Archive for the 'MSV Duisburg' Category

Soll und Haben beim Tabellenrechner – 26. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 23. Spieltag gegenüberstellen.

Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht und die mit der weiteren Prognose sich dann ergebende Platzierung.

An diesem Spieltagssamstag sind meine Prognosen komplett daneben gegangen. Noch hat das keinerlei Auswirkungen auf den Klassenerhalt des MSV, wenn die Vereine sich in der kommenden Zeit wieder mehr an meine Prognosen halten. Mehr Sicherheit brächte allerdings auch ein ebenso unerwarteter Sieg des MSV an einem Spieltag, wie er den Tabellenkeller-Mannschaften am Samstag gelang. Hoffen wir darauf und dass bei den Zebras vor dem Pluszeichen eine große Zahl steht, auf jeden Fall größer als die der Abstiegskonkurrenten.

 

10. Arminia Bielefeld 34 (9. mit 42 P) + 2; 9. mit 44

11. Erzgebirge Aue 32 (13. mit 34 P) + 5; 12. mit 39

12. SV Darmstadt 98 32 (15. mit 31 P) + 5; 13. mit 36

13. SpVgg Greuther Fürth 32 (11. mit 40 P) + 3; 10. mit 43 (+ Nachholspiel)

14. Dynamo Dresden 27 (12. mit 36 P) – 2; 14. mit 34 (+ Nachholspiel)

15. SV Sandhausen 23 (18. mit 22 P) + 3 ; 18. mit 25

16. FC Magdeburg 23 (14. mit 31 P) – 1; 16. mit 30

17. MSV Duisburg 21 (16. mit 31 P) + 1; 15. mit 32  (+ Nachholspiel)

18. FC Ingolstadt 19 (17. mit 30 P) +/- 0; 17. mit 30

Prognose nächster Spieltag

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Wir empfehlen bei Spielausfall…

Wenn Dauerregen Rasen durchweicht, ist das Leben unberechenbar. Freitags machen Fußballer mit Zweitligagehältern aus unteren Ligen die Spielfläche unbespielbar. Samstags wird das anstehende Spiel der Zebras schon früh abgesagt. Daraufhin sehen wir Ticketverkäufer im Zebra-Shop im Gespräch mit enttäuschten MSV-Fans.

Wir wissen nicht, was die freundlichen Ticketverkäufer in dem Fall empfehlen, aber wir im Zebrastreifenblog empfehlen bei Spielausfall und Aufregungsmangel am Wochenende: Weg mit der alten Fußballergepflogenheit des Abstiegskampfs, wir schauen nur auf uns. Fiebert mit den Gegnern der Abstiegskonkurrenten des MSV mit und erlebt Niederlagentrauer und Siegesfreude so, als sei es ein Spiel des eigenen Vereins gewesen.

Schimpft auf dämliche Hamburger, die früh 2:0 führen und am Ende gegen Darmstadt dennoch 3:2 verlieren. Seid entsetzt über die Leistung vom FC St. Pauli, der in Sandhausen 4:0 verliert und der den Abstiegskonkurrenten der Zebras über die Maßen stärkt. Sorgt euch sofort auch vor dem nächsten Spieltag, weil die Paulianer im nächsten Spiel gegen die Zebras wahrscheinlich alles daran setzen werden, sich zu rehabilitieren und den Anschluss an die Spitze nicht vollends zu verlieren.

Seid einigermaßen zufrieden mit dem Unentschieden von Magdeburg in Dresden. Für Magdeburg wird das erst ein wirklichker Erfolg, wenn Siege dem folgen. Gleichzeitig eröffnet das Unentschieden aber auch die Hoffnung, Dresden könnte trotz Trainerwechsel wieder an alte Misserfolge anknüpfen und in den weiteren Wochen den Abstiegskandidatenkreis endlich erweitern.

Aber durchlebt auch am Sonntag ein Wechselbad der Gefühle mit dem SC Paderborn, der gegen Ingolstadt zunächst lange Zeit 0:1 zurückliegt, ehe innerhalb kurzer Zeit Ausgleich und Führung fallen. Jubelt beim entscheidenden dritten Tor in Paderborn mit und freut euch riesig über die Niederlage der Ingolstädter, die damit auf dem letzten Platz der Tabelle bleiben.

Und früher gab es statt Spielausfälle andere Probleme, bei denen statt Ticketverkäufer Tankwarte, Lebensmittelhändler und hier Luis Trenker Hilfe wussten, aber von einem Schmerzmittelanbieter regelmäßig unterbrochen wurden.

Soll und Haben beim Tabellenrechner – 25. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 23. Spieltag gegenüberstellen.

Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht und die mit der weiteren Prognose sich dann ergebende Platzierung.

Hoffen wir, dass bei den Zebras vor dem Pluszeichen bald noch eine höhere Zahl steht und bei den anderen Mannschaften vor dem Minuszeichen. Bei meinen ersten Ergebnisprognosen dieser Saison habe ich bislang gut gelegen.

10. Erzgebirge Aue 32 (13. mit 34 P) + 5; 12. mit 39

11. Arminia Bielefeld 31 (9. mit 42 P) +/- 0; 9. mit 42

12. SV Darmstadt 98 29 (15. mit 31 P) + 2; 14. mit 33

13. SpVgg Greuther Fürth 29 (11. mit 40 P) +/- 0; 11. mit 40 (+ Nachholspiel)

14. Dynamo Dresden 27 (12. mit 36 P) +/- 0; 13. mit 36 (+ Nachholspiel)

15. FC Magdeburg 22 (14. mit 31 P) – 2; 16. mit 29

16. MSV Duisburg 21 (16. mit 31 P) + 1; 15. mit 32

17. SV Sandhausen 20 (18. mit 22 P) +/ 0; 18. mit 22

18. FC Ingolstadt 19 (17. mit 30 P) +/- 0; 17. mit 30

Prognose nächster Spieltag

Lucky Punch und zweite Bälle

Entspannt gehe ich dem Wochenende entgegen. Denn mein Tabellenrechner erinnert mich, eine Niederlage gegen Regensburg habe ich beim Klassenerhalt eingerechnet. Schon ein Unentschieden brächte weitere Sicherheit, einen noch größeren Erfolg spreche ich aus altem Aberglauben nicht öffentlich aus.

Doch die Zebras haben eine besondere Chance. Denn jeder wird auf dem Platz vor allem die zweiten Bälle im Blick haben. Ob auf Pressekonferenz oder im Spielerinterview der Kampf um die zweiten Bälle ist ein Leitmotiv in den O-Tönen. Thorsten Lieberknecht weiß auf der Pressekonferenz, es werde ein intensives Spiel gegen ein Team, das die meisten Zweikämpfe führe. Sowohl offensiv als auch defensiv werde es viel Spiel auf den zweiten Ball geben. Es klingt bei ihm so, als läge die Verantwortung für die Spielweise mehr bei Jahn Regensburg.

Hört man im folgenden Jahn-Torwart Phillip Pentke, klingt das allerdings so, als sei der MSV für diese Zweite-Bälle-Kämpfe verantwortlich, er meint, andere Attribute als im Spiel gegen Heidenheim seien gefordert. Er sieht viel Kampf voraus, viel Einsatz, da ginge es viel um zweite Bälle.

Wenn alle so die zweiten Bälle im Blick haben, könnten doch vielleicht Cauly Souza oder Harvard Nielsen so einen unbeachteten ersten Ball elegant verarbeiten, ihn sich selbst vorlegen beim schnellen Lauf in den Strafraum und sicher ein Tor erzielen. So ein erster Ball liegt auch viel freier auf dem Rasen. Wenige Spieler erhalten in seiner Nähe die Chance um so einen ersten Ball zu kämpfen. Richtet ihr anderen eure Aufmerksamkeit auf all die zweiten Bälle, damit einer der Zebras ganz in Ruhe sich um so einen ersten Ball kümmern kann.

Außerdem muss ich noch darüber nachdenken, ob der in Regensburg so besonders beachtete „Lucky Punch“ wirklich eine breite Brust macht. So ganz komme ich bei dieser Einschätzung gedanklich nicht mit. Lucky – heißt das nicht „glücklich“? Vielleicht hilft auch diese Konzentration der Regensburger Aufmerksamkeit auf besondere Zebra-Attribute, ihren Blick auf die ersten Bälle zu vernachlässigen.

Bäffs Jahn-Lied gefällt mir übrigens sehr: „Und verliern wir mal 0:3, dann gibts nit lang a blöde Jammerei. Am Samstag drauf 0:2 verlorn, dann sagn mer, jetz ist schon besser word’n.“

Soll und Haben beim Tabellenrechner – 24. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 23. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung und Punkte am Ende der Saison. Hinter der Klammer steht jene Punktezahl, die bislang von meiner Prognose abweicht. Hoffen wir, dass bei den Zebras dort schnell das Pluszeichen steht und bei den anderen Mannschaften das Minuszeichen. Da ich bei den nächsten drei Spieltagen Niederlagen einkalkuliert habe, besteht die Hoffnung, dass das bald geschieht. Bei meinen ersten Ergebnisprognosen dieser Saison habe ich sehr gut gelegen. Die einzige Abweichung passt perfekt zum Nichtabstiegsplan für den MSV.

 

11. Erzgebirge Aue  29 (13. mit 34 P) + 3

12. SpVgg Greuther Fürth 29 (11. mit 40 P) +/- 0

13. Dynamo Dresden 27 (12. mit 36 P)  +/- 0

14. SV Darmstadt 98  26  (15. mit 31 P) +/- 0

15. FC Magdeburg 22 (14. mit 31 P) +/- 0

16. MSV Duisburg 20 (16. mit 31 P) +/- 0

17. FC Ingolstadt 19 (17. mit 30 P) +/- 0

18. SV Sandhausen 17 (18. mit 22 P) – 3

 

Prognose nächster Spieltag

 

 

Ein 1:0 als romantisches Liebesdrama

Vorfreude vor dem Spiel

Welch romantische Liebesgeschichte haben wir alle am Freitag erlebt. Natürlich wird ein erster Kuss von einem man der eine woman zunächst hoffnunglos geliebt hat und sie dann doch irgendwann in den Armen hält nicht so ekstatisch bejubelt wie ein Siegtor in der Nachspielzeit. Aber dieser Jubel beim Kuss vor Publikum, den kenne ich aus amerikanischen Romantic Dramas, nachdem die Geschichte so erzählt wurde, wie das Spiel zwischen dem MSV und dem 1. FC Magdeburg sich entwickelte. Ich habe sofort sowohl Struktur als auch Bilder vor Augen. Zwei glückselige Gesichter nach dem einen so lange erwarteten Kuss. Die Kamera zieht in die Totale zurück. Wir sehen eine Menschenmenge, die erst erwartungsvoll zugeschaut hat und dann in Jubel ausbricht.

Wir auf den Rängen haben dem Ringen des MSV mit dem 1. FC Magdeburg um die große Liebe, den Sieg, nie ganz still zugeschaut. Wir haben geschrieen und die Zebras angefeuert, schon in der ersten Halbzeit, besonders aber als es Mitte der zweiten Halbzeit so schien, der MSV könne dauerhaften Druck auf das Magdeburg Tor entwickeln. Diese Illusion war nach etwa zehn Minuten vorbei. Von da an waren wir aus Sorge immer auch zur rumorenden Menge geworden. Von da an gab es nur noch zwischendurch vereinzeltes Aufbäumen auf den Rängen gegen das torlose Unentschieden, das wieder ein halbgares Ergebnis gewesen wäre. Nichts, aus dem sich hätte Hoffnung ergeben können, aber auch kein kräftiger Zug Richtung Abstieg.

Die Zebras hatten den Sieg dieses Spieltags vor einer Woche nur aus der Ferne einmal kurz gesehen. Das reichte für die schönsten Träume. Wenn es mit diesem Sieg etwas werden könnte, so dachten alle, ließe sich wieder vorsichtig in die Zukunft sehen. Enttäuschte Hoffnungen der letzten Wochen könnten endlich ganz vergessen werden. Doch kaum malte sich jeder dieses wunderbare Zusammenkommen von MSV und Sieg in den schönsten Farben aus, betrat der 1. FC Magdeburg die Spielfläche. Nach dem Anpfiff des Films, war eines sofort klar: Die Magdeburger hatten sich in Schale geworfen und wollten auch ein erstes Date mit diesem so besonderen Sieg.

Doch die Zebras ließen sich zunächst nicht von den Absichten der Magdeburger beeindrucken. Kühl ließen sie jedes frühe Pressing dieses Nebenbuhlers ins Leere laufen. Vielleicht waren Andreas Wiegel und Ahmet Engin in der eigenen Hälfte manchmal etwas nervöser, wenn sie im Ballbesitz waren. Im Großen und Ganzen aber wirkten die Zebras überraschend stabil, wenn sie den Ball im Kurzpassspiel nach vorne bringen wollten. Den Ball sicher behalten und geordnet in den Angriff kommen. Die Defensive nie vernachlässigen. Das war die Devise. Bis zur Strafraumgrenze der Magdeburger gelang dieser Ballvortrag auch. Danach war allerdings Schluss. Weder Pass noch Flanke kamen gefährlich vor das Magdeburger Tor. Einen Ertrag aus der erst bestehenden Spielkontrolle gab es nicht.

Das überrascht nicht, wenn wir uns das Romantic Drama ansehen. Der Liebende kommt an die Angebete trotz allen Mühens nicht ran. Im Gegenteil, irgendwann trifft sich die Angebete sogar mit einem anderen. Wir hätten also wissen können, dass die Magdeburger noch vor der Pause mit dem Sieg fast so weit schienen, dass sie sich nicht nur das erste Mal geküsst hätten. Die wären gleich zusammen ins Bett gehüpft, und der Heiratstermin hätte binnen weniger Minuten festgestanden. Doch Felix Wiedwald hatte etwas dagegen. Er wollte dieses Ende nicht sehen. Er hielt, was zu halten war. Einen besonders gefährlichen Schuss lenkte er an die Latte. Wir hätten also eigentlich gleich beruhigt sein müssen. Welches Romantic Drama endet schon nach 45 Minuten mit einer Hochzeit? Im Stadion hat man das so allerdings nicht parat. Ich war ganz drin in diesem Film. Ich verzweifelte allmählich. Sollten etwa gar nicht meine Helden des Romantic Dramas zusammenkommen?

Die Magdeburger hatten bei ihrem Kampf um das Herz des Sieges eine schwere Verletzung zu beklagen. Christian Beck war mit Enis Hajri bei einem Kopfballduell zusammengestoßen. Wie sich später herausstellte, hatte Beck einen Jochbeinbruch erlitten. Enis Hajri konnte nach dem Tackern seiner Platzwunde weiterspielen.

Nach der Pause setzte sich das Spiel erst einmal ereignislos fort. Auch das kennen wir aus aus dem Romantic Drama. Die Zeit nach dem ersten Höhepunkt ist besonders schwer zu gestalten. Vielen Filmen mangelt es in diesen Szenen an Spannung und Emotion. Irgendwie muss die Zeit gefüllt werden und den schlechten Geschichten fehlt die Tiefe für etwas Neues. Man sieht immer dasselbe. Dann bleibt Raum für Nachdenken und Fragen. Etwa: Tim Albutat macht aus dem Stand heraus ein sehr gutes Spiel. Oder: Schafft Moritz Stoppelkamp zumindest Räume für seine Mitspieler, wenn er nicht in Ballbesitz ist? Läuft er so viel und zieht Gegenspieler auf sich, dass die Flügel frei werden? Sobald er den Ball hat, wirkt er wie ein Schatten seiner selbst. Einmal habe ich sogar gedacht, Pässe auf ihn sind Pässe zum Gegner. Ich war in dem Moment aber auch komplett ohne Hoffnung. Ich sah nicht, wie die Mannschaft torgefährlich werden könnte. Flanken gingen weiterhin ins Leere. Schöne Kombinationen endeten dort, wo es wirklich gefährlich wurde.

Zu meiner Beruhigung hielten die Magdeburger aber auch ihre Anstrengungen wieder in Grenzen. Wäre mir das Romantic Drama bewusst gewesen, hätte ich gewusst, im letzten Drittel des Films geht unser Held noch einmal aufs Ganze. Der MSV verstärkte den Druck. Das Stadion nahm diese Energie auf. Für wenige Minuten wollten auch wir den Ball ins Tor schreien. Den Schlusspunkt dieser kurzen Drangphase setzte ein Freistoß, der kläglich vergeben wurde. Danach schien die Mannschaft erst einmal wieder ohne Energie zu sein. Wenigstens den Ball in den eigenen Reihen halten. Kontrolliert sein, kein Gegentor einfangen. Aber wie sollte auf diese Weise der Sieg jemals einen erhören?

Ekstase nach dem Spiel

Es lag eigentlich auf der Hand. Kurz vor Ende des Films sollte jene Situation sich wiederholen, an der unser Held beim ersten Mal so kläglich gescheitert war. Die Zebras kamen noch einmal in jene Situation, die der beginnenden Drangphase ein jähes Ende gesetzt hatte. Ein Freistoß natürlich. Dieser von Kevin Wolze getretene Freistoß flog dieses Mal in den freien Raum des Magdeburger Strafraums. Enis Hajri lief perfekt hinein und köpfte die Zebras zum Sieg. Das Romantic Drama hatte sein Happy End für die Zebras. Oft folgt diesem Kuss des Paares am Ende noch ein kurzer Epilog – ein paar Monate später: Hochzeit, Schwangerschaft oder eine andere Zukunftsaussicht. Uns gefiele das natürlich auch gut. Das Insert: Drei Monate später. Dann nur noch Bilder, und ihr wisst, welche Bilder ich nach diesem Insert sehen möchte.

Neues für das Fan-Gedächtnis vom MSV Duisburg: Meine Frau war immer dabei – Karl P. (*1933)

Ein wenig Ablenkung von der gegenwärtigen sportlichen Situation bringt immer auch das Erinnern an andere Zeiten. Weil ich weiß, dass der Zebrastreifenblog doch mehr Leser hat als drüben das „Fan-Gedächtnis“, stelle ich auch hier online, was Karl P. (*1933) mir  für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ erzählt hat .

Meine Frau war immer dabei

Meine Frau hatte einen Vetter. Der war auch fanatisch für den MSV. Der ist mit der Fahne, einer Riesenfahne, nach Karlsruhe gefahren. Da war das erste Spiel vom MSV, als die Bundesliga begann. Der hat auch mal die Spielerfrauen an die Reeperbahn gebracht. Die Männer gingen ja nach einem Spiel immer in die Kneipen. Die kamen vor morgens vier, fünf Uhr nicht nach Hause. Und da hatte der mal so ein Mitleid mit den Spielerfrauen und hat denen gesagt: „Ich fahr euch zur Reeperbahn nach Hamburg.“ Der hatte so einen Bully. Das hatte mit Fußball nichts zu tun. Da sind die dann auch auf die sündige Meile gefahren, und die durften alle mal in den Puff gehen. Gucken natürlich. Die sind da reingegangen. Und dann hat der um 12 Uhr ganz laut gepfiffen, auf der Reeperbahn, mit so einer Flöte. Da kamen die aus allen Ecken, die Frauen, und dann sind die wieder nach Hause gefahren. Das kam ja auch in dem Film vor. Die Vizemeister. Er wollte denen mal was bieten. So haben wir das gehört.

Meine Frau und ich, wir waren ja bei allen Spielen in der Zeit. Ich habe nämlich für die Zeitung geschrieben, den Duisburger Generalanzeiger, als freier Mitarbeiter. Ich hatte in der Zeit so eine Kolumne. Ich habe nach dem Spiel die Trainer befragt und die gegnerischen Kapitäne. Die musste ich nach dem Spiel interviewen. Sepp Herberger zum Beispiel, der war damals Bundestrainer. Den habe ich interviewt.

Jetzt waren wir in Hamburg, und der MSV hatte zuvor hier gegen Köln Unentschieden gespielt. In dem Spiel ist unser bester Spieler „Eia“ Krämer von einem Hemmersbach, so hieß der Kölner, kaputt getreten worden. Der „Eia“ musste vom Platz getragen werden und konnte auch das nächste Spiel in Hamburg nicht mitmachen. Als der gefoult wurde, hatte der MSV geführt. Die Kölner haben dann noch den Ausgleich gegen die dezimierten Meidericher gemacht. Wenn die Köln geschlagen hätten und danach auch gegen Hamburg gewonnen, dann wären die sogar Meister geworden, vor den Kölnern. Die sind dann ja Zweiter geworden.

Meine Frau und ich sind dann nach Hamburg gefahren. Mit dem Auto von Wermelskirchen aus. Da haben wir damals gewohnt. Da war die Autobahn bis Hamburg noch gar nicht fertig. Bis Hannover konnte man fahren. Dann ging es durch die Heide. In Hamburg waren nicht sehr viele aus Meiderich. Jetzt spielte ja der beste Mann nicht, der „Eia“ Krämer, und da hatten wir sowieso wenig Hoffnung. Da spielten Heini Versteeg und der Gecks als Stürmer, und die spielten wie im Rausch. Die gingen mit 3:0 in Führung. Boah, haben wir gesagt, heute gehört Hamburg uns. Und da macht der krumme Hund, so sage ich jetzt mal, der Uwe Seeler, eine Viertelstunde vor Schluss das 3:1 und dann haben die noch 3:3 gemacht. Wir standen wie begossene Pudel da. Wir waren im Rausch. 3:0! Naja, wir haben dann noch einen drauf gemacht. Das 3:3 war ja auch gut.

Einmal wollten sie mich in Stuttgart von der Tribüne schmeißen. Der MSV spielte in Stuttgart. Da waren wir abends auch mit der Mannschaft zusammen, und wir kannten den Geschäftsführer Hans van Kleve. Der hatte in Meiderich eine Fahrschule, der war auch dabei. Der war unser Freund, der hat gesagt, wir sind heute Abend da und da, wollt ihr da nicht auch hinkommen. Dann haben wir da ganze Nacht gesessen, uns mit dem Gutendorf unterhalten. Meine Frau war immer dabei. Überall ist die mitgefahren.

Dann waren wir am nächsten Tag auf der Pressetribüne in Stuttgart und ich habe immer über die Stuttgarter geschimpft, wenn die gefoult haben. Da saßen natürlich nur Stuttgarter. Und da haben die nachher einen Ordner gerufen, schmeiß den mal hier von dem Platz. Aber ich habe dann meinen Presseausweis gezeigt und die haben mich sitzen lassen. Ich bin denen wahrscheinlich auf den Wecker gefallen. Ein paar Artikel habe ich damals noch geschrieben.

Fortsetzung folgt. Das schon mal ab ins „Fan-Gedächtnis“. 

Damit verbinde ich zugleich einmal mehr den Aufruf, schickt für dieses Fan-Gedächtnis eine Erinnerung an eure Zeit mit dem MSV, von der ihr wollt, dass sie nicht vergessen wird. Ihr könnt das über das Kontaktformular machen. Oder schreibt mir. Ich komme mit dem Aufnahmegerät vorbei, mache ein Interview und transkribiere das Erzählte. Ich veröffentliche die Erinnerungen erst einmal drüben im großen Fan-Gedächtnis-Archiv. Ich träume aber immer noch davon, eine Sammlung solcher Geschichten im Verlag Die Werkstatt herauszugeben. Der Erlös käme einem sozialen Projekt zugute. Wir hätten zudem eine Art Geschichtsbuch von unten. Alltagsgeschichte aus Duisburg mit dem Schwerpunkt Fußball.


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