Archive for the 'Historie' Category

Auch 1989 gewann der aufgestiegene MSV gegen Eintracht Braunschweig

Unterhalb der Zweiten Liga gab es in den 1980er Jahren offiziell nur den Amateurfußball. Die Oberliga war die dritthöchste Spielklasse in Deutschland, und in dieser Oberliga spielte der MSV Duisburg für drei Jahre seit der Saison 1986/1987. So konnte der Aufstieg des MSV nach den Jahren in der Oberliga im Juni 1989  „Rückkehr in den bezahlten Fußball“ genannt werden. Das war eine Standardfloskel des Sportjournalismus, die schon damals nicht ganz der Amateuer-Wirklichkeit entsprach.

Mit Blick auf den kommenden Freitag findet sich bei YouTube aus der ersten Zweitligasaison nach den Oberligajahren ein Spielbericht von der Begegnung des MSV gegen Eintracht Braunschweig. Ein Klick, wer die Spieldaten vom 18. November bei Fussballdaten.de nachlesen will. Dieser Spielbericht stimmt passend auf den Freitag ein. Denn damals wie heute trifft der MSV als Aufsteiger auf Eintracht Braunschweig. Wenn ich am Freitagabend dasselbe Ergebnis sähe, wäre ich sehr zufrieden. Uwe Kober erzielte per Foulelfmeter in der 44. Minute das 1:0. Erst in der 86. Minute stellte Ference Schmidt mit dem zweiten Tor für den MSV den Sieg sicher.

Mir ist übrigens aufgefallen, wie sehr sich mein Blick auf den Fußball an die Athletik der Sportler von heute gewöhnt hat. Die Braunschweiger Spieler wirken sogar besonders schmächtig auf mich. Ob das am Schnitt der Trikots lag oder an der Vorliebe für bestimmte Spielertypen in Braunschweig, wo Uwe Reinders als Trainer wirkte. Auch das: Die Bewegtbilder wecken für Momente auch zwiespältige Erinnerungen. Uwe Reinders als Trainer in Duisburg in der Zweitliga-Saison 1992/1993 war kein schönes Kapitel der MSV-Geschichte. Trotz Einhalten des Wegs zum Wiederaufstieg entstand im und um den Verein eine sehr schlechte Stimmung. Die Entlassung von Reinders war die Folge. Halten wir uns lieber an die Saison des Spielberichts und hoffen auf Wiederholung am Freitag.

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Zurück in die Zukunft mit 1991er-Bewegtbildern vom Spiel Fortuna – MSV

Neulich habe ich allerlei Bewegtbilder aus alten MSV-Zeiten bei YouTube für einen anderen Zweck als diese Räume hier zusammengesucht. Einer dieser Clips passt nun als Vorprogramm zum Spiel am Montag. Leider fehlt mir die Zeit, um ein paar Worte mehr über dieses 1:1-Unentschieden im September 1991 vom damaligen Bundesliga-Aufsteiger MSV gegen Fortuna Düsseldorf zu schreiben. Vielleicht habt ihr ja Erinnerungen an den Abend. Lasst uns teilhaben und ab damit in die Kommentare. Fürs Fangedächtnis des MSV wäre das natürlich dann sofort auch was.

So viel von mir nur: Der MSV führte damals mit 1:0 durch einen Distanzschuss von Toni Puszamszies. Dieser wunderbare Treffer war eines der wenigen Tore des vor vier Jahren verstorbenen Mittelfeldspielers. Ein wenig Nostalgie befällt mich angesichts des schnörkellosen Torjubels der Spieler. Auf beiden Seiten – denn Fortuna Düsseldorf gelang sieben Minuten vor Spielende der Ausgleich. Es war ein Freitag, aber eben auch ein Abend, und so ein Verlauf wie vor 26 Jahren könnte mir schon gefallen am Montag. Besser geht natürlich immer. Späte Ausgleichstore müssen sich die Zebras der Gegenwart ja nicht unbedingt zum Vorbild nehmen.

Gastbeitrag: Klaus Hansen zu Helmut Kohl und dem deutschen Fußball

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen.

Gedenkblatt für den Mittelläufer von Phönix Ludwigshafen

Von Klaus Hansen

Altbundeskanzler Helmut „Birne“ Kohl, ehemaliger Jugendfußballer bei Phönix Ludwigshafen, ist im Juni 2017, 87jährig, gestorben. Der Tod des „Kanzlers der Einheit“ (Profiteur des todesmutigen Gorbatschow, des altersmilden Mitterand und des desinteressierten Bush senior) bot vielerlei Anlässe, um an die deutsche Wiedervereinigung von 1989/90 zu erinnern. Vom Fußball war dabei wenig bis gar nicht die Rede. Sehr zu unrecht, wie folgende Fakten belegen:

Bereits wenige Wochen nach dem 3. Oktober 1990, dem „Tag der Einheit“, wurde der Dresdner Fußballer Matthias Sammer als erster DDR-Auswahlspieler auch Nationalspieler des DFB. Sammer spielte in der Folgezeit derart herausragend, dass man ihn 1996 zu „Europas Fußballer des Jahres“ kürte, eine Ehrung, die in den 40 Jahren ihres Bestehens nur drei Bundesliga Fußballern zuteil geworden war. Matthias Sammer ist bis heute der letzte deutsche Fußballspieler, der den Titel „Europas bester Fußballer“ führen darf. Ein DDR-Junge! Der Spieler Ulf Kirsten aus Riesa, ein DDR-Junge!, wurde dreimal Bundesliga-Torschützenkönig; damit nimmt er in der „ewigen Rangliste“ Platz zwei hinter Gerd Müller ein. Bernd Schneider aus Jena, ein DDR-Junge!, hieß bald nur noch „der Brasilianer“, weil er am Ball etwas konnte, was man ansonsten nur den Genies vom Zuckerhut zutraute. Im WM-Endspiel von 2002 galt er als einer der besten Spieler auf dem Platz und somit als einer der weltbesten. Damit ist er legitimer Vorläufer von Toni Kroos aus Greifswald, ein DDR-Junge!, der heute als einziger deutscher Feldspieler das Prädikat „Weltklasse“ trägt. Nicht zu vergessen Michael Ballack aus Görlitz. 2004 übernahm er als alleinherrschender „Capitano“ die deutsche Fußballnationalmannschaft und führte sie in 55 Länderspielen auf den Platz. Ein DDR-Junge!

Fußballspieler bereiteten also vor, was nun in der Politik folgen sollte: Eine Frau aus Templin in der Uckermark wurde 2005 Bundeskanzlerin und ein Mann aus Rostock an der Ostsee übernahm 2012 das höchste Amt Staate. – Die deutsche Wiedervereinigung von 1989/90, die im verfassungsrechtlichen Jargon „Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes“ heißt, endete in Wahrheit mit einem subversiven Triumph der DDR über die alte Bundesrepublik. Der Preis dafür war nur ein symbolischer: Die DDR nannte sich nun auch BRD. – Danke, Birne, für die nun endlich blühenden Landschaften, auch im Westen!

Eigentlich ist fast schon bald der erste Spieltag

Ein letztes Sommerpausenwochende liegt hinter uns. Das Sommerpausenende naht. Sommerpausenende. Das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zwar stehen wir noch nicht vor dem ersten Saisonspiel aber vor dem Trainingsauftakt. Das muss an diesem Internet und diesem digitalem Gedöns liegen, dass alles so schnell geht. Dass das aber nicht nur im Berufsleben sondern auch im analogen Fußball so ist. Wer hätte das gedacht? Der Aufstieg war doch gerade mal vorgestern. Vielleicht ist es aber auch einfach nur Entzug. Ich brauche meine Wochendosis Kurve.

So ein Andreas-Görkes-Cup am Wochenende ist deshalb leider nicht mal etwas wie ein Methadonprogramm. So schön es auch Freitag und Samstag auf dem Sportplatz des Ruhrorter Turnvereins war. In diesem Jahr stand der Andreas-Görkes-Cup im Zeichen von Michael Tönnies. Zum Auftakt am Freitagabend durften Jan Mohnhaupt und ich versuchen, den im Januar Verstorbenen zu würdigen. Wir unterhielten uns über ihn, und Jan Mohnhaupt las Passagen aus seinem Buch. Zudem hatte er ein Videoclips mitgebracht. Fast fünf Monate sind seit dem Tod von Michael Tönnies vergangen. Leise Melancholie hing in der Luft, die dem Lachen wich, als Jan Mohnhaupt eine der für den heutigen Fußball unvorstellbaren Anekdoten aus dem Leben von Michael Tönnies erzählte.

Am Samstag fand das Fan-Turnier statt samt Einlagenspiel zwischen dem Team Tönnies und der Traditionsmannschaft vom MSV. Pino Steiningen und Andreas Voss waren gekommen. Peter Közle war da, Michael Struckmann und noch einige andere mehr.  Bei Facebook finden sich Fotostrecken von dem Tag.

Als ich spät nach Hause fuhr, fragte ich mich die ganze Zeit, gegen wen wir gleich nochmal zum Saisonauftakt spielten. Am Bahnhof stellte ich mich erstmal an die Haltestelle am Ostausgang und wartete auf den Stadionbus. Ich wusste natürlich, wenn der Kurvendealer nichts im Angebot hat, bleibt auch das Dienstleistungsangebot drumherum spärlich. Ich konnte aber nicht anders. Sommerpausenende, welch schönes Wort.

Derselbe Gegner, andere Zeiten – Hamborn 07

Nach dem Testspiel des MSV gegen Hamborn 07 gestern Abend, bin ich vorhin kurz in die Vergangenheit weggetaucht. Ich hatte mich nämlich an einen Youtube-Clip erinnert aus den Oberliga-Zeiten des MSV, die ja zugleich Oberligazeiten von Hamborn 07 waren. Es war die letzte Oberliga-Saison für den MSV, und die Begegnung war das Spitzenspiel der Liga. Erst in der letzten Minute konnte der MSV trotz großer Überlegenheit im gesamten Spiel das Siegtor durch Michael Struckmann zum 2:1 erzielen. Damit verbunden ist auch noch eine Erinnerung an Michael Tönnies. Ab Minute 2.40 ist er mit einem seiner schönen Strafraumtore zu sehen. Zur rechten Zeit am richtigen Ort, perferkte Körperbeherrschung und rein das Ding. Ausgleich. Alte Zeiten.

 

Michael Tönnies – 19. Dezember 1959 – 26. Januar 2017

Michael Tönnies ist heute Nachmittag in einem Essener Krankenhaus gestorben. Kaum Worte habe ich. Ein Bild gibt es gerade nur. Es stammt aus dem Sommer 2013, als er bei den Fanaktionen nach dem Zwangsabstieg mit einem Mundschutz zum Talk vor die Arena kam. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach seiner Lungentransplantation. Bewegend erzählte er, wie sehr ihm die Anhänger des MSV Duisburg zu Kraft verholfen haben. Von da an habe er wieder geglaubt an das weitere Leben. Bevor dieses Leben zu Ende ist, sei es eben nicht zu Ende. Das habe er damals gelernt. Das erinnere ich alles sinngemäß. Heute Nachmittag ist er gestorben. Dabei hatte ich längst begonnen an das ewige Leben des Mannschaftsaufstellungs-Herolds Michael Tönnies zu glauben. Er war glücklich, sich wieder lebendig zu fühlen im Stadion auf dem Rasen. Sein Rufen dort auf dem Rasen klingt mir jetzt im Ohr, seine ersten zaghaften Versuche laut zu sein mit transplantierter Lunge. Dieses Rufen wurde mit der Zeit immer kräftiger und war schließlich lautes Ausrufen: „…die Fans vom EM…ES…VAU…“ Das „Duisburg!“ schallte ihm entgegen, und er genoss es. Meist lächelte er zufrieden, wenn er nach dem Verkünden Mannschaftsaufstellung mit Stefan Leiwen auf unsere Stehplatzecke zulief. Ein schönes Bild. Ein trauriges Bild, weil das nie wieder geschehen wird.

In eigener Sache: VHS-Vortrag zum Sommer 2013 in Duisburg und der Rettung des MSV

Zwei Unterrichtseinheiten lang ist diese Veranstaltung, ein Vortrag mit anschließendem Publikumsgespräch – wenn man das liest, reden wir über eine Veranstaltung der VHS Duisburg. Am Montag, den 30. Januar, halte ich in der VHS im Stadtfenster, Steinsche Gasse 26, einen Vortrag über die Rettung des MSV im Sommer 2013. Um 20 Uhr beginnt die Veranstaltung, sie endet um 21.30. Zur Ankündigung im Programm der VHS geht es mit einem Klick. Mir geht es nicht nur um die Fakten selbst, sondern auch um die Frage, wie die komplizierte Rettung des MSV Duisburg nach dem Entzug der Zweitligalizenz als starke Geschichte in dem Buch „Mehr als Fußball“ erzählt werden konnte? Und was solch eine Geschichte für Duisburgs Stadtidentität bedeutet.


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