Archive for the 'Saison 2017/2018' Category

Notizen zum Spiel samt Spieltagslyrik

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text.

Eigentlich braucht die 1:6-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg sehr viele Worte. Müsste doch ein sehr seltener Eindruck erklärt werden, den der Nürberger Trainer mit einer Wertung auf den Punkt bringt, die jeden, der nicht im Stadion war und nur das Ergebnis sieht, überraschen wird. Er sprach auf der Pressekonferenz von einem engen Spiel. Tatsächlich geben sämtliche anderen statistischen Daten aus dem Spiel als das Endergebnis keinerlei Hinweis auf die Höhe der Niederlage. Ballbesitz, Torschussverhältnis, Zweikampfstärke, egal welche Kategorie, der MSV war besser oder ebenso gut. Knappe Niederlagen kennt man trotz solcher Werte. Solch hohe Niederlage dagegen macht zunächst sprachlos. Dann aber müssen umso mehr Worte gefunden werden, weil erster Eindruck und das so schlechte Ergebnis ins Verhältnis gesetzt werden müssen.

Der MSV Duisburg hat ein eindrucksvolles Offensivspektakel geboten, das ertraglos blieb. Die Schwächen in diesem Spiel sind derart offensichtlich, dass sie von einem Trainer öffentlich besser nicht genannt werden. Denn dieser Trainer muss mit den Spielern dieses Spiels weiter arbeiten. Die Schwächen sind so offensichtlich, dass sie überall schon zur Sprache kamen. Die Mannschaft hat ein Problem beim sicheren Abschluss im Strafraum, wenn ein Spieler frei gespielt wurde, aber eben nur den bekannten kurzen Moment Zeit hat für seinen Torschuss. Die Mannschaft hat ebenfalls ein Problem auf beiden Außenverteidigerpositionen. Auf der rechten Seite deutlich mehr als auf der linken. Wenn ein Gegner bei solchem ergebnislosen Angriffswirbel des MSV derart präzise zu kontern versteht wie die Nürnberger, liegt der MSV schnell mit zwei Toren zurück. Dazu kam ein Schiedsrichter der im Zweifel immer für den Gegner entschied. So fiel das dritte Tor nach einem Freistoß an der Strafraumgrenze, der nicht unbedingt hatte gepfiffen werden müssen. Ein Grund für die Niederlage war der Schiedsrichter allerdings nicht.

Die restlichen Tore fielen, weil der MSV weiter seine Chancen in der Offensive suchte. Mit fliegenden Fahnen untergehen – so etwas gefällt den meisten von uns auf den Rängen besser als der ängstliche Versuch den Schaden zu begrenzen. Wie oft uns so etwas gefallen kann, hängt vom Abstand zum Abstiegsplatz ab. Es wird eine anstrengende Saison.

 

Fußballbinse

Wenn Riesenchancen keine Tore werden
hilft nicht einmal der Fußballgott auf Erden.

Denn vorn kein Tor und hinten welche kriegen,
gewöhnlich langt das Gegnern, um zu siegen.

 

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Spieltagslyrik – In Bielefeld blieb Cauly Oliveira Souza stehen

Nach dem ersten Heimspiel im August gegen den VfL Bochum habe ich schon darauf hingewiesen: Im Zebrastreifenblog geht es in dieser Saison immer mal wieder etwas anders zu. Experimenteller. Die Gründe will ich nicht wiederholen. Wen´s interessiert, ein Klick oben. Nicht nach jedem Spiel habe ich noch Spaß an einem erzählerischen Text. Auch wenn gerade der furiose 4:0-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nur durch die Leistung eines jeden Spielers in Gänze gewürdigt werden könnte, richte ich meinen Blick heute nur auf Cauly Oliveira Souza. Sein erstes Tor in diesem Spiel verlangt nach einem Gedicht. Vielleicht erkennt ihr darin dann, dass ich Cauly Oliver Souza nur beispielhaft für die Entwicklung der gesamten Mannschaft besondere Aufmerksamkeit widme.

Seit Bielefeld bleibt Cauly Oliveira Souza stehen

Entschlossen wirkte jeder Antritt,
sicher lag der Ball am Fuß.
Cauly Oliveira Souza
betrat die andere Welt.
Der Rasen grün wie in der Dritten Liga,
die Gegenspieler aber schneller, härter.
Wenn Einzelspieler Abwehrreihen formen
und räumliche Gebilde in großer Vielfalt,
waren sie noch mehr kompakter Körper,
als er es je erlebt hatte.
Doch Cauly Oliveira Souza war sich seiner sicher
und suchte Raum,
ob mit, ob ohne Ball.
Im Gegenkörper, im bewegten, entdeckte er die Lücken
und fand zu oft doch wieder Körper nur.
Sicher lag der Ball an seinem Fuß,
doch er auch auf dem Boden,
abgeprallt von Muskelmassen,
die den Raum schon länger kannten.
Ist das Spiel in Liga Zwei doch auch nur Fußball
verwandelt sich der Sport schon wieder etwas.
Aufgestiegen
Cauly Oliveira Souza
in eine andere Welt,
in der die Regeln anders ausgelegt werden.
Und Cauly Oliveira Souza lernt.
Er lernt von Spiel zu Spiel,
so schnell wie Kinder eine ganze Welt in jedem Augenblick
als ihre voll und ganz begreifen.
Die freien Räume sieht er wie zuvor.
Er muss nur diese Körper jeden Gegners anders in die Läufe einbeziehen.
Er kennt die Größe seiner Gegenspieler.
Sie waren immer schon so groß.
Fünf Spiele brauchte
Cauly Oliveira Souza,
Fünf Spiele, um in neuer Welt
sich gegen die kompakten Körper so durchzusetzen,
dass er in Ruhe sich in Richtung Tor bewegen kann.
Der freie Raum,
der lange Ball,
im Sprint mit einem Gegenspieler,
der größer war, den einen Kopf der Standarddefensive,
dazu auch muskulöser.
Der Kampf um diesen Ball, er musste jetzt beginnen.
Das alles kannte Cauly Oliveira Souza aus vier Spielen.
Und wieder stieß der Abwehrspieler mit seinem Oberkörper
diesen kleinen Cauly Oliveira Souza,
um ihn aus dessen Bahn zu bringen.
So sicher war er seiner Sache.
So sicher wie er selber fiel.
Er wusste immer noch nicht, wie ihm das geschehen konnte,
als Cauly Oliveira Souza schon alleine vor dem Torwart stand.
Der Schuss, das Tor.
Der Blick des Abwehrspielers suchte seine Mannschaft.
So groß war er, der dennoch fiel.
Denn Cauly Oliveira Souza betrat die Welt der Zweiten Liga.
Er lässt nun Abwehrspieler an sich abprallen
und geht seit Bielefeld
trotz starken Rempelns unbeirrt auf seinem Weg.

Das neue alte Stadiongefühl beim MSV

Auch drei Tage nach der 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen Darmstadt 98 kitzelt noch die Enttäuschung über das späte Tor der Darmstädter. Die Enttäuschung hält an wie ein anderes Gefühl, dem ich schon Jahre nicht mehr bei einem Spiel des MSV begegnet bin. Ein wenig misstrauisch beäuge ich dieses andere Gefühl. Es geht nämlich darum, wie ich durch dieses Spiel gegangen bin. Es geht dabei um meine Grundhaltung, die zu dieser Saison entstanden ist und die mir nach dem Spiel erst bewusst wurde. Wer jahrelang zum MSV geht, weiß, dass wir auf den Rängen immer mit allem rechnen müssen, nur nicht mit Normalität. Darum geht es.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal im Stadion war, dort ein derart spannendes Spiel gesehen habe und ich mir keinen Gedanken über dieses Spiel hinaus gemacht habe. Ich habe nicht an Abstieg verhindern gedacht oder an die Chance auf den Aufstieg. Ich war in diesem Stadion und war Anhänger des MSV als einem etablierten Zweitligisten, der am Ende der Saison im Mittelfeld landen wird, der die Aufstiegsaspiranten jederzeit schlagen kann, der unglückliche Niederlagen gegen gleich starke Mannschaften hinnehmen wird und immer einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen halten wird.

Am Freitagabend standen zwei Mannschaften auf dem Platz, die beide den Sieg wollten. Der MSV war der chancenreiche Underdog und zeigte den Darmstädtern Grenzen auf. Bei den Darmstädtern gab es Spieler, die als Einzelspieler denen des MSV leicht überlegen waren. Das waren nur wenige, aber sie machten den Unterschied in den letzten Minuten aus mit der Folge des Siegtreffers. Demgegenüber fiel das Ausgleichstor der Darmstädter als Folge der mannschaftlichen Stärke. Es war eine Art Lehrgeld, denn dieses Ausgleichstor wurde absehbar, weil es dem MSV nicht gelang, den entstehenden Druck der Darmstädter zu mindern. Die Mannschaft wollte nach jedem abgefangenen Angriff der Darmstädter weiter spielerisch aus der eigenen Hälfte heraus kommen. Wenn das aber viermal in der eigenen Hälfte scheitert, muss der Ball auch mal planlos nach vorne geschlagen werden. Nur dann kann sich die Defensive so organisieren, dass der spielerische Aufbau bei der nächsten Balleroberung wieder gelingt. Dieses Ausgleichstor war Lehrgeld.

Das Spiel war bis dahin ausgeglichen gewesen. Schon vor dem Führungstor durch Moritz Stoppelkamp hatte es auf beiden Seiten erste Chancen gegeben. Beim MSV war Cauli Souza einmal steil in den Strafraum geschickt worden und konnte dort nach artistischer Ballmitnahme nur unpräzise abschließen. Bei Darmstadt erhielt Kevin Großkreutz im Fünfmeterraum nach einem Flankenlauf den Ball und übergab ihn wie bei einem Rückpass Mark Flekken.

Nach dem Ausgleichstor war das Spiel wieder offen. Klare Chancen ergaben sich weder vor der Halbzeitpause noch danach. Dennoch verringerte sich der Offensivdrang beider Mannschaften nicht. Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde es auf beiden Seiten wieder torgefährlich. Der eingewechselte Stanislav Iljutcenko hatte sich bei Kevin Großkreutz abgeschaut, wie man im Fünfmeterraum frei steht und den Ball nicht verarbeiten kann. Sicher, die Flanke von Moritz Stoppelkamp kam zu hoch um zu schießen und zu flach zum köpfen. Am liebsten hätte ich Iljutcenko mitsamt dem in der Körpermitte festgeklemmten Ball ins Tor geschoben. Es sollte nicht sein.

Als der MSV die Führung verpasste, wurde es immer deutlicher, das Unentschieden zu halten würde schwierig werden. Auch wenn die Zebras weiter ihre Chance in der Offensive suchten, spielten die Darmstädter etwas präziser. Ihre Offensivaktionen strahlten mehr Gefahr aus. Die erste große Chance zur Führung ergab sich für den Gast durch einen Elfmeter. Mark Flekken hielt diesen harten Schuss von Tobias Kempe sensationell. Doch die Freude hielt nur kurz. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften war nicht groß in diesen letzten Minuten, aber groß genug, damit Yannick Stark in der 88. Minute den Siegtreffer für die Darmstädter erzielen konnte.

In der Bewertung dieses Spiels gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Wieder hat der MSV eine sehr gute Leistung gezeigt, bei der in der Offensive vor allem Moritz Stoppelkamp und Cauly Souza im Blickpunkt standen. Simon Brandstetter rieb sich im Sturmzentrum auf. Die Defensive steht grundsätzlich gut. Die Anlage des Spiels ist erfolgsversprechend. Ob meine Haltung der Normalität angemessen ist, wird sich daran erweisen müssen, wie die Mannschaft mit der Enttäuschung umgeht. Diese Mannschaft muss lernen, dass sie trotz sehr guten Spiels nicht unbedingt gewinnt. Das wird schwer werden, denn der Einsatz dieser Mannschaft ist sehr groß. Wenn dann der Ertrag in der Selbstwahrnehmung nicht stimmt, wird es schwierig, diesen Einsatz weiter aufrecht zu halten. Deshalb war der Sieg in Heidenheim sehr wichtig. Diese Belohnung gilt es im Kopf zu behalten, dann werde ich meine Zweitliganormalität immer weniger kritisch beäugen.

Niemals gewinnen gegen den MSV – Daniel Heuer Fernandes, ein Torwartschicksal

Daniel Heuer Fernandes kommt aus Bochum, ist die Nummer 1 bei Darmstadt 98 und hat sich mit einem Journalisten des Darmstädter Echos zum Miniporträt getroffen, bei dem zugleich ein Blick auf das Spiel der Darmstädter heute Abend in Duisburg geworfen wurde. Der Journalist war gut vorbereitet. Er hatte sich die Spielstatistik des Torwarts angesehen. Mit ihr erfuhr er, der Junge aus dem Pott spielt nicht zum ersten Mal gegen den MSV. Fünfmal hat Daniel Heuer Fernandes schon gegen Mannschaften des MSV gespielt und noch nie gewonnen.

Nun soll er ab Minute 3.25 beantworten, warum das heute Abend anders werden wird. Wer allerdings so antwortet wie Daniel Heuer Fernandes, wird die Folgen später spüren. Ernsthaft kann man diese Antwort nicht nennen. Auch wenn der Grund für sein Lachen die Störung durch einen ins Interview platzenden Kollegen ist, bleibt das Lachen über die eigene Hoffnung auf den Sieg. Die Psyche geht ihre eigene Wege, und dieses Lachen über den eigenen Siegeswillen wird sich heute Abend bemerkbar machen.

Noch ernsthafter begründet Darmstadts Trainer Torsten Frings die Chancen des MSV. Er sieht seine Mannschaft auf keinen Fall als Topfavorit des Spiels. Nur ein Prozent weniger Leistung und schon kannst du ein Spiel nicht mehr gewinnen. So ist das in der 2. Liga. Wir stimmen ein in den Chor aller Trainer: „Zweite Liga, du bist so ausgeglichen, Zweite Liga, nie weiß man, wer gewinnt“.

Groundhop at Voith-Arena – FC Heidenheim v MSV Duisburg

Adam Thurston ist Anfang 20 und kommt aus Bristol, England. Er ist Groundhopper. Samstag war er in Heidenheim und hat den Auswärtssieg des MSV gesehen. Sein Clip ist um Klassen besser als jener, den ich vorgestern gepostet habe. Vorgestern hat der Versuch von LaMaTV sich als youtuber des Groundhoppings und Ultra des MSV zu präsentieren bei einigen Anhängern des MSV zu großem Unmut geführt. Was ich angesichts der Qualität des Clips erwartet hatte. In meinem Alter habe ich allerdings einen milden Blick auf solche Versuche.

Diesen milden Blick braucht Adam Thurston nicht. Mit Vergnügen habe ich mir seinen Clip angesehen vom „Bundesliga two match between FC Heidenheim and“ – er muss sein Ticket herausholen und liest ab – „Emeswi Düsbörg…never heard it before“.  Das gestern problematisierte ungefragte Filmen von Fans in Kurven ist natürlich bei diesem Clip ebenfalls ein Thema. Wobei Adam Thurston sich des Problems bewusst ist.

Seine Bilder vom Support der Heidenheimer werden immer wieder unterbrochen von eigenen Kommentaren, vom Zoom auf die Gästekurve, und sie werden eingerahmt durch Impressionen aus Heidenheim. Darüber hinaus wirkt er sympathisch in seinem Bemühen im Heidenheimer Block heimisch zu werden. In Duisburg erleben wir so etwas ja auch immer wieder, wenn Groundhopper zu uns die Kurve kommen. Am auffäligsten geriet das vor geraumer Zeit, als schottische Fans uns bei einem Drittligaspiel unterstützten

Schade, dass Adam Thurston nicht in der Gästekurve war. Jetzt kennt er ja den MSV Duisburg. Vielleicht sehen wir ihn einmal bei dem Verein, dessen Namen er jetzt kennengelernt hat und vielleicht bleibt Duisburg dann länger in Erinnerung als Heidenheim – ein Name, den er bald nach dem Spiel schon nicht mehr wusste.

Neben Adam Thurstons Channel bei Youtube gibt es auch einen Blog, den er bis April gefüllt hat.

Pflaumenkuchen backen mit dem MSV

Seit Äonen vor meiner Geburt backe ich am 19. August Pflaumenkuchen. Daran ist nicht zu rütteln. Gegessen wird er danach auch. Sahne gibt es dazu, natürlich, und es wird weit geschnittene Kleidung getragen, damit der Bauch hinein wachsen kann. Die Bleche müssen leer werden. Dieser Tag im August verlangt also einige Umsicht von mir. Die notwendigen Zutaten vorzuhalten ist nicht das Problem. Aber nicht jeder Ort verfügt über Backöfen. Der Stehplatz in Heidenheim etwa wurde leider ohne Backofen-Zugang errichtet. Die Stadionordnung untersagt zwar nicht ausdrücklich die Selbstversorgung per portabler Backstube, aber ich war skeptisch, ob ich meinen kleinen Ofen unter der Jacke ins Stadion hätte hineinschmuggeln können.

Deshalb blieben Bewegtbilder vom Spiel auf dem Laptopbildschirm. Während der Hefeteig ging, gelang es dem MSV in der ersten Halbzeit die guten Leistungen der bisherigen Spiele zu bestätigen. Das Mittelfeld gehörte den Zebras. Ich sah das Spiel vornehmlich in der Hälfte der Heidenheimer, denen es nicht oft gelang, das frühe Pressing des MSV erfolgreich zu überspielen. Schafften sie es einmal den Ball in die Nähe des MSV-Tores zu bringen, waren lange Pässe viel zu unpräsise, als dass daraus Gefahr für das Tor hätte entstehen können. Mark Flekken oder die Defensivreihe liefen die meisten Bälle ab, Verlegenheitsschüsse gingen am Tor vorbei. In der Offensive arbeitete der MSV wieder viel. Die Mannschaft setzte auf den bekannten kontrollierten Spielaufbau. Wirkliche Torgefahr schaffte der MSV aber auch nicht. Dennoch wirkte das Spiel der Zebras gefälliger.

Beim Ausrollen des Teiges in der Halbzeitpause beschlich mich leise Furcht, dass die bis dahin gute Leistung erneut unbelohnt bliebe. Ohne Torgefahr kein Tor, aber die Erinnerung an die Pokalniederlage war noch frisch. Bewahre uns vor der Standardsitutation des Gegners. Schütze uns vor Zufall und Glück bei dessen Abschlüssen. Ich verpasste die ersten Minuten der zweiten Halbzeit, weil das Belegen des Teigs mit Plaumen länger dauerte, als ich dachte. So hörte ich den Torjubel nur, und er hörte sich nach Stadion an, nicht nach Gästekurve. Ich war erschüttert. Nicht schon wieder diesen Spielvorlauf, der irgendwann in die Geschichte münden würde, der MSV musste Lehrgeld bezahlen. Ich legte die letzten Pflaumen auf den Teig, schob die Bleche in den Ofen und konzentrierte mich aufs Spiel.

Vor dem Laptop blieb ich stehen, denn der Ball stürzte gerade in den Heidenheimer Strafraum hinunter und schien gleich in klassischer Rücken-zum-Tor-Stürmer-Weise per Drehschuss aufs Tor zu fliegen, so wunderbar wurde er von Boris Tashchy angenommen. Doch von der Seite kam Moritz Stoppelkamp herbei und hatte es sehr viel einfacher aufs Tor zu schießen. Tashchy überließ ihm, Stoppelkamp zirkelte ins rechte Eck und der Ausgleich fiel. Der MSV wollte danach das Führungstor. Das war so deutlich zu sehen. Boris Tashchy selbst erzielte es nur wenig später, wie gegen Bochum mit einem Schuss von der Strafraumgrenze nach sehr guter Vorarbeit von Cauly Souza.

Auch nach der Führung minderte der MSV sein Offensivspiel nicht. Das war beruhigend anzusehen, dass die Heidenheimer zunächst keinen großen zusätzlichen Offensivdruck entfalten konnten. Sicher gab es eine Chance durch einen Schuss aus etwa 16 Metern, doch der MSV hat mit Mark Flekken einen Torwart, der Chancen auch zunichte macht. Erst in den Schlussminuten geriet die Defensive des MSV tatsächlich unter Druck. Wo die Nachspielzeit von Minuten herkam, weiß ich nicht. Vier Minuten, die nicht nur meinen Pflaumenkuchen fast gefährdet hätten. Vier Minuten, in denen die größte Chance zum Ausgleich durch einen Schuss aus etwas zehn Metern auf oder kurz vor der Linie von Dustin Bomheuer abgewehrt wurde. Standen alle Spieler des MSV im Fünfmeterraum? Wahrscheinlich nicht, aber die Hälfte der Mannschaft war dort bestimmt versammelt. Mit aller Macht sollte der Ausgleich verhindert werden.

Endlich pfiff der Schiedsrichter ab. Dieser verdiente Sieg war wichtig und mein Pflaumenkuchen gerettet. Er war etwas zu lange im Ofen geblieben, die ersten Pflaumen waren schon sehr dunkel geworden. Ein verbrannter Pflaumenkuchen hätte mir wie eine erneute Niederlage die Laune verdorben. Je öfter nach erneut gutem Spiel nicht gewonnen wird, desto schwieriger wird es, an das eigene Können zu glauben. Dieser Sieg ist die Folge der guten Arbeit schon in der letzten Saison, als die Grundlage für diese Möglichkeiten des Spielaufbaus gelegt wurde. Was haben wir geschimpft auf die Spielweise des MSV. Doch seht euch an, wo Würzburg und Karlsruhe nach 5 Spieltagen in der 3. Liga stehen. Der KSC muss wie der MSV in der letzten Saison notwendig aufsteigen. Vor der Saison gab es keine Zweifel an der Verwirklichung dieses Plans. Vier Punkte aus fünf Spielen ist das Ergebnis bislang. So kann es auch gehen.

Ab in die TOP 5 der ernüchternden Niederlagen

Nicht dass ich die Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg hier verschweigen will. Gestern habe ich allerdings deshalb nichts geschrieben, weil zur mangelnden Zeit mein Unwillen hinzu kam, mich an das Spiel noch einmal zu erinnern. Stattdessen machte ich mir eine Arbeitsnotiz. Stelle die Top 5 der ernüchterndsten Niederlagen zusammen. Dieses Spiel gehört für mich dazu. Ich werde auch heute nicht mehr viel dazu schreiben. Wir blicken nach vorne. Ernüchternd ist es nämlich, wenn die Zebras das Spiel gestalten und dennoch zur Halbzeitpause 2:0 zurückliegen.

Der 1. FC Nürnberg musste für diese Führung viel weniger ins eigene Spiel investieren als der MSV. Sie brauchten nur abwartend zu spielen und wahrscheinlich hieß die Offensivtaktik gar nicht, suche den gefährlichen Abschluss aufs Tor. Ich bin sicher, die Stürmer versuchten die Zebras dazu zu zwingen, den Ball ins Toraus zu schießen. Diese Eckbälle waren die eigentliche Torchance. Sobald der Eckball in den Strafraum schoss (!), brannte es lichterloh im Strafraum. Die Geschwindigkeit der hereinfliegenden Bälle war ebenso beeindruckend wie die Präzision, mit der sie genau an die Stelle kamen, bei der der Torwart nicht genau weiß, ob er dort hin gehen soll oder nicht. Die Mannschaft wusste anscheinend um die Gefahr durch diese Ecken. So anderes als sonst versuchte sie mit einer geschlossenen Defensivreihe im Fünfmeterraum diese Ecken zu verteidigen. Vergeblich.

Was für ein Chance hatte Simon Brandstetter zur Führung. Er arbeitet, holt sich die Bälle, läuft in die freien Räume, ist schnell, anspielbar. Er stört als erster Defensivspieler seiner Mannschaft den Spielaufbau in der Hälfte des Gegners. Beim schnellen Abschluss im Strafraum kann er nicht variabel genug sein. Anstatt ein Tor von Simon Brandstetter zu bejubeln, fürchte ich jeden Eckball. Der MSV arbeitet daran, dass jede andere Mannschaft Europas demnächst entspannt Eckbälle des Gegners erwarten kann, damit die Statistik weiter stimmt, nur 1,27 Prozent aller Eckbälle seien erfolgreich.

Fünf bis zehn Minuten zu spät setzte der MSV in der zweiten Halbzeit auf die bedingungslose Offensive. Erst als Stanislav Iljutcenko in der 80. Minute eingewechselt wurde, geriet die Defensive der Nürnberger ins Schwimmen. Schon zuvor hatte der MSV nach dem Wiederanpfiff unermüdlich den Weg zum Tor gesucht, ohne gefährlich zu werden. Meine Ernüchterung wich erst, als in diesen Schlussminuten alles möglich schien, so sehr wurden die Nürnberger in der eigenen Hälfte eingeschnürrt. Ein Trudelball gegen die Latte, eine scharfe Flanke, an der Onuegbu und Iljutcenko um Zentimenter vorbei rutschten. Das Tor schien fast sicher gewesen zu sein. Schließlich in der Nachspielzeit, der zweifellose Elfmeter nach tölpelhaftem Einsteigen des Nürberger Defensivspielers. Kevin Wolze verwandelte sicher. Zu spät.

Wir nehmen auch aus diesem dritten Spiel der Saison mit, die Mannschaft kann ein Spiel gestalten. Sie kann sich Torchancen erspielen. Hätte Simon Brandstetter die Kaltblütigkeit von Kingsley Onuegbu, erzielten wir in jedem Spiel mindestens ein Tor. Was nicht heißt, dass er alleine nur für die Torchancen zuständig ist. Seine sind zwangsläufig nur die größten Chancen. Die Mannschaft besitzt eine grundsätzlich stabile Defensivreihe mit einer verwundbaren rechten Seite. Das sind die Voraussetzungen für die Spiele der nächsten Wochen. Jetzt möchte ich nur noch den ersten Sieg der Saison. Das sollte machbar sein bei diesen Voraussetzungen.


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