Archive for the 'MSV Duisburg Frauen' Category

Frauenfußball und die Wertigkeit von Trainerstellen

Nur kurz und ohne weitere Vertiefung: Als bekannt wurde, dass Inka Grings in der nächsten Saison die U17 von Viktoria Köln trainieren wird, habe ich doch gestaunt. Die Trainerin des Bundesligisten im Frauenfußball MSV Duisburg sieht beim Jugendfußball-Bundesligisten eine bessere Perspektive für ihren weiteren Weg. Solch eine Entscheidung weist auf die Wertigkeit der Positionen hin.

Viele Einflussgrößen hat diese Wertigkeit. Da spielt dann vielleicht auch das Gehalt eine Rolle. Mich interessiert aber vor allem, welche Fragen zur Identität der Trainerperson durch diese Entscheidung aufgeworfen werden. Denn diese Entscheidung leuchtet nicht sofort ein. Wir lesen zwar, ein Ziel von Inka Grings sei schon immer die Arbeit im Männerfußball gewesen. Aber sie verlässt den Bundesligisten der Seniorinnen, um zum Bundesligisten der männlichen U17-Jugend zu gehen. Darüber hinaus gibt es die beiden Gesamtvereine. Der MSV steht als Gesamtmarke besser da als Viktoria Köln.

So begann ich mich zu fragen: Wie groß ist die Durchlässigkeit bei Funktionsstellen auf hohem Niveau zwischen Frauen- und Männerfußball, wenn es von der Frauen- in die Männerwelt gehen soll? Wie sehr wird das Bild der Trainerposition durch die weiter vorhandene Geschlechterdebatte in unserer Gesellschaft mitbestimmt? Ist die U17 von Viktoria Köln ein Umweg, den Inka Grings  machen muss? Warum ist ein Wechsel in den Seniorenbereich nicht selbstverständlich? Stimmt das überhaupt, was ich da unterstelle? Über die Entscheidung von Inka Grings nachzudenken und sie womöglich dazu selbst zu fragen, finde ich interessant, weil diese Entscheidung von Inka Grings auf Fragen verweist, die über den Fußball hinausgehen und über die in unserer Gesellschaft weiter gestritten wird.

Auf ins Zeitalter des Kopediludium

Wer unter uns Sportwissenschaftlern noch jung und hungrig ist, dem tut sich gerade ein weites unbestelltes Feld zur Universitätskarriere auf. Im Fußball ist das Zeitalter des Kopediludium  angebrochen. Natürlich weiß noch niemand, was das bedeutet. Das war aber in der Bildung Anfang der 1960er Jahre mit der Koedukation nicht anders. Man muss dem Forschungskind aber einen Namen geben, der schon jetzt zukünftige C3-Professuren garantiert. Sportlich ambitionierte Männer- und Frauenfußballmannschaften spielen unter einem gemeinsamen Vereinsnamen, darum geht es bei der neue Ära. Im Ruhrgebiet gehört der MSV Duisburg nun zu jenen Vereinen, die die Markenbildung im professionellen Fußballsport vorantreiben.

Interessant wird es für uns Sportwissenschaftler in Duisburg, weil diese Markenbildung sich nicht aus einem organischen Wachstum im namensgebenden Verein ergibt, sondern eine Fusion versucht wird. Interessant ist es um so mehr als zwei wirtschaftlich schwache Partner gemeinsam stärker werden wollen. Gerade weil ich diesen Zusammenschluss begrüße, sei noch einmal an die vor Weihnachten von mir aufgeführte Kannbruchstelle dieser Einheit hingewiesen. Das Populärere und trotz wirtschaftlicher Schwäche finanziell Stärkere begegnet dem sportlich Erfolgreicheren. Verteilungsfragen in Sachen Gelder stehen aber erst für die Saison 2015/2016 an. Laut Udo Kirmse ist die Finanzierung der Frauenfußball-Spielzeiten vorher gesichert.

Weil die wirtschaftliche Zukunft des MSV Duisburg, Sparte Männerfußball, allerdings längst noch nicht gesichert ist, kriegt so ein hoffnungsfroher Aufbruch, wie unlängst auf der Pressekonferenz verkündet, eine kuriose Note. Ohne Randbemerkung zur gegenwärtige Lage bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern geht es selbstverständnlich nicht. Diese Randbemerkung ist eine Zustandsbeschreibung des Arbeitens. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Schließlich sollten nur noch Abschlüsse berichtet werden. Wenn man nun recht überlegt, ist diese Randbemerkung die eigentliche Hauptsache der Pressekonferenz. Denn ohne Lösung der finanziellen Schwierigkeiten des Männerfußballs könnten die Verantwortlichen des Frauenfußballs ganz schnell darüber nachdenken müssen, wie sie ihrem noch recht eigenständig wirkenden Teil des MSV Duisburg erneut einen eigenen Vereinsnamen geben können. So macht mir im Umkehrschluss die Fusion auch wieder Hoffnung auf die Lösung der finanziellen Schwierigkeiten. Die Sache, um die es nun geht, ist noch größer geworden. Die Verhandlungsführer des MSV Duisburg haben nun ein wenn auch eher ideelles Argument mehr auf ihrer Seite, um die Verhandlungspartner zu finanziellen Zugeständnissen zu bewegen.

Wer sich selbst ein Bild von Udo Kirmses Worten machen möchte, die Pressekonferenz dank Duisburg365.de noch nachgereicht. Alle weiteren Bilder ebenfalls dank Frank-M. Fischer von Duisburg365.de

Später kamen die Mannschaftskapitänin Jennifer Oster und Trainer Sven Kahlert zu Wort

Noch ist ein ungewohnter Anblick, Frauenfußballerinnen im Zebra-Trikot beim sehenswerten Interview.


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