Archive for the 'MSV Duisburg' Category

Montaigne spricht – Über Anhänger von Rot-Weiss Essen

Neulich bin ich in Paris gegenüber der Sorbonne einer bislang unbeachtet gebliebenen Lebensleistung von Michel de Montaigne auf die Spur gekommen. Der 1533 geborene Humanist, Philosoph und Autor der „Essais“ spielte wohl leidenschaftlich und sehr erfolgreich Fußball. Mit dem Goldenen Schuh wurde er noch vor Gründung der UEFA ausgezeichnet. Leider sind alle Statistiken aus jenen Jahren bei einem Brand verloren gegangen.

Wir wissen also nicht mehr, wie viele Tore er in seiner Karriere erzielte. Dennoch könnte der MSV nach der erneuten Verletzung von Benjamin Girth so einen Stürmer gut gebrauchen. Das dachte ich noch und blätterte mit meinem neuen Wissen einmal durch die Essais. Und siehe da, mit dem frischen Blick wird auf einmal deutlich, wie sehr das Denken Montaignes auch vom Fußball geprägt war. Heute noch verhelfen uns seine Gedanken zu einem tieferen Verständnis dieses Sports.

Aufschlussreiches zum Auswärtsspiel gegen Rot-Weiss Essen steht in seinem Essai „Wie die Seele ihre Leidenschaft an falschen Gegenständen ausläßt, wenn die richtigen ihr fehlen“.

Plutarch sagte ihm Hinblick auf jene, die in Äffchen und kleine Hunde vernarrt sind, daß der uns angeborene Liebestrieb, falls er kein rechtes Betätigungsfeld finde, kindische Ersatzbefriedigung aushecke, um nicht müßig zu bleiben. Und tatsächlich sehen wir ja, wie die Seele sich in ihren Leidenschaften eher selbst betrügt uns sogar wider besseres Wissen ein abwegiges Phantasiegebilde ersinnt, als ohne Gegenspieler zu sein.

Michel de Montaigne: Essais. Erste moderne Gesamtübersetzung von Hans Stilett, Frankfurt am Main 1998, S. 15

Wenn das nicht auf die bedauernswerten Anhänger von Rot-Weiss Essen zutrifft, weiß ich es auch nicht.

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Albumblatt für Joshua Bitter

Neulich habe ich auf einem Flohmarkt ein Poesiealbum gesehen. Schöne Sprüche für Fußballer habe ich beim Durchblättern nicht gefunden. Seit Montag habe ich das Gefühl, ich sollte die Albumklassiker erweitern, dann ein Faksimile drucken lassen und es Joshua Bitter schenken.

Nach dem einen musst du trachten,
immer auch den Gegner achten.

Lässt sich Foulspiel nicht vermeiden,
sollten Gegner aber leiden.

Lerne viel, denn Wissen lohnt,
etwa, wo der Schiri wohnt.

Handel erst, wenn Wut vergeht.
Merk dir, wo sein Auto steht.

Alles Wissen teile gerne,
auch mit Fans in Stehplatzferne.

Bundesliga, ich komm‘ aus dir – Lesung Neuenkamp MSV Fußballfibel – 19. Januar, 15 Uhr

Sicher, man kann sich entscheiden, ob man jetzt jeden unbedingt regelmäßig sehen muss. Mancher bricht ja sogar den Kontakt zu den Eltern ab. Aber sie bleiben deine Eltern. Der du bist, bist du auch durch sie. Neben vielem anderen. So ähnlich geht es mir mit dem MSV.

Ralf Koss alias Kees Jaratz: Fußballfibel – MSV Duisburg, Culturcon medien, 2022

Auftaktlesung 2023! Weiter geht es mit der Stadttour. In Neuenkamp bin ich im Dietrich-Krins-Weber-Zentrum zu Gast mit der MSV Duisburg Fußballfibel, dem Buch über mein Leben mit den Zebras seit den 70ern bis heute. Dort heißt es, Tagesfreizeit auch mal für den Gruppenspaß nutzen. Denn das Programm am 19. Januar beginnt um 15 Uhr. Ort: Mevissenstraße 16. In Kooperation mit PariSozial Duisburg. Eintritt frei.

Schauen wir mal, was ich von meinem Ausflug nach Saarbrücken am Wochenende zuvor erzählen kann. Da soll es ja ein Fußballspiel mit Beteiligung eines Vereins unseres gemeinsamen Interesses geben.

Hier der Link zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook.

Bundesliga, ich komm‘ aus dir

Was Ralf Koss in der „MSV Duisburg Fußballfibel“ von Fußballspielen, Auswärtsfahrten mit Freunden und verloren geglaubten Spielen erzählt, stößt bei Fans aller Vereine eigene Erinnerungen an. Dabei heißt es, kein Verein in Deutschland verschafft seinen Anhängern mehr Aufregung als der MSV Duisburg. Was ein Datenspezialist mit komplizierter Formel errechnete, weiß der Schriftsteller seit jeher. Die Dauerkarte kennt Ralf Koss noch als Abrissblock während der 1970er Jahre. Damals hielt er die Zebras als Teilnehmer im UEFA-Pokal für unabsteigbar. Er feierte die Erfolge vom Lienen- und Funkel-Fußball der 90er ebenso, wie er später skeptisch auf das Wirken von Walter Hellmich schaute. Nun erzählt er in der „Fußballfibel MSV Duisburg“ die berührende, oft komische und tief emotionale Geschichte seines Lebens mit dem Herzensverein. Seine Erlebnisse und Erinnerungen geben Duisburg und dem Ruhrgebiet Kontur. Ein Fußballbuch, das zum Portrait der Region wird.

Alaa Bakir im Gespräch – Vorfreude auf Rückrunde steigt

Schon im letzten Jahr freute ich mich auf die Rückkehr von Alaa Bakir in der Rückrunde. Ich vermisste seinen Beitrag zur Mannschaftsleistung nach seiner Verletzung. Seine Technik und Spielfreude hätten einige Spiele des MSV gut vertragen können.

Nun ist meine Vorfreude auf die Rückrunde noch mehr gestiegen, seitdem ich dazu gekommen bin, mir Alaa Bakir im Gespräch mit dem Youtuber Kevin from the Block anzuhören. Wie entspannt erzählt Alaa Bakir von seinen ersten Jahren mit dem Fußball. Wie lebendig erzählt er von seinen Gefühlen als Zwölfjähiger und später als Jugendlicher. Erst lehnt ihn Preußen Münster beim Probetraining ab, während seine Kumpel beim „großen“ Traumverein der Region angenommen werden. Kurze Zeit später bekommen seine Eltern und er das Angebot von Borussia Dortmund. Großartig, wie er von dem Scout des BVB erzählt, der auf ihn wie ein „Privatdetektiv“ wirkte. Überall tauchte er auf.

Sein Werdegang gibt einen Blick hinter die Kulissen des Talentscoutings im Profifußball, Alaa Bakir erzählt von der harten Auslese und den harten Lebensbedingungen für die Jugendlichen, die sich auf einen Weg bei einem Profiverein machen. Ein sehr interessantes Gespräch. Bitte schön!

Darüber hinaus hat mich dieses Gespräch zum ersten Mal mit einem Youtube-Phänomen konfrontiert, das mir im letzten Jahr von Schülern meiner Kulturprojekte erzählt wurde. Staunend erfuhr ich, dass es erfolgreiche Youtuber gibt, die nichts anderes machen als einen ein Game kommentierenden Gamer zu kommentieren. Die Attraktivität eines solchen Unterhaltungsangebots konnte ich nicht nachvollziehen.

Die Jüngeren unter euch werden mich wahrscheinlich als aus der Zeit gefallen belächeln, weil ich mit diesen Meta-Clips nichts anfangen kann. Vielleicht aber ist der Meta-Clip zum Gespräch auch für euch persönlich vollkommen uninteresant? Wenn ihr Zeit und Lust habe, schreibt mir in die Kommentare, wie ihr das seht. Jedenfalls gibt es einen Meta-Clip zu diesem Gespräch mit Alaa Bakir vom Youtuber Felicio 1892.

Mein Erstaunen über dessen Haltung beim Kommentieren könnte nicht größer sein. Kurios, wie er gönnerhaft über Kevin from the Block spricht, während die Clickzahlen seiner Clips deutlich unter denen seines Kollegen liegen. Dazu kommen billige unlustige Scherze. Irgendeine Hoffnung muss er damit ja verbinden.

Nocheinmal zurück zu dem Phänomen überhaupt. Interessant ist für mich die Frage nach der Zersplitterung der Wirklichkeit, die in diesem Meta-Erleben steckt. Verändern die Kommentare über das Gesehene das Erleben der Konsumenten? Verändert der etablierte Meta-Kommentar die Sprechsituation des Original-Kommentators? Was wird in Zukunft alles mitgedacht beim öffentlichen Auftritt? Falls ihr jüngeren Anhänger des MSV also etwas zu eurem Verhältnis zu solchen Meta-Clips erzählen könnt, ab in die Kommentare. Ich bin neugierig, wie sich das entwickelt und wie das auf die Kommuniation von uns allen in unseren verschiedenen Rollen zwischen Privatheit und Beruf mit der Öffentlichkeit beeinflusst.

Alles Gute für 2023 mit der Blog-Tabellenspitze von 2022!

Soll ich meine Worte aus dem letzten Jahr einfach wiederholen? Soll ich nochmals zweifeln, ob es angebracht ist, meine Wünsche für das neue Jahr mit einem Rückblick auf das alte zu verbinden? Schon wieder habe ich das Gefühl, einfach nur nach vorne sehen, hätte sowohl für den MSV als auch für das Leben überhaupt einiges für sich. Noch mehr als im letzten Jahr rücken Sorgen um den MSV deutlich in den Hintergrund gegenüber dem, was es sonst so für Probleme in dieser Welt gibt.

Manchmal war es im letzten Jahr für mich richtig erleichternd, auf die Schwierigkeiten dieses Vereins zu schauen. Wenigstens dort hatte ich das Gefühl, die Lösungen für die Schwierigkeiten sind klar erkennbar, leicht zu erklären und für alle Beteiligten auch einsehbar. Dass entsprechendes Handeln dann doch wieder Zeit brauchte, erinnerte wieder an die größeren Aufgaben in dieser Welt. Dennoch bringen die Veränderungen beim MSV mich nun nach drei kargen Jahren der Wirkungsloskeit meiner Wünsche für den Verein wieder in die Lage, mit Hoffnung auch Richtung Verein „Alles Gute für 2023!“ zu rufen. Bei euch hatte ich nie Zweifel. Also, auf dass sie helfen bei dem, was sich die Zebras und ihr euch vornehmt.

Etwas von dieser Hoffnung steckt schon in dem Beitrag des Zebrastreifenblogs, der im letzten Jahr Platz 5 der meist aufgerufenen Texte belegt. Der MSV rief vor dieser Saison in einem Clip mit Joachim Hopp zu Unterstützung und Dauerkartenkauf auf. Meine Begeisterung für die Machart des Clips mit dem neuen Ton bei der Ansprache der Fans war groß und führte zum sprechenden Titel des Textes: Dass mich mein MSV so überrascht.

Lasst mich zwischendurch erwähnen, anscheinend sind sowohl sämtliche BVB-Fußballtorten-Interessen inzwischen befriedigt als auch die Neugier zum Namen der Bielefelder Alm. Seit Jahren liefen nur noch außer Konkurrenz die BVB-Fußballtorten mit und der Anekdoten-Text darüber, wie die Bielefelder Alm zu ihrem Namen kam. In diesem Jahr hieß es für diese Beiträge Abschied nehmen von den vorderen Plätzen.

Platz 4 belegt ein Text zur jüngsten Aufregung um den MSV. Zunächst hatte ich nichts schreiben wollen, um nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Alles schien nur eine von Schauinsland-Vertreter Andreas Rüttgers ausgelöste ausufernde Diskussion im MSVPortal zu sein. Doch versandete sie nicht wie zu früheren Gelegenheiten. Schließlich hatte ich das Gefühl, etwas einordnen zu müssen: Der MSV, Andreas Rüttgers und das richtige Leben. Dass alles aus dem Portal raus schwappte ins richtige Leben, war angesichts von Andreas Rüttgers unbeirrter, verstörender Kommunikationsweise abzusehen.

Dass die Niederlage im Niederrhein-Pokal gegen Rot-Weiß Oberhausen im Verein und bei den Anhängern die Gemüter erregte, zeigt sich am großen Interesse für meinen Text nach dem Spiel, der Platz 3 belegt. Mehrheitsfähig war meine Meinung dennoch nicht. Klares Denken wieder möglich?, habe ich den Text genannt. Der Titel deutet an, dass ich die Niederlage nicht als Komplettversagen der Mannschaft erlebt habe.

Unser aller große Erleichterung, dem Abstieg in der letzten Saison zu entkommen, erweist sich mit dem Beitrag auf Platz 2. Nichts anderes als das Dokument zur Rettung zeigt sich schon im Titel: Läuft! – Soll und Haben im Tabellenrechner. 33. Spieltag.

Es verbietetet sich nun, diese Reihung einer numerischen Tabelle einfach fortzuführen. Mit großem Vorsprung war mein Nachruf auf Holger Glücks der meistgelesene Text des letzten Jahres – Der „Deepsky“ fehlt seit Freitag für immer – Holger Glücks †. So zeigt sich noch einmal das besondere Wirken dieses Anhängers des MSV über den Fußball hinaus.

Zum Schluss nun lasst uns auf einen wieder erfolgreicheren MSV hoffen. Ich gebe zu, das mache ich auch aus eigenem Interesse. Denn Zebra-Fans ohne Sorgen interessieren sich intensiver für Bücher über den MSV. Auch das war das letzte Jahr: Meine MSV Duisburg Fußballfibel war im März erschienen. Ich freue mich auf die Lesungen in diesem Jahr und den Spaß beim gemeinsamen Erinnern mit euch an unser Leben mit den Zebras.

Habt ein gutes Jahr. Wir sehen uns. Bleibt gesund!

Wenn Ennatz heute den Pokal hochhält

Vor 14 Tagen wurde die erste Ausstellung des MSV-Museums als Sonderausstellung im LVR-Niederrheinmuseum eröffnet. Meine Impressionen von dem Tag geben einen Vorgeschmack. Der Ausflug nach Wesel lohnt sich. Ihr solltet sogar mehrmals fahren. Heute Abend etwa findet um 19 Uhr schon die erste Talk-Runde statt. Die Nationalmannschaft kennen Bernard Dietz, Michael Bella und Mareike Kämper aus eigener Erfahrung. Sie können Anekdoten über Anekdoten erzählen und haben sicher auch eine Meinung zu den Nationalmannschaften der Gegenwart.

Eines aber wurde von den Museumsverantwortlichen bislang bei der Programmankündigung kaum erwähnt. Ein besonderes Tages-Ausstellungsstück wird heute Abend auch zu sehen sein. Ennatz könnte damit eine Szene seines Lebens nachstellen. Heute müsste er allerdings Stoffhandschuhe anziehen, wenn er den Europameisterpokal von 1980 noch einmal in die Höhe halten will. Vom DFB-Museum in Dortmund hat das MSV-Museum den Pokal für die Europameisterschaft 1980 für diesen Abend ausgeliehen. Ihr habt also Gelegenheit von der Aura eines früheren Erfolgs berührt zu werden, wo der der Nationalmannschaftsgegenwart der Männer ja überschaubar geworden ist.

Im Museums-Newsletter haben die Verantwortlichen die Infos für den Abend auch zusammengestellt. Ich zitiere der Einfachheit halber.

„Leben. Haupttribüne – Der Museums-Talk“ heißt es am Donnerstag, 8. Dezember 2022 um 19:00 Uhr in der großartigen Ausstellung des MSV Museums im LVR Niederrheinmuseum in Wesel.
MSV-Stadionsprecher Stefan Leiwen begrüßt dann Bernard Dietz, Michael Bella und Meike Kämper zur Talkrunde. Das lang geplante, aber doch sehr aktuelle Thema: Die Nationalmannschaft damals und heute.
Der Mythos sagt: Erst durch die Fußballnationalmannschaft ist die Bundesrepublik Deutschland zum Leben erweckt worden. Sechs Weltmeisterschaften später bewegt Fußball in schwarz-weiß immer noch die Nation. Namen, Orte und Teamgeist wie Herberger, Beckenbauer und Neid oder Strandhotel Belvedere, Sportschule Malente und Campus Frankfurt prägten ihre Zeit. Folklore oder Nationalstolz, welche Bedeutung hat die Mannschaft?
Darüber diskutiert die illustre Runde – Anpfiff am Donnerstag im LVR Niederrheinmuseum Wesel (An der Zitadelle 14-20, 46483 Wesel) ist um 19 Uhr. Bitte beachtet: Für alle Veranstaltungen steht nur ein begrenztes Ticket-Kontingent zur Verfügung. Eintrittskarten könnt ihr vorbestellen unter rkg.shopkasse.wesel@rheinlandkultur.de oder Telefon +49 (0) 281 33996-320. Eintritt: 5,00 Euro / ermäßigt* 3,50 Euro (* = ermäßigt für Menschen mit Behinderung, Studierende, Auszubildende).

Impressionen von der ersten Ausstellung des MSV-Museums

Seit Freitag lässt sich die erste Ausstellung des MSV-Museums besuchen. Das MSV-Museum ist im LVR-Niederrheinmuseum zu Gast. Das lässt sich auch als Sympathiebekundung für den MSV im Umland verstehen. In Duisburg wird es ohnehin in mittlerer Zukunft in eigenen Räumen eröffnen. So hoffen wir mit den Machern beim MSV-Museum. Zur Ausstellung will ich gar nicht viel schreiben. Wer hier mitliest, wird auch ohne meine Empfehlung mit hoher Wahrscheinlichkeit reinschauen.

Ein paar Impressionen habe ich aber von der Eröffnungsvernissage für euch. Unter dem Titel „Du bist es schon immer gewesen“ habe ich dabei auch über das Leben als Anhänger des MSV gesprochen. Das war mir Freude und Ehre zugleich, zumal uns Anwesenden ein besonders Fanerlebnis gegönnt war. Ich erinnerte an ein Spiel vom MSV gegen den VfL Bochum im Jahr 1974. Die Zebras gewannen 3:1 nach 0:1-Rückstand. Den Ausgleich schoss Michael Bella, der ebenfalls die Vernissage mit seiner Frau Edeltraud besuchte. So konnten wir 48 Jahre nach dem Spiel sein Ausgleichstor noch einmal bejubeln. Ich sagte: „Tor für den MSV in der 26. Minute durch Michael Bella. Neuer Spielstand 1:1.“ Im Geiste der 70er klatschten wir begeistert, aber keineswegs durch die enthusiastische Stimme eines Stadionsprechers angetrieben. Denn diesen Spielstand präsentierte uns mit freundlicher Unterstützung unsere Erinnerungen an Günter Stork.

Der MSV hat in den sozialen Medien ebenfalls einen kurzen Clip mit Impressionen vom Abend geteilt.

Für mich stärkt ein Engagenment wie das der MSV-Museumsmacher meine Verbindung mit dem MSV Duisburg. Diese Verbindung verwandelte sich nach der Verpflichtung von Gino Lettieri zunächst in eine Zweckbezieung. Ich schaffte es damals nicht eimal mehr, mein für die Zeit geplantes Buch über mein Leben mit dem MSV, die MSV Fußballfibel, zu schreiben. Das änderte sich erst einmal nur dadurch, dass der MSV in der Öffentlichkeit nicht nur durch den Fußball alleine sichtbar war. Die Anhänger der Zebras gaben mir die Grundlage für meine allmählich sich wieder stärkende emotionale Verbindung mit den Zebras. Ich zitiere aus dem Ende meines Vortrags:

Und die Grundlage dafür waren tatsächlich die Anhänger des MSV mit ihrem Interesse über den Fußball hinaus. Ich suchte all die Stimmen, die trotz dieser Verpflichtung mit ihrem Engangement rund um den MSV weitermachten. Viele Fanclubs des MSV engagieren sich mit großer Energie für soziale Belange in Duisburg oder in dem Ort, wo sie zu Hause. Die Museumsleute machten weiter. Das führte zurück zu dem, was den MSV bei allen tagesaktuellen Entwickungen ausmacht, was Bewahrenswert ist. Der Fußball ist nur ein Anlass. Wegen des Fußballs trifft man sich, lernt sich näher kennen, vertraut aneinander und kann gemeinsam mehr bewegen als einer alleine es könnte.

Das erinnert ein weiteres Mal an einen Widerspruch, in dem wir alle mit diesem Fußball in der Gegenwart leben. Ohne diese Entwicklung hin zu der besonderen Bedeutung besäße alles Engagement weniger Kraft. Mit dieser Ausstellung wird ja nicht nur der Verein in seinem kulturellen Wert gezeigt. Mit dieser Aussstellung wird auch das Leben und das Interesse vieler Menschen gewürdigt. Ihre Identität wird wahrgenommen. Mich begeistert diese gesellschaftliche Kraft, die in dem Engagement der MSV-Anhänger für das MSV-Museum steckt. Diese Kraft ist bei aller Unterschiedlichkeit seiner Anhänger auch in vielen anderen Aktionen abseits des Fußball immer wieder spürbar. In dem Sinne. Engagement in Zebrastreifen weiß und blau, ein jeder weiß genau, das ist der M S V.

Ralf Koss, Vortrag bei der Eröffnungsvernissage Ausstellung MSV-Museum, 24. 11. 2022

Der MSV, Andreas Rüttgers und das richtige Leben

Den MSV Duisburg kennt man in Deutschland als einen Fußballverein. Das ist mir am Samstagmorgen dann auch wieder eingefallen. Bis dahin hatte die Social-Media-Welt rund um den MSV mit Andreas Rüttgers im Zentrum immer mächtiger den Sport beiseite geschoben. Aber ich gehe gerne ins Stadion. Immer. Fußball wurde also auch noch gespielt. Zufrieden war ich mit dem 1:1 der Zebras gegen die SpVgg Bayreuth dann allerdings nicht, auch wenn ich das Spiel nicht ganz so schlecht gesehen habe wie die meisten anderen. Ballberührung innerhalb des Strafraums schien mir schon ein Fortschritt trotz der damit verbundenen fehlenden Torgefahr. Schließlich gab es auch schon Spiele, in denen bei Offensivaktionen der Strafraum eine Ballberührungsverbotszone für Zebras gewesen ist.

Angesichts dieses dürftigen sportlichen Geschehens, ist es kein Wunder, dass der MSV momentan auf andere Weise viel mehr Aufmerksamtkeit erhält. Damit wäre schon ein wichtiger Grund genannt, warum die Worte von Andreas Rüttgers in den sozialen Medien Anhänger des MSV so sehr berühren. Viele Anhänger nehmen einzelne Rüttgers-Sätze als Beleg, dass ihre Meinung über die schlechte Arbeit beim MSV von einer Tatsache bestätigt wird. Auf mich wirkt es sehr ironisch, dass die bei Andreas Rüttgers nach und nach immer deutlicher gewordene Kritik an Ralf Heskamp gar nicht auf die Gefährdung des versprochenen sportlichen Erfolgs abzielt, sondern auf das Missachten eines Konzepts, das dazu beitragen soll zwischen Anhängern und Verein eine vom sportlichen Erfolg unabhängige Verbindung entstehen zu lassen. Lustig, wie man aneinander vorbeireden kann.

So ist das aber mit öffentlichen Worten, wenn gar nicht so klar ist, was Ziele und Motive der Diskussionsbeteiligten sind. An den letzten 14 Tage öffentliches Reden über den MSV lassen sich so viele grundsätzliche Einsichten über die Möglichkeiten von öffentlicher Kommunikation gewinnen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Mich treibt dabei eine Art Drang zur Wahrheit – die wir niemals vollständig wissen können, das ist schon klar. Verstehen in sozialen Medien ist eine kommunikative Höchstleistung. Ohne wahrhaftige Selbsterkenntnis der eigenen Sprecherposition ist Verständnis unmöglich. Es gibt keine Wahrheit im Falschen, um mal einen alten Kalenderspruch des aufklärerischen Denkens variiert zu zitieren.

Auf mich wirkt es so, als beginge Andreas Rüttgers einen alten Fehler derjenigen, die ihr erfolgreiches Handeln in einer anderen Branche auf den Fußball eins zu eins übertragen wollen. Er verweist gerne auf das Reiseunternehmen, wo Kundenkommunikation über Social Media selbstverständlich ist. Dort sind aber die Rollen genau bestimmt. Kunden und Anbieter tauschen sich aus. Im Fußball sind sie dagegen unscharf. Was Anhänger des MSV beim öffentlichen Sprechen jeweils sind, ist nicht ganz so klar. In ihrer Rolle vereint sich vieles. Vom Fan mit Erfolgssehnsucht, über Kunden oder Sponsorenskeptiker bis hin zum Amateurfußballer oder Lokalpatriot kann alles dabei sein. Auch Andreas Rüttgers eigene Rolle wirkt manchmal so, als gäbe es neben dem Sponsorvertreter auch einige nicht zu kleine Anteile eines führenden MSV-Funktionärs. Als Folge solcher Rollenunschärfe entstehen Unsicherheiten über Absichten und Motive der Sprechenden. Begründete Meinungen lassen sich so nicht bilden.

Unbegründete Meinungen lassen sich allerdings schon doch bilden. So entstand eine zweite Wirklichkeit des MSV für viele, die an der Diskussion teilgenommen haben – eine, die mit Andreas Rüttgers Worten erzählt werden kann. Zwar fehlten in der von ihm geschilderten Wirklicheit sämtliche Stimmen jener, über die von ihm gesprochen wurde. Manchem reichten diese Worte aber als von Fakten durchsetzte Bestätigung einer zuvor schon gebildeten eigenen Meinung. Für andere blieben zweite Stimmen notwendiger Weise aus, was gegenteilige Meinungen nach sich zog. Nun ist es allerdings nicht so, dass im besten Fall diese anderen Stimmen aus dem MSV sich zu Wort melden könnten, damit alle sich der tatsächlichen Wirklichkeit annähern können. Völlig davon abgesehen, ob das sinnvoll wäre oder nicht, führt diese Überlegung nämlich zum Machtverhältnis, das zwischen dem MSV und Andreas Rüttgers als Stellvertreter von Schauinsland Reisen herrscht – ein Machtverhältnis, das Andreas Rüttgers anscheinend als unerheblich ansieht. Denn immer wieder betonte er, der MSV habe frei gehandelt. Vielleicht steht dahinter die Geschichte der gemeinsamen Anstrengung nach dem Zwangsabstieg, wie ich sie am Freitag nachgezeichnet habe.

Dabei ergibt sich die Aufmerksamkeit für die Worte von Andreas Rüttgers alleine durch die Bedeutung von Schauinsland Reisen als Sponsor für den MSV. In anderen Städten verlaufen Konfliktlinien oft zwischen dem Verein und dem ausgelagerten Fußballunternehmen. Durch die besondere Geschichte des MSV nach dem Zwangsabstieg gibt es nun diese seltene andere Konfliktlinie. Ein Sponsor möchte ein Konzept gewahrt wissen, das im Verein entwickelt wurde und im Unternehmen nicht verfolgt wird. Das hat Andreas Rüttgers auf der Seite vom transfermarkt im MSV-Forum geschrieben. Weil er im MSVPortal momentan nicht schreiben kann, sucht er die Öffentlichkeit nun dort.

Was uns zu der Frage führt, warum soll dieses Konzept vom Sportdirektor eingehalten werden? Das ist die eigentlich interessante Frage. Als Zeichen für nachhaltiges Handeln und die ewige Treue zum MSV? Als Voraussetzung für Erfolg? Als integrative Kraft für eine Identität, die verloren gegangen ist? Einsichtige Gründe habe ich noch nicht gelesen. Wenn ein Konzept als Handlungsanweisung für den Erfolg einer Profimannschaft wirken soll, braucht es die Einbindung des höchsten sportlich Verantwortlichen, also Ralf Heskamp. Wo wurde das Konzept verantwortet? In der KGaA? Im Verein? Wenn letzteres zutrifft, hätte über das Konzept auf einer Jahreshauptversammlung gesprochen werden müssen. Im Unternehmen angesiedelt müsste es zuallererst um sportliche Fragen gehen. Dann braucht es keine floskelhaften Worte zu Leidenschaft und Identität. Das sind Fragen, die mich in Sachen Konzept zunächst interessieren, ehe die Frage nach dem Einhalten überhaupt nötig ist.

Momentan fällt mir die Vorstellung schwer, wie Ingo Wald und Andreas Rüttgers konstruktiv miteinander reden könnnten. Eine andere Frage, wie sehr müssen sie das? Vielleicht versteckt ja Andreas Rüttgers auch sein Wissen über die eigene Rolle, wenn er in Social Media unterwegs ist. Mehr noch hoffe ich aber bei Ingo Wald auf eine sehr grundlegende Eigenschaft der Diplomatie, das kalkulierte Übersehen und Ignorieren von Worten. Fünfe gerade sein lassen. Bei all dem, was Andreas Rüttgers geschrieben hat, eine anspruchsvolle Aufgabe. Insofern zeigt uns der Fußball einmal mehr, in diesem Sport geht es zu wie im richtigen Leben. Gesellschafts-, Medien- und Kommunikationswissenschaftler schaut mal auf den MSV Duisburg. Hier könnt ihr viel zur Gegenwartswirklichkeit forschen.

Der MSV – systemisch betrachtet

Der Vertreter von Schauinsland Reisen Andreas Rüttgers hat im MSVPortal letzte Woche eine Diskussion ausgelöst, die bis heute vor sich hin mäandert. Im Wesentlichen geht es momentan noch um die Beurteilung der Arbeit von Ralf Heskamp. Für einige Zeit ging es auch um die Identität des MSV, aber meist in Abhängigkeit von Ralf Heskamps Wirken. Von Anfang an wurde Andreas Rüttgers von einem Teil der Anhänger darauf hingewiesen, was ihn offensichtlich bewegt, müsse intern bleiben und gehöre auf keinen Fall in die Öffentlichkeit.

Ich habe nicht jede Wendung des Diskussionsverlaufs nachvollzogen. Bis jetzt wollte ich im Blog auch dazu nichts schreiben. Bis jetzt dachte auch ich, je weniger Aufmerksamkeit diese Diskussion erhält, umso besser. Jede Unruhe rund um den MSV schadet dem sportlichen Erfolg. Folgende Binse sollten alle unterschreiben können, erfolgreiche Vereine sind auch deshalb erfolgreich, weil die Verantwortlichen im Fußballunternehmen ihren Vorstellungen gemäß, sich auf die notwendige Arbeit konzentrieren können. Unruhe im Umfeld macht es zudem schwieriger, die geleistete Arbeit möglichst sachlich zu bewerten.

Warum schreibe ich nun doch? Weil ohne wahrhaftiges Anerkennen der Diskussionsgrundlagen alle Aussagen der Diskussion verfälscht werden. Weil ich Andreas Rüttgers Ziel gutheiße, der MSV solle auch über den Fußball hinaus identitätsstiftend wirken. Weil ich auf ein besseres Verständnis für seine Rolle hoffe – bei ihm selbst und bei den Anhängern, die seine Aussagen als unhinterfragbare Werturteile über Arbeit beim MSV empfinden.

Wenn man den MSV als ein System betrachtet, so gehört Andreas Rüttgers zweifellos zum System. Er beeinflusst die Arbeit im Verein, selbst wenn er das selbst so nicht sieht und seinen Einfluss im Namen von Schauinsland Reisen auf das operative Geschäft immer wieder neu bestreitet. Für mich ist das der blinde Fleck von Andreas Rüttgers, der wiederum als Eigenschaft die Zusammenarbeit des MSV mit ihm bestimmen wird. So weit ich das lesend mitbekomme, ist er im Alltag des Fußballunternehmens auf vielen Ebenen immer wieder präsent. Er pflegt gute Konktakte zu unterschiedlichen Akteuren. Er machte Ivo Grlic gegenüber Vorschläge für neue Spieler, die der nicht berücksichtigte. Er möchte eine Vereinskultur der Gemeinsamkeit gelebt wissen.

Die Verantwortlichen beim MSV werden sowohl mit Aktivitäten als auch Haltungen von Andreas Rüttgers beschäftigt sein. Schließlich gäbe es den MSV ohne Schauinslande Reisen nicht mehr. Manche billigen einem Sponsor diese Art Einfluss zu, anderen ist das zu viel. Ich selbst glaube nicht an allgemein gültige Regeln, welche Form einer Zusammenarbeit von Sponsoren und Vereinen zum sportlichen Erfolg beiträgt. Abstrakt ließe sich sagen, jeder konstruktive Umgang miteinander fördert den Gesamterfolg. Konstruktiv kann man nur sein, wenn die Wirklichkeit mit all ihren Facetten wahrhaftig angesehen wird. Ich befürchte, im in den öffentlichen Diskussionen erkennbaren Selbstbild von Andreas Rüttgers ist ein Teil der Wirklichkeit nicht vorhanden. Unterschiedliche Vorstellungen über die Wege zum Erfolg lassen sich unter diesen Voraussetzungen nicht gut konstruktiv besprechen.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass Andreas Rüttgers für den MSV nur das Beste will. Ingo Wald will auch das Beste, Ralf Heskamp sicher auch, Torsten Ziegner ohne Frage, wir Anhänger. Wie sieht das Beste aus? Die Zweite Liga? Ein Verein, egal in welcher Liga, aber mit einer Wirkung über den Fußball hinaus, die Duisburg lebenswert macht? Beides zugleich? Mit welchen Entscheidungen sind die unterschiedlichen Vorstellungen zu erreichen? Je länger der Weg dauert, desto schwieriger wird es, sich einig zu werden. Zum Glück gibt es festgelegte Verfahrensweisen, in denen Richtungsentscheidungen getroffen werden. So kommen wir zum großen Thema Philosophie, Konzept, das Andreas Rüttgers ebenfalls in den sozialen Raum geworfen hat. Das machte den Eindruck eines Bandenspiels mit Ralf Heskamp in der Nebenrolle.

Es gibt genau zwei Möglichkeiten, die von Andreas Rüttgers aufgeworfene Frage „Quo Vadis, MSV“ zu beantworten. Eine Diskussion im MSVPortal gehört nicht dazu. Stattdessen gehört solch eine Frage zunächst auf eine Mitgliederversammlung und in einem zweiten Schritt vielleicht noch in eine repräsentative Anhänger- bzw. Kundenbefragung.

Die Frage warf Andreas Rüttgers auf, weil er im Handeln des MSV momentan vermisste, was ein schriftlich vorhandenes Konzept verlangte. Inhaltlich will ich gar nicht weiter darauf eingehen, weil dieses Konzept ohnehin nicht öffentlich ist. Mich erstaunt nur die Vorstellung, dieses vom Verein vorgebene Konzept brächte sportlichen Erfolg. Denn jedes Wort dazu war so allgemein gehalten, dass es in meinen Augen schwer ist, sich nicht daran zu halten.

Für mich wird mit diesem Konzept das Pferd von hinten aufgezäumt. In anderen Vereinen erfolgreiche Konzepte wurden von den jeweils aktuell arbeitenden sportlich Verantwortlichen mitentwickelt. Daraus ergab sich sportlicher Erfolg, der schließlich als Vereinskultur wahrgenommen wurde. Anschließend erst konnte diese Kultur durch die Verpflichtung von geeignetem Personal lebendig gehalten werden. Dennoch veränderten neue Trainer so eine Kultur jeweils wieder ein wenig. Um ein sportliches Ziel zu erreichen, muss ein Konzept sehr konkret sein. Irgendwelche vermeintlichen Leitplanken tragen vielleicht zur Vereinsidentität bei, für den kurz- und mittelfristigen sportlichen Erfolg sind sie ohne Wert.

Andreas Rüttgers im MSV – Ein Exkurs

Andreas Rüttgers Engagement als Repräsentant von Schauinsland Reisen begann im Zeichen der Verständigung in einer Zeit, als ein Teil der Fanszene in vehementer Opposition zu den Verantwortlichen vom MSV standen. Als Sponsonrenvertreter kannte er die Innenwelt des MSV in Teilen. Zugleich brachte er den Anhängern viel Verständnis entgegen, weil er dort jene Energie von Gemeinschaft fand, die er im Fußball-Unternehmen MSV offensichtlich vermisste. Aus jener Zeit stammt sein Portal-Nick „Diplomat“. Dem schloss sich bald eine kurze Zeit der Präsidentschaft an, die auf mich als Aufbruch wirkte. Statt in der Rolle des Vermittlers zwischen Geschäft und Vereinskultur schlug er sich mit viel Gestaltungswillen auf die Seite der Vereinskultur. In dieser damaligen Konstellation gab es wenig Zweifel, dass er im MSV Ziele verfolgte, die von einem breiten Konsens getragen waren. Andreas Rüttgers gehörte zu den Guten gegenüber den Bösen in Nachfolge von Walter Hellmich, namentlich Roland Kentsch. Der Konflikt zwischen Verein und KGaA war vorhersehbar. Er endete im Rücktritt von Andreas Rüttgers, weil er gegenüber der Geschäftsführung kein Risiko für den Verein MSV eingehen wollte. Dass sein Rücktritt keinen Rückzug aus dem Verein bedeutete, wurde bald offensichtlich. Denn der Zwangsabstieg des MSV schuf jene Gemeinschaft im und um den MSV, für die sich Andreas Rüttgers schon zuvor hatte eingesetzt. Es gab nur ein einziges Ziel, das Überleben des MSV, und Andreas Rüttgers arbeitete diese Tage mit. Damals mussten Aufgaben auf möglichst viele Schultern verteilt werden. Funktionen im Verein und in der Geschäftsführung wurden nichtig. Gleiche unter Gleichen bewältigten die immense Aufgabe, den MSV zu retten. Vielleicht macht dieser Werdegang Andreas Rüttgers weiterhin vorhandenen Gestaltungswillen verständlicher.

Diese Vereinskultur steht nun auf einem anderen Blatt. Ich verstehe den Wunsch von Andreas Rüttgers, dieser MSV möge möglichst oft von sozialen Aktivität über den Fußball hinaus getragen werden. Die Wahrheit ist aber auch, damit erreicht er nur einen kleinen Teil des zurzeit möglichen MSV-Publikums. Einem Teil dieses Publikums geht es nämlich vor allem um den sportlichen Erfolg. Sonst wäre das Stadion voller. Sonst kämen die Menschen unabhängig von Niederlage und Sieg. Paradoxerweise bestimmen diese Zuschauer aber durch ihre Präsenz die soziale Bedeutung des MSV mit. Damit schreibe ich aber nun auch über inhaltliche Fragen der Diskussion. Was ich eigentlich gar nicht wollte. Machmal erkennt man, die Wirklichkeit und sich selbst darin nicht gleich ganz klar.

Schwere Kost, leicht verdaulich

Hohe Bälle in den Strafraum,
hin und wieder auch zum Flügel.
Büschel Gras in Seenlandschaft
formen kleine Inselhügel.

Dieses Spiel war wie das Leben.
Alles bleibt Kontrollversuch.
Stets kommt irgendwas dazwischen.
Fehler, Zufall, Hilfsgesuch.

Daran Gutes zu erkennen,
braucht schon auch ein Kopfballtor.
Erst Erfolg macht leicht verdaulich,
was uns schwer schien kurz zuvor.


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