Archive for the 'Historie' Category

Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 9. Türchen

Die Nebensächlichkeit heute mündet am Ende in eine Frage. Denn mir fiel auf, wenn sich Kingsley Onuegbu derzeit in der Umkleidekabine von Nea Salamis Famagusta aufhält, könnten seine feinen Antennen ein Zebratrikot wahrnehmen. Fernando Ávalos spielte nämlich in der Saison 2009/2010 ebenfalls bei dem Verein aus Zypern. Für den MSV Duisburg war dieser argentinische Innenverteidiger mit der Statur eines Ringers in der Winterpause der Saison 2007/2008 zur Verstärkung der Defensive eine Notverpflichtung. Aus der Bundesliga abgestiegen ist der MSV bekanntermaßen dann trotz dieser Akutmaßnahme. In der Folgesaison erhielt Fernando Ávalos im ersten Zweitligaspiel gegen Hansa Rostock eine rote Karte und fand fortan kaum mal mehr auf der Ersatzbank einen Platz. Ein Jahr später war Fernando Ávalos einer von vier Spielern, die auf Geheiß Peter Neururers gehen konnten.

Fernando Ávalos mit seinem Fußballnomadentum war Sinnbild für die Kaderplanung des MSV seinerzeit. Ein Spieler wie er landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem Verein, in dem tagesaktuelle Ereignisse auf Entscheidungen größeren Einfluss haben als die mittelfristige oder gar langfristige Planung. Normale Vorkommnisse wie Verletzungen und Sperren haben dann auf so ein Fußballerleben viel größere Auswirkungen als bei anderen Spielern, Torhüter einmal ausgenommen. Der spontanen Verpflichtung folgt dann spontanes Vergessen. Das ist im Grunde die Kehrseite seiner Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt Fußball. Für Fußballer wie ihn könnte ich mir eine Art randstad-Agentur vorstellen, eine Leiharbeiter-Firma, die auf die plötzlichen Bedürfnisse in der Branche wie Linderung von Abstiegsangst oder Verteidigersuche wegen verletzungsbedingten Engpässen schnell reagieren kann.

Bleibt noch die Frage, ob es einen anderen Spieler des MSV Duisburg gibt, der bei mehr Vereinen gespielt hat als Fernando Ávalos. Laut Wikipedia stehen vierzehn Vereine in seinem Lebenslauf. Laut transfermarkt sind es sogar 16. Andere Kandidaten gerne in die Kommentare.

 

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Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 8. Türchen

Der Sieg der DDR über den Klassenfeind BRD bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 hatte eine Vorgeschichte zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen. Im Münchner Olympiastadion trafen die Oympiaauswahl der BRD und die der DDR am 8. September 1972 aufeinander. Der MSV-Stürmer Klaus Wunder spielte von Anpfiff an und erzielte sogar ein Tor, allerdings mit der Hand. Wenn der Schiedsrichter das nicht gesehen hätte, wäre sie von ihm womöglich die „Hand der freiheitlich-demokratischen Grundwerte“ genannt worden. Es geht ja immer um ein höheres Ziel bei Regelübertretungen, die ungeahndet bleiben, und die „Hand Gottes“ hilft im sportlichen Vergleich zweier politischer Systeme keinesfalls weiter. Doch der Schiedsrichter unterband solch eine mögliche DDR-Kritik mit seinem Pfiff. Mir kommt dieses eine Länderspiel wie ein überzeitliches Sinnbild für die Offensivkraft des MSV Duisburg vor. Für Klaus Wunder kam in der zweiten Halbzeit ab der 59. Minute der MSV-Stürmer Ronald Worm, und schließlich wechselte Trainer Jupp Derwall mit Rudi Seliger einen weiteren Offensivspieler des MSV für die letzte Viertelstunde ein. Doch anstatt das Siegtor zu erzielen musste die Mannschaft ein Gegentor hinnehmen. Durch die 3:2-Niederlage schied die Olympiaauswahl der BRD aus dem Turnier aus. Die DDR gewann später die Bronzemedaille.

 

BR Deutschland – DDR 2:3 (1:1)

BRD:

Hans-Jürgen Bradler – Heiner Baltes, Reiner Hollmann (75. Rudolf Seliger), Egon Schmitt, Friedhelm Haebermann, Hermann Bitz, Uli Hoeneß, Jürgen Kalb, Ottmar Hitzfeld, Bernd Nickel, Klaus Wunder (59. Ronald Worm)
Trainer: Jupp Derwall

DDR:

Jürgen Croy – Manfred Zapf – Bernd Bransch, Konrad Weise, Frank Ganzera – Jürgen Pommerenke, Wolfgang Seguin, Hans-Jürgen Kreische – Jürgen Sparwasser, Peter Ducke, Joachim Streich (70. Eberhard Vogel)
Trainer: Georg Buschner

Tore:
0:1 Jürgen Pommerenke (12.)
1:1 Uli Hoeneß (31.)
1:2 Joachim Streich (53.)
2:2 Ottmar Hitzfeld (68.)
2:3 Eberhard Vogel (82.)

Mit einem Klick geht es zur Seite von Detlev Mahnert, wo nebst weiteren einordnenden Worten auch ein paar Dokumente zum Spiel zu finden sind.

Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 7. Türchen

Eins scheint gewiss, kein Stürmer schafft es, im Schnitt pro Bundesligaeinsatz für seinen Verein ein Tor zu erzielen. Kein Stürmer? Es gibt eine Ausnahme, und dieser Stürmer spielte beim MSV Duisburg. Er heißt Rüdiger Mielke. Zum Ende der Saison 1964/65 rückte er in den Bundesligakader auf. Saisonübergreifend kam er auf 15 Tore in 15 Spielen. Die Kopfrechenaufgabe ist einfach. Das macht einen Schnitt von einem Tor pro Spiel. Eine schwere Knieverletzung verhinderte seinen 16. Einsatz und ließ ihn nach Genesung nicht mehr an die alte Stärke herankommen. Hätte es damals schon jenen Medienhype um den Fußball gegeben, über den MSV und Mielke würde immer noch eine weltbekannte Popstargeschichte erzählt. Rüdiger Mielke wäre eingereiht in jene Stars des Unterhaltungsbetriebs, die umso heller strahlten, je früher ihre Karriere endeten.  Rüdiger Mielke, in gewisser Weise ein James Dean des Fußballs.

Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 6. Türchen

In einem Roman hätte Marcus Wedau nicht ohne weiteres Spieler beim MSV Duisburg werden können. Bedeutungsvolle Namen bedürfen einer inneren Folgerichtigkeit innerhalb der erzählten Wirklichkeit. Leser suchen überall besonderen Sinn. Im richtigen Leben ist so was kein Problem. Der Mittelfeldspieler Marcus Wedau wurde zu Beginn der Saison 1998/1999 verpflichtet. Er blieb bis zum Ende der Saison 2000/2001. Marcus Wedau erzielte im Wedaustadion das erste Tor für den MSV Duisburg im Europapokal der Pokalsieger beim Hinspiel gegen den KRC Genk. Das Spiel endete 1:1-Unentschieden. Genauer gesagt ist er der Torschützenkönig des MSV im Europapokal der Pokalsieger. Was nicht daran liegt, dass der Wettbewerb in jener Saison zum letzten Mal ausgetragen wurde.

Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 5. Türchen

Der 1973 ausgestrahlte TV-Film Smog von Wolfgang Menge zeigt als Katastrophenthriller die Folgen der Luftverschmutzung im Ruhrgebiet. Menschen sterben, Verantwortliche sind überfordert, niemand im Ruhrgebiet kann der Gefahr der lebensbedrohlichen Luft entgehen. Dennoch geht das Leben weiter. Ein Fußballspiel im Wedaustadion findet statt. Der MSV spielt gegen Borussia Dortmund und plötzlich sinkt am rechten Flügel ein Spieler der Zebras mit Atemnot zu Boden. Bernard Dietz zeigt schon damals jenes schauspielerische Können, das heute für viele Fußballer die Regel ist. Damals allerdings wird kein Foulspiel gepfiffen, sondern es herrscht Entsetzen. Eine Trage für Ennatz muss her. Das Spiel wird abgebrochen. Die Lage wird immer bedrohlicher. Angesichts der Produktionsbedingungen von Fernsehfilmen heute beeindruckt der Aufwand, mit dem dieser TV-Film damals gedreht wurde. Durch die vielen Szenen aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets erhält die Fiktion der Smogkatastrophe einen dokumentarischen Charakter.

Das Spiel im Wedaustadion beginnt ab Minute 26.45

Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 4. Türchen

Für den Meidericher SV war es wahrscheinlich allenfalls eine Nebensächlichkeit, was nach einem Spiel Ende der 1940er Jahre gegen Rot-Weiß Oberhausen geschah. Erzählenswert ist die Nebensächlichkeit deshalb, weil die Verletzungsgefahren einer anderen Zeit heute kurios klingen, obwohl sie nichts anderes sind als zeitentsprechende Unfallgefahren. Wenn die Zuschauer zwischen Meiderich und Oberhausen zu den Auswärtsspielen jeweils am Kanal entlang gingen, so fuhren die Spieler jener Zeit mit der Straßenbahn. Nach einem Auswärtsspiel von Rot-Weiß Oberhausen beim Meidericher SV fiel der RWO-Stürmer Gustl Groß aus der Straßenbahn, verletzte sich und fehlte mehrere Spiele. Da Gustl Groß bei RWO bis zum Ende der Saison 1948/49 spielte, wird das Spiel wohl eines der ersten Nachbarschaftsduelle nach dem Krieg gewesen sein. Die Quelle für diese Anekdote findet sich ohne weitere Angaben beim Transfermarkt, wo allerlei kuriose Fußballerverletzungen gesammelt wurden. Vertrauen wir mal demjenigen, der sie weitergegeben hat und glauben an deren Wahrheit, auch weil sie die Wirklichkeit des Fußballs jener Zeit weiterträgt. Ob Boris Tashchy, das Duschen und sein gebrochener Zeh inzwischen in der Liste aufgenommen ist, habe ich nicht überprüft.

Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 3. Türchen

Im Januar 2010 wurde das Duisburger Stadion im Spiel gegen den FSV Frankfurt zur Wellness-Oase. So kam es mir im Spielbericht damals jedenfalls vor. Alle – mit Ausnahme der Frankfurter – fühlten sich nach und nach immer wohler. Anders konnte ich es mir nicht erklären, dass der Linienrichter ein Bonus-Geschenk verteilte. Er schenkte Christian Tiffert und dem MSV das Tor zum 5:0-Endstand im Spiel. Tiffert hatte die Latte getroffen und der Ball war weit ins Feld zurück gesprungen. Dass ein youtube-Clip rund um den MSV sechsstellige Klickzahlen erreicht, gibt es zudem auch eher selten.

 

 


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