Archive for the 'MSV Duisburg' Category

Jetzt erschienen: MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten

Schauen wir mal, wie Hagen Schmidt auf die Mannschaft weiter einwirken kann. So ein Trainerwechsel bringt ja immer sofort Hoffnung zurück, dass sich mit der äußeren Änderung auch innerhalb der Mannschaft entscheidendes verändert. Das hebt die Stimmung schon mal etwas.

Für den Restärger gibt es seit dieser Woche den Blick auf die MSV-Vergangenheit. Tina Halberschmidt und ich in Person von Martin Wedau haben uns in den Wochen größten Ärgers jedenfalls beim Schreiben von MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten gut ablenken können.

Natürlich muss man bei der Dosierung aufpassen. Sonst versinkt man vollkommen in diesen alten Geschichten von Erfolgen und der schon verarbeiteten Enttäuschung. Dann käme man womöglich auf den Gedanken, früher sei alles besser gewesen und will gar nichts mehr mit der Gegenwart zu tun haben. Also fragt euren Arzt und Apotheker, vulgo Kumpel, wieviel ihr euch zumuten könnt. Er kennt euch vielleicht besser als ihr euch selbst.

Amazon jedenfalls kennt unsere Bedürfnisse gerade sehr genau. Dort wird das Buch neben der Kategorie Sport und Fußball in einer dritten Kategorie geführt. Der Lachtherapie! Muss man mehr über uns und den MSV in diesen Tagen wissen?

Tina Halberschmidt und Martin Wedau
MSV Duisburg. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten
Klartext Verlag, Essen 2021
ISBN: ‎ 978-3837523959
€ 16,95

Der MSV, der Presseausschluss und geleistete Arbeit

Immer wieder lehrt uns der Fußball, wie widersprüchlich wir Menschen in der Welt sind. Wir selbst empfinden das meist nicht so. Für uns selbst erzählen wir unsere Geschichten völlig folgerichtig. So kann ich gut verstehen, warum gestern zu Beginn der Jahreshauptversammlung des MSV ein Mitglied zwei Anträge stellte. Zum einen sollten Bild- und Tonaufnahmen grundsätzlich verboten werden. Vor allem ging es hier um die Kameras der RTL-Dokumentation über den MSV. Zum anderen sollten die Journalisten der Printmedien gebeten werden, nach den Berichten der Vorstände die Jahreshauptversammlung zu verlassen. An der Aussprache, also die Fragen und die Kritik der Mitglieder, die ja normalerweise auch Anhänger der Zebras sind, sollten Journalisten nicht teilnehmen dürfen. Wenn schmutzige Wäsche gewaschen wird, sollte das nicht an die Öffentlichkeit, um den Ruf des Vereins nicht zu schädigen. Die Mitgliederversammlung nahm beide Anträge unter großem Beifall an. Wie gesagt, ich verstehe das Anliegen gut, obwohl ich beim Einlass meinen Presse- und keinen Mitgliedsausweis gezeigt habe. Nach den Berichten der Vorstände bin ich also gegangen und habe mir meine Gedanken gemacht.

Mir zeigten diese Anträge einmal mehr die Widersprüchlichkeit, in der wir Anhänger eines Fußballvereins leben. Ich rede jetzt nur vom Ausschluss der schreibenden Kollegen. Unbezahlte Unterhaltungsware werden für RTL empfinde ich auch nicht als erstrebenswertes Ziel einer Jahreshauptversammlung. Vereinsmitglieder haben also gesprochen. Was ihr gutes Recht ist. Zu einem professionellen Fußballunternehmen passt dieser Ausschluss der Tagespresse allerdings nicht. Ein professionelles Unternehmen informiert über Diskussionen von Interessierten und positioniert sich offen gegenüber kritischen Stimmen. Immer wieder treffen diese beiden Welten Unternehmen und Verein aufeinander. Einen gleichgewichtigen Ausgleich beider Welten gibt es nicht. Mal wird die eine Welt des Unternehmertums im Vordergrund sein, mal die andere des amateurhaften Vereinslebens. Mal wird an den Vereinsvorstand der eine Maßstab angelegt, mal der andere.

Wenn ich das Geschehen unabhängig vom Fußball und dem MSV betrachte, macht es mir leider ein paar Sorgen. Steckt in diesem Antrag doch das Misstrauen gegenüber der Institution des Journalismus, das ich aus politischen Zusammenhängen kenne und eben dort seine gesellschaftliche Wirkung entfaltet. Dieses Misstrauen zersetzt die bürgerliche Öffentlichkeit und damit Zusammenhalt. Ich wünsche mir sehr, dass dieses Misstrauen wieder schwindet, weil es nicht grundsätzlich gerechtfertigt ist. Wir haben eine vielfältige Medienlandschaft mit unterschiedlichen Stimmen. Auch ich habe die Jahreshauptversammlung verlassen müssen. Ich war nicht böse drum. Ich hatte mir ohnehin nicht vorstellen können bis maximal halb eins dort zu bleiben. Ich verdiene hier kein Geld. Da muss dann alles passen, um Zeit aufzuwenden. Zwar habe ich nicht die Reichweite der Printmedien dieser Region, dennoch werde ich wahrgenommen. Ich habe mehr Raum für meine Wertungen. Ich habe einen eigenen Blick. Ich denke, ich urteile sehr differenziert. Auch dieser andere Blick konnte die Aussprache nicht beobachten. Wie gesagt, ich verstehe gut die Beweggründe. Es gibt aber eine andere Perspektive, über die es lohnt nachzudenken.

Nun aber kurz zu zwei Berichten. Der Vorsitzende Ingo Wald erklärte die Arbeit der letzten zwei Jahre, sprach von der großen Enttäuschung über den verpassten Aufstieg und erläuterte die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Capelli. Die wichtigste Botschaft seiner Worte lautete: Wir haben an den Strukturen gearbeitet, so dass die vor zwei Jahren verkündete Mitteilung, der MSV überlebe in Liga 3 nicht länger als zwei Jahre, überholt sei. Das Zeitfenster für ein Überleben in Liga 3 ist größer geworden. Zwei, drei Jahre blieben jetzt Zeit, um den Aufstieg in Liga 2 zu schaffen.

Als Ivo Grlic zu seinem Bericht ans Rednerpult ging, buhten die Mitglieder. Man darf ihm abnehmen, dass dieser Gang schwer war und diese Ablehnung ihn trifft. So viel zum Menschlichen, das er anschließend immer wieder mal erwähnte. Das allerdings ist das grundsätzliche Problem bei seiner Arbeit. So klar war das gestern erkennbar. Denn vor allem das Menschliche kam zur Sprache in Sachen Gino Lettieri. Er wusste, er musste auf die Verpflichtung zu sprechen komrmen.

Was er sagte, ließ nicht erkennen, ob er den eigentlichen Fehler bei dieser Verpflichtung wahrnahm. Er scheint tatsächlich zu glauben, Gino Lettieri sei gescheitert, weil er in Duisburg von den Anhängern so viel „Gegenwind“ erhalten habe. Das war schon bei dessen Entlassung das Hauptthema. Darum geht es aber gar nicht, wenn ich Ivo Grlics Beweggründe verstehen will. Es gab keine Zuschauer im Stadion. Der Mann konnte in Ruhe arbeiten, auch wenn überall Unverständnis herrschte. Ivos Grlics oberflächliches Argument für die Verpflichtung war der einmal schon vorhandene Erfolg Lettieris beim MSV und dass er den Verein kannte. Die erste Entlassung Lettieris schien für Ivo keine Rolle mehr zu spielen. Zehn Verletzte hätte er damals im Kader gehabt.

Einem Nebensatz nur ließ sich indirekt entnehmen, ob sich Ivo Grlic Gedanken über die Rolle Lettieries bei der weiteren Entwicklung des Vereins gemacht hatte. Sinngemäß sagte Ivo, welchen Fußball er spielen ließe, darüber könne man ja streiten. Nein! Darüber kann man eben nicht streiten, weil darüber nicht gesprochen wurde. Doch Ivo Grlic muss sich um Spielideen von Trainern kümmern, weil er für die sportlichen Belange zuständig ist. Das ist eine der entscheidenden Stellschrauben für die Entwicklung des Vereins. Habe ich die Worte dazu überhört?

Wenn er dagegen über Spielerverpflichtungen spricht, ahne ich, dass er sich auf sicherem Terrain bewegt. Bei einem Spieler lassen sich einfacher Bewertungen vornehmen als bei einem Trainer. Die Datenlage bei Spielern ist viel umfangreicher und lässt sich klarer auf vergleichbare Zahlenwerte herunterbrechen als bei einem Trainer. Dessen Arbeit müsste umfassend analysiert werden, um seine Fähigkeiten zu bewerten. So ein Trainer-Profil muss wahrscheinlich immer erst erstellt werden. Ich habe gestern von Ivo Grlic nicht erfahren, dass diese Arbeit beim MSV vorgenommen wird. Das bereitet mir weiter große Sorgen. Wenigstens beschränken sich die nur auf den MSV. Gesamtgesellschaftlich betrachtet haben diese Trainerverpflichtungen wohl keine Auswirkungen.

Vereinsgeschichte entspannt bei Niederlagen

Für zwei Bücher beschäftige ich mich seit dem Frühsommer mit der Geschichte des MSV und wie mein Leben mit diesem Verein verwoben ist. Das eine Manuskript für den Klartext-Verlag ist schon etwas länger fertig, am anderen Manuskript schreibe ich noch. Ich freue mich sehr auf beide recht unterschiedlichen Bücher. Der MSV Duisburg des Klartext-Verlags vom Martin Wedau in mir und Tina Halberschmidt gehört in die Sachbuchecke, der MSV Duisburg in der Fußballfibel-Reihe des Culturcon-Verlags gehört als erzählerisches Buch in die Rubrik Literatur. Gelistet ist es dort übrigens noch nicht.

Als unerwarteter Nebeneffekt dieser Arbeit erweist sich zumindest heute meine Entspannung bei Niederlagen und schlechtem Spiel. Weil ich meine Erinnerungen an den MSV für die Gegenwart seit Wochen lebendig mache, trägt mich ein gutes Gefühl mir dem Verein durch den Fußballalltag. Das Geschehen der Gegenwart scheint neutralisiert zu werden. Das ändert natürlich nichts an den schlechter erscheinenden Aussichten für die Zukunft des MSV. Sie rücken nur so sehr in den Hintergrund, dass ich auch nach der 0:1-Niederlage gestern gegen Türkgücü München über die Ticker-Prosa des Kickers noch schmunzeln konnte.

Der Kicker machte Bakalorz‘ Einsteigen zum schnellen Geburtstagsgruß. Hart, aber herzlich gerieten die Glückwunsche. Alles andere des Spiels brauche ich in meiner Entspanntheit nicht einmal mehr verdrängen. Ärger ist kaum dagewesen. Die alten Zeiten des MSV bieten mir einfach zu schöne Erinnerungen. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das nun für meine Zukunft mit dem Verein deuten soll.

Aus neu wird alt – Die unerwartete Kontinuität

Das Entsetzen nach dem Auswärtsspiel in Saarbrücken ist allgegenwärtig. Welch ein Glück! 2:0 nur hat der MSV verloren. Die Mannschaft hätte untergehen können, wären die Saarbrücker abschlussstärker gewesen. Freie Schüsse aus 20 Metern, die über das Tor gingen, haben den MSV vor dem Schlimmsten bewahrt. Hinzu kamen mehrere noch nicht perfekt vollendete Spielzüge, bei denen die zentralen Spieler frei vor dem Tor knapp verfehlten.

Man brauchte kein Hellseher zu sein, um in den Anfangsminuten sehr offensive Saarbrücker zu erwarten. Die erste Großchance ergab sich nach zwei Minuten? Oder waren es doch schon vier Minuten? Die Hoffnung, nach diesem zu erwartenden Angriffsdruck könnte sich das Spiel beruhigen, machte ab der 20 Minute etwa meiner neuen Hoffnung Platz, mit viel Glück vielleicht torlos in die Halbzeitpause zu gehen. Dem war nicht so. Das Führungstor der Saarbrücker fiel, und es war nahezu sicher, dass dem ein weiteres Tor folgen würde.

Die Defensive der Zebras war kaum vorhanden. Vor allem auf der linken Seite schien es so, als wolle man dem Gegner ein Labyrinthspiel für Kleinkinder aufstellen. Die Abstände zwischen den Spielern waren möglichst so groß gewählt, dass die Gegner im Dribbling mit ein paar gemütlichen Richtungsänderungen plus Dopelpassspiel hindurchspazieren konnten. Die jeweiligen Gegenspieler dort liefen in gebürtigem Abstand mit – wie Eltern, die fürsorglich und stolz die Ballführung ihrer Kinder beobachten. Zum abrundenden Bild hat nur noch so ein typisches Aufmuntern von Eltern beim Mitlaufen gefehlt.

Als Moritz Stoppelkamp eine Ecke verhindern wollte und den Ball von der Grundlinie kratzte, war auf dieser linken Seite weit und breit niemand, der um diesen freien Ball hat kämpfen können. Diese Szene vor dem zweiten Tor ist das Symbolbild für das gesamte Spiel. Wenn dann noch Ballverluste in der eigenen Hälfte hinzu kommen, sowohl beim Passspiel als auch beim Versuch den heranlaufenden Stürmer auszuspielen, dürfen wir alle mit der überschaubaren Höhe der Niederlage zufrieden sein.

Natürlich ist das ein Spiel nur, wie jenes gegen Havelse auch nur ein Spiel war. Dennoch beunruhigt mich die atmosphärische Kontinuität zur letzten Saison. Eine Mannschaft, die zu mehr als der Hälfte aus neuen Spielern besteht, tritt genauso auf wie beim Aus im Niederrheinpokal in der letzten Saison.

Nach diesem katastrophalen Auftreten der Mannschaft erweist sich nun, wie befürchtet, Pavel Dotchevs offene Komunikation mit der Öffentlichkeit als ein Problem. Nach dem Spiel zeigte auch er sich überrascht von dem Versagen seiner Mannschaft. Er versteckt sich nicht hinter einer glatten Oberfläche, die Kontrolle der Situation vorgibt. Mich überrascht nicht, dass der Ärger vieler Fans über dieses Auftreten der Mannschaft sein Ventil jetzt schon im Schimpfen über den Trainer findet. Sein Engagement auf der Trainerbank während des Spiels wurde zudem vermisst.

Wie groß so ein Einfluss während des Spiels ist, steht allerdings keinesfalls fest. Denn auch in dem Fall zählt, ob jeder Spieler unter Druck im laufenden Spiel überhaupt Anweisungen umsetzen kann. Je niedriger die Liga, desto niedriger das Niveau. Geändert wurde und zwar in der Pause. Ein wenig war davon im Spiel zu sehen. Folgen für das Ergebnis gab es keine.

Das Spiel macht keine Hoffnung für den Mittwoch in Osnabrück. Der MSV trifft auf eine wütende Mannschaft, die in letzter Minute noch verlor. Der VfL wird wie Saarbrücken etwas gut machen wollen. Morgen aber werde ich wieder meine Grundzuversicht gefunden haben. Für einen Teil von euch da draußen hoffe ich auch auf die Rückkehr der Geduld mit Pavel Dotchev.

Das ist eine Schwierigkeit für den MSV

Gestern haben die Ruhrbarone ein Interview mit Dietrich Schulze-Marmeling veröffentlicht. Dietrich Schulze-Marmeling bereitete der heutigen Fußballbuchkultur mit seinem Werk „Der gezähmte Fußball“ den Boden und zählt heute zu den renommiertesten Sachbuchautoren im Fußballbuch. In Kamen geboren richtete sich seine Aufmerksamkeit auf den BVB. Im Interview spricht er vor dem Saisonstart in der Bundesliga über den Fußball im Allgemeinen und die Situation der drei Ruhrgebietsvereine in Bundesliga und 2. Liga. Seine abschließende Anmerkung zum Fußball im Ruhrgebiet gefiel mir allerdings gar nicht.

Dass der MSV in diesem Gespräch nicht neben Rot-Weiss Essen genannt wird, ist ein Problem für das Unternehmen MSV Duisburg. Wir können Dietrich Schulze-Marmelings Meinung natürlich nur als persönliche Meinungsäußerung eines voreingenommenen Autoren betrachten. Dann würden wir ihm als Anhänger des MSV je nach Persönlichkeit von humorvoll bis wütend antworten. Wir können das Fehlen des MSV in dieser Reihe der Ruhrgebietsvereine aber auch ernst nehmen und als Gefahr für die Zukunft sehen. Denn dieses Fehlen ist ein Symptom, das auf die wirtschaftlichen Bedingungen aufmerksam macht, die den sportlichen Erfolg ermöglichen. Die Vereine stehen eben auch in einem Wettbewerb um Sponsoren und dabei geht es um die Attraktivität der Marke MSV. Das Fehlen ist ein Gradmesser für diese Attraktivität.

Denkt man an der Stelle weiter, müssten wir in Duisburg uns wegen des weiter voranschreitenden Konzentrationsprozess im Unterhaltungssegment Fußball vor dem möglichen Aufstieg von Rot-Weiss Essen Sorgen machen. Was uns als Publikum mit Derbygelüsten reizvoll erscheint, könnte mittelfristig den wirtschaftlichen Druck auf den MSV erhöhen.

Ich kann mir vorstellen, im Beratersprech heißt so etwas: Der MSV hat ein Problem als Marke im Ruhrgebietsfußball. Sicher hat das auch etwas mit der Randlage von Duisburg im Ruhrgebiet zu tun. Was letztlich aber unerheblich ist. Weil auch das Einzugsgebiet Niederrhein an dieser schwachen Marke nichts ändert. Es ist keineswegs banal festzustellen, dass für die Marke MSV der sportliche Erfolg einen größeren Einfluss hat als bei anderen Vereinen. Anscheinend ist der MSV unabhängig von diesem sportlichen Erfolg weniger im Bewusstsein eines Betrachters des Ruhrgebietsfußballs als etwa Rot-Weiss Essen. Und wenn ich einen Blick auf die Zuschauerzahlen in Duisburg werfe, meine ich, selbst beim Duisburger Publikum ist das der Fall.

Mit diesen Wünschen sollte es klappen

Gestern las Tonio Schachinger bei der ersten von zwei Veranstaltungen in Ruhrort im Rahmen von Literatour 100, dem Tagesfestival vom literaturgebiet.ruhr. Selbst den fußballfernen Teil des Publikums begeisterte er mit seinen Auszügen aus „Nicht wie ihr“, dem Roman über einen österreichischen Nationalspieler bosnischer Herkunft.

Nach der Moderation von Tonio Schachingers Lesung in Ruhrort habe ich ihm mein Exemplar von „Nicht wie ihr“ zum Signieren unter die Nase gehalten. Ich muss sagen, er hatte schnell erkannt, wie er mir eine zusätzliche Freude machen konnte. Ich denke, nach diesen Wünschen sollte das gleich was werden gegen den TSV Havelse.

Blick aufs Meer – Ein letztes Saisonfazit

Der Urlaubskatalog vor der Saison

Freuen Sie sich auf die kommende Saison, in der unser ganzes Team bereit ist, oben mitzuspielen. Wir stellen die höchsten Ansprüche an Qualität. Ausbildung wird bei uns ganz groß geschrieben. Die langjährigen Gäste unseres Hauses werden sich über einige neue Gesichter freuen können. Wie immer konnten wir junge und erfahrene Kräfte mit unserem ganz speziellen Ambiente überzeugen. Die Westender Straße punktet mit ihrer Wohlfühl-Atmosphäre im satten Grün der Natur mitten in einem pulsierenden Szeneviertel zum Ausgehen. Der Weg zum Strand ist nicht weit. Der wunderbare Blick aufs Meer wird Sie den Alltag vergessen lassen.

Die Wirklichkeit beim Aufenthalt in der Saison

#BeleidigtEndlichVäter

Nach dem Samstagsspiel des MSV Duisburg in Magdeburg ging alles ganz schnell. Die MSV-Fans Arca Ceribasi und Jan Kastner telefonierten. Am Abend wurde aus dem Dauertelefonat eine Zoom-Konferenz, weil Esra Bashri und weitere Freundinnen, Freunde und Bekannte hinzukamen. Um Mitternacht stand der Plan, angesichts des Geschehens in Magdeburg grundsätzlich zu werden. Denn der Magdeburger Spieler Alexander Bittroff hatte mal wieder ganz tief in die Mottenkiste abgestandener Beleidigungen gegriffen. Die Mutter von Aziz Bouhaddouz war das Ziel. Bittroff störte sich auch nicht an der traurigen Wahrheit, dass diese Mutter schon gestorben war. Anscheinend hatte ihn das sogar befeuert in seiner Beleidigungslust.

Kurzum, diese Beleidigung war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte für die jungen Erwachsenen. Gestern nun traten drei von ihnen aus Duisburg als Sprecher einer Initiative an die Öffentlichkeit. Sie fordern Gleichberechtigung für Väter. Unter dem Hashtag #BeleidigtEndlichVäter kann man ihnen auf allen sozialen Kanälen folgen. Sie sprechen nicht nur für sich, sondern für die Interessen von Millionen Vätern in Deutschland und wissen sich von vielen Prominenten unterstützt.

In der Kulturszene gärt das Thema schon lange. Jan Kastner arbeitet als Aufnahmeleiter in bekannten TV-Produktionen und kennt aus vielen Gesprächen mit Kulturschaffenden die Nöte von unbeleidigten Vätern. „Das große Problem ist“, so Kastner, „Männer, und das sind ja Väter meistens, trauen sich nicht über ihre Minderwertigkeitsgefühle zu sprechen.“

„Genau“, bestätigt Esra Bashri. „Am Samstag gab es ja auch das große Missverständnis, Aziz Bouhaddouz hätte sich über die Beleidigung der Mutter so aufgeregt.“ Esra hat schon oft mit Aziz gesprochen, seit er in Duisburg spielt. Sie weiß, wie er tickt. „Schon in unserem ersten Gespräch an der Westender Straße habe ich das mitbekommen, wie ihn dieses Mütter-Väter-Ding beschäftigt. Er sagte mir, seit Jahren werde seine Mutter in allen möglichen Spielen beleidigt. An seinen Vater habe noch niemals einer gedacht. Aber der sei doch auch immer für ihn dagewesen. Aziz spricht viel mit anderen Spielern und versucht schon was, aber wenn einer alleine nur aktiv ist, reicht das natürlich nicht“

„Ganz ehrlich“, mischt sich Arca wütend ein, „so Typen wie der Bittroff bringen diese Gesellschaft doch nicht weiter.“ Arca ist seit zwei Jahren selbst Vater und auch für ihn gilt, noch niemals in seinem Leben wurde sein eigener Vater von jemandem beleidigt. „Ich meine, mein Vater hat sich längst damit abgefunden, dass er niemals die Chance erhielt, über eine Vaterbeleidigung wütend zu werden. Aber das war auch eine andere Zeit. Ich mache das nicht mehr mit. Bin ich es etwa nicht wert beleidigt zu werden, oder was? Das ist doch ein Denken von Vorgestern. Weißt du, am liebsten würde ich zu dem Bittroff gehen und dem sagen, man, sei doch ein Mann, Bitroff und beleidige mal irgend’nen Vater. Mütter beleidigen, wie klein bist du.“

Esra legt ihm beruhigend die Hand auf den Arm und fügt hinzu: „Unser Aufruf ist erst der Anfang. Wir kennen so viele Leute in ganz Deutschland, die genauso denken wie wir. Jeder Vater hat ein Recht auf Beleidigung. Du Sohn eines Strichers macht doch nicht weniger wütend als deine Mutter ist ’ne Hure.“

Dresdner Kehrwochenergebnisunsicherheit

Guck mal einer an, wie sich die Wege von Menschen immer wieder kreuzen. Alexander Schmidt wird gute Erinnerungen an erste Begegnungen mit dem MSV in seinen neuen Vereinen haben. 2014 hatte Alexander Schmidt als Trainer vom SSV Jahn Regensburg sein erstes Pflichtspiel dort gegen den MSV. HIer seine Pressekonferenz seinerzeit. Den MSV trainierte damals Gino Lettieri. Es hängt also alles mit allem zusammen. Das erleben wir heute. Wahrscheinlich war das Spiel gegen Dresden mit ein Grund für die Entlassung von Gino Lettieri. Denn Alexander Schmidt sah damals einen recht ungefäährdeten 3:1-Sieg seiner Mannschaft.

Man muss die Trainerwechsel in den Ligen wohl inzwischen als eine Art Reigen verstehen, bei dem Entscheidungen auch im Hinblick auf Wackelkandidaten und deren Nachfolger in anderen Vereinen getroffen werden. Dass Gino Lettieri nicht mehr am Spielfeldrand sitzt, führt also heute zu einem späten Vorteil, der über den des bisherigen Einflusses von Pavel Dotchev hinausgeht. Ob dieser so große Vorteil in Person von Pavel Dotchev diese merkwürdigen psychischen Prozesse zumindest im ersten Spiel nach Trainerentlassungen egalisiert, können wir nur hoffen. Solche ersten Spiele von neuen Trainern setzen ja oft zumindest kurzfristig Kräfte frei, die später meist wieder versickern.

Deshalb nutzen Trainerentlassungen ja auch nur im Fall von Gino Lettieri und dem MSV etwas. Hoffe ich jedenfalls mit Blick auf das Spiel heute Abend und dem guten Gefühl, dass das Selbstbewusstein einer siegreichen Mannschaft vielleicht auch noch hinzu kommt, um die Verunsicherung der Dresdner trotz neuem Trainer schnell wieder hervor zu rufen. Schauen wir mal, ob die gewohnte Verunsicherung der Zebras in den ersten Minuten dieses Mal ausbleibt und der Trainerwechsel in Dresden zur bekannten Statistik ausgleichend für den Dotchev-Fall beiträgt. Denn wir wissen alle, rein statistisch betrachtet nutzt so ein Trainerwechsel gar nichts. Die statistische Verteilung verlangt geradezu als Ausgleich für den Dotchev-Erfolg das gänzliche Nutzlose in Dresden als Trainerwechsel-Resultat.

Selbst vom Alphabet noch benachteiligt – Marco Antwerpen ein a geklaut

Marco Antwerpen, der Trainer vom 1. FC Kaiserslautern, gehört vermutlich zu solchen Personen, die zwitschernde Vögel am Morgen als persönliche Beleidung betrachten. Jemand wird schon dafür verantwortlich sein, dass sie vor seinem Fenster Geräusche machen. Jemand, der ihn an seinem Schlaf hindern will, um seine Arbeitskraft zu schwächen. Im Zweifel haben sich die Schiedsrichter der letzten Spiele zusammengeschlossen. Sie wollen sich rächen, weil er einfach Wahrheiten über sie ungeschönt ausspricht.

Ich muss sagen, meine Freude über den späten Ausgleich durch Wilson Kamavuaka zum 2:2-Unentschieden im Spiel gestern gegen Kaiserslautern ist noch größer, seitdem ich gerade die Pressekonferenz nach dem Spiel gesehen habe. Dabei gehört Schadenfreude nur selten zu meinen spontanen Empfindungen. Marco Antwerpen ist schon was besonderes. Wie kann man derart blind für die zweite Halbzeit sein? Wie kann man sich in einer eigenen Welt derart behaglich einrichten und sich ständig benachteiligt fühlen?

Sogar ein „a“ haben sie ihm vorenthalten. So würde er wahrscheinlich sagen, wenn man ihn darauf aufmerksam machte, dass an seinem Statement auf der PK etwas nicht gestimmt hat. Er würde auf den MSV verweisen, den Pressesprecher Martin Haltermann. Der Schiedsrichter, der Stadionsprecher, irgendeiner war es bestimmt. Er antwortete ja auf die Frage eines Kollegen, er habe dem Schiedsrichter nach dem Spiel nur gesagt, warum „Kamavuka“ (sic) noch auf dem Platz stände. In diesem Satz offenbart sich sein ganzes Wesen. Der Mann lebt in einer Welt, in der es Spieler gibt, die keiner kennt. Was soll so ein armer Schiedsrichter dann machen? Er kann doch niemanden vom Platz stellen, der gar nicht spielt.

Neben einem solchen unsympathischen Fantasten wie Marco Antwerpen hat es Philipp Klug ganz gut gemacht. In der Nachbesprechung seines PK-Auftritts braucht er allerdings den Hinweis, dass nicht „vieles“ von dem Kollegen-Statement richtig war sondern nur einiges. Schließlich hat er die zweite Halbzeit deutlich anders gesehen als sein Kollege. Ich übrigens auch.

Wir sind uns einig, in der ersten Halbzeit gab es nur eine kurze Phase zwischen der 30. und 40. Minuten, in der die Mannschaft sicher im Spiel war. Die Halbzeitpause kam zur rechten Zeit. Erst nach dem Wiederanpfiff schien das Spiel für den MSV richtig zu beginnen. Aber für Marco Antwerpen hatte der FCK ja alles im Griff. Nein, hatte er nicht. Es war ein ausgeglichenes Spiel nach dem 1:1-Zwischenstand. Es war hart umkämpft. Marco Antwerpen kann in seiner blinden Selbstgewissheit nicht wahrnehmen, dass dieser MSV in der zweiten Halbzeit nicht nur auf keinen Fall verlieren wollte, diese Mannschaft wollte gewinnen. Dazu hat sie einiges versucht. Der FCK hat gut dagegen gehalten. Weder der Sieg der einen noch den anderen Mannschaft wäre unverdient gewesen. Wenn man den Blick von Wilson Kamavuaka beim Jubel nach seinem Ausgleich sieht, weiß man aber, diese Zebras haben im Grunde gewonnen.


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