Archive for the 'Saison 2017/2018' Category

Lob des Unentschiedens

Wir schauen nur auf uns, schon klar, und auch einem Unentschieden des MSV in Aue gebührte ein Lob von mir. Aber ich schaue auch auf Eintracht Braunschweig, und deren Unentschieden gegen Bielefeld gestern Abend bekommt mein Lob zuerst. Dieses Unentschieden  entspannt mich nämlich sehr. 39 Punkte hat die Eintracht nun, und das Restprogramm lautet: auswärts gegen Nürnberg, Heimspiel gegen Ingolstadt und auswärts gegen Kiel. Wenn sich da nicht mal gestern Abend ein heißer Anwärter  auf den Relegationsplatz gemeldet hat.

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Soll und Haben beim Tabellenrechner – 30. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 28. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung samt der Punkte am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse bislang von meiner Prognose abweichen.

Eigentlich wollte ich ja mit meinem Tabellenrechner den Druck von der Mannschaft nehmen. Der Heidenheimer Sieg gestern macht Ergebnisanpassungen notwendig. Ohne Veränderungen meiner erwarteten Ergebnisse entscheidet das Torverhältnis, ob der MSV oder Dynamo Dresden am Ende auf dem Relegationsplatz landen. Momentan weisen der MSV – 11 und Dresden -9 auf. Es wäre also von großem Vorteil, wenn der MSV statt zweier erhoffter Punkte durch Unentschieden in den weiteren Heimspielen, einen dritten Punkt irgendwo her bekommt. Dabei ist es egal, ob durch ein Auswärtsunentschieden oder durch einen einzigen Sieg in diesen letzten vier Spielen. Bis zum nächsten Sonntag halte ich meine leichte Nervosität im Zaum.

Davon ab entspricht meine Prognosesicherheit für die obere Tabellenhälfte der von Wahrsagerinnen in Kirmesbuden.

 

5. Arminia Bielefeld 43 (8. 42 +3)

6.  VfL Bochum  43 (9. 45 +3)

7.  Ingolstadt 42 (in meiner Prognose als damals Viertplatzierter unberücksichtigt)

8.  SV Sandhausen 41 (7. 47 +/-0)

9. Union Berlin 40 (6. 47 +1)

10.  Erzgebirge Aue 39 (10. 43 +1)

11. Eintracht Braunschweig 37 (11. 42 +/-0)

12. MSV Duisburg 38 (15. 40 +/-0)

13. 1. FC Heidenheim 37 (16. 39 +2)

14. SpVgg Greuther Fürth 37 (13. 42 +/-0)

15. Dynamo Dresden 37 (14. 41 -1)

16. FC St. Pauli 37 (8. 47 -4)

17. SV Darmstadt 98  33 (18. 34 +1)

18. 1. FC Kaiserslautern 29 (17. 36 +/-0)

 

Wenn ein Witz sehr ernst wird

Ihr kennt das vielleicht, Menschen in der Runde sehen peinlich betroffen zur Seite, während man selbst noch über den eigenen trockenen Kommentar grinst. Ich hatte einen Witz über Ilia Gruevs Worte im Vorbericht zum Spiel gegen den SV Sandhausen gemacht. Dabei tat ich Ilia Gruev unrecht. Was er im Vorbericht zum Spiel gegen den SV Sandhausen sagte, besaß nicht einen Hauch unfreiwilliger Komik.  „Wenn man […] alleine ins gegnerische Tor geht, dann haben wir auch da schon Möglichkeiten, Tor zu erzielen.“ Das waren seine Worte und ohne Frage, sprach er die Wahrheit über das derzeitige Leistungsvermögen seiner Mannschaft. Ilia Gruev war tatsächlich der Realist, als den ich ihn schmunzelnd bezeichnet hatte. Denn eigentlich hatte ich gehofft, ganz leer muss das Tor nicht sein, damit die Zebras 1:0 in Führung gehen können.

Das Sandhausener Tor hätte aber ganz leer sein müssen. Nicht, weil der Sandhausener Torwart in der zweiten Halbzeit den 2:0-Auswärtsaussieg seiner Mannschaft mit drei unfassbaraden Reaktionen rettete. Und auch nicht, weil Cauly Souza kurz nach seiner Einwechslung zur Halbzeitpause den Innenpfosten traf und der Ball wieder ins Feld zurück sprang. Nein, nicht wegen dieser großen Chancen, die dennoch zu keinem Tor führten. Nein, das Tor muss leer sein, weil die Mannschaft bei der jetzigen Spielweise zweifellos immer Glück braucht, um ein Tor zu erzielen. Ohne den Zufall gelingt nichts. Ein leeres Tor würde den Zufall wahrscheinlicher machen.

Wenn ich in der ersten Halbzeit gar keine Hoffnung auf ein Ausgleichstor hatte, gab mir die Mannschaft in der zweiten Halbzeit zumindest das Gefühl, ich dürfe an glückliche Fügung glauben. Ich fühlte mich wie beim Lotto spielen. Drei Richtige, das war der Einwurf im gegnerischen Feld. Vier Richtige, das war die Ecke. Fünf Richtige, das wäre der Ausgleich gewesen. Und von den sechs Richtigen, dem Sieg gar, davon konnte ich nur träumen. Das wusste ich. Ich kenne übrigens niemanden, der schon fünf Richtige hatte. Das scheint trotz besserer Chancen also auch nicht so häufig vorzukommen.

Wie ermüdend war es mit anzusehen, wie der Ball immer wieder hoch nach vorne flog und die Sandhausener Defensive genauso regelmäßig diesen ersten hohen Ball klärte. Den zweiten Ball klärte sie vorsichtshalber auch. Kamen die Zebras ausnahmsweise in Ballbesitz, brauchten die Sandhausener eben etwas länger, um den Angriff des MSV zu unterbrechen. Zumindest wurde der Weg zum Tor in der zweiten Halbzeit gesucht. Und wenn das Glück dann einzutreffen schien, gab es doch noch den Sandhausener Torwart.

Zu Beginn des Spiels bauten die Zebras etwa zehn Minuten Druck auf. In der Zeit versuchten die Sandhausener mit allen Mitteln das Spiel zu beruhigen. Jede Spielunterbrechung wurde zur kleinen Pause. Abschläge wurden nicht sofort ausgeführt. Der Torwart suchte  vorher noch das intime Gespräch mit einem seiner Defensivspieler. Sie schienen sich zu mögen, trotz Feldspielerunachtsamkeit. Mich hat das geärgert. Aber das Mittel war erfolgreich. Nach zehn Minuten war die Angriffskraft der Zebras eingehegt und heruntergezögert.

Darauf hin brachen die Zebras die Krafterhaltungsgesetze. Je vorsichtiger das Spiel nach vorne wurde, desto unsicherer wurde die Defensive. Auf den Flügeln wurde überlaufen, wie es der Gegner wollte. Die ungebrauchte Offensivkraft verwandelte sich also nicht in eine zusätzliche Kraft der Abwehr. Die Naturgesetze sagen uns, sie muss über der Arena in den Raum verschwunden sein, als thermische Energie wahrscheinlich. Vielleicht bescherte uns der 1:0-Rückstand den warmen Nachmittag. Gut, dass die Sandhausener nicht ihre drei, vier Großchancen allesamt verwandelten, sonst hätten wir am späten Nachmittag unter der Hitze des Hochsommers gelitten.

Dann wäre in der zweiten Halbzeit auch der Versuch des MSV unterblieben, den Ausgleich zu erzielen. Es gab diesen Versuch, und wie gesagt, er bestand aus unkontrolliertem Spiel. Wenig Kontrolle bedeutet viel Zufall, und damit brauchte die Mannschaft neben ihrem Spiel das Glück. Dieses Glück war ihr nicht gegönnt.

Wer über das Spiel in feinerer Analyse sprechen will, kann ja in den Kommentaren erzählen, welch alternative Taktik er gewählt hätte und wie er Leistungen einzelner Spieler gesehen hat. Ich habe keine Lust mir weitere Gedanken über das Spiel zu machen. Ich bin nur froh, dass ich meinen Tabellenrechner habe, denn dort ist der MSV im Soll. Der in Berlin von mir nicht erwartete Punkt lässt sich gut verrechen mit dem von mir erwarteten und nicht gewonnenen Punkt gegen Sandhausen. Morgen gibt es dann das Komplettpaket Soll und Haben. Wir steigen nicht ab. Dieser Leistungseinbruch des MSV mit und nach dem Spiel gegen Kiel bleibt dennoch ein Rätsel.

Todsicher muss die Torchance für die Zebras sein

Der Vorbericht des MSV zum Spiel gegen den SV Sandhausen bestätigt meine Tabellenrechner-Prognose. Wahrscheinlich werden wir ein torloses Unentschieden sehen. Natürlich gehen die Spieler optimistischer in die Begegnung. Deshalb antwortet Lukas Fröde auch auf die Frage: „Warum klappt’s am Samstag mit den Toren?“, die Zebras wollten vor heimischem Publikum „richtig Druck“ entwickeln und vorne gebe es „sehr gute Stürmer“, die immer für „das ein oder andere Tor“ gut seien.

Ein Trainer steht allerdings vor der Aufgabe, dem Optimismus eine realistische Färbung zu geben. Deshalb sieht Ilia Gruev, für ein Tor gegen Sandhausen brauchen seine Spieler am besten die todsichere Chance: „Wenn man […] alleine ins gegnerische Tor geht, dann haben wir auch da schon Möglichkeiten, Tor zu erzielen.“ Als Zweckpessimist muss ich zudem hoffen, die Zebras schaffen es, auf ihrem Weg ins gegnerische Tor den Ball nicht zu vergessen.

Bis morgen schmunzel ich noch etwas über die Prise Komik in Ilia Gruevs realistischem Optimismus, den er ab 1.30 hören lässt.

 

Mittwochs ist vor dem Spiel gegen den SV Sandhausen die Welt nicht ganz in Ordnung

Haben wir in Duisburg, also der MSV, eigentlich mal irgendwas aus Sandhausen zurückbekommen für unseren Anteil daran, dass der SV Sandhausen sich in den letzten fünf Jahren als etablierter Zweitligist betrachten kann? Mir fällt als Gegenleistung für unseren Zwangsabstieg 2013 nichts ein. Die meisten von euch wissen das, nur unser Zwangsabstieg verhinderte den direkten Wiederabstieg des Aufsteigers Sandhausen. Seitdem klappt es ganz gut mit der Zweiten Liga und Sandhausen.

Aber in den gegenwärtigen Zeiten der Weltverschwörungstheorien könnten Fans von abstiegsbedrohten Traditionsvereinen wie etwa Kaiserslautern natürlich gleich über Abhängigkeiten hinter den Kulissen nachdenken. Ominöse Strohmänner besprechen Gefälligkeiten und solche Dinge. Die Bilanz lässt schließlich manchen Verdacht zu. In fünf Spielen gab es vier Siege und ein Unentschieden für den MSV. Das ist doch nicht normal.  Ist das ohne Gefälligkeit erklärbar?  Wahrscheinlich war es sogar so, dass die zwei Siege des MSV in der Saison 2012/2013 schon eine verdeckte Vorleistung für den Zwangsabstieg war. Logisch ist das nicht, aber heute darf man doch nichts mehr glauben, oder sagen wir, man darf alles glauben, was so in die Welt hinein posaunt wird.

Ich muss mich zügeln, sonst heißt es gleich wieder, im Fußball habe Politik nichts zu suchen. Ihr wisst, meine Meinung ist das nicht. Trotz solcher grundsätzlichen Sätze gibt es nämlich sehr klar benennbare Ereignisse, in denen sich das Politische in einem Stadion sehr deutlich zeigt. Das Spiel gegen Sandhausen gehört zu diesen Ereignissen allerdings nicht. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf jetzt gekommen bin.  Vielleicht weil ich entsetzt darüber bin, dass CSU-Kollege Dobrindt höchst erfreut dem ungarischen Autokraten Orban zu seinem Wahlsieg gratuliert, noch sehr viel freundlicher als sein Kollege Seehofer. Er bezeichnet ihn und seine Partei tatsächlich als „bürgerlich-konservativ“. Ihm ist ein Politiker ein Freund, der die Unabhängigkeit von Medien, Wissenschaft und Gerichten einschränkt, wo es eben nur geht. Das macht einem doch Gedanken.

Nun habe ich nur solche zu Sorgen gewordenen Gedanken im Kopf, und schon komme ich von Hölzken aufs Stöcksken, obwohl ich eigentlich nur den sympathischen Clip zum hundertjährigen Jubiläum vom SV Sandhausen posten wollte. Er versammelt schöne Bilder aus der Vereinsvergangenheit, die uns zeigen, was Sport ausmacht. Die Geschichten von glorreichen Siegen und dem vollkommenen Glück danach gibt es für jeden Verein. In Sandhausen werden sie erzählt über die Amateurmeisterschaft und zwei Pokalsiege gegen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart – vor allem ab Minute 3.10 etwa. Auf welchem Rasen damals noch Fußball gespielt wurde. Großartig.

 

Soll und Haben beim Tabellenrechner – 29. Spieltag

Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 28. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

Das Wichtigste: Der MSV hat mit dem Unentschieden in Berlin bereits einen Punkt mehr, als ich in meiner pessimistischen Prognose habe erwartet. Von den letzten drei Vereinen übertrifft nur Darmstadt mit einem Punkt meine Prognose.

 

6. Arminia Bielefeld 40 (42 +1)

7.  VfL Bochum  40 (45 +3)

8.  Erzgebirge Aue 39 (43 +2)

9.  SV Sandhausen 38 (47 -2)

10. MSV Duisburg 38 (40 +1)

11. Union Berlin 37 (47 -2)

12. Eintracht Braunschweig 37 (42 +/-0)

13. Dynamo Dresden 37 (41 +/-0)

14. SpVgg Greuther Fürth 37 (42 +1)

15. FC St. Pauli 37 (47 -1)

16. 1. FC Heidenheim 34 (39 +/-0)

17. SV Darmstadt 98  32 (34 +1)

18. 1. FC Kaiserslautern 29 (36 +/-0)

 

Spieltagslyrik – Was bei Union Berlin nicht geschah, dich will ich loben

Wenn ein Boot voll läuft und mit Pumpen, Eimern sowie den bloßen Händen das Wasser halbwegs rausgebracht wird, wirkt Kritik an der Ausführung des Wasserschöpfens mehr als kleinlich. Dann bin ich froh, dass jeder Hand anlegt und mithilft, damit das Boot im nächst gelegenen Inselhafen erst einmal Zwischenstation machen kann. Deshalb bin ich zufrieden mit dem Punkt in Berlin, den ich als Zweckpessimist nicht erwartet hatte. Ich bin sogar zufrieden damit, wie er erspielt wurde. Das war angesichts der letzten Spiele notwendig und eine realistische Herangehensweise.

Der MSV wollte diesen Punkt gegen Union Berlin mit allen Mitteln erreichen. Die Zielvorgabe für die Spieler hieß, ein Gegentor verhindern. Wenn wir selbst eines erzielen, ist das gut. Darauf drängen werden wir nicht. Die Berliner waren nach dem ausgeglichenen Beginn nur zum Ende der ersten und für die erste Hälfte der zweiten Halbzeit mit etwas mehr Nachdruck um den Sieg im eigenen Stadion bemüht. Je länger das Spiel dauerte, desto vorsichtiger wurden beide Mannschaften. „Kontrolliert sein“, das stand in großen Lettern auf mindestens zwei, drei Spickzetteln, die allen Spielern in die Stutzen gesteckt waren. Das torlose Unentschieden war ein folgerichtiges Ergebnis.  

Ich weiß nicht, wo ich es gestern im Netz als Überschrift gelesen habe, dieses Unentschieden nutze keiner der beiden Mannschaften. Ich habe den Text nicht aufgerufen, denn nach so einer Überschrift weiß ich, dieser Sportjournalist hat von der Zweiten Bundesliga keine Ahnung. Der MSV hat mit dem ersten Spiel nach meiner Tabellenrechner-Prognose nicht nur schon einen Punkt mehr, als ich kalkuliert habe. Die Mannschaft konnte mit dem Unentschieden den Glauben an sich selbst wieder zurück gewinnen. Sie konnte sehen, dass sie vorgegebene Ziele erreichen kann. Der Druck vor dem Spiel gegen Sandhausen ist nun deutlich geringer geworden. Ein Hohelied auf das Ergebnis:

Nachdem er das Spiel bei Union gesehen hatte

Was nicht geschah, dich will ich loben.
Du bist so oft von großem Wert.
Der Fall, der ist: zu hoch gehoben.
Was nicht passiert, bleibt ungeehrt.

Nicht nur Ereignis führt zum Ziel.
Auch Nichtgeschehen ergibt Sinn.
Denn torlos führt das Auswärtsspiel
zu dem erhofften Punktgewinn.


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