem anderen. So ähnlich geht es mir mit dem MSV.

Was ich mit diesem Verein erlebte, macht mich aus. Daran ist nichts zu ändern. Es schmerzt, wenn ich nicht ins Stadion kann. Es schmerzt, wenn die Zukunft des MSV bedroht ist, und der Montag beginnt mit gehobener Laune, wenn die Zebras am Wochenende erfolgreich waren.

Ralf Koss: Fußballfibel – MSV Duisburg, Culturcon medien, 2022

Die bibliografischen Angaben sind noch nicht online. Dennoch plane ich schon die Premierenlesung.

Sie findet am 4. März um 19.02 Uhr im Plus am Neumarkt statt, Neumarkt 19, Duisburg-Ruhrort. Bei allen Schwierigkeiten des MSV momentan, ich möchte das Erscheinen dieses Buchs feiern. Das Ganze, ohne Eintritt, allenfalls der Hut geht rum fürs Kreativquartier Ruhrort.
Hier der Link zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook.

Hilfreiche Lachtherapie mit unserem Buch über den MSV

Tina Halberschmidt und ich, wir haben uns neulich getroffen und uns gegenseitig aus unserem neuen Buch über den MSV vorgelesen. Wir kennen die Texte natürlich noch. Doch laut Amazon ist MSV Duisburg Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten nicht nur ein Sachbuch in der Kategorie Fußball und der Oberkategorie Sport. Der Versandoligarch findet, das Buch passt auch bestens in die Kategorie Lachtherapie. Und so eine Lachtherapie können wir momentan gebrauchen. Nicht nur dass der MSV sich weiter auf einem Abstiegsplatz befindet, die bedrohliche Lage beim MSV führt – um es mal vorsichtig zu sagen – zu einer gewissen Zurückhaltung, sich mit dem Inhalt des Buches zu beschäftigen.

Dem Buch geht es wie dem Zebratwist im letzten Jahr beim Grandprix de la Vereinslieder Song Contest. Die Lage ist zu ernst für die Geschichten außerhalb des Sports wie den Blick auf die Vergangenheit des MSV.

Beim MSV sträuben sich ja schon die Nackenhaare aller, wenn sie das Wort „Irrtümer“ im Untertitel lesen. Dementsprechend müsste das Buch eigenlich reißenden Absatz finden, wenn allerorten über die Irrtümer der sportlich Verantwortlichen gestritten wird. Dabei ging es uns doch um die alle verbindenden guten Geschichten über den MSV. Der Verlag hätte beim „Klugscheißer“-Titel der Reihe bleiben sollen. „MSV Duisburg für Klugscheißer“ verspricht Wissen. Unser Duisburg-Buch mit dem Reihen-Titel hat man uns ja förmlich aus der Hand gerissen. Ist mir auch noch nicht passiert, dass Siege des MSV meine Laune aus sehr unterschiedlichen Gründen heben.

Tina Halberschmidt und Martin Wedau
MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten
Klartext Verlag, Essen 2021
ISBN: ‎ 978-3837523959
€ 16,95

Jetzt erschienen: MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten

Schauen wir mal, wie Hagen Schmidt auf die Mannschaft weiter einwirken kann. So ein Trainerwechsel bringt ja immer sofort Hoffnung zurück, dass sich mit der äußeren Änderung auch innerhalb der Mannschaft entscheidendes verändert. Das hebt die Stimmung schon mal etwas.

Für den Restärger gibt es seit dieser Woche den Blick auf die MSV-Vergangenheit. Tina Halberschmidt und ich in Person von Martin Wedau haben uns in den Wochen größten Ärgers jedenfalls beim Schreiben von MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten gut ablenken können.

Natürlich muss man bei der Dosierung aufpassen. Sonst versinkt man vollkommen in diesen alten Geschichten von Erfolgen und der schon verarbeiteten Enttäuschung. Dann käme man womöglich auf den Gedanken, früher sei alles besser gewesen und will gar nichts mehr mit der Gegenwart zu tun haben. Also fragt euren Arzt und Apotheker, vulgo Kumpel, wieviel ihr euch zumuten könnt. Er kennt euch vielleicht besser als ihr euch selbst.

Amazon jedenfalls kennt unsere Bedürfnisse gerade sehr genau. Dort wird das Buch neben der Kategorie Sport und Fußball in einer dritten Kategorie geführt. Der Lachtherapie! Muss man mehr über uns und den MSV in diesen Tagen wissen?

Tina Halberschmidt und Martin Wedau
MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten
Klartext Verlag, Essen 2021
ISBN: ‎ 978-3837523959
€ 16,95

Die Sexbombe entspricht nicht dem Geist des Rasensports

Der Meidericher SV schloss sich bald nach seiner Gründung 1902 nicht nur dem Westdeutschen Spiel-Verband an. 1908 gehörte der Verein zu den 10 Gründungsmitgliedern vom Duisburger Rasensportverband. Zusammen mit BV Beeck, VfvB Ruhrort, BV Laar, Meiderich 06, Preußen Duisburg, Duisburger SV, Duisburg 08, Duisburg 48/99 und Duisburg 88 sollte die „Vereinsmeierei“ in „Nützlichkeitswerte“ umgewandelt werden. So schreibt P. Grandjean in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Verbandes 1958.

Wenn man P. Grandjean so liest, müssen die vielen neuen Sportvereine gegenüber den etablierten gesellschaftlichen Kräften ein starkes Bedürfnis gehabt haben, sich in jenen Anfangsjahren des Fußballs für ihren Sport zu rechtfertigen. Wenn ich die erwähnten Leistungen sehe, so wirken die Aktivitäten des Verbandes auf mich wie Lobbyarbeit. Es ging darum, Rasenplätze anzulegen und Vereinsheime zu bauen. Es ging darum aufzuweisen, dass Sportvereine Jugendlichen in den 20er Jahren eine sittliche Orientierung bieten. Es ging aber auch um Städtespiele, in denen sich Duisburg als „westdeutsche Sporthochburg“ bewies. Fußballmannschaften aus Amsterdam, Antwerpen, Göteborg, Rotterdam, Köln, München, Schalke wurden allesamt besiegt. Nur gegen Wien verlor die Duisburger Stadtauswahl, weiß P. Grandjean zu berichten.

Bis vor kurzem wusste ich nicht, dass es diesen Rasensportverband einmal gab. Im Netz gibt es kaum Zeugnisse über diesen Verband, der aber in vielen deutschen Städten gegründet wurde. Vielleicht liegt dieses Verschwinden und Vergessen auch daran, dass die Festschrift selbst für das Jahr 1958 auf mich wie aus der Zeit gefallen wirkt. Die Sprache klingt sehr nach dem Gründungsjahrzehnt des Verbandes. Auch wenn P. Grandjean das Vaterländische ins Vaterstädtische wandelt, sehe ich das Kaiserreich vor mir und nicht die Bundesrepublik. Das mag allerdings ein Fehlurteil sein. Historiker wissen zu dieser geistigen Strömung für das Ende der 50er Jahre sicher mehr zu sagen.

Mit seiner Kritik an der aufkommenden Jugendkultur seiner Zeit wird P. Grandjean aber nicht alleine gewesen sein. Der Sport stand schon damals in Konkurrenz zu anderen körperbetonten Freizeitaktivitäten. Und wie wir wissen, die Sitten werden in jeder Generation aufs Neue durch die Jugend gefährdet.

Duisburger Heimatkalender 1959, Hrsg. mit Unterstützung des Verkehrsvereins für die Stadt Duisburg, S. 123

Weggelesen – Erwin Kostedde von Alexander Heflik

Die Zeit war reif für den Dokumentarfilm Schwarze Adler und die begleitende PR-Arbeit sehr gut. Denn von April an berichtete nahezu jedes Medium in diesem Land über die Geschichte von afrodeutschen Fußballern und Fußballerinnen, von person of colour, wie ein Teil jener Deutschen sich selbst nennt. Auf Amazons Streamingdienst Prime Video hatte Schwarze Adler von Torsten Körner im April seine Premiere. Im Juni war er dann als Einzelausstrahlung auch beim ZDF zu sehen.

In vielen dieser Berichte, Portraits und Interviews kam Erwin Kostedde zu Wort. Als erster afrodeutscher Nationalspieler ist er einer der Protagonisten des Films. In der Saison 1967/68 spielte er beim MSV Duisburg. Er war aus der Regionalliga von Preußen Münster gekommen und hatte dort als Mittelstürmer überzeugt. In Münster war der 1946 geborene Sohn einer Deutschen und eines afroamerikanischen US-Soldaten auch aufgewachsen. In seinem ersten Jahr in der Bundesliga konnte er beim MSV seine Leistungen in Münster nicht bestätigen. In 19 Spielen erzielte er fünf Tore. Nach seiner Karriere erzählte Erwin Kostedde mehrmals, ihm sei sein Erfolg zu Kopf gestiegen. Er habe die Nächte zum Tag gemacht. Seine Einstellung habe nicht mehr gestimmt. Deshalb sei es zum Konflikt mit dem Trainer Gyula Lorant gekommen.

Ein älterer Anhänger des MSV erzählte mir neulich noch von einem Auswärtsspiel jener Saison, bei dem Erwin Kostedde zur vereinbarten Abfahrtszeit nicht erschienen war. Aus einer Kneipe gegenüber dem Schlachthof in Meiderich sei er dann herausgeholt worden. Ob er noch mitfahren durfte, wusste er nicht.

Diese Anekdote passt in das Bild, das der Münsteraner Journalist Alexander Heflik in seiner Biografie von Erwin Kosteddes Zeit in Duisburg zeichnet. Das kommt nicht von ungefähr. „Erwin Kostedde – Deutschlands erster schwarzer Nationalspieler“ fußt zum großen Teil auf Gesprächen mit dem Fußballer selbst. Außerdem sprach Heflik mit einigen Wegbegleitern sowie jüngeren Beobachtern der Fußballszene.

Der Duisburger Zeit sind nur wenige Seiten gewidmet. Liest man sie als Teil der gesamten Lebensgeschichte, wird deutlich, dass Erwin Kosteddes selbstkritische Wertung über seine Professionalität in Duisburg zu kurz greift. Die Flucht in nächtliche Trunkenheit lag nahe, wenn man von seinem Aufwachsen im Bewusstsein des eigenen Außenseitertums liest. Sie lag nahe für einen empfindsamen Menschen, dem ein autoritärer Trainer wie Lorant besondere Aufmerksamkeit widmete und nicht deutlich war, ob man für Misserfolge zum Sündenbock gemacht wurde. Im folgenden Jahr bei Standard Lüttich konnte er dann an alte Erfolge anknüpfen. Die Grundlage für seine weitere Karriere in Deutschland war von da an gefestigt.

Auch nach dieser Karriere als Fußballer war Erwin Kostedde Rassismus ausgesetzt. So meinte der Zeuge eines Raubüberfalls ihn als Täter identitifizieren zu können. Dabei war anscheinend das einzige, was der Zeuge wirklich erkannt hatte: der Täter war farbig gewesen. Bei der Gegenüberstellung wurde ihm nur Erwin Kostedde gezeigt. Da war der Zeuge sich dann erst einmal sicher. Ein halbes Jahr U-Haft führte zum psychischen Zusammenbruch von Erwin Kostedde.

Alexander Heflik lässt die Erfahrungen von Erwin Kostedde für sich sprechen. Deutlich wird auf fast jeder Seite: Wie Menschen angesehen werden, das hat Folgen. Die Biografie ist ein lebendiges Portrait in Buchform geworden. Alexander Heflik macht Erwin Kosteddes Persönlichkeit verständlich, die Zeit aber, in der er gelebt hat kaum. Historische Einflüsse und Zeitgeist werden meist nur indirekt erkennbar. Wer sich für besondere Lebenswege und Schicksale interessiert, wird diese Biografie mit Gewinn lesen.

Alexander Heflik

Erwin Kostedde. Deutschlands erster schwarzer Nationalspieler

Verlag Die Werkstatt

208 Seiten, Hardcover

ISBN: 9783730705735

Hardcover: 19,90 €

Ebook: 16,90 €

Auf der Seite vom Verlag Die Werkstatt finden sich weitere Zitate aus Besprechungen. Das Buch kann auch dort versandkostenfrei bestellt werden.

Fundstück – MSV-Geschichte in drei Sätzen

Am Samstag leitete in der Süddeutschen Zeitung eine MSV-Geschichte im Holzschnitt den Artikel über die Merkwürdigkeiten beim DFB rund um das Wirken von Rainer Koch ein. Duisburg spielte nämlich unlängst neben dem MSV eine Rolle für den deutschen Fußball.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte eine Anzeige gegen Unbekannt zu bearbeiten. Dass die Anzeige lediglich ein weiteres Instrument im großen Ränkespiel beim DFB war, zeigte sich deshalb, weil die Ermittlungen keine Anzeichen für das behauptete Hacken ergaben. Mit dieser Behauptung hatten journalisitische Berichte ins schlechte Licht gerückt werden sollen. Die Geschichte ist sehr kompliziert in ihren Details. Dass Rainer Koch im Zentrum steht, überrascht mich aber nicht. Hatte ich ihn doch in den ersten Pandemie-Wochen als einen Funktionär erlebt, der mit harten Bandagegen für eigene, verdeckte Interessen kämpft und die Wahrheit eines Geschehens zum eigenen Vorteil in der Öffentlichkeit zurechtbiegt.

Das alles soll heute aber nur am Rande interessieren. Wichtiger ist der Blick auf das, was erzählt wird, wenn die MSV-Geschichte auf drei Sätze reduziert wird. Die legendären vier Dietz-Toren gegen Bayern sind für uns natürlich auch immer wieder erzählenswert, als dritter Teil einer Holzschnitt-Geschichte aber in meinen Augen unpassend. In einer Zeitung aus München allerdings dienen die vier Tore gegen die Bayern der abrundenen Pointe. Mit großem zeitlichen Abstand erinnert es sich an vergangenen Ärger eben mit leisem Schmunzeln und Respekt.

Fundstück – Kurt Neumann I

Noch einmal ein Fundstück auf den letzten Metern Arbeiten am „Irrtümer und Wahrheiten“-Buch über den MSV für den Klartext-Verlag. Wir schreiben im Buch auch über einen Rekordspieler des MSV der 1950er Jahre, Kurt Neumann I.


Passend dazu bin ich in einem Spielbericht aus dem Duisburger Generalanzeiger vom 22. Februar 1960 auf ihn noch einmal auf besondere Weise aufmerksam geworden. Weil das Geschehen beim Spiel des Meidericher SV in Aachen auf die vom Journalisten beschriebene Weise für mich unfreiwillig komisch wirkt. Stellt man sich die Szene zwischen Kurt Neuman und dem Schiedsrichter bildhaft vor – allerdings in Strafraumnähe-, habe ich sofort klassische Slapstick-Szenen vor Augen. Mehr Laurel und Hardy als Monty Python. Zumal Schiedsrichter in den Jahren nicht unbedingt die sportlichsten Figuren hatten.

Der Meidericher Spielverein verlor das Spiel in der Saison 1959/60 in Aachen 0:2. Der Journalist sah eine direkte Verbindung zwischen dem Krawall und einem Foul von Friedel Rausch an einem Aachener Spieler, für das er sich nicht entschuldigte. Andere Zeiten, klarere Zusammenhänge und härtere Maßnahmen der Zuschauer. Was das Spiel selbst angeht bemängelte Elmar Rösch, damals Trainer des MSV, vor allem die Leistung im Sturm: „Aber versagt hat letztlich unser Sturm, der bei aller Schönspielerei den Erfolg zu sehr hintenan gestellt hat.“

Eine Spielbewertung, die uns Anhängern des Vereins heute doch etwas fremd klingt. Schönspielerei im Sturm ohne Wirkung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich so etwas mal in zeitgemäßen Worten hören wollte oder nicht. Irgendwas mit Effizienz kennen wir ja zu genüge, aber die Schönspielerei in einem einzigen Mannschaftsteil. Das ist doch was anderes.



Fundstück – Werbeanzeige König Pilsener

Auf den letzten Metern Arbeiten am „Irrtümer und Wahrheiten“-Buch über den MSV für den Klartext-Verlag habe ich weiter viel Spaß beim Sichten von Dokumenten. Dabei ist mir eine alte Anzeige für Köpi aus dem Jahr 1951 in die Hände gefallen.

Gezeichnete Anzeigen im Karikaturenstil gab es damals ebenso oft wie den gereimten Werbetext. Mal davon abgesehen, dass es durch den langen Markennamen schwierig wurde, das Versmaß einzuhalten, sehen wir hier jene Tradition deutscher Werbesprache die uns Älteren noch immer aus dem Stadion im Ohr klingt.

Günter Storks Werbesprüche für die lokalen Unternehmen stehen in dieser Tradition. Seine Sätze sind wie Rock- und Popmusiktexte der Jugend tief ins Gedächtnis eingebrannt. „Müssen Sie einen Leihwagen haben, ganz einfach Feykes fragen. Ob Transporter oder PKW, Feykes-Wagen sind o.k.“ Und die Adresse „Düsseldorfer Landstraße“ verklingt heute als Zugabe leise in meinem inneren Ohr. Nun aber genug erinnert. Und noch einmal mit einem leicht variierten Günter-Stork-Klassiker: Wohin? Wohin? Zum Sinn, zum Sinn – der letzten Texte fürs MSV-Buch nämlich.




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Die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte über ein Leben in Duisburg mit dem MSV

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