Posts Tagged '1. FC Heidenheim'

Groundhop at Voith-Arena – FC Heidenheim v MSV Duisburg

Adam Thurston ist Anfang 20 und kommt aus Bristol, England. Er ist Groundhopper. Samstag war er in Heidenheim und hat den Auswärtssieg des MSV gesehen. Sein Clip ist um Klassen besser als jener, den ich vorgestern gepostet habe. Vorgestern hat der Versuch von LaMaTV sich als youtuber des Groundhoppings und Ultra des MSV zu präsentieren bei einigen Anhängern des MSV zu großem Unmut geführt. Was ich angesichts der Qualität des Clips erwartet hatte. In meinem Alter habe ich allerdings einen milden Blick auf solche Versuche.

Diesen milden Blick braucht Adam Thurston nicht. Mit Vergnügen habe ich mir seinen Clip angesehen vom „Bundesliga two match between FC Heidenheim and“ – er muss sein Ticket herausholen und liest ab – „Emeswi Düsbörg…never heard it before“.  Das gestern problematisierte ungefragte Filmen von Fans in Kurven ist natürlich bei diesem Clip ebenfalls ein Thema. Wobei Adam Thurston sich des Problems bewusst ist.

Seine Bilder vom Support der Heidenheimer werden immer wieder unterbrochen von eigenen Kommentaren, vom Zoom auf die Gästekurve, und sie werden eingerahmt durch Impressionen aus Heidenheim. Darüber hinaus wirkt er sympathisch in seinem Bemühen im Heidenheimer Block heimisch zu werden. In Duisburg erleben wir so etwas ja auch immer wieder, wenn Groundhopper zu uns die Kurve kommen. Am auffäligsten geriet das vor geraumer Zeit, als schottische Fans uns bei einem Drittligaspiel unterstützten

Schade, dass Adam Thurston nicht in der Gästekurve war. Jetzt kennt er ja den MSV Duisburg. Vielleicht sehen wir ihn einmal bei dem Verein, dessen Namen er jetzt kennengelernt hat und vielleicht bleibt Duisburg dann länger in Erinnerung als Heidenheim – ein Name, den er bald nach dem Spiel schon nicht mehr wusste.

Neben Adam Thurstons Channel bei Youtube gibt es auch einen Blog, den er bis April gefüllt hat.

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Pflaumenkuchen backen mit dem MSV

Seit Äonen vor meiner Geburt backe ich am 19. August Pflaumenkuchen. Daran ist nicht zu rütteln. Gegessen wird er danach auch. Sahne gibt es dazu, natürlich, und es wird weit geschnittene Kleidung getragen, damit der Bauch hinein wachsen kann. Die Bleche müssen leer werden. Dieser Tag im August verlangt also einige Umsicht von mir. Die notwendigen Zutaten vorzuhalten ist nicht das Problem. Aber nicht jeder Ort verfügt über Backöfen. Der Stehplatz in Heidenheim etwa wurde leider ohne Backofen-Zugang errichtet. Die Stadionordnung untersagt zwar nicht ausdrücklich die Selbstversorgung per portabler Backstube, aber ich war skeptisch, ob ich meinen kleinen Ofen unter der Jacke ins Stadion hätte hineinschmuggeln können.

Deshalb blieben Bewegtbilder vom Spiel auf dem Laptopbildschirm. Während der Hefeteig ging, gelang es dem MSV in der ersten Halbzeit die guten Leistungen der bisherigen Spiele zu bestätigen. Das Mittelfeld gehörte den Zebras. Ich sah das Spiel vornehmlich in der Hälfte der Heidenheimer, denen es nicht oft gelang, das frühe Pressing des MSV erfolgreich zu überspielen. Schafften sie es einmal den Ball in die Nähe des MSV-Tores zu bringen, waren lange Pässe viel zu unpräsise, als dass daraus Gefahr für das Tor hätte entstehen können. Mark Flekken oder die Defensivreihe liefen die meisten Bälle ab, Verlegenheitsschüsse gingen am Tor vorbei. In der Offensive arbeitete der MSV wieder viel. Die Mannschaft setzte auf den bekannten kontrollierten Spielaufbau. Wirkliche Torgefahr schaffte der MSV aber auch nicht. Dennoch wirkte das Spiel der Zebras gefälliger.

Beim Ausrollen des Teiges in der Halbzeitpause beschlich mich leise Furcht, dass die bis dahin gute Leistung erneut unbelohnt bliebe. Ohne Torgefahr kein Tor, aber die Erinnerung an die Pokalniederlage war noch frisch. Bewahre uns vor der Standardsitutation des Gegners. Schütze uns vor Zufall und Glück bei dessen Abschlüssen. Ich verpasste die ersten Minuten der zweiten Halbzeit, weil das Belegen des Teigs mit Plaumen länger dauerte, als ich dachte. So hörte ich den Torjubel nur, und er hörte sich nach Stadion an, nicht nach Gästekurve. Ich war erschüttert. Nicht schon wieder diesen Spielvorlauf, der irgendwann in die Geschichte münden würde, der MSV musste Lehrgeld bezahlen. Ich legte die letzten Pflaumen auf den Teig, schob die Bleche in den Ofen und konzentrierte mich aufs Spiel.

Vor dem Laptop blieb ich stehen, denn der Ball stürzte gerade in den Heidenheimer Strafraum hinunter und schien gleich in klassischer Rücken-zum-Tor-Stürmer-Weise per Drehschuss aufs Tor zu fliegen, so wunderbar wurde er von Boris Tashchy angenommen. Doch von der Seite kam Moritz Stoppelkamp herbei und hatte es sehr viel einfacher aufs Tor zu schießen. Tashchy überließ ihm, Stoppelkamp zirkelte ins rechte Eck und der Ausgleich fiel. Der MSV wollte danach das Führungstor. Das war so deutlich zu sehen. Boris Tashchy selbst erzielte es nur wenig später, wie gegen Bochum mit einem Schuss von der Strafraumgrenze nach sehr guter Vorarbeit von Cauly Souza.

Auch nach der Führung minderte der MSV sein Offensivspiel nicht. Das war beruhigend anzusehen, dass die Heidenheimer zunächst keinen großen zusätzlichen Offensivdruck entfalten konnten. Sicher gab es eine Chance durch einen Schuss aus etwa 16 Metern, doch der MSV hat mit Mark Flekken einen Torwart, der Chancen auch zunichte macht. Erst in den Schlussminuten geriet die Defensive des MSV tatsächlich unter Druck. Wo die Nachspielzeit von Minuten herkam, weiß ich nicht. Vier Minuten, die nicht nur meinen Pflaumenkuchen fast gefährdet hätten. Vier Minuten, in denen die größte Chance zum Ausgleich durch einen Schuss aus etwas zehn Metern auf oder kurz vor der Linie von Dustin Bomheuer abgewehrt wurde. Standen alle Spieler des MSV im Fünfmeterraum? Wahrscheinlich nicht, aber die Hälfte der Mannschaft war dort bestimmt versammelt. Mit aller Macht sollte der Ausgleich verhindert werden.

Endlich pfiff der Schiedsrichter ab. Dieser verdiente Sieg war wichtig und mein Pflaumenkuchen gerettet. Er war etwas zu lange im Ofen geblieben, die ersten Pflaumen waren schon sehr dunkel geworden. Ein verbrannter Pflaumenkuchen hätte mir wie eine erneute Niederlage die Laune verdorben. Je öfter nach erneut gutem Spiel nicht gewonnen wird, desto schwieriger wird es, an das eigene Können zu glauben. Dieser Sieg ist die Folge der guten Arbeit schon in der letzten Saison, als die Grundlage für diese Möglichkeiten des Spielaufbaus gelegt wurde. Was haben wir geschimpft auf die Spielweise des MSV. Doch seht euch an, wo Würzburg und Karlsruhe nach 5 Spieltagen in der 3. Liga stehen. Der KSC muss wie der MSV in der letzten Saison notwendig aufsteigen. Vor der Saison gab es keine Zweifel an der Verwirklichung dieses Plans. Vier Punkte aus fünf Spielen ist das Ergebnis bislang. So kann es auch gehen.

Arbeitserleichterung samt verlorenen Illusionen

Meine Großmutter hat ihrem Sohn, also meinem Vater, neben manch anderem eine Lebensweisheit mit auf den Weg gegeben. Diese Lebensweisheit sollte Trost sein, wenn etwas nicht geklappt hat, und sie war Auftrag zugleich. Es sei kein Schaden so groß, dass nicht ein Vorteil dabei ist, muss sie wohl oft gesagt haben, und selbstverständlich hat mein Vater das bei passender notwendiger Gelegenheit  auch mir gegenüber wieder erwähnt.

Daran musste ich denken, nachdem der MSV Duisburg am Freitag gegen den 1. FC Heidenheim im Heimspiel mit 0:2 verloren hatte. Dieser Niederlage bedeutet weniger Arbeit für mich. Das wusste ich schnell und begann deshalb schon bald nach dem Schlusspfiff wieder nach vorne zu schauen. Diese Niederlage enthebt mich von der Aufgabe, nach jedem Spieltag meine Tabellenrechner-Fieberfantasie mit der Wirklichkeit abzugleichen. Unbescheiden darf ich dennoch darauf hinweisen,  die anderen Konkurrenten im Abstiegskampf hielten sich alle an meine Vorgaben. Nur dem MSV Duisburg missriet die unverzichtbare Arbeitsgrundlage für das Erreichen meines vorhergesagten Saisonziels. Ich sehe nicht, dass diese fehlenden drei Punkte stattdessen im Auswärtsspiel gegen den 1. FC Nürnberg eingefahren werden könnten. Das wäre in meiner Rechnung die einzige Chance den Schaden zu beheben.

Der Heimsieg war nicht möglich. Einmal mehr stieß die Mannschaft an ihre Grenzen. Sie glich damit meinen kleinen weißen Freunden des Immunsystems, denen es über 14 Tage auch nicht gelang, mehr als ein Unentschieden gegen Viren und Bakterien herauszuarbeiten. Deshalb war ich nicht im Stadion und musste am Bildschirm mit ansehen, wie ein in dieser Form nicht oft wiederholbarer Distanzschuss in der ersten Halbzeit die Führung für Heidenheim brachte. Das geschah in jener Spielphase, als der MSV Duisburg etwas die Oberhand zu gewinnen schien. Es war aber zugleich erkennbar, wie gefährdet die Mannschaft war bei ihren Versuchen, die Offensive druckvoll zu gestalten. Voraussetzung dafür war der kontrollierte Ballbesitz, und damit komme ich zurück zu diesem 1:0, bei dem der Schuss vielleicht von Glück begleitet war. Die Entstehung aber zeigt, warum es dem MSV Duisburg nicht gelingt, stabil erfolgreich zu sein.

Dem Tor ging ein Angriff der Heidenheimer über den linken Flügel voran. Wenn die Heidenheimer nach vorne spielten, wirkten sie gefährlich, auch wenn die Defensive des MSV bis dahin sich recht sicher bewegte. Auch dieses Mal konnte der Angriff selbst zunächst unterbunden werden. Thomas Meißner ließ sich dann sogar vom Gegenpressing nicht aus der Ruhe bringen und wollte die Situation spielerisch lösen. Die Ballbehauptung gegen den pressenden Stürmer war noch kein Problem. Der Pass danach ins Mittelfeld aber konnte dort nicht mehr gesichert werden. Der Pass kam zwar zu seinem Mitspieler – ich weiß gar nicht mehr, wer es war –  aber der Pass war nicht genau genug für die technischen Möglichkeiten des Passnehmers. Zu Pässen gehören zwei Spieler, und es geht mir nicht um Schuldzuweisung. Es geht mir um das Aufzeigen der spielerischen Grenzen, die momentan vorhanden sind. Aus dem Zusammenspiel zweier Spieler ergibt sich ein Fehler. Der Ball wurde von den Heidenheimern abgefangen, sofort ins Zentrum gepasst. Der Heidenheimer Spieler hielt drauf. Das Ergebnis kennen wir.

Die Einsicht ist natürlich banal. Der MSV macht Tore des Gegners wahrscheinlicher als es umgekehrt der Fall ist. Die Mannschaft muss im Verhältnis sehr viel mehr für ein Tor arbeiten als es die Gegner tun, weil der Mannschaft zu viele kleine Fehler passieren. Diese Mannschaft will. Sie kämpfte. Sie hat versucht den Rückstand auszugleichen. Es gab vereinzelte Spielzüge fast über das gesamte Feld, bei denen die Heidenheimer schlecht aussahen. Kevin Wolze wurde kurz vor der Pause wunderbar frei gespielt, sein Abschluss im Strafraum ging knapp am Tor vorbei. Der Ausgleich wäre verdient gewesen. Das schnelle 2:0 nach der Halbzeitpause habe ich nicht gesehen. Mein Fieber war zurückgekehrt. Ich fühlte mich schlecht. Der Rückstand tat dazu sein Übriges, als ich ihn sah. Mir war klar, das Spiel war verloren.

Meine kleinen weißen Freunde des Immunsystems haben seit Samstag endlich die Verstärkung erhalten, die dieses leidige Unentschieden allmählich in einen Sieg verwandelt. Der abgebende pharmazeutische Verein spricht von bewährter Durchschlagskraft, die sogar vor Sehnen nicht halt mache. Deshalb müsse ich meine Achillessehnen schonen. Kein Problem, dachte ich bei mir. Basketball pausiert, und in die Verlegenheit von Jubelsprüngen bringt mich der MSV momentan ja auch nicht. Auch der MSV hat diese Verstärkung gesucht und nur in Ansätzen gefunden. Was uns den Beweis erbringt, so eine Fußballmannschaft ist ein sehr viel komplexeres System als  ein menschlicher Körper.

Der Stig hat übrigens ziemlich gemeckert, weil sich die Fans in der Kurve von der Mannschaft so abgewendet haben wie am Freitag. Respekt, fügte er noch hinzu, Respekt vor der Mannschft, die sich den wütenden Stimmen dort in der Kurve gestellt hat. Vielleicht schreibt er demnächst mal was dazu. Diese Distanzierung der Fans von der Mannschaft bahnte sich bei den Auswärtsspielen in Braunschweig und Paderborn schon an. Ich kann das auch nicht verstehen. Es ist für mich so offensichtlich, dass diese Spieler an ihre Grenzen gehen. Meine kleinen weißen Freunde des Immunsystems habe ich auch nicht beschimpft, obwohl ich genervt von ihnen war. Sie gehören zu mir. Wie die Spieler des MSV. Ich mache ihnen keinen Vorwurf und kann dennoch sagen, dass sie nicht gut genug spielen.

Fokussiert sein

Je beschwerlicher das Leben, desto klarer gilt die Konzentration den wesentlichen Dingen. Fußballländerspiel gegen England: Weg damit. Ich habe geschlafen. Nachträglich auch noch über die Stimmung im Olympiastadion reden: Du meine Güte, dafür keine Energie. Länderspiel gegen Italien? Egal. Max Kruse und DFB-Doppelmoral, nächste Woche kommt die neue Sau für die Ethik-Diskussion. Viktoria Köln besiegt RWE, Fußballberichterstattung überhaupt. Null Aufmerksamkeit.

An den Freitag denke ich. Das ist das einzige, was zählt. Ich denke an eine Mannschaft mit gestreiften Trikots. Ich denke an den MSV, sehe all die Spielergesichter, ohne dass ich an Namen denke. Ich sehe nur diese Mannschaft in den Zebratrikots auf dem Rasen. Nach und nach gesellen sich Spieler vom FC Heidenheim dazu. Die sehen alle gleich aus und versuchen offensiv zu spielen. Ihr seht, mein erstes Bild vom Freitag ist eines der Bedrohung. Doch dieser Angriff trifft auf eine konzentrierte Defensive. Ich sehe Licht. Ich sehe die Gegenbewegung. Ich sehe einen Torwart, der wie der Spieler aussieht, der gerade so kläglich beim Dribbling am linken Flügel scheiterte. Ich sehe einen Torwart, der mit derselben enttäuschten Miene den Ball aus dem Netz holt. Einmal, zum zweiten Mal. Zum dritten Mal. Freitag, so heißt der Tag, der wichtig ist in dieser Woche. Der einzig wichtige Tag ist der Freitag.

Schrieb ich schon, dass ich noch immer wieder Fieber habe? Ich meine ja nur, einfach zur Einordung zu all dem, was mir durch den Kopf geht zurzeit. Meine kleinen Freunde des Immunsystems, diese klitzekleinen Virenfresszellen, die scheinen sich in Paderborn den MSV zum Vorbild genommen zu haben. Bislang meinen die tatsächlich, so ein Unentschieden gegen die Viren könne reichen. Das reicht Freitag nicht, damit ich dabei sein kann. Ich hoffe, die wissen das genauso gut wie die Mannschaft vom MSV. Denn die Spieler wissen das sicher, dass so ein Unentschieden nicht reicht.

Fieberfantasien mit Tabellenrechner

Am Montag begann meine Erkältung mit starkem Husten und heftigem Krankheitsgefühl. Sie nahm einen für mich klassischen Verlauf. Der leichten Besserung am zweiten Tag folgte Fieber am dritten. Da lag ich also im Bett, war genervt, las zuweilen etwas ohne Konzentration, döste ein, guckte wach werdend, was Facebook und Twitter mir ins kranke Leben reinschickten und langweilte mich immer mal wieder. Mir war heiß – trockene Hitze auf der Haut in müder Unruhe.

Plötzlich hörte ich ein Flüstern: „Weißt du noch, wie es schon zweimal war? Du warst Gott der Zweiten Liga.“

Oh, nein, dachte ich, das glaube ich jetzt nicht.

Das Flüstern wurde lauter. „Der Tabellenrechner“, raunte es, „Du hast es in der Hand. Die Mannschaft braucht dich. Jetzt, in diesem Moment. Mach es!“

„Das hilft doch nichts“, warf ich ein, „jetzt doch nicht mehr. Die Ausgangslage war damals beide Male sehr viel besser“.

„Unsinn“, hörte ich, „das denkst du nur. Hast du nicht gerade noch geschrieben, die Mannschaft spielt inzwischen so, dass ein Platz im unteren Mittelfeld kein Problem gewesen wäre, wenn sie von Anfang an  so aufgetreten wäre?“

Jetzt diskutierte ich mit der Wand über den MSV. Ich fasste es  nicht und rief: „Ich habe aber auch geschrieben, diese Mannschaft kann ein Spiel nicht unbedingt gewinnen. Sie braucht Glück. Glück! Manchmal klappt’s auch, wenn sie gar nichts mehr zu verlieren hat.“

„Und? Ist es etwa gerade anders?“, raunte es beruhigend.

Die Seite vom Kicker war bereits geöffnet. Wer machte so etwas? Ich starrte über den Laptopbildschirm hinweg ins Leere und hörte immer weiter diese Stimme. „Ein Sieg gegen Heidenheim. Fang klein an.“

Ich traute meinen Ohren nicht. Der letzte Rest gesunder Verstand meldete sich zaghaft, während die Stimme immer hoffnungsfroher klang: „Sechs Punkte. Du packst das. Acht Punkte! Quatsch Relegation. Klassenerhalt. Streng dich an.“

„Aber…“, begann ich und hatte schon das 1:0 gegen Heidenheim eingetippt. Weiter ging es, und wenn ich mir das heute morgen alles ansehe, habe ich in meinem Fieberwahn nur ein einziges ganz unwahrscheinliches Ergebnis vorgegeben, sieht man mal davon ab, dass Siege vom MSV in gewisser Weise grundsätzlich wenig wahrscheinlich sind in dieser Saison. Dieses sehr unwahrscheinliche Ergebnis ist ein Sieg des MSV gegen RB Leipzig, denen ich am letzten Spieltag eine mächtige Aufstiegsfeierlaune verordnet habe. Dafür gab es in Sandhausen ein Unentschieden. Notfalls lässt sich das noch tauschen. Relegationsrang habe ich geschaffft als Zweitliga-Gott im Fieberwahn per Tabellenrechner.

Seht selbst. Und wenn ich dann bei diesem dritten Male meines göttlichen Tabellenrechner-Daseins mit der Saisonziel-Gelingensprognose zum ersten Mal scheitern sollte, hat´s mir zumindest dabei geholfen, wieder gesund zu werden.

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Kaum mehr Spielraum für solche Niederlagen

Wenn eine Mannschaft am Ende der Tabelle steht, wird sie im Verlaufe der Saison klare Niederlagen hinnehmen müssen. Das ist normal. Das sind die Niederlagen, die einzukalkulieren sind, im Kampf gegen den Abstieg. Außerdem wird es knappe Niederlagen geben, allerdings auch das in Spielen, in denen eine Mannschaft sich nur bei einem äußerst günstigen Verlauf etwas ausrechnen kann. Auch solche Niederlagen sind einkalkuliert.

Schließlich aber gibt es die unnötigen Niederlagen, jene Spiele, in deren Verlauf die Mannschaft das Gefühl bekommt, sie könne am Ende erfolgreich sein. Spiele, in denen jeder einzelne Spieler an Grenzen geht und die dennoch verloren werden. Viele solcher Spiele darf sich eine Mannschaft am Tabellenende nicht erlauben. Das sind die Spiele, die zumindest mit einem Punktgewinn beendet werden müssten. Viele Möglichkeiten erfolgreich zu sein erhält eine Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg nämlich nicht. Und nicht zuletzt wird es für die Spieler immer schwieriger an sich zu glauben, wenn sie, wie gesagt, vor allem in ihren einzeln genommen Leistungen, alles geben. Wenn selbst das nicht reicht, um erfolgreich zu sein, wie schnell schwindet dann das Selbstbewusstsein?

Beim 1. FC Heidenheim gab es solch eine unnötige Niederlage. In der 83. Minute fiel das einzige Tor es Spiels. Tim Skarke erzielte es für den Gastgeber. Sicher ließe sich einwenden, der MSV Duisburg hat von Glück reden können, etwa die ersten 20 Minuten ohne Gegentor geblieben zu sein, doch danach hatte die Mannschaft das Spiel beruhigen können. Das Tempo des Heidenheimer Offensivspiels hatte sich verflüchtigt, und beide Mannschaften zeigten viel Einsatz, aber kaum mehr klare Aktionen, die in Tornähe führten. Nach der Halbzeitpause brachte der MSV  den 1. FC Heidenheim sogar in Bedrängnis. Die Zebras übernahmen ab ungefähr der 50. Minute für etwa 25 Minuten die Kontrolle des Spiels. Der Gastgeber geriet in die Defensive und kam nur noch vereinzelt vor das Tor des MSV.

Stattdessen drängten die Zebras Richtung Heidenheimer Tor. Dennis Grote hatte zwei große Torchancen. Die eine erarbeitete er sich selbst, indem er einem Heidenheimer Defensivspieler den Ball kurz vor dem Strafraum abjagte. Alleine lief er auf den Torwart zu, der im eins gegen eins erfolgreich blieb und den Schuss neben den Pfosten lenken konnte. Die zweite große Chance ergab sich nach einer Flanke. Oder war es gar eine Ecke? Ich weiß es nicht mehr. Freistehend im Elfmeterraum nahm er den Ball nicht direkt. Schon war die Chance dahin. Kingsley Onuegbu versuchte nach einem langen Ball in den Fünfmeterraum auf links den Abschluss mit rechts, was bei der Geschwindigkeit keine Ballkontrolle ergab. Auch diese große Chance mit einem Schuss links neben den Pfosten vergeben.

Wenn eine Mannschaft mit unterlegener Spielanlage solche Chancen nicht in Tore verwandelt, droht immer das Gegentor des Gegners mit den besseren spielerischen Möglichkeiten. Der 1. FC Heidenheim war grundsätzlich schneller in allen seinen Aktionen. Es wirkte so, als stände die Mannschaft des MSV vor dem Problem für eine vorsichtige, kontrollierte Spielweise zu wenig spielerische Möglichkeiten der Einzelspieler zu besitzen. So wurde aus Ballkontrolle in der ersten Halbzeit zu oft langsame Wirkungslosigkeit. In der zweiten Halbzeit war das anders.

Außerdem kam die Wirkungslosigkeit des MSV bei Standardsituationen hinzu. Auf Freistöße und Eckbälle der Zebras durften sich die Heidenheimer Anhänger freuen, weil die Wahrscheinlichkeit für eine gute Kontersituation groß wurde. Da aber die Mannschaft des MSV inzwischen anscheinend um diese Standardschwäche weiß, war sie auf diese unweigerlich entstehenden Heidenheimer Angriffe gleichfalls gut eingerichtet. Die Konter führten nicht zu Torgefahr.

Die verschiedenen Spielphasen machen es schwierig, die Leistung der Mannschaft einheitlich zu bewerten. Das Tor zur Niederlage bestimmt die Perspektive. Dieses Tor macht sowohl die guten offensiven Ansätze der zweiten Halbzeit vergessen wie auch die Coolness und Stabilität, die im Zentrum der Defensive über weite Strecken des Spiels geherrscht hat. Eines gilt aber mit Sicherheit, wenn der MSV Duisburg in der 2. Liga bleiben will, darf ein Spiel mit solchem Verlauf in Zukunft nicht mehr verloren werden.

Dem Vorbild des erfolgreichen Crowdfundings ist der MSV also nicht gefolgt. Dieses Zwischentief des Vereins unserer Zuneigung soll niemanden davon abhalten, bis 23.59 Uhr mein geplantes Buch über die letzten zwei Jahre des MSV bei startnext vorzubestellen oder ein anderes der dortigen Angebot zu buchen. Jede zusätzliche Einnahme hillft beim Entstehen eines zweiten Buches. Alles Geld über die 8000 Euro hinaus bildet den Grundstock für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ , eine Art Oral History, also eine erzählte Geschichte des Pottalltags rund um den MSV.

Das MSV-Buch. Das Crowdfunding. 2 Tage. 56 Leser. Und das Auswärtsspiel gegen Heidenheim

So wie mir heute muss es Fußballern gehen, deren Mannschaften in zwei Wettbewerben gleichzeitig vor entscheidenden Spielen stehen. Einerseits gibt es das wichtige Ligaspiel, das die Aufmerksamkeit fordert, andererseits geht es im Pokal um den Einzug ins Finale, es geht um alles oder nichts.

Einerseits spielt der MSV morgen in Heidenheim und ich bin unruhig, weil der Sieg gegen Paderborn erst mit einem guten Ergebnis in Heidenheim zur wirklichen Wende für den MSV im Ligabetrieb wird. Andererseits habe ich Mühe, mich auf dieses Spiel zu konzentrieren, weil sich in zwei Tagen entscheidet, ob beim Crowdfunding die für die Herstellung des MSV-Buch notwendige Summe von 8000 Euro zusammengekommen ist oder nicht. Hop oder top. Alles oder nichts. In diesen letzten Stunden vor der Entscheidung verlangt dieser „Wettbewerb“ ständige Präsenz, große Konzentration und immer neue Ideen der Präsentation.

Gut, dass ich die Bilder der Offensive aus dem Freundschaftsspiel gegen Viktoria Köln noch sehr klar im Kopf habe. Dieser Offensive beginne ich doch sehr zu vertrauen. Sie wird die Gegner vorsichtiger machen und deshalb die Defensive des MSV entlasten. So stärkt das Vertrauen in den einen Teil der Mannschaft zugleich mein Vertrauen in den anderen Teil der Mannschaft. Je weniger Druck auf die einzelnen Defensivspieler, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einen Fehler zu machen. Eiin Unentschieden gegen einen FC Heidenheim, der die Saison wieder stark begonnen hat, brächte weiteren Auftrieb. Dass ich, wie immer auf mehr hoffe, versteht sich von selbst.

Zumal der weitere Aufschwung der Mannschaft vortrefflich mit der Entwicklung beim Crowdfunding zusammen passen würde. Nur noch 870 Euro. Wunderbar! Dreistellig nur noch die Summe Geld. Jetzt geht es noch um 56 Leser, die das Buch vorbestellen. Denn 870 Euro fehlendes Crowdfunding-Geld sind  56 Exemplare des MSV-Buchs im Wert von 15 Euro.

004bOder das sind 26 Buchpakete im Wert von 30 Euro: Zum einen das MSV-Buch und 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss, zum anderen das MSV-Buch und 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen. Vorgestellt habe ich die beiden 111er-Bücher aus dem Paket hier. Beim Emons Verlag auf der Buchmesse habe ich das Buch mit Pott-Geschichte(n) erst im zweiten Anlauf unter all den anderen 111ern entdeckt.

Oder das sind 14 Einladungen zur Buchpremienparty samt Buch.

Oder das sind  3 Lesungen samt einem Fäßchen.

Oder das ist 1 Abendveranstaltung über den Fußball im Pott beziehungsweise über die Geschichte des Potts und ein paar Zerquetschte.

Oder das sind in der Summe eine Mischung aus den Angeboten, die bei startnext sofort buchbar sind.

Und natürlich gilt weiter auch: Teilt selber den Link zum Crowdfunding. Helft mit, weitere Unterstützer für das Buch zu finden. Helft mit das Erscheinen des Buches möglich zu machen. Alle weiteren Informationen zum Buch, seht ihr mit einem Klick zur Crowdfunding-Plattform Startnext.

Im Gespräch mit Birte Köppen könnt ihr nachhören, warum mir dieses Buch neben der Vorgeschichte zu ihrer Traumerfüllung  für Duisburg so wichtig ist. Denn in diesen zwei Jahren ging es um mehr als um das Erreichen eines sportlichen Ziels.



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