Archive for the 'MSV Duisburg' Category

Wenn Faktenwissen starke Meinungen nur stört

Leider fehlt mir die Zeit, um selbst vor dem außerordentlichen DFB-Bundestag ein Dossier zur Lage in Liga 3 zu erstellen. Das wäre eigentlich nötig, um zu verstehen, was heute geschieht. Das Dossier müsste sehr präzise zusammenstellen, welche Bedingungen die Hoffnungen auf das Erreichen von sportlichen Zielen bei den Vereinen begleiten, unter welchen Bedingungen Vereine für den Saisonabbruch plädieren und welche Fakten beim DFB zu nennen sind, die Einfluss auf das Handeln des Verbandes besitzen. Das ist viel Stoff. Einfacher ist es nur den Streit wahrzunehmen und Meinungen zu äußern.

Im Kicker nahm sich gestern sogar Chefredakteur Rainer Franzke des Themas an. Es lohnt sich nicht, hinzuklicken. Die Botschaft lautet: Stellt euch nicht so an, ihr bösen Verweigerervereine. Ihr seid schuld mit eurem Widersinn und Meckern, wenn alles den Bach runtergeht. Es geht doch um den Fußball und sportliches Verhalten. Dieselben Worte hätte auch einer der vielen genervten DFB-Vertreter in ein Miko sprechen können. Rainer Franzke stellte die Waschmaschine für die weiße Weste des DFB an. Für Streitgründe und Fakten interessierte er sich nicht. Die starke Meinung hätte ja beim Blick auf die Wirklichkeit irritiert werden können.

Es ist mühsam, sich ein Urteil zu bilden. Dazu gehören viele Informationen. Das ist immer so. Fakten stellen oft die Fans der betroffenen Vereine zusammen. Im MSVPortal zum Beispiel gibt es einen Thread zur 3. Liga, in dem die User in den letzten Tagen immer differenzierter Hintergründe und Bedingungen für Haltungen und mögliche Entscheidungen aufzeigen. Natürlich springt dort eine Tendenz zur DFB-Kritik ins Auge und nicht jeder Beitrag gibt neue Information. Die Fakten entwertet das aber nicht.  Sie wären eine sehr gute Grundlage für ein zu schreibendes Dossier. Wer sich vertiefen will, dieser Klick zu den Beiträgen ab Freitag lohnt sich.

Was für ein Desaster, DFB

Vorab sollte ich wahrscheinlich eines kurz erklären: Meine Meinung äußere ich nicht als Anhänger eines Fußballvereins, also als Fan vom MSV Duisburg. Mir geht es um die gesamte Liga, weil ich für ein Handeln von Institutionen vernünftige und wahrhaftig geäußerte Gründe erfahren möchte. So etwas können sich in diesen Tagen viele Menschen nicht mehr vorstellen, besonders wenn sie sich lautstark zu der speziellen Frage äußerten, wie es mit der Saison in der 3. Liga weitergehen soll und wie mit den entsprechenden Saisonentscheidungen verfahren werden kann.

Ich glaube ja immer an das Gute im Menschen und deshalb denke ich manchmal zaghaft, vielleicht hat der DFB einfach seine Kommunikation nicht im Griff. Vielleicht gibt es ja tatsächlich nachvollziehbare Argumente, warum nun qua Verfügung das Weiterspielen am 30. Mai angekündigt wurde. Vielleicht wirkt es ja nur beleidigt und rücksichtslos, was immer wieder von verschiedenen Vertretern des DFB zu hören ist. Vielleicht sind sie hinter den geschlossenen Türen ernsthaft um irgendetwas besorgt, was zu den Kernaufgaben des DFB gehören sollte, nämlich für die Gesamtheit der dem Verband angeschlossenen Vereine sich verantwortlich zu fühlen. Vielleicht gibt es ja Hilfen für Vereine, die durch das Weiterspielen in größte Schwierigkeiten geraten. Die sportlichen Fragen von Auf- und Abstieg sind damit nicht gemeint. Vielleicht gibt es ja doch auch beim DFB das Gute in den Menschen?

Je länger ich mich all das frage, desto schöner werden die Träume, desto besser male ich mir die Welt beim DFB aus. Aber dann reißt mich das MDR-Interview mit dem Sportdirektor vom Halleschen FC, Ralf Heskamp, aus diesen rosa Wolken. Mit seinen ersten Sätzen erzählt er von einer anderen Wirklichkeit. Er berichtet, 24 Stunden vor der Entscheidung „Weiterspielen“ habe der Hallesche FC die Nachricht erhalten, am Montag werde entschieden. Zur Erinnerung, dann findet der außerordentliche Bundestag vom DFB statt. Dem Halleschen FC wird also eine Grundlage für dessen Entscheidungen mitgeteilt, die eigentlich Gewicht haben sollte. Schließlich kommt mit dem Bundestag ein groß besetztes Gremium zusammen. 24 Stunden später ist davon keine Rede mehr. Das erstaunt.

Nun gibt es vielleicht Einwände, man könne so etwas ja einfach auch nur behaupten. Der Verein stehe am Ende der Tabelle auf einem Nichtabstiegsplatz und habe vielleicht deshalb ein Interesse am Saisonabbruch. So ein Einwand verkennt das grundlegende Problem, dass ein Vereinsvertreter überhaupt in dieser Weise sich an die Öffentlichkeit wendet.

Wenn so eine Stellungnahme zu hören ist, wurde zuvor miserabel gearbeitet. Offensichtlich ist der Austausch zwischen Vereinen und DFB katastrophal gescheitert. Offensichtlich hatte der DFB ein eigenes Interesse und sah sich nicht als Interessenvertreter aller seiner Vereine. Es wäre die Aufgabe des DFB gewesen, die Sorgen und Schwierigkeiten aller Vereine der 3. Liga in dieser besonderen Situation ernst zu nehmen.

Wenn von DFB-Vertretern zu hören ist, der Bestand der 3. Liga sei gefährdet, wenn nicht weitergespielt werde, dann ist dem eines entgegen zu halten. Ohne überlebende Vereine gibt es keine 3. Liga. Die 3. Liga besteht nicht, weil der DFB verfügt, es gibt eine 3. Liga, sondern weil es Vereine gibt, die Interesse daran haben, in einem hierarchischen Ligensystem Fußball zu spielen.

In der 3. Liga herrscht eine seltsame Mischung aus Unternehmertum und Amateursport. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern verweist auf die in dieser Liga kaum vorhandenen Möglichkeiten, ein Wirtschaftsunternehmen im Fußball profitabel und sportlich erfolgreich zugleich zu führen. Corona hat diese Tatsache nur in kurzer Zeit offenbart, weil die Zuschauereinnahmen als unbedingt notwendige Einkommensquelle fortgefallen sind.

Viele Stimmen haben beim DFB gesprochen und keine hat mir erklärt, wie die Schwierigkeiten fast der Hälfte der Vereine zu beheben sind. Alles wurde immer an die Vereine zurück gegeben, so als ob es dieses grundlegende Problem der 3. Liga nicht gäbe. Mit klarem Blick ist das doch mehr als misslungene Kommunikation. Mit klarem Blick gibt es ein eigenes Interesse des DFB am  Weiterspielen, für das ich keine ausreichende Erklärung bekommen habe. Für einige Vereine der 3. Liga sind die sportlichen Belange tatsächlich ein Grund. Sie haben noch Ziele, die sie erreichen können. Beim DFB ist das eine gern genommene Nebelkerze, die andere Gründe unsichtbar machen kann.

Und der DFB zu Liga-3-Vereinen so…

Früher stand unter vielen gezeichneten Witzen lakonisch „Ohne Worte“. Das gilt nach dem Beitragtitel heute auch für diesen Clip:

Wenn wir im Bild  bleiben, ist die Frage in Sachen Liga 3 aber offen: Zählt er oder zählt er nicht?

Beim Befreiungsschlag im folgenden Clip ist das klar entscheidbar. Das Endergebnis kennen wir allerdings nicht.

 

Die 1. Zebraherde Filmnacht präsentiert als Stream MSV-Doku

Der Termin und Ort für die dritte Auflage des nächsten MSV-Kneipenquiz der Zebraherde standen schon. Wie so vielem anderen auch kam Corona dazwischen. Es hieß also, überlegen, was stattdessen getan werden kann. Das Ergebnis der Überlegungen ist die 1. Zebraherde Filmnacht. Neulich wurde die Doku Von Anfang bis Westende- Meidericher Vizemeister schon im provisorischen Autokino vom filmforum präsentiert. Nun heißt es am Freitag, Premiere für die weltweite Vorstellung über das Netz.

Ab 19.02 Uhr beginnt der Stream. Mit 5 Euro seid ihr dabei. Die Einnahmen kommen dem MSV zugute. Doch nicht nur der Film wird gezeigt. Außerdem gibt es ein Gewinnspiel. Als Preise erwarten euch Fotos der Vizemeister-Mannschaft inkl. einiger Autogramme, ein Trikot vom MSV,  zwei Retro Bälle und mehr. Gegen Aufpreis von 2 Euro erhaltet ihr eine Sammelkarte vom MSV. Damit ihr wisst, wie ihr am bei der Filmnacht-Premiere dabei sein könnt, übernehme ich der Einfachheit der halber die FAQs aus dem MSVportalRückfragen könnte ihr über E-Mail, Facebook oder im MSVportal.
Was findet statt?
Die Zebraherde präsentiert in Zusammenarbeit mit dem MSV Duisburg die 1. Zebraherde Filmnacht. Gezeigt wird der Film „Meidericher Vizemeister“.Wann findet die Veranstaltung statt?
Am 15. Mai starten wir pünktlich um 19:02 Uhr mit dem Vorprogramm.Was kostet die Teilnahme?
Für nur 5 Euro seid ihr dabei. Nur zwei Euro mehr und ihr bekommt zusätzlich eine exklusive Sammelkarte vom MSV dazu, die wir euch nach der Veranstaltung per Post zuschicken.Wie kann ich teilnehmen?
Dazu schickt uns einfach eine Mail an info@zebraherde.de mit eurem Namen. So können wir überprüfen, ob ihr den Eintritt gezahlt habt. Etwa eine Stunde vor Beginn des Streams schicken wir euch den Link, mit dem ihr den Film Zuhause streamen könnt. Zusätzlich schicken wir euch eine kurze Testmail, um etwaige Buchstabendreher etc. ausschließen zu können.Wohin muss ich das Geld überweisen?
Bitte überweist das Geld auf das Konto der Zebraherde. Wir werden dann eine gesammelte Überweisung an den MSV tätigen. Bitte achtet darauf bei eurer Überweisung beide Verwendungszwecke anzugeben!Zebraherde e.V.
Sparkasse Duisburg
IBAN DE48 3505 0000 0200 2864 41
BIC DUISDE33XXX
Verwendungszweck 1: „Name – Mail-Adresse“
Verwendungszweck 2: „Spende MSV Duisburg e.V.“

Und nun noch der Trailer als Vorgeschmack.

Wenn Liga-3-Vereine nicht parieren, knallt die DFB-Peitsche

Zum Video mit Klick auf den Link im Text.

Manchmal brauchen Worte länger, bis sie wirken. Manchmal ist anderes wichtiger. Gestern nahm ich in dem Sportreportagen-Beitrag von Claudio Luciani nur den geradezu liebevollen Blick auf die zweite bis dritte Reihe des Pottfußballs wahr. Die Fußballwirklichkeit beim MSV, bei RWE und RWO wurde mit ihren Schwierigkeiten und Besonderheiten in Kürze lebendig. Es war erkennbar, in dieser Welt wirkt etwas anderes als im Glitzerwelt-Fußball der Unterhaltungsindustrie. Vor Jahren schrieb ich im Vorwort meines Buchs 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss: „Wer das Herz des Ruhrgebiets sucht, wird unweigerlich den Fußball finden“. Nun freute ich mich, Bewegtbilder zu sehen, die meinen Satz von damals bestätigten, so dass ich einige andere Worte in diesem Beitrag gar nicht wichtig nahm.

Heute morgen klangen mir diese Worte mit einem Mal in den Ohren, und in mir wuchs der Ärger über die Heuchelei beim DFB. Die ganze Zeit schon erweist sich das Covid-19-Virus als aufklärerisches Instrument für diese Gesellschaft. So auch beim Unterhaltungsbetrieb Fußball im Allgemeinen und Liga-3-Fußball im Besonderen. Im Beitrag werden auch die Corona-Folgen thematisiert, so die Uneinigkeit über den weiteren Saisonverlauf in Liga 3. Der DFB-Vizepräsident Peter Frymuth äußert sich zu dieser Uneinigkeit mit deutlicher Kritik: „Ich war schon irritiert darüber, verwundert, man könnte auch noch deutlichere Worte finden, wie stark doch Einzelinteressen in den Vordergrund gestellt wurden, die doch offensichtlich – das wurde doch journalistisch aufgearbeitet – auch etwas mit dem Tabellenbild zu tun haben.“

Ich schreibe diese Worte und in mir kocht der Ärger hoch. Was für ein frecher Versuch, Meinung zu manipulieren. Was für eine Heuchelei sondergleichen. Er ist sich sogar nicht zu schade seine Meinungsmache mit der Pseudo-Objektivität von Journalisten zu bekräftigen, die auch nur eine Meinung haben. Die Journalisten holt er sich ran, um das Eigeninteresse des DFB zu verschleiern. Dieses Eigeninteresse unterscheidet sich deutlich von denen einiger Vereine.

Davon ab war die Entscheidungsfindung vom MSV pro Abbruch sehr viel komplexer als es diese polemische Stellungnahme suggeriert. Der MSV wollte ja weiterspielen, aber eben unter normalen Wettbewerbsbedingungen. Da diese nicht zugesichert werden konnten, wurde für Saisonabbruch gestimmt. In dem ZDF-Beitrag ist der MSV der einzige Verein der 3. Liga, und auf diesen Verein ist die unpassende Kritik von Peter Frymuth gemünzt. Dieser DFB will auch in Liga 3 weiterspielen lassen auf Teufel komm raus, und dann stört es natürlich, wenn den Machthabern unwilliges Fußvolk dazwischenkommt.

Was für ein Irrwitz, dass in Liga 3 der sportliche Wettbewerb zu einem Argument wird, wo in den Diskussionen über den Spielbetrieb zur Corona-Zeit in Bundesliga und Liga 2 so gut wie keine Rolle spielte. So erhält der Irrwitz einen weiteren Dreh, wenn man diese Frymuth-Worte neben die Diskussionen um das Weiterspielen in Bundesliga und Zweiter Liga stellt. In diesen Diskussionen ging es in erster Linie um wirtschaftliche Fragen. Wer da Meister werden kann oder absteigt, interessierte überhaupt nicht. Es ging nur darum, die Bedingungen zu schaffen, damit das TV-Geld gezahlt wird. Es ging also nur um die Existenz der Wirtschaftsunternehmen, die zufällig auch Fußballvereine waren. Das ist zumindest wahrhaftig, auch wenn es von vielen Seiten kritisiert wurde. Mich berührt dieser Fußball ohnehin nicht.

Groteskerweise wäre diese Zuspitzung auf ökonomische Fragen für die Dritte Liga 3 dringend notwendig. Die im Beitrag genannten 7,5 Millionen Euro Solidarfonds-Geld reichen vorne und hinten nicht, um die Verluste der Vereine auszugleichen. Wenn Peter Frymuth die Vereine mit ihrer Stimme pro Saisonabbruch als zu egoistisch aus sportlichen Interessen darstellt, versucht er nichts anderes als den wahren Grund für die Stimmabgabe zu ignorieren. Der DFB gibt dieser Dritten Liga keine ausreichende ökonomische Perspektive, und das wird in dieser Corona-Zeit eben überaus deutlich.

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Für die Vereine pro Abbruch ist der Tabellenstand nichts anderes als der sportliche Ausdruck für ökonomische Planungssicherheit, die der DFB als Verband nicht gibt. Denn der DFB hat eigene Interessen bei der Frage, ob die 3. Liga weiterspielen soll oder nicht. Der DFB nimmt gegenüber den Vereinen der 3. Liga eine andere Rolle ein als die DFL bei den Bundesliga- und Zweitligavereinen. Die DFL vertritt deren Interessen sehr viel klarer als der DFB die jener Vereine zwischen Profi- und Amateurfußball. Vor zwei, drei Wochen hatte Hajo Sommers dafür in einem Interview deutliche Worte gefunden, als er fragte, welche Drogen die dort beim DFB genommen hätten. Das könnte man als Bonmot einfach so stehen lassen, wenn die Situation nicht noch ernster geworden wäre. Das Lachen darüber bleibt im Halse stecken, denn die DFB-Politik gefährdet inzwischen die Existenz vieler Vereine unterhalb von Liga 2 noch mehr.

Von DFL, Populisten und Finanzhilfen

In diesen Tagen fällt es mir schwer, meine sonst kaum ermüdende Hoffnung auf Wendungen hin zum Guten zu bewahren. Ein Virus wird zum aufklärerischen Instrument und offenbart, was Menschen antreibt in ihrem Handeln. Ein Virus offenbart die Idiotie von so vielen Menschen. Viele von denen wiederum äußern sich öffentlich und bestärken sich dadurch gegenseitig in ihrer Idiotie. Dahinter steht eine oft beschriebene und im wissenschaftlichen Experiment nachgewiesene Gruppendynamik. Sie führt dazu, dass Lügen geglaubt werden. Denn all die Populisten da draußen, die so sicher sind, Opfer eines Unrechtssystems zu sein, kennen die zwei wichtigsten Grundregeln für das erfolgreiche Verbreiten ihrer Lügen.

Die wichtigste Regel lautet: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung. Egal, was andere sagen. Bleibe bei deiner Lüge. Diese Regel braucht kein großes Talent. Für die zweite wichtige Regel brauchen die Lügner mehr. Sie brauchen Raffinesse und Intelligenz. Die zweitwichtigste Regel lautet nämlich: Mische deine Lüge mit wohl dosierter Wahrheit. Erst dann wird sie nicht nur von obskuren Spinnern geglaubt. Erst dann sickert sie ein in die Mitte der Gesellschaft. Erst dann beginnen auch Menschen dir zu glauben, die sonst gefestigt in ihrem Leben stehen, aber nicht immer an allem interessiert sind, sondern sich zu besonderen Zeiten besonders informieren.

Ich muss mich hüten, nicht ständig zwischen Verzweiflung und unbändigem Zorn zu schwanken. Wenn etwa einem Wissenschaftler wie Christian Drosten in völliger Verkennung seiner Motive immer wieder unterstellt wird, er dränge ins Rampenlicht, dann weiß ich, wer diese Meinung öffentlich äußert, hat ihm nie wirklich zugehört. In das Rampenlicht wird er durch Medien gestellt. Seriöse Zeitungen schreiben ihm einen Popstar-Status zu. Was wiederum an anderer Stelle zu Vorwürfen führt. Er wurde gefragt. Er hat sich nicht aufgedrängt. Ich bin dankbar, dass er seine Zeit aufwendet für Erklärungen. Der Mann beschreibt von Anfang an unermüdlich die eigenen Unsicherheiten auf dem Weg der Erforschung von diesem Virus. Er sagte, wie wenig man weiß, und er äußerte vorläufige Erkenntnisse. VORLÄUFIGE! Das ist der normale Prozess wissenschaftlichen Arbeitens. Was man im Übrigen wohl auch Herrn Laschet noch einmal nachdrücklich sagen muss, wenn ich all die Reaktionen auf seinen Auftritt bei Anne Will lese. Gesehen habe ich ihn nicht.

Das muss ich heute einmal schreiben, auch weil Christian Drosten Morddrohungen geschickt werden. Wie krank ist diese Gesellschaft, unabhängig von einem Virus. Unfassbar. In Deutschland gibt es einen der wenigen Wissenschaftler weltweit, die sich auf diese Virenfamilie spezialisiert haben. Er spricht sehr transparent vom eigenen Wissensstand, und es werden ihm Morddrohungen geschickt. Er wird diffarmiert. Noch einmal: unfassbar.

Dabei wollte ich eigentlich von etwas vergleichsweise weniger Skandalösem schreiben, was mich dennoch ebenfalls aufregt. Auch im Fußball offenbart das Virus die Wahrheit. Was für eine PR-Aktion machte die DFL aus der Finanzhilfe für die 3. Liga. Schon diese Meldung habe ich mit Skepsis wahrgenommen. Es hatte den Anschein von Meinungsmache durch Bestechung. Dennoch hieß es, bedingungslos werde das Geld gezahlt. Und nun erfahren wir allmählich die ganze Wahrheit. In mehreren Presseartikeln erfahren wir, bedingungslos bedeutet, wenn die 3. Liga fortgesetzt wird. Wie nennt man nochmal Nebensätze mit „wenn“. Hießen die nicht einmal Bedingungssätze? Der Geschäftsführer des MSV Duisburg, Michael Klatt, versteht die Finanzhilfe inzwischen auch nicht mehr als Spende. Das Geld solle helfen, die Coronamaßnahmen umzusetzen. Was für eine Manipulation der öffentlichen Meinung durch die DFL. Was für eine Frechheit.

Ich habe nichts dagegen, wenn die DFL sich für die Interessen von Betrieben ihres Unterhaltungsgewerbes, Sparte Sport, einsetzt. Es geht um Arbeitsplätze, sicher. Da reiht sich die DFL ein in die Interessenverbände der Kultur und des Gastgewerbes. Ernst nehmen kann ich das Reden bei der DFL aber nicht. Das Vorgehen in Sachen Finanzhilfe diskreditiert die Absichten der DFL in Gänze. Anscheinend ist man dort komplett in den Corona-Modus verfallen. Man handelt nicht nur auf Sicht, sondern denkt dazu auch nur auf Sicht. Die DFL hoffte also, dass die Maximen der Wissenschaft auch für ihr ökonomisches Handeln gilt. Was sich gestern als Wahrheit zeigte, soll also heute unbesehen als Irrtum durchgewunken werden. Leider geht es in Sachen Finanzhilfe um die ewigen Wahrheiten moralischen Handelns. Was gestern Verdrehen von Tatsachen zum eigenen Nutzen war, findet auch heute meinen Ärger als bewusste Täuschung.

Wie das nun weitergeht? Der MSV hat ja gegen die Fortsetzung gestimmt, obwohl man zunächst weiterspielen wollte. Im Gegensatz zur DFL benannte der MSV seine Bedingung für ein Ja. Ohne Absteiger, wie es der DFB wohl vorschlug, sah man zurecht eine Wettbewerbsverzerrung. Die schlüssige Folge war das Nein. Der Ball liege nun bei der Politik, erklärte Michael Klatt. So ganz klar ist das aber nicht. Da gibt es ja noch den außerordentlichen DFB-Bundestag. Für mich sieht es so aus, als werde die 3. Liga als flankierendes Instrument vom DFB benutzt, um Fortsetzungsentscheidungen für Bundesliga und Zweite Liga populärer zu machen. Das ist wahrscheinlich nicht die von Michael Klatt gemeinte Politik. Auf die beim DFB kommt es aber wohl auch an. Schauen wir also.

Corona vor dem Tor – Will der DFB auch in 3. Liga die Dramedy?

Heute tagt das DFB-Präsidium, um zu überlegen, wie es in der 3. Liga und im DFB-Pokal weitergehen kann.  Entscheidungen werden noch nicht verkündet. Für eine solche Entscheidung braucht es die Kommunikation mit den Vereinen, die in der nächsten Woche ihre Präferenz in einer geheimen Abstimmung herausfinden wollen.

Wenn man sich ein paar realistische Gedanken macht über eine mögliche Fortführung per Geisterspiele sind die für mich entstehenden Bilder abenteuerlich. Als alter Freund guter Geschichten steckt darin natürlich ein großes Potential für dramatische Szenen, tragische Momente, gefährliche Situationen und Möglichkeiten zu großer Komik. Ich bedauere es deswegen sehr, dass jede rationale Entscheidung eigentlich den Saisonabbruch erfordert. Mein Unterhaltungsbedürfnis würde dann sehr enttäuscht.

Dabei denke ich sogar nur an die sportliche Seite, an einen Fußball unter extremen Hygienebedingungen. Wenn ich die Überlegungen zum Weiterspielen in erster und zweiter Liga lese, muss ich nur an einen Passus denken und beginne über all die absehbaren komischen Momente zu lachen. Sinngemäß erinnert heißt es, jeder unnötige nahe Kontakt auf dem Spielfeld werde unterbunden. Kein Mannschaftsfoto, kein gemeinsamer Torjubel und all die anderen Szenen nahen Beisammenseins. Schnell wird sich niemand mehr daran erinnnern, was Rudelbildung überhaupt bedeutete. Wahrscheinlich werden die Schiedsrichter ihre Karten zu Hause lassen, weil der Fußball sich allmählich an den Anfangszeiten des Basketballs als körperloses Spiel orientieren wird.

Dieser Fußball wird so kurios, dass der sportliche Wert eine gesonderte Tabelle nötig machte. Von jetzt auf gleich wird ja nach Wochen des Einzelsportlerdaseins wieder Mannschaftssport betrieben. Die Voraussetzungen werden andere sein. Kontinuität zu den Ergebnissen der Vor-Corona-Zeit ist ein Traumgebilde. Das sind die tragischen Momente dieser Geschichte. Viele Träume der Vergangenheit werden in Erster und Zweiter Liga zerplatzen. Die Momente der Gefahr sind natürlich die Infekte. Irgendeinen in diesem Betrieb wird es erwischen. Zu viele Menschen sind dabei. Im richtigen Fuballleben wird sicher wie in einer Dramedy alles getan, um das Problem möglichst klein zu reden. Dann wird taktiert und Regeln werden gebrochen. Das Böse wird sich zeigen. Was für ein herrlicher Stoff.

Hoffen wir, dass die 3. Liga diesem Stoff entgeht, auch damit der MSV nicht noch mehr Verluste macht als ohnehin schon. Was würde dieser Betrieb ohne Zuschauereinnahmen kosten. Die 300.000 Euro der DFL-Vereine helfen da nicht groß weiter. Sie sind eine symbolhafte Zahlung, ein Versuch den Fußball der Unterhaltungsindustrie mit jenem zu vereinen, der vor der Tür steht und in Teilen darauf hofft, diesem Geschäftsmodell beitreten zu können. Es ist der Versuch zu suggerieren, man säße in einem Boot, obwohl die Bedingungen des jeweiligen Fortbestands der Vereine sich grundsätzlich unterscheiden.

Im finanziellen Effekt gleichen diese 300.000 Euro den 2.000 Euro Soforthilfe für Künstler und Kreative des Landes NRW. Man erhält ganz kurz Liquidät und begleicht die dringlichsten der dringlichen laufenden Kosten. Im Fall der NRW-Soforthilfe war übrigens das Zeichen der Solidarität glaubhaft und das zur Verfügung stehende Budget für die Zahl der Antragssteller extrem unterfinanziert. Das nun ist bei der Hilfe der DFL-Vereine genau umgekehrt.


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