Archive for the 'MSV Duisburg' Category

Trotz krankheitsbedingtem Zuschauerausfall endlich wieder siegen

Die Zuschauer beim Spiel des MSV gegen Rot Weiß Erfurt mussten die Zebras mit einem Mann weniger unterstützen. Eine beginnende Erkältung raubte mir Kraft, und was übrig blieb brauchte ich für den Abend für die Lesung im RuhrKUNSTort. Schonung war also angesagt, damit die Veranstaltung so gelingen konnte, wie es dann geschah. Ich gab Prosa über Ruhrort in den 1960ern zum Besten, ich streute Komik und Witz mit Lyrik ein und natürlich las ich auch aus „Mehr als Fußball„. Bei Funkes WAZ/NRZ gibts einen Eindruck von der Lesung.

Im Stadion am Nachmittag konnte der Mann weniger durch gute Stimmarbeit kompensiert werden. In der TV-Übertragung war das deutlich zu hören. Erleichterung herrscht nun allerorten nach diesem 3:2-Sieg. Unsicherheit war zu Beginn des Spiels spürbar. Der frühe Rückstand nach dem Fehler von Dustin Bomheuer schien die Köpfe endgültig  frei zu machen. Der MSV wollte den Sieg und drückte die Erfurter in deren eigene Hälfte. Während ich noch letzte Änderungen an der Setlist meiner Texte für den Abend machte, fielen Ausgleich und 2:1 durch Stanislav Iljutcenko. In der Kopfballabfolge beim Führungstor war zunächst Branimir Bajic am Ball. Er spielte wieder, und dabei haben wir zunächst immer die Stabilität in der Defensive im Auge. Doch auch in der Offensive verbreitet er als Kopfballspieler oft Gefahr. Was aber für mich am meisten zählt und nicht wirklich als Leistung messbar ist, heißt Erfahrung, die ins Mannschaftsspiel eingeht. Die Ruhe, die er ausstrahlt, dient dem gesamten Team als Stützpfeiler.

Wie zu erwarten war, spielten die Erfurter nach der Halbzeitpause mutiger. Deshalb ist der Ärger des Gasts über den Elfmeterpfiff verständlich. An einen Pfiff nach einer solchen Aktion des Torwarts kann ich mich nicht erinnern. Wie dem auch sei, Branimir Bajic vewandelte zum 3:1. Wunderbar, wie dieser Mann sich über das Tor freute. Auch in dieser Freude ist sein Wert für die Mannschaft erkennbar. In dieser Freude zeigte sich der Wille dieses Spiel zu gewinnen.

Eigentlich hatte Fabian Schnellhardt dem Tackling von hinten nach seinem Platzverweis doch abgeschworen. Wahrscheinlich war es nur das platzverweis-würdige Foul. Nun sollte er auch das Strafraum-Tackling von hinten aus seinem Repertoire nehmen. Der fällige Elfmeter wurde verwandelt und machte das Spiel noch einmal spannend. Oder sagen wir es so, der Anschlusstreffer schenkte uns ein Heimatgefühl, das Bangen um den MSV in den Schlussminuten. Nun sind es wieder sieben Punkte Vorsprung auf den dritten Platz. Ja, auch ich bin sehr erleichtert.

Wenigstens war gestern noch ein zweites Spiel

An das Champions-League-Vorbild Barcelona habe ich in der 65. Minute nicht gedacht. Der MSV lag gegen Holstein Kiel 2:0 zurück. In einem Kölner Döner-Imbiss saß ich und sah den Livestream auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm. Ich steckte das Smartphone weg, zahlte und ging rüber auf die andere Straßenseite zur Turnhalle des Deutzer Gymnasiums Schauertestraße. Das vorletzte Heimspiel meiner Basketballmannschaft hatte schon begonnen. Ein Kreisligabasketballspiel von älteren Herren versprach bessere Laune als dieses Starren auf den Bildschirm in der vergeblichen Hoffnung auf ein Tor des MSV.

Das Bemühen können wir der Mannschaft nicht absprechen. Der Ball lief nach dem 1:0-Rückstand passabel in den eigenen Reihen, nur erarbeiteten sich die Zebras dadurch kaum Torchancen. So stand Ilia Gruev nach dem Spiel vor der Aufgabe, das ertraglose Bemühen seiner Mannschaft bewerten zu müssen, ohne die eine Wahrheit auszusprechen. Denn nun geht es auch um die Stimmung in der Mannschaft, um Selbstbewusstsein. Vier Spiele ohne Sieg und Tore, zwei Niederlagen nacheinander. Wenn Spieler darüber zu lange nachdenken, kann das Grundvertrauen in die eigenen Stärken schnell irritiert sein.

Die eine von Ilia Gruev unbeachtet gelassene Wahrheit des Spiels kennen wir die ganze Saison. Der MSV bekommt in einem Spiel nicht viele Chancen ein Tor zu erzielen. So kann Ilia Gruev nur mit Recht von einem guten Spiel seiner Mannschaft sprechen, wenn er die Torausbeute außen vor lässt. Das ist natürlich ein Problem, weil es in diesem Fußball um Tore geht. Ob die Stellschraube für die Torgefahr nun die Fähigkeiten der Stürmer sind oder etwas komplexer gedacht die Spielanlage, lasse ich erstmal dahin gestellt, irgendwie müssen diese fehlenden Tore aber erklärt werden. Gruev bemüht das fehlende Glück. So ein Schicksal hält die Stimmung aufrecht. Ich hoffe sehr auf die bewusst gesetzte öffentliche Wertung im klaren Blick auf das, was weiter zu verbessern ist und was weder Spieler noch Trainer dem Schicksal überlassen sollten.

Als Basketballer habe ich gestern übrigens auch verloren, aber wir wollen auch nicht aufsteigen. Wir spielen ein Spiel, bei dem wir immer gewinnen, spätestens beim Bier danach. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses andere Spiel als Ausgleich für meine Enttäuschung mit den Zebras in dieser Saison noch einmal brauche. Vielleicht führte genau diese meine vermeintliche Sicherheit zur Niederlage? Ich hätte nach dem Spiel gegen Wiesbaden den Mund nicht so voll nehmen sollen. Um den Angstgegner Wiesbaden brauchen wir uns keine Gedanken machen, schrieb ich gestern. Der MSV steige ohnehin auf. Ein wenig Demut, Herr Jaratz, hat Herr Koss noch gerufen. Da war es schon zu spät. Ich gelobe Besserung. Nichts ist sicher in dieser Welt. Nicht einmal der Aufstieg des MSV Duisburg.

Wenigstens ist morgen schon das nächste Spiel

„Wenn zwei Mannschaften, deren Ziel es ist, ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen aufeinandertreffen, entsteht ein spannendes Spiel. Wenn beide ausschließlich defensiv denken und die Tor-Verhinderung im Vordergrund steht, leidet der Zuschauer.“ Eigentlich stammt dieser Satz aus dem Spielbericht in der Süddeutschen Zeitung über das 1:1-Unentschieden vom SC Freiburg gegen TSG Hoffenheim, und er ist als Anfang eines Lobes gemeint, aber warum soll ich nicht mal einen vorbeifliegenden Satz nehmen, wenn er zugleich auf das Spiel vom MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden passt und von mir keinesfalls als Lob gemeint ist.

Der MSV führte vor diesem Wochenende mit Abstand die Tabelle der 3. Liga an. Zu Gast war mit dem SV Wehen Wiesbaden der 14. der Tabelle, der 16 Punkte weniger gesammelt hatte. Doch auf dem Spielfeld sah es von Anfang an so aus, als ginge es den Spielern des MSV vor allem darum ein Tor des SV Wehen Wiesbaden zu verhindern. Das war ein Problem, und so haben wir am Samstag gelitten beim Spiel des MSV Duisburg gegen Wehen Wiesbaden. Da sind wir uns einig, Ilia Gruev als Trainer und wir Zuschauer. Wie die Spieler dieses Spiel ausgehalten haben, weiß ich nicht so genau.

Diese Spieler des MSV haben mich in der ersten Halbzeit jedenfalls derart eingeschläfert, dass ich in der Pause die frei werdenden Stehplatzräume nutzte, um den Wellenbrecher neben mir zu erobern und mich fortan anzulehnen. Soziale Ansteckung nennt man das. Die Spieler haben mich kraftlos gemacht und desorientiert. Das Stadion um mich herum, das Spielfeld vor mir waren zwar noch vorhanden, aber ich war nicht mehr im Spiel. Ich war hundemüde, kämpfte darum stehen zu bleiben und sehnte den Schlusspfiff herbei. Dabei war noch eine Halbzeit zu spielen. Was für eine immense Aufgabe. Wie sollte ich jemals in dieser zweiten Halbzeit ein Tor bejubeln können. Das war unvorstellbar für mich. Zu meiner großen Erleichterung brachte mich die Mannschaft des MSV nicht in die Verlegenheit, meine Leistung als Zuschauer abrufen zu müssen.

Ich konnte mich über das Gegentor zwar noch ein wenig ärgern, aber Unmut passt energetisch besser zur Kraftlosigkeit. Er stellt sich auch dann noch ein, wenn Freude unerreichbar scheint.  Ich werde heute nicht mehr ins Detail des Spiels gehen. Dank der englischen Woche könnte die Leistung der Mannschaft morgen Abend schon wieder alles vergessen machen. Im Grunde bestätigte das Spiel gegen Wehen Wiesbaden nur, was wir schon länger wissen. Der Versuch ein Spiel zu kontrollieren gerät dem MSV sehr schnell zur Spielverwaltung. Den Rhythmus eines Spiels zu gestalten ist für die Mannschaft schwierig, wenn die Räume in der Offensive sehr eng sind. In den engen Räumen mangelt es den Offensivspielern an Ballsicherheit, um Tempo aufzunehmen. Besteht die Möglichkeit zum schnellen Pass fehlt oft der Mut, weil das Denken der Spieler auf Sicherheit ausgerichtet ist. Dieser Mut entsteht manchmal im Spiel nach gelungenen Aktionen. Manchmal aber, wie im Spiel gegen Wehen Wiesbaden verflüchtigt er sich völlig, weil die Spieler zu oft im eins gegen eins oder im eins gegen zwei, drei scheitern. Wenn dann der Gegner sehr gut kontern kann, ist die Niederlage nah. Wir haben das im Hinspiel gesehen. Das Rückspiel bestätigte das. Da der MSV Duisburg dennoch aufsteigen wird, müssen wir vom Angstgegner Wehen Wiesbaden gar nicht erst sprechen. Andere Liga, andere Gegner.

Wirklich Schuld an der Niederlage sind ohnehin die Stadionregie und Stadionsprecher Stefan Leiwen. Als vor dem Spiel von dieser Serie des Erfolgs die Rede war, von diesen dreizehn Spielen ohne Niederlage, wussten wir bei uns in der Ecke schon, damit war das Fundament für eine Niederlage gelegt. Das Einblenden der Blitztabelle im Spielverlauf war dann gar nicht mehr nötig.

Charmemangel auf der Bezirkssportanlage in Bremen

img-20170305-wa0002Wenn an einem Sonntagmittag die Zebraherde im Wesermarschland zusammenkommt, genießen viele sonst vereinzelt im Norddeutschen lebende Zebras das Herdengefühl. Letztes Jahr in Braunschweig hatte ich das Hamburger Zebra kennengelernt. Ein gebürtiger Norddeutscher, seit jeher MSV-Fan, hatte seine vier Freunde, allesamt Anhänger anderer Vereine, für einen Spieltag zu Zebras gemacht. Das wurde gestern wiederholt. Herdenzuwachs für einen Tag, und da Hamburger in Bremen bekanntlich lebensfeindlichen Bedingungen begegnen, habe ich die fünf vorsichtshalber wieder schützend begleitet. Wir Zebras sind soziale Wesen.

20170305_131224_burst01_resizedDie Wanderbewegung aus dem Pott war zudem recht groß, alles in allem ein Versprechen auf ein schönes Auswärtsspiel. Allerdings machte die Begegnung gegen Werder Bremen II vor allem eines deutlich, der MSV muss aufsteigen. Der MSV spielte gegen  Werder auf Platz 11 des Werder-Geländes, ein Leichtathelikstadion. Platz 11 gleicht einer Bezirkssportanlage, die den Charme des bodenständigen Fußballs verliert, wenn zu viele Auswärtsfans kommen. Dann ist vom Spiel auf dem Rasen nicht mehr allzu viel zu sehen, weil zum Bezirkssportanlagen-Charakter die Sicherheitsarchitektur eines Zweitligastadions hinzu kommt. Zäune vor und neben dem Gästerang versperren die freie Sicht. Abtrennende Zeltplanen kommen hinzu. Alles nicht wirklich schön. Was lobe ich mir das Stadion in Lotte mit seinem Amateurfußballcharme, selbst wenn der Rasen dort einiges zu wünschen übrig lässt.

20170305_140426_resizedWir waren spät im Stadion, standen nicht sehr gut, entsprechend schlecht war meine Sicht aufs Spielfeld. So wurde das Spiel für mich zu einer Art Comic. Einzelne Spielszenen reihten sich aneinander, oft blieben Lücken. Ein Gesamteindruck entstand nur beschwerlich. In der ersten Halbzeit hatte der MSV das Spiel recht sicher im Griff, ohne kontinuierlich sehr großen Druck auf das Werder-Tor erzeugen zu können. An eine große Chance von Kingsley Onuegbu kann ich mich erinnern. Das war es auch schon. In der zweiten Halbzeit begann der MSV mit dem deutlich erkennbaren Vorhaben, das Spiel zu gewinnen. Der Druck auf das Tor von Werder wurde größer. Immer öfter wirkten die Angriffe gefährlich. Allerdings kann ich diesen Eindruck auch vielleicht nur deshalb bekomme haben, weil ich das Tor Werders nun besser sehen konnte.

20170305_144304_hdr_resizedDas Führungstor schien aber nicht nach einem kontrollierten Angriff nahe, sondern weil Stanislav Iljutcenko einem Ball auf den Torwart nachging. Er holte ihn sich zurück, das Tor schien für einen Moment leer, doch die Bremer Feldspieler machten die Hoffnung zunichte. Die Chance war dahin. Es gab weitere Chancen, doch einmal mehr erwies es sich, wie schwierig es für Stürmer in dieser 3. Liga ist aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen. Hinten sicher stehen ist die Hauptaufgabe in dieser 3. Liga, denn eine Möglichkeit für den Gegner kann sich jederzeit ergeben. So wie kurz vor Spielende, als auch Werder dann fast das Führungstor erzielt hätte. Verdient wäre das nicht gewesen. Insofern ist diese große Chance für Werder zugleich Mahnung zur Zufriedenheit mit diesem einen Punkt.

Die Konstanz beim Punkten macht den MSV so überlegen in dieser Saison20170305_155937_resized. Keine andere Mannschaft in der Liga besitzt diese Konstanz. Deshalb gibt es die zehn Punkte Vorsprung auf Platz 4 und acht auf Platz 3. Zwei Punkte wurden an diesem Spieltag auf Platz 3 verloren, aber wir können allmählich beruhigt ob dieser Momentaufnahme sein. Allmählich können wir daran glauben und es aussprechen, dass der Vorsprung auf Platz weiter wachsen wird. Wir wissen es nicht, aber es ist sehr wahrscheinlich.

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 31: Prinz Mark I. – Duisburg, ole

Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei. Am Aschermittwoch ist es Zeit für die Archivarbeit. In dieser Karnevalssession ist das Heimatlied – Sektion Duisburg durch das Mottolied des Duisburger Karnevalsprinzen Prinz Mark I. erweitert worden. Prinz Mark I. gehört der Römergarde der Stadt Duisburg an.

Ihr wisst, grundsätzlich begrüße ich jedes Lied, das die Stadt besingt, weil sehr gute Heimatlieder eine breite Basis brauchen. Man braucht viel vom deutschen Stadthymnen-Einheitsbrei für ein Heimatlied, das wahrhaftig ist und berührt. „Duisburg ole“ ist ein samba-inspiriertes Stimmungslied. Der Ansatz ist gut, doch beim Text hätte man zweimal etwas länger nachdenken müssen. Zum einen wird einmal kräftig im Städtevergleich daneben gegriffen, zum anderen wird eine Steilvorlage ausgelassen. Es gab die Möglichkeit für Tiefe in diesem Stimmungslied.

Beim Städtevergleich wird die Haltung, in der das Lied gesungen wird, für einen Moment lächerlich. In Duisburg lässt sich eine Zeile wie „Hier ist mehr los als in München, Hamburg oder in Berlin“ nur ironisch singen. Diese Ironie gibt es in dem Text nicht. Sie ist nicht als Größenwahn angelegt, sie ist aber auch nicht als feine Spitze angelegt. Dieser Satz ist ernst gemeint. Mit ein wenig Abstand macht mich solch ein Satz traurig, weil dahinter eine Sehnsucht spürbar ist, die unerfüllt bleiben wird.

Dabei beginnt der Text zunächst anders als mit dem provinziellen Selbsterhöhungseinerlei.  „International seit dem Römerwall, hier sind keine Fremden in der Stadt. Hamborn, Neudorf, Rahm, Buchholz, Beeck und Laar, alles Orte, wo man Freunde hat. “ So fängt es an. Die Namen, die dann aufgezählt werden, sind aber gar nicht so international. Werner, Anton, Magdalene und Justine. Schade. Guter Ansatz, verbesserungswürdige Ausführung.

Das nur im Ansatz des Textes gelungene „Duisburg ole“ gibt mir die Gelegenheit, an die Heimatliedfolge mit der Hochfeld-Serenade von Matthias Lixenfeld zu erinnern. Lixenfeld schrieb Karnevalslieder und stand in der Tradition des rheinischen Karnevalslied, bei dem der realistische Blick auf die Wirklichkeit jedes ungebrochene Bejubeln von eigenem Leben und Welt verbietet.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Wenn das Versprechen auf ein Spitzenspiel gehalten wird

20170224_174242_resizedFreitagsspiele der Dritten Liga beginnen üblicherweise um 19 Uhr. Das Spiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Magdeburg war für 18.30 Uhr angesetzt. Die Spiele der Zweiten Liga werden zu dieser Zeit angepfiffen. War der Karneval der Grund? Ein Drittligaspiel im Zweitliga-Kostüm? Letztlich führten die Einlasskontrollen bei den Gästefans zu Schlangen vor den Stadiontoren, und das Spiel begann erst um 18.45 Uhr – genau die Hälfte Strecke zwischen den beiden Anstoßzeiten der Ligen. Die Dritte Liga lugte im Zweitligagewand hervor.

Ich mag solch zufälligen Begebenheiten, die symbolisch aufladbar sind. Wahrscheinlich haben sich Drehbuchautor und Regisseur des Weltenlaufs gedacht, wir müssen an diesem Abend etwas ganz besonders deutlich machen. So viel wies bei diesem Spiel schon auf eine kommende Saison in der höheren Liga hin und gleichzeitig wurde die Gegenwart immer in Erinnerung gehalten. Auch das Spiel selbst blieb nicht durchweg auf dem hohen Niveau der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit wirkte das Zweitligakostüm etwas derangiert. Etwas, wohlgemerkt.

20170224_184428_resizedIn dieser ersten Halbzeit hingegen habe ich nach etwa 15 Minuten auf die Spielzeituhr gesehen und konnte es nicht glauben, wie kurz erst gespielt war. Das Spiel fühlte sich nach mindestens zehn Minuten mehr Spielzeit an, so hoch war das Tempo, so viel geschah auf beiden Seiten. Der MSV kombinierte sich Angriff um Angriff Richtung Magdeburger Tor, während die Magdeburger ihre Offensivaktionen meist mit schnellem Umschalten und anschließendem langen Ball für den Flügelwechsel versuchten. Diese Magdeburger Angriffe sahen zunächst gefährlich aus, weil die Spieler auf der anderen Seite manchmal recht lange unbedrängt Richtung Strafraum ziehen konnten. Torchancen ergaben sich dennoch nicht. Entweder störten die Zebras erfolgreich oder der Abschluss war zu ungenau.

Auch der MSV blieb ohne Tor, obwohl ich bei vier Angriffsaktionen die Arme schon halb hochgerissen hatte. Die größte dieser Chancen ergab sich aus einer schnellen Kombination über den rechten Flügel bei einem Konterspiel. Die Defensive der Magdeburger wurde stehen gelassen, als sei sie nicht vorhanden. Die Flanke kam hoch in den Lauf von Kingsley Onuegbu, der frei köpfen konne und es nicht schaffte, den Ball nach unten zu drücken.

Dieser Angriff war lehrbuchmäßig vorgetragen und die Enttäuschung war größer als bei den Aluminiumtreffern zuvor und später, weil von unserer rechten Stehplatzecke auf der Köpi aus die freien Räume in der anderen rechten Spielfeldhälfte so genau zu erkennen sind. Diese freien Bahnen liegen genau vor uns. Wenn dann die Spieler des MSV auf dem rechten Flügel das machen, was wir von unserer Stehplatzecke aus als Möglichkeit zur großen Chance erkennen, wächst die Hoffnung auf den Erfolg mit jeder Sekunde sehr viel mächtiger als bei jeder Spielaktion an einer anderen Stelle des Spielfelds. Im Grunde bin ich bei solchen Spielzügen der realen Spielzeit voraus. In meinem Kopf gibt es schon das flüchtige Bild des erfolgreichen Kopfballs, das erst durch den Ball zerstört wird, der über die Latte fliegt.

20170224_184655_burst01_resizedIn dieser ersten Halbzeit habe ich nicht nur auf ein Tor des MSV gehofft, ich habe den Fußball auf dem Rasen als gelingenden Sport genossen. Das können wir nicht oft über Spiele in der MSV-Arena sagen. Ich kann mich nicht daran erinnern, nach einem torlosen Unentschieden schon einmal derart zufrieden aus dem Stadion gegangen zu sein. Der klare Vorsprung als Tabellenerster trägt diese Zufriedenheit natürlich zusätzlich. Wir alle, die wir oft fast unser ganzes Leben mit dem MSV verbracht haben, machen in dieser Saison  immer wieder neue, ungewöhnliche Erfahrungen mit unserem Verein.

Diese erste Halbzeit fühlte sich sehr nach einer Zweitliga-Welt an. Nicht nur die spielerische Qualität beider Mannschaften war der Grund, der Gästeblock trug mit seinem Support dazu maßgeblich bei. Was dort auf der anderen Seite variantenreich und in großer Geschlossenheit zu sehen und zu hören war, zählt sicher zu den beeindruckendsten Auftritten von Gästefans in Duisburg.

20170224_194942_burst01_resizedIn der zweiten Halbzeit konnte der MSV das Spiel nicht mehr so bestimmen wie in den ersten 45 Minuten. Das Spiel war ausgeglichener. Zwar versuchten beide Mannschaften weiter, das Tempo hoch zu halten, doch kam es auf beiden Seiten nicht mehr zu wirklicher Torgefahr. Durch das höhere Tempo als in anderen Spielen erwarteten wir dennoch immer wieder eine Möglichkeit für den Torschuss auf beiden Seiten. Aber scheingefährlich war das Spiel nur in der zweiten Halbzeit.

Erst in den letzten fünf Minuten konnte der MSV noch einmal kontinuierlich die Magdeburger in die Defensive drücken. Gerade als wir uns auf die obligatorische Nachspielminute einrichten wollten, pfiff der Schiedsrichter ab. Dieser Pfiff kam plötzlich und unerwartet. Eingerichtet hatte ich mich noch nicht mit dem Ende des Spiels. So hing ich kurze Zeit in der Luft, ehe wieder diese Zufriedenheit zurück kam. Ein Spitzenspiel hatten wir gesehen. Manchmal stimmen Fußballsprachenstandards im wahrsten Sinn des Wortes.

Lesenswerte Worte aus Magdeburger Perspektive zu Anfahrt der Fans, Erfahrungen mit dem Sicherheitskonzept und natürlich zum Spiel selbst finden sich beim Blog Nur der FCM! – mit einem Klick.

Nur bis Donnerstagabend Karten für das Spiel gegen Magdeburg erhältlich

Gestern bin ich wieder mit jemandem ins Gespräch gekommen, der es noch nicht wusste: Eintrittskarten für das Heimspiel des MSV Duisburg gegen den 1. FC Magdeburg sind nur an den Vorverkaufsstellen bis Geschäftsschluss Donnerstagabend erhältlich. Online gibt es keine Karten. Die Tageskassen machen am Freitag nicht auf. Dieses Sicherheitskonzept wurde beschlossen, weil es Hinweise auf einen Hooligan-Zusammenschluss aus unterschiedlichen Städten Deutschlands gibt, der zusammen mit den Magdeburgern anreist. Mir geht es hier nur darum, diese Nachricht möglichst weit zu verbreiten. Die Vorverkaufsstellen finden sich mit einem Klick, weiter auf der Seite des MSV. Sie befinden sich über Duisburg verteilt, in Mülheim, Wesel, Moers, Voerde und Dinslaken.


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